Vorales.
Muß während der Kündigungsfrist volle Be—
schäftigung gewährt werden? Tie Parteien streiren sich
darüber, ob ein Goldarbeiter, mit dem 141ägige Kündig—
ungsfrist vereinbart war, nach erfolgter Kündigung An—
spruch auf etne 12tägige Beschäftigung — also sechs Tage
in der Woche — hat, obgleich schon seit längerer Zeit ein
fünfrägiger Arbeitsbetrieb bestiand. Die Beschränkung der
Arbeitsseit mußte wegen geringer Aufträge ersolgen und
die meisten Arbe ter, darunter auch der Kläger, hatten sich
damit stillschweigend einverstanden ertlärt. Die Arbeitet
konnten sich den Tag, an dem sie aussetzen wollten, se bst
auswatlen. Dabei am es minunter vor, daß ein Arbei—
ter eine Woche sich voll beschäftigte, während er dann in
der nächsten Woche nur vier Tage arbeitete. Auch der
nläger arbeitete, als ihm gekündigt worden war, in der
ersten Woche sechs Tage. Nachdem er dann in der zwei⸗
ten Woche vier Tage tätig gewesen war und ihm bedeu—
tet wurde, daß er nun aufhören müsse, protestierte er und
klagte auf eine zweitägige Lohnentschädigung in Höhe
von 9 Mark. Die Kage ist vom Gewerbegericht Rathe—
now abgewiesen worden. Das Gericht führte aus, daß
es einen gesetzlich begründeten Anspruch auf eine sechs
tägige VBeschüf igung nicht gibt. In Betracht kommt hier
lediglich die Vereinbarung der Parteien. Als der Kläger
in den Betrieb eintrat, wurde allerdings sechs Tage in
der Woche gearbeitet. Inzwischen ist aber ein fünftägiger
Arbeitsbetrieb vereinbart worden. Dies ist durchaus zu⸗
lässig. Ter Kläger hat sich auch mehrere Wochen dieser
neuen Bestimmung gefügt. Seine Auffassung, daß eine
Kündigungsfrift eine zweiwöchige vol'e Beichäftiaung be—
dinge, ist falsch
Einlssung für Postaufträge. Es besteht bei der
Posiverwaltung die Absicht, die Einlösungsfrist für Post⸗
aufträge und für Postnachnahmen von 7 auf 3 Tage ab—
zukirzen. Auch son eine zweite Vorzeigung durch den
Besteller nur dann erfolgen, wenn der Empfänger des
Postauftrages bezww. der Abnehmer dies bei der ersten
Vorzeigung ausdrücklich verlangt. Für diese zweite Be—
stellung soll noch eine Vorzeigegebühr von 10 Pifg. erho⸗
ben werden. Es wird aber dem Empfänger überlassen
bleiben, ob er während der Lagerfrist die Einlösung bei
der Postanstalt bewirken will. Für die Postverwaltung
wird die Einrichtung eine große Erleichterung im Dienst⸗
betriebe herbeiführen; auch wird sie durch die Vorzeigege⸗
bühr von 10 Pig. eine bedeutende Einnahme erzilelen.
Es muß nun Sache der Handelskammern fein, zu dieser
enschneidenden Aenderung Stellung zu nehmen. Es darf
aber nicht außer Acht gelassen werden, daß in dieser Maß—
nahme ein Vorteil für die Geschäftswelt liegt.
Kohlenblock. Wie die Nachrichten sich beim Uebergang
in andete Zeitungen verändern, kann man daraus ersehen,
daß der auf Grube Dudweiler für die Ausste lung in
Nancyh gewonnene Kohlenblock nach einer auswäitigen
Zeitung in die Ausstellung nach Leip zig verbracht wird.
Schankgefäße. Ueber den kürzlich vom Bundes rat an⸗—
genommenen Gesetzentwurf wegen Aenderung des Schankge—
jäßgesetzes schreibt Zan von unterrichteler Seite: Der Eat—
wurf steht im Zusasgmenhang mit der bevorstehenden Aender—
ung des Braustenergggetzes. Die aus der Steuererhöhung
sich für den —2 — ergebende Mehrbelastung kann ent—
weder dutch Eihöhuung des Prreises der üblichen Schankmaße
oder durch Verkleinerung der letzteren erzielt werden. Die
namentlich in Norddeutschland übliche Abrundung der Prete
auf 5 Pf. und die Gewöhnung des Publikums an bestimmte
Schankpreise bieten dem ersten Weg manche Schwierigkelten.
ẽs wird daher im Allgemeinen eine Verringerung der
Schankmaße eintreten. Dem steht aber die Vorschrift des
Schankgefätßgefetzes vom Jahre 1881 entgegen, die nur solche
Schankgefäße im Verkehr zuläßt, deren Inhalt durch Stufen
von Zetnteilen des Lirers gebildet wird. Eine Vertleinerung
der ublichen Schankgefäße um ein Zehntel eines Liters unte
Beibehallung der bisherigen Preise würde aber in den meisten
Fällen einen größeren Preisaufschlag bedeuten, als der
Steuererhöhung entspricht und zu einer Uebervorteilung des
Publikums führen. Um dies zu vermeiden, soll die Bestim—
mung des Schankgefäßgesetzes dahin geändert werden, daß
der Sollinhalt der Gefäße vem halben Liter abwärts nach
Zwanzigteiien des Liters bestimmi werden darf. Ferner soll,
um das sogenannte „Schneiden“ zu verhindern, das Schaum—
taummaß auf 2 Zentimeter erhöht werden. Das Gesetz soll
gleichzeitig mit dem neuen Brausieuergesetz in Kraft treten.
Wie Du mir, so ich Dir. In England droht en
Riesen⸗ Bergarbeiteistreik, und wie nicht anders zu erwarten,
wird — wie man von verläßlicher Seite mitteilt — ia
Ruhr Ardelteikreisen bereits die Frage aufgeworfen, ob gegebenen
Falls die deutschen Bergarbeiter nicht veisuchen soll⸗
ten, eine Kohlenausfuht nach England zu verhindern. Es
st nun wesentlich, festzustellen, wie sich die englischen Aibeits.
ollegen zur Zeit des detzten Streikes im Ruhrrevier verhielten.
dlerüber führte auf der letzten Genecalversammlung des Ge—
wervereins christlicher Beraarbeiter Deutschlands Herr Effert
u. q. aus:
„Sachse und ich haben uns in der Hobertsburg die
größte Mühe gegeben, die Kameraden wieder zur Emfahrt
zu bewegen, weil wir und mit uns alle einsichtigen Arbetis⸗
führer sagten: Ein ungeeigneterer Zeitpunke für einen all⸗
gemeinen Streik kann nicht gewählt werden. Nicht allein
die deutschen Kohlenlager waren überfüllt, sondern auch die
englischen. Gerade aber die englischen Bergarbeiter haben
wieder den Schlauen gespielt. Sie sandten wohl Uater—
ützung, ließen aber auch zum Teil ihre Kohlenläger nach
Deutschland räumen. Sie haben gewissermaßen an unserm
Ausstande ein ebenso gutes Geschäft gemacht, wie die eng⸗
lischen und deutschen Unternehmer.Die österreichifchen
Bergleute bekamen statt neun⸗, zehnstündige Schicht. Trotz⸗
dem gibt es auch heute genug derer, die rufen: Hoch die
Internationale. Doch lassen wir ihnen dieses Vergnügen!“
Sollte es in England wirklich zu wirischaftlichen Zu—
ammenstößen kommen, so wären die deutschen Bergarbeiter
cöticht, wenn sie nur das Beisplel ihrer internationalen
„Brüder“ beherzigen würden!
Posi⸗Schließfächer. Die Postverwaltung beabsichtigt,
dei hinreichender Beteiligung nach Fertigftelung des neuen
Posthauses bei dem hiesegen Postamte Schließfächer einzu
richten. Die Vorteile der Schließfachbenutzung sind folgende:
Abholung der Briefsendungen auch außerhalb der Schalter⸗
dienstttunden, Reklame dunch Angabe der Fachnummer auf
Karten, Briefbo gen, Möglichkeit, die Sendungen durch ver⸗
hlossenen Behäiter (Einsatzkasten) zu erhalten u. s. w. Die
Veoingungen für die Benutzung eines Schließfaches können
bei dem Postamt eingesehen werden.
NAus Nahz und Zern
Saarbrücken, 22. Juni. Ere unangenehme Eat—⸗
cckung mußte ein Arbeiter machen, der des Guten zuviel
senossen und sich in seinem Kapitalrausch in die Saarwiesen
im Staden zum Schlaf niedergelegt hatte. Als er wach
ourde, entdeckte er, daß ihm währeud des Schlafens nicht
nur das Por'emonnale mit Inhalt sondern sogar seine noch
neuen Schuhe und sein Hut ausgezogen und geflohlen worden
varen. Der Dieb ist unbemerkt mit seiner Beute entkommen
Vlkztg.)
Saarbrücken, 21. Juni. Schwurgericht. Heute wurde
sier die dritte dtesjährige Schwurgerichtsperiode für den
Landgerichte bezirk Saarbrücken eröffnet. Nach Begrüßung
»er Geschworenen durch den Vorsitzenden, Landgerichtsrat
-chillmöller, sollte in die Verhandlung der ersten Strafsachc
ingetreten werden, die sich gezen den Arbeiter Friedrich Brock—
zaus aus Kölln richtete und eine Anklage wegen Straßen⸗
aubes betraf. Auf Antrag der Verteidigung wurde aber die
Verhandlung sofort vertagt, und zwar unter Verkündung des
Zerichtsbeschluses, daß der Angeklagte zwecks Beobachtung
eines Geifleszustandes für einige Zeit einer öffentlichen
krrenanstalt zu überweissen ist. — Die Schwurgerichtsrode
st dahin zu ergänzen, daß auch nich füc Samstag, 26. Juni
ine Verhandlung anderaumt ist und zwar gegen den früheren
randbriefträjer Adam Jakobs aus Fechingen wegen Uater⸗
chlagung im Amt usw. (Sbr. Zta.)
Saarbrücken, 22. Juni. Wir brachten genern die Mel—⸗
dung, es seien wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit an
10 Unteroffiziere des z. Zt. in Elsenborn weilenden Infan—
erie⸗s Regiments Ne. 70 in Elsenborn verhaltet und nach
zier gebracht wonden. Trotz der von uns gestern bereits
dringend gewünschten Aufklärung ist bis heufte leider nichts
'n dieser Hiusicht erfolgt, uns etwas unverständlich inanbe
racht des hier zirkulierenden Gerüchts. Aa zuständiger Stelle
von uns eingezogene Erkundigunzen verliefen absolut resultat⸗
los. Den mit der Untersuchung betrauten Beamten ist Still⸗
schweigen befohler, was den unbestimmten Gerüchten natürlich
nur neuen Stoff liefert, Es konnte uns nach eingehenden
Informatlonen nur soviel beftäligt werden, daß ein Vizefeld—
vebel in diese Sache verwickelt ist und vorige Woche sowohl
er wie ein Sergeant und zwei Unteroffiziere in Haft genom—
nen wurden. Die Anzahl der minderjährigen Mädchen soll
nier nicht übersteiger. Die Mäcchen sollen zum Kauf von
dommisbrod in die Kasernen gegangen sein. — Die Aklen
)ieser überaus beklagenswerten Affäre gingen gestern von der
iesigen Kriminalabteilung au das Regimeniskommando ab.
Pie wir von anderer Seite erfahren haben, sollen gestern
rüh 20 bis 25 Manpschaften und Unteroffiziere von Elsen—
orn nach hier gebracht worden sein. Die Leute sollen in—
es nichts mit der Sittlichkeusaffäre zu tun haben, es dürste
ich so aber die geradrzu ungeheuerliche Gerüchte erklären, es
eten insgesammt an 40 Unteroffijisere in Hut genommen
worden. Wir möchten an dieser Stelle nochmals belonen,
daß diese ganze Affäre das öffeatliche Interesse stark berührt
uind ene amtliche Ecklärung sehr zu wünschen wäre am jedem,
nüßigen Gerede die Spitze abzubechen. Die Presse ist un—
eres Erachtens nicht dafür da, Licht in das Dunkel unkon⸗
rollierbate Gerüchte zu tragen, velmehr ist es wohl Pflicht
er Behörde, sich bei solch ungeheuerlichen Gerüchten der
hilfe der Presse zu bedienen, um solchen Falschmeldungen
en Boden zu entziehen. — Wie uns miltgeteilt wird, soll
»ie Ha ptzeugin, die 18jährige Krachleder, seit Samstag ver—
chwunden sein. Sie wal gestein Nachmittag vor das deta—
hierte Kriegsgericht gelader. (Saarbr. Lokalanz.)
Wie witr vernehmen, ift die ganze Sache kolossal auf—
gebauscht. Das einzize wihre an der ganzen Affaire soll
ein, daß ein Fdwebel und drei Unterosfiziere durch ein
Mädchen denunziert worden sind. Die Anzeklagten beßreiten
edoch jede Schuld. Eiwiesen ist bis jetzt noch nicht das
erir aft⸗ Red. der Dudw. Z3ig.
* Düsselborf, 22. Juni. (Suftschiffahrt.) Die
urzeit umstrittene Frage, ob für Luftschiffhallen Lang—
»auten oder Rundbauten zweckmäßiger sesen, wurde durch
»ie mangelnde Manövrierfähigkeit der bisherigen Luft
chiffe veranlaßt, die den Aufstiez nicht vertikal, sondern
uur schräg bewirken konnten. Diese Schwierigkeit scheint
»urch eine Erfindung behoben zu sein, die der Ingenieur
I. Boerder-Düsseldorf beim Patentamt angemeldet hat.
darnach kann Aufstieg und Landen des nach starrem Sy—
tem zu bauenden Luftschisses infolge einer Anordnung von
„pindeln in ver ilaler Richtung nach vollständig freiem
Bbelieben des Führers erfelgen. Das preußische Kriegs—
ministerium hat von dem Erfinder bereits Unterlagen
zwecks näherer Prüfung eingefordert. Um eine möglichst
zollkommene Vorführung des neuen Systems zu ermög—
lichen, beabsichtigt Boerder im Juli mit dem Bau eines
iach seinem Patent erbauten Flugapparates zu beginnen.
Mit einem Modell desselben von 1000—2800 Millimeter
sat er bereits gute Erfolge erzielt und einen Höhenflug
bis zu 800 Meter erreicht. Diese Versuche fanden auf
der linken Rheinfeite bei Düsseldorf statt.
* M.⸗Gladbach, 22. Juni. Ausschreitungen
Ztreikender.) In Viersen kam es beim Bauar—
eiterstrekk zu schweren Ausschreiuungen. Einem Arbeits—
villigen wurde das Fahrrad zertrümmert, ein Giebel ifss
erstört und sonstiger Schaden angerichtet worden.
* Elberfeld, 22. Junt. (Bro enor Srreir
xin Färberstreik steht für das ertal Aussicht. E
vird eine Lohnerhöhunz verlangt ür die se'bständigen
Färber und Hilfsarbeiter um 2 Mart, der Hirfsarbeiterin—
ien um 1.50 M. Für die erste Ueberstunde werden 50
zrozent, für die zweite 75 Prozent und für jede weitere
00 Prozent Lohnaufschlag gefordert. Endlich wird an
zamstagen von 1 Uhr mittags ab Arbeitsschluß verlangt
der Verein der Wuppertaler Seiden- und Kunstfärber hat
iese Forderungen abgelehnt.
* Solingen, 22. Juni. Verhaftete Defrau
»aAnten.) Die beiden Handlungsgehilsen von zur Ga—
hen und Keßler, die, nachdem sie mit einer gefälschten
Quittung den Barmer Bankverein um 12 000 M. betro—
zen hatten, flüchtig wurden, sind in Antwerpen in dem
lugenblick festgenommen worden, als sie ein nach Ame—
tika fahrendes Schiff betreten wollten. Sie waren noch
mm Besitze des größten Teiles des Geldes
*Iserlohn, 22. Juni. (BVust mor d.) Im Hause des
Metallhändlers Quirrenbach ist in der letzten Nacht an
der 16 Jahre alten Ottilie Lisowski ein Lustmord ver—⸗
übt worden. Der Hausherr hörte gegen 411 Uhr furcht
ares Hilfegeschrei, worauf er sich zur Tür des Mäd—
hens begab und diese aufbrechen mußte, um in das Zim
ner zu gelangen. Er fand die furchtbar verftümmelte Lei⸗
he des Mädchens. Der Leib war bis zur Brust aufge
chnitten und der Kopf vom Körper getrennt. Außerdem
vies der Körper noch mehrere Revolverschüsse auf. Der
sörder isft der 22 Jahre alte Heinrich Obst aus Düssel⸗
orf, der sich gegen Abend in das Zimmer des Mädchens
jeschlichen und abgewartet hatte, bis das Mädchen ein—
jeschlafen war, worauf er die schreckliche Tat verübte. Obsfi
jatte sich gleichfalls einen Schuß beigebracht und wurde
in besinnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht.
*Bochum, 22. Juni. Opfer des Berufes.)
Nachts wurde ein Polizeisergeant im Stadtteil Hamme
son vier unbekannten Kerlen überfallen, seiner Wassen
ieraubt zund durch sieben Messerstiche und Säbelhiebe am
dopfe schwer verletzt. Man fand ihn früh morgens unter
iner Eisenbahnunterführung in seinem Blute liegend um
rachte ihn besinnungslos ins Krankenhar
* Frankfurt, 22. Juni. (Werurteilter Ehren—
äsch er.) Das Schwurgericht verurteilte heute den aus
zöhmen gebürtigen Schweizer Alfred Wirschnitzer, der am
Ater-Dienstag seine in einer hiesigen Wirtschaft beschäf—
igte Frau wegen Untreue erstochen hatte, unter Annahme
tfilderndor 11Imitände 211 2wei Tahren Gefänanie
Gegen die weiblichen Aungestellten. In Paris ha⸗
»en sich eine Anzah! Männer zusammengetan, die fest
ntschlossen sind, keine Mädchen zu heiraten, die einen
nannlichen Beruf ausüben. Sie wollen eine entsprechende
Erklärung“ an alle weiblichen Aerzte, Advotaten, Apo—
heker usw. ergehen lassen. Also eine Kriegserklärung!
Wir wollen nicht“, sagen diese intransigenten Junggesel—
en, „daß uns die Frauen das Brot wegnehmen. Judem
ie eine nur den Maännern zustehende Beschäftigung an—
iehmen, schädigen sie uns und sind deshalb unjere Ripa—
en — unsere Frauen können sie alio nicht werden. Selbst
zie schönste unter ihnen wird es nicht fertig bringen, uns
ljünstig zu stimmen.“ Die Taktik dieser Herren wird von
moeren Vertretern des starken Geschlechts heftig bekämpft.
Richt durch den Heiratsstreik, meinen sie, werde es ge⸗
ingen, das weibliche Geschlecht von der Ergreifung männ—
icher Berufe abzuhalten, im Gegenteil, das einzige wirk—
ame Mittel bestehe darin, diese weiblichen Konkurrenten
jerade durch die Heirat aus dem Berufe herauszuholen
ind in die Küche zu verbannen, wo sie nicht meht ins
dandwerk schen können. Wie wär's nun aber, wenn
»e Frauen den Spieß umdrehten und sagten: „Wir hei⸗
aten keine Männer mehr. die sich in weibliche Berufe
ineindrängen!
Teseuramme.
Bingen, 21. Juni. Die von uns schon erwähnte Re—
zelnng des Wirtschafitzbetriebes in Bingen in Bezug auf die
Beschäfttzung von Kellnerinnen hat rasch die Wendung ge—
nommen, die man crwarten mußte. Die Bürgermeisterei
hat dem Wunsch des Gastwirtevereins entsprech end verfügt,
daß um 10 Ubr abends alle Lokale mit Damenbedienung
»om 1. Jali ab geichlossen setn müssen.
*Verlin, 23. Juni. Der Professor der Staatswissen
schaften an der Göttinger Universität, Dr. Julius Hat
sch ek, plant die Herausgabe eines parlamentarischen
dandhuches, das eine Kodifikation des geltenden Gewohn
eitsrechts des deutschen Reichstages schaffen soll. De
Präsident des Reichsstags Graf Stolberg hat eine Kom
nission von Mitgliedern aller Parteien berufen, die zu
nächst die Aufgabe hat, mit Professor Hatschek wegen de—
iäheren Bedingungen der Herausgabe des Handbuches
Subvention durch das Reich usw.) und der Benutzunç
des Reichstagsarchivs in Verbindung zu treten. Die Kom
nission hat sich konstitutert. Vorsitzender ist der national
iberale Abg. Junck und Schriftführer der Zentrumsabge—
ordnete Graf Oppersdorf, der bei der diesjährigen Berat
ung des Reichstages eine solche Kodifikation angered
hatte.
* Essen, 23. Juni. Direktor Biese vom königlicher
Symnasium ist, offenbar wegen der bekannten Vorgänge
an das Gymnasium in Bunzlau versetzt worden
* Landsberg, 23. Juni. In Altredwitz bei Küstrin
bersuchte ein unbekannter Mann einen Militärpulverschup
»en in die Luft zu sprengen. Er wurde, da er auf den
dreimaligen Anruf des Postens nicht achtete, erschossen. Ir
der Tasche des Toten wurde eine Zündschnur und ⸗in
stevolver gefunden.
* London, 23. Juni. 63 zur Teilnahme an den Vra
növern bestimmte Schifse der Heimatflocte sind aus der
häfen von Sheerneß und Chatham ohne den geringsten
Maschinendefelt in See gegaungen. Ebenso wird von den
inderen Schifsen des Geschwaders gemeldet, daß sie keine
Nängel aufweisen. Dies zeizt den Erfolg des Systemes,
inen Stamm von ausgebildeten Mannschaften auf den
driegsschiffen zu belassen, die sie auf dem Friedensfuße
nekriegstüchtigem Zustande erhalten
Zürich, 22. Junt. In der letzten Nacht geriet an der
ogenanuten Flotz in der Gemeinde Wartwil, von wo aus
ne Rücken⸗Tunnelarbelten betrieben werden, ein von vielen
ztalienern bewohntes Haus mit angebauter Scheune in Brand.
Der Ausbruch des Feuers wurde sehr spät bemertt und es
'am zu einer fuachtbaren Katastrophe. Nur wenigen Italienern
zelang es, sich zu retten. Sechs verunglückten bei der Flucht
ind mußten schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden;
Heute morzen wurden 10 Leichen eus den Trümmer:n her⸗
vorgezogen. Die Entstehung des Brandes wird auf Unvor'
ichtigkeit zurückgesührt.
Bern, 23. Juni. Gefiern Abend ist der Bruggwald—
unnel der B densee-Toggenburg-Bahn auf eine Stiecke von
26 Meter eingestürzt. Acht bis 10 Personen sind dadurch
jerschüttet worden, die wahischeinlich tot sind. Trotz aller
Anstrengung ist es noch nint gelungen, zu den Verunglückten
„u gelangen, da die Schuttmassen zu roß stnd und auch
vegen der Gefahr eines weiteren Zusammenbiuches mit Vor—⸗
icht gearbeitet werden muß.
Newyort, 23. Juni. Uanter einer siarken Hitzemelle
jaben gegerwärtig die Oststaaten Nordamerikas sehr zu leiden.
In Philadelphia und Nenyork verzeichnet man täglich Todes—
älle an Hitzschlaa. Geftern ftarben allein in Newnork 7
Bersonen an Hitzichlag
Tausendfach bawahete
NMahrunqꝗ bei:
Brechdurchfall,
kaindernanrung Diarrhe,
i,αναι Darmlcatarrh. erc.
8ßekanntmachung.
Die Verwaltung der Pfähler⸗Stiftung des Kreises Saarbrücken
zat in der Gemeinde Dudweiler vier Wohnhäuser mit 10 Woh—
iungen errichten lassen.
Nach dem Statut der betr. Stiftung werden diese Wohnungen
ür solche altersschwache würdige Eingesessene des Kreises Sagar—
rücken verwendet, welche erwerbsunfähig oder beschränkt erwerbs—
ähig und zwar im Besitze eigener Subsistenzmittel, aber ohne Zu—
chuß nicht im Stande sind, sich einen auskömmlichen Lebensunter⸗
alt zu verschaffen. Ausgeschlossen sind solche, welche öffentliche
Irmenunterstützung beziehen, oder in letzter Zeit bezogen haben
owie solche, welche sich noch nicht seit mindestens 5 Jahren im
Zreise Saarbrücken aufhalten.
Die Wohnhäuser werden den Bewohnern unentgeltlich, jedoch
ederzeit widerruflich und unter Uehernahme der baulichen Ünter⸗
altung auf die Stiftung, soweit es sich nicht um Beschädigungen
nfolge groben Verschuldens handelt, zur Verfügung gestellt.
JFen Bewohnern ist die Aufnahme von Kostgängern untersagt.
ie Anfnahme von Angehörigen nur mit Genehmiqung der Stifts⸗
erwaltung gestattet.
Gesuche um Ueberlassung von vorstehenden Wohnungen sind
unlichst bald, spätestens bis 285. ds. Mts. persönlich auf dem
iesigen Bürgermeisteramt Zimmer Nr. 6 vorzubringen.
Es wird darauf hingewiesen, daß nur solche Personen berück—
ichtigt werden, bei denen die oben angegebenen Bedingungen tat⸗
ichlich zutreffen
Her Bürgermeister Jo