Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

ganzen Vande herrsche Ruhe und zuversichruches Vertrauen.
Kaufmännische Kreise in Santander erfuhren, daß der
Präfident von Venezuela das Erlöschen des Exportzolles
auf Kaffee, Kakao und Leder verfügte. Es sollen auch
Importzölle abgeschafft worden sein

Die Prinz Heinrich-Fahrt.
Unsere heutige Karte gibt eine ausführliche Uebersicht
über die am Donnerstag in Berlin begonnene Prinz Hein—
rich-Fahrt. Diese Tourenfahrt, an der nicht weniger als
160 Wagen teilnehmen, zerfällt in 5 Etappen. Die erste
führt von Berlin über Giben nach Breslaun, die des zwei—
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Ungarn, die dritte von dort nach Budapest, die vierte
nach Wien, die fünfte über St. Pölten und Linz nach
Salzburg und die sechste von dort über Rosenheim nach
München. Die Länze der verschiedenen Tagesstrecken ist
verschieden, sie beträgt 354, 393, 312, 263, 306 und 203
Qilometer

Enlenburg wieder daheim!
Der Staatsanwaltschaft scheint es angesichts der Em—
pörung der öffendlichen Meinung wegen der Gasteiner
Badereise des des Meineides beschuldigten Für—
sten Eulenburg doch etwas ätzlich geworden zu sein, denn
sie hat Phili schleunigst nach Hause kommen lassen und
ihn in seiner Berliner Wohnung untergebracht. Es heißt,
das Verfahren würde jetzt durchgesetzt, wenn Phili den
weisen Herren von der Staatsanwaltschaft nicht doch noch
zuzuterletzt ein „Schnippchen“ schlägt. Vor allen Dingen
wird er jetzt durch die „Anstrengung der Reise“ wieder
totkrank werden oder vielleicht schon sein. Hoffentlich wird
die Staatsanwaltschaft jetzt Ernst machen und den „tot
kranken“ Eulenburg als Simulanten betrachten. Wenn man
die Strapazen einer Reise nach Gastein aushalten kann,
wird man auch wohl einige Tage im Gerichtssaal aushar—
ren können, ohne dann gleich „sterben“ zu müssen. War—⸗
ten wir 'mal ab, wie es kommen wird. Nach all' dem,
was in dem Verfahren Eulenburg vorgefallen ist, glauben
wir an eine strikte Durchsetzung der Verhandlungen noch
nicht recht. — Fürst Eulenburg ist Freitag morgen, von
Prag kommend, auf dem Anhalter Bahnhoj eingetroffen.
Er verließ mit Unterstützung der Fürstin und des Dieners
den Wagen und wurde von zwei Gepäckträgern auf einem
Stuhl die Treppe herabgetragen. Er hat sich in seine
Berliner Wohnung in der Königin-Auausfto-Straße begeben.

Kunst und Wissenschaft.
* Versuche mit drahtloser Telephonie. Wie aus
Toulon berichtet wird, wurden die Versuche mit der draht⸗
losen Telephonie beendet. Der Kreuzer „Conde“ erhielt
von der im Arsenal befindlichen Station noch auf eine
Entfernung von 166 Kiometer deutlich vernehmbare Mit—
teilungen, eine Entsernung, weiche der von Nizza nach
Korsita gleichtommt. Durch die Versuche wurde über—
dies festgestellt, daß die drahtlose Telephonie von der
atmosphärischen Elektrizität, die bei der Funkentelegra—
phie so störend wirkt. nur in sehr geringem Maße
beeinflußt wird.

Vermischtes.
Die dreijährige Klaviervirtuosin. In London
tritt gegenwärtig die drei Jahre alte kleine Spanierin
Pilar Osorio auf; die die Werke von Chopin, Mendelssohn
und Haydn mit einer Reinheit und Kunst auf dem Kla—
vier wiedergibt, die von manchem geübten Pianisten nicht
erreicht wird. Die kleine Pilar ist in Leipzig geboren
wo sich ihre Eltern kurze Zeit aufhielten, als Nikisch ih—
ren Sohn Pepito, den bekannten junzen Geigenkünstler,
hier ausbildete. Roger de Chatellaur hat dem neuen
Wunderkind einen Besuch abgestattet, über den er in der
„Daily Mail“ berichtet. Ueber die Entdeckung des musi—
kalischen Genies dieses Mädchens erzählte seine Mutter
hierbei folgendes: „Als unsere kleine Pilar 28 Monate
alt war, sang ihr unser Mädchen einst ein deutsches Volks—
lied vor, waͤhrend die Kleine auf dem Teppich spielte.
Das Baby stand auf, ging auf das Klavier zu, kletterte
an dem davorstehenden Sessel empor und versuchte die
Tasten zu finden, welche das Lied wiedergaben, das es
soeben gehört hatte: Und wirklich konnte sie es nach ei—
nigen Versuchen fehlerfrei wiedergeben. Das Dienstmäd⸗
chen war hierüber mehr erstaunt und erschrocken als er—
freut. Sie rief mich herbei, um mir die Neuigkeit zu
melden, und auch ich verwunderte mich über das Spiel
meines Töchterchens“. Die gegenwärtig 37 Monate alte
Pilar beherrscht ihre Muttersprache, das Spanische und
das Deutsche noch nicht vollkommen. Aufgewachsen ist sie
in Berlin, wo ihre Eltern ihren ständigen Wohnsitz ha—
ben, nachdem ihr Vater seine medizinische Praxis in Mad—
rid aufgegeben hat, um sich ganz der musikalischen Er—
ziehung seiner beiden Kinder widmen zu können. De Cha—
ielleur berichtet weiter über die ihm von Pilar vorge—
spielten Stüce: Mendelssohns Frühlingslied, ein Kon—
zertftück von Espinoza und ein Rondo von Haydn. Mit
Leichtigkeit spielte das Wunderkind die Triller und die
schnellen Passagen dieser Stäicke und ihre kleinen Finger
scheinen während des Spiels zwischen den Tasten ihres
Kinderklaviers vollitändia zu verschwinden. Freitich besitzt

dlein-Rilar noch eine Eigentumlichkeit, die bei ihrem ju—
gzendlichen Alter aber nicht verwunderlich ist. Als eigen—
inniges Kind spielt sie nur, wenn es ihr paßt und sie
Lust dazu hat, und sie ist schwer durch Ueberredung oder
Zewalt zu zwingen, ihr musikaliiches Talent zu zeigen.
* Die „Echwarze Hand“. Die Polizei hat in Ma—
ion (Ohio), einen italienischen Obsthändler namens Lima
erhaftet, in dessen Hause sie Hunderte von Briesschaften
uffand, die seine Zugehörigkeit zu der Bande der Schwar—
zen Hand beweisen.“ Man hält sein Haus für das ameri—
kanische Hauptquartier der Bande. Seine Verhaftung, so—
wie die von sieben weiteren Mitgliedern der Bande dürfte
zur Verhaftung des Mörders des Polizeileutnants Petro—
sino führen, der am 13. März in Palermo getötet wurde
Die aufgefundenen Bücher zeigen die ungeheure Verzweig—
ung des Briefperkehrs an, sowie die Art der Geldverteil—
ung unter die Mitglieder und enthalten mehrere Hunder“
von Namen von Opfern.
Die schädlichen Jusekten und die Vogelwelt.
Entsprechend der Bedeutung, welche der heimischen Vogel—
welt in bezug auf die Verminderung der schädlichen In—
sekten zukommt, wurde seitens der biologischen Abteilundg
fur vVand- und Forstwirecanee nn szraiferlichen Gezund
heitsamte diꝛe Frage nach dem Wert der einzelnen Arten
sortdauernd sudiert. Durch die ausgeführten Versuche ha—
ben wir jetzt eine vollständige zeenntnis des Nahrungsbe—
dürfaisses der inseltenfressenden Vögel erhalten und wissen
auch, daß dieses Nahrungsbedürfnis außerordentlich groß
ist und in einem bestimmten Verhältnis zum Körperg
wicht des Vogels steht: je lleiner der Vogel, desto größe
ist verhältnismäßig sein täglicher Bedarf an Nahrung.
Bei den kleinsten Vögeln, welche bei uns vorkommen, den
Go dhähnchen, Zaunkönigen, Baumläusern, beträgt die
tägliche Trockensubstanzzunahme in der Nahrung etwa 30
Prozent des Lebendgewichts, bei den Meisen 20 bis —
Prozent, beim Star etwa 10 Prozent ꝛc. Durch eine Ver—
mehrung der Vogelwelt wird also die absolute Möglichten
geschaffen, die Insekten in ihrer Zahl wesentlich zu ver—
uingern.
Berein verlasseuer Ehemänner. Cin Verein, der
wohl einzig dastehen dürfre, ist in Höchsst a. M. in der
Gründung bdegriffen. Das dortige „Kreisblatt' bringt fol—
jendes Inserat. „Verein verlafsener Ehemänner und Ehe—
rauen. Die große Zahl der Fälle in Höchst und Umge—
gend, daß Ehefrauen ihre Männer, ihre Familie auf un—
hrliche Weise im Stich lassen und durchgehen, zwingt uns,
nit dem Vorschlag an alle Leidensgenossen heranzutreten,
rinen Verein zu gründen, in welchem wir uns Rat er—
jolen, die gegenseitigen Ersahrungen auszutauschen und,
vo die Verhältnisse danach angetan sind, den Versuch ma—
hen können, den Kindern wieder zur Mutter, dem Gat—
en wieder zur Frau oder doch zu seiner Ehre zu ver—
delsen . ..
„Zeppelin“ ver Kaiser Franz Josef. Aus Wiener
Zofkreisen wird mitgeteilt: Kaiser Frauz Josef gedenkt
m Laufe des Monats nach Ischl zu reisen, wo er seinen
Zommeraufenthalt zu nehmen gedenkt. Von hier aus be—
bsichtgt Kaiser Franz Josef, am 27. oder 28. August
ich nach Bregenz zu begeben, wo er an der Zentenarfeier
eilnehmen wird. Auf dieser Reise wird er dann die gün—
tige Gelegenheit benutzen, um sich einen Aufstieg des
Zeppelin anzusehen, wie er es seinerzeit mit dem Kron—
rinzen bei dessen Besuch in Wien verabredet hatte. Ue—
»er den Ort des Aufstieges und der Begegnung mit dem
fliegenden Grafen“, wie Kaiser Franz Josef den Grafen
Zeppelin nennt, sind bestimmte Abmachungen noch nicht
zetroffen worden. Es ist aber anzunehmen, daß der öster—
reichische Herrsher nach dem Bodensee kommen wird, da
er die ganze Anlage, die Fabrik und Betriebswerkstätten,
owie die Lustschiffwerft besichtigen will. Der Aufstieg
vürde ungefähr am 31. August oder am 1. September
tattfinden. Ueber den genauen Termin des Besuches des
aisers Franz Josef werden sehr bald genaue Abmach—
uingen getroffen werden, da der Kaiser bekanntlich den
Brafen Zeppelin aufgefordert hat, am Ende des Monats
Iugust erst nach Berlin zu kommen, da dann der Kaiser,
owie der größte Teil der Berliner Bevölkerung in Ber—
lin anwesend sein werde. Es ist darum darauf Rücksicht
zu nehmen, daß diese beiden Ereignisse nicht kollidieren.
Voraussichtlich wird die Berlinreise des „Zeppelin“ erjt
nach der Vorführung vor Franz Josef stattfinden.
Wirtshausabsaur als Puundefutter. Es sei da—
oor gewarnt. Nicht selten kommt es vor, daß Hunde durch
den fortwährenden Genuß von Wirtshausadfätlen schwer
ind lebensgefährlich eriranken. Die gewürzte, oft mit Zi—
jarrenasche, Zigarrenstummeln und dergleichen vermischte
dost ist viel zu scharf, wird leicht sauer und greift die
Zerdauungsorgane, besonders den Magen der Tiere an.
Zie wird auch Ursache zu anderen Leiden, wie Triefau—
sen, Ohrwurm, Feteräude, rote Flechte usp. Muß die
Wirtshauskost zeitweise als Nahrung genommen werden,
o sehe man auf alle Fälle darauf, daß Zündhölzer, Sta—
tiol, Korke, Stummel und Asche von Zigarren nicht dar—
in sind. Für gewönhnlich aber reiche man dem Hund die
hm als Haustier bekömmlichere gemischte Kost aus Hül—
enfrüchten, Reis, Grütze, aufgeweichtem Hundeluchen mit
dnochen- und Fleischrusaß.

—ZEXceIE
Sprachecke.
Jemand einen Deukzettel geben. Das in seinem
zweiten Bestandteile auf das labeinische schedula zurückge—
jende Wort bedeutet von Haus aus ein Blatt Papier, auf
dem man für sich etwas vermerkte, um sich gegebenen
Falles daran erinnern zu können. Jedenfalls ein sicheres
HYittel als der bekannte Knoten im Taschentuche. Er ist
eigentlich der Vatcer unserer „Notizbücher“. Natürlich konnte
nan einen solchen Denkzettel auch einem anderen geben,
um seinem Gedächtnisse aufzuhelfen. In Hans Sachsens
„Kaufmann mit der Sackpfeife“ erhält dieser, im Begriff
iach der Frankfurter Messe zu reisen, von allen feinen
Nachbarn Aufträge und läßt sich von ihnen Denkzettel dar—
iber schreiben, um ja an Ort und Stelle keinen der Auf—
räge zu vergessen. Sicherlich würde er auch keine der
rusgetragenen Besorgungen unterlassen haben, wenn ihm
ucht ein widerwärtiger Windstoß alle diese Denkzettel in
den Main entführt hätte. Wie man sieht, hat dieser Denk
zettel noch durchaus nicht die böse Bedeutung von heute,
aach der er ein Etwas ist, bei dessen Anblick der andere
ich an gewisse unangenehme Dinge erinnern soll. Aber er
ꝛrhielt diese Furbung früh genug. In diesem Sinne
önnen nun aber auch allerhand Dinge, Vorgänge u.
a. (3. B. Krankheiten) dem Menschen einen Dentzettel
zinterlassen („geben“), der ihn an vergangene Uebel er—
nnert.

Humoristische Ecke.
*Motivieri. Huberbauer, der seine Frau mit ei—
nem Schreiben in die Stadt zum Amtmann schickt: „Alte,
venn d'r Herr Amtmann sagt', i' hätt' net schön ischrie—
en, sagst, s wär g'rad a Erdbeb'n lemma!“
*sBeim Heiratsvermittler. „Das Mädel
gefällt mir nicht, mit dem Sie mich bekannt gemacht ha—
en. Nicht nur, daß sie kein Geld hat, sie ist auch nur
daut und Knochen.“ — „Ich sagte Ihnen a eleich .....
ie hat nicht v'iel.“
*Kein Wunder. Junge Frau: „Denk' .Dir nur,
Nännchen, ich habe mit dem Hotelbesitzer franzöfisch ge—
prochen und er verstand mich nicht!“ — Ehegatte: „Kein
RZunder, Liebchen; er iit nämlich Franzose!“

Cokales.
Personalnachrichten. Der Berginsektor Vo winckel
)es Steinkohlenbergwetis Gerhard ist im Tausche mit dem
zerginspektor Ftomme vom 1. Juli 1909 ab an das Berg—
evier Duisburg versetzt worden. Der Obersteißger Ris des
Zteinkohlenbergweris Dudweiler ist auf seiken Antrag vom
l. Jult ab in den Ruhestand verfetzt wotden. Der Steiger
LBhil'pp Baurer des Steinkohlenbergwerts R⸗den in auf
einen Antieg vom 1. Inli 1909 a6 in den Ruktestand ver—
etzt worden.
Theater. Sonntag, den 13. d. M. finden im Soale
des Herrn Baldes zwei Vorstellungen fstatt. Abends 8.30
Uhr gelangt das historische Lusspiel Czar und Zimmermann
zur Aufführung, wahrend nachmittass 4 Uhr als Kinder—
»orst, lung das beltebte Märchen Hänsel und Greetel oder
die Knusperbexe aegeben wird.
Vom Ruhrkohlenmarkt schreibt das Essener Glück—
auf: Die allgeineine Lage dat sich im Mai gegenüber dem
Vormonat im großen und ganzen wenig verandert. Unter
Beyückschtianng der allgemeiren wirtschaftlichen Deptession
ann der Absatz in Kohlen und Briiketts als befriedigend be—
eichnet werden, uneue MNengen brauchten, abgesehen von eini—
jen Speziolsorten, im Mai nicht auf Lager genommen zu
verden. Die Zahl der Freieischichten hielt sich auf der Höhe
des Vormonate. Die Wasserstandsperhältn sse dis Rheins
ießen zeitweise zu wünschen übrig, jedecch war im ganzen
»er Versand über diese Verkehrssraße im Berichtsmonat
echt lebhast. In Fett-, Gas- und Gueflammklohlen entsprach
»er Versand im Mai ungefähr dem des Vormongats. De—r
Absatz in Eß- und Magerlohlen gestaltete sich etwas besser,
edoch mußten von einigen Sorten, insbesondere mageren
leinen Nussen und Förderprodulten noch Mengen auf Lager
zsenommen werden. Die irostlose Lage auf dem Koksmarkt
jat fich noch nicht geändert, auch liezen keine Anzeichen für
ine Besserung in absehbarer Zeit vor. Die bereits im letz⸗
en Bericht erwähnte Abschwächung von Hochofeukoks nahm
m Berichtsonat weiter zu, so daß es nicht mößglich war,
ie Kokereilen in vorgesehenem Umfange zu beschäfiigen. Die
Abrufe in Brech- und Siebkols bewegten sich auf der Höhe
»es Vormonats. Die im Aptril verzeichnete geringe Besserung
imm Brikettabsatz hat im Berichtsmonat angehalten.
Direkte Abfertigung von Reisenden ouf kleine⸗—
een Stationen. Die von uns s. 8. mitgeseilte Neuerung
sinsichtlich der dnekten Abfertigung von Personen auf kleine⸗
en Siationen hat sich hierbei um die Ausrüstuug der kleine⸗
en Stationen in der Nähe größerer Bahnhöfe mit den Per—
onenfahrpreistafeln dieser letzteren Stationen. So kann bei⸗
pielsweise die Fahrkarten-Ausgabe Karthaus nach allen
olchen Stationen Fahrkarten verausgaben, nach denen die
Zieigtafeln von Trier-Hauptbahnhosf Sätze vorsteht. Der
sttisende hat also neben der Bequemlichkeit, auf der Absteize⸗
tation eine direkte Fahrkarte bis zur Zielstation zu bekom—
men, noch den Vorteil, daß aufgrund der direkten Fahrkarte
uch etwaiges vom Reisenden mitgeführte Gepäck bis zur
—
übfertigung nach der nächstgelegenen gröhßeren Station mög⸗
sich war, çuf der dann die Weiterbehaßsdlung vorgenommen
verden mußte. Es empfieht sich nur, bei Inanspruchnahme
hes eingangs geschilderten Verfahtens möglichst frühzeit g am
Schalter die Karte zu lösen, da diese nicht gedruckt vorliegt,
ondern jedesmal von den Schalterbtamten handschriftlich her⸗
estellt werden muß.
Auffindung nnerschöpflecher Kohlenreichtümer.
In Mittelasien längs der Bahn nach Andishan, südlich von
Samarkand und weiter einige hundert Werst längs der
zahn bis zu ihrem Eadpunkte sind, nach Mitteilungen, deren
‚olle Beftätigung man wohl erst noch abwarten muß, soeben
merschöpfliche Steinkohlenlager entdeckt worden, die noch für
iele Jahrhunderte die Wel— mit Kohlen zu versorgen im—
tande sein werden. Die Mächtigken dieser Flötze, z. B. bei
er Station Melnikowo, erreicht 8 Faden. Die Zadhl der
Zchichten, die von anderm Gestein unlerbrochen übereinander
elagert sind, beträgt bei der Station Werewlino 14. Und
ziese gewalltigen Bodenschätze — in einer Gegend, wo jetzt
ein Baum und kein Strauch wächst. Die Qualität der
dohle ist nicht hoch, sie fteht der Donzekohle etwas nach.
Dafür hat sie andere wertvolle Eigenschaften, nämlich eine
geimischung von Schwesel, etwa 1 v. H., und Asche, etwa
v. H. die sie also weniger zur Metallbearbeitüng im
hüttenwesen, als vielmehr zum Heizen geeignet macht. Leider
st das Hauptkohlenbecken von der Bahnlinie selbst durch
inen ziemlich hohen Gebirgszug abgeschnitten. Der Direktor
er Filialen der Chinesischen Bank in Mittelasicn machte vor
inigen Jahren den Versuch, seine Kohlengruben unweit von
Samarkand mit der Eisenbahnstation Rostowzewo durch einen
Schienenweg zu verbinden. Er gründete eine Altiengesellschaft
ind verbrauchte Leinhalb Mill. Rubel zu seiner Bahn, kdonnte
den Bau aber doch nicht vollenden, auch dieses mißgiückte
Anternehmen hatte alle vor ähnlichem abgeschreckt. Im
»erbst 1908 aber erwarb Batschuwlow das Recht der Koh—
enausbeute auf einem sehr großen Gebiet, etwa 3000 Deß⸗
atinen Bodenfläche zu dem fabelhaft niedrigen Preise von
in Zehntel Kopeken pro Pud Kohle. Batschuwkows Kohlen
jegen auf 18—36 Faden unter der Erdobe:flaͤche, sind aber
dn unerfchöpflichem Reichtum. Im September 1908 kaufte
zatschuwkow das Land zur Anlage eines Schtienenweges,
ieß die Bahn trassieren und binnen vier Monaten war die
gahn von den Gruben bis zur Stasion Skobelewo 37
Veist lang, fertig. Die Ingenieure haben die natürliche
Zeninng des Geländes von den Gruben bis zur Station
Fenutzt und die Bahn durchweg mit einem Gefälle von
,013 Fuß angelegt. Die beladenen Kohlenwagen rollen
aher ohne irgen) eine Zugkraft von selbst bis zur Station;
ie werden nur von eiuigen Bremsern begleitet. Der Trans⸗
jort der Kohle von den Griuben kostet daher so gut wie
nichts, während „Batschuwkow früher dafür etwa leinhalb
dopeken pio Pud bezahlte. Den Rückweg machen die leeren
Wagonetis vermittels einiger Pferde, die demrächst durch
ine kleine Lokomotive ersetzt werden sollen.

NAus VNah und Fern.
* Saarbrücken, 11. Juni. Eine großz Anzahl Ba—
denser ladet seine Landsleute von Saarbrücken und Umge⸗
jend zwecks Gründung eines Badenser Vereins ins „Cafe
Iinglert“ Schloßstraße Nr. 30 für Sonntag nachmittag 4
Ahr freundlichst ein. Es soll bezweckt werdeun die vereiuzelt
ebenden Badenser am Saarstiande empor zusammenzuschließen.
Treue und Liebe ihrem Herrscherhause und Vatetcland zu
flegen, sie über alle Vorkommnisie des Badischen Landes zu
interrichten, gesellige Unterhaltung und den Mitgliedern in
drankheits und unverschuldenen Notsallen mit Rat und Tat
ur Seile zu stehen. Drum auf Badenser mit Familienange⸗
sörigen in's „Cafe Englert“!
            
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