Full text : Dudweiler Zeitung

»ar, nunmehr fur die Auflofung stimmen wird,
die Finanzreform zur Beratung stehen wird. Die
Pstaaten sind fest entschlossen, in Sachen der Erb—
Fuer und Kotierunassteuer auf ihrem Standvunkee
oc ren.
Inn, 23. Juni. Der Berliner Korrespondent der
„N. 7 Pr.“ berichtet seinem Blatt: Wie verlautet, schei—
nen Konferenzen der liberalen Parteiführer mit Wiit—
glies . der Regierung nicht ohne Wirkung zu sein. Es
wird versichert, daß die Regierung, die bisher dem Ge—
danken einer Reichstagsauflösung ablehnend gegenüber—
stand, nunmehr die Auflösung ernstlich in Erwäqung zu
ziehen beginnt

Die Gesichäftslage im Reichstag.
Die Abstimmungen, die zur Zeit im Reichstag und in
der Finanzkommission erfolgen, haben — von einem be—
sonderen Fatle abgesehen — nur provisorischen Charakter
und können in der dritten Lesung abgeändert werden, Die
Steuervorlagen, die augenblicklich den Reichstag beschäfu—
gen, zerfallen in drei Gruppen: die ursprünglichen Regie—
rungsprojette, die von der Kommission nen beschlossenen
Entwürfe und die vor zehn Tagen eingebrachten Ersatz—
vorlagen der Regierung. Die beiden ersten Gruppen un—
terliegen gegenwärtig im Plenum des Reichstags der 2.
Lesung. Es wird dabei über die von der Kommission
angenommenen Regierungsvorlagen und die selbständigen
Kommissionsprojekte in ber Fassung der Kommissionse
schlüsse, über die abgelehnten Vorlagen in der ursprüng—
lichen Regierungsfassung verhandelt und abgestimmi. Der
Umstand, daß ein Regierungsentwurf in der Kommission
abgelehnt worden ist, hindert also nicht, daß der Entwur'
dem Plenum zur endgültigen Entscheidung vorgelegt wird
Eine Ausnahme tritt natürlich dann ein, wenn die Regie—
rung selbst eine Vorlage zurückzieht, wie sie es mit der
Nachlaßsteuer zu Gunsten der Erbanfallsteuer getan dat
Während im Plenum die zweite Lesung der von der
Kommission in ihrem ersten Verhandlungsabschnitt erledig
ten Entwürfe weitergeht, beschästigt sich die Kommissior
mit der Vorberatung der Ersatzvorlagen der Regierung;
die hierbei erledigten Gesetze köͤnnen dann sofort in die
zweite Plenarlesung eingeschlossen werden. So soll die
Erbanfallsteuer, die Donnerstag in der Kommission abge
lehnt worden ist, bereits im Plenum zur zweiten Lesung
gelangen. Nach Abschluß der gesamten zweiten Lesung
findet eine dritte Beratung statt, bei der die Beschlüsft
zweiter Lesung zu Grunde gelegt werden; ist ein Ent—
wurf in zweiter Lesung in allen seinen Teilen abgelehnt
worden, so unterbleibt die dritte Beratung, und der Ent—
wurf ist definitiv gescheitert. Wird also demnächst die
Erbansfallsteuer in zweiter Lesung auch vom Plenum ver—
worfen, so scheidet sie für die dritte Beraumg vollkommen
aus. Für die Vorlagen hingegen, die in zweiter Lefung
in irgend einer Form oder in irgend einem Teil ange
nommen werden, wird erst die dritte Lesung die defini—
tive Entscheidung bringen

— — —
Kolounuiales.
Der Generalgouverneur des französischen
Kongo berichtet über drei Zusammenstöße,
welche zwischen französischen Polizeitruppen und Einge—
borenen stattgefunden haben. Bei einem dieser Treffer
am 10. Mai wurden auf Seiten der Franzosen vier
Sschützen getötet und 19 verwundet, darunter 2
Ofsiziere. Die Verluste auf Seiten der Eingeborenen sind
bedeutend. Bei einem anderen Treffen wurde ein Offi.
zier so schwer verwundet, daß er kurze Zeit darauf starb
Vreußischer Landtag.
Herrenhaus.
(15. Sitzung.)
Auf der Tagesordnung steht der Bericht der Handels
kommission über die Novelle zum allgemeinen Berg ge
setz (Verantwortlichkeit der Werksbesitzer, Betriebsfuͤhre:
und technischen Beamten; Einführung der Sicherheitsmän
ner; Regelung der Kündigungsfrist der Beamten; Bild
ung einer Bergbaudeputation als ständiges gutächtliches
Organ für bergbauliche Fragen). Die Handelskomm 'ssior
hat die Fassung des Abgeordnetenhauses außer einiger
redaktionellen Aenderungen nur dahin geändert, daß fün
die Wahlen der Mitglieder des Arbeiterausschufses bezw.
der Sicherheitsmänner die Form der Verhältniswahl nich
obli gatorisch, sondern nur zulässig sein soll. Die Vorlage
wird nach lebhafter Debatte in der Kommissionsfassung mi
großer Mehrheit gegen vereinzelte Stimmen angenom—
mein. Weiter gelangt die Novelle zum Stempel-—
steuergesetz unverändert zur Annahme, sowie eine
Resolution von Sabisch, den Waffenschein, der den Besit
und das Führen von Waffen und Munition gestattet, ei—
ner angemessenen Stempelabgabe zu unterwerfen. Daraus
bertagt sich das Haus. Nächste Tagesordnung: Kleiner«
Vorlæden.

Xo EEXX
Wehrere Stunden spater offnete Irma nach tielem
Schlafe die Augen und fand Eiare Lawton neben hrem
Bette sitzend. Dankbar stredte sie ihr die Hand entgegen.
„Wie gut Du bist!“ sagte sie. „Habe ich lange ge⸗
schlafen? Selbst im Traume hatte ich den Gedanken. daß
detzt niemand mehr auf mich wartet. Es ist sonderbar, wie
man zusammenbricht, wenn die Aufregung vorüber ist. Mir
äst, als hätte ich kaum mehr Kraft, mich zu rühren, und
doch, wenn Lily nach mir verlangte“ — ihre Augen füll—
ten sich mit Tränen. „Aber Lily verlanat nicht mehr nach
mir.“

„Weder nach Dir noch nach irgend etwas auf der
Welt,“ sagte Mrs. Lawton liebevoll. Sie sieht wie ein
Engel des Friedens aus, wie sie so unter den Blumen
ruht. Du kannst für sie nichts mehr tun; denn Du selber
mußt jetzt auch still liegen und ruhen.“
„Nein,“ sagte Irma. Ich habe noch etwas zu desor⸗
gen, bevor ich ruhen kann. Ich muß Mr. Kirby sofort
hierher holen lassen. Ich muß ihn direkt sprechen.“
„Liebe Irma, kannst Du nicht damit bis morgen war—
ken? Schone Dich heute lieber. Du bist noch nicht kräftig
genug.“
OO doch, ich bin krästig genug!“ entgegnete Irma, sich
aufrichtend. Und Verzögerungen find gefährlich. Ich kann
micht nicht eher wirklich ausruhen, ehe ich nicht in dieser
Sache beruhigt bin. Deshalb schelle und laß einen Bolten
fortschicen. Und dann schicke Suzanne zu mir.“
hatte, sie mich lieben zu machen, aber am besten erkannte
ich es, seitdem ich sie verloren habe. Und Sie haben
NRecht: selbst wenn ich Irma endaultia verloren habe
wenn ich nie mehr ihre Liebe, ihr Vertrauen zurückgewin⸗
nen kann, so werde ich trotzdem fühlen, daß ich mehr ge—
wonnen, als ich verloren habe, durch die Erkenntnis, die
diese Liebe mir gebracht hat.“
Mrs. Lawton legte ihre Hand mit sanftem Druck auf
seinen Arm.
„Sagen Sie Irma dies, wenn Sie sie sehen,“ sagte
ie „Sie ist in tiefster Seele verwundet durch die Eröff—

Berlin, 23. Juni.
Das Herrenhaus nahm herute den Gesetzentwurf über
»ie Haftung des Staates und anderer Verbände für amim—
iche Verletzungen von Veamten bei Ausübung der öf—
sentlichen Gewalt mit einer von der Justiz-Komm'sion
angenommenen Aeciderung an, ebenso wurde die Sekun—
därbabn-Vorlage nach turzer Debane genehmigt.
Moöorgen: Röhloerand-Wertraa und kleinere Vorlagen

Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordnetenhaus erledigte heute zunächst den
Antrag des Abg. v. d. Röcke-Bollmarschein be—
reffend die Heranziesung der Stadt- und Landgemein—
»en zu den sztreisabgaben. Der Gesetzentwurf votr. Er—
jöhung von Beiträgen für die gewerblichen und lauf—
nännischen Fortbildungsschulen wird in dritter Lesung ge—
iehmigt. Weiter gelangt der Antrag Borgmann é(S.)
ind Träger frs. Vp.) auf Abanderung des Art. 84
der Verfassung (Unterbrechung des Stravollzuges bei
der Wahl zum Abgeordnetenhans) zur Beratung. Beide
inträge wurden nach läugerer Debatte abgelehnt.
Fderner gelangt noch ein Antrag der Kommission auf Gin—
ringung eines Gesetzentwurses, wonach nicht ede auf
Hrund preußischen Gesetzes gewährte Unterstütung eine
Sinwirkung auf össenttiche Rechtze hat, zur Annahnme.
Morgen: Stempelsteuer, Berggesen-Novelle und We—
itionen

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Deutscher Reichssstag.
MNittags 1 Uhr. Berlin, 23 Juni.
(278. Sitzung.)
Auf der Tagcsordnung steht die Fort etzung der zwei—
en Beratung der

Kommissionsbeschlüsse
zur Reichsf'nanzreform, und zwar Artikel 3. Wertazu—
wvachs⸗ und Grundbesitzsteuer.
Da sich aber unter den neuen Besitzsteuer-Vorlagen
der Regierung eine Umsatzsteuer-VWorlage vesindet, so iegt
in Antrag Graf Westarp (ons.) vor, wonach in dem
»orliegenden Art. 3 der Umsatzstempel ausscheidet. Im
Sinklang mit diesem Antrage erstreckt sich dee Beratung
nur auf die Wertzuwachssteuer auf Immobilien.
Abg. Graf Westarp (ons.) berichtet als Reserent
über die Kommissionsverhandlungen, wobei er namentiich
auch auf die dem Reichstage zugegangene amtiche Dent—
chrift eingeht. Obwohl dieser Denkschrift zufolge die Wert—
uwachssteuer hanptsächlich für Gemeinden geeignet sei,
uind einer Beteiligung des Reiches gewisse Bedenken ge—
jenüberstehen, sei die Kommission der Meinung gewesen,
daß das Reich gerade jetzt sich dieser Steuer⸗
quelle bemächtigen müsse, und zwar, weil sonst infolge
westeren Umsichgreifen dieser Steuer in den Gemeinden
ein Zugriff für das Reich immer schwieriger werde.
Abg. Hieber mMati.) ertlärt, seine Fraktion sei nicht
in der Lage, den Kommissionsbeschlüssen zuzustimmen.
Abg. Jäger (IZStr.) empfiehlt die Wertzuwachssteuer
zur Annahme.
Abg. Müller-Meiningen Efrs. Vp.) spricht sich ge—
Jen die Steuer aus.
Abg. Raab (W. Vgz.) stimmt für das Gesetz.
Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Wesiarp er—
klärt Freiherr v. Gamp GRep.), daß seine Partei für
die Steuer stimme.
Damit schließt die Diskussion. 8 1 wird gegen die
gesamte Linke angenommen. Beim 8 4, demzusolge im
Falle eines Erbganges die Berechnung des Wertzuwachses
iterbrochen wird, sodaß der dem Erbanfall voraufge—
jangene Wertzuwachs nicht mit berücksichtigt wird, erklärt
Abg. Kuno (frs. Vp.): Sier zeigt sich der ganze Wider—
inn dieses Gesetzes.
Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Südekum
Soz.) wird auch der 84 angenommen. Bei den weite—⸗
en Paragraphen protestieren die Abgg. Südekum und
Rduno gegen eine solche übereilte Gesetzmacherei. Dar—
auf antwortet der Abg. Rösicke. Ein hierbei gestell—
er Antrag des Abg. Kumo auf Verweisung des Ent
vures an die Kommission wird gegen die Linke abge
ehnt.
Auch die weiteren Paragraphen werden im wesentli—
chen in der Kommissionsfassung mit einigen Aenderungen,
die vom Grafen Westarp vorgeschlagen sind, angenommen
Morgen 2 Uhr: Erbanfallsteuer. Schluß 54 Uhr.

Berlin, 23. Juni.
Die Finanz-Kommission des Reichstages setzte heute
hre Beratung mit der Debatte über den Umsa tzzst e m—
pel fort. Nach längeren Erörterungen wurde das Prim
zip der Regierunas-Vorlage anqenommen. Gemäf

—
nungen, die ihr gemacht sind; vor allem besonders durd
»ie Tatsache, daß Sie einen Handel, in ihren Augen ei
ien ehrlosen Handel, mit jener schändlichen Frau Eleonore
dreherne eingingen —
„Ahl“ stöhnte er. „Das kann ich mir am wenigsten
zergeben. Es war ein furchtbarer Fehler — nicht weil et⸗
vas Unehrenhaftes darin lag. Denn ich hielt es damals,
vie auch jetzt noch, gerechtfertigt, um jeden Preis eine
Racht aus ihren Händen zu nehmen, die sie nur miß—
raucht haben würde. Aber da Irma dies nie versteher
dird, so wird sie es auch nie vergeben. Tout compendre,
'est tout paradonner. Wenn sie nur begreifen wollte, daß
nein Wunsch war, sie zu schützen und zu retten — sie
ziicht ihr Vermögen — und der mich deshalb auch beftimm⸗
e, in jenes Weibes Bedingungen einzugehen, so würde
e mir schnell verzeihen. Aber ich fürchte, es ist eben un—
nöglich, sie davon zu überzeugen.“
„Es mag schwer sein, aber nicht unmöglich,“ antwor—
ete Clare Lawton. ‚Wenn diese Krisis vorbei ist, wenn
oir wissen, ob Lily Vidal leben oder sterben wird, dann
nüssen Sie sie aufsuchen. Ihr Heil noch einmal zu ver—
uchen und sie zwingen, Sie anzuhören. Augenblicklich iss
ie von Angst und Sorge erjfüllt. Deshalb ist es nicht
catsam, jetzt zu ihr zu gehen. Aber wenn alles vorüber
it
„Wenn alles vorüber ijt, werde ich weiter von ihr
atfernt sein, als je,“ sagte Hastings. „Ich bin zwar ent—
hHlossen, alles zu tun, was Sie mir raten, aber ich kann
en Gedanken nicht los werden, daß alles erfolglos sein
dird, und daß es zwischen uns nie wieder so werden wird,
die vorher. Mein ganzes Leben lang habe ich Ahnungen
gehabt, und sie haben mich nie betrogen.“
„Sie werden Sie jetzt betrügen, davon bin ich über—
eugt,“ sagte Mrs. Lawton zuversichtlich. „grma ist zu
zerecht, zu edel, um das nicht einzusehen; und einsehen
eißt bei ihr verzeihen. Außerdem, Sie vergessen — sie
iebt Sie!“
„Das mag das Salinuue von allem sein,“ entgeg—
ta ar. dan enr Wertrauen uyt wiedergewinnen

inem früheren Beschluß der Kommission wurde der Stem
el von ein Drittel auf 4 Prozent erhöht. Die Annahme
es Kommissionsbeschlusses erfolgte durch 16 Stimmen der
teuen Mehrheit, zu der sich heute auch die Freikoniervati—
nen schlugen.
Darauf wurde über einen konservativen An
rag beraten, der eine besondere Abgabe üür.
zidetkommisse oder sonst gebundenen Grundbesit
orsieht. Die Steuer soll in Perioden von 30 Jahren
zrozent des in dem betrefsenden Termin nach den Be—
immungen des Erbschaftssteuergeseßes ermittelten Wer
es betragen. Bei der Abstimmung werden einige Abän
erunzsanträge abgerehnt und der konservative Anmrag mi—
roßer Mehrheit angenommen.
Weiter wird über die Erhöhung des Wechsel
empels beraten. Abg. Singer (Soz.) erktärt den
Ztempel für eine Verkehrssteuer. Abg. Mütler-Fulda (3.)
eantragte, die Steuererhöhung auf die mebhr als sechs
Nonate laufenden Wechsel zu beschränken. Die Abgeord
ieten Wiemer (jrs. BP.) und Paasche (ntl.) äußern Be—
venken, während Abg. von Gamp Gip) die Vorlage im
vesentlichen für gerechtfertizgt härt. In der Aostimmung
vurde der Antrag vwüiuübler-Fuida (Zir.) mit großer
Nehrheit aAngenommen und der Rest des Gesestzes
ebattelos gFenehmiat. WMorgen: Rest des Stempel—
lrenßes

Dpiel und Sport.
(9) Internationale Luftschiffahrt-Ausstellung ir
Frautfurt. Tie Pariser Kommission des Aero-Alubs
ur den Freibailon-Sport beschloß, das Anerbieten des
domitees der Frantfurter Ausstellung, in ihr Programm
Nnen franzesischen Tag aufzunehmen, zu alzeptieren und
im 11. Seplember in Fraukfurt eine Zielfahrt zu veran
talien, an der 12 Ballons der 1., 2., 3. und 4. Katego—
ie teilneymen werden. Auch das Prinzip der apiatischen
Voche von Franksurt, welche vom 3. bis 11. Oktober ab—
ehalten werden soll, fand im Prinzip günstige Aufnahme,
doch befürchtet man, daß der Beteiligung der französischen
biattter die Ueberlasung des Termins mit flugsportlichen
Leranstaltungen entgegen stiehen werde.
(y) Wiibur Wright kommt Anfang Auzust nach Ber—
in, um mit den in Berlin erbauten Flugmaöschinen sei—
ner Konstruktion Aufstiege zu unternehmen.
— — —
Gerichtszeitung.
8SEin Soldatenmißhandiungs-Prozeß beschäftigte
vas Oberlriegsgericht des Gardekorps in Berlin. Ange—
lagt waren die Unuteroffiziere Hoffnann und Plöger
rom 5. Garde-Regiment. Ersterem legte die Anklage 27
zälle von vorschristswidriger Behandtkung Untergebener,
ier Fälle von Mißhandlungen, einen Fall von Beleidig—
ing; dem Mitangeklagten Plöger 36 Fälle von Mißhand—
ungen Untergebener zur Last. Wie in der Verhandlung
um Ausdruck gebracht wurde, haben die beiden Unter—
ffiziere die Mißhandlungen lediglich aus dem Grunde
sorgenommen, um die Untergebenen zu schikanieren und
u quälen. Das Gericht erkannte gegen Hoffmann auf
ier Monate und gegen Plöger auf sechs Monate Ge—
ängnis; außerdem wurden beide Angeklaate dearadiert
nnd sofort festgenommen.
* Verurteilter Hochstapler. Die Kieler Strafkammer
erurteilte den Hochstapler Joppich aus Breslau, der 1907
is 1908 in fast sämtlichen Großstädten Deutschlands sehr
iele Hotel- und Miietschwindeleien verübte und sich dabei
lssessor von Usedom nannte, zu 6 Jahren Zuchthaus, 10
dahre Ehrverlust und 6600 Mart Geldstrafe

Humoristifche Ecke.
*Galante Schmeichelei. (Herr in dem qgu—
en Glauben, der Rauch seiner Zigarre belästige die ne—
enan sitzende junge Dame): „Ach, entschudigen Sie, der
dauch belästigt Sie gewiß?“ — Dame: „Bitte sehr, durch—
us nicht. Im Gegenteil, ich habe es gern, wenn semand
aucht.“ — Herr: „So? Allerdings, Engelsköpfe sind ja
zuch fast stets mit Wolken umgeben!“
*8weckhos. Vater: „Laura, ich wünsche nicht, daß
dein Spiel soweit hin gehört wird, schließe allemal das
jenster dabei!“ — Laura: „Aber Papa, dann hat. ja
tein Spiel gar keinen Zweck mehr!“
Betrachtung. „.... Das Wasser ist schon ofr
uuf der Welt mein Unglück gewesen! ... Als Kind bin
ch dreimal in den Teich gefallen; dann hatt' ich eine
ilchjandlung — da hab' ich wegen dem Malifizwasser
weimal drei Wochen kriegt, und neulich hat's bei mir
zebrannt. . . Wer hat mir die ganze Geschichte verdor—
ben? 's8 Wasser!“
*Gutbedient. Schauspieler: (als Richard 3. auf
er Bühne): „Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für
in Pferd!“ — Witzbold (im Zuschauerraume): „Tut's ein
ksel nicht auch?“ — Schau pieler: „Jawohl. kommen Si⸗
urfl“

ann. Fur einen
Vertrauen.“
Mrs. Lawton wandte sich ungeduldig zu ihm.
„Weshalb sehen Sie die Sache also so verzweifelt an?
ragte sie. „Wenn zwei sich lieben, ist alles und jedes
nöglich. Bloß wenn der Tod dazwischen kommt, lerm
nan die wahre Hoffnungslosigkeit kennen.“
„Und kann uns das nicht auch passieren?“ fragte Ha—
tings scharf. „Denken Sie an die Gefahr, der sie sich aus—
etzt! Und ich habe nicht die Macht, dies zu verhindern!
Ich wage nicht einmal, ihr zu nahen, um ihr Vorwürfe
u machen.“
„Es würde nichts nützen, wenn Sie es täten. Vor—⸗
vürfe haben keinen Einfluß auf sie. Und die Gefahr wird
ald vorüber sein. Ob so oder so, das Ende muß jetzt
chnell kommen.“
„Aber was wird es bringen?“ sagte er mit angster⸗
üllten, traurigen Augen. „Die Gefahr, der sie sich so zwed⸗
os ausgesetzt hat, ist groß.“
Murs. Lawton schüttelte den Kopf.
„Sie würden es nicht zwecklos nennen, wenn Sie die
deiden zusammen sehen,“ sagte sie sanft, „wenn Sie den
Ausdruck in Lilys Gesicht sehen könnten, wenn Irma bei
hr ist. Es ist rührend. Als ich sie beobachtete, erkannu
ch, welch' hohe edle Tat es ist, die schwersten Stunden
einer menschlichen Seele zu lindern und zu verschönern.“
Etwas in ihren Worten schien jede veitere Unterhaltung
innötig und schwierig zu machen. Deshalb schieden sie mü
dem Versprechen ihrerseits, ihn sofort von allem, was sich
reignete, in Kenntnis zu setzen, und Mrs. Lawton schritt
angsam dem Hause zu.
Etwas später wurde Mr. Kirby in die Bibliothet ge—
ührt, wo Irma ihn erwartete. Betroffen durch die Ver—
inderung, die mit ihr vorgegangen, seit er sie zuletzt ge—
ehen, durch ihr bleiches, trauriges Aussehen, rief er
u·

— EEEE
Rvlebe ohm

‚Meine liebe Miß Darracote! Das kann so nicht wei⸗
ergehen! Es ist gang, wie ich befürchtete, Sie haben Ihre
drüfte jhernitrien,
            
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