Full text : Dudweiler Zeitung

Añregung zu eine. nellen Vottordiggertauon geben
lönnte.
Johann Sebastian Bach 2. Unter dieser Spitz⸗
narke erzählt die Deutsche Wochenzeitung für die Nieder—
ande folgendes Geschichtchen: In einem Gelderschen Dörj—
hen wohnt ein braver gottesfürchtger Mann, namens
Janssen, der seit Jahren im Kirchlein die Orgel spielt,
velche Kunst, außer ihm, in der Umgegend niemand ver—
teht. Janssen erhielt nun eines Tages von einem Am—
terdamer Goldonkel die Einladung zur silbernen Hoch—
eit. Dabei durfte er nicht fehlen; aber wer würde an
einer Stelle Orgel spielen? Jeder im Dorf hatte Mitleid
zen mit Janssen, und es herrichte deshalb große Freude,
ils sich ein erst kürzlich ins Dorf gezogener jüngerer
Nann meldete, der erklärte, das Orgelspielen aus dem ff.
u verstehen; er habe es lange Zeit geübt. Janssen war
eelenfroh und am Sonntagmorgen saß er, im Schmucke
eines Bratenrocks und Zylinders, mit seiner festlich ge—
leideten Familie in der Straßenbahn, die ihn zum Gold—
nkel führen sollte. Gerade setzte sich der Zug in Beweg—
ing, als der liebenswürdige Orgel-Vertreter auf ihn
posstürzte und rief: „Ich habe mir die Orgel angeschaut,
iber da ist ja keine Schwengel dran!“ „Waaas?“ rief der
ntsetzte Organist, „Schwengel?“ Und es dämmerte in
hm ein schrecklicher Gedanke auf, der sich auch bewahrhei—
rete: Der dienstbereite Stellvertreter hatte früher bei ei—
tem Karussell Orgel gedreht und er hatte den Mechanis—
nus der Kirchenorgel unterschätzt . .. Janssen suhrnicht
m seinem Goldonktel!

Die Taschenuhr als Kompaß. Aus Philologen—
reisen wird der „Köln. B.“ geschrieben: Legt man seine
Laschenuhr mittags um 12 Uhr so hin, daß der auf 12
lehende kleine Zeiger genau auf die Sonne zeigt, und
äßt man die Uhr bis zum solgenden Tage um 12 Uhr
nittags liegen, fo zeigt die 12 natürlich immer die Süd—
richtung an. Würde der kleine Zeiger genau dieselbe
Amlaufzeit haben wie die Sonne, so würde er während
zer ganzen Dauer des Kreislaufs genau auf die Sonne
seigen und mit ihr nach 24 Stunden in die Südrichtung
jurückkehren. Da aber der kleine Zeiger doppelt so schnell
eht wie die Sonne, jo ist es klar, daß die Sonne 5
em Moment des Umlaufs genau in der Hälfte zwische
zem kleinen Zeiger und dem Südpunkt (bezw. der 12)
leht. Drehe ich nun in irgendeiner Tagesstunde die Uhr
o, daß der kleine Zeiger wieder auf die Sonne zeigt,
o rückt notwendig die 12 um die Differenz zwischen der
zisherigen Lage des kleinen Zeigers und der Sonne über
z»en Suüdpunkt hinaus, mit anderen Worten: Der Süd—
zunkt liegt in der Mitte zwischen dem kleinen Zeiger
ind der 12.

Der erste Kriegsballon. Die „Nordd Allg. Zig.“
chreibt: Jetzt, da man gerade den „Zeppelin 1“, unseren
erften „Reichsluftschiffktreuzer“, dem praktischen Dienst an
der Grenze übergeben hat, interessiett es, an den er—
sten Ballon zu erinnern, der altiv an einem Kampfe teil—
genommen hat. Dies war der von dem französischen
Physiker Coutelle konstruierte Entreprenant, der äußerst
wirksam die Operationen des Generals Jourdan gegen
die Oesterreicher während des ersten Koalitionskrieges in
Belgien unterstützte. Nachdem sich Coutelle bereits durch
einere Rekognoszierungen hervorgetan, erwarb er sich
unvergänglichen Ruhm in der Schlacht bei Fleurus (26.
Juni 1794), in der zum größten Teil auf seine Erkun—
igungen hin die Franzosen einen entscheidenden Sieg
über die Oesterreicher erfochten. Das energische Feuer,
das der Feind auf den Ballon eröffnete, war völlig wirk—
ungslos; Coutelle verfolgte von seiner hohen Warte aus
die Entwickelung des Gefechts und signalisierte jede Ver—
aänderung in der feindlichen Stellung an General Jour—
dan. Die Verständigung geschah durch ein doppeltes Ka—
bel, das an den Stricken, die den Ballon hiellen — der
Entreprenant war natürlich ein Fesselballon — befestigt
war. Außerordentlich schwierig gestaltete sich aber der
Transport des Ballons, der mit der Armee doch gleichen
Schritt halten mußte. Ihn jeweils an seinem neuen Be—
timmungsort zu füllen, hätte zu viel Geld und vor al—
em Zeit beansprucht, deshalb mußte man den Ballon
n der Luft misschleppen. 20 Taue waren zu diesem
zwecke am Mittelkreis des Ballonnetzes befestigt, deren
ẽnden von Soldaten gehalten wurden, die rechts und
links von der Landstraße marschierten, um den Zug des
sibrigen Heeres nicht zu stören. Coutelle, der nebenbei
hemerlkt, das erste reguläre Luftschifferkorps führte, nahm
später auch an Napoleons Erpedition nach Egypten teil,
wo er den Mamelutken mit seinem Ballon zwar einen
heillosen Schrecken verursachte, im übrigen aber wenig
in Aktion trat, da Bonaparte merkwürdigerweise die mi—
ltärische Verwendbarkeit des Ballons verkannte.
.. Vom Druckfehlerteufel. Aus einer Frauenzeitung:
Die Magd, nachdem sie den Kindern die Füße gewa—
chen, setzte die Köpfe aufs Feuer.“ Berichtigung am fol—
fenden Tage: „Die Magd, nachdem sie den Kindern die
kuüße aewaschen, setzte die Tröpie aufs Feuer.“ In der

„Ver Schurke hat dich belogen“. versetzte ruhig
r Freund.
83 Kind lebt bei dem Doktor Eichenrot und kommt
äglich ein paar Stunden zu mir, um mir vorzulesen. Der
junge Arzt war der sterbenden Mutter ein treuer Freund
und Tröster; nach ihrem Tode handelten er und seine
Mutter wie barmherzige Samariter an der armen Waise.“
„Eichenrot?“ stammelte der Gras. Der alte .Doktor
war in früheren Jahren mein Freund.
„Ja, aber jetzt wird dein Name bei den guten Leuten
gJar nicht mehr genannt. Elsbeth hat eine unüberwind
liche Abneigung gegen deinen Namen und gegen alle Nen—
schen, die mit dir in Verbindung gestanden haben; sie
jat feierlich gelobt, niemals die Schwelle deines Hauses
vieder zu betreten.“
Der Kranke stöhnte laut auf, unruhig warf er den
Kopf hin und her.
„Ich habe, dem alten Doktor einst unrecht getan,“
klagte er sich selbst an, „und ihn nie wieder gesehen.“
„Das war nur dein eigener Schaden, denn Eichenrots
ind prächlige Leute, und ein jeder ist beneidenswert, der
nit ihnen in nähere Verbindung treten kann— Ich habe
ungen LAottor Eichenrot herzlich lieb gewonnen, und
wenn nicht alles täuscht, dentt unsere leine Elsbeih ge—
adeso wie ich.“
„Das ist sentimentaler Blödsinn,“ grollte der Ster⸗
»ende, „ich werde niemals meine Einwilligung geben, daß
neine Enkelin einen armen Doktor heiratet.“
„Sie wird kaum um deine Einwilligung bitten; be—
denke doch, daß du sie im Zorn von dir gestoßen hajt“,
wandte ruhig der treue Branneden ein.
„Aber ich will das Unrecht sühnen“, entgegnete der
-Sterbende mit Anstrengung. „Sie soll Harald heiraten,
ann bleibt das Erbe beisammen.“
„Unmöglicht Harald liebt bereits eine andere.“
„Wer ist die Dame?“
„Das weit ich nicht — genug, daß er ein Schurk.
st, der dich seit Jahren betrogen hat. Und diesem Elen—
en willst du deine Enkelin anvertrauen, Gerloff?“
‚„Nein, nein!“ rief jetzt der Graf mit Anstrengung
laß sofort den Notar Lühen rufen, er soll ein neues Te—
tament für mich aufsetzen?

mun folgenden Verbesserung stand das Wort „Töpfe“ rich
ig, aber der Setzer hatte gesetzt: „Die Magd, nachdem si
en Rindern die Füße gewaschen, setzte die Töpfe auf⸗
jeuer.“ Endlich am fünften Tage stand der Satz tadel—
os da, nebst einer Anmerkung der Redaktion: „Wir ha—
ue unseren Setzer entlassen, er war ein — nachlässiger
erl.“
Ein Wohnhaus von der Höhe des Eiffelturmes
oll, wie die „Leipz. Neuest. Nachr.“ zu melden wissen,
n New-York nach den Plänen Burnhams demnächst für
eine Lebensversicherungs-Gesellschaft errichtet werden, die
Illerdings die zu erstellenden 6000 Räume größtenteils
ermieten wird. Das Haus soll nach Art der indischen
dürme dreifach gegliedert sein, zunächst werden 35 Stock⸗
verke errichtet, und auf diese auf kleinerer Grundfläche 16,
ind schließlich, als oberster kleinster Aufsatz, 9. Auf die—
en letzten Aufsatz soll dann noch ein sehr steiles Dach,
vie bei Kirchtürmen, aufgesetzt werden, das bei etwa 60
MNetern Höhe ebenfalls noch zahlreiche nutzbar zu ma—
hende Räume bergen soll.
Der Glänzende. Der Rechtsanwalt P., der im
zauptberuf Rejferveleutnant ist, hat sich eines Tages aus
Anlaß einer Regimentsfeier in Uniform geworfen. Also
in Schönheit erstrahlend, erscheint er im Gerichtsgebäude,
um einen wichtigen Termin wahrzunehmen, und frägt
den Vorsitzenden der Kammer, ob er etwas dagegen habe,
aß er, statt in der Robe, in seinem militärischen Ehren—
leide plädiere. — „Ganz und gar nichts“, erwiderte der
zorsitzende, „Sie sind hier so oft uninformiert erschienen,
aß Sie auch ganz gut einmal uni'ormiert erscheinen kön⸗
en.“ Aus „Stuß im Jus“.
——çAIZA&B—sE —
Zur Berliner Radrennbahn⸗
Katastrophe.
Auf dem Terrain des alten Botanischen Gariens an
»er Grenze von Berlin und Schöneberg befindet sich seit
urzem eine neue Radrennbahn, auf der sich am Sonntag
ine Katastrophe vollzogen hat, wie sie in den Annalen
»es Berliner Sportlebens noch nicht vorgekommen ist.
Fünf Menschen sind tot, zwanzig schwer und acht leicht
erletzt, abgesehen von vielen anderen Verletzten, die ihre
damen nicht angegeben haben. Auf Unfälle dieser Art
bar man bisher nicht gefaßt, man kann daher von einer
igentlichen Schuldfrage auch nicht sprechen. Daß derar—
ige Tribünen aus Holz gebaut werden, ist eine alte seit
em Bestehen der Radrennbahnen geübte Gepflogenheit,

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A

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ÿI!„JA—— ——- — — — —7—
ie nuch bisher noch niemals Grund zu Unglücksfällen ge—
»esen ist. Andererseits ist es noch niemals vorgekommen,
aß ein schwerer zweisitziger Motor beim Ueberschlagen
ber die Barriere hinweg in die Tribünen geflogen ist und
ort explodierte. Das Einzige, was von seiten der Auf—
schtsbebörde daher wohl in Zukunit agefordert werden wird,

„r A gier, ich vrachte ihn gleich mit. Ich wußte ja
vohl, alter Freumd, daß du deine Gesinnung ändern wüt⸗
est“, lächelte der Freund.
Eine halbe Stunde später verließ der Notar seinen
serbenden Freund, das unterschriebene Testament in der
dand haltend.
Branneden saß am Lager des Grafen und hielt dessen
velle, zitternde Hand fest in der seinigen.
„Elsbeth ist so treu und gut, wie ihre Mutter es
var“, flüsterte er leise; ich liede sie, wie mein eigenes
In und in Eichenrots Hause ist sie wie ein Sonnen
rahl. ..
Der Sterbende lächelte matt.
„Liebt der junge Doktor meine Enkelin“, fragte er
nühsam.
„Ja, vom ersten Augenblid an fesselte sie sein Herz“
„Ich möchte ihn gern sehen.“ brachte der Sterdende
tockend hervor. „Sein Vater war einst mein Freund, —
r scheute sich nicht, mir offen mein Unrecht vorzuyalten
ls ich Irmgard verstietz. Ich habe meine Härte ichen
ft bitter bereut, wiewohl niemand es ahnt, und der i
doktor meinte es so gut mit mit.“*
„Soll ich Bruno Eichenrot — und Elsbeth holen laof
en“, rief Brannecken in freudiger Erregung.
„Nein, nein — nicht heute. Ich bin muͤde — laß mid
chlafen. Komm morgen wieder zu mir — mit Elsbeth
sSeh' jetzt, alter Freund, ich muß schlafen. Komm mon
jen wieder zu mirt — mit Elsbeth. Geh' jetzt, alter, lie—
ber Freund, ich muß schlafen — sage noch kein Wort vor
dem Testament. — Harald wird enttäuscht sein“

Im fernen Osten graute bereits der neue Morgert
ils Harald von Rhoden nach einem wüsten Gelage heim.
ehrte. Er hatte gespielt, aber das Glüd hatte ihm
eute nicht gelächelt, und enorme Summen hatte er ver—
oren. Erhitzt vom Wein hatte er sogar auf den Namen
eines Wohltäters einen Wechsel ausgestellt; zwar machte
hm diese Tat keine unruhigen Gedanken, defto mehr ver—
immte es ihn, von dem Diener zu erfahren, daß geger
einen ausdrückllichen Befehl der alte Braunecen und der
dotar längere Zeit im Krankenzaimmer berweilt häatten

st eine Sicherung des Benzingefaäßes gegen das Auslau—
en beim Ueberschlagen, oder aber die Verwendung eines
inderen, weniger gefährlichen Brennstoffes. Vielleicht wer—
en auch die Barrieren, welche das Publikum von dem
Innenraum trennen, erhöht und verstärkt werden müssen.
denn ein weiteres Zurückrücken der Zuschauertribünen von
dem Rennplatz wäre in Berlin mit Rücksicht auf die Ko—
ten des Raumes unmöglich

Die Zahl der Opfer, die die Katastrophe auf der
Radrennbahn Botanischer Garten gefordert hast, ist jetzt
auf 6 gestiegen. Eine weitere Person, die im Eüsabethen—
Frankenhause Anfnahme gefunden hat, ist inz Laufe des
Nontags gestorben, und zwar der Tischler Julius Groß—
nann. Auch die Zah! der Schwerverletzten ist höher, als
nan am Sonntag augenommen bhatte. Außer den be—
reits bekannten schwer verleßzten Personen sind noch drei
veitere ins Elisabethen-Krankenhaus gebracht worden.
Insgesamt sind nun 6 Tote und 29 schwer Verletzte zu
zerzeichnen. Das Besinden der Schwerverletzten ist in der
Mehrzahl befriedigend.
*Ein GEifersuchtsdrama hat sich anf einem Dampfer
zwischen Neuhof und Harburg abgespielt. Eine in der
Zzafenstraße in Hamburg wohnende Frau unterh'elt seit
iniger Zeit ein Verhältnis mit dem Kapitän des Damp—
ers. Der Ehemann, der Kenntnis hiervon erhalten hai—
e, schlich sich in Neuhof unbemerkt auf den Dampfer und
zab auf die Frau mehrere Schüsse ab, sodaß diese schwer
oderletzt zusammenbrach.
* Explosion an Bord. Auf dem Hamburg-Amerika⸗—
Ddampfer „Passovia“ ercignete sich im Kanal infolge
Platzens eines Dampfrohres cine schwere Explosion. Zwei
MNann der Besatzung wurden getötet und Aepee schwer
erletzt.
* Burzew veröffentlicht im Pariser „Matin“ die anmn
geblichen Beweise für die Teilnahme Azews an der Er—
mnordung Plehwes. In einem Briefe, der kurz vor dem
Prozeß wegen des Plehwe-Attentates geschrieben worden
st, und der schon früher von Burzew veröffentlicht wur—⸗
de, gesteht ARzew ein, an dem Attentat gegen Plehwe und
anderen Bomöen-Attentaten beteiligt gewesen zu sein, so
z. B. an der gegen den Großfürsten Sergius. Azew hat
»em Terror'sien Sazanow, der die Bombe gegen Plehwe
geschleudert hat, die Bombe geliesert und ihm auch den
Tag bestimmt, an dem das Attentat ausgeführt wer—
den soll.
* Farmans neuester Rekord. Der Luffschiffer Far—⸗
man hat in Chalon alle bisherigen französischen Rekords
gebrochen, indem er mit seinem Doppelflieger 1 Stunde
33 Minuten in der Luft blieb. Der Ausstieg erfolgte um
T9 uhr. Bei der Landung erlitt der Motor einen leich—
ten Defekt.
*Ueber den Aermelkanal. Der frauzösische Luft—
chiffer Bleriot kündigt an, daß er am Donnerstag oder
Freitag einen Versuch machen werde. mit seinem Aeroplan
iber den Aermelkanal zu fliegen.
Humorifstische Ecke.
*Selbstbewußt. Mildtätige junge Hausfrau:
„Hat es geschmeckt? Das habe ich selbst gekocht.“ — Bett
ler: „Ach, mir schadet das nichts, Madamchen! Ich war
früher mal Glasschlucker in einem Zirkus.“
*Sonderbsre Logik. ‚Eine Karte zum Schnell—
zug nach Wien.“ — „Da haben Sie noch lange Zeit, der
fährt erst in drei Stunden ab.“ — „Na, das ist ein schö—
ner Schnellzug, der erst in drei Stunden wegfährt!“

Er wolue sosorr zu vem Siervenden, doch die Ppflegerin
yertrat ihm den Weg.
„Der Patient sei soeben eingeschlafen“, berichtete sie.
und der Schlaf dürfe nicht gestört werden.“
„Gut, so muß ich warten“, versetzte der Wüstling, sei—
nen Unmut, unter einer lächelnden Maske verbergend, aber
sobald der Graf erwacht, muß ich ihn in einer wichtigen
Angelegenheit sprechen, hoffentlich stärkt ihn der Schlo
ein wenig.“
„Ja, warten Sie nur“, murmelte die Pflegerin halb—
laut, „wenn Sie wüßten, was geschehen ist, würden Sie
den Kopf, nicht mehr so stolz und hochmütig tragen; der
gute Graf hat die Betrügereien endlich durchschaut, un?
der Motar war auch nicht umsonst hier.“
Harold von Rhoden ging auf sein Zimmer und holte
Wein, aber unwillig schob er das gefüllte Glas zurüch,
»hne es mit den Vippen zu berühren; dann durchmaß
ex das geräumige Gemach mit unruhigen Schritten.
„Ich bin in einer ganz verzweifelten Lage“, sagte er
u sich selbst, „wenn der schlaue Notar jetzt dazwischen
»mmt, so findet er bald heraus, daß die großen Vor—
»erke bereits versilbert sind. Alle meine schlau angeleaten
plane jscheitern; wenn der Alte ein neues Testamem
semacht hat, dann muß ich mich eiligst aus dem Staube
nachen, denn das Gericht läßt nicht mit sich spaßen. Na,
»er Alte kann nicht von mir verlangen, daß ich die her—
elaufene Bettlerin heirate, denn ich liebe Julia, und zum
vlück habe ich ja auch mein Schäfchen längst ins Trockne
zebracht. Julia hat meinen Brief, sie erwartet mich in
»er Hütte; es wird mir nicht schwer werden, sie zur
FxFlucht zu überreden, sie hat sich noch immer meinem Wil—
en gebeugt und wird nicht wagen, sich mir zu widersetzen.“
Er lachte höhnisch, warf seine brennende Zigarre ins
xeuer, holte eine kleine Reisetasche, raffte schnell einige
Effekten zusammen und warf sich aufs Sofa.
Im nächsten Augenblicke verkündigten seine gleich⸗
näßigen Atemzüge daß er fest eingeschlafen war.“ Auf
einem Antlitz spielte ein boshaftes Lächeln, und seine
Weien Lippen flüsterten im Schlafe ganz unverständliche
orte

„Julia, du kannst heute unmöglich ausgehen. Sieh'
och, wie der Sturm die losen Schneefiocken peitscht und
agt, du kannst doch gewiß deine Klavierstunden morgen
jeben, in diesem Unwetter erwarten dich deine Schülerin—
ien gewiß nicht.“
Die alte Frau Doktor Eichenrot stand am Fenster und
chaute besorgt dem dichten Schneegestöber zu, mit dem
der heulende Sturm sein tolles Spiel trieb, dann wandte
ie sich besorgt ihrer Tochter zu, die zum Ausgang ge—
üstet, jetzt vor ihr stand.
Julia sah heute bezaubernd aus. Die sonst so blei—
hen Wangen waren lieblich gerötet, und die Augen leuch—
eten so freudig erregt, wie man es seit langer Zeit nicht
nehr bei dem jungen Mädchen gesehen hatte.
„O, ich muß gehen, ich muß wirklich gehen, liebe
Mutter“, versicherte sie, und unwillkürlich umklammerten
hre Finger den Brief, den sie in der Tasche verbarg..
Ich kann meine Stunden nicht aufschieben, und wie du
iehst, kann ich dem Sturm und Wetter Trotz bieten; der
Zchnee wird auch durch meinen Pelzmantel und meine
Velzmütze nicht hindurchdringen.“
„Aber Bruno hat diese Ausgänge bei dem Sturm
rnstlich verboten“, wandte die Mutter noch ein; „er fürch⸗
et für deine Gesundheit, du bist ohnehin nichts weniger
als wohl.“
.Bruno sieht immer Gespenster“, lachte das junge
Vlädchen; „das Wetter wird mirt gewiß nicht schaden, und
varum sollte ich mich Vendeheim hersetzen, wenn
Elsbeth ihren Pflichten nachgeht?“
attte p Elsbeth im geschlossenen Wagen ho
en“, gab die Mutter erkärend zurück, „und wird vie
14——⏑⏑

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