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r. vt 23. Jahrg. 79 —A — w Donnerstaq, 24. Jur:
J ; —V— 29 —
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für die Bürgermeisterei Dudera
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sonntagsblatt und Humoristische Blätter. ð ——
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Redaktion. Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.
— —5.
Arzt und OuAꝛtle.
Die Institutien der Schulörzte ist eine der segens—
ollsen Errungenschasten der Neuzeit. Sie basiert auf der
Sricuintnis von dem ungencin hohen Wert der Gelund—
jzeit des Körpers überhaupt, wie im besonderen auf der
Srkennitnis, daß, wenn die Jugend nicht gesund erhal—
en wird in den entscheidenden Jahren ihrer Entwicklung
das sind eben die Schulsahre), die ganze Nation
davon unberechenbaren Schaden leidet. Freilich hat es
lange — allzu lange gedauert, ehe diese Erkenntnis sich
fieghaft Bahn brach. Sie ist auch jeht noch nicht gänz
alzemcin verbreitet. Aber kein Zpeisel: sie wird sich alle
Herzen erobern. Lange genug hat's auch gedauert, ehe
man überhaupt den alagen über gesunohetisschäbigende
vinsüne, weiche die Schute mit sich bringt, Gehör schente.
Man vergleiche einmal die ältesten Schulhüuser nmit
ihren engen Räumen, zum Teil sogar fensterlösen Stra—
sßenfronten, ihren schlecht ventitterren und ebenso schlecht
heizdaren Klassenzimmern, den engen Drceppen, den engen
Höfen uswe, mit den modernen Prachtanaucen von Echu.
hüusern mit ihren weiten, luftigen, hellen Räumen, brei—
ten bequenen Tregpen, großen Hösen, Vadeanlagen, mo—
dernen Turnhallen, modernen Einrichtungen auler Act.
Heutzutage ist genau vorgeschrieben, wie die Schultäume
bezůglich der Größenverhältmisse, der Beleuchtung, der
Venttlation und Heizung nach angeleßgt werden müsisen.
Eine ganz besonders wichtige Seite der schul—
ürzteizen Tätigkeit ist die Unrersuchung und sortdauernde
Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Schulktin—
derr. DTie Städte sind dem Lande in dieser Beziehung
weit vorausgeeitt. Abgesehen von Sachsen-Meiningen, wo
seit 1901 siaatliche Schulärzte fürs gauze Land angestellt
sind, und vom Großherzogtum Hessen, ist nirgends für
Landschulen die Instinttion der Schulärzte vorhanden,
Wuürttemberg beabsichtigt Schulärzte einzuführen. Zur Zeit
giht es von deutschen Städten zusammen über 300, welche
Schulärzte angestellt haben, deren Zahl zusammen wohl
2000 betragen dürfte. Wiesbaden hat zuerst Schulärzie
gehabt — seit 1883. Berlin hat sie probeweise am 1. April
1900 eingesührt, dauernd seit 1. Oktober 1903. Zur Zeit
zährt Berlin 44 Schulärzte, deten einer mit bexratender
Stimme in der Schuldeputation sitzt. Tie Schitlärzte un—
tersuchen alle neu eingeschulten Kiuder auf ihren Gesund—
heitszustand. 1805—–506 waren es 32 902, 1906-07 wa—
ren es 35 481 und 1907- 08 341 883. Diejenigen Kinder,
welche gesundheitlich noch nicht als tauglich zum Schulbe
such besunden werden, werden einstweilen zurückgestellt.
Jedes Kind bekommt einen Gesundheitsschein. Kinder, die
zwar eingeschult werden, aber doch irgend ein Leiden
haben, erhalten einen „Ueberwachungsschein“. Solchen be—
kommen auch alle später erkrankten Kinder. In Ueber—
wachung genommen wurden 1905506 7 335, 1906-07
9169, 1907-08 8 176 Kinder. Zurückgestellt wurden in
den gleichen Jahren 3056, bezw. 3100, bezw. 3027. Ohne
Schulärzte müßten diese körperlich schwachen Schurekruten
größtenteils die Schule besuchen, und so würde unendli—
cher Schaden für ihre Gesundheit angerichtet. Ganz be—
sonders einleuchtend ist der Segen der chulärztlichen Tä—
tigkeit, wenn man betrachtet, aus welchen Gründen Kin—
der in Ueberwachung genommen werden. 1905—06 wa—
ren es 3801 wegen ungenügenden »Xträftezustandes, Rachi—
tis 706, Skrophulose 10506, Lungentuberkuülose 1286, Herz⸗
leiden 2195, Nervenleiden 1218, Augenleden 66532, Oh—
renleiden 3001, Verkrüummungen der Wirbelsäule 1920,
Bruchschüden 1512. Die entsprechenden Zahlen für 1907
bis 1908 z. B. sind: 60534 — 1221 — 1818 — 1740 —
2775 — 1683 — 7344 — 3453 — 2801 — 26062.
Die Untersuchungen der Kinder durch die Schulärzte
sind für Lehrer und Schüler ein nicht mit Gold aufzu—
wiegender Segen. Der Lehrer weiß, welche Kinder kram
sind und der besonderen Aufmerksamkeit bedürsen. Viele
Kinder aber werden, da ihr Leiden frühzeitig erkannt ist.
wieder geheilt und so dem Leben gleichsam neu gegeben
So sind in Berlin und anderen Orten zahlreiche Augen—
Ohren-, Tuberkulose-, Bruchschäden usw. geheilt worden
Die Eltern werden veranlaßt, für ihre Kinder weitere ärzt
liche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die vorbeugend;
Wirksamkeit der Schularzte ist von besonderer Wichtigkeit
Dadurch sind auch wiederholt Gyidemien Diphtheri,
Scharlach und dergteihen;, verbutet worden. VNetenlich war
es mit der vor eininenib Dahren in Schöneberg auftre—
tenden Haarkrankheit, die dauf der Tätigteit der Schul—
arzte nicht weiter übergrrif.
Immer mehr briecht sich in den Kreifen der Eltern
die Ertenntnis von dem Segen der Inlärztüchen Tätig—
eit Bahn, und sie befolgen die uge gern. Die
Schulärzte haben also in gesundheit'cher Hinsicht eine
nicht auszuwiegende Bedenutung. UUno wichts wäre drin—
dender zu wünschen, als daß der Sigat uch sirs Land
diese segensvolle Einrichtung schse die ne“ eilauelte
zarstellt zur Gesunduna des Noifsot
RNusĩiiihze Annäherung.
Aus Petersburger eingeweihten Kreisen verlautet daf
die rufsische Beyörde einen höheren Beamten nach Deutisch—
and sendet, der mit großen Zeitungen Verbind—
ingen anknüpfen soll, damit diese Artikel über russische
Verheltnisse, wie sie ihnen von der Regierung zugästellt
verden, veröffentlichen, zu dem Zweck, um eine russen—
reundiche Etimmung in Deutschland zu erzielen. Diese
Naßnahme dürste in Zusammenhang mit der Einladung
»es Zaren zu der „Entrevne“ in den finnischen Schären
tehen, und nman wied sie gewiß als ein weiteres Zoichen
»afür ansehen dürfen, daß die russische Regierung, wenr
uuch nicht einen völigen Umschwung idrer Politik, so doch
ine intinere Annäherung an TDeut'chland vorbereitet
Wir konnen diese Besirebüngen mit Genugtuung beobach
en, und würden uns freuen, wenn der nach dem Abgang
e Altreichs?anzlers abgerissene Draht nach Rußland wie
er amgeknüpet würde. Daß eine gleiche Zeitunzspropa—
. Due wie sie für Deuischland zu mindestalsüber
igebetrachtet werden muß, auch in Rußland selbf
n Siean geient wird, dafür könnte man in der kürzliche;
rrans ornn gen freunbdlichen Betrachtung der bishe
irs der eenicher „Nowoße Wremja“ über die Mona,
hea⸗ininenintet inen deuttichen Beweis erbsicken
Nolitische Ruudschau
Deuntsches Reich.
*Bei seinem Vesuch in Hamburg hielt Satser Wit
helun auf dem Dampfer „Deurschland“ eine Reoe, in der
ꝛr die Hoffnung aussprach, daß der Gemeinsinn in u
eren Vollsvertretern sich über dem Parteisinn Ban
rechen wird, und daß niemand unter ihnen die Veratu
vorttichkeit auf seine Schultern nehmen wird, das Sche
ern einer für unser Vaterland nach Innen wie nach
lußen notwendigen Finanzreformn zu verantwor
en. Dann wandte sich der Kaiser ver jüngsten Zusani
tenkuunft mit dem Zaren von Rußlanud und hol
ervor, daß die Entr!vue als eine energische Be
räfstigungdes Friedens aufzusassen sei. De
Nonarch sagte dann wörtäch: „Wir fühlen uns als Wo
archen unserem Gott verantworttich für das Wohl und
Vehe unserer Völter, die wir soweit als mögtich au—
sfriedlichem Wege vorwärts bringen und zur Blüte en—
porführen wollen. Alle Völker brauchen den Frieden, un
uinter seinem Schutze den großen Külturaufgaben ihre
virtschaftlichen und kommerziellen Entwicklung ungeftör
bliegen zu können. Daher werden wir beide stets dar
iach streben, soweit es in unseren Kräften liegt, mi
vodtes Hilfe fsür die Förderung und Wahrung des Frie
dens zu wirken.“ Die Rede wurde von den versammelter
Zvortsleuten mit großer Begeisterung aufgenommen
* Der „Vorwärts“ versucht das Berhalten der vien
ozialdemokratischen Berliner Stadt
erordneten zu entschuldigen, die sich an der Lon—
oner Reise ihrer Kollegen beteiligt haben, aber dort
hren repräsentativen üslichten nicht nachgekommen sind
die Rechtferigung dieses Verhaltens findet der „Vor—
värts“ darin, daß die vier Genossen ihre Zeit besser da—
nit verbracht hätten, die sozialen Verhältnisse Londons
u studieren. Das klingt ja sehr schön, aber es stimm
licht. Wer einer ofsiziellen Einladung folgt, der muß
ben das Offizium erfüllen das damit verbunden ist, und
ver das nicht tun will, der soll zuhause bleiben. So
vird es in der ganzen Welt gehalten, und den deuitschen
Zozialdemokraten wird keine Extrawurst gebraten.
* Die Beschlüsse der Budget-Kommission des Reichsta—
es in Sachen der Beamtenbesoldung hat die Regierung
ils unannehmbar bezeichnet. Daraufhin war am Montag
zie Subkommission, die seiner Zeit das bekaunte Kont
romiß zustande gebracht hat, wieder zusammen getreten.
Nan kam indes zu keinem Ergebnis, da anscheinend keine
Partei die erste sein will, die von den früheren beamten—
freundlichen Beschltüsson zurücktritt
* —— 37 F
dur Reicsfinanzreform.
* Aus parlamentarischen »rreisen winl der „Vorwärts“
iber die Finanzreforni das Solgende erfahren haben:
sSs sollen zunächst einnial bewilligt werden 356 Mullionen
ndirekte Steuern. Von der Kommiision sind bisher zu—
sammen 318 Millionen bewilligt wocrden. Wie der feh⸗
lende Rest aufgebracht werden soll, stet noch nicht sest
Der von der Finanzlommission beschlossene Kohlenausfuhr—
zoll und die Muͤhlenumsatzsteuer sollen fauen gelassen
werden. Dagegen wird an der Kotierungssieuer sesige—
jalten. Die Erbschastssteuer wird auch in der Form der
teuen Regierungsvorlage abgelehnt. Zwischen den zwei—
en und dritten Lesung soll dann als Konzession an die
Regierung die Kotierungssteuer auf 40 Millionen Ertrag
ermäßigt werden. Ferner soll eine Erbschaftssteuer, aben
lediglich fir das mobile Kapital bewilligt, und das danr
etwa noch vorhandene Minus an Steuern durch ein«
vrundstücks-Umsatz und Wertzuwachssteuer gedeckt werden.
die neue Mehrheit rechnet damit, daß auf diese Beschlüsse
zin Bülow und Schatzsekretär Sydow demissionieren. Die
Entscheidung über die Frage, ob diese Finanzreform nun
hne und gegen Bütow Gesetz werden soll, würde dann
eim Kaiser liegen. Vom Buͤndesrat erwartel die Mehr
zeit weitgehende Nachgiebigkeit. (Es scheint sich hier wie
er um einen Fühler zu handeln, den wir lediglich regist
ierend wiedergeben. D. Red.)
* Die Konservativen und das Zentrum beabsichtigen, tnu
ritter Lesung die Kotierungssteuer für Pfand
zriefe um die Hälfte herabzusetzen.
* Die „Nationalliberale Korrespondenz“ schreibt: Es ge—
zen durch die Presse immer wieder Nachrichten, die als
nöglich oder gar wahrscheinlich hinstellen, daß die Na—
ionalliberalen am letzten Ende sich zu der neuen
Nehrheit schlagen würden. Es ist nach all den
etzten Kundgebungen der nationalliberalen Partei ver—
vunderlich, daß ernsthafte Politiker solches glauben kön
ien. Wir können nur mitteilen, daß die nationalliberal⸗
rraktion des Reichstags einstimmig beschlossen hat, bei
lolehnung der Erbanfallsteuer, der heute einzig mögli—
hen allgemeinen Besitzsteuer, den Finanzreformplan de—
Mehrheit in allen seinen Teilen abzulehnen.
* Wie verlautet, wird der Regierungs-Entwurf über die
Erbanfallsteuer heute Donnerstag auf die Tagesordnuncç
»es Reichstages gesetzt werden. — Die Nationalliberaler
aben beschlossen, im Falle der Ablehnung der Erbansall
teuer gegen die Finanzreform der Mehrheit zu stimmen
Oesterreich-Ungarn.
* Der Hochschulausschuß der Innsbrucker Universitä
iahm entschieden gegen die Errichtung einer italienischen
Rechtssfakultät Stellung. Er weist auf die Innsbrucker
ovembertage und die Wiener Ereignisse hin, wo die Ita—
iener mit Revolvern auf deutsche Kommilitonen schossen.
die italienische Universität würde Südürol verwelschen
ind niederreißen, was deut'che Schutzvere ne aufgebaui
aben
Frankreich.
* Der Torpedobootszerstörer „Massue“ machte in den
etzten Tagen Schnelligkeints- und Schießver—
uche. Tabei versagte eine Granabeuüp es
wurde festgestellt, daß die Sülse kein Pulver entheit
Eine strenge Untersuchung iit eingelcitet
München, 23. Juni. Von autoritativer Seite
erlautet, daß Bayern, das bisher mit Sachsen und
KRaden im Bundesrate aegen eine Auflösung des Reichs
Irma
Wers. Vawton sah ihn neugierig an.
„Weshalb hoffen Sie das?“ fragte sie. „Das heißt
ür Irma, ihr Vermögen abgeben; denn wenn dies Kind
jesund wird, kann sie keiner davon zurückhalten.“
„Dessen bin ich sicher,“ antwortete er. „Aber wenn das
ind stirbt und sie behält ihr Vermögen, so kann ich nie
wieder die alte Stellung ihr gegenüber einnehmen. Bloß
wenn sie ihr Geld verliert, kann ich sie vielleicht von der
Aufri btigkeit meiner Gefühle überzeugen.“
is. Lawton blidte ihn immer noch mit teilnehmen—
der Reugierde an.
„Ich kann es kaum glauben, daß es Gerard Hastings
ist, der so spricht,“ sagte sie. Solche Temut, solch Miß—
rauen auf Ihre eigene Macht, solche Selbstlosigkeit hätte
ich nie bei Ihnen vorausgesetzt. Und noch weniger, sosche
Fähigkeit, das zu empfinden, was die Welt wahdre Liebe
nennti⸗
— ———— — — — — — —
unserer Seele geschlummert haben, aber jetzt in derselben
dagieren.“
„Jal“ stimmte Mrs. Lawton zu. „Es kommt eine
Zeit, wo wir so etwas zu unferem größten Erstaunen her⸗
wuusfinden. Jedem schlägt seine Stunde, und Ihre Stunde
jat jetzt geschlagen. Was immer uns von der Oberfläche
n die Tiefen unserer Naturen taucht, was immer uns
ehrt, zu fühlen, ist gut, selbst wenn wir dazu gezwungen
verden. Und die Liebe lehrt mehr als alles andere; denn
ie lehrt uns, zu leiden.“
„Sie haben Recht,“ sagte er. „Aber was über mich ge⸗
ommen, ist völlig unvorbereitet gekommen. Die Leute
aannten mich cynisch, und ich bin auch cynisch genug ge⸗
vesen in meiner Meinung über Mann und Frau. Aber
rotzdem habe ich immer geglaubt, daß die wahre Liebe
»eredelnd auf den Charatter wirken muß, oder sie ist nicht
uufrichtig und selbstlos. Ich selber habe allerdings nie ge⸗
acht, einer solchen Liebe fähig zu sein, da ich keine Frau
ür fähig hielt, sie einzuflößen. Aber ich hatte mich ge⸗
äuscht, ich hatte noch nicht die Fähigkeit zu lieben, ver—
oren. Dies erkannte ich, als ich Irma kennen lernte; ich
erlannte es noch besser, als ich merkte. daßz ich die Macht
weiß, was dem Kinde gut ist, vesser als wir.
„Davon bin ich überzeugt,“ sagte Irma. „Aber gerade
ietzt ist es so hart! — so haärt! Sie wollte so gerne leben,
zachdem ich ihr gesagt hatte, daß sie immer bei mir blei—
»en sollte!l Und ich hatte sie so notwendig. Es war, als
ob sie geschick war, um mein Leben mit Interesse und
Färtlichkteit auszufüllen. Ich hatte sie so lieb gewonnen.
Und jetzt ist alles vorüber. Sie ist tot! O!“ fuhr sie
chaudernd fort, „wie fremd und schrecklich der Tod ist!“
„Ja schrecdlich für die, die zurüdbleiben,“ entgegnete Mis.
Zawton, und ihr eigenes Leid stand riesengroß vor ihrer
Zeele; „aber für die, die von uns gehen — ach, Irma,
ch habe schon oft gedacht, daß es für sie durchaus nicht
chrecklich ist. Die Liebe, die sie verlassen und die das
ostbarste ist, was das Leben bietet, ist nichts im Ver—
gleich zu der alles umfassenden Liebe, die sie dort erwar⸗
tet. Bei diesem Kinde wissen wir bestimmt, daß es so
ist. Du hättest viel für es getan; aber trotz allem wußtest
du nicht, ob es glücklich werden wurde. Die Liebe, die
ie jetzt genießt, ist über alles andere erhaben und macht
ie wahrhaft glücklich, davon bin ich überzeugt.“
„Aber sie wollte so gerne leben!“ wiederholte Irma.
Und es ist zu traurig, daß sie jetzt sterben mußte, wo
ie alles hatte, was sie wünschte. Ich weiß, dieser Gedanke
qu tleinlich und selbstsüchtig, denn ich dente dabei auch
in mich selbst; aber ich tann jetzt nicht anders empfinden.
zch kann nicht an Höheres denken. Es iss alles noch zu
abe. azu irisch —“
„Ich weiß, ich weiß!“ sagte Clare Lawton zärtlich.
Und sie, die selbst in liefen Zügen aus dem Leidens—
decher getrunken, machte keinen weiteren Versuch einen
dummer zu trösten, der vielen vielleicht eingebildet und
mnnatürlich erschienen wäre. Sie sorgte nur für Irma, die
lend von Wachen und Sorgen var; brachte sie zu Bett,
artete bis sie eingeschlafen war und erhob sich dann, um
wliebevoller Weise ihren Trost ꝛinem anderen zuzuwen⸗
en. der durch den Tod des Kindes in Warheit beraub—
nrdon wyr — Som armon stotor e
„Es wundert mich nicht, daß Sie so erstaunt sind,“
entgegnete er in ernstem Tone. „Offen gestanden, ich bin
selbst erstaunt über mich. Es gibt nichts Merkwürdigeres,“
fuhr er ungeduldig fort, ‚als die Art und Weise, wie wir
oft uns selbst kennen lernen. Ich glaube, jeder Mensch leb
in dem Wahnaf, sich selbst zu kennen, trotz aller alten und
modernen Philosophie, und in dieser Ueberzeugung leben
wir vielleicht unser halbes LTeben hin; danu ereignet sid
etwas Außergewöhnliches umd wir finden uns selbst vieler
Gefühle fähig, deren Jähigkeit wir vorher energisch abge—
üritten haben würden Es mag sehr großer Haß oder
sehr große Liebe seit aber was es auch sei, es er—
hebt sich und überwörntat ans: und ein Teil von ung
selbst sieht sich bike— m. wöährend der andere durch
Mächte hin- und hen .*⸗enu wird. die vorher im Grund,
Das graue Licht des dämmernden Tages drang durch
die verschlossenen Läden und Vorhänge in Wirs. Lawtons
Zimmer, als dieselbe aus unruhigem Schlummer durch ei—
ie Berührung geweckt wurde. Es war eine leise, sanste
Berührung und doch erwachte sie sofort, da sie etwas der
Art erwartet hatte. Sie richtete sich schneli im Bett em⸗
vor. An ihrer Seite stand eine schlanke Gestalt, beinahe
zeisterhaft in dem weißen Gewand von weicher indischer
Zeide anzusehen.
Irma!“ schrie sie, „was ift geschehen?“
„Lily ist tot!“ entgegnete Irma mit unterdriücktem
zchluchzen. „Gott sei Dank hat sie nicht mehr viel gelit—
en, aber sie ist tot. Ich durfte sie nicht behalten, um ihr
ehen mit Glüd muszufüllen Gott ließ es nicht zu.“
„deine liehe rm— esten —
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