Lokales.
Juni. Der Rosenmonat Juni ist ins Land gezogen.
er bringt uns die herrlichsten Kinder der Blumengöttin
lora, Rach der schönen und hilfreichen Göttin Jund hat
ʒ Brachmonat, wie er noch genannt wird, seinen Na—
en erhalten. Deshalb wollen wir wünschen, daß er uns
under Tat zu einem schönen, lieblichen Sommermonat
verden möchte, der die Wienschheit an Leib und Seele
irkt, wie er die Früchte auf dem Felde und in den
arten der Reife entgegenführen soll. Daran, daß er auch
er eigentliche Gewittermonat ist, denken wir weniget
in. Gewissermaßen als Entschädigung dafür stehen wir
uter dem Zeichen der Rose. Rosen haben wir zwar das
Inze Jahr hindurch, seitdem die Kunst des Gärtners so
deutende Fortschritte gemacht hat, aber es sind und blei
»n Treibhauspflanzen, denen der Duft der im Freien
wachsenen Rose, wie uns dünken witl, doch nicht eig
Fine hertliche, stolze, süße, dustende und in den pra
nen Farben schimmernde Blume ist sie, die Rose, die
i Recht die Köomgin unter den Blumen genaunt wird.
je ist der Liebling aller, namentlich aber der Madchen,
esie getn an ihren Gürtel stecken. Im Juni blüht aber
sch ein bescheidenes Blümelein, das außer seinen schö⸗
n Farbe nichts zu bieten hat, das nicht duftet. Und
»ch war es die erklärte Lieblingsblume des ersten deut—
en KRaisers, Wilhelm 1. Es ist die blaue Kornblume,
e aus dem im Winde wogenden Getreide hervorlugt.
rotz ihrer Einfachheit ist sie ebenfalls viel begeört. Fer—
er bringt uns der Juni den längsten Tag und die kuür—
ste Nacht, den Johannistag, den Siebenschläfer, der uns
um noch schrecken kann. sowie die Fohanniskäfer der
laͤßnwirmchen
Hütte am brennenden Berge. Am Freitag
riger Woche wurde die vom Verschönerungs-Verein Dud—
eiler am Westende der Schlucht am brennenden Berge er⸗
chtete Unterstandshütte durch eine kleine Feler der Oeffent—
ileit übergeben. Außer dem Vorstand war eine Anzahl
zreinsmitgliedet und Natucfreunde sowie auch die beteiligten
»xtn Forfischutzbeamten erschienen. Herr Dr. Specht als
nsitzender des V. V. D. begrüßte in einer der Feier wür—
angepaßten Ansprache zunächst die Ecschienenen, besouders
Vertreter des Forstfiecus, sprach sodann den Dank des
ereins aus an alle, die zum Gelingen des Werkes beige—
agen, der Kgl. Forstvetwaltung, deren ausführenden Beam⸗
mund Arbeitern, Herrn Zimmermeister Portz sowie Herrn
»otheker Kallmann, der sich als Vorstandsmitglied großze
uühe um das Zustandekommen det Hütte gemacht habe.
er Vorsitzende wies dann auf die vor einigen Jahreu in
c Schlucht angebrachte Göthe-Tafel hin, erwähnte, daß
seit einiger Zeit der Besuch der Schlucht sehr gehoben
be, sodaß der Hüitenbau vom Verein als notwendig er⸗
uinnt worden sei, und schloß dann seine, von den Anwesen⸗
en mit großem Beifall aufgenommene Rede mit dem zwei—
chen Wunsche, daß die Hütte einmal ihren Zweck erfüllen
nd den Besuchern unserer berühmten Sehenswürdigkeit not⸗
endigen Schutz gegen Witterungsunbill und Ruhgelegen⸗
eit bieten, zum anderen aber auch, daß sie diesem Zwecke
öglichst lange erhalten und von der Zerstörungswut roher
denschen verschont bleiben möge. Die in Aussicht genom⸗
ene Erfrischung an Ort und Stelle konnte wegen regneri⸗—
gen Wetters leider nicht ßattfinden, statt dessen blieben die
eilnehmer nach einem Spaziergang zum Vereinslokal von
au Ww. Redschy noch einige gemütuche Stunden daselbst
ammen.
Die Hütte selbst ift von Naturholz solide und geschmack⸗
erbaut und paßt sich der Umgebung würdig an. Sie
nach der Wetterselte zu mit Stangen vollständig abge—
alossen; dieser Abschluß setzt sich zuerst seitlich sort und
itet dann durch eine hübsche Fensterimitation auf beiden
eiten nach der offenen, der Bergschlucht zugekehrten
orderseite der Hütte hinüber. Ein solider Tisch in der
citte und Sitzgelegenheit an den Wänden bilden die innere
unrichtuug. Die Gesammttosten sollen sich auf über 400 M
»ller. Wie mit der Goete⸗-Tafel hat sich der V. V. D.
ud mii dieser Hultte ein schönes Denkmal selbst errichtet,
nd wir wollen hoffen und wimschen, daß sein Werk dauernd
stehen und erhalten bleiben möge zum Nutzen und zur
eude aller, die unsern schönen Wald lieben.
kheater. Heute Freitag abend 8.30 Uhr gelangt im
auer Hof das preisgekrönte Schauspiel: „Ein Sonnen⸗
ahl“ von R. Wach zur Aufführung. Diefe Novität,
elche mit dem 1. Pieis in Berlin ausgezeichnet wurde,
gerrscht den Spielplan sämtlicher Hof- und Stadttheater
ad erz elte überall, wo auch aufgeführt, einen äußerst nach—
altigen Erfolg. Diesem Schaufpiele folgen zwei außerst
astische und urkomische Lustspiele und zwar „Er ist nicht
ersüchtig“ von A. Elz und „Sie hat etwas“ von CGoͤr⸗
e. Gleichzeitig tritt an diesem Tage der jugendliche Lieb⸗
ber Brunn Ferrand vom Residenztheater in Koln erstmalig
Der Besuch der Vorstelluva ist daber aufs beste zu
anfehlen.
Die Gastüche. Fasft noch mehr als zu Beleuchtungs—
acken hat sich das Gas zum Kochen und' Heigen in ven
aushaltungen immer weiierer Kreise der Bürgerschaft Ein⸗
aAng verschafft. Und mit vollem Rechte verdienen die Gas—
her ihre fielgende Beliebtheit. Außer der großen Rein—
hkeit und Bequemlichkeit des Gebrauchs hat die Gaskoch—
puichtung noch den bedeutenden Vorzug verhältnismäßiger
ohlfeilheit in der Anschaffung wie in der Unterhaliung.
rozdem ist noch vielfach die irrige Meinung verbreiet, das
rchen mit Gas sei eine kofispielige Sache die sich nicht
»er leisten lͤnne. Und doch kosie es bei einem Gagpreis
p 16 Pfennig pro Kubikmeler nur reichlich einen halben
ennig, um einen Liter Wasser zum Sieden zu bringen.
inn man damit Kohlenfeuerung vergleicht, so wird man
witz dem Kochgas den Vorzug heben . Vot allem niuß man
Vergleich in Betracht ziehen, daß zut Entzundung des
hlenfeuers auch Holz nötig ist, daß viel Wärme verloren
zt und daß man das einmal entfachte Feuer gewöhnlich
mgere Zeit unterhaͤlt, ohne es immerfore nutzbngend ů
cwerten. Bei der Gas eizung hat es dagegen die Haue⸗
u in der Hand, auf das Spatfamfi⸗ zu wirtschaften.
Jum wirkuͤchen rationellen Gebrauch des Gastohers setzt
J diesen nur sur die Dauer des iansachlichen Bedaufs ia
itickeit, kocht die Speise bei voll geöffnelem Brepr.er schnell
und laͤßt sie dann bei halb offenem Hahne langfam nachzen.
Zugleich bieten die meisten Brenner auch noch eine
—— für ein anderes Kochgefäß. Bei solcher
nomischen Handhabung des Gaskochers kann man. B.
nahe Mittagsmahl, aus Suppe, Gemüse und Fleisch
shend für drei Personen mit etwa einem Kubikmeier
kochen, d. h. aiso fuͤr 16 bis 16 Pfennig. — Eine
ee bürgerliche Kliche wird in der Regel mit einem
det und zwei oder drei Koch⸗ vnd gleichsiel Wärmestellen
uem audkemmen; und ein soichee Kocher in in huler
jalität sur 16 bis 25 Marn zu haber.
Wenn man freilich einen Bratofen dabei haben will, muß
nan schon 50 bis 70 Mark anwenden, was aber gegenüber
den bedeusenden Vorteilen auch käin zu hoher Aufwand ist.
— Wenn man z. B., abgesehen von dem rationellen Ge—
zrauch, die Annehmlichkeit überlegt, die eine Gasküche in
seißer Sommerzeit gewähet, wo man sonst bei geheiztem
düchenofen schwitzen muß, so wird man nicht mehr im
Zweifel sein können, was vorteichafter ist.
Auf die Konstruktion der modernen Gaskocher soll hier
richt eingegangen werden. Sie ist bei den verschiedenen
Fabrikaten zu mannigfaltig, um auch nur das Wesentlichste
zier zu schildeen. Außerdem wird za auch den Kachern beim
ẽkinkauf auf Wunsch stets eine Gebrauchsanweisung oder Cr⸗
lärung beigefügi. Nur auf einen Vunkt sei hier hingewiesen,
iuf die Wichtigkeit eines womöglich herausnehmbaren Unter⸗
vodens. Dieser soll verhindern, daß ein Teil der Wärme
nach unten gestrahlt wird und so verloren geht. — Auf
die Schlouchverbindungen der Kocher in stets sorgfältig zu
achlen. U. dichtigkeiten müssen schleunigst behoben werden,
da dierduich nicht blos Gas ungenützt entweicht, sondern
auch Expiosions- und Erftickungsgefahr entsteht. Die Dichtig—
eit des Schlauches kann man dadurch prüfen, daß man bei
zeschlossenem Brennerhahu, aber offenem Schlauchhahn und
nach Schließung aller übrigen Hähne der gesamten Leitung
den Gasmesser in Zwischenräumen von eintgzen Stunden ab⸗
liest. Ist eine merliiche Differenz an dem die ZBruchteile
ines Kubikmeters anzeigenden Zählende zu bemerken, so laffe
nan den Schlauch sofort untersuchen. Am zuverfässigsten
ind Metallschläuche. Nach Gebrauch muß man vorsichtshalber
ruch den Schlauchhahn, d. h. den Hahn vor dem Schlauche
chließen. Der Durchmesser des Schlauches darf nicht zu
klein gewählt werden, da sonst die Gaszusührung zu schwach
sst. Für eine gute Gasküche verwendet man am besten Töpfe
nus Aluminium mit breiten Böden, die den Flammen eine
mözlichst große Fläche bieten: auch hier wied die verkält—
nißmäßig große Nusgabe durch die bedeutenden Vorteile vor
allem die vollkommenste Ausnütz ing des Heizwertes reichlich
nufgewogen, — Bei diesen offenlundigen großen Vorzügen
zarf man erwarten und wünschen, daß sich bie Gasküche auch
sort Bahn bricht, wo sie bisher kein Verständnis und keine
lufnahme fand, zum Nachteil des gaslosen Haushalts.
Nus Nah und Zern.
Neunkirchen, 3. Juni. Der Gesangweiistreit zu
Neunkirchen hat mit einem starken Mißklang geendet. Es
am auf demselben zu heftigen Protesten gegen die Bewertung
)er Chöre von einer Reihe von Vereinen; dem Mäanergesang⸗
zerein zu Kallenfels sind die ihm zucrst zugesprochenen Vreise,
m Haupisingen der 11. und im Ehrenpreissingen der 9.
breis wieder gestrichen wor en. Vei der Preisverteilung
am es zu nnanzenehmen Auftritten und ein gerichtliches
dachspiel wird wohl nicht ausbleiben.
* Forbach, 1. Juni. Gestern nachmittag wollte der
7jährige Beremann Jakob Sand in der Badeanstal! von
Narx⸗-Schöler ein Bad nehmen. Der jnnge Mann war
edenfalls in erhitztem Zustande ins Wasser gestiegen, erlitt
inen Schwächeanfall und sank unter. Der Arzt donnte nur
noch den Tod infolge Herzschlages feststellen.
* Löln, 3. Zuni. VRawnTennisTurnier.)
Zu dem am 4. JZuni 1909 auf den städtischen Spielplätzen
in Stadtwald beginnenden Internationalen Lawn⸗Tennis⸗
curnier sind in diesem Jahre an 200 Meldungen einge⸗
aufen. Die Namen der gemeldeten Spieler versprechen ei—
nen recht guten Sport. Von auswärtigeren bekannteren
kurnierspielern haben u. a. sich gemeldet die Herren:
Otto“, Boelling (Berlin), von Bissing, Grüder (Frank—
urt), „Dr. Dorf“, Knetgens (Düsseldorf), Dr. Goossens,
pflüger (Bonn), „Ref“, L. und B— Hon'gmann (Aachen),
Larnap (Elberfeld); die Damen: Fri Bergmann (Frank⸗
urt), Mrs. Nutcombe Quicke (London), Irl. Holzapfel
Düsseldorf), Frl. Kirchholtes (Wiesbaden), Frl. Schmidt.
zrau Honigmann (Aachem).
FAachen, 3. Juni. (Aus dem Fenster ge
tüer ztt.) Gestern stürzte im Hause Bismarckstraße 23 dae
weijährige Kind einer Arbeiterfamilie aus dem Fenste;
des zweiten Stocks in den Hof hinab und blieb sofort tot
* Elberfeld, 3. Juni. (Zu m Fall Tews.) Die
Bertreterversammlung des Verbandes deutscher evangeli
cher Schul⸗ und Lehrerverene nohm folgende Resolunor
in: „Gegenüber den Angriffetn im preußischen Abgeordne
enhause auf den Hauptlehrer Grünweiler in Mül heim a
2. R., erklärt die Versammlung, daß sie Grünweller der
värmften Dank ausspricht für die mannhafte Art, mi
ner er den radikalen Bestrebungen des Lehrers Tews ir
berlin auf religionsunterrichtlichem Gebiete entgegengetre,
en ist, daß sie seine Aus'ührungen als durchaus begrün—
et ansieht und ihn ermutigt, auch fernerhin für die Er—
jaltung des Relizionsunterrichtes der Volkoschule nach.
zrücklich einzutreten.“
*Osterfeld, 3. Juni. (CVerbrüht.) Das 2 Jayre
ute Kind August Mehlfeld, Sohn des Schmieds August
MNehlfeld, fiel in ein mit heißer Lauge gefülltes Faß und
tarb an den erlistenen Brandwunden.
*Paderborn, 3. Juni. (Bom Bli tz getötet.)
zei einem hesftigen Gewitter wurde hier ein erwachsenes
Mädchen vom Blitz erschlagen. Es war sofort tot.
*Bitburg (Eifel), 83. Juni. (Anterschied der
Zteuersätze.) Der Unterschied in den Steuersätzen
erschiedener Gemeinden ist ein geradezu horrender. Neo—
nen wir einzelne Gemeinden in zwei Bürgermeistereien
mseres Kreises heraus: Bürgermeisterei Bickendorf: Sef⸗
ern 600 Proz. auf Realsteuern, 400 Proz. auf Ein—
ommensteuer, Biersdorf 500 Proz. bezw. 300 Prozent,
zchleid 450 bezw. 300 Proz., Oberweiler 410 bezw. 300
ßroz. Hingegen in der Bürgermeisterei Wolfeld: Wols—
eld 270 Prozent auf Realsteuern, 180 Proz. auf Ein
ommensteuer, Holstsum 195 Proz., bezw. 130 Prozent,
diederweis 180 bezw. 120 Prozeni. Es waäre zu wün—
chen, daß bei kommunalen Beihülfen dieses Zahlenmate
ial immer berücksichtigt würde. Wen aber das Schicksal
ius der einen in die andere Bürgermeisterei verschlägt
der lernt zahlen.
* Vom Rhein, 3. Juni. (unwetter.) Ein gestern
Abend über die Unke Rheinseite niedergegangenes Unwet—
er, verbunden mit Hagelschlag, richtete grosen Schaden
in, namentlich im Vorgebirge, wo auf weite Streckn hin
»ie Frucht völlig vernichtet wurde. Bei Worringen sind
»rei Morgen Land unter Wasser gesetzt. Die Frucht ist
abgeschwemmt. Auch in der Umgebung des Otues Wer
den hat das Unwetter schwere Verwüstungen angerichtet.
Amtliche Nachrichten kommen aus einzelnen Eifeldörfern,
wo durch das Unwetter die Hoffnung der Landleuie auf
eine gute Ernte völlig vernichtet ist. In dem Orte Buis⸗
dorf sind mehrere Häüuser eingestürzt. Dort sowohl als
in Weiden wurde telegraphisch die Hilfleistung der Feuer—
vehr erbeten. Hagelschloßen in der Größe eines Taͤuben—
zis zerjchlugen Hunderte von Fensterscheiben und zerstör⸗
en die Dächer der Häuser. In Weiden stehen alle Häu⸗
er unser Wasser, die Bewohner flüchteten.
* Homburg v. d. H, 3. Juni. (GBerbrannt.) J
em benachbarten Ohberitedten erlitt gestern die ü
Tochter eines Lederarbeiters, die wuhrend der Abwesen
zeit ihrer Eltern Peiroleum zum Feueranmachen benutzte,
Inet schwere Brandwunden, daß fie noch in der Nach
tarb.
* Niederlahnstein, 3. Juni. (Die Ho chwasser⸗
schäden.) Der durch das letzte Hochwasser beschaͤdigte
Pfeiler der Eisenbahnbrücke zwischen hier und Oberlahn⸗
tein wird jetzt abgebrochen. Das hartgefügte Mauerwert
läßt sich nur schwer ablösen. Die Landpfeiler werden vor—
uusfichtlich stehen bleiben. — Die Wiederherstellungsarbei—
sen an der durch das letzte Hochwasser zerstörten Eisen—
bahnbrücke über den Saynbach sind jetzt in Angriff ge—
aommen. Bis zum Herbst sollen sie beendigt sein.
*Bingen, 3. Juni. BGismarckNationalDe n⸗
mal.) In Berlin fand unter dem Vorsitz des Geheim—
rats E. Kirdorf eine Sitzung des Finanz- und Werbenus
chusses für das Bismarck-National-Dentmal auf der Eli—
senhöhe bei Bingen statt. Es wurde beschlossen, mit der
Birdung von Ortsausschüssen fortzufahren und diesen auch
das Gutachten zuzustellen, das domnächst vom Aunstaus—
chuß verösfentlicht und die Gründe darlegen wird, die zu
»er endgültigen Watl der Elisenhöhe vom künstlerischen
Standpunkt aus geführt haben. Ferner wurde mitgeteilt,
daß das Preisausschreiben des Kunstausschufses in Bälde
oeroffentlicht wird.
* Mtetz, 3. Juni. (Bauunfall.) Heute früh kurz
vor sieben Uhr verunglückten auf dem Neuübau der Stap
ischen Höheren Töchterschule zwei Maurer ondurch, daß
ich mehrere Meter vom Dachgesims losloöften und ein Ge
cüst durchschlugen, auf welchem die beiden Leute arbeite
ten. Der eine wurde getötet, der andere schwer verletzt.
* Aschaffenburg, 3. Juni. Mord aus Ueber—
nut.) In vergangener Nacht erschoß im benachbarten
Ztockstadt der 20ährige Obermüller Schiller den gleich
ilterigen Maurer Maiserger lediglich aus Uebermu⸗
Telegramme.
Berlin, 4. Juni. Das Militärlufischiff „Parseval“
ist geftern abend vom Tegeler Schiesplatz zu einer Racht—
fahrt aufgestiegen. Während der Nacht eintreffende Telegramme
erichten, daß das Lufischiff an der Mecklenburgischen Grenze
Jelandet sei. Die Militärverwaltung beabsichtigt eine Lusi—
chiffhalle auf dem Mueriziee in Mecklenberg zu erbauen.
Aus Elsaß-Lothringen. En schreckliches Unglück hat
ich zwischen Gespolsheim und Grafenstaden zugetragen. Da
der Bahnwärter zu früh die Schranken geöffnet hatte, stand
das Gesährt der Zimmermannssrau Kieh getade auf dem
Gleise, als der Schneslzug von Basel durchfuhr. Das Fuhr—
verk wurde dabei völlig zertrümmert, dte Ftau war auf der
Stelle lot, während die Kuhe keinen Schaden nakmen.
Wien, 3. Juni. Dem Neuen Wiener Amtsblatt wird
aus Petershurg telegraphirt: Der bevorstehenden Zusammen⸗
eunft des Zaren mit Kaiser Wilhelm wird hier große poli⸗
ische Bedeutung beigemessen im Sinne der Fesiigung der
deutscherussischen Freundschaft. Furst Bülow wird Kaiser
Wilhelm begleiten, wähcend russischerselts Stolpin und Is—
velsti im Gesolge des Zaren sein werden. Der deutsche
daiser wird drei Tagr in den russischen Gewassern verbleiben.
Die russische Presse betont, daß die Begegnung keineswegs
die Isolirung Englands bedeute. Es ist aber böchst wahr⸗
cheinlich, daß die Zusammenkuast auf die vächste Politik
Finfluß haben wird.
Madrid, 3. Juni. Eine Erxplosion s lagender Wetter
verursachte in der Grube Notquotera auf Cab Cabapin den
Tod mehrerer Bergleute.
7Rien, 4. Juni. Runmeyr wird vetannt, daß die
diesjährigen großen Kaisermansver zwischen dem
3. und 11. September stattfinden. Kaiser Wilhelm
und Kaiser Franz Josef werden auf dem Schloß
des Grafen Harrach bei Groß-Meseritich Auifenthal⸗
nehmen.
*Wien, 4. Juni. Die „Neue Freie Presse“ meldet von
authentischer Seite aus Berlin, daß die Regierung auf
dem Standpunkte steht, die Finanzreform nicht mit dem
Zentrum und Konservativen, sondern mit den Liberalen
und Konservativen zu machen.
*Belgrad, 4. Juni. Für den Abschluß einer Zoll—
union zwischen Serbien und Bulgarien sind Verhandlun⸗
jen im Zuge. Während sich der serbische Minister Aeuße—
rungen hinsichtlich dieser Frage enthalten hat, ertlärte der
»ulgarische Minister Ljaptschew einem serbischen Journa⸗
isten gegenüber, daß eine alles umfassende Zollunion
zwischen Bulgarien und Serbien für beide Stagten höchst
rützlich wäre. Unvollständige Abmachungen aber, wie jene
»s waren, die schon das bulgarische Parlament vor awe
Zayren angenommen vat, sollte man meiden. In Bulgacien
sei die Stimmung sür eine vollkommene Zolluniev
ehr günstig.
* New-York, 4. Jum. In Philadelphia kam es beim
Straßenbahnstreik zu schlimmen Erzessen. Im Nordwest—
piertel wurden zwölf Wagen verbrannt. Bei den nun
olgenden Kämpfen zwischen Polizei und Volkshaufen sind
hundert Personen verletzt worden. Man requirierte die
Feuerwehr, wel he die Ansammlungen mittels Wassergüsje
prengte. — Die „Sun“ meldet, das Kriegsamt plane die
Zeobachtung der atlautischen Küste mittels Luftballons;
e ecchie zablr
Gerichtszeitung.
s Traurige Kascrnenzustäünde. Das Dresdener Mili—
kärgericht hatte in drei dectiedenen 3ochandlungen über
Soldatenmißhanolungen abzumticiten, die bei der reilen—
den Artillerieabteilung in Kaige ocut vLorkamen, In ei⸗
nem Falle hat der Gefreite Riceter Rekruten bei jeder
leinigkeit geohrfeigt; einzelne eruerüten uanze Serien von
Ohrfeigen. Der Gefreite ist bereits zcegen Rekrutenmiß—
sandlung mit strengem Arrest und diszipinarisch bestrast.
vẽr erhielt wegen Anmaßung einer Befehlsgewalt und
vegen Ungehorsams sechs Wochen Mittelsarrest. Der An—
läger wies darauf hin, es liege auch hier ein Terroris—
nus der „alten“ Leute vor, unter dessen Druck die miß⸗
jandelten Rekruten keinen Strafantrag gestellt hätten. So
iege auch eine Mißhandlung des Kanomers Kupke. Der
Srgeant Weißke hatte ihm besohlen, durch die Stallgasse
rennen, weil er sich mit einem Kameraden gestritten
hatte. In der Stallgasse schlugen alte Leute mit Deckgur⸗
en auf ihn ein, der Fahrer Strauß gab ihm jedoch mit
einem Befenstiel einen Schlag in die Kniekehlen, daß der
danonier nicht mehr laufen konnte. Weißke erstattete keine
Anzeige, obgleich ihm die Mißhandlung gemeldet wurde.
Eẽr erhielt sieben Tage Mittelarrest, Strauß 14 Tage Ge—
ängnis. — Trauriger liegt der Fall des Rekruten Zieg⸗
ier. Er ist geistig minderwertig und wird wahrscheinlich
als dienstuntauglich entlassen werden. Auch er wurde
vegen einer Geringfügigkeit von alten Leuisen mit der
keitpeitsche mißhandelt und als er dann einem Sergean⸗
len Müller Mitteilung gemacht, nochmals geschlagen. Ein
zahrer Palme erhiell wegen dieser Sache vierzehn Tage
gefängnis, der Sergeaut fünf Tage Mittelarrest, da er
eine Anzeige erstatiet hatte. — Das ift ein Stück Kal⸗er
ienleben in einer kleinen Garnison.
——————— &ææaænra——— —