Full text : Dudweiler Zeitung

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ssamstag 10. Juli 09

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Amtliches Publikationsorgan
für die Bürgermeisterei Dudweiler

Mit zwei Beilagen: Reklamen
sonntagsblatt und Humoristische Vlätter. ———

Fernsprech-Anschluß Saarbrücken Nr. 69, 259 269 u. 1204

Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.
en zu. Herr von Tirpitz gilt freilich als besonderer
Freund der Freisinnigen. Er hielt immer gute Bezieh—
ingen zu Eugen Richter und Schmidt (Elberseld), ist auch
mit der Tochter eines ehemaligen freisinnigen Abgeordne—
en verheiratet; aber er legt im Reichstage auch Wert
auf gute Beziehungen zu den übrigen Parteien, was ihm
im so eher gelang, als sein persönliches Auftreten ihm
iele Sympathien gewann. Auch das Zentrum hat nie
u ernsten Beschwerden gegen Tirpitz Anlaß gehabt. Es
st noch nicht allzulang her, daß liberale Blätter und Or—
ane des Evangelischen Bundes ihm wegen feiner angeb—
ichen Beziehnngen zum Zentrum heftge Vorzwürfe mach—
en. Tatsache ist, daß Tirpitz seine Erfolge in der Flot⸗
enpolitit wesentlich der Hilfe des Zentrums mit zu ver—
»anken hat. Bedenken gegen seine Ernennung dürfte man
yöchstens mit Rücksicht auf ihre Rückwirkung bei den
5ngländern hegen, obwohl auch diese sachlich unbegründet
ein würden“

Bef Jahres-Abonnement
höchster Rabatt.

Politische Rundschannn.
Deutsches Reich. —
*Die Meldung über eine zweite Begegnung des Za—
ren mit Kaiser Wilhelm ein Kiel entbehrt, wie
on unterrichteter Seite mitgeteilt wird, jeder Begründ—
ing. Schon die bestimmten Reisedispositionen des Zaren
tehen dem entgegen. Kaiser Wilhelm wird seine Nord—
andreise nur in beschränktem Umfange zur Ausführung
»ringen, da er, wie bekannt, wegen der politischen Lage
zorläufig noch mit Berlin in nächster Verbindung bleiben
vill.
* Einem in politischen Kreisen verbreitetes Gerücht zu—
solge wird der Kaiser Anfang oder Mitte nächster Woche
tach Berlin kommen, um die Entschetdung uhyer die Reu
essetzung des Kanzlerpostens zu rreffen.
* Die Ernen ung des neuen Kultusministers wird,
tach einer Blätlermeldung, unter der Kanzlerschaft Bü—
ows nicht meyr erfolgen. Erst der neue Reichskanzler
vird berufen sein, dem Kaiser einen Nachfolger für Dr.
dolle vorzuschlagen. Die Neubesetzung des Miinisteriums
vird jedensalis bor Ansfanz Herbst nicht erfolgen.
* Das Ergebnis der Verhandlung über die Erneue—
ung des SaseSyndikats ist die Verständigung über
ein neues Kali Syyndikat auf 5 Jahre, dem Aschersleben
ind Sollstedt beitreten. Die definitive Konstituierung des
Zyndikats ist Fadon abhängig, daß der Aufsichtsrat die
außersyndikatisch abgeschlossenen Verkaufsverträge prüft
ind deren Erled'gung durch das neue Syndlat einstim—
nig beschlielstt, worüber einer auf den 23. dis. einzuberu—
enden Geselschafter-Versammlung Bericht zu erstatten ist.
die Gesellschafterversammlung hat die Entscheidung des
Alufsichtsrates bezüglich der außersyndikatlichen Verkau's—
nerträge bedingungslos anzuerkennen.
* Bei der dritten Lesung der Reichsfinanzreform am
eutigen Samstag wird im Reichstage eine Generalde—
zatte mit politischen Reden zu erwarten sein.
AUm Montag soll nach Erledigung lleiner Vorlagen und
Vahlprüfungen die Beratung des Beamtenbesold—
ungsgesetzes beginnen. Der Schluß der Session
st bestimmt im Laufe der nächsten Woche zu erwarten.
Bei den Vermutungen über die Person des neuen
Reichskanzlers ist auch angedeutet worden, daß das Au s—⸗
värtige Amt einen neuen Staatssekretär erhalten
'oll. Der „Lokal Anzeiger“ glaubt gut unterrichtet zu sein,
wenn er feststellt, daß an einem Wechsel in der Leitung
des Auswärtigen Amtes nicht gedacht wird
DOesterreich-Ungarn.
*Kaiser Franz Josef hat beschlossen, am Montag nach
Ischl abzureisen und wird dort bis Aufang September
erbleiven. Wie verlautet, wird König Ednard auf sei—
ier Reise nach Marienbad einen einägigen Besuch bei
daiser Franz Josef in Ischl machen. Das Programm für
diesen Besuch wird bereits ausgearbeitet
Frankreich.
„Humanite“ veröffentlicht eii Manifest der so—
Fialistischen Partei gegen den Zarenbesuch in
Frankreich. Dieses Manifest fordert alle Arbeiter Frank
eichs aui, nach ihrem Gutdünken ihrer Mißbilligung über
die Beleidigung Ausdruck zu geben, welche durch diesen
Besuch der glorreichen Vergangenheit dieses Landes zu—
gefüat wird

dite Ruhe wieder Hergestellt yat.) Alles, alles trifft die
Bastwirte. Das ist dem Schnapsblock ganz egal. (Präsi—
dent Graf Stolberg: Wenn ich nicht irre, hat der
Redner das Wort „Schnapsblock“ gebraucht. Das ist nicht
darlamentarisch. Große Seitetteit.) Wir hätten, sagt der
Redner, auch gern eine Sngchädigung für die zu Grunde
zehenden Gastwirte erhalten, aber dafür ist keine Hoff⸗
iung. Ich hoffe, daß wenigstens die Arbeiter eine Ent;
chäüdigung erhalten. Das Zentrum muß für unseren An
rag eintreten. wenn es das Christentum nicht bloß au
den Lippen führt. (Lebhafter Beifall bei den Sozialde
mokraten.)
Abg. Speck (Zentr.): Ich habe mit einem großen
Teil meiner bayerischen Freunde schwere Bedenken gegen
die Erhöhung der Brausteuer. Ich bin aber bereit, diese
Bbedenken zurückzustellen, mit Rücksicht auf das große Wert
er Finanzreform.
Damit ist die Generaldiskussion gesch ossen. G ent⸗
ält die Steuersätze und die näheren Bestimmungen über
»ie Besteuerung. Dazu liegt folgender Kompromißantrag
»er MRehrheit vor: „Für neue Brauereien, die nach dem
b. Angust 1909 in Betrieb kommen, und mit de—
en Bau nicht vor dem 1. Januar 1909 begonnen wor—
»en war, sowie für Brauercien, welche nach dem 1. Au—
ust 1909 wieder in Betrieb genommen werden, nachdem
e mehr als zwei Jahre außer Betrieb waren, erhöhen
ch die Stenersatze in der Zeit bi zum 31. März 1915
in 50 Prozent, in der Zeit für 3. April 1915 bis 31.
stärz 19418 um 25 Prozent. Ueber diesen Antrag wird
namentlich abgestimmt. Dagegen stimmen die
attonalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten. Der
'ompromißantrag wird mit 218 gegen 131 Stimmen bei
inf Stimmenenthaltungen angen o mmen. dJer so⸗
ialdemotratische Antrag auf En tsschä digung wird
uit 215 gegen 148 Summen der gesamten Linken und
er Polen abgelehnt. (Pfuirufe bei den Sozialde⸗
igkraten) Eine Reihe weiterer Paragraphen werden nack
en Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen.
Der Rest des Gesetzes wird im einzelnen 5n
renommen. Es hat nun noch die Gesamtabitimmunc
u erfolgen.
Die Gesamtabstimmung über das Gesetz ist ebenfalls
ine namentlhiche. Dagegen stimmen die Frei—⸗
nnigen, Nationalliberalen, Sozialdemokraten, Polen und
ine Anzahl bayerischer Zentrumsabgeordneter. Das Ge—
entz wird endgültiz mit 204 gegen 160 Stimmern
ngenommen.
Es folgt die dritee Lesung der Tabaksteuer.
In der GEoreraldebatte empsiehlt Abg. Molken—
»uhr (Soz.) einen Antrag, der sich mit dem betreffen
en Antrag zum Braugesetz, der vorher abgelehnt wurde,
eckt. Außerdem liegen noch verschiedene Abänderungsan—
räge der Minderheit vor, uͤ. a. ein Antrag Stresemann,
er sich auf den Antrag Giesberts, betr. Arbeiterunerstütz
ing bezieht. Weiter liegt ein Mehrheitsantrag Rreth
r, der sich im wesentlichen nur auf den Termin der
Sinführung der Tabaksteuer bezieht. (Zigarretensteuer am
1. Dezember, im übrigen schon am 13 August.
Ueber den nattonalliberalen Antrag wird namentlick
Pgestimmt und mit 226 gegen 139 Stimmen abgelehnt.
Zodann wird der aus mehreren Teilen bestehende sozial⸗
emokratische Antrag, in seinem ersten Teile mit 218 ge
sen 135 Stimmen, und in seinem zweiten Teile mit 25
egen 118 Stimmen bei einer Enthaltung und auch der
test des Antrags abgelehnt. Sodann wird der Antra
etr. Arbeiterunterstützung in der Fassung Giesberts —.
enommen. Der Antrag Kreth wird mit Mehrheit ar
enommen. Schließlich wird über die gFanze Bor—
age namentlich abgestimmt, und diese mit 197 gegen
75 Stimmen bei 6 Enthalungen angenommen.
Es folgt die dritte Lesung des Branntwein
teuerGesetzes.
Nach kurzer Debatte wird die Vorlage mit 229 geger
37 Stimmen bei zwei Enthaltungen angenommen
Damit ist die Tagesordnung erschöpst. — Morgen 1*
ihr: 3. Lesung der noch übrigen Steuergesetze
Schluß 6hr.

FHof und Gesellschaft.
** General Galliffet, einer der hervorragendsten
IAffiziere Frankreichs, ist nach kur zer Krankheit
gestorben

— ——
77 *
Imei Meineidsprozesse.
Ein Zufall hat es gefügt, daß in Berlin zwei Mein—
idsprozesse unmittelbar nacheinander zur Verhandlung ge—
angten, die beide im Publikum wegen der sozialen Stell—
ing der Angeklagten und wegen des Charakters der der
intlage zugrunde liegenden Vorgänge große Sensation
ervorgerufen haben. Wenn diese zeitliche Aufeinander—
olge vielleicht hie und da zu weitergehenden Vergleichen
zereizt hat, so ist durch den Gang der Verhandlungen klar
zeworden, daß es sinnlos waͤre, die Namen Hammann
ind Eulenburg in einem Atem zu nenunen. Der
brozeß Hammann hat sich hinter verschlossenen Türen ab—
jespielt, und die Presse kann daher ein eigenes Urteil
nicht füllen: nachdem aber Staatsanwalt und Geschworene
ibereinstimmend zugunsten des Angekiagten gesprochen ha—
»en und das Gericht durch die Verurteilung des Vroses—
ors Schmitz zur Tragung sämtlicher Kosten seine Mein—
ing über den Charatter der Anzeige gegen Hammann
»eutlich zu erkennen gegeben hat, vesteht kein Grund, dar—
in zu zwesseln, daß der Geheimrat Hamman in der Tat
»öllig gereinigt aus der Verhandtung hervorgegangen ist
Wer die Vorgeschichte des widerwärtigen Prozesses lennt,
vird diesen Ausgang mit lebhafter Genugtuung begrüßen.
Alle Instanzen, die sich vor der Haupwerhandlung mit
er Sache näher befaßt hatten, waren zu dem gleichen
zrgebnis wie das Gericht gekommen, und wenn trotzdem
jegen den Antrag der Staatsanwaitichaft auf Anord ung
»es Kammergerichts das Hauptversahren nach Abschluß
»er Voruntersuchung überhaupt eröffnet wurde, so lag das
ffenbar lediglich daran, daß der Beschluß des Kammer
erichts von einem Richtertollegium ausging, das den
zall lediglich aus den Alten, nicht aber aus persönlicher
snschauung kannte. Es zeigte sich hier wieder einmal,
vie sinnwidrig die Bestimmungen der geltenden Straf⸗
rozeßordnung über das Vorverfahren und die Eröffnung
»es Hauptverfahrens sind. Wenger befriedigend ist die
berhandlung gegen den Fürsten Eulenburg vertaufen. Wie
ereits mitgeteilt ist, mußte der Prozeß, nachdem er eben
egonnen hatte, auf unbestimmte Zeit vertagt werden, da
er Angeklagte nach dem übereinstimmenden Gutachten der
Zachverständigen nicht verhandlungsfähig ist. Der Fall
zulenburg wird also weiter unerledigt bleiben; das Nist
mangenehm, aber das Gericht konnte nach den Vorgän—
sen im Gerichtssaal keinen anderen Beschluß fassen. Die
dinausschlebung der Verhandlung wird jetzt vom Rechts—
ewußtsein des Volkes auch leichter ertragen werden kön—
ien, nachdem die Verhandlung aller Welt gezeigt hat, daß
Ztaatsanwaltschaft und Gericht den fürstlichen Angeklagten
hne Rücksicht zu behandeln entschlossen waren, uͤnd daß
»er Vorwurf dor Lässigkeit wensgstens im gegenwärtigen
Ztadium nicht mehr erhoben werden kann. Eine solche
larstellung war nach der Gasteiner Reise Eulenburgs
icht überflüssig; es ist erfreulich, daß sie erfolgt ist. Fuͤr
ꝛie Oeffentlichkeit verliert damit der Fall Eulenburg sein
auptsäch ichstes Interesse; denn für die Oeffentlichkeit steht
azß ollgemeine Urteil über diesen Mann, den einst das
Blück so reich gesegnet hatte und dem heute seine Krank—
heit so gute Dienste leistet, auch ohne gerichtliche Verhand—
ung über einen Eid oder Mieineid längst sest.
———

Türkei.
*Von einer dem Generalissimus nadestehenden Seite
perrautet, daß der Belagerungszustand am Vorabend
es Jahrestages der Verfassung 23. Juli)
rufgehoben wird. Bei der betreffenden Proklama—
ion wird der Bevölkerung aber bekannt gegeben, daß er
»ei etwaigen unliebsamen Zwischensällen sofort wieder
und zwar in weit rigoroserer Form in Krat tritt
Vom Balkan.
*Aus Glattona wird das Erscheinen von 80 griechi—
schen Infurgenten gemeldet, die mit großem Waffen—
sendungen in mehreren Wagen verteilt die Richtung nach
dem Olympos eingeschlagen haben. Aus Sersidge liefen
Nachrichten über Mordiaten von gricchischen Aufrüh⸗
ern —in

Serbien.
*Wie aus Belgrad gemeldet wird, tritt König Peter
nnfolge seines Surzes vom Pjferde auf dringendes An—
taten der Aerzte demnächst eine Badereise nach ei—
iem serbischen Badeorte an, wo er mit dem Kronprinzen
wei Monate lang bleiben wird. Prinz Georg hat die
Sinladung mitzukommen, brüsk abgelehnt mit dem Be—
merken, er bleibe in Belarad, er habe kein Geld—

Deutscher deicdstag.
Nachtsitzung.) 5
In der gestrigen Abendsitzung des Reichstages wurde
»as Finanzgesetz nach den Beschlüssen der Mehr—
zeit angen o mimen. Ferner wurde beschlossen, daß
die Fahrkartensteuer erhalten bleibt und zwar
n ihrer bisherigen Form. Damit ist die zweite Les—
ung erlediqt Schluß 120 Uhr.

Arbeiterbewegung.
— Drohender Streik. umeNin er Zentral
erbande der Maurer organisierten Beautzer, die höchft
ntlohnte Gruppe im Maurergewerbe, die achtstündige Ar
eitszeit bei Abschagszahlung von 8 Mark täglich fordert
eschlossen, am Montag auf allen Arbeitsstätten die Ent—
ohnung des Trägers vom Arbeitgeber zu fordern, die
isher der Putzer gezahlt hatte. Wo diese Forderung ver
veigert wird. ist die Arbeit niederzulegen

Der Nachfolger Bülows.
Hie „Rh. Wesif. Ztg.“ läßt sich aus Berlin melden:
Zei der Ernennung des neuen Reichskanzlers soll die
Rücksicht auf das Versprechen der W'a hlrechts-Re—
orm, das der Kaiser in seiner Thronrede gegeben hat,
eine große Rolle spielen. Diese Verheißung sei keines—
vegs in Vergessenheit geraten, und der Kaiser beharre
tach wie vor auf dem Wunsche, die Liberalen von ver
Politik der Regierung nicht ausgeschaltet zu sehen. Die
Aufgaben des neuen Reichskanzlers, der zugleich preußi—
scher Ministerpräsident ist, werden es sein, das Zentrum
dafür zu gewinnen, mit den Liberalen zusammen die we—
aigstens teilweise Erfüllunz der kaiserlichen Zusage mög—
lich zu machen. Dadurch sei von vornherein die Wahl ei—
nes Nachsolgers auf den Reichskanzlerposten an gewifse
Brenzen gebunden, denn der Kaiser kann nicht eine Per⸗
önlichkeit zur Lösung der bezeschneten Aufgaben berufen,
die das Gegenteil von den Anschauungen vertritt, die in
der Thronrede zum Ausdruck gelangt sind.
Aus Dresden wird dem „B. T.“ gemeldet, daß man
n sächsischen offiziellen Kreisen die Ernennung des Staats⸗
ekretars von BethmannHollweg zum Reichs—
kanzler nunmehr für sicher betrachte. Man erklärt, Herr
'on Bethmann-Hollweg habe sich gegen die Uebernahme
es Amtes aus Gesundheitsrücksichten und namentlich un—
er Hinweis auf seine Nerven lange gesträubt, sei jedoch
iunmehr bereit, dem Wunsche des Kaisers Folge zu leisten.
Die „Köln. Vollksztg.“ schreibt: „In den Kreisen des
Bundesrais und des Reichstages wird immer bestimmter
»ie Ansicht laut, daß der Erwaͤhlte des Kaifers der Staats⸗
ekretir des Reichsmarineamtes Herr v oniT irpitz ist.
luf ihn soll sich das Wort des Kaisers beziehen, daß
nan von dem neuen Mann allgemein überraäscht sein soll,
)aß er sich aber der Belsebtheit aller Parteien erfreuen
ollte. Bei Admiral von Tirpitz trifft dies im allgemei

Vormittag 11 Uhr. Berlin, 9. Zuli.
(280. Sitzung.)
Auf der Tagesordnung steht die dritte Lesung der
Steuervorlagen
und zwar die dritte Lesung von Bier, Tabal⸗ und
Branntweinsteuer.
Zuerst steht zur Beratung das Brausteuerge—
e tz.
Abg. Zu beil (Soz.): Mit diesem Brausteuergesetz
ernichten Sie wieder zahlreiche Existenzen. Die Weiß—
„ierbrauereien werden durch dieses Gesetz ruiniert wer—
den. Die Steuer wird ja nowendigerweise auf die Gast—
virte abgewälzt werden. Die Gastwirte werden von den
ndirekten Steuern mit am meisten betroffen werden. Die
LZabakstener, die Lichtsteuer, die Schnapssteuer, die Streich—
ölzersteuer, die Biersteuer, alles das werden die Gast⸗
oirte in erster Linie zu tragen haben. Dazu kommen die
inzelstaatlichen Steuern, die Gewerbe- und Betriebssteuern
ind die Kommunalsteuern. (Es herrscht große Unruhe auf
er Rechten. Der Redner unterbricht seine Ausführungen.
zräsident Graf Stolbberg mahnt zur Ruhe.) Der Red—
ier fährt dann fort: Ich habe Zeit, wenn Sie Zeit haben.
die Gastwirte werden auf das härteste getrofsen werden.
bei solchem Skandal kann man nicht reden. (Der Redner
nacht eine Pause, bis der Präsident Graf Stolbera

*

Lokales.
Vogelschutz im Sommer! Man erhalte die Nist
iätten der Vögel, namentlich solche Plätze, die durch Ver
ichtung von Dornengestrüppe, Reisig, Ansammlung vor
zaub den Vsgein Nistplätze, Schutz vor Raubzeug und
lnwetter gewähren. Das allmähliche Vernichten solcher
Zlätze ist mit die Ursache, daß die Nachtigall immer mehr
erschwindet. — Man erhalte die Sträucher der Schlehen,
vilden Kirschen und anderer beerentragender Pflanzen, die
rüher mehr denn heute den Vögeln in Hecken und au
Fdeldern zugute kamen. Man bedenke, daß auch die bee—
ennaschenden Vögel ihre Bestimmung zum Nutzen virtes
Pflanzen haben, daß sich durch ihr Fehlen ein immehe
zchaden an RKohlse dern, Blumenkultur, auch an den Erd—
erpflanzen fühlbar machen würde. — Man achte auf Per—
onen, die in siraffälliger Art Vögel töten. Das Abschie
en älierer Vögel zur Brutzeit bedeutet für die Jungen
ine quälerische Tötung. — Man hüte sich auf Ausflügen
ind Spaziergängen dichtes Gestrüpp zu durchdringen; es
verden viel'ach Nester zertreten oder herabgerissen. — Man
varne die Kinder, flüggen jungen Vögeln nachzujagen
)as Angreifen gefährdet die zarten Tiere und verursacht
hnen oft Knochenbrüche. Auch unterlasse man das Ein.
perren der Jungen in Käfige. Man halte die Hauskastzen
in der Brutzeit der Vogel im Hause, vor allem au
üher Nacht
            
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