Full text : Dudweiler Zeitung

c. 108 23. Jahrg. Au m
*2 23. Jahrg 2 Donnerstag 22. Juli o9
Erscheint — — u— 4 — 18—16 4 Anzeigen
aglich mit Ausnahme —834 —UAI 4 d sben 10 40 pro 6spaltig
der Sonn⸗ eẽ —24 24 8— J Petitzeile
— und Feiertage. — e — Rs 5 auswãrtige 15 4
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— 88 Amtliches Publikationsorgan Keklamen
nonatlich 70 4 frei in's für die Bürgermeisterei Dudweiler. 2 eliige
Haus gebracht, Petitzeile.
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Presstonen des Prinzen Georg auf die Verschwoörer nich
aufhören und diese vom König und der Regierung, nich;
in Schutz genommen würden, werde Major Okanoͤwitsch
rmächtigt, alle Dokumente, welche den Prinzen und den
önig betreffen, zu veröfsentlichen. Diese Drohung be—
virkte, daß Pafic Okanowitsch sofort einen Dispositions—
tzonds von 40 000 Franks gewährte und der König den
Befehl zurückzog, wonach die Apanage der Hauptverschwö—
rer eingestellt werden sollte.

Worchen⸗Mundschau.
Endlich, enotich lacht die Sonne! Hoffentlich bleibt
s3 jetzt auch jo, denn das unaufyörliche Regenwetter hat
chon Schaden über die Maßen angerichtet. Die Hochwas—
ergefsahr scheint nun uch dem Witterunasumichlag auch
eseirigt zu sein.
Im Lande haben wir nun endlich die langersehnte
stuhe. Fürst Bülow hat nach einigen Abschiedsdiners des
seiches Hauptstade verlassen und wird vorläufig einige
zeit in Norderney bleiben, um dann in seiner italienischen
hilla Malta Wohnung zu neshmen. Sermn Nachjolger ijst
war ernannt, jedoch vorläufig weiß die Oeffentlichtkeit
ioch nicht, wie er sich einsühren wird, denn wir haben
etzt die sogenannte parlamenslose Zeit. Im Spätherbsft
oird wohl die neue Session des Reichstages ihren An—
ing nehmen und Herr von Bethmann-Hollweg hat dann
zelegenheit coram publico sein Programm zu entwickeln.
leberraschungen sind wohl kaum zu erwarten, denn der
eue Kanzler wird den Weg gehen, den seine Vorgänger
or der Blockära auch gegangen sind, er wird sich die
hehrheilen dort suchen, wo er sie findet. Und zudem
ind auch für die nächste Zeit heille Vorragen nicht zu
rwarten, sodaß Herrn von Bethmann-Hollweg vorvder—
and sein Amt nicht drücken wird. Was allerdings spä—
er werden wird, ob er in kritischen Zeiten Energie und
raft genug besitzt, das Reichsschiff unversehrt um gefahr—
rohende Klippen zu steuern, mit einem Wort, ob er so—
oohl in der inneren wie der äußeren Poliik sich als ein
uuter brauchbarer Steuermann erweisen wird, das läßt
ich heute noch nicht sagen; das muß erst die Zukunfjt
ehren. Die übrigen neuen Männer, die gleichzeitig mit
em neuen Kanzler ernannt wurden, sind mehr oder we—
tiger bekannt und im übrigen gilt für sie das gleiche wie
ür Herrn von Bethmann-Hollweg.
Die Folgen der Reichsfinanzreform machen sich schon
llenthalben bemerkbar. Die Streichholzschächtelchen wer—
»en von den besorgten Hausfrauen noch vor dem In—
rafttreten des Steuergesetzes en masse zu dem „billigen
breise“ eingekauft. Die Folge wird sein, daß die Zünd—
varenfabriken infolge der jetzigen Ueberproduktion eine
Zeitlang nichts zu tun haben werden und weiter wird
ruch wohl die Steuer im ersten Jahre den vollen Ertrag
liicht bringen können. Im Bierbrauereigewerbe ist eine
zewegung im Gange, die wohl einen allgemeinen Bier—
treik zur Folze haben wird. Während die Steuer pro
riter 4 Pfennig beträgt wollen Bierbrauer und Wirte
hrerseits auch ein Geschäft dabei machen und teilweise
ine Erhöhung bis zu 10 Pfennig pro Liter eintreten las⸗
en. Wenn wir recht unterrichtet sind, wird sich das bier—
rinkende Publikum eine derartige Ueberforderung nicht ge—
allen lassen, und so haben wir also einen solennen Bier—
rieg zu gewärtigen.
unser wesilicher Nachbar, Frankreich, bekommt jetzt
benfalls ein neues Ministerium. Das Kabinett Clemen⸗
eau, das sich bei den Marinedebatten ein Mißtrauens—
otum holte, hat dem Präsidenten Fallieres seine Demis—
ion angeboien. Fallieres unterhandelt mit den Fere
ührern zwecks Bildung eines neuen Kabinetts. Es ist
eltsam, daß ę3 gerade Delcassee sein mußte, der dem
chon dange nicht mehr ganz ialtiesten Kabinett Clenisn⸗
eau den Todesstoß verseßen konnte. Ein persönllches Ge—
länkel zwischen Delcassee und Clemenceau über die Tages—
rdnung, das sich schließlich zu einer erregten persönlichen
luseinandersetzung zwischen dem ehemaligen und jetzigen
Ninisterpräsidenten herausbildete, war die eigentliche Ur—
ache der Demission. Die Mehrzahl der Deputierten stand
mf Delcassee's Seite und bei der Abstimmung erlitt denn
much das Kabinett eine empfindliche Niederlage. Es will
ast den Anschein nehmen, daß der Einfluß des Deutschen—
jassers Delcassee wieder zunimmt. Das wäre im Inter—
sse der deutsche⸗französischen Beziehungen, die in der letz—
en Zeit erfreulicherweise bessere aeworden sind. au he—
auern.
Infolge der Kretafrage ist auch in Griechen—
land eine Ministerkrise entstanden, die mit der Demission
des Kabinetts Theotokis endete. Das neue Ministerium
Rhallis, der Führer der Opposition, verschlimmert die
ariegsgefahr noch mehr, denn Rhallis hat sich schon
nehrfach für die Auflösunz der Kammer ausgesprochen,
im so den Kretern Gelererhert ait gehen, Abaeordnete in

das griechische Parlament zu entsenden. Dadurch wurde
aatürlich der Siein ins Rollen gebracht und ein Krieg
anvermeidlich sein. Im Interesse des Friedens hat jedoch
der neue Ministerpräsident von dieser Maßnahme Abstand
genommen, aber die Kriegsstimmunag wird dadurch noch
mmer nicht beseitigt.
Persien ist schneller als erwartet warde, ein konsti
utioneller Staat geworden. Ali Mirza hat abgedanlt,
vährend sein Sohn zum Sultan ausgerusen wurde. Der
Aeichzeitig ernannte Regent für den minderjährigen Sul—
an, Assid el Mollk erfreut sich im Lande allgemeiner Ach—
ung, insbesondere bauen die Nattonaliften auf ihn, weil
»rx gerade wegen der Verfassungsfrage sich mit dem abge—
ankten Sultan überworfen hatte. Nachdem nun auch
dußland und England mit süßsaurer Miene die neue Re—
ierung anerkannt hat, wird nun auch wohl im dunklen
zersien, dem Lande der aufgehenden Soune, Ruhe und
Irdnung Einkehr halten. Jedenfalls ist wiederum einer der
aittelalterlicher Despoten gestürzt. Ob nicht der russische
zar angesichts der jüngsten Vorgänge in der Türlei und
uͤersien seiner reaktionären Politik entsagen wird? Auch
as russische Votk wird sich wohl eines schönen Tages auf⸗
affen, um das realtionäre System zu beseitigen. Diese
Jungrussen“ werden wohl dem Zaren nicht besonders will⸗
ommen sein.

Persien.
*æ Der neue Herrscher ist unter großem Jubel der Be—
ölkerung aus Saltanatabad in die Stadt Teheran ein
zezogen und hat im Palais Wohnung genommen. Die
stationalisten und Bachtaren brachten ihm lebhafte Ova—
jonen dar. Ein Zwischenfall hat sich nicht ereianet.

Türkei.
*.Wie aus einer Unterredung des „Temps“-Korrespon
denten in Saloniki hervorgeht, herrscht in den jungtür
kischen Kreisen lebhafte Verstimmung übern
einige unfreundliche Meldungen der Pariser Prefse
anläßlich der Berufung des Generaloberst Freiherrn vor
der Goltz. Diese Aeußerungen ließen erkennen, so er
klärt man in Saloniki, daß einzig die Feindschaft geger
Deutschland die französtsche Unterstützung Englands und
Rußlands in den Balkanfragen bewirkt hätte. Die Halt
ung der französischen Presse werde nicht dazu beitragen
die französischen Interessen im Orient zu stärken. De
„Temps“ bemüht sich an leitender Stelle, diese mißver
znügten Aeußerungen des Mitgliedes des türkischen Zen
tral⸗-Komitees als durchaus unzutreffend zurückzuwe ser
und die Türkei der werktätigen Freundichaft Englande
und Frankreichs zu versichern.

— —— — J
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Bei der Reichstagsersatzwahl im 2. pfälzischen
steichsstagswahlkreis in Neustadt a. d. Ha. erhielt Oeh—
ert (natl.) 94105 Stimmen, Huber (Soz.) 8384 Stimmen,
ziben (Zentrum) 7,056 Stimmen und Lehmann (Bd. d.
2dw.) 2487 Stimmen. Es findet somit Stichwahl awi—
chen Oehlert und Huber statt.
* Das Fiasko der preußischen Regierung
n der ausländischen Arbeiterpolitik wird in einem Er—
añn dox Ministers des Innern an die Obervräsidenten zu—
egeben. Belkanntlich wurde seinerzeit eine gleichzettige
zeschäftiaunng von Ruthenen und augändischen polnischen
lrbeitern an ein und derselben Arbeitsstelle verboten. Wie
s jetzt in dem Eriasse heißt, hat das Verbot in der
zraxis zu Schwierizkesten geführt, weil ein Unterschied
wischen dem ruthenischen unb dem polnischen Arbeiter
ch sehr oft gar nicht hernellen läßt. Es wird daher das
zerbot der gleichzeitigen Beschäfrigung von ruthenischer
nnd ausländischen polnischen Arbeitern sehr gemildert
elet kommt man auch noch dazu. das Verbot gänz⸗
ich aufzuheben.
* Der HDeutsche Verband für Frauenstimm—
echt hat an den Bundesrat das Gesuch gerichtet, den
8. Januar zur Erinnerung an die Reichsgründung als
zchulfeiertag einzusühren, dafür aber die noch in einigen
Zundesstaaten übliche Feier am 2. September aufzuheben
lus der Begründung des Besuchs geht hervor, daß der
eitende Gesichtspunkt in der Rücksicht auf die freundnach
arlichen Beziehungen zu Frankreich besteht. Wir müssen
jestehen, daß diese Anregqung wohl einer Erwägung wer—
väre.
*Die isterreichische Regierung beabsichtigt,
en Keilberg, die höchste Erhebung des bohmischen Erz⸗
ebirges, zu untertunneln, um eine viel kürzere
zahnverbindung zwischen Karlsbad und Norddeutschland
erzustellen. Die Verhandlungen mit der sächsischen Re—
tierung wegen der Weiterführung der Bahn sind bereiis
m Gange und jsollen. wie verlautet. sehr ausiichtsreich
ein

Die Termine der neuen Steuergesetze.
Da über den Zeitpunkt, an dem die einzelnen Steuer
gesetze in Kraft treten, noch immer Unklarkeiten bestehen
eilen wir nachstehend auf Grund zuverlässiger Fesistellun
hie genauen Termine mit. Es werden in Kraft treten:
1. Am 1. August:
Kaffee- und Teezoll,
Zündholzzoll,
Die Stempelsteuer, außer dem Scheckstempel,
Brausteuer,
Schaumweinsteuer.
2. Am 15. August:
Tabakfteuer, außerdem Zigarettensteuer.
3. Am 1. September:
Zigarettensteuer.
4. Am 1. Oktober:
Zündholz steu er,
Beleuchtungsmittelsteuer,
Scheckstempel,
Branntweinsteuer.
αιNSTS
Clemeneeaus Sturz.
In der Kammer kam es bei der Marinedebatte zwi—⸗
chen Clemenceau und Delcassee zu einer erregten Aus—
zinandersetzung, die den Sturz des Kabinetts zur Folge
satte. Delcaffee beantragte der Tagesordnung zuzustim—
nen, aber unter dem Ausdruck des Bedauerns, daß die
Regierung bisher nichts getan habe, um den Zustand der
Marine zu bessern. Darauf besteigt Clemenceau erregt
zie Tribune und erklärt, die Regierung lehne die Rat—
chläge Delcassees ab, der, als er selbst Minister war, eine
Politik gemacht habe, die Frankreich zur tiefsten Ernied—
igung führte. (Großer Lärm und lange Bewegung. Aus
allen Teilen des Hauses werden lebhafte Protestrufe er—
soben; man hört nur vereinzeltes Beifallklatschen. Bei
der darauf erfolgenden Abstimmung lehnt die Kammer
die von Clemenceau akzeptierte Tagesordnung des Radi—
kalen Jourde mit 212 gegen 176 Stimmen ab. Che
meneeau und sämtlicheMinister erhoben sied
nach der Vertündung des Refultats von ihren Bänken und
berließen den Saal unter Händeklatschen der äu
zersten Linken. Clemenceau fuhr nach dem Elysee, un
dmio De: cron der Reoierung zu überbringen

Oesterreich⸗ Ungarn.
* Mit großer Bestimmtheit trat in Wien d'ie Nachricht
auf, daß König Eduard den Kaisser am 10. August
nIschl bessuchen werde. In Wiener unterrichteten
Kreisen wird jedoch erklärt. daß darüber noch nichts be—
annt it.
* Russische Geheimpolizisten weilten in den letzten
Tagen als Privatleute in Wien, was sehr beachtet wor—
den ist. Mit der Wiener Volizeibebörde traten sie nicht
n Verbindung

Serbien.
* Anus Belgrad wird gemeldet: Die Verschwörer sind
nit einem Schlage wieder Herren der Situation. Obersi
Nisic teiste dem Minister Pasie mit, wenn die weiteren

Gesuühnt.

Torin, du mußt mit mir kommen; glaubst du denn,
ch ließe dich hier zurück, daß du meine Flucht verraten
önntesi? Wir reisen noch heute nach England; in Lon⸗
son lassen wir uns trauen, verleben dort ein paar ver⸗
mügte Tage und bauen uns später drüben in Amerika
ein behagliches Nest.“
Ich gehe nicht mit dir, Harald, ich muß zuerst mei—⸗
ier Mutter und meinem Bruder sagen, daß ich deine
Zraut bin“, stammelte das unglückliche Mädchen.
Ein höhnisches Lachen war Haralds Antwort, dann
8 er mit eisernem Griff den Arm des zitternden Mäd⸗
ens. —
„Unmöglich“, zischte er wutentbrannt, „du mußt und
uu follst mit mir gehen; meinst du denn, daß du se
eichten Kaufs von mir los kommst und ich dich nicht
wingen könnte? Du hast mir dein Wort verpfändet, und
ch gebe es dir nicht zurüd. Jetzt wähle: entweder du
ehst freiwillig mit mir, oder — —
Er vollendete nicht, drohend erhob er die Faust, seine
Augen gluͤhten zornig.
„Ich gehe nicht mit, Harald', stammelte Julia zit⸗
ernd. ich“ muß auersit meiner Mutter Lebewohl sagen.“
Ein Fluch entschlüpfte seinen Lippen; mit festem Grisf
rfaßte er das schwache Maädchen und zog es gewaltsam mit
ich in den tiefen Schnee. Julia strauchelte; fest klam⸗
nerte sie sich an den Arm ihres Peinigers, um nicht um—
pusinken, doch ihre Kräfte verließen sie.
So geh' ich allein, du willst es nicht besser“, nirschte
er Unhold⸗ und versetzte seinem armen se noch 52
erben Stoß, ‚nun bin ich dich los und wieder frei.“
Julia hörte ein sonderbares Kingen und Singen in
hren Ohren; es glich einem sanften Harfenspiel und dem
ßesang lieblicher Engelstimmen. Sie wollte ihr Haupt
rheben doch es dunkelte vor ihren Augen und ihre eisi—
zen Finger faßten in tanzende Schneeflocken.
„Ich jterbe“, hauchte sie tanlos. „Herr — erbarme dich
ich habe gesündigt —“.
Sie schloß die müden Lider, ihre Sinne schwanden,
nnd der dicht herabfallende Schnee dedte leise und ünd
28 unalückliche Mädchen.

—— —— — — —
Stunden waren vergangen. Die alte Frau Eichen⸗
rot ging geschäftig im Hause hin und her, eine namen⸗
ose Angst und Unruhe malte sich in ihrem sorgenvollen
Antlitz. Fast seit einer Stunde erwartete sie Julias Rüd⸗
lehr, bei jedem sich nahenden Schritt eilte sie an das Fen⸗
ster, um enttäuscht und seufzend ihrer Beschäftigung wie—
der nachzugehen.
Endlich war Bruno von seinen Krankenbesuchen
heimgekehrt. —
Julia ist noch nicht hier“, rie sie besorgt dem Ein—
retenden entgegen, — „ah, dort kommt sie“, rief sie er—
eichtert, als ein Wagen vor der Tür hielt.
Elsbeth stieg aus, gefolgt von dem alten Branneden.
Was ist geschehen?“ rief sie bestürzt, als sie die beküm⸗
nerte Miene ihrer mütterlichen Freundin sah.
Bruno erklärte es mit kurzen Worten.
„Julia hat heute gar keine Stunden gegeben,“ nahm
der alte Freiherr das Wort. „Wir ließen den Wagen bei
Frau von Treufels halten, um Julia mitzunehmen, aber
man hat sie dort umsonst erwartet, sie ist gar nicht ge—
kommen.“
„Das ist mir rätselhaft“, sagte Bruno heiser, „wohin
mag sie nur gegangen sein?“ *.
„Ach, ich hätte nicht so lange schweigen dürfen“,
schluchzte Elsbeth unter Traͤnen, ‚aber Julig bat und
lehte, ich solle schweigen, sie wolle es seilbst fagen“, dann
erzählte sie schlicht und einfach die Begegnung mit Julia
auf der Heide. Ich wollte ihr so gern helfen“, fügte sie
noch hinzu, „und da ich ahnte, daß sie auf der Heide
eine Zusammenkunft mit einem fremden Manne Katte.
ging ich absichtlich hin, um sie zu bewegen, sich uns an—
zuvertrauen und ihr Herz zu erleichtern.“
„Kanntest du den Mann?“ fragte der Freiherr streng.
„Nein, er eilte an mir vorüber, und der Schnee bleu—
dete mich. Ich fragte Julia nach dem Namen, aber sie
vollte ihn nicht nennen.⸗
„Es war ohne Zweifel der Schurke Harald von Rho—
yen“, zürnte Bruno.
„Der elende Heuchler“, sagte Branneden, „aber mein
Vagen steht noch vor der Tür, wir wollen eilends das
irme Kind retten“. und schnell fuhr man dex Heide

—Wir steht kein Wagen zur Verfügung; aber meine
Schülerinnen wohnen auch dicht beisammen, also mache
dir keine unnötige Sorge. liebste Mutter.“
„Du wirst doch nicht über die Heide gehen, Julia?“
bemerkte die Mutter betümmert, als das junge Mädchen
etzt eilig der Tür zuschritt.
Julla erbleichte momentan, doch rasch faßte sie sich,
amschlang ihre Mutter zärtlich mit beiden Armen, drückte
inen Kuß auf ihre Wange, und erwiderte:
„„Hältst du mich denn für so töricht und unvorsichtig,
iebste Mutter.“
Dann eilte sie flüchtigen Fußes aus dem Hause,
winkte mit der Hand der Mutter noch Lebewohl zu und
erschwand um die nächste Straßenecke.
Doch heute warteten die Schülerinnen vergebens auf
hre geliebte Lehrerin. Kaum hatte sich Julia wenige
Schritte vom Hause entfernt, als sie eiligen Schrittes den
Weg nach der Heide einschlug.
„Hoffentlich läßt Harald nicht lange auf sich warten,“
lüsterte sie halblaut, er schrieb mir die Sache sei wich—
ig; ah“, unterbrach sie sich dann, „‚dort steht er schon an
er Tür der Hütte.“
— Gleich darauf hielten feste Arme sie umschlungen, und
darald zog das geliebte Mädchen unter das schützende
dach des morschen Bretterhäussschens. Er jah erschrecend
F aus, und in seinen Augen blitzte unheimliches —
Feuer. —
IIch muß fort, Julia“, zischte er, „hatte soeben einen
ustigen Strauß mit dem MAten. Ich weiß nicht, wer den
Spion gespielt und ihm die Augen geöffnet hat. Genug,
ch bin enterbt; haha, so schlimm? ist' es aber nicht,
enn ich sorgte frühzeitig für mich, nur darf ich hier nicht
leiben, der Polizer wegen, weißt duf
Harald!“ stöhnte Julia verzweifelnd, „so weit ist es
dit dir gekommen! O, und ich liebte dich und vertraute
einer Ehrlichkeit!“
Ja, du sollst mein rettender Engel werden; aber
dir müssen fort — schnell fort von hier. In einer Viertel⸗
unde somm der Schnellzug, wir müssen ihn erreichen
t nute z3u verlieren.“
—X 8 ifternde M8
            
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