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Englischer Vesuch in Berlin.
Berlin, 7. Juni.
Nachdem die englischen Arbeiterparlamentarier in
HirschDuͤnckerschen Gewerkvereinshause in öffentlicher Ver—
sammlung begrüßt worden waren, in der sie betannten,
daß Deuischland keineswegs das Land des Militarismus
sei, als das es immer geschildert werde, machten sie am
Sonntag Vormittag eine Rundfabum durch die Stadt, die
mit einem Fruhnück im Kuppelraum des Reichstaas en—
dete. Vizeprasident; Kaempf sprach auf deutsch und
eng isch in Verlicenug des Präsidenten Grasen Siolberg
Worte des Willkommens und feierte den Besuch als Forn
setzung der bisherigen Versuche, durch persönliche Fübl—
ungnahme der Vertreter der verschiedensten Berufsstände
und Korporationen der Sache des Friedens zu dienen.
Staatssekretär v. Bedhmann-Hollweng gab englisch
sprechend der Hoffnung Ausdruck, die englischen Gäste
möchten aus dem Besaäch gewisser sozialer Einrichtungen
die Ueberzeugung gewinnen, daß Deutschland für die
Wohcfahrt der Arbeiter das Möglichste tue.
In längerer eindrucksvoller Rede, die. wie der Vor—
sitzende Staatsminister Berlhepissch später bemerkte, in
ausführlicher Uebersetzung später publiziert werden soll,
dankte das Parlamentsmitglied Mr. Macdonald. Er
sprach temperamenwoll, lebhaft gestikulierend, häufig von
Beifall unterbrochen, gleich einem begeisterten Apostel des
Friedens. Deutschland sei naturnotwendig groß geworden.
Es wäre ein Verbrechen, und unheilvoll für beide Län—
der, diese Entwicklung gewaltsam zu stören. „Wenn eine
englische Zeitung schreibt, daß der Krieg unvermeidlich und
geboten sei, ehe Deutschlands Rüstung vollendet sei, so
zerreißen wir so etwas (Redner zerreißt enen Zeit—
ungsausschnitt, den er verlesen hatte), denn wir schämen
uns dessen. Die Janoranz der Völker ist der Boden, auf
dem die Kriegshetze gedeiht. Wir sind nach Deutschland
gekommen, um uns Belehrung zu holen. Wir wer—
den sie in England verbreiten und unsere Kraft keiner
Bewegung leihen, die auf eine Störung des iriedlichen
Einvernehmens gerichtet ist.“
Nachdem die englischen Gäste dann das Reichstags—
gebäude besichtigt hatten, ging es im Ertrazug nach Be e—
Dintz zur Besichtigung der dortigen Lungenheilstätten. Am
Monag Abend sand im Zooloaischen Garten ein großes
Mabhl eatt
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Die englischen Flottenrüstungen.
Zu Ehren der aus den Kolonien gekommenen Dele—
gierten der Pressekonferenz des britischen Reiches fand in
London ein Bantett statt, dem Lord Burnham, der Be—
sitzer der „Datly Telegraph“, präsidierte, und an dem 600
Personen teilnaymen. Lord Rosebery hielt eine Rede,
in der er die Bedeutung der Presse hervorhob, und als—
dann bezüglich des bevorstehenden Besuches der Delegier—
ten in Spithead ausführte, diese würden daselbst etwas
sehen, was unvergleichlich in der Welt dastehe, eine ge—
waltige, aber immer noch unzulängliche Armada. Er
glaube, die beste Benutzung dieser Armada sei die für
den Zweck des Friedens, nicht für den des Krieges. Der
Redner betonte jerner: Wir können und werden Dread—
noughts bauen, solange wir einen Schisling zu ihren
Kosten und einen Mann für ihre Besatzung haben. Er
bat die Delegierten, die Kunde hinzuszutragen, daß auf
jedem Mann im Reiche die Verantwortung laste, und den
Bewohnern in den Kolonien zu sagen, wie Europa in
Waffen starre, und wie groß der Druck auf diese kleine
Insel sei Er könne sich solcher Lage in Europa nicht
erinnern, so friedlich in manchen Beziehungen, so bedroh
lich in anderen, trotz Febhlens irgend einer Frage, welch«
gewöhnlich zum Kriege führe. Aber die bedrohlichen und
überwältigeüden Kriegsrüstungen, wie sie in der Weltge—
schichze noch nicht da waren, seien ein böfes Zeichen. Er
habe das Vertrauen, daß die britische Macht jeder irgend
denkbaren Verbindung anderer Mächte die Spitze zu bie
ten vermöge, aber mit Unbehagen sehe er das rasche Em
porwachsen von Flotten. In Bezug auf das schließliche
Ergebnis möchte er gern wissen, ob es Europa die Bor
barei bringen werde. England müsse steis darauf reh
nen, sich selbst retten zu können, aber wenn es ermatten
sollte, habe es neuen Rückhalt in den Kolonien
London, 7. Juni. „Observer“ schreibt: Die Ge—
schütze und die Geschützmontierungen für vier Dread—
noughts, deren Bau nach den Erklärungen des Premier—
minisiers As queitth gemäß dem Stande der Rüstungen
im Auslande notwendig sind, sind bereits tüchtig in Ar—
beit. Das Blatt fügt hinzu, wenn die Zeit gekommen sei,
die Schiffe auf Kiel zu legen, werden sie einen ebenso
großen Fortschritt gegenüber dem ersten Dreadnought bil—
den, als dieser selbst gegenüber seinen Vorgängern dar—
stellte.
dieser Besuch dem kranken Wanne nicht geschadet haben
würde —“
„Sie hätten mich rufen sollen,“ sagte Hastings streng.
„Sie wußten sehr gut, daß ich auf der Wiese war.“
„Woher sollte ich das wissen? Sie verlleßen mich in
der schroffsten Weise. Sie fragten mich nicht und des⸗
halb ⸗
„Und deshalb ignorierten Sie mich. Ich verstehe die⸗
se Wiedervergeltung vollkommen. Es ist nicht nötig, län—
ger dabei zu verweilen. Lassen Sie uns zu den Tatsachen
kommen. Alles dies weiß ich. Ich dachte, Sie hätten mir
etwas zu sagen, was ich noch nicht wüßte.“
Ein Blitz aus ihren Augen traf ihn.
„Sie haben Recht,“ sagte sie. „IIch habe Ihnen tatsächtich
etwas zu sagen, was Sie noch nicht wissen. Ich ging
ualso herauf, wo ich, wie ich befürchtet hatte, Onkel Darra—
cote in höchster Aufregung fand. Er verlangte nach Ihnen
und bestand darauf, daß die Pflegerin gehen sollte, um
Sie zu holen. Sie war kaum fort. als er sagte, ich solle
ihn aufrichten und ihm das Schreibzeug bringen. Ich
war ängstlich und versuchte ihn von diesem Vorhaben ab—
zubringen; aber Sie wissen, wie entschieden er sein konnte.
Er bestand davrauf, und ich tat, wie er befahl. Seine Kräfte
setzten mich in Erstaunen; denn mit eigner Hand — 0o,
Sie mögen mich noch so ungläubig ansehen, aber es ist
so — schrieb er dies.“
Sie öffnete etinen seidenen Beutel, der an ihrem
Arme hing, und nahm ein Papier heraus, das sie Ha—
stinos reichte.
Für einen Augenblick herrschte Schweigen in dem Zim—
mer Dann blickte Hastings von dem Papier auf, das er
geöffnet und gelesen hatte. Er war etwas bleich, aber von
unerschütterlicher Ruhe.
„Dies ist eine Abschrift,“ sagte er. „Wo ist das Ori—⸗
zinal?“
Mrs. Treherne lachte. Keine Worte hätten so belei—
digend sein können, wie dieses Lachen. „Denken Sie etwa,
ich würde das Original hierher bringen? Es ist in Sicher—
Der älteste deutsche Arzt.
Der älteste noch hin und wieder praktisch tätige Arzt
deutschlands ist zweifellos Dr. Josef Getto in Minfeld
n der Rheinpfalz, der Ende Mai seinen 95. Geburtstag
eseiert hat. Geboren zu Schaidt in der Rheinpfalz hat
x in München und Heidelberg studiert und sich dann zur
Ansübung seiner Praxis in Minseld niedergelassen, wo
ex bis zur Jahrhundertwende seine Tätigkeit ausgeübt.
*rit in den leßten Tahren hat er allmählich begonnen,
Droseft Getro.
Acr atreste dedrsche Arzr,
sich etwas mehr Nuhe zu gönnen. Seine körperliche Rü—
stigkett und geistige Frische sind bewundernswert. Er
nacht Spaziergänge von großer Ausdehnung ohne fremde
Anterstützung, und kann sogar ohne Brille lesen und
chreiben. Dabei hat er guten Appetit und stets gute
Laune. Der alte Herr hat das Zeug dazu. die 100 Jahre
zu überschreiten
Aus aller Welt.
* Mtißglückte Ballonfahrt. In Paris versuchte der
denkballon „RNassie“, der auf Rechnung der russischen Re⸗
zgierung in Paris gebaut worden ist, in Gegenwart von
150 Offizieren aufzufahren, mußte aber nach einer leich—
en Havarie gleich wieder landen. Dienstag treffen die
russischen Delegiersen in Paris ein, die die Probesahrten
des Ballons überwachen sollen.
* Verkehrsunfall. In Paris stieß ein Omnibus mit
inem Strahenbahnwagen zusammen, wobei ein Rad des
Imnibusses zerbrach und die Insassen des Wagens auf das
Straßenpflaster geschleudert wurden. Der Kutscher und
in Kind wurden lebensgesährlich verletzt, acht weitere In—
assen leichter.
* Cholera. Seit Sonntag sind abermals neun Per—
sonen in Vetersburg an der Cholera erkrantt. Zwei Chole⸗
rakranke sind gestorben. Die Gesamtzahl der Kranken be—
trägt neunzehn.
*Explosion im Tanzsaal. In Boure de Thizy (De⸗
hartement Rhone) ersolzte während eines im Turnsaale
abgehaltenen Tanzlränzchens eine Gasexplosion. Ein jun⸗
ges Mädchen wurde aetötet. mehrere andere wurden sehr
schwer verletzt
— —
Arbeiterbewegung.
— Ende des Borsig-zUusstandes. In der Borsig—
chen Fabrik in Tegel ist der Friede zwischen den Arbei—
ern und den Direltoren wieder hergestellt. Die Ver—
gleichsversammlung, die Montag vormittag zwischen den
Vertretern der 250 ausständigen Arbeiter und der Direk—
oren stattgefunden hat, ergab einen für beide Teile be—
riedigenden Erfolg.
— — — —
Landwirtschaftliches.
Zu welcher Tageszeit begießt man das Ge—
muse? Die sür das Begießen zu wählende Tageszeit ist
nicht gleichgültig. Am besten eignet sich die Morgenfrühe
und die Zeit nach Sonnenuntergang. Unterbleiben muß
es aber des Abends, wenn Anzeichen eines zu befürchten
den Nachtfrostes sich bemerkbar machen; ebenso unter Tag,
venn es heiß geworden, da die Sonnenstrahlen in den
m den Pflänzchen hängen bleibenden Wassertropsen wie
in einem konveren Glase sich brechen und die Blättchen
yerbrennen
WVermisaites.
Wie der Kuckuck sich täuschen läszt. Die land⸗
äufige Naturge,chichte des Kuckuckts kennt wohl fast jeder
»der glaubt sie wenigstens zu kennen, und doch bietet das
Leben des seltsamen Vogels der Rätsel noch gar veele.
der alte Brehm, der als Vogeltundiger eine erste Stelle
innimmt, behauptet, daß der Lockruf unseres Vogels nicht
Kuckuck“, sondern „Uh-uh“ lautet. Da Brehm eine Auto—
ität auf diesem Gebiete ist, kann ihm hierin nicht leicht
vidersprochen werden; wenn er cher Auler jsesistellt, daß
ruf den Lockruf „Kucduci“ kein einziger Kuckuck herbei—
omme, so ist er gründlich im Irrtum. Wenn man auf
Waldinaziergängen, sobald der Vogel seinen neckiüchen
yeit, aver wenn Sie es wünschen, kann ich es gleich mor—⸗
gen in Mr. Kirbys Hand legen.“
„Weshalb gaben Sie es ihm nicht sofort?“
„Weil ich selbst dadurch keinen Vorteil gehabt hätte,
hingegen wenn ich es behielt, konnte es für mich später
von großem Nutzen sein.“
„Wissen Sie, daß ein Testament unterschlagen eine
strafbare Handlung ist?“
„Ich dachte nicht an Gesetze und Gericht. Der Zufall
legte eine gewisse Macht in meine Hand, und ich machte
mir nicht den leisesten Skrupel darüber, sie zu gebrauchen,
esonders als ich heraussand, daß trotz seines großen Reich—
ums Mr. Darracote mich so spärlich bedacht hatte. Ich
»eschloß damals, für mich selbst zu sorgen. Aber ich war—
ete; ich habe nie gefunden, daß durch Eile etwas zu
rreichen ist. Ich wollte wissen, welcher Art die neue Erbin
var, um bestimmen zu können, ob ich ihr das Papter an⸗
ieten solle oder nicht. Nun, Sie wissen ja, was ich fand:
in vollständig urerfahrenes Kind, das von einem Ide—
alisten großgezogen wurde, und das, wenn es hiervon er⸗
tahren hätte, keinen Moment gezögert haben würde, ihr
Vermögen dem Geschöpf zu überlassen, das vielleicht oder
ielleicht auch nicht das Kind jener Schauspielerin ist, die
n Australien starb. Ich hielt es also für nötig, noch län⸗
ger zu warten. um zu sehen, wen die Erbin heiraten
vürde. Von Anfang an habe ich keinen Augenblick daran
jezweifelt, daß Sie es sein würden.“
„Und Sie waren so freundlich zu glauben, daß, falls
ch derjenige wäre, Sie ohne Schwieriakeit Ihre Dokument
anbringen könnten?“
„So wie ich Sie kenne,“ entgegnete sie, Glaube ich,
daß Sie klar einsehen würden, daß ein Zerstören dieses
Papieres, das von einem halb sterbenden Mann geschrie⸗
den wurde, der nicht mehr imstande war, rechtlich zu den⸗
en, das einzig Vernünftige gewesen wäre. Er erkennt
zierin ein Unrecht an, das er in gesunden Tagen sich
tets geweigert hat, einzusehen.“
Sie übersehen einen VPunkt: nämlich seine Anoör—
Ruf erschallen laßt, iym mit dem ausgesprochenen Lon
ton „Kuckuck“ antwortet, so ist mit Sicherheit zu erwar
sen, daß der uduck herbeikommt, besonders weun man
den Laut in „Kouckuck“ oder „Gouckuck“ moduiert, wobei
der Ton auf das „ou“ gelegt wird. Die hierbei erzierten
Beobachtungen sind von großem Interesse und enhalten
soviel Komit, daß sie zur Erheiterunz Ugemein beitragen
Sobaid der Vogel ein oder zweimal ruft, ahme der Be
obachter den Lockton nach und man kann, auch wenn dern
Vogel sich in werter Entsernung besindet, darauf wetten
daß er herbei kommt. Gewönnech lauscht der Gesoppte
einen Moment und antwortet dann, worauf man wechsel
weise mitruft. Sobald der Vogel schweigt, ist er auch
schon auf dem Flug und auf der Suche nach dem ver
meintlichen Nebenbduhler, und bald kaun man den schlan
ten, taubengroßen Gauch mit dem langen Gabelschwei'
iautlos berbeischweben sehen. Hoch oben auf einer Sicht
räßt er sich nieder undschmettert unter drolligen Verbeug
ungen und Schwanzwippen jsein zorniges „Kuckuck“ dem
ermuttichen Widerpart entgegen. Tas Ezperiment ge—
ingt rege mähig, wenn der Vockruf nur ein germaßen et
vas dentlich nachgeahmt wird. Sogar aus den Wald
jeraus auf die Ebvene kann man den Vogel damit locken
ind er überfliegt dann mit Außerachtlassung aller Vorsich
veitere Strecken in beträchtlicher Höhe. F. 3
In verzweifelter Erwartung Zeppelins. Di
johe Temperatur der letzten Manentage hat sich bei einen
Nitarbeiter der „Frkf. Ztg.“ in ungewöhnlicher Weise be
nerkbar gemacht. Von Friedrichshafen aus hat er sei
iem Blatt folgende Schürtelreime übersandt:
Fast icher Hoffnung Labe schwand
ins heute hier unlen im Schwabenltand:
Frau Sonne heizte den Hasen gräßlich,
dies Säumen war wirlklich vom Grafen häßlich
dicht einer, der irgend was wissen kann;
Zelbst der Saugling wimmert im Kissen: Wann?
...... Mal kommt er! — Doch wachsen die Sorgen
mein:
Es wird nun gewiß nicht vor morgen sein!
Rotschwänzthen im Eisenbahnwagen. Ein Rot
chwänzchenpaar hat in dem Packwagen des Güterzuges,
»er zwischen Wald-Michelbach und Mörlenbach täglich
weimal verkehrt, ein Nest gebaut, das zur Zeit bereits
ier Eier aufweist. Wenn das Vogelpaar geschont und
licht übermäßiz belästigt wird, werden ohne Zweifel die
xier ausgebrütet, denn vor etwa 20 Jahren hatte gleich
alls ein Rotschwänzchen in einem Eisenbahnwagen ge
tistet, der damals täglich viermal zwischen Arnsheim und
Flonseim verlehrte. Die Alten verließen das Nest nicht,
venn sich auch der Zug in Bewegung setzte. Als die Jun—
gen ausgeschlüpft waren, wurden sie ständig von den Al—
en begleitet und während der Haltepausen in Flonheim
und Armsheim gefüttert. bis sie endlich in Flonheim aus—
logen.
Vub oder Mäadel? Ein niedlicher Konflikt spielte
ich am Pfingstsonntag in einer Kirche zu Erfurt ab, als
nehrere Taufen vorgenommen wurden. Der Erfurter All—⸗
emeine Anzeiger schildert den Hergang auschaulich wie
olgt: Man trug eben einen Säugling herein, der, be—
leitet von seinem Vater, einem biederen Erfurter, und
en Gevaitern, die Taufe empfangen sollte. Bei den vor⸗
ereitenden Arbeiten, die 14 gewoynuch noch zu erlediger
ind, enistand plörlich eine beträchtliche Meinungsverschie—
enheit zwischen dem Vater des Täuflings einerseits und
»er Geiftlichkeit und dem Kirchendiener anderseits. Dieser
ehauptete nämlich, das zu tausende Kind sei ein Mäd
hen, während der Vater mit überlegenem Lächeln zurück—
jab, daß sein Tänfling ein Junge sei. Der Kirchendiener
jerwies den Widersprechenden auf die Eintragung im Kir—
henbuch, in dem doch die Anmeldung der Tause eines
adchens schristlich niedergelegt sei. Aber auch das zog
»ei dem Vaier nicht; er blieb bei seiner Behauptung unt
rklärte die Eintragung im Kirchenbuch für irrtümlich.
un spielte der Kirchendiener seinen letzten Trumpf aus:
r suchte dem Hartnäckigen an der ro sa Farbe der sei—
enen Bänder, die den Säugling zierten, klar zu machen,
»aß das Kind weiblichen Geschlechts sei; hleine Jungen
rügen doch schon seit Menschengedenken bhaue Bän—
»er. Nun hielt der Vater auch seinerseits den Augenblich
ür gekommen, die tieferen Töne seiner Beweisführung
zerauszuholen. Mit herablassender Gebärde erklärte er dem
zirchendiener: „Das Kind, was haite getauft wärd, äs
nei srsebzehntes! Da kenn e mier schonne zutraue,
aß 'ch weß, ob's ä Jonge; obe. Mächen äs!“ Nun
treckten Pfarrer und Kirchendienez ie Waffen, und ge
auft Purde ein Juna.
Serne RNaturgelichte. „Ach sehen Sie doch
zerr Leutnant, da hat ein Vogelpaar ein Nestchen 31
jauen begonnen, ohne es zu vollenden!“ „Ah, sehr in—
eressant, da scheint so eine Art „Entlobung“ stattgefunde⸗
zu haben.“
— E——
ennung zeigt uns an, daß er neue Beweise für die Rich—
igkeit seiner Forderung erhalten haben muß.“
Mrs. Treherne schüttelte den Kopf.
„Er war nicht mehr imstande, klar zu unterscheiden,“
biederhol:.e sie. Ohne Zweifel wirkte Wilkins auf sein
sefühl ein, das heißt, wenn er überhaupt etwas Gefühl
zesaß, was ich stets bezweifelt habe. Aber das sind un—⸗
—VD
nicht hatte, sein Testament zu ändern? Der einzig wichtige
Punkt ist, daß dies Papier es andert und daß, wenn es
wusgeliefert wird, Irma Darracote kein reiches Mädchen
nehr ist.“
„Ich bin kein Jurist,“ entgegnete Hastings ruhig, „aber
ch bezweisle, daß es so gewiß ist, wie Sie denken. Ich
laube nicht, daß dieses Papier irgend welchen gesetzlichen
Wert als Testament hat. Es ist ohne Zeugen angefertig
und es würde unter Umständen ausgeliefert werden. di—e
Argwohn erwecken könnten.“
Mrs. Treherne lachte laut.
„Machen Sie fich darüber keine Sorge,“ sagte sir
Ich habe rerschiedene Juristen befragt, natürlich nur iw
eheimen. Ich finde, daß dieses Dokument, wenn auch
licht alle Formalitäten erfüllt sind, doch einen gewissen
esetzlichen Wert hat, da es mit großzer Klarheit kundtut.
atz Mr. Darracdte den Beweis empfing, daß das Kind,
velches Mr. Wilkins bei sich hat, sein Enkeltind ist. Es
vürde dem Gesetze also behülflich sein, das Testament zu
erwerfen und das Vermögen dem direkten Erben zukom
nen zu lassen, davon seien Sie überzeugt. Aber der ge
etziiche Wert dieses Papiers ist wirklich von minderer Wich
igkeit. Sie wissen, daß ich Stoff habe, wenn ich Ihner
age, daß, wenn Irma je von setiner Existenz hörte, nicht:
mstande sein würde, sie davon abzuhalten, ihr Vermöge—
ibzutreten, selbst nicht Ihr Einfluß. Sie würde sich m
alisch dafür verpflichtet halten.“
Wiederum entstand eine Pause nach diesen Worter
dann sprang Hastinas auf und schritt im Zimmer 4
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