In F8I8Puyan siind geohße Rubenorungen
Assgebrochen. Angehörige des Stammes Bakhtiari sind
n die Stadt eingedrungen und pläündern dort alles
wus, wes erreichbar ist. Es kam wiederholt zu Zusam—
menstößen. Der Schaden ist bedeutend.
Der „Petersburger Telegraphen-Agentur“ wird aus
Däbris über Dschulfa gemeldet: In Gowahan wurden
dir Revolutionäre vollständig aufs Haupt
rweschlagen. Der Gouverneur von Maraga zieht ge—
jer Täbris.
Erdbeben in Italien
»as Königspaar ist in Gaeta gelandet und im
Lutomobil nach Rom zurückgekehrt. Ein Palastbeamter
uus der Umgebung des Königs berichtete über die Ein—
zrücke, die der Monarch in Sizilien empfangen habe,
plgendes: Der König ist in tiefstem innersten Herzen be—
vegt über das furchtbare Unglück. Als er nach seiner er—
tlen Landung an Bord der „Regina Elena“ zurückkehrte,
ugte er tränenden Auges zu der Königin: Diefses Un—
Nück ist nie wieder gut zu machen wegen der ungeheu⸗
en Menschenopfer und wegen des Unterganges uner—
etzticher Kunstschätze, die man um alle Reichtümer der
Zelt nicht wiederschaffen kann. Angesichts der Katastrophe
st alle menschliche Kraft zu schwach. Persönlich hat der
rönig energisch auf Entsendung von Schiffen, Soldaten
ind Aerzten, sowie Medikamenten gedrungen.
In Messina wurden neue Erdstöße wahr—
ztenommen, darunter ein heftiger. In der Stadt Calta—
rone wurde ein heftiger Erdstoß, der von unterirdischem
Fetöse begleitet war, verspürt. Das Schulhaus stürzte
in, ebenso die Kathedrale, die den Sakristan und seinen
Zohn begruben . Die Bevölkerung slsoh ins Freie. In
nadi wurden 132 Erdstöße gezählt. In Fano nahm
nan Erdfstöße wahr. Die Bevölkerung ist dort trotz der
roßen Enitfernung von der Erdhbebenzone sehr erregt.
Der in Florenz etablierte deunche Kaufnnann Meoxitz
tBernheimer hat sich wegen großer Verluste, die er in
essina erlitten hat, das Leben genommen.
Zwei deursche Matcosen der „Hertha“ haben bei den
settungsarbeiten ihr Leben eingebüßt. In Mtessina sind
unch immer Mienschen mit der verzweifelten Arbeit be—
scäftigt, nach Verschütteten zu suchen. Die Not ist so
karoß, daß die Ueberlebenden einander jedes Stück Brot
Gißgönnen und vom Munde reißen. Man beginni jetzt
dae Leichen, deren zu viele sind, als daß man alle be—
näaben könnte, in Massen ins Meer zu versenken. Der
Seichengeruch ist allmählich unerträglich geworden.
Die italienische Kammer wurde am 2. Januar ein—
ernfen. Die Regierung will den Gemeinden Zuschüsse
zewähren, um die Ortschaften wieder aufzubauen. Even—
tu.AIl wird zur Aufbringung der Mittel eine Steuer von
GCentimes für jedes Eisenbahn-Billett erhoben werden.
Auch wird die Regierung verlangen, daß beim Wieder—
rufbau bestimmte Baupläne beobachtet werden, um für
dic Zukunft die Folgen der Erdbeben einzuschränken,.
Auf der Strecke nach Catania erfolgte ein Zusam—
daernstoß zweier Eisenbahnzüge, von denen der eine Ver—
undete transportierte. 5 Personen wurden hierbei ge—
—ν
Unter den nach Neapel gebrachten 5000 Verletzten ist
ber Ausbruch einer Epidemie nicht zu befürchten. Außer
ennigen Fällen von Wundstarrkrampf und zahlreichen Lun—
rnentzündungen sind ansteckende Krankheite nicht vor—
darden.
Der provisorische Gesundheitsdienst funktioniert in
deu Hilfs-Lazaretten ausgezeichnet. Die Aerzte wetteifern
qhrer Aufopferung. Zahlreiche Priester arbeiten wie
atfuche Arbeiter und höhere Geistliche gehen ihnen hier—
bet mit gutem Beispiele voran.
Die Behörden nehmen als sicher an, daß die Kata—
rophe noch weit mehr Menschenleben gefordert hat, als
igher selbft die pessimistischsten Schätzungen annahmen.
rerschiedene Berichterstatter haben die Umgebung von
dessina und Regaio abgestireist und das Gesamtresultat,
us sie in ihren Berichten angeben, ist, daß 24 Städie,
iele Dörfer und sonstige Ansiedelungen durch die Kata—
rophe fast vollkommen zerstört wurden.
Die enzlische Substriptionsliste zu Gunsien der Opfer
er Erdbeben-Katastrophe erreichte jetzt den Betrag von
40 900 Mark. Der Herzog non Connauaht sandte dem
Zondoner Komitee eine Summe von 2000 Mark. — Die
retische Regierung bewilligte 20 000 Franks für die
Ipfer des Erdbebens.
Römische Blätter verzeichnen die Festnahme von wei—
eren Plünderern im Erdbebengebiet, die sich im Besitz
irößerer Geldbeträge befanden. — Die Stadt Palermo
jat alle öffentlichen Gebäude. Theater und Kasernen für
zerietzte und Flüchtsinge zur Verfügung gestellt
Arbeiterbewegung
Flauer Geschäftsgang. Angesic⸗ der flauen Ge—
Haf slage hat die Vereinigung der Möbelfakrikanten und
och einer von Höchst a. M. und Umgegend beschlossen,
bom 9. Januar ab nur fünf Tage in der Woche arbeiten
zu dassen, um der Entlasfung von Arbeitern vorzubeugen
r
21 ast dem alten Herrn sehr zu Herzen geht, er ist in den
Aßten Monaten alt und grau geworden. Ich bat ihn,
Erholung mit seiner Frau im Laufe des Sommers
uns zu kommen, vielleicht wird die Abwechselung ihm
it tun.“ DxIöä
Was fehlt Ihnen, sind Sie krank?“
—* Stimme brachte Lydia zum Bewußtsein zu⸗
, denn bei der Erzählung von Frau von Sommerjeld
sie betäubt in einen Sessel gesunken.
IIch fühle mich ohnmächtig,“ entgegnete sie tonlos,
* ist vielleicht nur die drüdende Hitze.“
Was soll ich Ihnen holen, Wein?“
Sie schüttelte das Haupt und erhob sich langsam.
„Lassen Sie mich“, slehte sie leise, „ich will nach mei—
m gimmer gehen, hier ist es zu schwül.
Fräulein Fielden, gehen Sie in mein Boudoir,“ er⸗
Bme jetzt Frau von Sommerfelds schrille Stimme, „auf
*xeinem Schreibtisch finden Sie eine Photographie in Ka—
Aurtform, es ist Frau Hegendorf.“
Frau von Sommerfeld hatte eifrig mit ihrer Schwe—
x gesprochen und daher die kleine Szene in der Ece
3 Salons gar nicht bemerkt und ehe sie Lydias bleiche
AAgen und verstörte Züge bemertt, hatte das junge Mäd⸗
zen bereits das Gemad verlassen.
XSie müssen ein Glas Wein trinken,“ beharrte Al—⸗
58. der ihr unbemerkt gefolgt war, oann führte er sie
FGdas Speisezimmer und bot so lange, bie sie sich ge—
actt hatte.
Eo“, sagte er, als sie den letzten Tropfen getrunken
vᷣAte, „etzt legen Sie sich nieder und schlasen Sie. Erin—
orn Sie sich, als ich vor vier Wochen in dem kalten Kor—⸗
bar stand, befahlen Sie mir, in mein Zimmer zu gehen;
gehorchte Ihnen, und jetzt tauschen wir die Rollen.“
„Sie sind sehr gütig gegen mich,“ hauchte sie matt,
ich fühle mich schon besser. Jetzt hole ich die Photo—
phie für Frau von Sommerfeld, und dann gehorche
9. Ihnen.“ J
Ich will Sie hier erwarten,“ gab er schnell zurüc;
dann bringe ich das Bild in den Salon, Sie sollen nicht
neyr hineingehen.“ VV
Ein danklbarer Blick aus den tiefen, seelenvollen Au—
en lohnte ihn reichlich, dann eilte Lydia die Treppe
»Sie brauchte nicht lange zu suchen: das Bild
eGrdistoße. In den Gemeinden Ermindszent untx
zzentkirald in Ungacn wurden heftige Erdstöße verspürt
zinige Fenster wurden zertrümmert. Der Bevölkerung be—
nächtigte sich ein großer Schrecken.
*Zug-AZusammenstoßß. Aus Brüssel wird gemeldet:
zor dem Bahnhofe von Jemappes ereignete sich ein Zu
ammenstoß zweier Züge. Beide Maschinen und mehrer«
VSagen wurden dabei zertrümmert, das Lokomotiv-Perso—
ial zum Teil schwer verletzt.
Das deutsche Heer in
272 X
französischer Beleuchtung.
„Ist uns Deutschland überlegene“ so
autet der Titel einer Schrist, welche der französische
Rajor Driant, Schwiegecrsohn des bekannten Generals
zoulanger, veröffentlichte, nachdem er schon einmal durch
»as im November 1906 herausgegehene Buch „Einem
euen Sedan entgegen“ die Ausmerksamkeit der militäri—
chen wie der nichtmilitärischen Kreise auf sich gelenkt
zatte. Nicht um ein Loblied auf Deutschland anzustim—
nen — wie Maor Driant selost äußert —, sondern um
eine Landsleute von der, seiner Ansicht nach, zum Ver—
erben führenden Bahn abzulenken, hat er zum zweiten
Nale in ernster Weise das Wort ergrifsen.
In dem Kapitel „Eindrücke von Kraft“ schildert der
zerfasser seine Beobachtungen, die ⸗zr bei den schlesischen
daisermanövern im Jahre 1906 gemacht hat. Driant sagt,
bwohl er natürlich, um die Eigenliebe seiner Landsleute
liicht allzusehr zu verletzen, auch einige Schwächen her—
nsfindet, sein Urteil dahin aus, daß der Vergleich zwi—
chen dem Heere jenseits und diesseits der Vogesen au—
zerordentlich schmerzlich für einen Franzosen und Sol—
aten sei, denn „die deutsche Armee ist wirklich ein in der
ßollendung geichärftes Kriegswerlkzeug“. Dieses Urteil
at er nibt leichthin ohne Begründung ausgesprochen,
ondern nach eingehender Prüfung und Beobachtung bis
näalle Einzelheiten, wie aus seinen Schilderungen her—
»orgeht. Er erzählt, daß die deutschen Soldaten, denen
er aufmerksam gefolgt ist, unermüdlich den ganzen Tag
hei strömenden Regen marschiert und ebenso unverdrossen
ann am Abend im Biwak an ihre Täthrkeit gegangen
eien; man sähe zwar keine Begeisterung, keine Lebendig—
eit, aber der befohlene Marsch werde von der Truppe
usgeführt, ohne daß sie über die Gründe spreche. Der
Enzösische Beobachter verwechselt hier Begeisteruna mit
irmendem Gebaren, welches er bei seinen lebhasten Lan—
esleuten gewöhnt ist: die wahre Begeisterung, die im
erzen sitzt und die Truppe zu heldenmütigen Taten be—
ihigt, wird durch Aeußerlichkeiten nicht berührt. Major
)riant sagt dann weiter, daß der Krieg der Jetztzeit mit
inen Schlachten, die oft fast eine Woche dauern und die
öchsten Anforderungen an Zähigkeit, Anspannung und
zehorsam stellen, sich besonders für die deutsche Gemüts—
md Sinnesart eigne, weniger dagegen für den „kleinen,
inken und lebendigen“ französischen Soldaten. Sein Ur—
eil über die deutschen Mannschaften klingt in den Satz
us: „Diese bartlosen, aber starken und wohlgenährten
zoldaten sind von einer Ausdauer, von der man alles
ordern kann, sind von einem Gehorsam, der nie versagt.“
Die Offiziere hatte sich Driant, wie er bekennt, als
ochmütig und dünkelhaft vorgestellt. Er ist daher sehr
rstaunt, in ihnen nicht nur Männer zu finden, die sich
anz ihrem Berufe hingeben und durch nichts von ihrer
zflicht abhalten lassen, sondern auch liebenswürdige Ge—
ellschafter. Stolz auf die Uniform, reges Gesühl für Ka—
ieradschaft und Streben nach militärischer Vervollkomm-—
ung sind ihre hervorstechenden Eigenschaften. Ihr Auf—
reten sei das von Leuten, welche fühlen, daß sie die
rste Stellung im Staate einnehmen, welche aber auch
vissen, daß Gehorsam und Unterordnung des esnzelnen
ie Grundfesten des gesamten Heeresaufbaues sind; jeder
rfülle die ihm zugewiesene Aufgabe und lasse sich hierzu
urch nichts beirren, denn die Erfahrung lehre, daß jede
ieser Aufgaben von Wichtigkeit ist. Ein gemeinsames
gefühl hebt der französische Major mit einem nicht zu
erbergenden Ausdruck von Wehmut bei allen deuischen
IFfizieren hervor: die unbedingte Ergebenheit für den
daiser. „IIch muß immer von neuem wiederholen, wo—
sin man auch den Schritt wenden, oder welches Gespräch
nan auch immer beginnen mag, ein Name, ein Wort,
ine Büste erinnert immer wieder an die höchste Gewalt,
ie das Kaiserreich beherrscht: an den Kaiser!
Am Ende seiner Darlegungen vergleicht der franzö—
ische Kritiker Deutschland mit einer ungeheuren Festung.
dinter der ersten Mauer arbeiten geräuschlos 60 Millio—
ien Menschen in fieberhafter Tätigkeit, hinter der Hohen
Brustwehr, welche die zweite Umwvallung darstellt, siehn
nan die lange Linie der Geschütze und der Bajonette
litzen. Man fühlt die Augen, die weithin aufmerksam
n der Runde sich umblicken, die Posien, die unermüdlich
»achen — das ist die Aufgabe der Armee. In der Mitte
rhebt sich eine Warte, und auf ihrem höchsten Punkt weh
ie Hohenzollernstandarte, welche als Inschrift den deut
chen Wahlspruch trägt, den der Kaiser nicht ermüdet dem
Bolke zuzurufen: „Gott mit uns!“
ag auf einem ossenen Buche, in dem Frau von Sommer⸗
eld gewiß gelesen hatte. Lydia schauderte, als sie die
vohlbekannten Züge der Stiefmutter betrachtete und die
alten Augen auf sich gerichtet sah.
„Sie hat sich gar nicht verändert,“ flüsterte sie bei sich
elbsi und nahm das Bild zur Hand, „und sie haßt mich
ioch ebenso sehr wie früher. Oh, wie wird sie mich ver⸗
öhnen und verspotten, wenn sie jetzt kommt Aber ich
ini gewarnt. Ehe sie dieses Haus betritt, nuußz ich es
erlassen haben. Aber mein Vater — mein armer Vater —
— *die Worte erstarben auf ihren Lippen, ihr Antlitz
vurde geisterbleich, und die Agen gigurten regungslos auf
das ausgeschlagene Buch. Ihre Blide waren mechanisch
zuf die vor ihr liegende Seite gefallen, dessen Kapitel
iberschrieben war: „Langsame Veigiftung durch Arsenik.“
kinige Stellen waren mit dietit bezeichnet, sie waren
iugenscheinlich oft gelesen und handelten über die Anwen⸗
ung des Giftes.
Eeinige Augenblicke noch stand sie regungslos, dann
chlug sie das Buch zu und eilte aus dem Zimmer.
Sie sehen noch 4 blaßz aus,“ sagte Alfred, als er
zas Bild aus ihrer Hand nahm, „ich ängstige mich um
Zie.“
Lydia lächelte traurig. „Es fehlt mir nichts, morgen
verde ich ganz wohl sein“ versicherte sie.
„Sie scheinen aufgeregt. Warten Sie hier, ich hole
Fhnen ein Beruhigungsmittel. Meine Mutter hat auf ih—
er Reise mit einem Nervenarzt Rücksprache genommen und
ür mich diese Arznei mitgebracht. Sie bringt mir jeden
lbend ein Glas davon, es steht schon in meinem Zim—
ner, aber heute trinlen Sie es für mich.“
Lydia erschrak. „Bitte, holen Sie mir das Miittel,“
iief sie hastig, „es wird mir gewiß gut tun“
Alfred eilte davon.
„Oh, wenn ich ihn jeden Abend verhindern könnte,
as Meiittel zu gebrauchen, so würde er noch gerettet wer—⸗
en,“ dachte sie schaudernd bei sich selbst.
„Jetzt kam er zurück. „Wir wollen es der Mutter gar
ticht sagen,“ bat er lächelnd, „es soll ein sehr gutes Mit—
el sein, und ich soll es gebrauchen.“
„Und nun soll ichses an Ihrer Stelle nehmen,“
herzte Lydia, und nahm das Glas aus seiner Hand.
Ich wünschte Sie würden noch mehr für mich tim“
Von alten Mostislsonstiefeln. In einem erschiene
nen Grundriß der Posigeschichte von Albert Stucki, Haupt—
lehrer an der Postschule zu Biel, wird in amüfanter und
usgezeichneter Weise geschildert, wie im 18. Jahrhunderit
die Postillonstiefel aussahen. Sie waren, nach zeitgenös—
ischen Berichten, wahre Ungeheuer und gingen den Po—
tillonen beinahe bis an den Leib; dabei waren sie so
geräumig, so dick und so sieif, wie ein hölzernes Butter—
faß. Darin zu gehen war ganz unmöglich. Sie wurden
daher, wenn die Postpferde angespannt waren, neben das
Sattelpferd hingestellt, und der Postillon schwang sich,
venn alles fertig war, mit seinen Schuhen in die Stie—
el hinein, worauf er nicht ohne Ansirengung auf das
Pferd kletterte. Die Stiefel waren — man sollte das
aum für möglich halten — aus schweren hölzernen Faß—
dauben hergestellte und mit Leder überzogene Rohre.
Nicht anonym! Eine der unangenehmsten Seiten
im postalischen Verkehr bilden von jeher anonyme Zu—
schriften. Es gibt in der Tat kaum eine größere Feig—
heit, alz eine so gemeinnützige Einrichtung, wie es die
Post ist, für solche Zwecke zu benutzen. Ganz besonders
olüht dieser grobe Unfug, um einen milden Ausdruck zu
zgebrauchen, zu Neujahr. Die Neujahrskartenindustrie er—
eichtert leider diese Unsitte, denn es werden Karten in
den Handel gebrackt, die das Zotige kaum mehr über—
zieten können. Solange derartige Neujahrssendungen auj
zarmlose Scherze und Anulkungen beschränkt bleiben, will
nan nicht allzuviel dagegen sagen, obwohl der Anonymi—
ät immer etwas Unmoralisches anhaftet. Aber man foll
doch auh bedenken, daß Neujahrsbriefe, die über den
Tharallur der Harmlosigkeit weit hinausgehen und sich
in Schmutzereien gesallen, auf empfängliche Gemüter recht
vedenklich einwirken können. In vielen Hunderten von
züllen ist solch ein schmutziger Brief die Ursache gewe—
en, daß zwischen glückliche Menschen der Stein des An—
toßes geworfen und aus unüberlegtem Spaß bitterer
SErnst wurde. Sogart zum Selbstmord sind auf diese
Weise zartbesfaitete Seelen schon getrieben worden Würde
nur der zehnte Teil der anonymen Briefsschreiber sich fest—
stellen lassen, so häten die richterlichen Behörden monga—
elang mit Beleidiguigsklagen zu tun. Das beste Mittel
zegen solche Schmutzgeien ist: nicht lange über den Ur—
jeber nachgrübeln, sendern sofort in den Papierkorb oder
Dfen mit dem anonmen Wisch!
Ein eigenartiges Weihnachtsvergnügen leisten sich
Aljährlich die Mitgleder des „Serpentine Clubs“ in Lon—
don. Seit über vierzg Jahren findet nämlich regelmäßig
im ersten Weihnachtétage in dem Serpentine Lake im
5yde Park ein Wettshwimmen im offenen Wasser statt.
Diesmal war die Zall der Anmeldungen zu dieser eiwas
æhr frischen Veranstatung besonders groß; nicht weni—
ger als 50 Schwimmr starteten über die Distanz von
105 Mards.
Die kluge Senzeren. Eine köstliche Wilderer-Ge—
chichte lesen wird im „Tölzer Kurier“: Hatte da gerade
ein Mann einen Gensbock in eine Alphütte geschleppt
ind mit einem „Sei so gut und g'halt mar'n wieder
iuf“, ging er nach enem kräftigen Schluck aus seiwer
xeldflasche wieder berun. Die Sennerin war gerade dar—
en, den Kübel herzurchten, um Butter zu schlagen, und
zatte warmes Wasseren den großen Kübel gegossen. u⸗
ällig blickt sie bei der Tur ins Freie; o weh, von un
»en herauf kommen inhrere Jäger., kurze Zeit noch und
ie sind da. „Um's simmels Willen, wohin jetzt uti
dem Gemsbock?“ — Ken Auskommen mehr, sie kommt
ruf als Hehlerin; sie seht vor sich den Kerker und deus
uchnotpeinliche Verhör. Doch da kommt die Weiberlift zu
hrem Recht; schnell hiein in den Kübel mit dem Gems—
»och, den Kübel zugeschügen, aufs Gestell gesetzt und um—
getrieben. „Guten Tag schöne Sennerin“, ruft es schon
Tür herein. „Grüß Enk Gott alle miteinander. Was
st heut' los?“ erwidert sie mit der unschuldigsten Miene
»on der Welt und treit ihren Kübel. Die Jäger wol—
er sie ausforschen, doch mit der Gebirglerin ist nicht gut
kirschen essen. „Sie siw verdächtig, hier Wilderern Un—
erstand zu gewähren un Wild aufzubewahren; seien Sie
rufrichtig, senst geht es Jynen schlecht!“ sagte der Ober—
äger. „Aber, was fälltEuch denn ein, für eine so fehr
chlechte Person hallet Ir mich? Ihr könnt meine ganze
dütte durchsuchen, wenn Ihr mir etwas beweisen konnt,
vill ich gerne Strafe zhlen.“ „Gut, wir werden die
ronze Hütte durchsuchen; Hie müssen uns alles öffnen und
eigen, dann wird man hon sehen.“ „Ich kann doch nicht
on meinem Kübel davalaufen, sonst wird die Butter
chlecht und ich krieg's vm Bauern. Wenn einer von
uch unterdessen rührt, so will ich euch alles zeigen und
hr werdet sehen, daß ie unschuldig bin.“ Nun half
uiichts anderes, der Jägevursche mußte sich zum Kübei
etzen, und nach einem scarfen Befehl der Sennertn, ja
ticht auizuhören und nicht zu schnell und nicht zu lang—
am zu drehen, drehte er denselben unaufhörlich, wäh—
end sie den Jägern alles zeigte. Nach der Durchsuchung
»er ganzen Hütte löste sie ihn wiederum ab. und nach
mer Entschuldiaung wegen dieser Belästigung entfernt⸗
ich die enttäuschte Gesellichft.
müü—
— —
lüsterte er ihr zu und trat nihe an sie heran.“
„Was ist es“, gab sie ebnso leise zurüd, doch jeder
Nerv zitterte in ihren Glieden.
„Werden Sie meine Gaun und versuchen Sie, wich
ein wenig lieb zu haben,“ kon es leise von seinen Liv—
den, dann erfaßle er ihre Heid und hauchte einen Rußz
darauf.
„Nein — nein, ich darf nucht,“ stöhnte sie und eilte
lüchtig davon.
Leise ging sie in die Gesndestube. Der alte Frarz
aß allein, er mochte wohl ergesslummert sein, denn er
richrak heftig, als Lydig sant seine Schulter berührte.
Still“, flüsterte sie ihm zu, aß er sprechen wollte, „und
agen Sie nicht, daß ich bei Iyner war. Aber sehen Sie
zier — dies ist ein Schlafmitte für Herrn Alfred, — ich
ürchte, es ist vergiftet. Nehnen Sie jeden Abend dos
slas aus seinem Zimmer um stellen Sie Wein dafür
sin. Ich verlasse mich cuf Jhe Vorsicht“, und ehe Franz
ich von setnem Erstaunen erdut barte, war Lndia ver⸗
chwunden.
Die meisten Bewohner der klemen Vula verbrachten
»ine schlaflose Nacht. Lydia Ug ntfolge der aufregenden
Freignisse der letzten Stunden ühelos auf ihrem Tager
und konnte kaum die wirrrt Aaten sammeln. Sie dacht⸗
am Alfred, an die Gefahr, in der er stündlich schwebte,
und den Argwohn gegen seine Stiefmutter. Sie ho —
ehen, wie Frau von Sommerfd das weiße Pulper
ie Limonade schüttete, dann des Buch quf dem Sahreibae
isch — ein beredter Zeuge ihrer Schuld. Donn hatte
red seine Liebe verraten, aber uhl so sehr ihr Herz ihm
ntgegenschlug, mußte sie doch gavaltsam hre Gefühle ver⸗
ergen, aus Furcht vor Entdedung. Und dann ihr Va—
er!“ Was wurde geschehen, wena er wirtlich als Gost i
dieses Haus kommen würde? eia Gedanke, den sie mid
uszudenken wagte.
Alfred konnte ebensowenig ir dieser Nacht Ruhe fu
den. Die Worte des jungen Mäschens klangen ihm ve
m Ohr, und vergeblich bemühte sich, einen Grund
inden, weshalb seine Liebe zurüdgestoßen würde.
iebte sie so innig, glaubte auch vron ihrer Gegenliebe v'
zeugt zu sein, und dennoch hatte sie auf seine Bitte
in kurzes „Nein“
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»Forseßniine fan