Full text : Dudweiler Zeitung

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fahrt. durite diese, falls sie nicht bereits am 11. August
vor sich gehen sollte, auf der Rückreise König Eduards
von Marienbad nach England, am 2. September, statt—
sinden.

Nedaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

chon Anstalten, ihrerserts die „Beruhigung“ der beun—
uhigten Marokkaner noch kräftiger als bisher zu be—
reiben. Schon treffen, wie bestellt, Hilferufe von Euro—
äern ein, die sich angeblich in Fez, der zweiten Haupt—
tadt des Landes, niht mehr sicher fühlen und natürlich
ie Franzosen als Erretter herbeirufen. Die Franzosen
verden sich nicht vergebens „rufen“ lassen. Und wenn sie
rit einmal da sind, bringen sie keine zehn Pferde mehr
inweag.

Marokko.
e Länder, vorn denen am meisten in den Zeitn
en die Rede ist, verdanten das meist nicht ihrem unge—
zöhnlich blühenden Glückszustand, ihrer ausgezeichneten
tich.ierung und ihren vorbildichen Einrichtungen. Anch
Narokko taucht des alb immer wieder aus dem Dunkel jei—
ser wenig abwechselungsreichen Geschichte empor, weil es
ines der wenigen Länder ist, die nocch nicht in fe—
sen Händen sind. Die Kulturvölker der weißen Rasse
und in den letzten Jayrzehnten dahin gelommen, ihre Be—
iercde nach Raub und ihren Durst nach Ruhm nicht mehr
uf europaischem Boden zu stiblben. Ein Krieg mit einem
eich starlen Volt ist eben eine Sache, die um Hals und
opf und Kragen geht. Deshalb zieht man es vor, die
uropäische „Zivilisasion“ in die Halbkulturländer des We—
ens und Ostens zu tragen, und zwar auf den Spitzen
er Balonette und unter dem etwas monotonen, aber sehr
Adringliichen Gesaung der Maschinengewehre. So wird
sserien geenwärtig von Rußland „durchdrungen“, aus—
serechnet von Rußland, das sich ganz besonders dazu
ignet, Kultur und Zivilisation zu verbreiten. Das Sul—
mat Marokko goͤer hat sich Frankreich zum Tummel—⸗
latz ausersehen. Es hat dasfuür den allerbesten Rechtstitel
zon der Welt, da es vor vielen Jahren bereits das be—
zachbarte Algerien den darüber sicherlich sehr erfreuten
zingeborenen agenommen hat. Was den Algeriern rech
st, muß den MWarokranern billig sen. Nun war zwart
deutschland eͤne Zeitlang der Menung, daß diese Ig
iche Durchdringung“, die noch überall mit einer kriegeri—
chen Eroberung geendet hat, doch nicht so ohne weiteres
zeduldet werden dürfe. Da es aber schien, als ob es
— V00
oAAlte — man erinnert sich noch jener erregten Tage — gab
deutschland in der Sache und Francreich in der Form
iach. Nach weiteren Jahren der Unruhe kam dann im
origen Sommer das deurch-französische Uebereinkommen
ustande, das mit Recht als ein Dokument des Friedens
ibgefaßt wurde, freilich eines Friedens, von dem die Ma—
okkaner wenig haben. Im Grunde fühlen sich die Fran
osen schon als die Herren des Landes.
HDas paft aber den Spaniern nicht. Die stolzen
Idalgos haben so viel von ihrem Woltreich eingebüßt,
aß sie mit doppelter Aufmerk amkeit die schäbigen Reste
ehüten. Nun ist Marolko seit Jahrtausenden mit Spa—
nien durch feindliche und freundiche Beziehungen eng ver—⸗
nüpst. Man weiß, daß Südspien noch heute den
Stempel der Iroßartigen maurischen Kultur trägt. Und
päter, als der letzte Maurenkönig weinend das europälsche
Land verlassen hatte, galten umgekehrt die spanischen Be—
uche immer wieder dem bernchbarten afrikanischen Land
Zeit vielon hundert Jahren unterhält denn auch Spanien
gesatzungen in einer Reihe von Festungen an der Moh—
enküste, an sich wert'ose Felsennester, aber immerhin alte
gzesitttitel, die Svanien uner keinen Umständen vreisgeben
ni

Vom Balkan.
*Die Bemühungen der Pforte, in Paris
ine größere Anleihe aufzunehmen, sind vollständig gee—
cheitert.
* Die Schutzmächte haben das Verlangen der Pforte,
in ftürkisches Stationsschiff an der Suda—
Bai aufzustellen, rundweg abgelehnt. Infolge der
zringenden Ratschläge, welsche die Vertreter der fremden
Nächte der Pforte ertellten, wurden weitere militärische
Naßnahmen gegen Griechenland eingestellt.
Portugal.
*„Echo de Paris“ meidet aus London: Der frü—
here vortagiesische Diktator Franco hatte eine Unterred—
uing mit dem König und dem Premierminister,
velcher auch der vor zwei Tagen eingetroffene portugiesi—
che Gesandte in London beiwohnte. Wie es heißt, sol—
en die Francowisten wieder ans Ruder kommen, wenn
zas Kabinett zur Demifsion gezwunzgen werden sollte.
Spanien.
«In diplomatischen Kreisen verlautet, Spanien,
verde der marokkanischenGesandtitschaft ein
stote überreichen, worin des Sultans Forderung —
stäumung von Marchica und Capo angesichts der im
ziff herrschenden Anarchie und des Sultans Machtlosig⸗
cit abgelehnt wird. Die Nachricht, daß verschiedene Ka—
;ylenstäͤmme sich unterworfen haben, hat sich nicht bestä—
igt, im Gegenteil, die angesehenen Häuptlinge fordern
um Kriege auf. Spanien wird die Entsendung von Ver—
tärkungen beschleunigen, um Ueberraschungen zu ver—
üten

Volitische Runudschan.
ODeutsches Reich.
*æ Der Kaiser begibt sich heute, Samstag, wieder nach
disel zurück. Er wird sich sogleich an Bord der Jacht
Hohenzollern“ begeben und seine alljährliche Nor d—
andsfahrt antreten. Die Rückkehr des Kaisers er—
olgt zwischen dem 6. und 8. August.
* Der neue Reichskanzler, Herr v. Bethmann—
ollweg, wird das Reichskanzlerpalais vorer st
nosch nicht bezueden. Es haben sich mehrere grö—
zere Renovationen als notwendig herausgestellt. Die
zeränderungen sind so umfangreich, daß sie vor Ablauf
on vier Wochen kaum beendet sein dürften. Herr von
zethmann wird während dieser Zeit in seiner bisherigen
Vohnung verbleiben.
* Fürst Bülow hat die ihm angetragene Ehren—
wmitgliedschaft des Gesamtverbandes evange—
ischer Arbeitervereine Deutschlaunds mit freu—
zigem Dank angenommen.
* Wie die Blaͤtter melden, wird der Hauptverein der
donservativen in den nächsten Tagen die Rede des
libg. v. Hey debrand und der Lasa als Flugblatt in
Nassen über das Land verceilen lassen. Außerdem er⸗
cheint eine Rechtfertigungsschist über das Verhalten der
donservativen unter dem Titel: Die Konservativen und
ie Reichsfinanzreform. Auch diese soll in Verbindung
nit der Heydebrandschen Rede in Massen verbretet wer—
en.
x Der konservane ebßeordnete Böning ist
in Franksurt a. O. im ner von 69 Jahren gestor⸗—
den. Er vertrat den Wal.reis Landsberg-Soldin.
* Die neuen Diamantfunde bei Spencer Bai
A der Nord⸗Lüderitz-Bucht, welche vor einigen Wochen
emeldet wurden, haben nach einer an zuständiger Ber—
ner Stelle eingegangenen Meldang siart enttäuscht. Ein
»hnender Abbau ist an diesem Puntte des deutsch-südwest⸗
frikanischen Diamantgebietes nicht zu erwarten.
* Ein dentscher Richtertag findet am 12. und 13.
Zzeptember in Nürnberg statt. Die Richter werden auj
»em Kongreß zu den akltellen Richterfragen wie zu al—
en Angelegenheiten der Justiz Stellung nehmen. Aus
illen Teilen Deutschlands und auch aus dem Auslande
ind Delegierte angemeider
Oesterreich-Ungarn.
* Der Minister des Aeußern, Fryr. v. Ahrenthal
erständigte den Ministerpräsidenten Weterbe davon,
aß laut Bericht des Bukarester Gesandten Prinzen Schön
urg die Nachrichten über die Berunglimpfung
iner ungarischen Fahne in Sinaia vollständiag
iunbegründet und in böswilliger Absicht verbreiten
vorden seien, um in Ungarn Stimmung gegen den
TDhronfolger zu machen.
Englaud.
*Wie die Wochenschrist „Truth“ mitteilt, wird König
Fduard die Reifsfe nach Marienbad am Diens
ag, den 10. August, anreten; eine der königlichen Jach
en wird den Monarchen von Port Victoria nach Vlisin—
gen bringen, und von dort aus ersolgt in einem Sonder—
uge die Weiterreise über Deutschland nach COesterreich.
5s sei noch unbenimmt, so fügt das Blatt hinzu, ob sich
rönig Eduard diret nach Marienbad bvegeben oder sich
am 11. August in Ischl aufhalten werde, um mit Kaiser
Franz Josef zusammenzutressen; im lehteren Falle wärde
dann der englische König erst am Nachmittage des 12.
August in Marienbad selbst eintreffen. Der Aufenthalt
Konig Eduares in dem böhmischen Badeorte sei auf 3
Woöochen berechnet. — Wie die „Westminster Gazette“ zu der
Ir dees Zar wieder ge, binten Zusammenkunft zwi—
Hein inia Edntard und Kaiser Franz Joser noch er—

Türkei.
* Daß die politischen Verhältnisfe der Türkei im⸗—
ner noch nicht zur Ruhe gekommen sind, daß sie wahr—
cheinlich auch nicht so bald zur Ruhe kommen werden, ist
ingesichts der außerordentlichen Schwierigkeiten der äu—
zeren, vor allem aber der inneren Lage, in der sich die
ieue Negierung befindei, selbstverständlich. Nachdem die
Attürkische Partei durch die Gesangennehmung und Ent—
hronung des Sultans, mehr noch durch die Einziehung
eines Privatvermögens, vorläufig unschädlich wurde, sol—
en sich in jüngster Zeit zwischen den Politikern des Jung—
ürkenklubs und den siegreichen Führern der Verfassungsrmee
 Schwierigkeiten ergeben haben. Nachrichten von ei—
iem Ministerwechsel oder sogar von einem Wechsel im
zroßwesirrat tauchen immer wieder von Zeit zu Zeit auf,
hne daß ihnen mehr als symptomatische Bedeutung zu⸗
ommen würde. — Aus Konstantinopel wird gemeldet: In
ungtürkischen Kreisen rechnet man mit der Möglichkeir
inschneidende Beränderungen des Kabi-—
nmeitt s, insbesondere scheint die Stellung des Ministers
des Innern unhaltbar; auch die Stellung des Ministers
—

die Spanier kamen sonst mit den Marokkanern aus—
ezeichnet aus, namentlich durch die zweckmäßige Verwen—
ung von Mariatheresientalern und Goldmünzen, für die
ie Marokkaner, ob sie zur Partei des jeweiligen Sul—
ins oder des Gegensultans gehörten, ob sie Strand- oder
andräuber waren, leich große Empfänglichkert zeigten.
eit einiger Zeit aber hat Spanien stark gerüstet und da
s start gerüstet hat, muß es auch zu Blutvergießen kom—
nen. An Ursache nnd Vorwand fehlt es in jenen wilden
gegenden nie. Und richtig: die Marokkaner haben Spa—
nien den Gefallen getan, spanische Arbeitet zu töten und
uf spanische Soldaten zu schießen. Es ist also glücllich
ie Waffenehre im Spiel und das ist natürlich sehr er—
oünscht, einmal dem eigenen Volk gegenüber, das höchs
nißtrauisch das marokkanische Abentcuer betrachtet, unt
ann gegenüber den Franzosen, die wohl oder übel zu
ꝛhen müssen, daß auch noch andere Leute sich abmühen
vollen, Marokko durch Tötung einer möglichst großen
zahl seiner Bewohner Frieden und Glück zu bringen.
datür ich fühlen die Franzosen ganz gut, daß die spami—
chen Rüstungen in erster Linie einen Einspruch gegen die
ran zichen Grahering-zviäo hederton Sie machen ern

Eaßt den Kettenhund nicht verschmachten. Die
dettenhunde haben sehr oft unter der Einwirkung der
ditze zu leiden. Häufig hat ihre Hütte einen Standort,
aß sie fast den ganzen Tag den Sonnenstrahlen ausge—
etzt ist. Da müssen dann die Tiere fast verschmachten.
558 genügt nicht allein, sie mit Istier zu versehen, eine
dauptsache ist auch, ihnen des Tazes mehrmais jrisches
Wasser zu geben und einen Platz im Schatam einzuräu—
nen; solche Plätzchen gibt es überall. Ferner ist daraus
u achten, daß den Hunden das Halsband nicht zu eng
inliegt, denn gerade durch eine Beengung des Hal'es
vird den treuen Wächtern viel Beschwerde verursacht Hitz⸗
chläge sind zumeist auf erstickende Luft und Mangel an
ühlem Wasser zurückzuführen. Wer noch mehr tun und
den Kettenhunden ab, und zu ein erfrischendes Bad zuteil
verden lafsen will, handelt noch besser. Den Kettenhun—
en fehlt es zumeist auch an der notwendigen Bewegung
Wo es sich ermoglichen läßt. löse man sie abends “ von
der Kette

ubeine Frau vesorgen. Vie kranke Dame rechner
auf, die Hilfe des Grafen; wenn dieser aber nicht helfen
— was soll dann geschehen? Außerdem geben wir
Ihnen seit drei Wochen Kost und Logis, Fraͤulein, und
»a wir selbst keine reichen Leute sind, kunen wr nicht
illes umsonst tun. Sie verstehen doch, wie ich es meine
Fräulein Elsvbeth?“
„Ja, ich verstehe Sie ganz genau“, versicherte Els—
beth, ihre zitternden Hände kramp,haft im 5 — faltend.
Sie sollen durch uns keinen roten Heller verlieren, — ich
vill arbeiten, bis ich den letzten Pfennig bezahlt habe
Herr Werner schien wenig befriedigt; er murmelte ei—
ige unverständliche Worte, schwieg dann aber, weil er
atzt seine ganze Aufmerklamkeit den Pferden zuwenden
iußte, die gerade über die schlecht gepflasterte Straße
on Buchenweiler fuhren. Bald bog er in eine sehr enge
zeitenstraße ein, und im nächsten Augenblick hielten die
pferde vor einem leinen, halb verfallenen Häuschen, des—
en Türe geöffüet stand.
Elsbeth sprang behende aus dem Wagen und traf
m Hausflur einen aristokratisch aussehenden jungen Her—
ren, dessen geistreiches Antlitz jetzt einen sorgenvollen Zug
rug. —
„Ah!“ rief er mit sichtlicher Erleichterung, sind Sie
in diesem Unwetter glücklich zurückgekommen?“
„Ja, Herr Doktor“, erwiderte Elsbeth seufzend, „aber
»s war vergebliche Mühe.“
Das ernste Antlitz des menschenfreundlichen Arztes
nmurde um einen Schatten bleicher.
„Will er nicht kommen?“ fragte er leise.
Elsbeth schüttelte verneinend ihr Haupht.
„Nein“, hauchte sie matt.
Das mag ihm der Himmel vergeben!“ rief empört
der junge Toktor Eichenrot. „Aber kommen Sie jest, lie—
bes Fräulein Steinhardt, Sie müssen alle Kräfte aufbie—
ten, um Ihre Mutter zu trösten, denn diese Nachricht
nuß ein harter Schlag für sie sein.“
Eisbeth erschrat uͤber den feielichen Ernst in der
Stimme des Arztes.
„Geht es schlimmer?“ hauchte sie tonlos.
Ihre Mutter ist schwach — sehr schwach“, versetzte der
Urzt ausweichend. IIch war seit geraumer Zeit bei ihr
ind erwartete soeben Ihre Rückkehr.“
„Hat die Mutter nach mir verlangt?“
„Ja“, antwortete er leise, sie verlangt nach Ah.
PRoammen Sie

Hesfuhnt.
.O, hðdre auf, quäle mich nicht“, rief der Graf, und
befreite sich von dem Druck der Hand, die noch immer
est auf seiner Schulter ruhte. „Ich wiederhole es, Irm⸗
—D—
Der Freiherr schuͤttelte traurig sein Haupt und wandte
ich der Türe zu. Auf der Schwelle blieb er noch einmal
ehen. In deiner Stelle würde ich fürchten, daß als
ctrafe für diese Härte ein Unglücd mich oder mein Haus
reffen könnte“, sagte er feierlich zu dem Grafen gewendet,
ann verließ er den Speisesaal. ohne Gruß, ohne ein
ꝛeiteres Wort.
„Dieser alte Narr, warum mischt er sich in meine
lngelegenheiten“, stieß der Graf wild hervor, „ich will
icht, daß er — —“ fein Antlitz wurde erschteckend bleich,
ie Glieder zudten konsulsivisch, ein lang anhaltendes Rö—
ela und besinnungslos ftürzte er zu Boden.
Die Gäsie sprangen herbei und“ legten den Ohnmãch⸗
gen auf ein Ruhebett; die Glieder zuückten noch immer,
ie Lippen bewegten sich, aber kein Wort kam hervor, ein
chlagantall hatie ihn gefroffen

AIn er, lunotiher zeorowagen hielt in geringer
Mtfernung. „Herr Werner“ rief das junge Mädchen, und
o schnell die Fuͤße sie tragen konnten, eilte sie dem Gefährt
intgegen. Der alte, grauhaarige Führer hatte Elsbeth
rwartet, denn sogleich lenkte er die Pferde der Richtung
her Allee zu und half der jungen Dame deim Einsteigen.
„So, Fräulein; das ist guͤt, daß ich in diesem Un—⸗
vetter nicht allzu lange zu warten hatte“, begann er die
Anterhaltung. „Gewiß bringen Sie qute Nachrichten und
önnen gleich Ihrer Murter sagen. daß der alte, reiche
sßraf heute noch kommt; ist es nicht sor“
Der Alte hätte so rasch gesprochen, daß die junge
Dame ihn nicht unterbrechen konnte; jetzt hielt er inne,
im Atem zu schöpfen, da er sah, wie Elsbeth traurig ihr
daupt schüttelte, und jetzt erst bemerkte er des bleiche, ver
törte Antlitz.
„Sie irren, Herr Werner“, berichtete Elsbeth leise
ind tonlos; „von meinem Großvater ist keine Hilfe zu
erwarten, er will sogar nicht einmal kommen, um meine
arme Mutter zu sehen; er hat mich wie einen Hund von
einem Hause gejagt. Bitte, lassen Sie uns recht schneli
nach Buchenweiler zurückfahren. Treiben Sie die Pferde
an, denn ich habe kostbare Stunden unnütz vergeudet, die
cch sonst hätte bei meiner kranken Mutter z4ubrinden kön—
en,“ ....
Der alte Landmann runzelte finster die Stirn, seine
dunklen Augen blickten unwillig unter den etwas buschi—
jen Brauen hervor.
Ihre Weutter verlangt ficherlich nach Ihnen, aber sie
vird über die Nachricht, die Sie bringen, dilter entaäͤuscht
ein. Sind Sie auch dem alten Grafen nicht zu stolz und
)ochmütig entgegen gekommen? Ich habe oft gehört, daß
nan hohe Herren demütig bitten muß, wenn man etwos
erreichen will.“
Elsbeth sah den Sprecher vorwurfsvoll an.
„Sagen Sie nichts mehr davon, Herr Werner“, bat
ie dann, „ich kann mit Ihnen nicht über meinen Groß⸗
ater reden!“
Irr Werner knallte als Antwort ungeduldig mit der
Zeitsche.
„Aber es mutßz doch über das Bezahlen gesprochen
derden“, versetzte er übelgelaunt., Da konunt täglich der
)oktor und verordnet kräftige Speisen und Bein“ d 31.

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.Fie ein erschrecktes, flüchtiges Reh eilte inzwischen
elsbeth Steinhardt die breite Ailte entlang. Der Sturm
witschte mit wilder Wut ihr ins Gesicht und drohte sie
iederzuverfen. Aber das arme Kind achtete nicht des
eulenden Windes; angsterfüllt eilte sie vorwärts, das
unge Herz von tausendfachen Qualen gefoltert.
Ich war töricht, warum bin ich zu ihm gegangen?“
am es plötzlich wie ein Angstschrei aus dem“ gequallen
Lerzen. „Er haͤt mich gedemutigt und mich wie icn
Aud behandelt. O! waͤre ich doch niemals zu ihm ge—
angen. Aber nein“, fügte sie dann ruhiger werdeid
nzu,. „ich mußte gehen, es war meiner Mutter zuliebe
nd die Hoffnung auf Hilse, aber jetzt — -?“ Wieder
hte das arme gequälte Herz Erleichterung durch einen
iseren Angstjchrei, donn eilte Elsbeth wener, bis sie
Ausgange der Allee erschöpft stehen blieb
            
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