145 23. Jahra.
— * ——— 4 8646 3 „J—5167 * 7 ,—
— 6——— U 573
5— 66— 5——— — —
si * —9— * — 8 * 2 —9 —* 8 J 5— —— —5 — —— —
— * —* J — —————— ——J —B F — —
—78
Dienstag, 15. Juni
Erscheint
äqglich mit Ausnahme
der Sonn⸗
— und Feiertage. —
Anzeigen
kosten 10 4 pro Gspaltige
Petitzeile,
auswärtige 15 4
Abonnementspreis
monatlich 70 4 frei in's
Haus gebracht,
vei der Post bestellt M 2,25
vierteljährl. Fernsprech-Anschluk Saarbrücken Nr. 69, 259, 269 u.
Amtlichcs Publikationsorgan
für die VBürgermeisterei Dudweiler
Mit zwei Beilagen:
Sonntagsblatt und Humoristische Blätter.
Reklamen
25 pro 3spaltige
Voti: zeile.
— — —— —
Bei Jahres-Abonnement
böchster Rabo—s
sedaktion, Druch und Verlag von J. Unterkeller. Dudweiler
78— ⸗ * o4
Ein drohender MRieseustreif.
Zwischen den Bergwertsbesitzern und den Bergleuten
u Schotiland und Suüdwales sind Differenzen ausgebro
hon, die zu einem Lohnkampf von ungewshenlichen Di
mensionen zu führen drohen. Die Ursachen des Streites
ind nach der „Bergarbeiter-eitung“ in folgendem 3
uchen:
ZIn Südwales handelt es sich um eine Nender
ang der Schichtoronung. Am 1. Zuli tritt das neu
Berggesetz in Krast, das die unterirdische Schichcdauer au
icht Stunden beschränkt. Die süd-waliser Bergwerksbesitze
egbsichtigen nun, vom 1. Juti ab drei Schichten von jt
icht Stunden einzusühren, wovon die ersten beiden (5rüh
ind Mitag'chicht) zur ohlenförderung, die Nachischicht zr
keparaturen benuzt werden sollen. Die Arbeiter erduücker
n dieser Neterung eine Maßregel zu bedeutender Er
jühung der Förderung, von der sie einen Druck auf dit
öhne befürchten. Tarum weigerten sich die Arbeiter
das Dreischichtsostem anzuerkennen. Die Bergwerksbesitze
haben am 1. Zuni fämtlichen Arbeitern auf den 1. Julb
gekündigt! Gelingt es bis zum 1. Jult nicht, eine Ei
nigung herbeizuführen, dann sind die Arreiter willens
jür die Beibehaltung des Zweischichtensystems zu streiken
AUußerdem bestehen noch Differenzen untergeordneter Nattr
In Schotthand ist die Diffserenz direkt weger
der Lohnfrage entstanden. Es besteht in Schottland ein
Lohnoereinbarung zwischen der Bergarbeiterorganisallor
ind dem Grubenbesitzerverband und zwar folgenden In—
nalts: Im Jahre 1588 stand in Schottland der Berg
arbeiterlohn durchschnittlich auf vier Schilling (1 Schillin
zeträgt 1 Mark). Nach längen Kämpien wurde schaeßlich
898 vereinbart: Als Grundlohn (Basts) wird der Lohr
on 1888 genommen. Mindestens 37 GProzent über die—
en Grundlohn muß als Mindestlobn gezahlt werden (ca.
.50 M.) und es ist Sache des Einigungsamtes, von
zeit zu Zeit zu entscheiden, wie hoch der Höchstlohn (Ma
imallohn) sein darf. 1901 erreichte die Arbeiterorganisa—
on das Zugeständnis, der Lohn dürfe bis 100 Prozem
iber den Grundlohn (also bis auf 8 Wark) steigen, be—
or Gedingereduzierungen statthaft scien. Seit Weitte 1908
ind die Löhne wiederholt wegen derschlechteren Geichäfts—
chuͤftslage reduzlert worden, bis sie zur Zeit durchschnict
ich auf 6 Mark und etwa 25 Pig. fielen. Vor sieben
Wochen teilten die Unternehmer mit, die Lzhne (Waxri—
nalgrenze) sollten abermals um 1213 Prozent reduziert
verden. Zwei deswegen abgehaltene Sitzungen des Ei—
aigungsamites verliefen resultattos. Die Arveitervertreter
weigern sich, einer weiteren Lohnkürzung zuzustimmen.
Am 31. Mai hieiten die Bergwerksbesitzer eine separate
Sitzung ab und beschlossen, den Tarifvertrag innertzalb
drei PMonaten zu kündigen. Sodann wurde ein Komitee
ingesettt, das über die geplante Lohnreduzierung und ih—
en Zeitpuntt zu beschließen hat. Ist dieser Beschluß ge—
aßt, donn sofl alsen Arheitern vierzehntägig gefündig
verden.
Die Arbeiter verlangen, wenn auch nur in einem Re—
eier keine Einigung erzielt wird, die Ersöffnung eines
bwehrstreiks in allen Revieren. Bricht er aus, so wird
s der größte Lohnampf werden, der jemals ausgefoch—
en worden ist. In der Miners Federgtion of Great
SJritain sind über 600 000 Bergarbeter irraff organtsiert
Zzie verfügen über reichliche Mttel.
* Ueber die Steuervporschläge der Regierung briugt
die „KLösfn. Ztg.“ solgende Ungaben: Das Hauptftück der
enen Steuern, die die Regitrungen als Ersatz für den
usall, den die Aenderung der Erban allsteuer bedeuet,
orscalagen, ist die gepiante Besteucrung der Fencrver—
icherungspolice; der Steuerfuß beträgt ein Drittel Pro—
ent; als Ertrag sind 40 Millionen veranschlagt. An zwei—
er Stelle steht die Erhöhung der Emisionssseuer und die
rhöhung der Bechselftempelabgaben auf Wechsel, welche
änger als drei Monate umlaufsen. Dann die Vestencrung
es Echecks (wobei der BPosticherlverlehr frci bleiben soll,
dantit dessen Entwickelung nicht notleide). Endlich ist
och an Stelle der Bertzuwachsstener ene Steuer auf
en Um'atz von Grundstücken (Liegenschaftsatzise) geplant,
vie verlautet, in Höhe von ein Drittel Progent. Der
Larfümstener, deren Eutwurf seit mehreren Jahren in den
Akten des Reichsschazamtes vergraben lag, werden auch
— —
ien veranichlagt
w*Der Flotteuserein Berlin-Mark-Brandenburg bielt
n Potsduirm seine Delegierendersammlung ab und rich—
ele folgendes Telegramm an den KFaiser: Mit atter
Trene geloben die Berlener wie die Märker mit uner—
nüdiicher Arbeit für den AUus bau der deutschen
JLotte einzutreten, damit sie als das wichügste Werk—
eug zum Schutze des deutschen Vaterlandes und zur
Ausrechterhaltung des Friedens diene.
* Die englischen Geistlichen wohnten einem liturgi—
chen Gottesdienste in der Kaiser Wilhe m Gedüchtniskirche
ci. Ter Bischof von Salisbury bielt eine
nglische und eine deutsche Amprache und drückte den
Lunsch aus, die Verbrüderungsdage möchten den Grund
Bgeben für eine friedtiche Wedllpolitif
m Die Entstehung der Raiserdepesche an Ohm
Zrüger ist bekanntlich in den Ause nandersetzungen über
»cs vielunistritteie Kaisertelegtamm im Daily Telegrapt
ine Sache eifrigster Erörterungen gewesen. Jetzt veröf—
entlicht Marimilian Harden, offenbar aus den Papieren
es ihm seit seiner Verabschiedung nahestehenden Geheim—
ats Holsiein eine Darstellung dieser Vorgänge, aus der
olgendes zu entnehmen ist: „Am 3. Januar 1806 sei der
daisor mit militärischem Gefolge in die Reichskanzlei ge—
ommen und habe gefordert, daß „für die Buren sofort
twas geschehe.“ Fuͤrst von Hohenlode und Herr v. Mar—
chall härten darauf den Kolonialdirekttor Kayser mit der
bfassung der bekannten Depeiche beauftragt; Herrn von
holstein, dessen Aufgabe das von Amtswegen gewesen wä—
e, hätten sie absichtlich nicht hinzugezogen, in der Be—
ürchtung, er würde „am Ende erplodieren und aus dem
Amle lcuufen“. Als Holstein von der vollendeten Tatsache
hörte, habe er in hellem Zorne die Hände zum Himmel
rhoben und gesagt: „Ohne au die Silfe befreundeter
Mächte zu appellteren“, das heißt doch deutlich, daß wir
zegen England zu haben wären! Wie konnten Sie diesen
Zah durchlassen?“ Der Staatssekretär habe erwidert, Hol⸗
dein wurde das begreisen, wenn er wüßte, was gepiant
zewesen sei und was mit einem ioschen Kompromiß hätte
herhindert werden müssen
DOesterreich⸗Uungarn.
* Ministerpräsident Freiherr von Bienerth wurde
bom Kaifer empfangen und berichtete über das De—
nissionsgesurch des tschechischen Landsmannministers Dr.
Zatsschek. Wie verlautet, hat der Katier die Demission
wischt angenommen.
* Ernste Politiker nennen das neueste Kompromißß ei⸗
nen Scheinfrieden; nian bezweifelt, oo nunmehr
die Krone und sämtliche Minister der Vertagung der Ent—
wirrungsatlion bis zumn Herbit in der von Xossuth vor—
geschlagenen verllausulierten Form zustimmen werden. Die
zrer Minister und Fartéeien ertluren bestimmt, daß jetzt
die beabsichtigtke Entwwirrungsaltion lediglich eine Vertag—
ung des Rampfes fur eine günsägere Zeit bedeute. An—
draissß wirl unter solchen Umständen keinesfalls, wie er
usdrücklich erttärt, die Wahlreform parlamentarischen Zu—
ätligkeiten aussetzen. Das Bestreben der 67er Minister
zeht dahln, innerhalb der Kosuthparcei eine klare Situa—
non zu schaffen, eventuerl die Banigruppe aus der Nos—
urubartei zu orängen, umn dann auf der Basis eines Gen—
Rreinnes nic ztonuth eo dveren Anscandern die von
der srone gewänschte Fusion zu einer einheittichen deate—
rungsvartei herbeizuführen
SDpanien.
SsIn der Presie greist eine cinigermaßen ruhigere Auf—
assung der marst?anisehen Aungelegentzeit Platz, nach—
zem eine ofizielle Rote nachträglich versichert, die Rüsi—
ingen bezwegten lediglich die notwondige Verstäckung der
pan schen ostüienen on der Kästse von Nordafrika, weil
die Autoritet des Sultans im Rissgebiet zur Gatanier—
ing der Sicherheit gegenber Evenualitäten nicht aus—
eiche. Spatnien verforne iedoch keinerlei aggresiipe Ten—
—
Turkeri.
* Der Psorte sind bisher seitens der vier Schutzmächte
keinerlei Mitteilungen über die Absicht, die Truppenkon—
ingente weiter auf Kreta zu besassen, zugegangen. Auch
wenn diese Absicht besteht, will die Pforte ihr Verhältnis
rreta gegenüber klarstellen und wird deshalb auf die
Absendung eines Memorandums nicht verzichten. Dieses
enthält mehrere Puntte, als deren wichtigster erscheint,
)aß die Türlei das Besiätigungsrecht für den von den Kre—
ensern zu wäblenden Generalgouverneur forder—
Persien.
* Nach einer Meldung aus Täbris kam es infolge
eines Streites des türkischen Konsuls mit der Gendar—
merie zu einem Zusammenstoßz zwischen der Gendar—
nere und türkischen Truppen. Dabei haitten die ersteren
2 Tote, die letzteren 7 Tote und 9 Verwundete. Außer—
»em wurden 20 türkische Soldaten gefangen genommen.
der Gouverneur ist nach Urmiag gefloöohen. Im russischen
Lager bei Täbris ist Dysentrie ausgebrochen, die
chon in mehreren Fällen einen tödlichen Berlauf genom—
urten hat
Amerika.
*Auf Honolulu wurden 17 japanische Arbeiter—
führer verhaftet. Sie sind angeklagt, der Anzettelung ei—
ies Komplotts zum Umsturz der gegenwärtigen Verwal—
tung. 8000 Japaner streiken jetzt. — Die Landgen—
darmerie in Davao auf den Philippinen meuterte
ind griff das amerikanisiche Misitzr an. Es qab viele
Tote und Verleßkte.
Vermischtes.
Die Zeitung des Zaren. Der Zar hat nach der
Post“ eine eigene Zeitung, die nur in einem Exempltar
zrscheint und den Titel führt „Kesume der Informationen
»om Polizeidepartement“. Diese Zeitung ist, wie der
„Gil Blas“ schreibt, handschristlich hergestellt und wird
hon den Mitgliedern des Komitees der ausländischen Zen—
ur redigiert, die ihr Material den Mitteilungen der Po—
izei entnehmen und unter der Leitung des Ministers des
Innern arbeiten. Dieser letztere hat die Entscheidung dar—
über, weiche Informationen aufgenommen werden sollen.
Es werden zehn bis fünfzehn Nummern jährlich geschrie—
ben, die insgesamt 52600 Seiten umfassen. Jede Num—
mer wird zunächst von dem Zaren mit Randbemerkungen
versehen, dann von dem Minister des Innern und schließ—
ich von dem Generaladjutanten Hesse, dem Manne, der
am meisten in der Näbe des Zaren ist. Einige Exem—
olare dieses Journals sind in die Oeffentlichteit gelangt.
Was den Zaren am lebhafteten interessiert, ist der Kampf
gegen die Revolution. Nikolaus 2. beschäftigte sich auch
damit, was die Ausgewanderten in London, in Genf
uind Paris machen, was in den Geheimdruckereien veröf—
entlicht wird, und auch mit den Spionen. die die Revo—
tionare bewochen —
— — — — J
9311435 37 ——
Nolitisfchhe Rundschan.
Deutsches Reich.
Die Handelskommission des preufischen Herrenbauses
eschoß zu dem Berggesetz eine LAenderung, wonach bei
er Wahl der Mitglieder des Arbeitergusschusses, die, so—
deit die Belegschaft unter Tage in Botracht kommt, durch
ie Arbeiter vorgenommen wird, die Verhältniswabl nich!
—ED
diro
Die am Sonntag in Dresden stattaefundene
aupepe sammsung des Vereins deutjsceher Bautbeamten
rotestierte nach einem Vortrag des Reichstagsabgeorone—
en Wewer entschicbhen gegen die Beschlülke der Fi—
anztommifision und bitiet die Reichsregiering,
cien Beschlüussen nicht zuzustimmen. Tie name Tagan;
indet in Miirubera stot
—⸗ñ ñ —ñ —— —¶ — ——— — — — ——
elbst zu bereichern? Sie wissen, wie solche Handlurgen
haralterisiert werden. Da Sie sich einer solchen schuldi
zemacht haben, weshalb sind Sie so wahnsinnig zu leug
nen, anstatt gleich zu tun, was Sie doch tun muͤssen —
herauszugeben, was Sie ohne Recht behalten haben?
Ihr Ton, plötzlich gebieterisch und verächtlich, lief
Mrs. Treherne fühlen, daß weiteres Leugnen zwecklos sei
Es blieb ihr nichts anders mehr übrig, als dies ungus
tehliche Wesen zu demütigen und zu kränken, das sie am
iebsten getötet hätte, wenn es in ihrer Macht gestander
vätte.“
„Und wenn ich den Besitz eines solchen Papieres ein⸗
gestehe,“ sagte sie, „was können Sie mir dafür bieten?
Nr. Hastings hat mir, wie Sie vielleicht gehört haben,
eine halbe Million Ihres Geldes dafür angeboten.“
Sie hatte nicht die Genugtuung, irgend eine Ver—
inderung in dem stolzen blassen Gesicht vor sich zu be—
nerken, als sie diesen Hieb führte. Es gibt Wunden, die
och innen bluten, aber das sind die tötlichsten.
„Sie wissen wohl, daß ich Ihnen nichts zu bieten
abe,“ antwortete Irma. „Weshalb verschwenden Sie Zeit
ind Worte auf diese Weise?“
„Aber, ob Sie etwas zu bieten haben, oder nicht,
Zie werden bezahlen — und schwer bezahlen!“ sagte die
Undere rachsüchtig. „Ihr Vermögen und Ihren Liebhaber
— oder vielmehr den Mann, von dem Sie sich einbilde—
en, er wäre Ihr vLiebhaber — zu verlieren, denke ich,
st wohl der höchste Preis, den man zahlen kann!“
„Sie irren,“ entgegnete Irma mit einem plötzlichen
lufflammen ihrer Augen. „Es gibt einen noch höheren
Preis. Ich könnte meine Ehre und mein Gewissen ver—
aufen; ich könnte den Toten und den Lebenden betrü—
gjen, wie Sie es getan haben.“
Eine atemlose Stille herrschte für einen Augenblick,
»ann fügte sie mit derselben Ruhe, wie vorher, hinzu:
Ich habe mit Ihnen tein Geschäft zu machen, und Ih⸗
nen nichts anderes zu sagen, als dies — geben Sie mir
das Papier!“
„Damit Sie es zerstören, und Sie sich weiter an
Ihrem Gelde und Ihrem Liebhaber erfreuen können, ohne
rgend etwas dafür zu zahlen?“ schrie Mrs. Treherne mit
inem gellenden Lachen. „Meinen Sie, tch ließe mich von
Ihrer vorgeblichen Verachtung des Geldes und Ihrer Pose
»on Idealismus täuschen? Ich wäre verrückt, wenn ich
dies Zeugnis in Ihre Hände gäbe ohne die Sicherheit,
vas Sie damit tun wollen. Nein, wenn ich es hergeben
auß, dann soll es in einer Weise geschehen, daß Sie dem
)arracote-Vermögen und Gerard Hastings für immer Le—
rma
„Ich yabe Ver. Haftings nicht gesehen,“ entgegnete
Irma, „und habe auch nichts von ihm erfahren. Aber
ich weiß von dem Anerbieten, das Sie ihm geniacht —
„Woher wissen Sie das?“ unterbrach die andere. „Es
st abgeschmackt zu sagen, daß Sie es nicht von ihm sollen
erfahren haben, weil kein anderer Mensch es Ihnen sagen
onnte, kein anderer!“
„Seien Sie dessen nicht so sicher,“ sagte das Mädchen
ernst. „Um Unrecht zu verhüten, läßt Gott oft zu, daß
wir Zeugen bei unseren Handlungen haben, von denen
wir keine Ahnung haben. Ihre Tat war zu schlecht, als
daß sie ohne solche Zeugen bleiben sollte, und so habe
ch davon Kenntnis erhälten. Wie, das tut nichts zur
Sache. Ich weiß es — das genügt. Jetzt geben Sie mir
das Papier.“
Es entstand eine Pause. Hätte Mrs. Treherne in die—
em Augenblicke eine Peitsche zur Hand gehabt, mit der
ie das furchtlose Geschöpf vor ihr hätte zu Boden schla—
Jen können, sie würde es ohne Zweifel getan ßaben. Sie
nachte einen Schritt vorwärts, die Hände geballt und miß
unkelnden Augen.
„Sie sind verrückt!“ schrie sie. „Ich habe kein Papier!
Wie können Sie es wagen, mich mit solchen Forderun—
zen, solchen Verdächtigungen zu beschimpfen —“ Sie hielt
plösßlich imne, der Ausdrut in Irmas dunklen Augen
machte ihr das Wort auf den Lippen ersterden.
„Das ist Wahnsinn!“ erwiderte Irma und auf ibrem
sungen Gesicht erschien ein fremder Zug oon Härte. „Es
ist sicher, daß Sie das Papier haben, und ebenso sicher
ijt, daß Sie mir das Papier geben werden; denn, wenn
ich das Zimmer ohne dasselbe verlassen soll, werde ich
ofort nach Mr. Kirby senden. Es gibt Beweise, daß Sie
s besitzen, und es gibt auch Mittel, durch die Sie zur
Herausgabe gezwungen werden können. Außerdem steht
Strafe auf Diebstahl.“
Diebstahl!“ stieß die andere wütend hervor.
„War es etwas anderes?“ fragte Irma. „Stahlen Sie
Papier nicht einem sterbenden Manne und haben Sie
nersfitcßöht )mit 8334 ———“
Ihr Erstaunen schien wohl gerechtfertigt; denn, das
Mädchen, das sie jetzt anblickte, war eine ganz neue Ir—
ma — nicht mehr die junge Erbin, die schwer an der
Last ihres Reichtums trug und mit ernsten Augen in die
neue Welt blickte, die sich ihr erschlossen hatte, sondern ein
Weib, das seinen Traum ausgeträumt hat, das der un—
armherzigen Wirklichteit ins Auge blickt, uͤnd dessen Seele
ich emporgerichtet hat, um das Schwerfte, was es gibt
T den Verlust von Liebe und Treue — mit heldenhafter
Zraft zu ertragen. Irma hatte den Fuß auf ihr undes
derz gesetzt und es zum Schweigen gezwungen, bis eine
bflicht erfüllt war, die nur sie erfüllen konnte.
„Verzeihen Sie, daß ich störe,“ sagte sie mit talter
Förmlichteit. „Es ist notwendig, daß ich Sie sofort spreche;
aber was ich Ihnen zu jagen habe, tann in sehr wenigen
Worten geschehen. Ich möchte Sie bitten, mir das Testa—
ment zu geben, das Mr. Darracote kurz vor seinem Tode
anfertigte, und welches Sie bis jetzt verborgen gehallen
daben.“
Ihre Stimme klang laut, klar und sehr ruhig; aber
deidenschaftlichteit und Aufgeregtheit würden keinen
olchen Effekt hervorgebracht haben, wie diese ruhigen
Worte. Jede Farbe wich aus Mrs. Trehernes Gesicht, und
hre Augen öffneten sich wert und entseßt. Sie verjuchte
zu sprechen, aber nach zweimaligem Versuch vermochte sie
endlich hervorzustammeln:
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden!“
„Sie wissen es sehr gut,“ antwortete Irma in dem—
elben Tone. „Aber wenn Sie wünschen, daß ich mich
larer ausdrücken soll, — nun gut, — ich möchte das Pa—
bdier haben, das Sie Mir. Hastings heute Morgen
mboten.“
Ah!“ Mit einem Wutschrei sprang Mrs. Treherne
So hat er also mir sein Wort gebrochen und ist zu
n gegangen! Ich hätte das voraussehen müssen ——
derrätfor!