Full text : Dudweiler Zeitung

—öA—

——— —8 a — c Diienstag 20. Juli 09.
* 2 — * 8* ——
Erscheint 3— * 833 J. 9— * 67 5 A
Ataglich ait Ausnahme * * * osten 10 2¶pro bspalua
der Sonn· — — —— 38 — Petitzeile.
und geierise. ⸗ — 28 e caswaruge is 4
—t — —ñ —
Amtliches Publikationsorgan —9
für die Börgermeisterei Dudweiler.

— Xüüü
Abonnementspreis
nonotlich 70 frei in's
Haus gebracht,
el der Post bestellt A 2,25
wviierteljährl. Fernsprech⸗Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 250 269 u. 1261.

Mit zwei Beilagen: Reklam en
sonntagsblatt und Humoristische Blätter. 25 177 k8
* deh
hochster Rabatt.

Redaktion, Drcuci und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

⸗ — —
Die Abdaukung des Schahs von Versien.
ODie Revolution in Bersien hat mit der turischen
devo.ution nun auch noch diese Aehnlichkeit, daß der
zelbsiherr cher, gegen den der Freiheitskampf aeführt wor⸗
en ijt, jeinen Toöron verloren hat. 8war ist der Schah
ticht aogesert worden wie sein Kolleße Abdul Hamid,
onderna er hat abgedanst und ist so auf alle Fäele einer
Ibsetzung zuvorgekonimen. Noch ein anderer Zug ist ein
igentümlicher: der Schah dat sich in die russische Gesandt⸗
haft geslüchtet und sich in den Schutz des russischen Kai⸗
ers begeben. Das ist ein Vorgang, der eine Stufe tieser
eht as die Ereignisse in Konstaninopel: Abdul Hamid
at sich nicht an das Ausland gewendet, sondern hat es
orzezogen, den Streit mit seinen Untertanen allein aus—
umachen. So zeigt der Schah wieder einmal, wie weit
3klommen lann, wenn ein Herrscher sich harinäckig den
erechtigten Forderungen des Volkes widersetzt: er muß
cch an das Ausland wenden, er muß den Schutz der
rreniden gegen sein eigenes Volk anrufen. Es wird jetzt
ine interessante Frage sein, was Rußland mit dem Schah
infangen wird. Es kann das Vertrauen des Schah nicht
juut in der Weise täüuschen, daß es ihn seinen Feinden
sliekfert; einen Krieg für ihn wird es auch nicht führen
oollen, und die Kosten für eine Pensionierung des Schah,
em man eine russische Stadt als Residenz anweisen könn—
», würden sich auch schwerlich lohnen. Vielleicht ist es
em Schah noch möglich, ein Abkommen mit den Siegern
u treffen, die sich bis jetzt nicht bloß energisch und um—
chrig. sondern auch milde gezeigt haben. Weunn es ihnen
elingt, auf irgend eine Weise den Schah für die Zukunft
nschadlich zu machen so wird es ihnen auf ein bißchen
nehr oder weniger Geld nicht ankommen. Im Uebrigen
erdient die Raschheit und Sicherheit, mit der die Sieger
Ite Anordnungen getroffen und ihren Erfolg befestigt ha⸗
en, alle Anerkennung. Binnen kaum 24 Stunden war
as Parlament berufen, ein neuer Schah eingesetzt, eine
tegentschaft und eine Regierung gebildet und ein Abkom—
ien mit der Kosaken-Brigade getroffen. Die Schwierigkei⸗
en der Lage sind damit noch nicht alle bewältigt, aber
ie Führer der Bewegung haben doch gezeigt, daß sie
oissen, was sie wollen, und daß sie alles gut vorbereitet
aben; man darj daher erwarten, daß sie auch weitere
zchwier gkeiten siegreich bewältigen werden. Eine Haupt⸗
age ist: Was wird nun Rußland tun?
Die in Kaswin angelangte russische Invasionsarmee
oll naach einer Reutermeldung. und „Zweifellos ohne Ver.
ug zurückkiehren“, da ihr Erscheinen in Teseran nach der
Vendung der Dinge nicht mehr ersorderlich sei. Wir glau⸗
en noch nicht recht daran, daß Rußland geneigt sein
vird, ohne weiteres seinen Beuterist durch Persien aufzu—
eben. Jedenfalls steht das eine fest, daß das persische
zolk den Russen einen argen Strich durch die Rechnung
emacht hat Die Aera des machtlosen unter russischem
zinfluß stehenden Muhamed Ali ist vorüber, sein Sohn ist
um Schah ausgerusen worden, und da dieser noch min—
erjähriz ist, vorläufig ein Regent ernannt. Das Land
at wieder eine Verfaisung und ein RParlament, und es
it zu hossen, daß Persien nach dem A⸗ↄzug Muhamed Ali
nd der russischen Bedrücker besseren Zeiten entgegengeht.
die neue Regierung ist dabei, im Resche Ruhe und Ord
cung berzustellen, und es ist zu hoffen und zu wünschen,
az ihr dies bald gelingen möge, damit der ruifschen
stegierung jeder Vorwand genommen wird, die Kosaten
ioch länger in Versfien zu lassen.

das Furstenpaar fuhr, verannahte. In der Wilhelmstraße
mußte der Wagen einem Wunsche der Menge nachtommen
und langsamer fahren. Der Fürst und die Fürstin dank—
en freundlich für die dargebrachten Ovationenu. Im Auif⸗
rage des Kaisers war Obersti von He neccius am Bahn
jof erschienen, ebenso der Konmmandbeur der Garde⸗Feld⸗
rtillerre-Brigade, welcher der Fürstin einen prachtvo len
dosenstrauß überbrachte. Als das Fürstenpaar aus dem
Salon trat, unterhielt es sich mit den Erschienenen, ins⸗
»esondere Bülow mit Herru von Bethmann-Hol:weg. Un⸗
er stürmischen Hurrarufen und Tücherschwenlen und dem
Lbsingen des Liedes „Deutschland, Deutschland über ai—
es“, setzte sich der Zug in Bewegung. Das Fürstenpaar
var von der Hudigung sehr gerührt und Abschiedstraͤnen
onnte man in den Augen der Scheidenden wahrnehmen.
zIn dem Augenblick der Absahrt ertönte aus der Menge
et Ruf „Eopiva Italia“, ein Abschiedsgruß für die am
zeuster stehende Fürstin, die mit den Worten danlte: Ich
zin eine Deursche.“
* Fürst Bülow nebst Gemahlin kamen am Sonntag in
damburg an. Zum Empfang am Bahnhof waren u.
er Reichstags-Abgeordnete Dr. Semler und der direktoi
er Hamburg-Amerika⸗Linie erschenen. Das fürstliche
Zaar begab sich im Automobil nach dem Park⸗Hotel in
eufelsbrück˖ ( Klein⸗Flottbeck), wo es noch s Tage ver—⸗
oeilen wird.
* Wie der Schlesischen Volkszeitung“ gemeldet wird
vird das Zentrum bei der Neumhese dunug ve⸗
Neichstags⸗Präsidiums weder einen Praͤsidentenposten
eanspruchen noch ein ihm eventuell angebotenes Präsi—
ium annehmen.
*Ein Gesetz über die NEuderung der Fahr
artensteuer, die bekanntlich vom Reichstag beibehalten
opurde, wird, wie Berliner Blätter melden, von der Rée
zierung dem Reichstage in der nächsten Tagung vorge
egt werden. Die Regierung steht nach wie vor auf den
Ztandvunkte. dak die gegenwärtiage Form der Fabrtar
ensteuer schädigend auf die Entwicklung des Verkehres
nd auf die ECinzhenen ker Tanresstaalen aus dem Per⸗
onenverkehr zurückwirkt. Die Vorschlage der Regierung
ur Jeserm de? Fahrkartensteuer werden sich an die Denk
hriff* der Regiexrung über Lie Fahrkartensteuer anlehnen,
ie der Kommrission auf r Verlangen vom Reichsschatz⸗
mte vor mehreren Wochen vorgelegt wurde. Die Regier⸗
ing hat einen 3 prozentigen Zuschlag unter Freilassung
»er Fahrkarten vierter Klasse zum Sreise bis zu 1 Mart
n Anregung gebracht.
* Der bayerische Staatsrat Ritter v. Burkhardt, Be—
ollmächtigter zum Bundesrat und einer der bedeutend,
len Arbeiter in dieser Körperschaft, hat nach dem Abschluß
der Finazreform jetzt seinen Abschied genommen. Er ist
ls wirklicher Geheimrat und Exrzellenz zum Präsidenten
der Königlichen Bank in Nürnberg ernaunt worden.
* Frhr. von Heyl legte, nach einer Meldung aus
Vorms, sein Reichstagsmandat in die Hände
er Vertrauensmänner zu rück, die es ihm einstimmig
i »44nvpertranten

Wersien.
*In Kirmanschah herrscht großze Unruhe. Die
Bepolterung bildet zwei Parteien. In der Siad wird
nel geschossen. Bis auf den Hof des russischen Konsula—
es fliegen die Kugeln. Der Gouverneur ist außerstaside,
ie Ordnung wieder herzustellen. Aus Hamadan wird
gemeldet, daß die Staot sich in den Händen der
sevolutionäre befeindet. Die Zahl der revolutio
iären Truppen steizt. Obzleich Barridaden errichtet weir⸗
»en, ist die Ordnung bisher nicht gestört. — In Teheran
nerrscht wieder Rushe. Die Bazare sind geöffnet. De⸗
dandelsverkehr ist aufgenommen.
Hof und Gesellschaft.

Don Carlos 7
DODon Carlos ist einem Schlaganfalle erlegen
zofort nach seinem Tode wurde der Kaiser von Oefsier
eich, der oͤsterreichische Konsul in Mailand, sowie der
btadrider Hof und die Verwandten des Verstorbenen tele—
graphisch benachrichtigt. Die Veiche des Don Carlos 11
in einem Salon des Hotels, in dem er wohnte, aufge⸗
bahrt. Die Sterbesakramente wurden dem Verstocbenen
durch Don Berberi gereicht, der sich im Gesolge befand.
Nittwoch erfolgt die Beiseßsung. Die Leiche wird in die
dirche von Casteno und von dort nach Triest überführt.
Mit dem Tode Don Carlos', der zu Unrecht von der
Thronfolge ausgeschlossen war und deshalb für seine Rech.e
nit gepanzerter Fa ist eintrat, unterstützt von den ihm er—
gebenen Basken und Navaresen, hat für die jetzige pa—
aische Königsfamilie ein immerhin unbequemer Mann
das Feld für immer geräumt. Don Carlos war am 30.
Därz 1848 geboren und durch den Verzicht seines Vaters
868 in den Besitz der Thronan prüche seines Oheims, des
Brafen Montemolin. In den Carlistenkriegen mußte er
ch ießlich der Uebermacht der spanischen Regierungstrup⸗
en weichen, obwohl die Landbevölkerung in den Nord—
ovinzen sich für ihn erklärte. Mil dem Rest seiner
Truppen überschritt nach dem Verlufie Estellas und nach
»em König Alsons seinen Einzug in Pampelona gehalten
hatte, Don Carlos die französische Grenze und begab sich
iach Pau. Dort erließ er 1. März 1876 eine Proklama⸗
ion an die Spanier, denen er seine Rückkehr in Aussicht
tellte. Später begab er sich auf Reisen. Seit 4. Februar
867 ist er vermählt mit Margareta von Parma, die am
29. Januar 1893 starb. Kinder dieser Ehe sind 4 Prin—
essinnen und der Infant Jayme, geb. 1870. Don Car—
os vermählte sich in zweiter Ehe 1894 mit der Prin—
essin Maria Bertha von Rohan, geb. 21. Mai 1860.
Nachdem die jetzige spanische Dynastie sich bemüht, dem
Lande alle Wohltaten friedlicher Entwicklung zu sichern,
sann man nur wünschen, daß die Carlisien endgültigen
Frieden halten.

Nahrungsmittelverfälschungen.
Man tann nicht ost genug in der Oeffentlichkcit auf
die zunehmende Verfälschung von Nahrungsmitteln ausj—
nerksam machen. Denn nicht nur, daß durch sie Gefahren
üür die Gesundheit der konsumierenden Bevörkerung enr
tehen, wird durch sie vor allem das kausende Publikum
ortwaͤhrend übervorteiet. Denn das ist ja doch der ganze
Zzweck der gewerbsmäßigen Nahrungsmittelverfälschung,
ius der verzälschten Ware größeren Gewinn zu ziehen,
als es mit reeller Ware moͤglich wäre. Ungemein er—
ichtert wird das Geschaäft der Nahrungsmittelfälscher durch
die Schwierigkeit einer scharsen uad allgemeinen Konttoh
e. Selost der Detaillist ist nicht in der Lage, die Waren,
re er an das Publikum vertreiot, auf ihre Quaität zu
»rüfen. Er kann es umso weniger, als bei der raf inier⸗
en Art und Weise, mit der heutzutage die Nahrungsmit—
el verfälscht werden, womsglich der ganze Warenbe tand
ruf die Qualität untersucht werden müßtie. Vor kurzeni
piel:e sich vor einem deutschen Gericht ein Prozeß ab,
n dem ein Kolonialwarenhändler wegen Verkaufs von
erfaljchtent Mehl angellagt war. Der Händler hatte gar
cine Ahnung, daß er verfälschte Ware verkaufte. Es
tel.te sich vielmehr heraus, daß das Mehl, das aus Un—
zarn stammte, schon ver älscht über die Grenze gekommen
var, und daß wahrscheinlich Hunderte von Detai listen de
ses verfalschte Krodukt vertrieben, ohne eine Ahnung je
ihn nur noch mehr reizten.
Er blidte finster, fasft drohend auf das erschrockene
Mädchen nieder.
„Der Alte verlangt noch mehr', zischte er dann; „es
oll mich doch wundern, ob dir vieser Pian auch gesallen
vird!“
„Was ist es, Harald?“
„Bah, er verlangt, ich soll seine Enkelin heiraten,
»amit die Besitzungen und das enorme Vermögen unge.
eilt bleiben.“
„Julia erbleichte bis in die Lippen, angsterfüllt sal
sie den Geliebten an.
„Liebst du mich nicht mehr?“ hauchte sie tonlos.
„Gewiß, ich liebe dich wirklich“, suͤchte er sie zu be—
uhigen. „Sieh', Kleine, du hast mich gereizt, sonst hätte
ch dir den Plan des Alten nie verraten. Doch sei nur
uhig“, tröstete er weiter, als Julig die Tränen nicht län⸗
ger zurückdrängen konnte, „ich habe nur gescherzt.“
Sanft zog er das weinende Mädchen an sich, drüdte
einen Kuß auf ihre Stirn und flüsterte ihr zu:
„Es bleibt aber unser Geheimnis, du hast doch noch
ein Wort verraten?“
Sie schüttelte traurig das Köpfchen.
„Nein“, versicherte sie, ich habe ja leider lernen
nüssen Geheimnisse zu bewahren; ach, Harald, darf ich
»enn noch nichts sagen?“
„Nein kleiner Liebling“, entgegnete er zärtlich, aber
»ennoch mit einem so drohenden Blick, daß Julia unwill⸗
ürlich schauderte.
„Bald, gar bald soll die ganze Welt unser süßes Ge—
heimnis wissen, dann fordere ich dich von deiner Mutter
als meine holde, kleine Braut.“
Julia seufzte.
„Ich habe unrecht getan, Harald, ich hätte ohne Wis—
en meiner Mutter dir diefe Zusammenkünfte nicht ge—
tatten dürfen“, bekannte sie offen.
Harald lachte höhnisch.
„Das ist mein Werk, ich habe dich soweit gebracht',
iab er leichthin zurük. „So, Kleine, sei mutig und stark.
ch muß jetzt gehen, denn ich darf den Alten nicht so
ange allein lassen. Jetzt lasse ich dich hier zurück unr⸗
nehe allein üher Bie Geide venn wie ifen nicht 20864*

Fraukreich.
* Anlaßlich des Besuches des Präsidenten Fallieres
»ar Havre jestlich illuminiert. Sonntag Abend fand zu
hren des Präsidenten im Rathause ein Ball statt, zu
em famtliche Notablen geladen waren. Eine halbe
tinde später kehrte der Präsident nach der Unterpräfek⸗
ir zurück. Auf der Reede fand ein venezianisches Nacht⸗
est statt. Tie Schisse des Nord⸗ und Mittelmeergeschwa⸗
ers waren illuminiert.
* Der französische Ministerpräsident Clemenceau ist
⁊der Nacht zu So intag auf der Straße von einem In⸗
viduum mit einem Stock bedroht. Ein Geheimpolizist
ahm den Angreifer fest. Es stellie sich heraus, daß es
H um erinen betrunkenen Zeitungsverkäufer handele.

Volitische Rundschan.
Deutsches Reich.
*Der Kaiser traf am Montag abend in Bergen ein.
onig Haakon kam an Bord des Königsschiffes „Norge“
in. Heute gibt Konig Haakon einen Lunch für den Ka—
er im Gebirgs-Pavitlon Floeten.
Zu einer imposanten Ovation gestaltete sich die
bfahrt des Fürsten und der Fürstin Bü—
o w, die um 1 Uhr 20 Min. vom Reichskanzler⸗Palais
us erfolgie. Die Linden entlang durch das Branden—
urger Tor bis zum Lehrter Bahnhof bildete eine nach
'ausenden zählende Menge Spalier, die in endlosen Ju⸗
el ausorach, als der ossene Zweispänner-Wazen, in dem
VW
Gesühnt.
Sie verlietz eilends das schützende Bretterdach, die
ben noch bleichen Wangen färbten sich purpurn, die Au—
en strahlten in freudigem Glanz, und mit ausgebreiteten
lrmen eilte sie dem Ankommenden entgegen.
„Harald!“ kam es jubelnd von ihren Lippen.
Der junge Mann beugte sich über das erregte Mäd—
en herab und küßke flüchtig ihre eisige Stirn.
Er war ein schlanker, junger Mann, sein Gang, seine
altung kennzeichneten den Aristokraten, aber seine Augen
lickten finster, und ein häßliches. zynisches Lächeln ver⸗
errte seine Züge.
„Ich freue mich, daß du endlich gekommen bist, ich
onnte fast nicht mehr länger warten“, —*—* das junge
scädchen, zitternd vor Kälte.
Der junge Mann runzelte unwillig die Stirn. S' ist
in miserables Wetter“, brummte er, dann zog er das
villenlose Mädchen wieder in die elende Bretterhütte zu—
ück, ‚„und dieses Obdach ist kaum für einen Hund gut
— Julia, der Wind vieift durch alle Spaͤlten aünd
Sitzen.“
„Ja, aber die Hütte schützt uns vor Beobachtern,“
vandte Julia schüchtern ein, ‚und du hast doch diesen
ort der Zusammenkunft selbst bestimmt; du wolltest doch
eute mit mir sprochen, wie du mir geschrieben hast.“
„Ja; bah, was liegt mir eigentuch auch daran — ist
as fremde Wädchen denn immer noch bei euch, Julia?“
„Ja“, versetzte Julia kaum hörbar; die zornig fun—⸗
elnden Augen des jungen Mannes, der drohende Ton
einer Stimme ließen sie erbeben.
Harald stieß ein, verächtliches, heiseres Lachen aus.
Sine ganz verrücktte Idee“, zischte er. „Ich gestehe, deine
dutter und dein Bruder sind wohl närrisch geworden, wie
onnten sie sonst ein herumgetaufenes, wildfremdes Mäd⸗
en aufnehmen und es mit zur Familie rechnen!?
MNein, nein, kein Wort weiter“, flehte Julia, mit den
ränen kämpfend, „wenn Elsbeth diese Worte hörte, so
ürde sie unglücklich werden. Der alte, gute Freiherr von
ranneden in ihr Freund. Er kam gleich zu uns, um
Asbeth ganz zu sich zu nehmen, aber wir wollten unse—⸗
nSchüßling nicht wileder lassen. Denke nur. der alt—

Spanien.
*Aus Madrid wird berichtet: Das spani che Kö—
nigspaar wird anläßlich seines Be'uches der Ausjterl—
ag von Saloniki im Oktooer mit König Eduard
ne Begegnung baben, der von e nem großen Geschwa—
er begzletet, dort eintreffen wird. Auch französüche
riogs cffe werden erwartet Die Nachricht ijt anitleich
n nih t bestätigt.

derr kannte ihre Weutter; er Ist jetzt ganz einsam, denn
ein einziger Sohn starb vor Jahresfrist. Nun bat er
ẽlsbeth, täglich ein paar Stunden zu ihm zu kommen,
im ihm vorzulesen, da seine Augen schwach geworden
ind; er zahlt auch dafür ein hohes Honorar. Elsbeth
iahm freudig dieses Anerbieten an, und besteht auch dar—
nif, für ihren Unterhalt bei uns zu zahlen. obgleich wir
zichts davon wissen wollten.“
„Der alte Narr; er mischt sich immer in Sachen, die
hn gar nichts angehen“, zürnte Harald finster. „Es ist
nir gar nicht lieb, daß das Maͤdchen überhaupt noch
sier ist; wenn es nach meinem Willen ginge, müßte es
ängst über alle Berge sein.“
Julia erschrak, bestürzt trat sie einen Schritt zurück;
aber sie fühlte sich in Haralds Gegenwart so eingeschüch
ert, daß sie jetzt keine Entgegnung wagte.
„Bah, eigentlich kann es mir auch gleichgültig sein,
Jeine Julias, fuhr er höhnisch fort, „ich sorge schon däa
ür, daß fie meinen Weg nicht kreuzt. Schon seit Jahren
sabe ich es meisterhaft verstanden, für mich zu sorgen,
iber“, wieder verzerrte ein heiseres Lachen seine Zuͤge,
‚es geht dem Alten ein wenig besser, er kann wieder ei
nige Worte sprechen. Natürlich freue ich mich darüber“,
ügte er schnell mit beißender Fronie hinzu, „aber unglück
icherweise hat er den, Besuch seiner kleinen Enfelin nicht
ergessen. Hahaha, er denkt wieder au ein Testament,
»as er zu Gunsten dieser heragelaufenen Abenteuerin än—
ern will.“
Julia schauderte; entsetzt blickte sie den Sprecher
in. „Das ist gerecht, seine Enkelin darf nicht leer aus—
ehen,“ kam es leise von ihren bleichen Lippen.
„So, denkst du das?“ höhnte Harald, ‚es ist nicht
erecht? Es ist eine Schande, sage ich dir. Was kann
hm diese Fremde denn sein, und was ist sie ihm gewe—
en? Nichts, gar nichts! — Ihre Mutter lief mit cinem
ollen Aenteurer davon, was geht ihm nun das Kind
ieser Verstoßenen an? Und mum dente an mich. Län—
ser als 15 Jahre habe ich bei dem närrischen Sonder—
ing ausgehalten, habe seine Launen ertragen, und jetzt
oll ich das Erbe mit dieser Beitlerin teilen? Das ist eine
Zchande, eine elende, jämmerliche Schande.“
„Still, still, sprich nicht so, ich ertrage es nicht“, flehte
Riio kaum höärbar. pbaleich sie pite. daß diefe Worn
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.