Full text : Dudweiler Zeitung

Sokales.
Drei Jahre im Keller. Ein furchtbares Verbrechen
st in der russischen Stadt Sstrowez entdeckt worden. Im
deller eines Hauses, aus dem verdächtige Leute an die Außen⸗
velt gedrungen waren, wurde ein junges Mädchen gefunden,
as dort von ihren Angehörigen vor drei Jahren eingesperrt
yorden war. Die vierzehnjährige Sophie Kästenbere sollte
ei ihrer Volljährigkeit eine alterliche Erbschaft von 6000
dubel erhalten. Um diese Eibschaft beneideten sie die älteren
Jrüder und Schwestern, die ihr Erbteil bereits durchgebracht
atten. Um die jungste Schweñer um ihr kleines Vermögen
u bringen, beschlossen die älteren Geschwister, Soph'e auf
rebenszeit in den Keller des Hausts zu sperren. Eies nachts
ielen die Brüder über ihre Schwester her, fesselien sie an
dänden und Füßen mit festen Stricken, knebelten sie und
rugen sie in den Keller. Hier lebte das 'junge unschuldige
Wesen in Feuchtigleit und Kälte wie eine miitelarterlische
hexe. In den drei Jahren der Kerkerhaft war aus dem
»lühenden Mädchen ein Skelett geworden. Als die Polizei
n den Keller eindrang, bot sich ein furchtbarer Anblick dar.
In einem dunklen Keller voller Schmutz, ekler Wurmer und
hatten lag das junze Mädchen zusammengekauert. Ihr gan⸗
zer Körder war mit zahllosen Geschwüren bedeckt und blütete
aus zahlteichen Wunden, die ihm die Ratten beigebracht
hatten. Die Augen des unglücklichen Wesens waren vollgaͤndig
 erloschen, Arme und Beine waren derart durch Folter⸗
ungen ausgerenkt, daß die Aerzte ihnen ihre nafürliche
dage nicht zu geben vermochter. Das Mädchen konnde nicht
nehr sprechen, sondern nur noch weinen, und ein angstvolles
zillern überlief isren Körper, als sie Menschenstimmen hörte,
Sophie Kästenberg wurde in das Krankenhaus geschofft, wo
nie Aerzte hoffen, sie durch gruudliche Pflege wieder zu einem
MNenschen zu machen. Die entmenschten Bruͤder und die
ilteste Schwester des Mädchens wurden verhaftet.
Die nenue eingeführte Zündholzsteuer wird sich
ehr bald ftihlbar machen. Ein Paket, das bisher um 10
üfg. zu haben war, kostet jizt breits vor Inkrafttreten des
Zesetzes 12, 16 Pig. und darüber, und wird vom J.
LIuguft ab nur noch um 30 Pf. zu haben sein. Auch im
ffentlichen Leben außert die Steuer ietzt schon ihre Wirkung
5o wird ans Berlin berichtet: In den Gaftwirtschaflen
ind größeren Kaffeehäusern Berlins waren die Gäste bisher
jewohnt, auf den Tischen Zündholzbehälter zur freien Be⸗
uutzung zu finden. Das sou jetzt anders werden. Nach dem
Inkrafttreten der neuen Steuer würde die zäzliche Erneuer⸗
ing der Zündhölzer in größeren Lokalen eine recht erheblche
Nehrausgabe bedeuter, und so gehen viele Wirte dazu über,
zie freie Lieferung der Zündhölzer einzusteller. Sie brtugen
tatt dessen am Buffet und au anderen Stellen Zigarrenan⸗
lunder mit kleinen Gasflämmchen an. wie sie in den Zigarren⸗
vandlungen schon längst vorhanden sind. Das bedeudet flir
ie Wirte eine große Etsparnis, für die Zündholzfabriken
ber einen beträchtlichen Ausfall. Seitens des Prlvatpubli—
ims werden jetzt die Geschäfte gestürmt, da jeder noch vor
et zu erwartenden Preiserhöhung seinen Bedarf an Zund⸗
olzet für recht lange Zeit decken wil. Die Geschäfte der
‚ündhölzgroßhändler in Berlin mußten wiederhoit wegen
Izu starken Andrangs geschlossen werden. Selbs in großen
Varenhäusern waren Zundhölzer viel ausverkauft oder es
vurde wenigstens nur je ein Paket Zundhölzer abgegeben.
serschiedentlich hatten die Geschaͤfisinhaber Plakate angebracht
it der Inschrift „Lager aufgeräumt. Alles ausverkauft!“
Zur Bierverteuerung. Die Brauereien und Gast⸗
zxte in Berlin haben sich zu einem gemeinsamen Vorgehen
einigt, um die Biersteuet auf das Publikum abzuwäͤlzer.
er Mindestpreis für das Liter soll 40 Pfe. betragen. Dazu
merkt die „Charlottenburger Tageszio.“ äußerst ireffende
a Bayern kostet das ganze Liter Bier 24 Pfg. Dabei
id die Herstellung des Bieres in Bayern scharf kontrolliert
dees darf nut Hopfen und reines Malz snicht einmal
abholz] verwendet werder. Dabei hatte Bayein schon
nost einen hohen Malzausschlag. Wie kommt man dazu,
s Bier hier teucer [beinahe doppelt so teuer !] zu verkau'en.
s3 in Boyern, obwohl das bayerische Bier anerkannter⸗
aßen besser ist⸗

Aus Nah und Fern.
Saarbrücken, 19. Juti. Recschsbankstelle für die
adt Saarbriicken. Die Handelskammer hat in ihrer letzten
bung eine Eingabe an die Stadt beschlossen, in der sie
Bitte ausspricht, die Stadt möge die kostenlese oder
lige Gewährung eines geeignet gelegenen, genügend greßen
rplatzes mit enrsprochender Straßenfront zum Bau eines
ichs ban kstellengebaudes noch im Jahte 1909 in Ecwägung
den Sbr. Volksz.
*Böõltklingen, 19. Juli. Unter Teilnahme von 12600
csonen fand hier die Einweihung einer neuen Arbeiter⸗
onie der Roöͤchlingschen Eisenwerke in Verbindung mit der
ler des 285jährigen Jubiläums des Hüttenvereins Stahl
d Eisen statt. An den Erxkanzler Fuͤrsten Bülow wurde
gendes Telegramm gerichtet: „Tausende heute an feierlicher
caͤnne versammelte Mitglieder der Hüttenarbeiter⸗Vereine der
hlingschen Stahl · und Eisenwerke zu Völklingen, der Bur—
gher Hütte, des St. Ingbet Eifenwerls Krämer zu St. Ing—
at und des Stahlwerks Gouvy zu Oberhomburg, die über—⸗
agt sfind von der Gemeinschefi der Interessen von Arbeit⸗
der und Arbeiter sprechen Eurer Duichlaucht ricigesühlteften
ank für den während 10jähriger Kanzlerschaft belätigten
hus der nationalen Arbeit aus. Wir sind der Meinund,
iß es unserer Industrie und damit uns nur gut gehen kann,
an die Landwirtichaft gedeiht, die uns aber auch cinen
atz an der Sonne lassen muß. In dieser Uderzeugung
Ren wir uns mit Earer Durchlaucht eins. Gluͤck auf!
iedrich, Vorarbeiter.“ — Furst Bulow antwortete: Votr—
eiter Friedrich, Völklingen. „Ich bitte Sie, den Mitglin—
n der Vereinigten Hutlenarbeiter-Vereine meinen herzlich⸗
Dank zu Übermitleln für die Kundgebung, die mich un⸗
lelbar vor meiner Abreise erreichte und feht erfreuie. Die
Ihnen ausgesprochen: Ueberzeugung, daß die JInterefsen
Arbeitet und Arbeitgeber der Industtie und vandwirt,
ait nicht feindlich, sondern gemeinschastlich sind, hauten mich
meiner Arbeit für den sozialen Ftieden und für den
ut der natioralen Arbeiter geleitet. Mögen sie unser
it immer mehr durchdringen, damit es auch den gefahrlichen
leind, den Parteihader, überwindet. Fuͤrst Bulow
Elversberg, 18. Juli. Di. Braunsche Ziegelei wurde
jrem derzeitrgen Standort abgerisseu, da der Lehmvorrat
Rerschöpft in. Im oberen Großenbtuch wird stalt deren
emodern eingerichtete Vacksteinfabrik erbaut, welche noch
Eintritt des Winters in Betrieb kommen soll. an dem
nien Platze ist Lehmvotrat anf eine lauge Reihe von
re.

Fouin, 19. Jurnt. B. 2.) Ve ueversuyrung oe
3. 2* in die hiesige Ballonhalle soll nach den Reuesten
estimmungen Anjfang nächster Woche erfolgen. Das Lust⸗
ziff wird den Weg über die Nordeifel nach Düren und
öln nehmen. An der Fertigstellung der Halle wird fie—
erhaft gearbeitet. Von der Militär-Verwaltung sind in
er letzten Zeit große Grundstücke zum Landen für Luft⸗
hiffe erworben worden.
* Essen, 19. Juli. Automobil Unglück.) Ein
hweres Automobilunglück ereignete sich gestern früh 8 Uhr
uf der Chaussee nach Bredeneyer. 7 angeheiterte junge
'eute fuhren in einem Automobil in schnellem Tempo
ie abschüssige Chaussee hinab. Durch zu rasches Bremsen
berschlug sich das Auto und wurde völlig zertrümmert.
kon den Insassen erlitt einer eine Gehirnerschütterung,
ie andern wurden mehr oder weniger schwer verletzt.
* Hamborn, 19. Juli. (Selbstmord. — Er—⸗—
chossen.) Heer beging ein verheirateter Mann in der
Vohnung cines 18jährigen Wädchens, das seine Neigung
iicht erwiderte, Selbstmord, indem er eine Dynamitpat⸗
one in den Mund nahm und anzündete. Er wurde in
Ztücke zerrissen. Andere Personen wurden verletzt. —
der Schmied Wolf, der mit mehreren anderen in Streit
eraten war, wurde durch einen Schuß ins Herz getötet,
ein anderer wurde durch Messerstiche in Rücken und Hand
derlett. Drei Verhaftungen wurden vorgenommen.
* Frankfurt. 19. Juli. Gelandete Leiche. —
Messerheld.) Am alten Zollhof wurde die Leiche
des 34 Jahre alten Arbeiters Hermann Weidhaase aus
dohenleuben, Kreis Gera, geländet. — Bei einem Streit,
der in der Wirtschaft Saalgasse 7 entstand, wurden drei
Personen durch Messerstiche verletzt.
*Mannheim, 19. Juli. (SSchwerer Unglücks,
'aAll.) Im Stahlwerk Mannheim brach, als man bei
»er Montage eines Krans ein 270 Zentner schweres Werfk—
tück emporzog, die Kette und die herabfallende Katze zer⸗
rach den Mast, an welchem das Montagegerüst besefüigt
var. Dadurch wurden acht Arbeiter herabgeschleudert, von
enen sieben verletzt wurden, vier davon so schwer, daß
nan sie nach dem Allgemeinen Krankenhaus überführen
nußte.
* Ludwigshafen, 19. Juli. Mordversuch und
Zel best mord.) Der Taglöhner Peter Schäfer aus
Frankfurt a. M. kam nach hier, um seine getrennt von
hm lebende Frau zur Rückkehr zu bewegen. Als diese
ich weigerte, gab er vier Revolverschüsse auf sie ab. Sie
vurde jedoch nicht geroffen. Darauf richtete er die Waffe
zegen sich selbst und war sofort tot.
* Speyer, 19. Juli. Karambolage.) Die hie—
ige Schiffbrücke wurde durch einen Schlepppdampfer be—
chädigt, daß der Verkehr für Eisenbahn und Personen
jesperrt werden mußte. Das reisende Publilum mußte
»en Weg nach Heidelberg über Ludwigshafen-Mannheim
iehmen. Zur Wiederinstandsetzung der Brücke wurden 60
Nianiere vom hiesigen Bataillon kommandiert.
*300 Pferde bua⸗c rene Salve schen geworden.
Auf dem Schießpiatz des uatkriagers Mlada bei Bena—
ek (Ungarn) fand eint zueherung der Infanterie und
weier Eskadronen Druguner siatt. AÄls eine Kompanie In—
anterie, die unmitte!:nuc vot den angekoppelten Pferden,
twa 300 postiert waren, eine Salve abgab, wurden alle
pferde infolge der Detonation scheu und rissen sich los.
die Tiere rasten davon und konnten erst nach Stunden
vieder eingesangen werden. 6 mußten wegen schwerer
berletzungen getötet werden. Von den Mannschaften ist
liemand ernstlich verletzt worden.
* Jugendlicher Raubmörder. In Johannesdorf bei
daida in Böhmen wötete der 14 jährige Malerlehrling
renke die Gattin des Krämers Pihan durch Beilhiebe und
aubte 22 Mark. Als ein zwölfjähriges Mädchen ein—
au shalber den Laden betrat, verletzte er auch dieses durch
zeilhiebe lebensgefährlich. Der Täter wurde verhaftet.
* Geschütz: Explosion. Infolge Explosion eines Ge—
chützes wurden, wie aus Trowbridge gemeldet wird, zwei
Artilleristen getötet und drei weitere schwer verletzt. Der
Zzustand von zwei der letzteren ist hoöffnunaslos. Einzelhei—
en fehlen noch.
* Verlorenes Unterseeboot? Telegramme aus Cro—
ner teilen mit, daß die Hoffnung auf Hebung des gefun—
enen Unterseebootes C. 11 völlig geschwunden sind. Bei
en letzten Versuchen, die täglich nur eine Stunde lang
ei der Ebbe vorgenommen werden können, sind die Kei—
en des Hebekrahnes gerissen. Die Versuche werden von
em Schleppdampfer „Herculaneum“ und dem Panzerschiff
Crecy“ von neuem wieder aufgenommen werden. An
ßord des „Herculaneum besinden sich Rettungsapparate
ür den Fall, daß noch Lebende an Bord des C. 11 sich
efinden.
* Neue Erdstöße. In Ameliade und Umgebung (Grie⸗
henland) sind neue Erdstöße verspürt worden. Personen
ind nicht zu Schaden gekommen. FL
* Unwetter. Ein Kabeltelegramm aus Indochina be—
ichtet, daß am 15. Juli ein geftiger Orkan in Haichong
ind in den umliegenden Küstengebieten niedergegangen
ei. Zwei eingeborene Soldaten wurden getötet und 22
erletzt. Der Materialschaden ist beträcht!'ich. Die telegra⸗
hische Verbindung mit Hanoi ist unterbrochen.

Ein schweres Brandunglück in Berlin.
Auf der neuen Radrennbahn in Berlin ereignete sich
m Sonntag ein schweres Unglück. Bei. dem Stunden
)auerrennen platzie der Motor des Rennfahrers Siol
zufo gedessen tamen dieser und der Schrit macher Krüger
u Fall. Das dahincer liegende Tandem des Rennfah
ers Ryser, das von Borchert und Porte geführt wurde
»ollte ausweichen, doch die Fahrer hatten augenscheinlich
ie Gewalt über die VNaschine ver oren und flogen ir
roßem Bogen samt dem Motor in die dischtbe.
etzte Zuschauertribüne. Die Benzinvehälter
Tplodierten und helle Flammen schlugen empor
das Pubiikum brach in buntem Durcheinander über die
zahn in den Innenraum und wurde dabei mehrfach von
en anderen Fahrern angefahren. Die Feuerwehr
ourde alarmiert und zahlreiche Verletzte in allerhand Wa—
jen nach dem Krankenhaus geschafft. Tott sind bis jetzt
wei Frauen, die vollstaänkig verbrannt sind und ein
dind. Die Rennfahrer blieben größtenteils unverlehzt.
Nach einer Wolffschen Meldung beträgt die Zahl der
bdoten fieben und die der Schwerverletzten annä—
»ernd 30. D. Red.) Bisher wurden 3 Tote und einige
0 Schwerverletzte gemeldet, die in das E.isabeth-Kran—
enhaus eingeliesert wurden. DTie Motorjchrittmacher Wer
ier und Krüger sind leicht verletzt.
Von sachverständiger Seite wird über die Katastrophe
nitgeteilt, daß das Unglück nicht atlein durch die Schiud
»er Rennfahrer oder ihrer Schrittmacher verursacht isi,
ondern daß auch die Bauart der Bahn an dem Unglüci
ie Schuld trägt. Wäre die Bahn breiled gewesen, so hät
en sich die Fahrer gegenseitig ausweichen können und
as Unglück wäre nicht passiert. Es verlautet, daß für
ine Sanitätswache nicht gesorgt war, daß keine Tragbah—
en zur Verfügung standen, kein Arzt zur Stelle war und
ür Feuerlöschgerate wenig Sorge getragen war. Der
rößte Teil der Verunglückten sind Zuschauer. Ueberall
ah man an der Unglücksftätte zerfeßte blutende Gesich
er, Köpfe mit Brandwunden, Personen mit versengter
kleidern und leichteren Verletzungen. Die Schwerverietz
en haben komplizierte Schädelbruüche, Arm⸗e und Ober
chenkelbrüche ꝛc,, sowie Verbrennungen am ganzen Kör—
2 2M„——, 20322⏑⸗öç⸗ç6æ

Cesegramme.
Metzz, 20. Juli. Gestern traf hier Kapferer, der In⸗
zenieur des lentbaren Luftschiffes „Ville de Nanc,“ ein.
In seinet Begleitung befand fich seia Bruder und eini ge
zuft'chiffer. Die Herren fuhren zur Halle des „83 1 in
Freskaty, deren Besichtigung ihnen von der Militärbehörde
tlaubt war. Die Franzosen haben den Gedanken angeregt,
ꝛinmal einen gemeinsamen Aufftieg des „8 1* und „Ville
)e Nancy“ zu veranstalten und an der Grenze manöveriren
zu lafsen. Kapferer wohnte noch einem Aufstteg des „8. 1“
hei, über dessen Lenkbarkeit er sich besonders anerkennend
ausdrückte.
Köln, 19. Jull. Die Ueberführung des Zeppelin'schen
duftschiffes nach Köln soll nach neueren Bestimmungen an⸗
fangs nächster Woche ftaitfinden.
Hamburg, 18. Juli. Das 16. deutsche Bundesschießen
'and heute mit der im großen Festsaale vorgenommenen
Pieisverteilung seinen Aoschluß. Bürgermeister Dr. Burt—
Ardt hielt eine Rede, in der er den schönen Verlauf des
Schlutzenfelles heroochob und die Hoffaung ausdruckte, daß
»ie Wunsche für Kaiser und Reich und für das mächtige
Donaureich, die auf diesem Feste so oft ausgeforochen wor—
zen seier, in Etfüllung gehen möchten. Er wüulnschte dem
nächsten Bundesschicßen in Frankfatrt a. M. einen gleich
chönen Verlauf. Der Burgermeister schloß seine Rede mi
inem Hoch auf das deutsche Reich und auf die deutschen
Schützen Bankdirektor Wolff vom Vorstande des Deutschen
Schutzenbundes toastete auf die Stadt Hamburg und auf
Zürgermeister Burkhardt. Nachdem für fechs Scheiben die
Breisverteilung vorgenemmen war, wurde die weitere Preis⸗
zerteilung infolge vorgekommener Irrtümer veitagt.
Neapel 19. Juli. In der St. Vitostraße fluͤrzte gestern
das flache Dach eines dreistöckigen Hauses ein, wobei die
Zimmerdecken der verschiedenen Stockwerke durch chlagen und
eine Familie, die gerade beim Essen war, verschüitet wurde.
Das Ehepaar sowie zwei feiner Söhne wurden gelötet, eine
Tochter ist verletzt worden.
London, 20. Juli. Heute hat die englische Regierung
»eschlossen, in diesem Jahre noch 4 Dreadnoughts zu bauern.
Dieselben sollten nut dann gebaut werden, faüs dazu eine
dringende Notwendig'eit vorläge.
Chalons, 20. Juli. Gestern abend stieg der Luftschiffer
Fawaun mit seinem Doppelflieger auf und kilieb eine Stunde
23 Minuten in der Luft. Mit dieser Leistung hat er alles
isherige übertroffen.

* Madrid, 19. Juli. Einer Meldung aus Wielula zu⸗
'olge versuchten die Riffleute einen neuen Angriff auf die
panischen Vorposten. Die Spanier verstärkten min neu
ingetroffenen Mannschaften ihre Otkupationslinie und
ombardierten die vom Feinde besetzten Guruguhöhen. Die
ingeborenen wichen zurück, nachdem sie ein vierstündiges
Artilleriegefecht ausgehalten und schwere Verlusie erlitten
hatten.
*Konftantinopel, 20. Juli. In Stambul wurden 13
Personen gehängt, darunter General Jussuf Pascha,
der Urheber der Unrusen in Erzerum, General Tscherleß,
MNehmed Pascha, der Adjutant des früheren Sultans, zwei
IRbersten, zwei Leutnants drei Soldaten, der Journalij
Derwisch Wahdete. Sie sind alle überführt, an dem Putsch
nom 13. Avpril teilgenommen zu haben.

Sprachecke.
„Direkt.“ Eine höchst unverständige Anwendung fin⸗
det neuerdings das Fremdwort „direlt“ in der Umgangs⸗
prache des gewöhnlichen Lebens. Solche Gedankenlosig⸗
keiten verbreiten sich bekanntlich stets schneller als Gules,
und so schwatzt unüberliegt einer es dem anderen nach,
,. und noch mehr eine es der anderen, dieses lächerliche
direkt'. So hört man „das ist dirett unwahr“, „das ist
direkt geföhrlich“, „das ist dirett modern“, „das ist direkt
aAlbern“ oder „eine direkte Albernheit“; da wird ferner z.
B. von einer Steuer behauptet, sie sei „direkt unästhetisch“,
»der von einem Angeklagten, er sei direkt ein großer
Weiberfreund“; ferner liest man: „die verfügte Aenderung
ist direkt falsch; zur Zeit sollen Steine direkt knapp sein
in einem Marktbericht); diese Angaben sind durchaus er⸗
unden, ja wir möchten sagen: direklt erlogen. Und so
direlt“ es sich überall, als hätten wir im Deutschen all
die hübschen Steigerungswörichen nicht mehr, die so feine
und vielseitige Abwechselung in das „direlte“ Eineriei
eringen könnten, wie: wirklich, wahrhaft, gewiß, gewis⸗
ermaßen, entschieden, ausgeniacht, fürwahr, zweisellos,
weifelsohne, unzweifelhaft, unstreitig unleugbar augen⸗
cheinlich handgteiflich geradezu, örmiich, voliftandia,
zanz, gänzlich, gründlich, durch und durch, vollkommen.
ganz und gar, durchaus — das sind zwei volle Dutzend,
ind noch mehr findet man in Schlessings begrifflich ge⸗
dnetem „Deutschem Wortschatz“. Aber wer wird sich
»enn die Mühe machen, in einem Buche nachzuschlagen
»der auch nur in seinen eigenen Hirnlasien? Es ist ja
ine „direlte“ Unverfrorenheit, an den modernen“ Men⸗
chen ein solches Anfinnen zu sitellen. nicht wahrz

Humoristisches.
*Merkwürdig. Herr Unbedacht: „Ich lese eben
hier in der Zeitung, Luife, daß von einer Million Brie—
sen, die man der deutschen Reichspost anvertraut, durch⸗
chnittlich nur ein einziger nicht au seine Bestimmung,
gelangt.“ — Frau Luise: „Merkwürdig, daß das immer
gerade der ist. den ich dir zu besorgen gebe!“

mâpiel⸗Plan.
des Stadttheater⸗Ensemble in Dudweiler.
im Etablissement zum ‚Nassauer Hof.“
Direktion: Otto Koppenhöfer. Gegr. 1856.
Sonntag, den 25. Juli, abends seinhalb Uhr
Präciosa
Schanspiel mit Gesang von Alex. Wolf.
Dienstag, den 27. Juli, abenbs Seinhalb Uhr
Fräulein Keclitsanwalf
Lustspiel von Walter und Stein.
Freitag, den 50. Juli, abends Leinhalb Uhr
Das Geheimnis der Frauen
Preislustspiel von Blumenthal und Kadelburg.
Alles Nähere durch die CTageszettel.

Jestbeuahtfa
jesunde
und
334
darmkranke

NM&orwunq fũr:
sOuie
—X
in ver knvicklung
Zurũtkgedlsiebem
Nnden.

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