Full text : Dudweiler Zeitung

rult'vierte Leute und im Besttz von drahtloser Telegraphie
find, vielleicht der „Mars-Markoni“ ein ganz anderes Sy⸗
stem erfunden hat. Von vorneherein hat es darum den
Anschein, daß diese ganzen Pläne „in der Luft liegen.“
Aber allen Zweifel gegenüber steht der Name des Pro—
zessors Todd vom Amherst College, der in der wisser
hafstlichen Welt seit Jahren eines fest begründeten Ru—
ses sich erfreut und als durchaus ernster Gelehrter gilt.
Prof. Todd erilärte aber selbst, daß an der Ausführung
scines Planes nicht zu zwetieln isei. Oh auch am 6Ge—
singen?

LAota es.
Aus den Bahnhöfen. Eine bemerkenswerte Klage
veröftent icht das „Kar sruher Tagblau“ über das Herun—
terzerren von Reisenden von im Gang besindüchen Eisen—
bahnzugen urch das Bahnpersonal. Es heißt u. ar:
„Da besteht die Instrukt'on, daß die Bahnbeamten es nicht
dulden dürsen, daß, während ein Zug sich in Bewegung
befendet, jereind ein- oder aussteigt. Das ist ganz gut
und richtig, aber das ist sicherlich nicht so gemeint, daß
mnand, der bereits das Trittbrett bestiegen hat und schon
die Tür zu einem Abteil sich öffnet, mit Gewalt wieder
heruntergezerrt wird, wie ich das in den letzten Wochen
wiederolt beobachtet habe. Ich will ganz schweigen von
der menschlichen Härte, die darin licgt, daß qus diesfe
Weise mitunter Mann und Frau oder Eltern und inder
getrennt werden, ich will tediglich betonen, daß dieses
Herunterreißen eine weit größere Gefahr in sich birgt.
wie das Aufspringen. Die Häufung solcher Fälle in den
leßzten Wochen erklärt sich aus der Aoschaffung der Ab—
fahrtszeichen: die Züge jsetzen sich jetzt geräuschlos in Be—
wegung und da nicht an jedem AMöteil ein Beamter siehen
kann, kommt es dann eben vor, daß im Moment doer Ab—
fahrt noch jemand einsteigt, ohne auf den Ruf eines ent
fernt sterenden Beamten zu achten oder auch ihn bören
zu können. Tut dies jemand, dann gibt es zwei Fälle:
entweder er kommt beim Anrücken des Zuges zu Fall,
dann muß sosort das Signal zum Halten gegeben wer—
den, oder er gelanzt glücklich auss Trittbrett, dann ist es
eher Sache der Beamten, ihm zum völigen Einsteigen be
hilslich zu sein, siatt ihn wieder herabzuzerren. Das letz
iere nennt man den Wortlaut, aber nicht den Sinn eine
Instruklion erfüllen.
Vereinfachter Postdienst. Eine umfassende Ver
ernsachung des Dienstbeiriebes der Post hat das Reichs
Postamt soeben angeordnet. Die Aenderungen umsasser
nicht weniger als 38 verschiedene Punkte. Sie treten all
am 1. Juli in Kraft. Bezweckt wird damit auch ein
Ersparung von Ausgaben, indem Arbeit oder der Ver
brauch von Betriebsmaterial vermieden wird. In vielei
Fällen ist die Befugnis der Postämter erweitert worden
Sie können über mannigfache Fragen nicht selbständig ent
scheiden, ohne die Oberpostdirekstion zu befragen. Au—
manche Meldungen von Berschten an die Bezirksbehört
werden vereinfacht oder ganz beseitigt.
Gesundene Leiche. In rinem Weiher der de Wendel⸗
schen Koks anlagen in der Hirschbach wurde am Freeitag nachmittag
 die Leiche eines Mannes gefunden' unden die Lelchen.
halle des Sulzbachet Lazarets verbracht. Die Leiche wurdt
als die des Bergmanns Johann Gruft aus Sulzbach agnos—⸗
ziert Gruft soll in letzter Zeit schwermürig gewesen sein und
infolge dieses Zustandes den Tod gesucht haben. Et hinterläß
leine Fau und 7 Kinder. Der Weiher war vollftändig mit
einem eisernen Gitter umzäunt. Die Tat ist am Donners⸗
tag füh ausgeführt. Gruft hatte sich ber its morgens 4
Usr von seiner Behausung entfetnt. Den Angehörigen war
nicht das geringfie an ihn ausfallen.
Berg⸗ und Züttenmännische Ausstellung in
Nancy.“ Auf Grube Dudwe ler wutrde ein Kohlenplock in der
Dimensions 2,340: 1,40: 1,20 gefördert. Es ist dies ein Riesen—
block, wie er wohl noch selten auf Saatgruben gewonnen wurde.
Sein Gewicht beträgt über 90 Zentner. Die Gewinnung so⸗
wohl wie auch der Transport in der Grube wie durch
den Schacht haben unsägliche Mühe verursacht. Et wird nach
Nanc, geschafft, um auf odiger Ausstellung eine Hauptsehens⸗
wurdigkeit zu bilden. — Auf Gꝛube Altenwalt wurde eben⸗
falls ein für obige Ausstellung bestimmter Kohlenblock in der
Größe von 1,80: 80: 90 gewonnen.
Der Mensch sein eigener Totengräber. Von
Moritz Gottlieb Saphir, dem bekannten Humotinen, der
1858 zu Baden bei Wien das Zeitliche segnete, stammt fol⸗
gende lehrreiche Sentenz: „Mit zwölf Jahren begrädt der
Mensch seine lachende Kindheit, mit 18 Jahren seine rosige
Jugend; mit 20 Jaheten begräbt er seine erste Liebe, mit
mit dreißig Jahren seine Glauben an die Menschheit; mit
vierzig Jahren begtäbt er seine Hoffnungen, mit fünfzig
Jahren bereits seine Wunsche, mit sechzig Jahren begrädt etr
sogar nach und nach seine sunf Sinne, bis er endlch selbst
begraben wird.“
Wahrheit. Es siad viele nützliche Heisstätten eirrichtet
worden, z. B. Lungenbeilstätlten und Icdenanstaiter. Nun
waͤre es mit Freuden zu begruͤßen, wenn auch eine Klatsch⸗
basen-Heitstätte errichtet würde, wo eine jede Klatschbase über
ihre eigene Herkunft und Schadtaten nachdenken kann.
Dann drauchlen die Klaischbasen ihr eigenes Laster nicht
mehr auf unschuldige Menschen zu schieben. Klaischsucht ist
schlimmer als Schwindsucht und Geisteskrankheit. Durch
Klauchereien kann manches Menschenleben vernichtet werden.
— Wens juckt, der krotze sich.
Die Pfingstferien künftighin zu verlängern und die
Dñterferien zn verkürzen, hatte der Rheinische Verkehesverein,
das Probinzialschulkollegtum gebeten, da die Jahreszeit um
Pfingsen viel günstiger zur Erhohlung sei. Das Provinzia-—00——

ohnedtes kurze Soumerhalkjahr noch wehr zerrien werden
würde.
Die Fünfzigpfennigstücke gelten vom 1. Oktob.r
1809 ab nictt mehr ale gesetzliches Zahlungem'ttel. Es ist
don diesem Zeitpunlt ab außer den mit der Emlösung beauf—⸗
iragten Kassen mniemand rerflchtet. diese Muürzt in Zahlung
u nenmen.
Rost. Eine umfassende Vescinlachunz des Dieensibeniches
 bei der Post hat das Richspostamt aantordnet. Die
derungen umfsssste nicht entger as 38 verschiedene
Purtie. Sie treten säuulbch am 1. Zubr in Krafe. Vezwckt
wirh auch eine Eesperung von usgaben, tuübem Arbeit verr
Ve baus, von Beitteeenaletielben venreden wird. Leider
vid in den Bläutrmadungen nacht mittettile, ob und werche
bortelle bitie Aenderzungen ür des Pröol fum aben
eilung der Shwinbsucht duarchh Rönigen—
sirahren? Hoach ttresseeie Ebrieungen ürer bee ögrié
en de zlun, ban ZTube krlne durch rw edung Len
oren iꝛchium zelete ber ttsjübrtte dntn tle tas
Vrbatß, der unter Brteinnung von etwa 150 ugliedern
des Verrins bausdret Lary äatn an den Pfi u sihele. INd eis
in Freil urg aann. Uner Bo jührung von Lnbunein eses
lerten, wie uns ein ciginer eridat paelde, *e Feerturget
lereue Dr. Büreinas 1u Abracht über Brtubeder Heitun—

der Kehlkopf⸗Tuberkulose. Dr. Belunings impfte Kaninchen
in der Narkose tubecknlosen Auswurf ein und rief so Er—
rankung hervor, won ich er die kranken Stellen mit den ver—
chiedenen Lichtftrahlen behandel'e. Bei den fortgesetzten
Behadlungen mit Röntgenstrahlen zeigte sich dann ein de
Zeilung ankündigender Einfluß: Geschwüre und Schwelluu—
zen gingen zurück; die tuberkulösen Partien waren abg—
lapselt und ließen die Erscheinungen der Gesundung erkennen
Beide Forsche beflirworten darnach diese Form der Behand
ung auch bei schvindsüchtigen Menscher. Herr Dr. Brüaings
— VD
onfiruierte Röntgenröhre zur Bestrahlnng des Kehlkopses.
In der sehr ausgedehnten und angeregten Dedatte fanden
ruch Sonnenlich behandlung und eine ältere Art der Röatgen«
sttrablen-Anwendunßg Verttidiger.
Von der Saar. Die Familie des pensionierten Berg
wanns Peter Gothtexr in Hilschbach, deren Sohn Jakob
Bothier im vorigen Jahre in den Dienst einer holländischen
Bergwerksgesellichaft auf der Insel! Borveo trat, erhielt ein
Telegramm von dort, daß ihr Sohn „ulbe fallen und zerhackt
und sein Zustand hoffnungelos sei“ Bothier hatte im
August vorigen Jahres mit dem Bergmann Maith. König
von hier die Reise nach Borneo angetreten, wo beide zwei
Jahre eventl. auch länger bleiben und sich durch Ausnützung
drer beromännischen Kenntnisse ein hübsches Stück Geld ver⸗
dienen wrollten Pstälzer Prrsse)

Kus Nah und Fern.
Heerensohr, 14. Juni. Eine unselige Tat verübte
zestern der Bergmann Junker in Herrensohr. Trotzdem er
bereits ein Alter von 58 Jahren erreicht hat, ist die Eisfer—
ucht bei idm zur fixen Idee geworden. Diese Eiöersucht
rieb ihn soweit, daß er am Samstag morgen Fenstern und
Türen verriegelte, um ungestött sein Vorhaben zur Aussührung
bringen zu können“ Er gab auf seine Frau zwei Schüsse
ab, von denen einer fehlaing. der andere in ein Bein der
Frau eindrang. Dann flüchtete er durch ein Fenster und
zab noch vom Fenster aus einen Schuß auf die vor Schreck
zu Boden gefallenen Frau ab. Die Kugel dieses dritten
Schusses drang de- Fitu in die Schuiter. Junker flüchtete
danu in den Wald, Herr Polizeikommissar Mertens wurde
davon benachrichtigt, daß Junker seine Fran habe erschießen
wollen, und begseb sich auf den hiesigen Marktplatz, wo er
auf die Straßenbahn wartete. Dorten sah er Ju-ker auf
dem Markte stehen. Als dieser den Herrn Polizei⸗Komunssar
'ah, kam er zu ihm und bemerkte auf die Frage: „Junker
vas haben Sie gemacht?“ — „Ja, Heir Kommissarsich habe
8 getau und gehe mit!“ Er händigte dann dem Herrn
dommissar den Revalver aus, den er von scharien Patronen
eintladen hatte. Die Hülsen der abgescho senen Patronen staken
aoch im Revolver. In Poltzeigewahrsam verbracht, händigte
er dem Herrn Kommissar noch einen Schlüssel zu einem Kasten
aus, in dem sich noch eine Pistole besände, zu der er noch
Munition in der Tasche hatt⸗. Junker wurde gestern tn
Untersuchungshafr nach Saarbrücken verbracht. Die Frau
war noch nicht vernehmungsfähig, wohl infolge des ausge—
tandenen Schiechens, denn die Verletzungen sind keine schwete
Die Kugel aus der Schulter kdonnte sofort eurfernt werden
Junket muß in einem krankhaften Zustande sein, denn sein?
Eifetsucht war grundlos.
Saarbrücken, 11. Juni“ Der Stadtgemeinde Saar⸗
rücken ist das Recht verliehen, zur Erweiterung des Rat—⸗
Jauses das erforderliche Grundeigentum im Wege der Eat—
ignung zu erwerben.

Köln, 12. Juni. (M MillionenFrbschaft.) Die
bei einer Choleraepidemie in Holland unverheiratet ver—
storbenen Reedereibvesitzer Lohsen und Langensiepe hinter—
ließen angeblich 125 Millionen Gulden. Eine hiesige
Vorsammlung von 200 Personen, die Anrecht auf diese
Hinterlassenschaft zu haben glauben, wählte einen Aus—
chuß. der sich mit der Sache heöesfossien solt

* Düsseldorf, 12. Juni. (Wo118dibliotheten
und Fortbildungsschulen.) Der Reglerungs⸗
präsident hat Erhebungen darüber angestellt, ob und in
welcher Weise die Volksbibliocheken dem Zwecke der ge—
werblichen und kaufmännischen Fortbi dungsschulen dienst—
har gemacht sind. Der Regierungspräsident hat gleichzei—
ig angeordnet, der Entwickelung des Bibliothekwesens be—
ondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und dieses wicht ge
Fürsorgemittel für die schulentlassene gewerbliche Jugend
in der wünschenswerten Weise, insbesondere durch Schaff—
ung einer organischen Verbindung zwischen bestehenden
Volksbibliotheken und Fortbildungsschulen zu fördern. Tiese
Anordnungen der Regierung verdienen Beachtung im In—
teresse der Für orge für die schulentlassene Jugend und
her Bekämpfung der Schundliteratur, nur wäre zu wün
hen, daß der Staat für die Entwickelung der Vol?sbib—
liotheken seinerseits größere Mittel als bisher den Ge—
meinden zur Verfügung siellen möchte.
*Bochum, 12. Juni. GGuter Fang.) Die hiestgze
Polizei verhaftete im Stadtpark einen Mädchenhänd—
her. Es ist ein gewisser Koylowitz aus Gleiwitz in Ober—
Hlesien. Der Mensch versuchte seit einigen Tagen im
Stadipark befindliche Kindermädchen zu überreden, mit
hinm nach Antwerpen oder Amsterdam zu fahren. Er ver—
prach, ihnen dort eine gute Stelle zu verschaffen. Man
enachrichtigte die Polizei, die den gefährlichen Menschen
estnahm. Koylowitz hat sich außerdem eine Reihe von
Logisschwindeleien und Diebstäüle zu schulden kommen
assen.
* Paderborn, 12. Juni. (Dentmal für Luise
Hensel.) Die Dichterin Luise Hensel, deren innigzar—
tes Liedchen: „Müde bin ich, geh' zur Ruh'“ von Millio—
nen deutscher Kinder als im frühesten Alter erlerntes
Abendgebet gesprochen wurde und wird, soll hier durch
ein schlichtes Denkmal geehrt werden. Bereits vor eniger
Zeit ist ein aus den angesehensten Bürgern der Stadt be—
seheuder Ausschuß zusammengetrteten, der sich die Be—
ichaffung der nötigen Nittel zum Ziele gesetzt hat. Luise
dentel verlebte bekauntüch ihre letzten Lebens,ahre in
uabderborn und hat hier auch ihre Ruhestätte gesunden.
* DVunn, 12. Zuni. (SGin gerichtbiches Nach-—
piel.) LVor der Straftammer fand die gewaltige Cas—
rlosion, die sich am 2. Zannar d. J. in den unterxirdi—
schen Telegraphenleitungen am Münsterplatz, Märtinsplatz,
reiamnete, dins gerichittiche achsriel. Wie noch in Erinmer—
ns sein darsfie, Lurde dee Schreinergescile Dickerter von
n de Dnech Den eaen veusorack in die Eohe segeuden
Ael cires chtnnnitens mit in die Hühe geschleu—
t und stirze dana in don ossenen BSrunnen biuiter.
Er ertint so nere Serfezungen, baß er erst am ver—
enn Tatatea cus der Kliuät ais gedeilt culaen
ete iuf derr aisetttate purde der Ddort
ne cter ein burch den Lusß druck zur Erde
ueerr. —aßz er eine deratt ere ervenctichttier—
ett: un, dan er öäch herte noch in einer Retven
Iutalt befindet und nach ärzilicher Ausdage nicht im—
öt, enn dor enslung tei zunehrnnen. Es hatte
ahn bar Cuee ararttttstent Tchemmh, der
it nant'eott biser umnd drei Telezraphenarbeiter we—
»er Fötrrad 39u vnerantworften. iiden —

der Wahrneymung von Gasgeruch in dem einen Revi⸗
ionsbrunnen am Münsterplaß;, wo Löotarbeiten vorge—
ommen werden sollten, nicht auch die Nachbarbrunnen
ffneten. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung
»es Obertelegraphen-Assistenten zu 50 M.. des Leitungs⸗
ussehers zu 30 M. und der Freisprechuna der drei Tele
irahhenarbeiter.
*Kreuznach, 12. Juni. (V er brüht. Das zwei—
ährige Kind des Glasarbeiters Neuchel stürzte in einen
iuf dem Boden stehenden Waschnapf mit heißem Wasser
ind verbrühte sich dabei derart, daß es unter gräßlichen
ZQualen starb

Tesegrammoe.
*Brebach 10. Juni. Gestern nachmittags um 8 Uhr
wurde der Krahnenführer Jakob Benz von Bliesbolchen am
elektrischen Krahnen der Hallberaec Hütte tot äufgefunden.
(Sbe. Ztg.)
Berlin, 14. Juli. Wie die „Nationalzeltung“ erfährt,
vird die Bildung einet besonderen Bergdaudeputation für
Preußen beabsichtigt. Nach dem Inkrafttreten der neuen
Berggesetznovelle wird der Herr Handelsminister die Mitglie⸗
»er der Deputation ernennen, die sich nach Bedarf auf Er⸗
uchen über bergbauliche Fragen zu äußern hat. Ihre Eire
ichtung wird derart erfolgen, daß besondere Fachausschüsse
gebildet werden können. Tie Deputation wird voraussichtlich
aus Vertretern des startlichen und privaten Beigbaues, aus
Werkb sitzern sowie Beamten und Arbeitern bestehen.
Berlin, 12. Juni. In der heuce Vormittag abgehalte—
nen Beratung der 7. Strafkammer unter dem Vorsitz des
Landgerichtsdireftors Spletinößet handelt es sich um einen
Aatrag des Staatsanwaltes, die von Fürsten Ealeubdurg ge—
tellie Kaution von 100 000 M. auf 500 000 M. zu erhöhen.
Dem Vermehmen nach soll die Antlagekammer vprinztpiell
ziner Erhöhung der Kaution zugestimmt haben. Gieichzeitig
'oll das Gericht auch den Beschlaß gefaßt haben, die wissen⸗
chaftliche Deputation des Medizinalwesens nochmals zu einem
chleunigst abzugebenden Gutachtzu aufznfordern, um zu er—⸗
niueln, ob es evtl. möglich sein wird, die Verbandlung
zegen den Fürsten in einer in luczer Zeit anzuberaum nden
Schwurgerichtssizung, also noch vor den Gerichteferien zu
Ende zu bringen.
* Berlin, 12. Juni. Der Prozeß gegen den des Mein⸗
eides angeklagten Fürsten Eulerburg wird in der am 15.
Jali beginnenden Extraschwurgerichtsperrode wieder aufge⸗—
nommen werden. Der Leiter der Verhandlung wird wiederum
Landgerichts direktor Kanzow sein.
*Berlin, 108. Juni. Die deutich-russische Monar—
chenbegegnung wird, wie die „Neue pol. Korresp.“
erföhrt, auf den 17. und 18. Juni fallen. Nach den bis—
herigen Dispositionen dürfte Kaiser Wilhelm am 18. Juni
nachmittags die sinnischen Gewässer wieder verlassen..
* Aimsterdam, 14. Juni. Die liberale Presse begnügt
sich Setzt damit, lediglich den Sieg der verbündeten wrisi—
lichen Parteien zu konstatieren, die nach der ersten Wahl
schon über eine Mehrheit von 10 Stimmen in der Kam—
ner verfügen. Einstimmig drückt die liberale Presse die
Meinung aus, daß der größte Teil der 36 Stichwahlen
günstig im liberalen Sinne ausfallen werde.
* Petersburg, 14. Juni. Der Zar reist am Sonn⸗
abend nach den Schären ab. Stoluvin wird am
Mittwoch folgen.
* Paris, 14. Juni. Der Minister des Auswärtigen,
Pichon, erklaͤrte, es sei bisher keine Verständigung zwi—
schen den Mächten bezüglich der vorläufigen Beibehaältung
der Truppen auf Kretta erzielt worden. Die Räumung
werde im Juli stattfinden, wenn kein neues Uebereinkom—
men auf anderen Grundlagen zustande komme.
* London, 14. Juni. Nach hier eingeganzenen Pri—
oatnachrichten ist die antirussische Bewegung in Mesched
ernsthaft. Es wurde auf der Straße auf den russischen
Generalkonsul geschossen. Die persischen Behörden sind
außer Stande, die Ordnung aufrechtzuerhalten.
* London, 14. Juni. Admiral Lord Charles Be—
resford wird eine Kundgebung an das Land erlassen
über den Zustand der Flotte und darin beson—
ders hervorheben, daß die Beschaffung von schwimmenden
Docks wünschenswert sei.
* Madrid, 14. Juni. Die Tatsache, daß der Staats⸗
tat zu Rüstungszwecken für eine spanische Aktion in
Nord⸗Marokko einen dringlichen Kredit von 3 Mil—
lionen beschloß, stößt in der gesamten Presse auf leiden—
schaftliche Entrüstung. Allgemein wird aufs schärfste ver—
urteilt, daß die Regierung zu ihrem verhängnisvollen Vor—
zehen den Schluß des Parlaments abwartete.
* Saloniki, 14. Juni. Da die Albanesen in
Malissia die Auslieferung der Waffen an die Behör—
den verweigerten und Widerstand leisteten, so hat
Dschawid Pascha mit einigen Bataillonen Malissia ange—
zrisfen und mehrere besestigte Türme zugrunde geschossen.
* New-York, 14. Juni. In Honolulu wurde bei in⸗—
folge von Streikkonflikten vorgenommenen Haussuchungen
angeblich Material gefunden, das auf ein Bestreben Ja—
dans, die dortige Zuckerindustrie zu beherrschen,
sowie Einfluß auf die Regierung zu qgewinnen, schließen
ie seꝛ
Marseille, 14. Juni. BVei dem Eridbeben sollen 60
Personen gelötet und viele andere verwundet worden lein.
Dem amtlichen Beritht der Präfektur zusolge soll die Zahl
der Toten in Lam ese 14, in St. Cannat 8, in Puy Ste—
Repara de 2, in Pelisannenl und in Rognes 12 betragen.“
Hagen, 14. Juni. Der Kriminalpolizei ist es gelungen,
ein Fauchmünzerr est auszuheben. Die Täter, vier juuge
Leute im Alber von 20 und 21 Jahren, Södne angesehener
Eltern, siad heute morgen fämtlich verbdaftet woreeu. Sie
zatten in einem Haufe am Remberg eine vollständige Werk⸗
zätte eingerichtet, ohne jedoch bishet zut Herstellang von
Zeld gekommen zu sein.
Sebatopol, 12. Juni. Gestern nacht 11 Udr 30 Min.
ri ß das Unt isseboot „Karnbala“ bei einem Angtiffsmanöver
egen ein in den Hafen einlaufendes Geschwader infolge einer
metwarteten Wendung des Panzerscheffs „Rifistiaw“ mit
diesem zuiammen und sank safort. Der Kommandaut des
Bootes, der si auĩ Deck besand, wurde gerettet, alle andern
Insassen des Unterseebootes, der Chef der Unteneetootsab⸗
teilunte, Kapitän Bjelilom, zwei Deckoffijiere und 17 Ratrosen
ertrarku, Die „guamnbali“ verant in ine Tieft, von 28
Faden. C sind Maßtrahmen zut Hebung gesroffe—

. :

MoaMaeserne
VIIT.ABRAXX
Tamea AIISETEM
A——

ν
DIAv sIor
—
            
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