Full text : Dudweiler Zeitung

Berliner
Hheueste Pechrichten.

Erscheinen 2 mal täglich.
13 mal wöchentlich.
auch am Montag
morgeus u. abend4
Preis:
vierteljührlich We
monatlich

Außer der täglichen, mit zuver—
lässfigen Geschmack geleiteten
Anterhaltungsbeilage folgende
6 Gratisbeilagen
Deutscher Hausfreund,
dand⸗ und Hauswirtschaft,
Mode⸗ und Handarbeit,
Verlosungsblatt,
SZommer⸗Eisenbahn⸗Kursbuch,
Wbandfglende

Diese nun bereits im 29. Jahrgange stehende, bewährte
und angesehene Zeitung hat,
über den Parteien stehend,
mit anerkannten Erfolge der Aufgabe gedient, die
össeniliche Meinung und unser politisches
Leben immer mehr mit einem kräftigen,
deutschen Nationalbewußtsein zu erfüllen.
Die „Berliner Neueste Nachrichten“ bieten in Reichhaltig—
keit, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit ihres überall auf sicherste
Informationen gestützten, politischen Teils und in der vor—
nehmen Auswahl ihres Unterhaltungsstoffes
alles, was gebildete, deutsche Leser heute von
einer sührenden Berliner Tageszeitung erwarten
Ihr zweimal tägliches, also wöchentlich 13 maliges
Erscheinen und ein sorgfältig ausgebauter Näch—
richten die nst an maßgebenden Stellen des In- und Aus—
landes geben den Berliner Nachrichten den Rang eines
führenden Blattes, und die Montags-Ausgabe sichert
ihr bezüglich schnelIst er Information einen Vorrana
unter den nationalen Zeitungen.
Die „Berliner Neuesten Nachrichten“ haben das Vetrauen
der Beamten und Offiziere, sind aber auch bestrebt, Indu—
strie, Gewerbe und Handel in ihrer vollen
national-politischen Bedeutung zu würdigen,
Die Leitartikel, aus dem Geiste lebendiger Teilnahme an den
Tagesereignissen und frischer Initiative geschrieben, stellen sich
u. A. die Aufgabe, auch volkswirtschaftlich dem Begriff
einer wohlverstandenen Nationallpolitik Genüge zn tun, und
ihr Handelsteil ist vielleicht in der ggsamten natiodnalen
Presse Berlins der ein zige der den praktischen Be—
dürfnissen unserer Industrieller und Kaufleute, sowie der
Landwirtschaft durch Vollständigkeit und Schnelligkeit der
Börsen-Berichte (3. B. von den amerikanischen Börsen)
genüaft

SZur Prüfung — besonders für diejenigen,
die das Blatt unter der nenen Leitung noch
nicht kennen — senden wir
Probenummer umsonfst und portofrei.
Verlag der „Verliner Neueste Nachrichten“
Berlin 5W 48. Friedrich-Straße 23889.

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„Halt!“ Gebieterisch stietßz Irma dieses Wort hervor
und sprang auf, blaß, stolz und verächtlich. „Ich will nichts
mehr hören,“ sagte fie. „Sie beschimpfen mich, wenn Sie
denken, ich würde etwas anhören, was Sie auf diese
Weise erfahren haben. Ich will kein Wort mehr
hören.“
„Aber Sie müssen — Sie sollen!“ sagte Norbert.
Ihr Zorn ließ auch ihn jede Mäßigung vergessen.
Er sprang gleichfalls auf, und kaum wissend, was er tat,
umfaßte er ihr Handgelenk.
„Es ist zu Ihrem eigenen Besten. Sie können oon mir
denken, was Sie wollen, aber Sie müssen mich hören!“
rief er. Und dann fuhr er hastig fort: Mes. Treherne
war hergekommen, um Mr. Hastings zu sagen, sie besäße
ein Testament, das Mr. Darracote auf seinem Sterbebette
gemacht hat, und in dem er sein Vermögen einem Kinde
— seinem Enkelkinde, das mit einem Mann, der Peter
Wilkins heißt, bekannt ist, vermacht. Dieses Testament bot
sie Hastings zum Kauf an. Er sagte ihr, daß es, da es
nicht in der gehörigen Form abgefaßt ist, vor dem Gesetze
ungültig sei, und daß er die ganze Zeit von der Existenz
jenes Kindes gewußt hätte. Da drohte sie ihm, sie wolle
Ihnen das Testament zeigen, und sagte, Sie würden es
vor Ihrem Gewissen für gültig halten; und um dies zu
verhüten, versprach Mr. Hastings Mrs. Treherne eine halbe
Million Dollars von Ihrem Vermögen zu zahlen als Preis
für die Auslieferung des Testamentes an ihn.“
Die aufgeregte Stimme schwieg und die Finger an
Irmas Handgelenk lösten sich. Für einen Augenblic blid⸗
sich zwei totenblasse Gesichter schweigend an. Dann hob
das Mädchen die Hand empor und deutete auf die Tür.
„Gehen Stel!“ befahl sie. „Ob Ihre Geschichte wahr
ist oder nicht, dies Haus gehört mir, und es ist kein Platz
darin für einen — Spion.“
Er knickte zusammen, als ob die ausgestreckte Hand ihn
niedergeschlagen hätte.
Irmal“ schrie er auf. Verstehen Sie denn nicht —

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2
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ehen Ste denn nicht? Es war um Jhretwillen, daß ich
ieses tat. Wie hätte ich Sie sonst von der Unwürdigleit
sieses Mannes, den Sie heiraten wollen, überzeugen kön—
ien? Gott weiß, ich rede die Wahrheit, ich dachte nicht
im mich selbst; ich dachte nur an Sie, die jene beiden
»etrügen wollten. Es gab keinen anderen Weg. Ich habe
s nur für Sie getan.“
Nicht nur seine Worte — seine Simme, seine Augen
lehten leidenschaftlich um Verständnis und Vergebung.
Uber Irma, die stets nur fteundlich und liebevoll gegen
hn gewesen war, wandte sich kalt ab.
„Wenn es so weit gekommen ist,“ sagte sie endlich,
daß das, was Sie für mich fühlen, Sie zu unehrenhaf⸗
en Sachen verleitet, — dann ist es Zeit, daß sich unsere
Vege trennen. Was Sie getan haben, ist umverzeihlich.
Bitten Sie nicht um meine Verzeihung, sondern gehen
Zie!“
Er blickte sie noch einen Moment an, daß jeder
veitere Versuch nutzlos sein würde, wandte sich ab
und gina.

Der milde Schein der Frühlingssonne hatte Father
Thorne in den Garten hinausgelockt: Es war kein großer
Harten, aber eine Anzahl gerade in Blüte stehender Obst—
‚äume, ein paar Beete von Veilchen, Crocus und Hya—
inthen niachten ihn zu einem sehr lieblichen Fleckchen
xẽrde; besonders an diesem Nachmittage, da die Strahlen
»er Sonne alles noch verschönten. Der Priester hatte sein
Brevier gebetet, als er den Gartenweg auf und ab schritt;
iber jetzt wat das Buch geschlossen und er wandte seine
janze Aufmerksjamleit seinen Lieblingen, den Btumen zu;
er stand gerade vor einem Beete römischec Hyazinthen, die
er besonders gern hatte, als er hinter sich einen Schritt
auf dem Gartenweg hörte. Er wandte sich um und er—
hlickte Miß Darracote, die auf ihn zuschriti.
.Susanna sagte mir, daß ich Sie im Garten finden
vürde, Father. Ich hoffe, ich störe nicht,“ sagte die junge
dame, mit einem Blick auf das Brevier, das er in der
dand bielt

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—— O—
„ANein, ich bin fertig mit meinem Brevier,“ entgegnete
er. „Ich freue mich gerade über meine Blumen. Ich bin
iberzeugt, Sie haben in Argyle kaum schönere.“
„Ich weiß nicht,“ sagte sie abwesend. „Es sind große
Zyazinthenbeete dort, — ich sah sie heute Morgen.“
„Große, schwerfällige Ungetüme, wie die Gärtner sie
ieben,“ bemerkte er beinahe verächtlich. IIch mache mir
richts aus solchen. Diese hier sind die einzigen Hyazin⸗
hen, die Schönheit oder Grazie besitzen. Weil sie so hübsch
ind, passen sie zu Ihnen,“ fügte er lächelnd hinzu; „des⸗
zalb will ich Ihnen ein paar schenken.“
Er beugte sich bei diesen Worten über das Beet; aber
evor er eine Blume abpflücken konnte, legte Irma ihre
dand auf seinen Arm.
„Lassen Sie bitte die Hyazinthen jetzt, Father,“ sagte
ie. „Ich möchte Sie etwas fragen.“ a
Etwas in ihrem Ton, so ruhig er var, veranlaßde
Father Thorne, sich schnell emporzurichten und sie anzu⸗
»liden. Was er in ihrem Gesichte las, ließ ihn jeden Ge⸗
anlen an Hyazinthen vergessen.
„Mein Kind,“ sagte er, „was hat &C beunruhigt?“
„Was mich beunruhigt hat,“ antwortete sie liegt jen—
eits aller Hilse. Ich bin nicht hergekommen, um von mir
elbst zu sprechen, sondern, um Sie atwas u fragen: denn
ch bin überzeugt, Sie werden mir die Wahrheit sagen,
Jather, wer ist Lily Vidal?“
Das Unerwartete dieser Frage evrschreckte den Priester.
Er antwortete nicht sogleich, sondern sah sie augenschein⸗
ich zögernd an. Dann sagte er langsam:
„Gestern sagte ich Ihnen, daß ich auf Mr. Wilkins
Wunsch hin Ihnen keine nähere Erklärung über das Kind
zeben konne, und Sie erwiderten, daß Sie auch gar nicht
reugierig wären, und auch keine Fragen stellen wollten.
And jetzt —“
Jetzt habe ich etwas gehört, etwas was ich nicht
hnen konnte,“ sagte sie, als er inne hielt. Und ich muß
oissen, ob es wahr ist. Es ist meine Pflicht zu fragen
md zu erfahren, wer das Kind ist.“
            
Waiting...

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