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Montag, 21. Juni 6
Erscheint
äalich mit Ausnahme
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Redaktion,. Druch und Verlag von J. Unterkeller. Dudweiler.
* 0 *
Zur Entrevue bei Björkö.
Die Jacht „Hohenzollern“ hat ihre Ankter gelichtet und
jt mit Kaiser Wilhelm an Bord in See gegangen; dami
— VVV—
reicht. Ueber den Wert solcher Monarchenbegegnungen
ann man verschiedener Meinung sein. Früher waren sie
edenfalis ein Ertignis, aber in den lezten Jahren hat
nan sich daran gewöhnt, in solchen Zusammentünften gar
uchts Nußergewöhn iches zu sehen. Sie sind 'a auch keine
Seltenheit mehr. Der englische Reiseonkel Eduard ham
dieses System eingeführt und im Anfang auch manchen
—Frfolg damit erzielt. Kaiser Wilhelm ist nun seinen Fuß—
apfen gefolgt und nach und nach auch die übrigen euro—
»äifschen Staatshäupter. So stehen in allernächster Zeit
vieder eine ganze dieihe Zusammentünfte bevor. Große
zolicische Bedeutung legt man ihnen nicht mehr bei, sie
ind meist freundschafclicher Natur. Denselben Charakter
rug die Begegnung in den finnischen Schären, nur kommt
toch hinzu, daß der Zar den Anlaß hierzu gegeben hatte
ind daß die leitenden Staatsmänner Rußlands und
deutschsands an den Unterredungen teilnaumen. Deut'ich—
eindliche Blätter hatten das Gerücht verbreitet, daß die
Anregung zu dieser Zusammentunft deutscherseits erforgt
ei. Diesem Gerücht ist die russische Negierung amüch
entgegengetreten. Damit wurden die Verdächtigungen hin—
fältig, als ob Deutschland bestrebt sei, eine Verschiebung
der nternationalen Fonstellation dadin herbeizuführen, daf.
Rußland von der Triple-Entente weg auf die Seite de—s
Dreibundes gezogen werden sollte. Heute zweiselt nie
mand daran, daß die Kaiserzusammentunfst in den Schä—
ren eine Aenderung in der Stellung der Großmächte zu—
inander nicht nur nicht im Gefolge, sondern auch ncht
rinmal zum Gegenstande der Besprechungen gehabt hat
Aufs deutlichste ist dies auch dadurch klargestellt, daß der
raiserzusammenkunft alsbald, Ende Inli, ein Besuch des
Zaren beim Präsidenten der französischen Republik und
»arauf beim König von England folgen wird. Vielleicht
st es auf das Bestreben der russischen Diplomatle, bei
den Mächten der Triple-Entente nur ja keinen Verdaäacht
iufkommen zu lassen, zurückzuführen, daß der Zar das
Betreten des deutschen Bodens vermieden und Kaiser
Wilhelm zu sich eingeladen hat, während er Frankreich
ind Engl!and selbst mit seinem Besuche beehren wiil.
Ddie pohitische Bedeutung der Zusammen—
un't liegt in einer anderen Richtung. Unbeschadet der Be—
iehungen zu den Mächten der Triple-Entente will Ruß
and die Beziehungen zu dem Deutschen Kaiserreiche sesti—
zten. Die Lage Rußlands ist im Augenblicke keine ge—
ade günstige zu nennen. Wir denken dabei weniger an
»ie Verhältnisse in Persien, wo ein Konflikt mit England
roht, als vielmehr an die Stellung Ruß ands gegenüber
Fapan und Oesterreich. Die Volksstimmung in Japan ist
gegenüber Rußland alles andere als freundschaftiich ge—
innt. Man ist dort mit den Erfolgen des leßten großen
Zieges nicht zuftrieden und kann das heiße Begehren nach
»em Erwerbe weiteren russischen Besitzes an der Küste des
Ztllen Ozeans nicht verbergen. Auch das Verhbältnis zu
Desterreich ist nicht befriedigend. Die Spannung zwischen
den beiden Mächten zur Zeit der Balkanwirren ist zwar
zeigelegt, allein es erscheint nicht unmöglich, daß sie bei
inem neuen Konflikt auf dem Valkan, der jeden Tag ein—
reten kann, alsbald und tiefer wieder in die Erscheinung
ritt. Man darf wohl annehmen, daß die Absicht der ruj
ischen Diplomatie dahin geht, auf dem Wege über Ber
in eine Besserung der Beziehungen zu der anderen Drei—
zundsmacht anzubahnen. Von deutscher Seite ist die An—
cesung zu der Zusammenkunft in den finnischen Schären
nicht erfsolgt, ẽs lag dazu für uns kein Grund vSor. Ge—
wiß legen wir auf freundschaftliche Beziehungen zu dem
russischen Kaiserreich gebührenden Wert, wie wir auch d
Verhältnis freundschastlicher Beziehungen Rußlandßs zu
Desterreich nur begrüßen können.
Unsere Beziehungen zu Rußland sind bislang durch—
aus korrekte gewesen und sie sollen es auch weiter blei—
ben. Als eine Bekräftigung dieses Verhältnisses halten
wir auch die nun stattgehabte Begegnung unseres Kalsers
mit dem Beherrscher des Reußenreiches. Weiter aber ge—
den unsere Aspirationen nicht. Wir dürfen nicht verges—
en, daß, wenn auch das amtliche Rußland auf ein ou
⏑J —
tes Verhalmmis zu dem Veutschen Neiche Wert legt, die
Mehrheit des russischen Volkes von einer startken deutsch—
eindlichen Stimmung beseelt ist. In der Duma haben
Demokraten und Mitglieder der Rechten in gleicher Weise
ius dieser Gesinnung kein Hehl gemacht. Schon aus die—
em Grunde erscheint es uns nicht einmal förderlich, das
tegenwärtige Verhältnis zu Rußland im Sinne einer An—
iäherung beeinflußt zu sehen. Eine unmittelbare politische
Bedeutung wird die Kaiserbegeanung für uns nicht be—
1301
31. Juln in Eherbourg eintressen. um 2. August soll
dann ihre Ankunft in Cowes erfolgen, wo an diesem
Taae eine Regatta itattfinden wird
Frankreich.
*Jaures schreibt in der „Humantie“, daß die Re—
zierung sich vorbereite, über 2009 Postbeamte zu mea ß—
egeln. Es handle sich um Zurückfetzung und Ver—
etzung zahlreicher Beamter. Durch diese Zurückstellung
»erlieren die Beamten 3 bis 9 Monate in ihrer Beförde—
rung. Jaures fügt hinzu, daß die Minister und verichie—
»eue Abgeordnete, hierüber befragt, die Tatsache nicht be—
tritren und nur Vorbehalte gemacht hätten Uüber den Um—
ang der Maßregelung. Der Unterstaatssekretiär der Post
ind Telegraphie erktärt, daß er durch diese Bestrafungen
zie Beschuldiqung der Wiilsftür von sich abwälzen werde
— — — —
Politische Rundschan.
Deutsches Reich.
* Reichskanzler Fürsi Bülow hat, wie verlautet, den
egeordneten Spahn privatim wissen lassen, daß er
»em Zenteum antinationale Arroqganz niemals vorgewor—
en habe.
* Berliner Blätterneldungen zufolge, bestreitet Schatz—
ekretar Sydow, der Urheber in der Finanzkommis—
ion beantragten Parfümeriesteuer zu sein. Nie—
nals habe er sein Augenmerk auf diese Sache gerichtet.
* Die Handelskammer Offenbach hat an
die hessischen Ministerien und den Reichstkanzler eine Er—
lärung gesandt, in der sie gegen die Vorschläge der
neichsfinanzkommission und die jetzt veröfsentlichten neuen
Borschläge der verbündeten Regierungen proitestiert und
zößere Berücksichtigung jür Handel und Gewerbe bei der
Besetzgebung verlangt
* Die in der Berliner Handelskammer versammelten
Angehörigen der Verbrauchsmittel-Branchen (Spirituo—
en, Bier, Tabak, Parfümerie usw.) haben die Bild—
untg einer engeren Gemeinschaft zur Verteidi—
gung ihrer Interessen bei den vorliegenden Gesetzesvorla—
gen der Reichsfinanzreform, sowie zur gemeinsamen Be—
irbeitung künstiger Gesetzesvorlagen beschlossen, in der
lleichzeitigen Absicht, durch diesen Zusammenschluß auch
die Bestrebungen des Hansa-Bundes zu fördern.
* Der Kaiser wird am 18. September von den Ma—
iöpern kommend, in München eintreffen, um dem Prinz—
egenten Luitpold einen Besuch abzustatten und ihm
ür die Beteiligung der bayrischen Truppen an den Kai—
er⸗Mansövern seinen Dank persönlich darzubringen. Bei
ieser Gelegenheit wird der Kaiser der Einweihung der
reußischen Gesandtschaft und der damit verbundenen
Zchack-Galerie beiwosnen. Der Aufenthalt in München
wird zwei Tage dauern.
* Die englischhen Geistlichen nahmen an einem vom
Zenat gegebenen Festmahl teil. Die Begrüßungsan—
prache hielt Bürgermeister Dr. Markus. Samstag bega—
hen sich die englischen Gäste im Sonderzuge nach Bremer—
haven, von wo inzwischen die Rückreise nach England
angetreten worden ij.
Oesterreich⸗Ungarn.
*Eine aus Hojfkreisen schöpfende Korrespondenz mel—
det, daß König Eduard auch dieses Jahr wieder zur
Kur nach Marienbad kommen werde. Es verlautet
auch, daß der König zum Besuch des Herzogs von Cum—
herland nach Gmunden und von dort nach Ischl zum Be—
such des Kaisers Franz Josef reisen werd
Rußland.
*In maßgebenden Kreisen wird daran festgehalten, daß
m Lause des Sommers eine Begegnung zwischen dem
Zaren und Kaiser Franz Josef stattsinden
verd. Die Begegnung wird in Wien oder einem ande—
en Orte Oesterreichs erfsolgen. Diese Meldung ist schon
»eshalb wahrscheinlich, weil die Begegnung sich an die
ẽ᷑Intrevue des Zaren mit den Staatsoberhäuptern der üb—
igen Großmächte in diesem Jahre anschtießen würde. Di
AUnwesenheit des russischen Ministers des Aeußern in der
Schären wird damit ertlärt, daß Iswolsti zum zukünfti—
gen Botschafter in Berlin auserseben sei und gelegentlich
der WMonarchenbegegnung dem deutschen Kaiser vorgestellt
werden sollte. — Das Reise-Programm des Za—
men hat dadurch eine kleine Veränderung erahren, daß
im 29. Juli das deutsche Kronprinzenpaar in London
intreffen wird. Aus diesem Grunde wird die Zaren-Fa—
nilie von Dänemarf aus zunßehi Frankreich besuchen, am
England.
* Die Arbeiterpartei beschloß, am 18. Juli æine Mas—
en⸗-Demonstration auf dem Trafalgar Square zu veraunstal—
ten, um gegen den bevorstehenden Besuch des Zaren
zu provestieren. An ihr werden die verschiedenen
tirch ichen Organisationen und Setten, sowie die Arbeiter
und sozialistischen Genossenschaften feilnehmen
Serbien.
* Infolge der scharfen Angriffe, die der frü—
dere Kronprinz Georg gegen die Verschwörer ge—
cichtet hat, haben diese, wie ein in der Hauptstadt kur—
ierendes Gerücht behauptet, Leute gedungen, um den Prin—
zen ermorden zu lassen. Tatsache ist, daß Prinz Georg
eit Sonntag täglich anonyme Zuschriften erhält, in denen
er davor gewarnt wird, das Palais des Königs zu betre—
sen und ohne Begleiftung Magengausfahrten zꝛu machen
Bulgarien.
* Die führenden buigarischen Blätter sprechen sich gegen
zie in letzter Zeit von Belgrad angeregte engere politi—
sche Altrianz zwischen Bugarien und Serbien
rus. Von vulgarischer Seite wird den Serben der Rat
rteilt, sich um Altierbien und nicht um mazedoniiche Fra—
ren zu kümmern
Türkei.
* Blättermeldungen zusfolge haben nunmehr sämtliche
Mächte der Aufhebung der mazedonischen Finanzkom—
mission zugestimmt.
* Die jungtürkischen Kreise sind über die aber—
malige Ablehnung der parlamentarischen Unter—
staatssekretäre, welche nunmehr definitiv ist, sehr
erregt, besonders, weil nur eine Stimme an der not—
wendigen Zweidrittel-Mehrheit fehlte und keiner von den
Ministern im Parlament anwesend war. Diese Abwesen—
heit war keine zufällige. Die Zeitungen des Komitees
iben an der Haltung des Kabinetts schärfste Kritik, und
es gilt als zweifellos, daß das Komitee die erste Gele—
genheit ergreifen wird, die Regierung zu stürzen. Be—
sonders richtet sich die Gegnerschaft des Komitees gegen
den Minister des Innern Ferid Pascha, doch ist es sehr
raglich, ob das Komitee die Macht besitzt, die Regierung
gegen den Willen Mohammed Schefkets zu stürzen. Letz—
erer scheint eher entschlossen, die Wuflösung der
Kammer vorzubereiten. Bemerkenswert ist, daß der
Kriegsminister das Verbot an die Offiziere, kei—
nem Komitee und keiner politischen Partei anzugehören,
hei Androhung der Degradation zu erneuern für nötig
n*
Die Zweikaiserbegegnung.
Dem Vertreter vom Wolffs Telegraphischem Bureau
auf dem Kaisergeschwader wurde von berufener Stelle mit—
geteilt: Die Entrevue zwischen dem Kaifer von Ruß—
land und dem deutschen Kaiser ist ein neuer Beweis der
Beziehungen traditioneller und herzlicher Freundschaft, die
sowohl zwischen den beiden hohen regierenden Häusern,
als auch per önlich zwischen den Monarchen bestehen. Das
erhellt deutlich aus den auszetauschten Trinksprüchen, in
denen beide Souveräne in diesen Beziehungen ein Unter—
pfand des zwischen ihren beiden Ländern bestehenden gu—
ten Verhältnisses und des alldgemeinen Friedens erblickt
Irma
„Weein lieber Herr Dokkor,“ sagte sie, „Widerreden und
Vorstellungen sind zwecklos. Die Sache ist erledigt.
Und nun, sagen Sie mir, ist das Kind gefährlich
rant?“ 2
„Gewiß,“ antwortete er. „Sie ist gefährlich krank, da
zie Krankheit aufs Heftigste auftritt; aber sie ist noch nicht
o krant, als daß sie nicht fortgebtacht —“
„Davon ist keine Rede.“ wiederholte Irma. Ich dachte
n andere Dinge.“
Als der Dottor sie kurz darauf verlassen hatte, blieb
Irma einige, Zeit regungslos und starrte wie abwesend in
»as Feuer. Dann raffte sie sich auf und schritt auf das
Musikzimmer zu, in dem eine klare, hohe Stimme Ton—
bungen sang.
Als die Tür sich öffnete, blickte sich Camilla um und
hörte sofort mit ihren Uebungen auf. „Was gibt es ?“
ragte sie schnell. „Du bist so blaß wie ein Geist. Bist Du
rant?“
„Nein,“ antwortete Irma, und setzte sich in einen klei⸗
ien vergoldeten Stuhl. „Ich bin nicht krank. Aber es hat
ich Verschiedenes ereignet, Camilla.“
„Das konnte ich mir denken,“ entgegnete Camilla be—
timmt. „Seit gestern schwebt etwas Geheimnisvolles über
diesem Hause. Ich möchte wirklich gerne wissen, was das
st. Und vor allen Dingen, ob es wohr ist, daß Mrs.
Treherne ihren Koffer packt, um abzureisen? Diese Neuig—
eit teilte mir mein Mädchen heute früh mit.“
„Es ist wahr,“ antwortete Irma. „Aber denke jetzt nicht
m Mrs. Treherne. Ich habe Dir etwas Wichtigeres zu
agen. Der Doktor ist gerade fortgegangen. Ich schickte nach
hm, wegen Lily Vidal, wie Du weißt und er sagte mir,
ie hätte Diphtheritis.“
„Was!“ schrie Camilla. Sie sprang von dem Klavier—
tuhl auf und stand vor ihrer Kousine mit entsetztem
Sesicht. „Diphtheritis! Ach, wie schreckich! Natürlich wirst
Du sie sofort fortbringen lassen!“
„Nein,“ sagte Irma. „Sie muß hierbleiben. Ich habe
as dem Doktor gesaat. Sie kann nicht forigebracht
»erden“*
⸗ — Xö————»— —
„Aber warum nicht?“ fragte Camilla heftig. „Weshalb
kann sie nicht fortgebracht werden? Willst Du etwa Argyle
in ein Hospital umwandeln?“
„Keiner hat größeres Anrecht auf Argyle, als Lily
Vidal. Sie ist die rechtmäßige Besitzerin von Argyle.“
„Irma! Was meinit Du! Was ist das für ein Un—
inn?“
„Es ist kein Unsinn, sondern die Wahrheit; obgleich
ch selbst es erst gestern erfahren habe. Dies Kind ist Mr.
darracotes Enkeltochter, die er auf seinem Totenbette an—
rkannte, und der er sein Vermögen hinterließ. Es war
in merkwürdiger Zufall, daß ich sie ahnungslos hierhin
rachte; aber Du mußt einsehen, daß es unmöglich ist, sie
etzt fortzuschicken, selbst wenn ich es wollte.“
Camilla sank in die seidenen Kissen eines Sofas, das
neben ihr stand, für einen Moment unfähig zu sprechen.
Dann rang sie nach Atem.
„Aber es ist unmöglich!“ rief sie. So etwas ereignel
ich in Romanen, aber nicht im gewöhnlichen Leben. Wie
onnte Mr. Darracote ein Enkelkind haben, von dem kein
Mensch etwas wußte, bis es plötzlich hier auf der Bild—
läche erscheint? Es ist lächerlich — unglaublich! Du wirst
hetrogen, Irma! Du bist zu leichtgläubig!“
„Ich mag leichtgläubig sein,“ entgegnete Irma, „aber
ich bin betrogen worden. Es besteht kein Zweifel über des
Zindes Herkunft, und jeder Mensch hier hat es gewußt,
ob Mr. Darracote Lily anerkannt hatte, aber dieser Zwei—
sel ist verschwwunden durch Vorlegung eines Papiers, das
»⁊7 kurz vor seinem Tode schrieb. Und so —“ sie blickte
natt lächelnd um sich — „ist dies alles, wie Du siehst,
auur ein Märchen gewesen, aller Reichtum und Lurus. Und
nein Gefühl, daß ich eines Tages aufwachen würde und
nichts mehr davon finden würde., ist also eine Vorahnung
gewesen.“
„Ich glaube es nicht!“ wiederholte Camilla, leiden—
chaftlich; „kein Wort davon glaube ich! Irgend Jemand
———
Sache?“ fragte sie, nicht ohne einen kleinen Anflug von
ARwB
Irma antwortete für einen Moment nicht. Sie blickte
nachdenklich in das Feuer; dann erhob sie ihre Augen zu
dem großen Mann an ihrer Seite.
„Meinen Sie, daß ernstliche Gefahr für einen von uns
vorhanden ist, wenn das Kind hier bleibt?“ fragte sie.
„Ja, das meine ich,“ sagte Dr. Warner ernst. „Diph—
theritis ist eine der ansteckendsten Krankheiten; und die
Art, wie sie jetzt in Woodburn auftritt, ist besonders bös—
artig. Ich spreche offen, nicht um Sie zu beunruhigen,
ondern um Ihnen die Notwendigkeit einer sofortigen Ent—
fernung des Kindes klar zu machen.“
„Davon kann keine Rede sein,“ sagte Irma bestimmt.
„Lily Vidal soll in Argyle bleiben. Aber ich will alles
tun, was möglich ist, um die andeeen vor Ansteckung zu
schützen. Wer das Haus verlassen will, kann es sofort tun,
und das Kind mit seinen Pflegern kann vollständig iso—
liert werden. Ich möchte Sie deshalb bitten, mir zwei
Pflegerinnen aus der Stadt zu besorgen.“
Dr. Warner starrte sie mit offener Verwunderung en.
„Ist es glaublich,“ sagte er, „daß Sie das Kind den—
noch hier behalten wollen, nach dem, was ich Ihnen ge—
iagt habe?“ eswe
„Ja, ich will es hier behalten.“ ——
„Aber, du lieber Himmel!“ entgegnete der Doltot aufgeregt,
„weshalb wollen Sie das tun? Wissen Sie, daß
Sie Ihr eigenes Leben riskieren, wenn Sie nicht sofort
das Haus verlassen —“
Ich werde hierbleiben,“ unterbrach ihn Irma ruhig.
Ich glaube nicht, daß ich angesteckt werde. Wie es auch
'ommen wird, es ist alles Gottes Wille. Unterdessen, ver⸗
sttehen Sie bitte, daß das Kind hierbleiben wird und ich
ebenfalls, und treffen Sie die notwendigen Anordnungen
zierfür.“
„Aber —“ begann Dr. Warner, aber Irma machte
no Geste. die ihn zum Schweigen bhracht