—VBas Parrament leynte zur allgemeinen Ueber—
raschung das Gesetz über die parlamentarischen Unter—
staatssekretäre ab. In diese Stellungen sollten einige
der prominentesten Mitglieder des jungtürkischen Komitees
eintreten, wozu alle Vorbereitungen getrofsfen waren. Der
ploͤtzliche Umschwung der Haltung der Abgeordneten ist
eine deutliche Warnung an das jungtür ische Komitee.
Sowohl der Präsident wie der Vizepräsident der Kammer
konnten ihren Unmut über das gänzlich unerwartete Re—
sultat der Abstimmung nicht verbergen. Die Rezgierung,
ausgenommen der Minister des Innern, Ferid Pascha,
welcher wiederholt gegen die Art, wie die neuen Unter—
staatssekretäre gedacht waren, nämlich mit Sitz und Stim—
me im Ministerrat, offen Stellung nahm, war dafür.
Man nimmt als sicher an, daß der Großwesir Hussein
Hilmi die Konsequenzen aus dem Votum ziehen
wird. In Anbetracht der allgemeinen Lage wird die Be—
rufung Mohamed Schefkets zum Großwesir für
wahricheinlich gehalten.
Amerika.
*MDie Japauer auf Honolulu rufen die heimische
Regierung an. Sie behaupten, daß eine Verletzung der
Vertraasrechte vorliege.
Die Reichsfinanzreform.
Die voraussichtlich morgen im Reichstage stattfindende
erste Lesung der Ersatzsteuerentwürfe, deren
Inhalt mit einer empfehlenden Umschreibung die „Nordd.
Allg. Ztg.“ mitgeteilt hat, und die am Dienstag im
Reichsstage verteilt wurden, wird sich nach Lage der Dinge
zu einer Generaldebatte und gründlichen Aussprache über
die Finanzreform und die durch sie geschaffene politische
Situation gestalten. Die sachliche Begründung und Ver—
teilung der neuen Entwürfe liegt zwar dem Schatzsekretär
ob, aber Thema und Ton der Debatte wird die Rede des
Reichskanzlers liesern, der, wie es seine Art ist, nicht o
die einzelnen Gesetzentwürfe eingehen, sondern über d
Aufgaben der Reichsfinanzreform im allgemeinen und über
die parteipolitischen Vorgänge, die sich an ihr abgespielt
haben und über seine Stellung zu den Parteien und zu
den Mehrheiten und auch wohl, so muß man annehmen,
über die Konsequenzen sprechen wird, die eine den jetzi—
gen Vorschlagen erung niche entsprechende Ge
staltung der Finunn rm barch eine Mehrheit des Reichs—
tags haben würde. Es ist, soweit die Absichten der Re—
ierungen und der Parteien betannt sind, nicht. wahr—
——— daß die Entscheidung vertagt werden wird. Man
wird die Sache zu Ende bringen so oder so
Deutscher RNeichstag.
Berlin, 15. Juni.
Das Andenken der sett der letzten Plenarsitzung ver—
itorbenen Abgg. Schmidt, Stolle und Goldstein
wird in der üblichen Weise geehrt.
Auf der Tagesordnung steht die Interpellation Pach—
nicke Genossen betreffend die
Mecklenburgische Verfassung.
Staatssekretär v. Bethmann—Hollweg erklärt
sich zur sofortigen Beantwortung bereit.
Abg. Pachnike (Ir. Vgg.) begründet die Inter—
pellation. Die Grundlegung des Großherzogs non Meck—
lenburg-Schwerin vom 4. März 1907 habe in Mecklen—
burg die Hoffnung erweckt, es werde mit den dortigen
traurigen verfassungsrechtlichen Zuständen nun doch end—
lich einmal ein Ende haben. Die Hoffnung sei aber eine
trügerische gewesen. Was vorgeschlagen wurde, sei ledig—
lich eine etwas abgeänderte ständische Verfassung gewesen
und selbst diese Nenderung sei der Ritterschaft noch au—
hiel gewesen.
Staatssekretär v n Bethmann-Hollweg: Es
—D
burgische Verfassung reformbedürftig sei, darüber sind sich
alle politische Parteien einig, und auch der Bundesrat hat
sich schon 1875 dahingehend geäußert. Im Vordergrunde
stehe aber doch die politische Frage, ob das Reich zustän—
dig sei, seine Macht gegenüber den inneren Verfassungs—
fragen anzuwenden. Eine derartige grundlegende Abän—
derung des Verfassungsrechts liege nicht in der Absicht
der verbündeten Regierungen. Das ändere aber nichts,
an der Absicht festzuhalten, wie sie 1875 festgelegt sei.
(Heiterkeit rechts.)
Mecklenburgischer Bevollmächtigter Frhr. v. Fran—
kenstein: Die mecklenburgische Regierung hält es für
ein dringendes Bedürfnis, der Gesamtbevölkerung eine
Beteiltgung an der Gesetzgebung, an der Fesistellung des
Staatshaushalts zu gewähren. Deshalb habe sie einen
Verjassungsentwurf dem Landtag unterbreitet. Bedauer—
licherweise sei eine Aenderung darin nicht erzielt worden,
was man aber nicht als endgültiges Scheitern der Frage
betrachten könne. Die mecklenburgische Regierung ist fest
entschlossen, das angegriffene Reformwerk fortzusetzen.
Abg. Oertzen (Rp.) ist der Ansicht, daß der
Reichstag nach der Reichsverfassung nicht berechtigt ist, in
die WBerfassungsfragen der Einzelstaaten einzuagreifen
I r ma
„Hatten Ste irgend erwas Welttiugyeit gezeigt —
so hädle ich mich an Sie gewendet. Da ich gezwungen
war, mich an Hastings zu halten, beschloß ich, daß er
gut bezahlen sollte. Denn er schuldet mir mehr — weit
mehr — als durch die halbe Million, die er einwilligte,
mir zu geben, bezahlt werden kann. Bedenken Sie —
Sie, die so erfüllt von hohen Gefühlen sind — er willigte
ein, mir das Geld zu geben!“
Irma schauderte. Dann stredte sie die Hand aus.
„Wenn das das Poabpier ist,“ sagte sie, „so geben Sie es
mir und lassen Sie mich gehen.“
Aber Mrs. Treherne hielt es fest, als ob sie es nicht
lassen könnte.
„Ich würde nicht zogern, es zu zerstören,“ rief sie lei—
denschaftlich, wenn Sie dadurch nicht im Besitz Ihres
Vermögens blieben.“
Wenn Sie es in diesem Moment zerstörten,“ erwiderte
Irma, „so würde mein Vermögen mir trotzdem nicht er—
halten bleiben. Ich werde es keinen Tag länger behalten,
als bis der Beweis für die Echtheit der wahren Erbin
gefunden ist. Sie wissen vielleicht nicht, daß sie augenbbliclich
unter diesem Dache weilt“
.Was! Das Kind —“
„Ja, das Kind — Lily Vidal, Mr. Darracotes En—
kelin. Ich verstehe jetzt, warum Sie lachten, als ich da—
von sprach, sie hierin zu bringen. Aber etwas mehr als
der Zufall hat Sie geschlagen — etwas mehr als Zufall
brachte sie in ihres Großvaters Haus und legte in meine
Hände den Beweis, daß er lie als Enkelin anerktanm
hatte.“
Bei den letzten Worten nahm sie das Papier aus Mrs.
Trehernes Hand und öffnete es — um mit einem unbe—
schreiblichem Gefühl von Mitleid die beinahe unleserlichen
Züge von Mr. Darracotes sterbender Hand zu prüfen, in
denen er seine letzten Wünsche aussprach. Sie faltete gleich
Bizeprasident Pxa a sche: Indem ich dem viedner
das Wort entziehe, muß ich die nachsolgenden Redner
bhitten, ihre Reden nicht zu verlesen, da es nach der Ge—
schäftsordnung nur den Rednern gestatiet ist, ihre Reden
zu verlesen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.
Abg. Oertzen rusft zur Geschäftsordnung. Vize—
präsident Parasscche fährt fort: Ich kann Ihnen das
Wort zur Geschäftsordnung nicht geben. Abg. Lincke
hat bereits das Wort. (Rufe rechts: Unerhört. das ist
eine unerhörte Beleidigung.)
Vizepräsident Paasche: Das ist nicht unerhört, kei—
ne unerhörte Beleidigung. Die Geschäftsordnung, (er ver—
liest den Paragraphen), schreibt ausdrüchtich vor, daf
ein Redner nur verlesen darf, welcher der deutscher
Sprache nicht mächtig ist.
Abg. Lincke Matlh.) tritt unter fortgesetzter Unruhe
des Hauses für die Interpeilation ein und gibt eine
urze Stizze der mecklenburgischen Zustände. Er habe
nie verkannt, daß die Führer der mecklenburgischen Rit
terschast, also das Gros des mecklenburgischen Landtages,
die Interessen des Großgrundbesitzes wahrnehmen, und
eine echt reaftionäre Politik treiben. Besonders schlimm
eien die mecklenburgischen Verhältnisse inbezug auf das
Anterrichtswesen, das Wohl und Wehe der Lehrer hänge
»on der Willkür des einzelnen Grundbesitzers ab. Was
iun die Frage betreffe, ob das Reich staatsrechtlich be—
ugt ist, in die mecklenburzischen Verhältnisse einzugreifen,
o ist dafür der Art. 78 der Reichsvperfassung zuständig,
velcher das Reich berechtigt, seine Kompetenz zu erwei—
ern, also vorzuschlagen, daß jeder Einzelstaat Volksver—
reter habe mit gesetzgeberischen Befugnissen.
Mecklenb. Bundesbevollmächtigte Frankenstein
zestreitet, daß die Schulverhältnisse so schlecht seien, wie
e der Vorredner geschitdert hat.
Abg. Treuenfels (kons.) weist die Vorwürfe ge—
die mecklenburgische Regierung zurück. Die ganze In—
lation sei nur ein Mätzchen, durch das die Sache
ucht gefördert werde.
Vizepräsident Kämpf ruft den Redner zur Ord—
iung.
Nach einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen
»en Abgg. Wehner und Treuenfels schließt die
Zesprechung. — Morgen: Steuervorlagen. Schluß 64 Uhr
Vermischtes.
Gewissenhafte Verichterstattung. Kürzlich über—
zachtete der Kaiser in seinem Hofzug auf dem Bahnhos
zchwiebus. Zu 5 Uhr morgens war dem dortigen Bahn—
s/osswict die Lieferung des Kaffeefrühstücks übertrager
vorden. In einem Schwiebuser Blatte liest man nun
Aß dazu zu liefern hatten: Bäckermeister Dallach 6 Was—
ersemmeln, 60 Milchbrote, 15 Hörnchen, 15 kleine-Bretzeln,
O Mohnflechten, 6 Mannheimer, 1 Napfkuchen, Streußel—
uchen für 2 Mark, 10 Salzknüppel, 20 Salzkuchen; ferner
ie Molkerei Stein 2 Liter Sahne und 4 Liter Milch.
Der Blumenfächer. Eine reizende Nenheit kommt
iber den Kanal hinüher. Aus dem gewöhnlichen Fächer,
er in lebter Zeit wieder zu aroßer Beltiebtheit gelanat
st, haben die Engländer den sogen. Blumenfächer ge—
chaffen. Er besteht aus einfachen, weiß lackierten Holz—
taäbchen mit dazwischen gespanntem Stoff; das Ende je—
es Stäbchens aber wird mit Blumen geschmückt; Rosen,
delken, Orchideen und Lilien werden mit Vorliebe hierzu
zerwendet. Zusammengelegt bildet der Fächer einen sehr
zrächtigen Strauß und auseinandergefaltet eine reizende
Blumenkette vor dem Gesicht seiner Trägerin.
Im Aute durch Arabien. Der Engländer David
Forbes hat jetzt Arabien zum erstenmal im Auto durch
suert. Ein enzlischer Chauffeur, ein assyrischer Mechani—
er, ein Koch und ein Führer waren die Reisegenossen
des küßnen Automobilisten. Die Fahrt begann in Ales
'andretta und führte über Aleppo nach Bagdad; sie nahm
unsgesamt neun Tage in Anspruch. Davon entfällt ein
stasttag auf Alepppo und zwei Tage wurden verloren,
vährend derer die Reisenden an den Ufsern des Eu—
»hrat warten mußten, bis eine Art Floß konstruiert war,
»urch das der 40 HP-Wagen zum andern Ufer überführt
vurde. Für die Fahrt war durch Benzin-Depots in Deir
und Anah Vorsorge getroffen. Die größten Schwierigkei—
en für die Reifenden boten die Wadis, die talartigen
Bodensenkungen, die Bewässerungskanäle, der Euphrat und
— die Straßen. Abseits der Straße auf dem verhärteten
Wüstenboden ging die Fahrt trefflich von statten. Die
Verwunderung der Araber war groß, als zum erstenmal
ein Automobil durch ihre Zelt ager rasselte; sie eilten her—
bhei und begrüßten das fremdartige Fahrzeuge mit dem
kstufe: Maschallah, Soemen de fer!“ (Eine Verballhorm
ing des französischen Wortes Chemin de fer.) Sie zeigten
sich übrigens gegen die Reisenden sehr gastfreundlich, über—
hoten sich in Hilfeleistungen und untersuchten immer von
ieuem wieder voll Neugier den Wunderwagen, der von
elbst fährt.
Ein hübsches Stückchen Postbureaukratismus wird
von einem Kölner Herrn in der „Städte-Zta.“ wie folgt
Aas Papier wieder sorgsautrig zujammen und blickte auf
die Frau, die vor ihr stand. „Ich denke,“ sagte sie ruhig,
„Sie werden einsehen, daß jemand, der einer solchen Tat
ähig war, kein Recht hat, länger unter dem Dache eines
Mannes zu bleiben, dessen Wohltaten in solcher Weise be—
ahlt wurden. Morgen werden Sie eine andere Heimat fin—⸗
den. Das, denle ich, ist alles, was ich Ihnen zu sagen
habe.“
Sie wandte sich ab, um zu gehen. Einen Moment
väter schloß sich die Tür hinter ihr.
—10.
Irma schritt langsam auf ihr Zimmer zu, nachdem
sie Mrs. Treherne verlassen hatte, ois sie ihten Namen
zinter sich hörte. Sie wandte sich um und sah einen Die—
zer. der sich ihr geräuschlos auf dem dicken Teppich nä—
erte, und als sie stehen blieb, meldete er, daß Nr.
ins sie zu sprechen wünsche.
Sie tat einen langen Atemzug, wie jemand, der eine
5were Last zu tragen hat, und verweilte einen Augen⸗
lic regungslos. Dann richtete sie sich stolz auf und ging
erunter.
Peter Wilkins, der unruhig unten in der Halle war—
ete, blicte voll Bewunderung auf das schlanke, stolze
Nädchen mit den herrlichen, dunklen Augen, das die Trepe
herunterschritt und auf ihn zukam. Ehe er ein Wort
reden konnte, streckte Irma ihm die Hand entgegen und
agte:
Ich freue mich, Sie zu sehen, Mrs. Willins. Es
wäre besser gewesen, wenn wir uns schon eher getroffen
hätten. Wollen Sie mit in die Bibliothel kommen. wo
wir ungeftört reden können?“
Ich möchte Sie nicht belästiger, Miß Darracote,“
rrwiderte Wilkins. IIch bedaure, daß ich nicht zu Hause
var, als Sie so freundlich waren, mir eine Botschaft be—⸗
reffs Lilys zurüchzulassen. Ich bin nur gelkommen, um
ie zu besuchen.“
Ich fürchte, Sie halten es für eine große Freiheit,
die ich mir herausgenommen habe, daß ich sie hier be—
nielt,“ sagte Irma, „aber sie war so fiebernd und elend,
rzählt: „Ich gav auf dem Haupteelegrapyenamt eine
roßen deutschen Stadt eine Depesche auf, eine kurze ge—
chäftliche Anordnung, die mit den Worten schloß: „Dann
iappt's!“ — und bezahlte dafür 50 Pfennig. Einige Tage
arauf erscheint bei mir ein Depeschenbote mit einem lau—
jen Schreiben vom Telegraphenamt, in dem durch gra—
hische Gegenüberstellung der Beweis versucht wurde, das
Vort „klappt's“, der Schluß meiner Depesche seien zwei
Worte und nicht eins, wie ich bezahlt hatte; ich möchte
Jeshalb noch fünf Pfennig nachzahlen. Ich schrieb auf
vas Papier, bei mir und allen guten Deutschen sei klappt's
iin Wort, erbot ein Gutachten des Allgemeinen Deutschen
2prachvereins; dem Boten gab ich zehn Pfennig, band
hm aber auf die Seele, diese nicht etwa abzuliefern, was
r denn auch redlich besorgt hat. — Einige Tage später
rscheint — in meiner Abwesenheit — der zweite Bote mit
inem noch ausführlicheren Schreiben vom Telegraphen—
imt, wieder einige Tage später ereilt mich zu Hause ein
ritter Bote mit einem Schreiben, in dem ich freundlich
gebeten werde, die fünf Pfennig nachzuzahlen. Ich schrieb
nuf das Papier: „Damit meine arme Seele Ruhe hat“,
ind gab dem dritten Boten zehn Pfennig mit der Weis—
ing, fünf Pfennig davon dem Amt abzuliefern. — Man
ollte also meinen: Wenn ich eine Depesche aufgebe, für
die mir der annehmende Beamte fünfzig Pfennig abver
angt, so ist durch die Bezahlung der fünzig Pfennig die
Zache für mich erledigt. So gut wie ich die Worte „An—
omme, eintreffe“ als ein Wort depeschieren kann, muß
ch auch kracht's, klappt's usw. als ein Wort aufgeben
önnen. Oder aber: Die Telegraphenverwaltung muß die
Büte haben, ihre Beamten, die ja jede Depesche bei der
Annahme lesen, darüber zu belehren, was bei ihr ein
»der zwei Worte sind, damit sie sofort den richtigen Be—
rag erheben; aber mir wegen der „Unachtsamkeit“ eines
Beamten hinterher einen Boten nach dem anderen in das
Zaus zu schicken um fünf Pfennig, das ist eine Belästig—
uing, zu der keine Verwaltung das Recht hat
— —
Martin Greif.
Am 18. Juni begeht der lyrische Dichter und Dra—
natiker Martin Greif seinen 70. Geburtstag. Im Jahre
1839 zu Speyer geboren, trat Greif 1857 nach vollende—
en Gymnasialstudien in München als Artilleriekadett in
zie bayerische Armee ein, wurde 1859 zum Leutnant be—
„ördert, machte den Feldzug 1866 mit, gab aber den ak—
tiven Dienst 1867 auf, um sich ausschließlich der Litera—
tur zu widmen. Greif hat seit einer Reihe von Jahren
seinen Wohnsitz in München or welte Reisen führten
yn häufig durch ganz Deutschland und die wichtigsten
Länder Europas. Greif gehört zu den ersten, die bereits
n den siebziger Jahren vaterländische Stoffe in höherem,
»ramatischen Stil bearbeiteten, indessen liegt seine Haupt⸗
»edeutung in der Lyrik, besonders im schlichten Liede.
Seine gemütswarme, von edler Menschenliebe und einer
eidenschaftlichen Hingabe an die Natur getragene Weile
läßt ihn oft ergreifende Töne finden
als ich ste wieder mitnehmen wolte, daß ich es fur vesse:
zielt, sie hier zu behalten, und ich hoffte, Sie wären da—
nit einverstanden. Doch bevor Sie sich davon überzeugen
nöchte ich gerne ein paar Worte mit Ihnen reden. Kom—
men Sie bitte mit in die Bibliothek.“
Ihr Ton machte eine weitere Weigerung unmöglich,
und so folgte ihr Wilkins mit sichtlichem Widerstreben in
die Bibliothek. Die Ursache dieses Widerstrebens war die
Furcht, durch sein Erscheinen in Argyle Mr. Kirbys Be—
zingung entgegen zu handeln, und er wollte nach Kräften
illes vermeiden, was ihn zum Brechen seines Versprechens
jeranlassen könnte. Aber als sie die Bibliothek betraten,
rief der Anblick dieses Raumes die Erinnerung an Mr.
Darracotes Todesnacht so lebhaft in ihm wach, daß er
illes andere vergaß. Er blickte umher. Es war ihm als
b alles, was zwischen jenem Abend und jetzt lag, aus—
zelöscht wäre; als ob er gerade angekommen wäre, um
ine letzte Bitte um Gerechtigleit zu wagen; als ob der
derr dieses vornehmen Hauses oben auf seinem Lager in
en letzten Atemzügen liege. Er blickte auf das junge Mäd-,
hen, das, von dem milden Licht der Lampe beschienen,
»or ihm stand. Unwillkürlich sprach er seine Gedanken
us.
„Das letzte Mal, als ich hier war,“ sagte er, „wan
in der Nacht, als Mr. Darracote im Sterben lag.“
„Ah!“ sagte Irma schnell. Dann können Sie mir
ilso genau sagen, was sich in jener Nacht ereignete. Si
rauchen nicht zu zögern,“ fügte sie hinzu, als sie der
Ausdruck von Zurückhaltung in seinem Gesichte bemerkte
‚denn ich habe alles erfahren, was mir unglücklicherweist
is jetzt verborgen gehalten wurde. Ich weiß, daß Lilr
Bidal Mr. Darracotes Enkelin ist, und ich weiß puch —
vas Sie wahrscheinlich nicht wissen —, daß er ein Testa—
ment hinterließ, in dem er ihre Rechte anerkannte und
ür ihre Zukunfßt sorgte.“
Peter Wilkins machte einen Schritt vorwärts, sein
Vesen war wie verwandelt, seine ganze Gestalt vor Aufregung
itternd.
„Was — wasl!“ rief er, vor Erregung stammelnd.
„Ist das wirklich wahr? Woher wissen Sie es? —
vie tann das sein?“
Irma hielt ihm das Papier hin, das sie aus Mres
Trehernes Zimmer mitgebracht hatte. Kennen Sie Mr.
Darracotes Handschrift?“ fragte sie. „Dies hler schrieb
er, kurz bevor er starb.“
Wilkins nahm das Papier, öffnete cs und blickte mit
tummer Verwunderung darauf. In seinen wildesten Hoff⸗
nungen hatte er nie davon geträumt —, daß Mr. Darraode,
ohne auf den Notar zu warten, der zu spät kam,
nit eigener Hand versuchen würde, die Gerechtigkeit aus.
zuüben, die von ihm verlangt wurde. Wäre Mr. Darra—
ote von den Toten auferstanden, Mr. Wilkins hätte nicht
nehr erstaunt sein können. Mit Händen, dice wie Espen—
aub zitterten, hielt er das Papier unter die Lampe und
riifte es soragfält