Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Kr. 139 23. Jahrg. 77 p —7 — E samstag, 19. Juni (n
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Wie dem „dicutersichen VBireau“ aus Canea gruielse;
vird, ist dort eine amtliche Proklbamalbion bectaunt
gegeben worden, in der die Bevölkerung aufgefordert wird,
Ruhe zu bewahren und Vertrauen zu den Schumäch—
en zu hafen, daß die retasrage geiöst weerde.
Beozuͤglich Rretas erfähr der „Petit Parisien“, daß
te EAchusmachte noch keine Enticheidung über die Fragçe
zer Absoberusung fraunzösticher Trüppentontingente geteoffen
aben. Vor 14 Tagen sei dem französtschen Konsul in
LAnea der Bescehl ertellt worden, die Radumung vorzube—
citen. Hierauf sei das Gesuch der trürkischen Regierung
uim Belaftung der Truppenabtetlung erforgt, worüber man
gegentwärtig noch Beratung pfiege. Engrand neige aller—
dinngs entschieden zu der Ansicht. daß man Kroela sich selost
überlassen misti

Drie Guuuv Asatzerpegegnung.
Die Fahrt von Danuzig nach Björkö fand bei schön—
temt ftühlem Wetter statt. Der Kaifer nahm die Vos—
räge des Staatssekretärs, Freiherrn v on Schön und
er drei KabinetisChees entgegen. Bei dem Besuche
uf der Kaiseriacht „Standart“ war der Kaiser be—
leitet von dem Staatssekreär Freiherrn v. Schön, dem
zotschafter Grafen von Pourtates, derna Oberhofmarschall
ßrafen von Eutenburg, dem Generaloberst von Plessen,
en drei Kabinettschess, den Kommandanten der deutschen
?cheffe und dem üdrigen Gesoge. Der Kaiser wurde aujf
er „Standart“ begraßt von dem Kaiser NRikolaus,
er Raiserin Aexandra Feodorowna und deren Ge—
olge, unter dem sich Ministerpräsident Stolypin, der
inister des Auswärtigen, Is wol ski und Marine—
uinister Woijewodeki befanden. Die erste Begrüßung der
Nonarchen auf der „Hohenzollern“ war überaus herzlich:
e küßten einander wiederhoit
Um 1 Uhrr fand Frühstück auf der „Standart“ statt.
der Kaiser verblieb aut der „Siandart“ bis 5.30 Uhr
tachmittags und nahm dort auch den Tee. Der Faier
on Rußland hat den Grasen Eutenburg und den
jeneral-Obersien von Plefjen durch Ueherreichung kostbarer
cssnenke ausgezeichnet und folgende Orden verliehen: die
irillancen zum Alerander RewskeOrden vom Staatésselte—
är Freiherrn von Schön und dem Generglad utanten von
chonl; den St. Annen-Orden erster Klasse dem Chef des
arinekabinetss. Vizeadniiral von Mütser und dem Ghej
es Geheimen Zivickabinetis von Vabentini; den St. Sta
istaus-Orden erster Klasse dem Vertreter des Chess des
Lilitärkabluetts, General a la suite von Oertzen.
Zur DdaiserEntrevue verlautet aus autoritaä—
ver Quehlte, daß der Hauptpunit der Verhand ungen eine
zerständigung zwischen Dencschland und Rufland über die
erjchiedenen Balkanfragen sei. Auch die Polenfrage soll
rörtert werden. Der Zar wird Kaiser Wilhelm die Ver—
cherung geben, daß die Spitze der Tripel-Entente sich nie
ials gegen Deutschland gerichtet habe. Die austro-russi—
hen Differenzen werden nur indirekt berührt werden.
Staatssetretär von Schön hatte eine lange Konferenz mit
Ztolhpin und Iswolsti. Später wurde Stolypin vom
aiser in Audienz empfangen.
An Bord des „Standart“ wurden zwischen den bei—
en Monarchen überaus herzliche Trinksprüche ge—
»echselt, in denen die Friedensliebe, der traditioneilen
zeziehungen herzlicher Freundschast und gegenseitigen Ver—
rcauens der beiden Regierungen zum Ausdruck gebräach
1irD

Handeismimister Delbruct: Enzelne in der
nanztoninititon veschosene Ersaßgjteuern bernen HqRier—
zAsen, die in dem Sereich des andbeentaisterrums lie—
zen, so die Rahlenumsasteuner. Wie diese andeswo ein
zeftyet worden ist, hal sie firh nicht be. Bei jedn
Nnausmertsauiem und unruhrngzem Hcute legt der Wärniste:
veiter dar, daß sie nicht in der Mauptjache die Gropoe
riede mit ihrer entidnertea Technit acjte, soöondern die
leiinen Lohnntutlercien. Bie Staneisteucr-Zoreage ders
Tommission seien deratrt, daß die Steuer, die Bidibenser
zer attiengeselshafttichen Gropnüttereien-Betriebe zun.
deil bis zum zwei- bis dretfachen üdersseigen warden. In
Sadyern sei mit einer sobhen Steuer der Bersuch geriuche
worden. Man habe ein klagtiches Fiasto erttien. Aucht
inen Kohlenaussuührzoll habe die Rommission veschlossen
Schon früher sei dese Forderung aufgetreten, aber in
wirtschastopolitischem Gewande. Wan hade danit die Koh
len-Aussuhr nach dem Austande erschweren und verrin—
gern wotlen. Aber nun erscheint das Verlangen nach ei—
nem solchen Aussuhrzoll in einem steuertichen Gewände.
Wenn bei dieser Steuer auf einen Ertrag von 20 bis 25
Reinltonen gerechnet werde, so warde man sich wohl sehr
gründlich irren, sofsern wirklich der Zweck, die Kohlenaus
iuhr zu erschweren, erreicht werde. Der Aussfuhrzolt wür
de vielmehr auf die intändischen Abnehmer abgewäizr
verden. Vor allem habe die Industrie darunter zu lei
den. Der Minister wendet sich dann gegen die Kotierungs—
teuer. Die Privat-RKapitalisten sind es, die von dieser
Zteuer haupisächlich betroffen werden, die kleinen ebenso
vie die großen. Ganz ausgeschlossen ist es, die auslän
ischen Werte bei uns der Kotierungssteuer zu unterwer
en. Der Besitz Deutschlands an ausländischen Werten wür
»e enorm eingeschränkt werden
Abg. Wia .eertite Freuiibve vuren
ꝛs für nötig, daln. ang bald fällt, und meine
Frafstionsgemeinschatt ur dauer den Wunsch, daß die Ab—
immung über die Erranfallsteuer in zweiter Lesung so—
hald wie mögzlich erfoigt. Wir verlangen, daß der Libe—
alismus nicht nur nicht aus der Gesetzgebung ausge—
chaliet wird, sondern, daß er in ganz anderer Weise als
isher unsere Gesetzgebung erfassend beherrschen soll. (Stür—
nisches Lachen rechts.) Daß wir mit direkten Steuern al—
ein nicht auskommen können, das ist zweifellos, aber,
hzaß von den 500 Millionen allermindestens 100 dem Be—
itz auferlegt werden, das ist eine Forderung, auf der
neine Freunde unter allen Umständen bestehen müssen.
Ich habe keinen besonderen Anlaß, in diesem Augenblick
nit dem Reichskanzler zu polemisieren, aber ich muß
hm doch auf seinen vorgestern gegen uns erhobenen Vor—
vurf des Doktrinarismus erwidern. Wir haben oft ge—
rug uns zu Vorschlägen der Regierung positiv verhalten.
Fürst Bülow warf uns vor, wir versteisen uns zu sehr
ruf unser Programm, nun, das Programm ist lediglich
der Niederschlag der Gesamtanschauung meiner Partei,
ind auch für Staatsmänner wäre sehr ost ein festes Pro—
gramm sehr wünschenswert. Wir haben ein solches oft
jenug nur allzusehr bei dem Reichskanzler vermißt. (Sehr
richtig! links.) Redner verbreitet sich dann über das Au—
tontobiltempo, mit dem bei der Steuerbewilligung ver—
ahren worden sei, die einseitige Gesetzmacherei der Fi—
rianzkommission, die auch dem Ansehen des Reichstages
eschadet habe, verwirst die Kotierungssteuer, die Müh—
enumsatzsteier und den Kohlenausfuhrzoll. Dem Gedan
en einer Wertzuwachssteuer siehen meine Freunde sym
zathisch gegenüber, aber die betreffende Dentschrift de—
IXôůL ασαα- — — — —

Teutscier eStag.
(SDhiuß des gestgein De,
Abg. Spayn (3.) sortjahrend: Wirt werden jetzt
»ie Eι—uueicuertborttage an die zontintsfion verweisen
Nasseit. Ber urs, den der eichszanzler gegen das
eM ezug ausf den Linteag Herord erhodven hact, i
uugerechi, bern er unterschied h) nur wWenig von dem
liuualiitag, dert ausj den Sinstuß ors Aeihatanziers
hin dngenontnteit orben ist. Der deichstauzler hul it
zann Uder Angrifse meiner Greunde beschwert wegen set
ler Huültang in ben ornemgertugen. Nun, ich tann je
gen, oau marn daerdoings uver die Haltung, die der Her.
ιʒter in btesen Tagen hier eingenommen hai, sehr
edetier Murig jelit lüuntt, oylbe jeine Poriöontie
Shre zu beeintruchtegen. Ziun yat sich der Beichstanzler
ejhibert und hat zegtaubt, wir hatien ihn gejeltschasich
boyνοαν', Weiter den NReichstag augelost halte. Wir
haben den deichscunztet voytontert, wet er uns antinad
onadte Acroganz vorge!orsen hat. (LReoyafie ß32Mιung
ini e—,,nt. Daruber, ov es taltvoll oder nicht tartpont
st, us uns der BReiystanzter die Entscheioung elos
udetassen. GBoersfald im Zentrum.,) Wir urteilen auch ber
der Neichstnanztesorm ohyne Rucisicht aus den Neicstanz
ler, der auch seine Verdienste hat. Wir urteilen in jedem
4Ue sachichh und von dem Gesichlspuntte aus, was zun
Wohl des Bauteriandes ist. (Lebhafter Beisarl um Ztr,
Freißerr bon stthernbaben wendet sich geger
Ne AAsssalruligen des Grasen Wesarp zu Gunsten der
erangssteuer und zerlegt im einzernen die Wangel vber
Sroanadtneuet.
Aog-HPatzsel d erklärt, seine Partei trete dasur ein,
daß ver Besiß entsprechend herangezogen würde; die Vor—
lage der donnjsron jeten leinn gangoärer Weg. Scine
reunide selen evenso wie jruhyer veren, einer anderen
Aener als Ersah zuzustimmen.
Abg. v. Dziemoowsti Gpole) erklari, daß sich
elne Puartel angesichts der leßzten Rede des Ne qhstarzlers
an der Beskufjsion uder die Steuervorlage nicht beteiligen
wuürde. Sie warde enogultig Steilung nehmen. wenn die
Folnuiuitiitosisbeichufse vorlttegen.

— —
Die kretische Frage.
Bezüglich der Krérafrage ist, wie „Petit Pari—
en“ melboet, ein Kollektivbeschluß der Schutzmächte über
ie Rückberufung ihrer Truppen bis jehttt nicht erfolgt.
or 14 Tagen hatte der sranzösische Konsul in Kanca den
zeiehl erhalten, für die Abreise des sranzösischen Kontin—
ents alles vorzubereiten. Inzwischen lief jedoch von der
ttomanischen Regierung das Ersuchen ein, die Garnison
uf Kreta zu belassen. Wie es heißt, beabsichtigt Eng—
and, die Insel ihrem Schicksal zu überlassen.
„Palt Mall Gazette“ meldet, daß die Räumung Kre—
as innerhalb weniger Wochen erfolgen und die Verwal—
ung der türkischen Regierung überlassen werden solle.

*
Berlin, 18. Juni.
Pitiag 1uhyr

264. Sitzung.
Weit der Beratung der
neunen steuergesetze
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