Aummer 5
Tel. 69, 269 2008 nub 1261. Blenstag, den 5. Zanzacare 150.
dGeitungetiste
—*4
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9
Mit Reilagen: „Relsetristische Wochenschrifte‘ und
„Lustige Blätter“.
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Allgemeiner Anzeiger wir den Zürgermeistereibe
Di weiler.
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monatlich 70 2
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— — —
Die „Dudweiler Zeitung“ h mit Ausnahme der Som.
und veiertage.
110 Bfq. . jr J
miehrmaligen Inserationen
224
2eller
nedaktion.
360
—*2
Die französischen Seratswahlen
Noch kurz vor Schluß der außerordenttichen Session,
jatte das Ministerium Clemenceau urch zwei Mißer—
oge einen gesfährlichen Stoß erhalun, und man war
u der Annahme geneigt, daß es ei es der ersten Opfer
es neuen Jadres sein würde. F
e li sade Erschütterung de Autorität der jetzi⸗—
sen Regierung wurde durch das Fieslto der auf die Mi—
ien und die Eisenbahn von Weu a in Algerien be—
üglichen Vorlage verursacht. Hinte den Regierungstu—
issen hatte man keine Anstrengung aud Arbeit gescheut
im die Vorlage durchzubringen und Clemenceau hatte so⸗
at zu deren Verteidigung in der ammer eigens den
zeneralgouverneur von Algerien, von nart, kommen
assen. Die Minen Algeriens, die inen hervorragenden
wvert repräsentieren, sollten an eine iniernationale Gesell—
chaft zur Ausbeutung vergeben wehen und für Clemen—
eau galt es, die hiergegen vorgebachten Bedenken zu
erstreuen. Alles war fein säuberlig durchgearbeitet, aber
H die Sozialisten waren nicht urtätig geblieben. Doch
chließlich sah auch Clemenceau ein daß an eine An—
zahme der Vorlage durch die Kamuer nicht mehr zu den⸗
en jei und ließ es schließlich nogedrungen geschehen,
»aß über die Vorlage überhaupt ucht gesprochen wurde.
Die zweite Niederlage erlitt Llemenceau in der
Frage der Ammestie für die Tailnehmer an den Un—
uhen von Draveril und Vigreurx. Die Regierung
zatte bekanntlich bei der Untersucung dieses Vorfalles
diese auch auf den Vorstand des Gewerktsverbandes in
Laris ausgedehnt, die zur Verhe ung mehrerer Gewerk⸗
Haftssührer führte. Nach einigen Lagen mußten die Füh—
ter aber wieder freigelassen werden, weil man ihnen
ucht nachweisen konnte, daß sie en Aufruhr organisiert
ind den Arbeitern Waffen geliefe: hatten. Die weitere
interjuchung ließ den ganzen Auuhr auf das Niveau
einer gewöhnlichen Streikkundgebreg herabsinken, die viel—
eicht ohne Blutvergießen abgelau n wäre, wenn Polizei
ind Truppen nicht so rigoros vr egangen wären. Von
ill den Verhafteten bleiben nur toch einige Einwohner
»on Draveil und Vigneux übrig die sich demnächst vor
»em Schwurgericht in Versailles degen gewaltsamen Wi—
derstand gegen die Organe der itaatsgewalt zu verant—
vsarten haben. Unter den Angeklgien befinden sich auch
»ine Frau und ein Knabe, und zie Abgeordneten des
ztreikgebiets waren der Ansicht, aß sechs Monate erlit—
ene Untersuchungshaft eine ausrichende Sühne darstelle,
vesbalb sie einen Dringlichkeitsctrag einbrachten, worin
ie eine Amnestie verlangten. Cemenceau bekämpfte in
de Sizung vom 23. Dezember v. J. die Dringlichkeit
des Antrages, und da in Fran eich eine Amnestie nur
urch Gesetz erlassen werden kan, so hatte die Kammer
»hne Zweifel das Recht der Imiative, aber Clemenceau
ehnte jede Debatte über die Tinglichkeit des Antrages
nergisch zurück. Die Abstimmuz ergab auch eine Mehr—
jeit für Clemenceau und der intrag auf Dringlichkeit
var dadurch abgelehnt. Nachtri lich erklärten verschiedene
Abgeordnete, die an dieser Szung nicht teilgenommen
jatten, daß sie für die Drinm ichkeit eingetreten seien,
vodurch sich für die Regierung eine Minderheit von 10
Stimmen ergeben hatte. Das idert ja an und für sich
lichts an dem Kammerbeichluß aber jedensfalls siellt die
katsache eine offene Niederiage Llemenceaus dar.
Am Sonntag wurden in mem Drittel der französi⸗
schen Departements die Ernen ungswahlen zum Senat
orgenommen. 100 Senatocen aren für neun Jahre neu
u wählen, und außerdem vir ersatzwahlen für verstor⸗
»ene Senatoren vorzunehmen Im Departement Var
vurde Clemenceau wieder geroit und außerdem haben
Tlemenceaus Freunde, der radkale Deputierte Lonis Mar—⸗
in und der unabhängige Sozialist Reymoneng, ihre
blätze behauptet, während zwei radikalfozialistische Sena—
oren, die sich von Clemenceau getrennt hatten, nicht wie—
»er gewählt wurden. Nach der Statistik des Minifteriums
es Innern hat die Regierungsmehrheit bisher 10 Sitze
sewonnen. Clemenceau legte am Sonnabend in einer
Vählerverfammlung noch einmal das Regierungs-⸗Pro—
jsramm klar. Er verteidigte die Maßnahmen der Regie⸗
ung und pries die Republil, die seit 1870 das Ansehen
rankreichs erhöht habe. Heute könne jeder Franzose
»dem Europäer ohne Erröten ins Angesicht blicken. Frank—
eich wolle niemand verletzen und niemand demütigen,
s verlange einfach sein Recht und erfülle seine Pflicht
hne Schwäche. Clemenceau bekämpfte dann den Anti⸗
atriotismus und schloß mit der Bitie an seine Wähler.
hm die moralische Autorität zu geben, die nötig sei, um
as begonnene Werk weiterzuführen.
Die Autorität Clemenceaus scheint durch die jetzigen
Wahlen tatsächlich auch wieder eiwas gefestigter zu sein,
iber ob es so bleibt, steht dahin, die Senatsverhandlun⸗
sen müssen es zeigen. Wenn Clemenceau sich keine an⸗
ere Taltik angewoͤhnt, wird sein Kabineit wohl über
urz oder lang stürzen.
und Bulla. Geschäftsführer sind Pardygol und Ko
anty.
Oesterreich⸗ Ungarn.
Der ungarische Minister des Innern, Graf Andrasin
eröffentlicht im „Budapesti Hirlap“ einen vielbemernen
lrtikel, in welchem er betont, daß Ungarn von leiden—
chaftlichen parteipolitischen Kämpfen hypnotisiert ist, trotz
em dessen Zukunft von der Gestaltung der äͤußeren
NBage abhängt. Jeder unglückliche Krieg kann die In—
egrität des ungarischen Staates gefährden. Eine sla—
venfeindliche Politik wäre unrichtig. Die Selbständigkeit
er Balkanstaaten liegt auch im Interesse Ungarns, wel—
hes nur gegen eine fremde Herrschaft auf dem Balsan
ind gegen die den europäischen Frieden gefährdende Groß—
nachtsucht einzelner verblendeter Balkanstaaten kämpfen
vird. Heute stehe die nationale Existenz Ungarns in
zrage, zu deren Schutz wir einer starken Armee bedür—
en. Die Militärfrage muß auf Grund gegenfeitigen
Lohlwollens rasch gelöst werden. Was Ungarn der Ar—
nee gibt, gibt es sich selbst. Zum Schlusse betont An—
rassy die Notwendigkeit eines guten Einvernehmens mit
Desterreich, von dessen leitenden Faktoren er mehr politi—
ches Entgegenkommen als bisher erhofft.
Politische Rundschau
Deutsches Reich.
* Am Sonnabend hat im königlichen Schloß in Berlin
as übliche Diner der kommandierenden Generäle start
efunden. Nach Aufhebung der Tafel hielt der Kaiser
inen sachlich⸗militaäͤrischen Vortrag über die Aufga—
en und Lehren der letzten Manöver. Der Kaiser wies
in der Hand von Karten auf diejenigen Momente der
Nanöver hin, die nach seiner Meinung geeignet sein könn—
en, anregend und belehrend zu wirken. Am Schluß die
es militärtechnischen Vortrages spielte der Kaiser mit ei—
rigen Worten auf die Vorgaͤnge an, die sich im Anschluß
im die Veröffentlichung des „Daily Telegraph“Interviews
reigneten. Der Kaiser sprach in sehr ruhiger Weise und
»as, was er sagte, ließ erkennen, daß die letzten Ereig
zisse einen sehr ernsten Eindruck auf ihn gemacht haben.
eEr verlas auch einen kürzlich erschienenen Revue-Artikel
end fügte hinzu, daß dieser Artikel ungefähr das ent
jalte, was er selbst über die jüngsten Vorgänge sager
önnte. Als der Kaiser seine Rede geendet, nahm der
tangälteste der anwesenden Generale das Wort, dankte
em Monarchen und versicherte ihn des rückhaltlosesten Ver
rauens der Armee.
* Der Verein würtlembergischer Branntweinbrenner und
zikörfabrikanten hat solgende Resolution gefaßt: Der
ntwurf des Gesetzes über den Zwischenhandel des Rei—
hes mit Branntwein (Monopolvorlage) ist aus volls⸗
virtschaftlichen Gründen zu verwerfen. Insbeson⸗
ere würden durch die Annahme eines folchen Gesetzes
ie mitileren und kleineren landwirtschaftlichen und Ma—
erialbrennereien schwer geschädigt, zum Teil vernichtet.
in dem Reich die erforderlichen Mehreinnahmen zu ver—⸗
haffen, empfiehlt sich die Einführung einer gestaffelten
Lerbrauchssabgabe auf Trinkbranntwein unter Berücksichigung
der berechtigten Interessen der süddeutschen Bren—
jereien und allmählicher Aufhebung aller Privilegien.
* Die „Fr. Ztg.“ meldet aus Breslau: Vom Abgeord⸗
ieten Korfauih ist mit dem Rentier Pardygol, Dr. Hyl⸗
a, Bulla Wiera und Koczko eine Polnische Par—
ellierungs-Bank für Oberschlefien in
dattowitz als G. m. b. H.: „Silvang-Bank Hand⸗
owotomisowy mit Mark 450 000 Stammkapital gegrüm⸗
et worden. Die Einlage Korfantys sind M. 80000
grovisionsforderungen gegen die Mitgesellschafter Pardu—
Frautreich
* Senator Humbert wird in den nächsten Tagen
zas Ergebnis seiner von ihm persönlich in Toulon
iber die Organisation der Marine angestellten Un—
ersuchungen veröffentlichen. Dem Senator ist es
iämlich gelungen, unerkannt in das Arsenal zu gelangen
und dort nach Belieben Erkundigungen einzuziehen, ohne
aß ihn hierbei jemand gestört hätte. Humbert behauß—
let, daß die Arbeiter in den Arsenalen infolge MangelUs
an den nötigen Werkzeugen gezwungen seien
den größten Teil des Tages über zu feiern
Spanien.
* Wie verlautet, ist die Nachricht, daß bereits Hau
elsvertrags⸗Verhandlungen zwischen Deutschland und
Spanien schweben, verfrüht. Graf Tattenbach erklärte,
»aß die Ansicht einiger spanischer Blätter, dem deutsch—
ortugiesischen Handelsvertrag liege eine feindliche Absich
zegen Spanien zu Grunde, irriag sei
Der Verfassungstampf in Persien
Oer Kampf um die Verfassung in Persien dauert au
der Schah in Schah will von einem lonstitutionellen Re—
ume nichts wissen und sich nur zur Einsetzung eines Par—
aments verstehen, das in Wirklichkeit kein Parlament ist.
der Eingriff der englischen und russischen Regierung ver—
nochte den Willen des Schahs den berechtigten Forder—⸗
ingen des Volkes nicht gesügig zu machen und so geht
ie Revolution weiter, weil man im persischen Volke sich
»arüber klar geworden ist, daß in diesem Falle Selbft
ilse die besie ist.
In der türkischen Botschaft fand eine Unterredung der
Führer der Konstitutionellen statt. Es isi
nitgeteilt worden, der Schah habe durch Vermittler eine
jeschränlte Verfassung versprochen, wenn die Flüchtlinge
e Botschait verlassen. Die persönliche und die religiöse
Freiheit soll aufgehoben werden, die politischen Vereine
erboten, die Zeiungen unter Zensur gestellt, die Par—
amentssitzungen sollen geheim sein, die Hälfte der Depu—
ierten vom Schah ernannt werden und die Armee nur
inter der Kontrolle des Schahs stehen. Die Konftitutio—
iellen verlangen die frühere unbeschränkte Verfassung und
rwarten, ihr Beispiel werde das ganze Land zum Auf
tand bringen, einschließlich der Bevölkerung von Teheran
I
Auf cr Spur.
Novelle m B. C.
LDer Mann hatte fich gewenet, und sah ihr lächelnd in
»as erregte Antlitz. „Ich aubte, es sei Franze, stamnelte
sie verlegen, waͤhrer Purvurglut Lihrebleichen
Vangen färbte.
„Ich danke Ihnen für Ihre Vorsorge, Fräulein Fiel⸗
en,“ nahm Alfred freundle das Wort, denn er war es
IAbst, „aber Azuz ist scho Ihren Wünschen zuvorgekom⸗
nen. Er ist selbst nach der Unglücksftätte geeilt. und ich
er varte hier seine Rüdkehr
„Wollen Sie denn nick in Ihtem Zimmer warten?“
chlug die junge Dame schechtern vor. „Es ist hier so
alt, und die Türen stehen offen. Ich will gern hier
erwarten, und ihm sagen, nvo Sie zu finden sind.
‚Ist es Ihnen denn nihyt zu dalt? scherzte er sanft
ächerid. „Sie haben ein verches Herz und wollen mir
Hutes erweisen, dafür bin c) Ihnen sehr dankbar.“
Er erfaßte ihre bebend. Hand und führle sie flüchtig
m seine Lippen, dann wadte er sich schnell um, verließ
die (Se indestube, Lydia nie traumberloören und niß
ilüdlichem Lächeln auf den glühenden Wangen zurücklassend.
Das Gerücht von der brennenden Hause war von
yÿrau von Sommerfeld seost start übertrieben und ab—
ichtlich vergrößert, um Tu kranten Sohn zu ängstigen.
Eine vrennende Vanpe war umgesfallen und hatte einen
leinen Zimmerbrand zur Folge, der aber sofort gelöscht
vurde. Als Franz das Laus erreichte, war schon alles
vieder still, und er kehrte chnell zurüch, um seinen Heren
u beruhigen.
SHydia erwartete ihn an der Haustür und jsagte erfreut:
„Sie haben ihn vor iner starken Erlältung geschützt,
iz, das ist doch eine Lelohnung für Ihre —B
„Bewiß, Fräulein Fieiden, ich wollte für unseren jun—
Herrn in den Tod gehen, wenn ich sein Leben damit
n könnte. — Die Linonade nehme ich jeden Abend
und bringe ihm frische“ fNüsterte er ihr noch leise zu.
jast, es ist mir lieb, daß Du daran dachtest, wiewohl ich
ie Rüdzahlung kaum erwartete, weil ich Dir damals das
Held doch geschenkt hatte. Ich freue mich, daß Deine
neue Stellung Dir zusagt, bleibe dort so lange Vu lannst
ind spare etevas für die Zukunft. Wahrscheinlich werde id
Dich in den nächsten Jahren nicht wiedersehen, denn ich
sabe mein Geschäft verkauft und reise zu meinem ältesten
zohn nach Amerika. Weiit den besten Grüßen und Wün—⸗
chen für Dein ferneres Wohlergehen Dein Onkel Josej.“
Ein Seufjzer der Erleichterung entrang sich Lydias
Appen, als sie diesen Brief gelesen hatte. Jetzt fürchtete
ie nicht mehr, Gertruds Onkel würde kommen, um seine
cichte zu besuchen, von deren Tode der alte Herr ja noch
eine Ahnung hatte.
„Ich freue mich, daß ich ihm das Geld zurüdzahlte,“
zachte sie bei sich selbst, „ich kam mir fast wie eine Die—
in vor. Oft tktommt mir der Gedanke, es sei Unrecht ge—
vesen, an Gertrud Fieldens Stelle hierher zu konmmen,
ber es gab für mich keinen anderen Ausweg. Und wer
veiß — vielleicht gelingt es mir, Herrn Alstseds Leben
u retten, oder es gegen die bösen Absichten seiner Mut—
er zu schützen. Jedenfalls will ich meine Augen offen
alten. Er sieht viel wohler aus und scheint auch kräf—
iger zu sein, seitdem er die Limonade nicht mehr trinkt,
iber vielleicht entdect Frau von Sommerfeld bald die
Lerwechselung und versucht ihm das Pulver in anderes
sSetränt zu schütten.“
So grüdelte Lydia, und wie eine Mutter ihr Kind—
lein behütet, so wachte sie über den Kranken, der sich
etzt sichtbar erholte.
So war der Frühling gekommen. Wälder und Fel—⸗
)er bededten sich mit frischem Grün, die bunten Wiesen,
lumen steckten ihre zarten Köpfchen hervor, alles atmete
eben und —Ww* und neu gestärkt schien die Welt
inem Paradiese zu gleichen.
Je länger und heißer die Tage wurden, desto mehr
ehnte sich Frau von Sommerfeld, die staubigen Straßen
zer Stadt zu verlassen, um einige Wochen an der See
uzubringen, während ihre Schwester, Fräulein Wald
zausen, gern die Leitung ihres Hauses übernehmen woute.
Fräulein dhausen war eine sehr heitere, lebensustige
Damne Sie waͤr ihrem Neffen Alfred und den
deiden Kleinen init mütterlicher Liebe zugetan und hatte
nur die eine Schwäche, gern jünger zu erscheinen, als si
in Wirklichkeit war. Seit Jahresfrist hatte sie Alfred
nicht mehr gesehen, jetzt erschrak sie über sein verändertes
Aussehen, die tiefliegenden müden Augen, den trocenen
urzen Husten und seine große Schwäche. Sie machte es
ich zur Aufgabe, ihn nach besten Kräften zu pflegen, und
war überzeugt, ihn ohne Zune der Aerzte in Kürze ge⸗
und zu pflegen; Sonnenschein follten viel dazu beitragen.
Von jetzt an herrschte ein neues Leben sür alle Ve—
vohner der Villa. Die Kinder hatten ihre Ferien und
aumelten fich unter Aufsicht des Mädchens munter im
Barten umher. Lydia, Alfred und Fräulein Waldhausen
paren stets beieinander, entweder auf der Veranda, im
Harten, oder man machte durch Tal und Wälder herr⸗
iche Spazierfahrten. Kein Wunder, daß Alfreds Wan—⸗
jen sich faͤrbten, er kräftig und stark wurde, und die Tante
nach sechs Wochen ireuer Pflege mit dem Reiultot sehr
ufrieden sein konnte.
Da kehrte Frau von Sommerfeld plötzlich und uner—
vartet znrück. Sie wies mit strenger Miene Lydia in
hre Schranken und mißbilligte es, daß ihre Schwester sie
in dem Salon oder auf der Terrasse geduldet habe. Doch
am Abend wollte weder Fräulein Waldhausen noch Alred
auf Vydias Gesang verzichten, ein Genuß, der ihnen
ast unentbehrlich gewörden war, und gezwungen mußte
sie die Erzieherin rusen lassen. Doch kaum haätte Lydia
ein Lied beendet, rief sie ihr mürrisch zu:
„Das genügt für heute, Fräulein Fielden, mein Kopf
chmerzt, und ich bin zu müde, um mehr zu ertragen. Sie
saben auch gar nicht so gut gesungen wie früher, das
Lied ist zu hoch für Ihre Stimme“ Dann wandte sie
sich an ihre Schwester und sagte: Ich habe auf der Reise
ziel Rusit und Gesang gehört, es war für mich ein rech—
er Genußz. In einem Konzert traf ich den alien Herrn
hegendorf. Du weißt doch, Alfred, seine zweite Frau war
uher meine Freumdin, vogleich ich jebt nicht mehr viet
Sympathie für sie hege, da sie seit ihrer Verheiratung un⸗
hegreiflich hexrschsüchtig und anmaßend geworden ift. Er⸗
nnerst Du Dich noch, daß das Gerücht ging, seine ein—⸗
ige Tochter habe heimlich ihr Haus verlassen, weil die
tiefmutter sie nicht neben sich dülden wollte? Denke nur,
e wurde im Dezember übersahren und starb sofort. Ich
saube, es war der Stiefmutter schon recht. wiewohl *—
'eine liebe Nichte. — Ich habe die hundert Mark
g ebhalten, die Du mir vor vierzehn Tagen gesandt