Full text : Dudweiler Zeitung

Lr. 141 23. Jahrg.

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Kedaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller, Dudweiler.

* * *
Mehr Sparsamkeit bei der Post.
Unter dieser Ueberschrift bringt die „Allg. Deutsch
Beamtenzeitung“ einen längeren Artikel, der auch für di
breitere Oeffentlichleit von Interesse ist. Der Verfafser geh
von der Kritik des Freiherrn von Gamp-Massaunen beé
Beratung des diesjährigen Postetats aus und hält di—
Kritik des Herrn von Gamp in vielen Punkten für rich
tig, wenn auch hier und da über das Ziel hinausschie
ßend. Das sei besonders der Fall, wenn gesagt werde
es müsse an den Ausgaben für das Personal gespart wer
den. Der verstorbene Staatssekretär von Stephan bab«
nicht mit Unrecht den Grundsatz vertreten, daß das beste
Personal für die vielseitige Reichs-Postverwaltung gerad,
gut genug sei. Der Verfasser will sich nun zwar keines
wegs mit Stephan identifizieren, denn nach seiner Ansich
war Stephan in den letzten Jahren seiner Am-stätigkei
ncht mehr ganz auf der Höhe der Situation. Das än
derte sich, als Herr von Podbielski das Zepter ergriff
Mit mancherlei überlebtem Formelkram wurde gebrochen.
Der Betrieb wurde verbilligt. Der ungeheuren Geldber.
schwendung bei Postbauten Einhalt getan. Kurzum, Pod
habe sich um die Verbilligung und Vereinfachung des Be—
triebes Verdienste erworben. Der oft, auch mit Recht, ge—
tadelto Husarengeneral hat manche schneidige Attacke gegen
verknöchertes Bureaukratentum geritten. Leider habe er
vorzeitig seinen Posten verlassen müssen; die angefangene
Arbeit blieb unvollendet. Podbielski habe es gewiß nicht
verantwortet, daß die höheren Beamtenftellen sprunghaft
vermehrt wurden, ganz über das Bedürfnis hinaus. Das
Aufsichtspersonal sei horrend gewachsen. Es werde viel
zu viel Aufsicht geübt über ein Personal, welches an Ge—
vissenhaftigkeit und Pflichttreue von keiner Beamtenschaft
ibertroffen werde. Den Betriebsbeamten werde durch die
innötige Aufsichterei der Dienst vielfach verleidet. Jeder
zroße Privatbetrieb, der so viele überflüssige Beamte un
erhalte, könne unmöglich prosperieren. Hier können Hun
derttausende erspart werden. Herr Krätte habe bestritten,
»atßz es bei der Post zu viel Aufsichtsbeamte gebe und
rotzdem sei es der Fall. Der Reichstag möge hier ein—
nal in die Postperwaltung hineinleuchten.
Weiter würden Unsummen bei den Versetzungen der
Beamten verausgabt. Es komme häufig vor, daß ein
Beamter ganz gegen seinen Wunsch von einem Ende
Deutschlands nach dem anderen verfetzt werde, ohne daß
—
asse sich aber ersparen, wenn die Dienstreisen der böberen
Beamten eingeschränkt würden. Den höheren Beamten
eien die bei ihren Reisen erzielten Ueberschüsse eine hoch—
willkommene Nebeneinnahme. Nach der Gehaltsregelung
würden aber gerade diese Beamten bedeutend au'gebessert
- Der Geschästsgang der Postbehörde sei trotz mancher
chã henswerten Vereinfachung noch viel zu bureautrarisch.
Von den modernen Errungenschaften der Technik werde
ioch viel zu wenig Gebrauch gemacht. Zwar gäbe es
Rechen⸗- und Schreibmaschinen. Aber es gäbe käum einen
jöheren Beamten, der dem Schreibfräulein etwas dittiere.
Noch immer werde fsein säuberlich vom Burcaubeamten das
Schreiben entworfen. Je nachdem zwei—- bis dreimal kor—
igiert und dann erst vom Fräulein getippt. Es seien
zies an sich Kleinigkeiten. Aber bei einer so großen
Verwaltung ergeben auch kleine Ersparnisse große Sum—
nen. — Millionen könnten aber erspart werden, wenn ein
Teil der Arbeiten der höheren Beamten auf die mittleren
Beamten und von diesen wieder Arbeitsleistungen mechanischer
 Art auf eine neu zu schaffende niedere Beamten
lasse übertragJen würden. Die Reduzierung der höheren
Beamtenstellen, namentlich nach Unterbrinaung der unter
Stephan weit über den Bedar angenommenen Bewerber
ür die höheren Stellen, sei unbedenklich möglich, wenn
man den Beamten mehr Selbständigkeit zutrauen und
nicht alles in eine Unmasse von Dienstvorschriffen kleide,
die zwar den höheren Vorgesetzten jederzeit eine Hand—
habe geben, gegen die Betriebsbeamten e nzuschreiten, von
diesen aber dazu da seien, um nicht befolat zu werden.
Bei der gewaltigen Entwickelung des Postverkehrs und
der Anhäufung der Arbeit, sei eine strilte Befolgung der
bis ins Kleinste gehenden Bestimmungen osft ein Ding
der Unmöglichkeit. Derartig detaillierte Bestimmungen seien
auch bei dem gut geschulten Personale nicht notwendie
der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendi

Vann ware unvedentlich eine ganze Anzahl der Ar
beiten der Unterbeamten, namentlich in den Großstädten
ruf Arbeiter zu übertragen. Zum Leeren der Briefkästen,
zum Ein- und Ausladen der Pakete und dergleichen mehr
genügten ungelernte Kräfte. Freilich müßte die Posiver—
waltung dann den ortsüblichen Tagelohn bezahlen.
Die Ausführungen sind von allgemeinem Interesse und
namentlich den Parlamentariern und nicht zum wenigster
der Postverwaltung zum Studium zu empviehlen.

ihn dte gegenwaärttge Regterung bei allen seinen Scyrit—
ten fsortgesetzt durch Detektivs beobachten lasie.
Frankreich.
*Pariser Blätter berichten über die Verhaftung eines
zewissen Troussier, welcher der Spionage für deut—
sche Rechnung beschuldigt. Vor dem Untersuchungsrich—
er erklärte Trousster, seine Auigabe habe darin beständen,
ranzösische Soldaten, die ihrer Militärpflicht genügt hät
en, mit deutschen Agenten in Verbindung zu bringen
Weitere Einzelheiten weigerte Troussier sich anzugeben,
»ehauptet jedoch, die deutschen Agenten hereingelegt zu
zaben. Die Polzeibehörde verhält sich diesen Angaben
Troussiers gegenüber sehr skeptisch, da sie der Meinung
ist, Troussier sei gar nicht in der Lage, wichtige Dienste
als Spion leisten zu können. Vielmehr glaubt die Poli—
zei, daß Troussier Unterschlagungen begangen hat, die er
auf diese Weile zu vertuschen sucht.
*æ In Auxerres wurde auf Befehl der Regierung die
dem dortigen geistlichen Kapitel gehörende Bib—
lbiothet geöffnet und alte Bücher und Manuskripte,
darunter sehr wertwolle, zu Guniten der Stadwerwaltung
—

Volitischhe Rundschan.
Deutsches Reich.
* Ueber die politischen Folgen der Kaiser-En
revue äußerte sich der deutsche Botschafter Graf Por—
ales folgendermaßen: Es ist beschlossen, auch künftighin
ei Entstehung politischer Fragen sich an die traditionelle
rzreundschaft und das Vertrauen zu hatten. Darin wird
»er beste Weg zur Erhaltung des Friedens und des Ein
ernehmens erblickt. Die Aufregung einzelner englischer
Blätter war grundlos. Die traditionellen freundschaftli—
hen Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland wi—
dersprechen durchaus nicht dem engisch-russischen Einver—
iehmen, das eine Reihe von Fragen in Zentralasien be—
rifft, speziell Persien und Tibet, wo Deutschland keine
Interessen verfolgt, weshalb von einer Konkurrenz nicht
gesprochen werden kann. Rußland wohl verlangt ein Ein—
»ernehmen mit England, das ebenso natürlich ist, wie
die guten Beziehungen Deutschlands zu Rußland und
England, die Deutschland bestrebt ist zu erhalten.
* Die Rede, die der preußische Finanzmi—
wisst er Freiher v n Rheinbaben in der Don
tierstagsitzung im Reichssstag gehalten und die einen se
zroßen Eindruck gemacht hat, wird in gewissen politischer
Freisen als Kanzlerrede des Finanzministers betrachtet
Wie eine Berliner Korrespondenz wissen will, gilt Frei
herr von Rheinbaben in der Tat seit längerer Zeit als—
Anwärter auf das Reichskanzleramt. Dazu berufen. di
Machfolge des Fürsten Bülow anzutreten, werde er ader
mischt deinn, da ihm, von anderem zu schweigen, die
Erfahrung auf dem Gebiete der auswärtigen Politik man
gelt. Der jetzige Statthalter von Elsaß-VLothringen, Gra
Rwon Wedel, sei nach wie vor derjenige, der als Nach
sfolger für den jetzigen Reichskanzler in erster Stelso im
Betracht komme. (7)
* Wie der Staatsbürger-Zeitung ein Telegramm aus
Hannover mieldet, sind am Samstag in Hannover
zie nationalliberalen Varteiführer zu einer internen
Parteikonferenz zusammengetreten. An der Ronferenz ha—
»en u. a. teilgenommen Abg. Dr. Arninz, Abg. Kam—
nergerichtsrat Schiffer, Geh. Regierungsrat Or. v. Böt—
inger und der Generalsekretär der nauonaliitberalen Par—
ci, Breithaupt. Der Zweck der Beratung sollte sein, die
Wahl für den Fall der Auflösung des Reichstages vor—
ubereiten und ein entsprechendes Wahlprogramm aufzu—
tellen. Die nationalliberalen Parteiführer, so folgert die
Staatsbürger-Ztg., rechnen also bestimmt mit einer Mu i—
ösung des Reichstages.
*Die Kaiser-Flottille ist nach Kieb zurückgekehrt. Die
Hohenzollern“ und „Sleipner“ traten Nachts durch den
raiser Wilhelm-anal die Fahrt nach der Elbe an, um
dem Kaiser zur Verfügung zu siehon. „Gneisenau“ und
Hamburg“ sind aus der Flottille ausgeschieden.
*Die in Leipzig tagenden Vorstände der säch sischen
Mittel stand s-Wereinigung sprachen fich gee—
Jeinn den Anschluß an den Hansa-Bund aus, da dieser
ils Repräsentant des Großkapitals eine Förderung des
Mictelstandes nicht erwarten lasse.
*Ein inspirierter Artikel des italienischen Blattes
„Stampa“ ertlärt, Rußland werde nunmehr seine
Balkan-Juteressen mit Hilfe Deutschlands und
Besterresichs zu schüßen suchen, was zweifellos der
Zache des Friedens zu statten kommt und den gefürchte⸗
en Konfli!t zwischen Deutichland und Enaland zur Un—
nöglichkeit mache.
Oesterreich-Ungarn.
* Geheimrat Lukaes, der als zukün'tiger Premiermini—
ter gilt und vom König mit der Lösung der un garr i—
schen erifse vetraut ijt, klagt öffentlich darüber, datß

Rußland.
* Ueber den Woodburn-Zwischenfall veröffentlicht der
Narine-Generalstab ein Communique, in dem er zunächst
darauf hinweist, daß es infolge der wiederholten Annä—
herungsversuche von Kauffahrteischiffen an Kriegsschiffe im
ehten Jahre für notwendig befunden worden sei, dies—
»ezüglich neue Bestimmungen zu erlassen, die im Januar
278.Is. veröffentlicht worden sind und sich auch auf die
innischen Gewässer erstrecken. Das Communique geht dann
auf die Einzelheiten des Zwischenfalles ein und hebt her—
vor, daß die Schüsse auf russischer Scite erst abgefeuert
worden seien, als der Engländer sich weigerte, seinen Kurs
zu ändern. Auf Befehl eines Flügel-Adjutanten des Za—
cen ging dann ein russischer Ofsizier an Bord des Wood—
burn, um den dort angerichteten Schaden zu besichtigen
und festzustellen, warum das englische Schiff der ergange
nen Aufforderung keine Folge geleistet habe. Die Schult
daran sei auf den finnischen Piloten zurückzuführen, der
die ganze Verantwortlichkeit fir den Zwischeniall treffe

England.
* Reynolds Newpaper meldet: Die jüngsten City-⸗Nach
richten, wonach die Gesundheit des Königs minder gut
geworden sei, seien zwar übertrieben, doch sei dem König
von ärztlicher Seite die größtmöglichste Schonung anem⸗
fohlen worden. Demnach wird auch die repräsentative
kätigkeit des Monarchen künftighin eine Einschränkung er—
ahren. Im Laufe der Woche wird der König sich mit
Dr. Ott über eine eventuelle Marienbader Kuͤr schlüssig
nachen. People meint: Obgleich nichts ernstliches vor⸗
iegt, sei der Gesundheitszustand des Königs nichts weni—
zer als günstig und die Pflicht der Repräsentation in dver
jegenwärtigen Saison hätten bei dem König einen Schwä
hezustand herbeigeführt

Spanien.
*Nach Madrider Meldungen liegt der spanische
khronprätendent Don Carlos aͤuf einer seiner ita⸗
ienischen Besitzungen hoffnungslos infolge Schha gan-⸗
alIs darnieder. Er ist gelähmt und hat die Sprache
ꝛerloren. In politischen Kreisen besteht die Ansicht, die
Larlistenpartei, die letzthin stark unter inneren Streitigkei⸗
en um den Führerposten gelitten hat, werde nach dem
Tode Don Carlos wegen des mangelnden Einfluffes sei—
ties Sohnes der Auflösung verfallen

Serbien.
*König Peter hot dem Hauptverschwörer Gencie und
»em Oberst Maschin je 100 00 Franfs, wenn sie Ser—
ien sofort für ein Jahr verlassen. Dieses Angebot des
königs ist durch den bekannten Konflikt verantaßt wor—
en, in den Prinz Georg mit der Verschwörer-Partei ge.
aten ist. Erminister Gencie und Oberst Maschin machten
ber von dem Anerbieten des Königs einer Versammlung
er Verschwörer. welche in der Villa des Exminnere

Irma

der Bibliothek. Außer Irmas fchriftlicher Mitteilung hatte
jener auch Hastings gesprochen und dann keinen Moment
gezögert, nach Argyle zu kommen; denn die Neuigkeiten,
die er von beiden Seiten erfahren hatte, erweckten im
höchsten Grade sein Interesse.
Er saß jetzt neben Irma und lauschte mit ernster
Miene ihrer Erzählung. Ab und zu blickte er dabet auf
das Papier, das Irma ihm gegeben hatte.
Als sie geendet hatte, blidte er sie an, und Irma war
betroffen über den strengen Ausdruck der araublauen Au—
gen, die sich auf sie hefteten.
„Zuerst,“ sagte er, „will ich auf den Borwurf antwor⸗
ten, den Sie mir machton, daß ich Ihnen nicht gleich von
denAnrechten jenes Kindes Mitteilung machte, sondern zu—
ließ, daß Sie es durch Zufall erfuhren. Meine liebe Miß
Darracote, es war wirklich kein Grund vorhanden, wes—
halb ich Sie mit einer solchen Sache beunruhigen sollte.
Als Mir. Darracotes Testamentsvollstrecker hatte ich eben
aur seinen Willen zu vollstrecken. Ich würde deshalb sehr
unklug gehandelt haben, wenn ich Sie mit einer Geschichte
geängstigt hätte, mit der ich Sie noch ich etwas zu tun
haben. Sie denken natürlich, Sie hätten etwas damit zu
tun, aber Sie irren sich. Wie die Sachen damals standen
— nachdem Mr. Darracote sich geweigert halte, das Kind
anzuerkennen und dies deutlich und schroff genug erklärte,
indem er es in seinem Testament einfach ignorierte —
hatten Sie nicht den geringsten Grund, es anzuerkennen,
jondern Sie riskierten auch durch Ihr Handeln die Be—
trügerei zu unterstützen.“
„Und doch,“ sagte Irma, „weiß ich, daß Sie das An⸗
recht des Kindes genügend anerkannten, da Sie einen Agen⸗
ten nach Australien schickten, um die Beweise seiner Her—
unft zu prüfen. und daß Sie Mr. Wilkins das Ver—
prechen abnahmen, stets gegen mich über die Sache zu
chweigen“
Sie sind wiederum im Irrtum. Nicht ich sandte den
Igenten nach Australien; denn ich hatte als Mr. Darra—
otes Testamentsvollstrecker kein Recht dazu und versönlick

cein Interesse daran. Sondern Mr. Hastings tat es —
auf seine Kosten. Weder er noch ich Tegten der Sache je
och große Bedeutung bei, wollten aber auf jeden Fal
ndgültige Gewißheit haben. Deshalb wurde Wilkins aud
on Ihnen fern gehalten. Es war kein Grund vorhanden
Zie mit einer Sache zu beunruhigen, die vollständig auße
Ihrem Interesse lag, und die vielleicht nur unbegründeti
Zkrupeln in Ihnen erwecdt haben könnte.“
„In anderen Worten, Sie vertrauten mir nicht,“ ew
piderte Irma. „Eie hielten mich für töricht und schwär
nerisch, und Sie behandelten mich wie ein Kind. Viel—
eicht dürfte ich mich darüber nicht beklagen. Ich bir
chwärmerisch gewesen, das sehe ich jetzt klar, aber ich bin
nie vernünftig gewesen. Wenn Sie mir alles erzählt hät
en, würde ich nach Ihrem Rat gehandelt haben, solang
decht oder Unrecht nicht in Frage kam. Aber wenn su
ine Frage an einen herantritt, muß man selbs entschei
»en. Da kann man die Verantwortung nicht von sich wer
en, noch die Last auf andere Schultern bürden. So jung
urd unerfahren man auch ist, bei einer Gewissenssache muß—
nan, wie vor Gott, nach seinem Gewissen handeln.“
Sie sprach mit einer Würde, die selbst Mr. Kirby mi
Bewunderung anerkannte.
„Das gebe ich zu,“ sagte er; „aber es war in diesem
Falle gar nicht Sache des Gewissens, und ist es auch jetzt
ioch nicht, trotzdem sehe ich, daß Sie anderer Meinung
ind.“
„Ich glaube fest, daß ich vor dem Gewissen verpflich⸗
et bin, auszuführen, was hier geschrieben steht,“ sagte
Irma, auf das Papier deutend. „Daran ist kein
Wweifel.“
„Nichtsdestoweniger lassen Sie uns erst nachdenken,“
intwortete Mr. Kitby ruhig. „An erster Stelle hal dies
Dokument nicht den geringsten gesetzlichen Wert. Eben—
alls können wir vielleicht jeden Verdacht einer Fälschurt
zeiseite setzen —“
„Fälschung!“ stieß Irma erschreckt hervor. „Aber das
unmöglich!“

„Ich erwarte das durchaus nicht und wünsche es auch
gar nicht,“ sagte Irma ernst. „Ich könnte nicht so egoistisch
sein“

„O nein! Du könntest überhaupt nicht egoistisch sein!“
entgegnete Camilla sartastisch. Und doch, wenn irgend
etwas in der Welt egoistisch war, so war es Deim Betra—
zen gegen mich. Ich bin durch die ganze Welt gereist, um
Dich zu sehen; aber jetzt werde ich aus Argyle herausge—⸗
worfen wegen dieses Kindes, und weil Du Dich weiter
als Verächterin alles Geldes aufspielen willst. Eines Ta—
jes wirst Du vielleicht den Wert des Geldes kennen ler—
jen, und darüber werde ich nicht traurig sein.“
„Ich glaube, ich habe den Wert des Geldes schon zur
Senüge kennen gelernt,“ sagte Irma ruhig. „Ich denke,
eine weitere Aufklärung daruͤber ist nicht mehr nötig. Aber
wenn Du von „Herauswerien aus Argyle“ sprichst, so
nußt Du einsehen, Camilla, daß das ungerecht ist.“
„Das ändert nichts an der Tatsache,“ sagte Camilla,
plötzsich eisig in Ton und Benehmen. Natürlich kann ich
meine Stimme keiner Gefahr aussetzen; und da das Re—
sultat all' Deiner Vorschläge und Versprechungen ist, mich
n solche Gefahr zu bringen, so muß ich selber für mich
iorgen. Wenn Du den Wagen für mich beitellen willjt,
werde ich sofort gehen.“
Irma sah sie mit einem eigentümlichen Ausdruck an,
che sie antwortete. Vielleicht wartete sie auf ein freund⸗
liches, milderndes Wort. Aber vergebens. Mit hochmütigem
Gesicht ging Camilla zum Klavier und fing an, ihre No—
ten zusammen zu suchen; nachdem Irma sie einen Augen⸗
blick schweigend beobachtet hatte, erhob sie sich.
„Ich will den Wagen sofort bestellen,“ sagte sie und
derließ das Zimmer.

xzwei Stunden später saß Irma mit Mr. Kirby m
            
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