Ar. 133. 23. Jahrg.
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— und Feiertage. — — —* x
SsSamstag, 12. Juri qo
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SZweites Blatt.
runft der Wolitit lefen zu wonen, wie das alte Wetber
auis dem Kaffeesatz zu tun pflegen. Unsere britischen Vet—
tern scheinen eine Annäherung zwischen den beiden Kai—
errcichen wie die Pest zu fürchten, auch hat man offen—
»ar Angst, daß das Pflänzchen der englisch-russischen En—
ente, das König Eduard im vergangenen Jahre gelegent⸗
ich seines Besuches aui der Reede von Reval pflanzte,
erdorren könnte, nachdem es anfangs während der Bal—
anwirren so lieblich zu sprossen begann.
In Rußlaud hat das Verhalten der enzlischen Re—
gierung in der persischen Frage anscheinend etwas abge—
iihlt. Der Wert der Triple-Entente ist dadurch bedeutend
Jesrinken. Um einer Erkaltung der englisch-rufssischen Be—
iebungen zu begegnen, ist man in eng ischen einflußreichen
dreisen bemüht, den russischen Ministerypräsidenten Stoly—
»in zu stürzen, der als „deutschfreundlich“ gilt. Daß Sto—
ypin den Zaren bei der Zusammenkunft mit Kaiser Wil—
zelm begleiten wird, spricht deutlich dafür, daß er das
Vertrauen seines Herrn noch besitzt. Damit gilt es jedoch
keinesfalls als ausgeschlossen, daß der russische Premier
nicht doch noch stürzen wird, denn der Zar ist bekanntlich
dem Einfluß der „echtrussischen Leute“ nur au leicht zu—
zänglich.
Auf dem Balkan ist doch immer etwas „los“. Kaum
ist die österreichisch-türkische und die türki'sch-bulgarische
Frage beigelegt, da zeigt sich wieder ein neuer Funken
im europaischen Pulverfaß. Die kretische Frage
st wieder aktuell geworden. Die Kreter wollen mit Grie—
henland einverleibt sein und die türkische Oberhoheit nicht
nehr anerkennen. Die neue Türkei scheint aber nun kei—
iesfalls geneigt zu sein, diesen Bestrebungen freien Lauf
zu lassen. Wenn sich die Großmächte nicht auf Seite Kre—
tas stellen, was wohl kaum zu erwarten ist, da man es
mit der Türkei nicht verderben will, will es uns schei—
nen, daß die Inselbewohner die Konjunktur verpaßt ha—
ben, denn zu Abdul Hamids Leiten wäre der Vutich eher
geglückt.
Darburg a. d. Elbe, die Gondel von der VFtrna Base u.
Zelve iu Altona und der Motor von der Firna Benz u.
Fo., Mannheim, geliefert. Die hier im Bau begriffene
Halle für das Lufischiff hat eine Länge von 80 Meter,
bei ciner Breite von 23 Neter und ener Hohe von 24
Meter. Das Kriegsminisierium hat in Anerkennung der
Bestrebungen der Gesellschaft einen Zuschuß von 16000
Mark für das erste Jahr und einen Peiteren Auichuß in—
die meiteren 4 Jahre vewilliat
Wochen⸗-⸗Runudsehau.
Die feierliche Ruhe, die in diesen schwülen Junitagen
in der Natur herrscht, hat auch das politische Leben an—
gesteckt. Die Parlamentsmitglieder erfreuen sich noch der
Pfingstferien, aber schon in den nächsten Tagen wird es
wieder interessante Sitzungen im Reichstage geben. Fürst
Bülow, der sich von den Konservativen in Sachen der
Reichsfinanzreform, bezw. in den einzelnen Steuervorla—
zen verlassen sieht, will am 16. Juni im Reichstage das
Regierungsprogramm entwickeln und vor allen Singen
seine Stellung zu den Rommisstonsbeschlüssen öffentlich
hundgeben. Wird er die von der neuen Mehrheit ange—
nommenen Vorlagen in Grund und Boden verdammen,
wird er den Block unter allen Umständen halten wollen,
oder wird er die ihm präsenterten 560 Mill. Stenuern
mit dem ihm eigenen verschmitten Lächeln hinneßmen?
Das ist die bange Frage, die sich in den Erörterungen
der lints-— und nationalliberalen Blättern widerspiegelt.
Noch weiß man nicht, was Bülow machen wird, we—
nigstens nichts bestimmtes. All' die ausgestreckten Fühler
tonnten den aalglatten Kanzler nicht zum Reden bewegen
und das ist das Seltsame der Geschichte. Unheimlich selt—
sjam! Am 16. Juni, wenn der Termin nicht wieder ver—
legt wird, um mit den Parteiführern Fühlung zu neh—
men, soll das Zünglein an der Wage engicheiden. Wird
es nach rechts oder wird es nach links entscheiden? Wir
wissen es vorläufig selbst nicht und müssen warten, bis die
Würfel gesallen sind. Ueberraschungen sind nicht ausgeschlos—
sen, jedoch wird an eine Reichstagsauflösung wohl kaum
zu denken sein, denn dann könnte sich der Kanzler allzu—
ieicht zwischen zwei Stühle setzen, und da sißt es sich ve—
ranntlich nicht angenehm.
Am Donnerstag hat das große Prinz Heinrich-Ren—
nen begonnen, und zwar erstreckt sich die Fahrt dieses
Mal bis nach Wien. Allzugroßer Beliebtheit erfreuen sich
diese Autorennen auf offener Straße bei dem Publikum
nicht, denn es ist nicht das erste MRal, daß unschuldige
Straßenpassanten und Neugierige den Kilometerfressern
zum Opfer fielen. Aher immerhin hat die klassische NAu—
tomobilfahrt, die nach dem begeisterten Förderer allen
Eports, dem Bruder des Kaisers, benannt ist, in der
Sportswelt große Bedeutung erlanzt. Eine eigene Au—
tomobilstraße, wie sie im Taunus projektiert war, würde
dieses Rennen auch wohl beim Publikum beliebt machen,
sofern keine Gefahr mehr für das eigene Leben besteht
doffen wir, daß dieses Mal aulles glatt abläuft.
Die Tagung des Flottenvereins in Riel hat
in weiten Kreilen einen ercreulichen Eindruck hinterlassen,
weil der neue Präsident, Großadmiral von Köster, öffent⸗
lich erklärte, daß man mit dem Reichsmarineamt Hand in
Hand arbeiten wolle und dem Verein irgendwelche Be—
tätigung auf anderen Gebieten, besonders auf dem politi—
schen fern liege. Nur dem Flottengedanten soll die Arbeit
gelten! Die Versammlung stand denn auch unter diesem
Zeschen und es ist im Interesse der deutschen Einigkeit zu
begrüßen, daß nun endlich der langersehnte Friede im Flot—
tenverein Einkehr gehalten hat. Wenn der friedliche Geist
auch fernerhin anhält, wird die erlittene Scharte wohl
hald wieder ausgemerzt sein.
Die Begegnung Kaiser Wilhelms mit
dem Zaren in der Ostfee hat namentlich in Eug—
land eine geradezu sonderbare Erregung erwecit,
während man in Frankreich durch möglichste Zurück—
haltung den Eindruck erwecken will, als handle es sich um
eine völlig belanglose Angelezenheit. Die Erregung der
Engländer ist deswegen sonderbar zu nennen, da Monar—
chenbegegnungen in neuerer Zeit doch etwas so Regelmä—
ßiges geworden sind, daß man für gewöhnlich dadei nicht
allzu viel Druckerschwärze für Kommentare zu verwenden
pflegt. König Eduard reist in jedem Jabre mehrere Male
durch Paris, hat dort Besprechungen mit den leitenden
Perfsönlichkeiten und doch begnügt sich die deutsche Presse
meist damit, die Tatsachen festzustellen, ohne aus der Dauer
des Händedruckes oder der getrunkonen Weinsorte die Zu—
Die PHeilkraft des Honigs. Die Bestandteile des
hten Bienenhonigs sind Traubenzucker und Fruchtzucker;
außerdem enthält er Ameisensäure, ätherische Oelte, Eiweiß
und Feittörper. Die Ameisensaure und“ die ätherischen
Dele verleihen ihm das feine Aroma, den köstlichen Ge—
chmack und seine Heiltraft. Der Honig ist ganz besonders
zu empfehlen gegen Husten, Heiserkeit, Katarrhe, Schnup⸗
en, Halsentzündungen. Ebenso heilsam wirtt er gegen
Prundfäule der Saäuglinge, eiternde Geschwüre, Brand—
Hunden usw. Wer täglich seinen Honig ißt, vorschließt
cInfluenza die Tur. Wie hoch ver Rährwert des ech—
ten Vienenhonigs ist, davon haben die wenigsten eine
Ahnung. Der Honig, weil von den Bienen verdaut, geht
direkt ins Blut über. Als Kraft-Fett und Wärmebilder
verdient er ganz besonders die Beachtung der sogenann—
en zarten Kronstitutionen: er ist zugleich die ausgiebigste
Quelle für Muskelkraft, wie Radiahrer und Sportsleute
zestätigen fönn⸗
Tedutsches.
Was ist ein Arkumuiator? Vei der gegenwärtig
großen Beroreitung der eiettrischen Taschenlanipen und
clektrischen tieinbeseuchtung, welche als Stromquellen klei—
ne Bleiatktkumulatoren besitzen, dürfte es manchen wiil—
fommen sein, über lettere einige Aufklärungen zu erhal—
en. Ein Ackumulator erzeugt elektrischen Strom nicht
eibst, sondern es wird letzterer von einem elektrischen
Stromerzeuger (Dynamomaschine, Chromsäureelement ꝛc.
entnommen und in dem Attumulator aufgesjpeichert oder
angesammelt. Aus diesem Grunde werden die ÄAtkumula—
oren auch elektrische Sammler oder Stromspeicher ge—
nannt. Die Bestandteile eines Akkumulators sind minde—
rens drei gerippte oder durchlöcherte Bleiplalten, ver—
dunnte Schweseisaure und ein Gefäß aus Glas, Zelltuloid
»ber Hartgunzmii. Die Oessnungen der drei Beeiplatten
verden nmit Bieiverbindungen ausgefüllt, und zuar zwei
Stück mit Bleiglätte und die dritie Bleiplatte mit Mten—
nige. Die Wirkungsweise eines Bleiatkumutators beruht
darauf, daß der von einem Stromerzeuger entnommene
eterische Strom und welchen man dem Akkumulator zu—
ührt, in letzerem ehemische Veränderungen bewirkt. Führt
nan nun längere Zeit einem aus obvenerwähnten Beflaus—
eilen zusammengebauten Akkumulator elettrischen Strom
u, welches „Laden“ genannt wird, so speichert sich in—
olge der chemischen Veränderungen im Alkumulator dort
lektrizität bis zu einem gewissen Grade auf. Diesen hat
in Attumulator erreicht, wenn sich an der Oberfläche der
zieiplatten und Schweseltäure starke Blasen und Knall—
as zeigen. Das „Laden“ des Atkumulators ist dann be—
ndet und kann derselbe nunmehr als elektrische Strom—
snaelle für kleine Glühlampen verwendet werden. Was
iese letßteren anbetrifft, so ist es sehr vorteilhaft, kleine
Sramlampen zu verwenden. Diese sind stromfparende
cetallfadenlampen, welche gegenüber kleinen Kohlenfaden—
ampen 70 Prozent weniger eleltrischen Strom zum Bren—
nen bedürfen. Aus diesem Grunde sind bei Verwendung
»on Osramlampen die betreffenden Atkumulatoren be
cutend länger zu gebrauchen, ede sich ein neues „Laden“
vieder ersorderlich macht. Dieses wiederholte „Laden“ isst
»eshalb von Zeit zu Zeit nötig, weil die betreff. Glüh—
ampe zum Brennen den im Alkumulator aufgespeicherten
lektrischen Strom verbraucht, also den Aktkummator „ent⸗
adet“. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß bei Taschen—
ttumulatoren die verdünnte Schweselsäure durch Beinrisch⸗
ing von Wasserglas, Glaswolle und ähnlichen Substan—
en in gallertartige Masse umgewandelt ist, so daß aus
ziesem Grunde ein Ausfließen von Schwefelsäure nicht
tattiinden kann. (Techn. Bel.Korxesp.)
7 ⸗ * *
Landwirtchnftliches.
Das Hacken und die Grhaltung der Boden—
feuchtigkeit. Es unterliegt keinem Zweifel, daß mit
dem Behacken der Saaten ꝛc. nicht nur die Beseitigung
von Unkräutern, die bessere Lockerung und Durchrüstung
des Vodens, sondern auch eine erhedliche Einschräncung
der Verdunstung des Wassers aus der Bodenoberfläche er—
zielt wird. Letzteres ist darin begründet, daß die Fähig—
eit des Bodens, das Wasser bis an die Oberftäche zu
eiten, wo es verdunstet, durch das Auflockern der obersten
Bodenschicht unte Hrochen wird. Allenthalben ist im Ver—
zleich zu unbehackt gebliebenen Flächen auf den behackten
eine Ertragssteigerung zu beobachten. — Es ist auch her
vorzuheben, daß das Behacken der Baumscheibe in trocke
nen Jahren auf den Ertrag der Obstbäume erfahrunasce
mäß eine günstige Wirkung ausübt.
Reben-Schädlinge und RebeucNützliuge. Die
Landwirtjchaftskammer für die Rheinprovinz hat eine
größere Anzahl der von dem belannten Forscher Ew. H.
ztübsaamen herausgegebenen Broschüre: „Die wichtigsten
deutschen Reben⸗Schädlinge und Reben-Nützlinge“ erwor—
ben. Um das Werkt allen Interessenten zugänJeich zu ma—
chen, ist der niedrige Bezugspreis von 530 Pf. uund 39
Pf. Porto in Ansatz gebracht worden; der Buchbändlerpreis
beträgt 4 Mark pro Stück. Bestellungen sind an die Land—
wirt chaftskammer für die Rheinprobvinz in Bonn, Bis—
marckstraße 4 2u richten
—ZAAAAAcAW
— *
Spiel und Tport.
(y) Juternationale Luftschiffahrt-Ausstellung in
Frauksfurt a. M. Seine Majestat der Ratser hat der
Ila“ einen Preis zur Verfügung gesiellt. — Ueber das
von der Rheinisch-Wesifül schen Motoriuftschiffgesellschaft in
Slberfeld unter Leitung des vekannten Luft'chiffers Oskar
Erbslöh erbaute Luftichiff, sind wir heute in der Lage,
genauere Angaben zu machen. Das Lu ischiff enthält 3000
Kubismeter und wird nach dem unstarren System kon—
truiert. Es behberbergt einen Motor von 125 PS. und
)at eine Tragsähigkeit von 20 Personen, die Hulle wird
von den Bereinigten Gummiwarensabriken Harburg-Wien
ιιααα ιααιÑασœνα αͥ
Irma
—
Irma stieg das Blut in die Wangen. „Setzen Sie sich,“
agte sie schnell, „und lassen Sie uns etpas plaudern.
Weshalb haben Sie sich so lange nicht sehen lassen?“
„Weil mir nichts anderes übrig blieb, als fern zu
bleiben,“ antwortete er. „Wie wenig müssen Sie verstehen
— oder sich daraus machen, was ich gelitten habe, da
Zie solch' eine Frage stellen!“
„Denlen Sie, ich hätte nicht auch gelitten?“ sagte sie.
Mehr als ich sagen kann, hat mich der Gedanke gepeinigt,
daß durch mein Glück Ihnen Schmerz bereitet wird. Ich
vollte Ihnen dies gerne sagen, aber Sie gaben mir keine—
Belegenheit dazu.“
„Was hätte es genützt, wenn Sie es mir wirklich ge⸗
'agt hätten?“ rief er aufgeregt aus. „Meinen Sie, ich
vüßte nicht, daß ich Ihnen leid tue, wie Ihnen vielleicht
ein Hund, der Schmerzen leidet, leid tun würde. Aber
olche Ausdrücke von Sympathie nützen nichts, und da ich
elbst nicht imstande bin, Komödie zu spielen, zu gratu—
ieren und mich zu stellen, als ob ich nichts empfände, so
jielt ich es für besser, fort zu bleiben. — Ich bin auch
jetzt nicht hergekommen, um von mir selber zu sprechen.
Meine eigenen Empfindungen sind nebensächlich. Ich bin
hergekommen“ — er hielt einen Moment inne, um dann
heftig fortzusahren — ‚„um Ihnen Schmerz zu bereiten —
um mich Ihnen verhaßt zu machen — aber, gleich viel,
um eine Pflicht zu erfüllen.“
Seine letzten Worte und der Ausdruck von Festigkeit
in seinem Gesicht erfüllten Irma mit plötzlicher Furcht.
Ein Instinkt sagte ihr, daß dieser Mann nicht gekommen
ei, um Entschuldigung zu bitten, oder ihr Glück zu wün—
chen, sondern um ihr etwas mitzuteilen, das sie bis ins
Innerste treffen würde. Ihr Herz krampfte sich bei diesem
Bedanken zusammen. Ihr Gesicht war bleich, zeigte aber
ꝛinen Ausdrudk von Festigkeit. Als sie zu sprechen begann,
lang ihre Stimme fsehr ruhig.
„Ich bin überzeugt, daß es Ihnen nicht leicht wird,
nur Schmerz zu bereiten.“ jaate ne, .Und ich werde Sie
Ach nicht hassen, weil Sie eine Ppflicht erfulen mussen,
»bgleich ich mir nicht denken kann, welche »öflicht Sie ge⸗
zen mich zu erfüllen haben. Aber was es auch sein möge
— sagen Sie es mir bitte gleich.“
„Ja, das ist das beste,“ stimmte er ein. „Nur möchte
ich Ihnen versichern, daß ich in dieser Sache nicht an
nich selbst denke —“
„Wie Sie vorhin selbst bemerkten, sind Ausdrücke von
Sympathie und Bedauern ja zu nichts nütze,“ sagte sie.
„Was tut es deshalb, ob Sie an sich jelbst denken oder
anicht? Deshalb sagen Sie mir alles.“
Ihr Ton war beinahe befehlend, und der Ausdruch
ihrer Augen ernst und streng. Sie war kein ängstliches
sind mehr, sondern ein Weib, das bereit ist, den Mann,
den es liebt, zu verteidigen.
„Ich wollte nur damit sagen, wie leid es mir tut,
Ihnen diese Mitteilung zu machen,“ sagte er. „Also kurz
gesagt, es ist folgendes: Ich ging diesen Morgen in Mr.
Hastings Haus, um an dem Bild, das ich in seinem
Auftrage begann, weiter zu malen. Während er mir saß,
erschien ein Diener und meldete, daß eine Dame ange⸗
'ommen sei, die Mr. Hastings zu sprechem wünsche. Er
zing hinaus, und ich, aus besonderen Gründen hätte gern
jewußt, was es war. Deshalb trat ich ans Fenster und
erblickte Mrs. Treherne.“
„Nach ein oder zwei Minuten,“ fuhr Norbert fort,
‚verließ Mrs. Treherne ihren Wagen, und ich sah, daß
Sie mit Mr. Hastings zusammen das Haus betrat. Sie
!amen in das Wohnzimmer. das direkt neben dem Atelie
liegt und — ich hörte, was sie sprachen.“ —
„Und Sie horchten?“ fragte Irma ungläubig. Er
warf verächtlich den Kopf zurück.
„Ja, ich horchte. Darf ein Mann nicht horchen, wenn
es sich um ein Bündnis gegen sein Leben handelt? Und
dies war mehr — weit mehr. Es war ein Bündnis gegen
Ihr —“
Sie erhoo ihren Fropf etwas stolz. Sie kannten sie
noch nicht, diejenigen, die ihr etwas zu verbergen suchten.
Hastings hatte sie vor Belästigung bewahren wollen —
davon war sie überzeugt und dankbar für seine Aufmerk—
samkeit. Aber sie wollte ihm sagen, daß sie lieber etwas
Unangenehmes hören wolle, als ihre Augen allem mensch⸗
lichen Elend zu verschließen. Wegen ihres Versprechens
wollte sie Mr. Wilkins nicht nach der Geschichte fragen:
Hastings selbst sollte sie ihr erzählen; sie wollte nicht län—
ger in Unwissenheit bleiben. In diesem Punkte hatte sie
einen festen Entschluß gefaßt.
n
Irma sprang freudig auf, als sie den Namen Nor—
dert auf der Karte erblickte. Sie hatte alles vergessen,
womit er sie bei seinem letzten Hiersein gekränkt und be—
leidigt hätte, und ihr treues Herz sehnte sich nach Wieder—
herstellung ihrer alten Freundschaft. Sie zweifelte keinen
Augenblick daram, daß er nur gekommen sei, um für seine
unüberlegten Worte um Entschuldigung zu bitten, die sie
ihm schon längst verziehen hatte. Sie rief Margherita und
dat sie, mit ihrer Arbeit sich zu dem schlafenden Kind zu
setzen. Dann lief sie schneil herunter.
RNorbert, der am Fenster der Bibliothek stand, wandte
sich bei ihrem Eintritt hastig um.
Irma schritt ihm freundlich lächelnd entgegen und
agte:
„Es war die höchste Zeit, daß Sie mich wieder ein—
r besuchten. Sie haben so lange auf sich warten
assen.“
Als sie seine Hand schüttelte und er sein Gesicht mehr
dem Lichte zuwandte, rief sie erschreckt aurs: „Sind Sie
rank? Sie sehen so schlecht aus!“
„So?“ entgegnete er gleichgültig. Nein, ich bin nicht
rank, wenigstens körperlich nicht“