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Dienstag 6. Juli o9
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* *—
Reitergeist.
Die Navallerie ist ihrer ganzen Natur nach eine of—
ensive, das heißt angreifende Waffe, da die natürliche
Stoßrraft des Kämpfers durch die Schnelligkeit, wie durch
zie natürliche Wucht des Pferdes noch erheblich verstärkt
vird, während im Gegenfatze zu allen anderen Waifen
der Reiter als solcher, solange er zu Pferde sitzt, für die
Verteidigung unbrauchbar ist. Diese Erkenntnis hat be—
eits Friedrich der Große, einer der hervorragendsten Rei—
erfuühter, in die bekannten Worte getleidet: „Reine Es—
suadron soll abwarten, biß sie attaquiert wird, sondern
illemahl zuerst den Feind atlaquiereu“.
Trotzdem mehr aus 150 Jahre seit diesem Satze ver—
lossen sind, hat er auch heute noch Geltung und findet
ich dem Geiste nach, weim auch in anderen Worten, wie⸗
)er in dem neuen Exzerzierreglement für die Kavailerie,
vo es heißt: „Alle zravallericabteilungen bis zu den Pa—
rouilten müssen, soweit es Aufgabe und Lage gestatten,
die seindachen Reiter angreifen, wo immer ste sich zei—
zen“, und zwar ist dasei Grundsatz, daß die Kavallerie
ich hierzu in erster Linie der kabalieristischen Waffen be—
dienen und den Karabiner nur d isnhab msweise verwenden
oll: „Die Rauuntierie fall itzre Aufsgabe stets ossensidv 3u
ösen suchen, nur wo die Lanze nicht am Blaße ift, greißt
ie zume arabiner“.“ Koer auch beim anipf mit den
rdatabiner tritt nach dem neuen Ererzierreglement die o
enstue Tendenz mehr als früher hervor: „Die avballerie
cheut im Fußgesecht auch den Angrisf nicht, wo die Lage
hu forderc.“
Infolge der erhöhten Bedeutüng derartiger wesechte
st in dem neuen Exerzierreglenient der Ausbildung des
ravalleristen als gewissenhaften und selostaaͤndigen Schützen
esonderez Wert vVeigelegt worden. Es wird hervorgeho⸗
en, daß die Kavatlerie durch ihre Schußwaffe duch zum
vesecht zu Fuß boefsähigt und imstande ist, besöndens 4
gleichjeitiger Unterstuzung durch Artislerie und Mea'cti⸗
ien zewehre. allen Wafsen Widerstand zu leisten voder
hnen empfindliche Vertuste beizubringen. Oft wied sie
das Gefecht zu Fuß mit dem zu Sferde verbenden. Das
Ziel dieser doppelten Ausbildung ist, die Verwendbatten
der Kapaslerie im Kriege zu steigern und sie zu befähi—
jen, in allen kriegerischen Lagen selbständig aufzurtreten.
Tie Hauptoebetung der Ravallerie liogt aber naint—
gemäß trotz dieser doppelten Ausbildung nach wie vor in
hrer Verwendung als berittene Truppe. Als solche fin—
det sie in ersser Linie Verwendung bei den Unternehmun—
—v vorausge⸗
yen, wodei ihr die Aufggabe zufallt, etnerseits die Ent—
vickelung der eigenen Truppe zu verschleiern, anderseits
die Bewegungen des Gogners aͤufzutlären. Zu diesem
z3wecle muß sie den Reiterkampf suchen, um die feindliche
raballerie, der diese ben Auigeben obliegen, aus dem
Felde zu schlanen. Wahrend hier auch tleinere Truppen
zandelnd auftreten können, ist ein entscheidendes Eingeei⸗
en in den Gang der Sehlacht selbst, sei es zur Abwehr
des rindlichen oͤder zur Unterstützuung des eigenen An—
griifs, nur unter Einsas großer Kavallerlemassen mög—
lich, wobei besonders auf schnelles, überraschendes Han—
deln Wert zu legen ist, weil das dem Wesen der Kaval-—
lerie entsprichk und die Aussicht auf Erfolg steigert.
Snitiative, das heißt Unternehmungsgest, ist die erfte
Führermgend des Savalerieoffiziers. Gegen Kavallerie
ijt die geschlossene, mit voller Wucht gerittenne Attacke noch
Jentigen Tages das sicherste Mittel zum Sieg, wobei be—
sonderer Wert auf das Zusammenhalten der Kräfte zu
— Reiterkampf die
— D—
gegen ist nichterschütterter Infanterie gegenüber ein Ersolg
nur durch Ueberraschungz zu erringen. Trotzdem wird in
Zukunft wie auch bisher in besonders gesährdeten Augen—
— ——— eigene
Infanterie zu entlasten. Doch hebt das Reglement setbsi
hervor, daß der Kavalierie, der diese Entiaftung gelingt,
„wenn auch nicht der Erfolg, so doch die Ehre des Ta—
ges“ bleiden wird. Auch in einem Zutunfiskriege wird
man daher van der Kavallerte Leistungen zu verlangen
haben. wie den berühmten nitt der Brigade Bredow vel
Pionville
Rolitifchze Rundschan.
Deutsches Reich.
*Die Finanzminister der Bundesstaaten treten in
nesen Tagen in Berlin zusammen, um sich über, eine
Berstänud⸗igung in der äeichsfinanz-zRe-—
orm mit der neuen Mehrheit des Reichstages schlüssig
zu machen. Bisher hat mit den Vertretern der neuen
Perheit nur eine unverbindliche Vorbesprechung stattge—
unden. Dagegen haben ihre Siitglieder unter sich in den
ebten Tagen mi Reinstage mehrfach Besprechungen ge—
abt. Weber im Bundesrat noch in der Mehrheit des
eichsstages wird gezweifert, daß eine Verständigung zu—
tande lommt, wernn sich das auch bis jetzt noch nicht mit
icherheit fesisteillen läßt. — Wan nimmt auch an, daß
zürst Bülow noch einmal das Bedürfnis hat, dein Kat—
er über das Schigsal der Reichsfinanzreform Vortrag zu
jalten und zwar in Travemünde, noch ehe sich der Kai,
er von dort nach Saßnitz begist.
* Staatsjekretär Ternburg schreibt dem „Lok. Anz.?“,
»aß er keine Schätzung des Wertes der Dia.
nantfunde abgegeben habe. Es sei heute absolut
inmöglich, auch nur mit annghernder Richtigkeit den Um—
ang des Vorkommens von Diamanten anzugeben. Ir⸗
jendwelche Anhaltspuntte über den Wert derselben selen
»eshalb um so weniger vorhanden, als dieser nicht nur
on dem Quantum der vorhandenen Sieine, sondern auch
ꝛon deren Quatitat und vor allem dem Preis abhängen,
vas vorauszusagen niemand im Stande is
*NMuf dem Berliner Parteitage der freisinnigen Verei—
nizung wurde eine Reseluion der Abgeordncten Struve,
fegter cingebrache und angenommen, welche eine selbst
adige bänerliche Bewegung als ein gecignetes Mit
el, die berechtigten Interessen dor deutschen Landwirischaf
ur Geltung zu bringen, begrüßt. Ferner wurde die Ré
alution Gothein, wonach der Paäarteitag der Fraktionr
ant, daß sie nach Ablehnung der Erbschaftssteuct zed
vertere Mitwirkung an de nanzreform ver
rigert habe, angenommen. Zentral ⸗Ausschuß de
mni Samgtag bende Beranaintert was
ahm eine Resollttion an, die ons Burgerrum zum Wi
erstande und zur entichlossenen Abwehr gegen die neu—
koalit on auffordert. Auf dem Voertretertag der natlional
beralen Partei wurde, nachdem sich eine Reihe Delegier
er zegen, die neue Mehrheit und ihre Steuerreform aus
esprochen hatte, eine Rejsolution einstimmig angenommen
erea Anfang lautet: Ter aligemeine Vertretertag speicht
neer voller Billigung der Haltung der nationalüberalen
tcichstagsfraltion auss neue die Ueberzeugung aus, daß
ne defriebigende Goaltung der Reichsfinanzen nur mög⸗
ich ist, wena neben der unabwe!sbaren Heranziehung des
dassenverbrauchs von Genußmittein eine allgemeine Be—
encerung des Besißzes verbunden wird. Fuür diese kann
ur Zeit nur die Erbaufallseuer in Frage komme;
* Die Vudgetkommission des Reichstass beriet die Be—
mtenbesoldung in zweiter Lesung. Von den 32 Mil—
Nen Erhöhung, welche die Kommission in erster Lesung
eschlossen hat, nimmt die Regiernng 17 Millionen an
zie ließ aber die Erhöhung des Gehaltes für Postschaff—
ier, das von der Regierung von 1100 bis 1700 M. fest
zesezt und von der Kommission auf 1200 bis 1800 Mart
rhönt worden ist, in beitimmtester Form für unannehm—
rar ertlaren. Die Kommission hielt iedoch an ihrem Be—
chluß sest.
sInfolge des Verkehrsrückganges auf den Staats—
ahnen ist eine größere Anzahl mitllerer Beamten übb e r—
ählig geworden. In fast allen Direkt onsbezirken sind
»her die kommissarischen Assistenten, die aus den Unter—
amten hervorgegangen sind, wieder in den unteren Dienst
ur ckoe setzt worden, lediglich um Platz für die überzäh—
ig geworoenen mit leren Beamten zu schaffen. Wenn aus
Anlaß dreser Maßregel bei den öctroffenen Beaniten die
Sefirchtang aufgetaucht ist, daß ihnen die Aussicht auf
neförderung zum Eisenbahnassitrenten genommen ist, er⸗
ären die Direttionen zu ihrer Berunhigung, daß dies nich:
er Fali ist. Die Maßregel sei mir vorübergehend
etro sen worden. Die Anwartschaft auf eine Assistentenstelle
leire den Beamten gewahrt, und sie wärden beiördert.
obald sie an der Reihe seien.
x Der Parteitag der Freisinnigen Kereinigung über—
wies nach langer Debatte den Antrag Altona-Schleswig—
Holstein auf Verschmelzung mit der Freisinnigen
Voltspartei dem zgeschäftsführenden Ausschuß der
Freisinnizen Vereinigung. Die Fusion wurde also noch
nicht ausgesprochen. Der Gedanke wurde indes in der
Dedate aldeitig begrüßt
Oesterreich-Ungarn.
* Der ungarische Ministerpräsident Wekerle ist am
Sonntag vom aiser in längerer Audienz empfangen
worden, wo er, wie verlautet, den Auftrag erhallten hat,
das ungarische Abgeordietenßzaus zu vertagen, wel der
zalser jeine Entschließung erst nach der Rücttejr von der
Sröffnung der Tauernbahn bekannt geben wird.
* Wekerle rreiste Sonntag abend wieder nach Buda—
pest zurück und konmmt in den nächsten Tagen wieder nach
Wien, wo die zur Worerberatung notwendigen Forma
itäten erfüllt werden. Tamit ist die Hoffnung der Un—
Whaͤntigkeitpartri, daß die Krone auf den Kossuth'schen
Plan, an dem die Partei mit zäher Hosfnung bis zuͤm
eßten Augenblick feschält, zurückgreifen werde. wohl ab—
Xetan
Itaolien.
*In Venedig herrscht große Aufregung über die Ma—
rine⸗onvention, über welche augenblicküch in der Kam—
ner verhandelt wird und welche für die Häfen vor
zroßem Schaden sein würde. Täglich werden Versamm
ungen abgehalten, um gegen die Konvention zu prole—
tieren. — Die Handelskammer in Neapel hat sich gegen
die Marine-Konvention ausgeyrochen und fordert die Ab.
zeordneten auf, sie abrzulehnen
Griechenland.
* Die griechische Regierung scheint jetzt entschlossen zu
sein, keine türkenfeindliche Demonsiration in Kre—
a zu ermutigen. Der griechische Minister des
Aeußern hat in dieser Hinsicht den Vertretern der Mächie
n Athen sehr bestimmte Ertlärungen abgegeben. Hier
zeigt man sich hinsichtlich der Entwickelung der Dinge in
der Hretasrage optimistischer als in den letzten Wochen
Versien.
*In Teheran wurde im Bazar eine Bombe gewor⸗
fen. Vier Personen wurden verwundet, der Täter ent—
'am. Von Zaradj kommt die Nachricht, der Vermittler
des Schah habe von den Nationalisten 418 Stunden Wa f⸗
enstelsistaund erlangt. Er wiil versuchen, den Schah
zum Nachgeben zu bestimmen. Die Nationalisten find sehr
zut bewafsnet; sie führen Maschinengewehre. — Der Kor—
espondent der „Fr. 8.“ erfährt zuverläsfig, daß das
dosakenkommando in Karadj von den Nationalisten plötzich
angegriffen und geschlagen wurde. Es hat sich bis
ptirabad dicht bei Teheran zurückgezogen. Die Stadt ist
in größter Erregung, doch scheint noch keine unmittelbare
Befahr vorhanden. Ein englischer und ein russischer Be—
amter wurden nach Karadj gesandt zum verdandeln.
*Ein Bericht der „Nowoje Wremja“ schildert die
Lage in Teheran als äußerst bedroh t, nachdem
der Bachtiaren-Khan den festen Entschluß gefaßt habe, den
Schah zu entthronon und Teheran zu nehmen. Die von
russischen Offizieren kommandierte Wosaken-Brigade zeigt
sich unzuverlässig. Mehrere persische Offiziere haben sich
auf den Willen des Volkes berufen und sich geweigert
den Schah zu verteidigen
Marokko.
**Paris Journal“ meldet aus Madrid: Nach einer aus
Melilla eingetroffenen Meldung ist Roghi Buhama—
Zain Fez eingerückt. Sultan Muley Hafid hätie die
Flucht ergriffen. Bisher liegt keinerlei Bestätigung d—
ron Eingeborenen stammenden Nachricht vor
— — — ——
Die kretische Frage.
Die Sprache gewisser Athener Blätter über die Hält
ing der Türkei in der Kretafraage und die Lage der Grie—
hen in Mazedonien ruft bei den Türken nur hoses Bin
zservor. Außerordentlich verletzt iühlt nian ich bezü
— —
Es war einige Wochen nach den im vorigen Zapi-sagte der Sekrelär nach seinem Eintritt. indem er eine
el geschilderken Ereignissen. Claude Mouriez, der sich demätige Halkung annahm. J
»ordem mit einem einfachen Zimmerchen bei einer „Hallunke! Shust!! Wage ecs cht aoch ein Mal,
wittwe in Paris hatke begnuügen müssen, bewohnke mich mit Bürger anzureden!“ schrie Tlaude Mouriez
etzt in Versailles ein prächtig eingerichtetes Haus. Er anscheinend in größtem Zorn ihhm eutgenen. „Für Dich
chreilet jeht in dem luxuriös eingerichteten Zimmer bin ich der, Gonpernent von Versailles Ich will mich
nit auf den Räcken gelegten Häuden auf und ab. ucht mit Geindes wie Dun bite auf eine gleiche Stufe
kir ist ein Mann in den vierziger Jahren; krotz dieses kelleu!“
twas vorgeschritktenen Alkers ist er noch unverheiratet. Verzeihen vie, Herr Gcuverneur,“ entgegneke der
die hervorstehenden Backenknochen, die tiefliegenden' Sekretär der keineswegs niedergeschmetkert war, er
lugen und die pockennarbige, gelbe Gesichtshaut ver nne ja Tsaude Niouriez, er wußte ganz genau, wenn
eihen ihm etwas Abstoßendes. Auffällig iit aur seine un derselbe eine Wohnung bestellte, anstakt auf dem
kleganz. die er auf sein Außeres, insbe ondere auf S5taothous seinc Befehle zu erteilen und wenn er ihn so
eine Kleidung verwendet. rrob empntg. daß es üich um irgend einen delikaten
Er warkel auf seinen Sekrekär Roucher, den er fsür Auftnag harctte. „Es ütt aber doch streng verpönk, jetzk
eute morgen zu sich in seine Wohnung besteilt bat und Jsewmanden auders als Bürger anzureden.“
ie Zeit. bis dieser kommt, erscheint dem geitrengen Bac kümmert es mich, Du Galgenvogel, der längst
jerrn Gouverneur sehr lange. Seit er n Umt und vieder dahin gehört, woher Du gekommen bist,“ wet—
Pürden sich befindet, kann er sehr ungchalten wecden, erte der Gouverneur weiter.
venn seine Befehle zu sangsann ausge ührt weren. „Herr Gouverneur, es läuft noch mancher Spitzbube
Endlich erscheint der Erwartete, er und der Gou- serum, der den Galgen verdienk hat,“ gab der Sekretät
erneur waren zweß eina nder wurdige Kreaturen, Wenn nit höhnischen Lächein auf dem aufgedünsenem Gesicht
iber der ehemalige Advokat bisher vom Glücke inso urück.
ern begünftigt gewesen war, daß jseine Schlechtekeiten Claude Mouriez trat mit zornfunkelnden Augen
soch nicht an den Tag gekonimen waren, so hatte »inen Schritt näher auf den Sekretär zu, der sich aber
doucher vordem berens eine RKeihe von Jahren auf der durchaus nicht einschüchtern ließ.
zaleere zugebracht. Dies hinderte Claude Mour ez aber „Was geht das Dich an, was andere machen. Hier
icht, diesen Meuschen zu seinem Sekretär zu wählen, dandelt es sich um Deine Pflichtvergessenheiten,“ fuhr
enn als sother galt er affiziell, in Wirklid eit aber Tlaude Mouriez sort. „Den ganzen Tag lungerst Du
bar er für jeinen Herrn und Meister nur die rechte n allen Spelunken und Kneipen herum, anstalt auf
)and bei allen den Handlungen, die das Licht des ülles aufzupassen, was vorgeht und mir darüber zu be—
Tages zu scheuen hakken, wo es galk, Geld einzutreiben, richten.“
»der unbequeme Gegner aus dem Wege zu räumen „Nun, Goftt sei Dank, von früh bis spät abends
ind Roucher war daher als Spion bald mehr gefürchtet, bin ich auf den Beinen und ich glaube, die Republik
als der Gouverneut selbst. halt keinen besseren Beamten wie mich, den Herrn Gou—
Bürger Mouriez, Ihr habt mich laufen sassen!“ perneur natürlich ausgenommen.“
—
— αö··—
Das blutge blaii.
—æ Original-Koman von Custav Lange.
4. Kapitel.
15 Zu den Personen, die durch die Skaalsumwälzung
zu Ende des siebzehnken Jahrhundertks wie eine Seifenblase
in die Höhe gehoben wurden und gleich einer
olchen nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit auch
vieder zerstoben, gehörke Claude Mouriez, ein ehema⸗
iger Advokat in Paris. Von Haus aus schon ein ver—
örbener Charakter, ein Mensch ohne Grundsätze, ohne
Hewissen, halke er sich durch Spiel und Trunk vollständig
zu Grunde gerichtet und beim Ausbruch der Revolukion
ah er sich darum vor das Nichts gestellt; im gewöhn—
ichen Zeilenlauf blieb ihm eigentlich nur die Wahl, sein
deben auf der Galeere zu beschließen, oder wenn er
noch den Mut fand, feine m verfehlten Leben selbst ein
knde zu machen.
Durch die Volkswirren fand er aber bald Gelegen—
—AD
aoch zu etwas anderen geboren war. Er krat in Volks—
ersammlungen als Redner auf und keiner verstand es
besser wie er, durch wüste Reden auf die Massen einzu—⸗
wirken und mit seiner do nnernden Stimme die Gegner
nederzuschreien. Claude Mouriez wurde in den Convenl
gewählt und hier setzte er fort, was er auf der Straß
»egonnen halkte. Durch seine Reden in der Deputierken
ammer wurde er gar bald den ans Staaksruder gelang
en Gewalthabern unbequem und Robespiere, der den
zollegen und seine Beweggründe besser kannte. ktrug ihm
zin einträgliches Amt an, um ihn auf diese Weise kalt
zu stellen. Das war es ja, was der ehemalige Advokgt
erstrebt haktte; mit Freuden willigke er ein und so wurde
Fsgude Mouriez Gouverneur von Versoeilles