technischen Grunoden avggereyent wurde. Seinen An—
trag auf Erhöhungedes Automobilstempels
will das Zentrum im Plenum einbringen. Damit ist die
Beratung der Finanzkommission end—
rültig beense
Vermischtes.
Feigling! In einer Variete⸗Geselscha't, die Holland
und Belgien bereiste, befand sich als hervorragendes Mit—
glied ein Löwenbändiger, der allabendlich durch seine her⸗
vorragende Kaltblütigkeit dem Publikum Stürme des Bei—
falls entlockte. Der Mann hattie eine ganz erstaunliche
Herrschaft über seine Bestien, aber der Mut, der ihn sei—
nen Löwen gegenüber beseclie, verließ ihn vollständig, so⸗
bald er seiner Frau gegenüberstand, unter deren nicht ge⸗
rade sehr zarten Pantoffel er rettungslos geraten waͤr.
Jeden Tag auf der Probe kam es zwischen beiden zu er⸗
bitterten Streitigkeiten, die oft mit Taͤtlichkeiten au sei⸗
ten der Frau endeten. Eines Abends aber lam es zu ei—
ner Krisis. Der Dompteur hatte eben seine Vorstellung
heendigt und zog sich unter dem Beifallsgetöͤse der Zu—
schauer lächelnd und sich verneigend zurück, als die Xan—
tippe ihn von hinten übersiel und mit wuchtigen Schlä—
gen trattierte. Der Unglückliche versuchte sich zu wehren,
aber vergebens. Endlich gelaug es ihm unler Anspann
ung aller seiner Kräfte sich loszureißen, und mit cinem
verzweifelten Satz rettete er sich in den Käfig eines wil⸗
desten Löwen. Die böse Sieben gab sich die groͤßte Mühe,
ihn durch Schmähungen wieder herauszulocken, aber um—
sonst, der Aermste fühlte sich in der Höhle des Löwen
wohler als in ihrer Nähe. Da endlich, nachdem sie ih⸗
ten ganzen Sprachreichtum erschöpft haite, trat sie ganz
bicht an den Käfig, und mit unbeschteiblicher Verachtung
in den Blicken ziichie sie ihm zu: Odu ve
Aus aller Welt.
*Ein neuer Gleitflieger. Major Parseval konstruiert
einen Eindeckgleitflieger, iim Gegensatz zu dem Wrights,
dessen Konstruktion ein Doppeldeckgleitflieger ist.
* Aunrchismus und Unzucht. Bei einer Haussuch—
ung in einem anarchistischen Blatte in Berlin wurden an—
statt revolut:onärer Literatur unzüchtige Schrifren aller
Art gesunden. Den Ursprung zu ermitteln. gelang der
Polizei nicht.
* Zusammenprall. Aus Königsberg wird berichtet:
Der Dampfer „Jaroslawna“ rannte gegen die Eisenbahnbrücke
über den Pregel bei Königsberg und beschädigte sie
so ger daß der Eisenbahnbetrieb eingestellt werden
mu 0
rRauvb im Elsenvahnzug. In vem Vresdener Bau—
derschnellzug raubte ein Unbekannier dem Sanitätsrat R.
Haupt aus Tharandt die Barschaft von 6000 Mark.
*Jugendlicher Mörder. Der 18jährige Realschüler
Starla in Wien erschoß in dem Wiener Ausflugsorte
Weidlingen das Dienstinädchen Rosa Binder aus Eifersucht,
—* seinem Verhör erklärte er daß er sich feiner Tai
freue.
*Fraukreichs Lenkbarer. Seit einer Woche kampiert
das französische denkbare Lufrischiff Lebaudys auf dem Mi—
litärfselde von Sartory, wo es verankert ist. Das Luft
schiff hat bisher vortrefflich den Witterungsschwankungen
widerstanden. Es wird geplant, die lenkbaren Luftschiffe
in allen möglichen Lagen landen zu lassen, um ihre Wi—
derstandsfähigkeit gegen Wirterungseinflüsse und Tempera⸗
tur schwankungen zu erproben. Der Kriegsministerlegt
sein lebhaftes Interesse für diese Versuche an den Tag
und läßt sich genauen Bericht erstatten.
*Frau Toselli ist mit ihrem Gemahl in der Kaltwasserheilanstalt
von Varellosesia zur Kur eingetroffen.
Sie erklärte einem Zeitungsberichterstatter, daß an den
jüngsten über sie im Umlauf gesetzten Gerüchten nichts
Wahres sei, sondern alles Verleumdung.
*Neues Erdbeben. In der Freitag-Nacht wurden
in Italien nicht weniger als 15 heftige Erdstöße verspürt,
die von gewaltigem unterirdischem Gerösen begleitet war
ren. Auch in Reggio erfolgte ein starker Stoß. Die Be—
vpöl'erung floh entsetzt ins Freie. wo sie die Nacht zu—
brachte
Gerichtszeitung.
8 Versuchter Gattenmord. Der Händler Karl Haak
aus Soldin wurde in Landsberg a. d. W. wegen ver—
suchten Mordes an der 26jährigen Ehefrau Wezener vom
Schwurgericht zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er
hatte sie durch einen Hammerschlag auf den Kopf zu tö
ten versucht, weil er durch sie früher eine Gefänganisstraf—
erhalten hatte.
s Zum Tode verurteilt. Der Materialwarenhändler
Otto Teuerkauf wurde vom Magdeburger Schwurgericht
Awegen Doppelmordes zum Tode verurteilt. Teuerkauf hatie
am 27. Dezember seine Wohnung in Brand gesetzt, wo—
bei seine Frau und sein 3 Mongate altes Töchterchen er—
stickten und verkohlten
— ZRCöBE— k— 2—2[0ü0k4——
d —A
Preußischer Landtag.
Berlin, 24. Jum
17. Sitzung.)
Herrenhaus.
Der Gesetzentwurf betr. die Landwege im Regier—
ungsbezirk Kassel werde unverändert angenommen. Es
folgt die Beratung der Köhlbrandvorlage, so—
wie des Staatsvertrages zwischen Preußen und Ham⸗
burg betr. Verbesserung des Elbfahrwassers.
Der Gesetzentwurf wird en bloec angenommen
und der Staatsvertrag genehmigt.
Bei der Beratung des Gesetzentwurfes betreffend den
BSrunderwerb am Rhein-Weser-Kanal und beir.
den Großschiffahrtskanal Berlin-Stettin erklärt Unterstaats—
sekretär von der Brüggen, daß, wenn durch Grunderwerb
Gewinne erzielt werden, die Regierung hierauf nicht ver—
zichten wolle. Auch die interessierten Verbände würden
daran teilnehmen. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer
Vorlagen vertagte sich das Haus. Auf der nächsten Ta⸗
—⁊ stebt: Stempelsteuergesetz und kleinete Vor—
gen.
*
*
Abgeordnetenhaus.
(99. Sitzung.)
Das Abgeordnetenhaus nahm den vom Herrenhause
abgeändert zurückgenommenen Gesetzentwurf betr. die Ab—
änderung des Stempelsteuergesetzes nach länzerer Debatte
in der Hauptsache auf Grund von Kompromißanträgen der
onservativen, des Zentrums und der Nationalliberalen
gegen die Freisinnigen und Sozialdemokraten an. Die
Berggesetznovelle wurde in der Fassung des
Herrenhauses endgültig genehmigt, ebenso unverän
dert das Gesetz betr. die Deckung von Ausgaben des
Rechnungsjahres 1907. Der Antrag auf Abänderung der
Kereisordnung wurde an die Kommission zurückverwiesen.
Es folgten Rechnungssachen und Petitionen.
Nächste Tagesordnung: Gesetz über die Haftunaga
worBeamten
Sokales.
Gemeinde-Wasserwerk. Die Wasserfrage für unsere
zemeinde kann jetzt als gelöst betrachtet werden. Das Ec—
ebnis des Pampens in dem Bohrloch am Bardenberg ist
ꝛin überaus günstiges. Bei forziertem Betriebe liefert das
eine Bohrloch täzlich bis 4900 Kubikmeter Wusser, bei ratlo—
nellem Betriebe (Druck bis 4 Atmosphären) immer noch 1500
dubikmeter täglich. Durch Anlage weiterer Bohrlöhher wird
ich die Wassermenge so vermehren, daß wir für die Anlage
des Wasserwerkes genligend Wasser auf Jahrzehnte hinaus
jür unser Gemeinwesen haben. Das jetzt bestehende Wasser⸗
werk im Otte Dudweiler wird stillgelegt und am Barden⸗
derage ein neues Wasserwerk errichtet. Dann wird das Wasser
auch uicht mehr direkt in die Vohrleitung gepumpt, sondern
zueist in das Reservoir, von wo ab dann die Leitungen ge⸗
peist werden. Mit großer Freude ist das Resultat zu be⸗
zrüßen, daß wir jetzt reines Quellwosser bekommen werden
In gesundheitlicher Bezcehung ist dies von außerordentlich
zroßem Wert.
Theater in Dudweiler. Die Thegiergesellschaft
Schmidt hai bereits einige Vorstellungen veranstaltet. Leider
waren diese so schlecht besucht, daß die Gesellschaft nicht ein⸗
nal auf ihre Kosten kommen, geschweite etwas verdienen
'onnte. Die Gesellschaft erfreut fich sehr guten Rufes und
pielt vorzüglich. Ein Besuch ihrer Vorstellungen kann des—
zalb unserem theaterliebenden Pablikum hestens empfohlen
verden. Morgen Sonntag abend 8.30 Uhr gelangt im Saale
nes Herrn Baldes das vieraltige Volksküück „Ein Kind aus
dem Volke“ zur Auffühtung. Nachmittags 4 Uhr wird als
ndervorselung das Märchen „Rotkäppchen und der Wolf“
egeben.
Peter und Paul. Am Diensta; wird an diesem ka—
holischen Feietlage auf den meisten Gtuben nicht gearbeitet.
Muf einigen Gruben wird nur eine Frühschicht verfahren.
Roman. In unserer heutigen Ausgabe beginnt ein
neuer Roman, betitelt: „Das blutige Blatt“.
Gicht. In der Med. Gesellschaft sprach Dr. Falkeustein
Gi. VLichterfelde) Uber neue Gesichtspunkte zur Klaͤrung der
Zichtfrage. Danach entnehen alle Stoffrechselkrankheiten
nach ein und demselben Gefetz. Zuerst erkrankt und ver—
rbt sich ein schwaches Stoff vechflorgan: Magen, Leber,
Bauchspeichel- oder Schilddrüse. Die Folge des dadurch er—
zeugten mangelhaften Verdauungssaftes sei bei der Gicht die
Vermehrung der Harnsäure. Dieseibe würde aber nicht so—
wohl durch vermehrte Bildung, als durch verminderten Ver⸗
hrauch bedingt, ebenso wie der vermohrte Zucker beim Dia⸗
»etes. Dadurch nämlich, daß die Nahrungsstoffe infolge des
chlechten Verdauungssaftes mangelhaft verarbeitet würden,
wären die Zellen nicht imstande, die Moleküle aufzun ehmen
und für sich zu verbrauchen, sodaß Harnsäure ruückständig
bliebe. Welcher Art daher das ursprünglich erktankte Organ
auch sei, bliebe für die Behandlung immer nur der doppelte
Besichtepunkt, erstens der Harnsänre den Boden für die Ab—⸗
agerung, also für die überschüssizen Alkalien zu einer Ver⸗
»indung zu entziehen und zweilens fur bessere, Verarbeitung
der Eiweißstoffe zu sorgen, damit die Harnsäure für die
zellen verbrauchsfähig würde. Nach beiden Richtungen wirke
„e in angemessenr Menge genommene Salzsäure. In
zleicher Richtung wirke das Jodglidine. Da aber der nächst—
legende Wunsch jedes Gichtkranken der sei, die Schmerzen
der entzündeten Gewebe zu mildern, solle man entweder die
itzenden Harnsäureverbindungen von der Haut her durch Auf⸗
augen zum Zerfall zu bringen suchen oder aber durch hygrsö—
dopische Mittel die Flüssigkeit der infiltrietten Gewebe ver—
mindern. —
Alkohol und Kinder. Ist es ratsam, Kindern geistige
Betränke zu geben oder nicht? Darüber besteht immer noch
vei vielen Eltern und sonstigen Etziehern Unklarheit. Eine
maßgebende und wissenschaftlich recht zuverlässize Stelle hat
darüber neuefteas klar und bündig ihr Gutachtenu abgegeben,
das Reichs Gesundheitsamt in seinem „Gesundheitsbüchlein“,
das einen längeren Abschnitt über die alkoholischen Getränke
enthält: „Fuür Kinder ist der Alkohol ein schlimmes Gift;
Bier, Wein und namenilich Braantwein sollte man Kindern
bis zum Ablauf der Entgickelungszeit (14. bis 16. Lebens—
jahr) überhaupt nicht aeben“
Kus Nah und Fern.
N Saarbrücken, 24. Juni. Heute wutde vor dem
Schwurgericht uater Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen die
khefrau des Bergmannes Georg Bonheard, Katharing, geb.
Zebhardt, wohnhaft zu Rittershof, verhandeli. Die Anklaze
zegen die B. lautet auf Totschlags-Versuch, den die B. am
2. Januar d. J. in der Nähe von Bergweiler an der Ehe—
rau des Bergmannes Georg Schäsfer zu Bergweiler mittels
)rei Schüssen aus einemRevolver verübt hat. Die Angeklagte
st der Tat geständig, bestreitet nur die Absicht zur Tötuug
zehabt zu haben. Zwischen der B. und der Sch. bestand
ange eine überschwengliche Freundschaft, die sich später? in
rasenden Haß verwandelte. Die Herren Geschworenen er⸗
lannten auf fahrlässige Körperverlezung und bejahten die
Frage nach mildernden Umständen. Das Urteil des Gerichts⸗
sofes lautet auf 6 Wochen Gefängnis und 10 Mark Geld—«
irafe. — Am Abend des 16. Mai dieses Jahres stieß der
Maurer Joh. Hassel aus Hühnerfeld in hochgradig angetrunke⸗
nem Zustand, nachdem er eiagen Stein in das Fenster seiner
Mietswohnung geschleudert, mit dem Arbeiter Philipp Rek⸗
enwald zusammen. Beide kamen zu Boden und bei dem
ntftandenen Ringen will Hassel unten gelegen haben, während
Reklenwald auf ihm gekniet hätte. Von in der Naͤhe befind⸗
ichen Zeugen wurde das Klatschen von Ohrfeigen wahrge—
iommen, aber auch der Ausruf Rektenwalds: „Ich bin ge⸗
tochen!“ R. raffte sich auf und holte sich noch vom gegen⸗
berliegenden Zaun eine Latte. Hassel eilte Rektenwald
noch 40 bie 50 Meter nach und flürzte zusammen.
Der Misserstich des H. halte nach dem Gutachten des Herrr
Kreisarztes Dr, Schwabe die rechte Herzkammer des R sörm⸗
lich durchbohrt und durch die staike Verblutuug in den Herz⸗
»eutel war die Herztätigkeit bald erloschen. Der Stich des
Hdassel bildet die Todesursache für Rekteuwald Das Verdik!
der Geschworenen lantet auf „Schuldig“, mildernde Umstände
verden zugebilligt. Hassel verfällt in Gefängnisfirafe von
inem Jahr. Das Gericht nimmt bei dem bereits wieder—
zolt wegen Gewaltlätigkeiten Bestraften Uebeischreitung der
Rotwehr an. Sbr. Vollsz.
* Berg⸗Gladbach, 24. Juui. Ein „Gemütsmensch“
sst der Händler Peter St. von hier. Er hatte in der Zeitung
gelesen, daß eine Belohnung von 150 Mark auf die Ermiitel—
ung eines Wilddiebes ausgesetzt war, der schon seit längerer
Zeit in hiesiger Gegend sein Unwesen trieb. Die Zeiten sint
chlecht, meine Herren, so erzählte er vor dem Schoööffengerich
in Bensburg, und ich wollte mir die 30 Mark vberdilenen
5t hatte sich mit einet zerlegbaren Flinte ausgerüstet um
ich an einem guten Hasenwechsel aufgefellt. Die Bewaffnung
Rnelt er bei der Gefährlichkeit des Geschäftes für angebracht
Fin Schuß führte den in der Nähe weilenden Jaadpächter
jum Standort Sts, der sich jetzt in seinen guten Absichte
o verkannt sah, daß man ihn sar den langgesuchten Wild—
dieb hielt und zur Anzeige brachte. Auch das Gericht schenktt
»em Angeklagten keinen Glauben und verurteilte ihn weger
Wilderns zu zwei Monaten Gefängnis. In einem Schreiben
an die Staatsanwalt'chaft hatte sich St. den Anspruch au
die 530 Mark offen gehalten. Jedenfalls hat eer das feini—
rur Ermittelung des Wilddiebes beigetrager
*Köolu, 25. Juni. (Keine Eingemeindung.
Die Stadtverordnetenversammlung beschäfaigte sich mit de—
Singemeindung von Muülheim Giheéin) nact
Föln. Die seinerzeit von Mülheim aufgestellten Forderun
zen waren von Köln vor mehreren Monaten mit rund 10
Nillionen Mark berechnet worden. Insbesondere ver
angien die Mülheimer auch Gleichstellung der Nuürheimen
nit den Kölner Steuern. Heute zahlen erstere 190, di
ölner 155 Prozent Einkommensteuer. Die Stad verord
ietenversammlung beschloß von einer Gin emeindung d
ims abzusehen.
*Langenfeld (Rhld.), 25. Juni. Tödlicher Un—
JLücksfall.) Ein zwölfsähuger Knabe, der einem
Fuhrwerk ausweichen wollte, sprang direkt gegen ein aus
Elberfeld kommendes Automobil, dessen Kommen er über
hört hatte, wurde überfahren und getötet. Den Leite
des Lraftwagens trifft keine Schuld.
* Siegen, 25. Juni. (FFahrkartenschwindel.
Falsche Fahrkarten, die er sich hatle drucken lassen, haben
dem KNassenverwalter Schifser von der Kleinbahn Weide—
iau⸗Deuz zu umfangreichen Unterschlagungen gedient. Er
utnahm der Stationskasse Deuz stets größere Beträge und
chob die gefälschten Karten in den Fahrkartenbestand ein,
vodurch die Kasse steis auf den richtigen Bestand gebrach
vurde. Schiffer ist soort seines Amtes enthoden Bordeß
w*Essen, 25. Juni. GPatent-SchwindelPro—
e ß.) Im Patent-Schwindel-Prozeß wurde nach zwei
tägiger Verhandlung das Urteil gesprochen. Der Haupt
ingeklagte, Ingenieur Holzappels, wurde zu einem Jahre
Zefängnis und 1000 M. Geldstrafe verurteilt. Die deisen
inderen Angetlagten wurden zu 16 Monaten bezw
iem Jahr Gefängnis verurteilt.
*Bochum, 25. Juni. (Der Zigeuner Dank.
die Anklagebank des Schwurgerichles zierten zwei braune—
Zöhne der Pußta, die Zigeuner Teichmann und Rosen⸗
erg aus Eickel, angeklagt wegen gemeinsamen Straßen⸗
aubes. Der überfüllte Zuhörerraum bot ein mal erisches
ßild. Zwischen kernigen Westfalengestalten, braune Zi—
zeuner, junge und alte buntaufgeputzie Zigeunerinnen. Sie
olgten lebhaft der Verhandlung, greifen selbst durch Ge—
ten und Zurufen in die Verhandlung ein, so daß der
Staatsanwalt den Antrag stellt, sämtliches Zigeunervolt
aus dem Zuhsrerraum zu entfernen. Dieser Antrag ist
iber zur sirhtlichen Freude der Zigeuner abgelehnt wor—
den. Dantbar voersprachen sie, rugig zu sein“ Unter den
Zeugen besanden sich der Pferdehändler Franz aus Wan—
ie, dort seit einigen Jahren seßhaft, genannt der Zigeu⸗
ierkönig, und seine Tochter, die 19ͤhrige „Prinzessin“
däthe, ein schickes, schwarzhaariges Madel. Sie besitzt die
Neigung ihres Stammes zum Diebstahl im besonderen
MNaße. Dieserhalb erhielt sie vom Schösfengericht Gelsen⸗
irchen erst jüngst 3 Tage Gefängnis. Der kugelrunde „Zi⸗
geunerkönig“ trat mit echter Zigeunernoblesse auf, das
Kinn geziert mit einem Napoleonsbart, die Hand über—
äet mit goldenen Ringen, auf der Brust eine schwergol—
dene Kette, die Füße in Lackschuhen. Würdig lehnte er
ab, den Eid zu leisten. Auf Vorhaltungen des Vorsitzen⸗
den entgegnete er, in seinem 46 Jahre währenden Leben
nie geschworen zu haben. Der Staatsanwalt und die Ver—
leidiger verzichten auf seine Aussagen. Die Geschworeuen
berneinten schließlich die Schuldfragen nach Straßenraub
und Diebstahl. Das Gericht erkannte auf Freisprechung.
Das Urteil wurde von den Zigeunern mit lebhaften Zu—
rufen begrüßt. Mit den Worten: „Danke Herr Bratidenmt..
zerließen sie den Saal.
* Uelzen (Hannover), 25. Juni. (Doppelter
Raubmord.) Gestern Nacht wurde das Anwesen des
Besitzers Baucke bei Bollensen von mehreren Einbrechern
überfallen. Die Frau des Besitzers und eine Verwaudte
wurden durch Schüsse getötet und der Besitzer Baucke selbs
schwer verletzt.
*Kreuznach, 25. Juni. (Der Raubmord.) Un
er dem Verdacht, den tot aufgefundenen 32jährigen Stein—
klopfer Jakob Mehlig erdrosselt und seiner Barschaft von
11 Mark beraubt zu haben, wurde gestern abend der Ge—
egenheitsarbeiter Ernst Klose verhaftet, der in verdächti—
jer Situation an der Mordstelle, einem Gerstenfelde, be—
»bachtet wurde. Er dürfte noch zwei Mitschuldige haben.
Die Mörder haben ihr Opfer erst nach furchtbarem und
jeftigem Kampfe überwäluigt.
* Biebrich, 28. Juni. (Städtetag.) Der ge—
neinfame nassauische und hessische Städtetag wurde heute
zier durch Oberbürgermeister Dr. von Joell (Wiesbaden)
röffnet.
* Darmstadt, 25. Juni. Gürgermeisterwahl.)
die Stadtverordnetenversammlung wählte einstimmig den
pisherigen zweiten Bürgermeister Dr. Wilhelm Gläs-—
inng zum ersten Bürgermeister. Von 37 abgegebenen
Srimmzetteln lauteten 36 auf Dr. Glässina. einer war
unbesehrieben.
* Gießen, 25. Juni. Streikende Pflästerer.
Ddie bei der Anlage der elektrischen Straßenbahn beschäf—
liigten Pflasterer, die einen durchschnittlichen Tagelohn von
z Mark beziehen, sind in den Ausstand getreten.
* Neustadt a. d. H, 25. Juni. Tödlicher Un—
zlhücksfall.) Der Metzgermeister Weill in der Haupt⸗
traße glitt heute morgen beim Fleischauslösen so unglück—
ich mit dem Messer aus, daß er sich damit in den Unter—
eib stieß. Er wollte zum Doktor eilen, brach aber auf
der Straße bewußtlos zusammen und wurde in ein nahe—
zelegenes Haus verbracht, wo ein hinzugerufener Arzt
mir noch den insolge Blutverlustes einzgetretenen Tod fesi—
tellen konnte. Weill hatte sich eine Schlagader gänzlich
purchsichnitten
*
A
Friedrichshafen, 25. Juni. Es ist beabsich⸗
tigt, die Fernfahri des „Z3. 1 sofort auszuführen,
obald die Witterung sich günfuger gefialtet. Da täglich
drei Winde, Föhn, Ost und West, um die Herrschaft
ämpfen, sind die Aussichten noch nicht vielversprechend.
Man hofft jedoch auf ein Nachlassen diefer sich kreuzenden
Binde und erwartet dann eine lurze Probefahrt. Bessern
ich die Prognosen weiter, so wird die Fahrt nach Metz
ohne Aukschub ausgeführt.
Metzz, 25. Juni. Hier wird mit Spannung die An—
unit des „Z. 1“, erwartet. Die normale Zei dauer der
Fahrt von Friedrichshasen nach Metz wird auf 13 Stun—
den geschätzt. Die zur Aufnahme des Luftschiffes be—
timmte Halle auf dem Militärübungelas Frestaty ist
nunmehr vollständig fertiggestellt