Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

rilanischen Kuste Reger als Sttaben au die ——
und von dort weiter in die größeren Städee des Türlen⸗
reiches gebracht worden. Und so lange hier die Nach—
rage nicht aufhört, d. h. so lange das Sklavenhalten ge—
setzlich erlaubt ist, wird auch das Angebot dauern

Unsere Zeppelin-Statistik.
Unsere Statistik soll unsern Lesern deutlich die ge⸗
valtigen Fortschritte vor Augen führen, welche die Luft—
chiffe Zeppelins in den letzten Jahren erreicht haben. Die
Fahrzeiten, die, von den Uebungsfahrten abgesehen, nie
unter 10 Stunden betrugen, dann sich den 20er Stunden
näherten, und jetzt schon 40 Swinden fast erreichten, sind
Bewelie vervollfommender Technik und vor allem sietig

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wachsenden Selbstvertrauens und Vertrauens in das ge⸗
chaffene Werk. Fast alle andern Ballons, deutsche, eñg—
lische und franzöfische haben 15 Stiunden Fahrdauer knapf
üherschritten. Graf Zeppelin ist ihnen allen weit voraus
ne er in dieser Zeit gegen widrige Luftströmungen
Entfernungen zurückgelegt hat die aller Erfahrung spotten.
Zeppelins Fernfahrt.
Zeppelin über die Fernfahri.
Ein Mitarbeiter des „Berl. Tagebl.“ hatte Gelegen—
heit, den Grafen selbst über seine Fernfahrt zu sprechen.
Der Graf sagte: „Ich habe in den 37 Stunden das Kom—
aAndo nur einmal — und zwar 35 Minuten lang — ab—
gegeeen. Während dieser Zeit versuchte ich, auf einem
Stuhn in der vorderen Gondel sitzend, zu schlafen. Wir
hatten in den beiden Nächten schlechtes Wetter; nicht nur
Nebel, sondern direkt Regen. Besonders in der erste:
Nacht regnete es wiederholt sehr stark in die Gondel:
hinein. In der zweiten Nacht hatten wir über dem Th
ringer Wald die Orientierung verloren. Wir waren hin—
sichtlich der nautischen Orientierung auf unserem Lufit—
schiffe nicht so gut bewandert wie auf den Seeschiffen. Da
her sind wir, soweit wir dies nachträglich feststellen konu—
ien, ungefähr drei Stunden auf ein und demselben Flecke
jeblieben. Wir landeten erst bei Göppingen. Nachdem die
Fahrt bis dahin glatt verlaufen war, war es unser Ziei,
o lange als möglich in der Luft zu bleiben.“
Der Kaiser und Zeppelin.
Die Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin teilt folgendes
nit: Nachdem vom Kaiser ein zweites Telegramm in Göp—⸗
zingen eingetroffen war, in dem er dem Grafen Zeppelin
seine Freude ausspricht über den in Berlin angekündigten
Befuch, und zugleich seinem Bedauern über den Unfsa
Ausdruck gibt, traf in Friedrichshafen folgendes Tele
gramm des Kaisers ein: „Besten Dank für die freundliche
Meldung. Zu dem großartigen Fahrtergebnis kommt die
Rückfahrt mit dem notdürftig reparierten Luftschiff als
sochbedeutsame Leistung hinzu, die Dürr alle Ehre macht.
ẽ8 ist dies ein Beweis, daß man dem starren Syste
alles zumuten kann. Da ich in sechs Wochen nicht in
Berlin, sondern auf Reisen sein dürfte, auch diese Zeit
in die Schulierien fällt. wo ein arößerer Teil der Ber—
Idlesse nutzen konnte; aber wenn Sie denken, daß dies
Relleicht doch der Fall sein könnte, so bin ich bereit, dort⸗
hin und überall hin zu gehen. Sagen Sie mir nur genau,
vas ich tun soll.“
„Ich verlange von Ihnen, daß Sie aufpassen,“ sagte
Tamilla nachdrücklich. „Die Menschen verraten sich oft durch
Kleinigleiten. Ich habe diese Erfahrung bei Mrs. Tre—
herne gemacht. Ich fürchte allerdings, daß Mr. Hastings
nicht zu den Leuten gehört, die sich selbst verraten, aber
selbst er kann schwache Momente haben, oder es mag sich
irgend etwas Unerwartetes ereignen. In diesem Falle
möchte ich gern, daß Sie dort seien.“
„Als Spion,“ bemerkte Norbert bitter. Nun dut. Es
ist für sie. Ich werde gehen — und aufpassen, wie Sie sich
ausdrückten.“
„Ich drückte mich sehr korrekt aus,“ entgegnete Ca⸗
milla wärdevoll. „Aber ich fürchte mich vor nichts. Um
Irma zu retten, würde ich zum Spion werden, wenn es
nötig ist. Ich s.he bis jetzt noch nicht ein, weshalb Sie
einer sind, wenn Sie in Mr. Hastings Haus zurückeh—
ren, um sein Bild fertig zu malen.“
„Wozu einen Vorwand angeben?“ fragte der junge
Mann sorglos. „Kein Kontrakt könnte mich in jenes Haus
zurückbringen, wenn nicht die Hoffnung, Irma zu retten.
Aber ich werde heiß, wenn ich an die Situation denke,
vie Sie mir dargestellt haben, — Irma zwischen diesen
eiden berechnenden Menschen, die nur ihr Geld haben
vollen! Das genügt, um mich wahnsinnig zu machen.“
„Mich macht es nicht wahnsinnig,“ sagte Camilla
ruhig. „Es veranlaßt mich nur, auch berechnend zu sein
und sie dadurch zu schlagen. Es ist interessant, wie bei
einem Spiel. Ich glaube bestimmt, daß wir Erfolg haben
und Irma vor ihnen retten werden, und ich hoffe, daß
ich Mrs. Treherne beweisen kann, daß sie allen Grund
hatte, mich zu hassen, wie ich vom ersten Moment an, als
wir uns kennen lernten, gemerkt habe.“
. Norbert sah sie überrascht an.
Sie und ich, wir sind sehr verschteden,“ sagte er.
Ich denke nicht an ein interessantes Spiel, oder an das

iner aueno sein wird, empfehre ich leßbtzen Tage An—
zust, und zwar aun 26. gez. Wilhelm.“ Es traf auch
in sebr herzliches Glückwuünschtelegranun des Reichs⸗
anters ein

Stuttgart, 3. Juni. Bei einem Gawenieste, das
der König zu Ebren der Teilnehmer an dem Tonkünstler—
est im Schlosse Wilhelma gegeben hat, sprach er in leb—
aiter Weise seine Freude über den beispieilosen Erfelg
cs Grafen Zeppelin aus. Wie wenn ein in der Schlacht
ingeschossenes Kriegsschiff noch durch eigene Krast den
dafen erreicht, so habe „3. 2“ auf eigenen Schwingen den
erwundeten Leib in Sicherheit gebracht. Tas sei der
lrößte Erfolg trotz allem Mißgeschick. Der König be—
nauerte, daß Zeppelin nicht, wie man aus dem Flugt
ber Stuttgart erwarten mußte, bei Cannstatt auf dem
Vasen gelandet sei; dann wäre kein Misgeschick zu ver—
cichnen gewesen;: aber in die Enticheidungen der Inge—
tienre dürfe man nicht hineinreden. Die Hosfnung indes
en hleibe den Stutsgartern, daß Gra Zeppelin in nicht
Ilzuferner Zeit auf dem Caunstatter Waseu landen werde

Aus aller Welt.
*Groͤßzfeuer. Auf dem Grundstücke des Holzbearbeit
ngs eschüftes Kösel in Berlin in der Boppftraße wütet;
zwischen 11 und 12 Uhr nachts ein Gr'o ßfeuer. BRe
rasender Schneluigkeit breiteten sich die Flammen in den
von der langen Trockenheit ausgedörrten Holzlager aus
und es gelang nicht, obgleich zehn Löschzuge herbeigee:
waren, das Feuer auf seinen Herd zu beschrünken. 7
Bewohner der angrenzenden Gebäude in der Urbanstraße
mußten aus dem Schlase geweckt werden und konm—
größtenteiss nur notdürftig heileidet. ihr Leben in Si—
heit bringen.
* Grubenexrplosion. Bei einer Erplosion schlagender
Wetter im Bergwerk Mosquitera bei Cabayin wurden3
Bergleute getötet und zwei verwundet.
*Neue Erdstöße in Messina. Donnerstag früh1
Uhr 15 Min. und 1 Uhr 31 Min. erfolgten in Messing
zwei Erdstöße, die eine Anzahl noch erhaältener Maueri
einstürzen ließen. Die Bevölkerung wurde von Große
Panik erfaßt.
*Neues vom Prinzen Georg. Als Major Okano
witsch dem Prinzen Georg von Serbien zwei Zeugen,
wei belannte Verschwörer, eine Herausforderung zum
Zuell schickte, ließ der Prinz die Kartellträger durch einen
Diener aus dem Palais werfen und vor der Tür sagen
ẽine Verschwörerbande darf die Treppe meines Palan?
nicht betreten; ich erachte es unter meiner Würde, mit
Verschwörern Verhandlungen zu führen.
* Verhindertes Zugattentat. Bei Chaterau la Val—
iere (Spanien) versuchten Unbekannte nachts einen Zug
ur Entgleisung zu bringen, indem sie Hol;blöde auf die
Zchienen legten. Ein Streckenwärter entveckte auf seinem
Rundgange den Attentatsversuch und verhinderte die Ka—
tastrophe. Er wurde jedoch von den Uebeltätern, die sich
versteckt gehalten hatten, bemerkt. überfallen unde schwer
nißhandelt

Eulenburg.
Das „Leipziger Tageblatt“ widmet der Fahrt Philis
nach Gastein einige ausgezeichnete Worte. Es schreibt u. a.“
„Kein Mensch leugnet, daß Eulenburg krank ist.
ẽr ist Morphinisi und hat als solcher den äußeren
kindruck bis zu einem gewissen Grade in der Hand. Wil
r als ein Todeskandidat erscheinen, so kann
r die Ginspritzungen unterlassen und die
depression tritt ein, die seinem Zwecke dienen kann. Be—
nerkenswert ist, daß er noch nrie eine Autorität ersten
skanges zu sich rief ..., über ein solches Ereignis wären
vir sicher unterrichtet worden. (Und heutzutage leistet
ich jeder gutsituierte Bürgersmann in schweren Fällen
inen Spezialisten.) Tatsache ist, daß der Fürst fich vor
urzem malen ließ. — Sterbende pflegen keine Sitzun—
gen mehr zu gewähren. Der preußische Justizminister wird
wohl noch einmal wegen der Gasteiner Reise befragt wer—
den. An der Antwort sind wir alle mit Leib und Leben,
mit Gut und Ehre interessiert.“ Wie die „Grazer Tages—
»ost“ aus Gastein meldet, erhielt die Behörde ein lele—
rraphisches Ersuchen der Berliner Staatsanwaltschaft um
olizeiliche Ueberwachung des Fürsten Eulenburg in Ga—
tein. — Man scheint also in Oesterreich damit zu rech—
ien, daß der gichtbrüchige Fürst eines Tages aufsieht, sein
Bett nimmt und wandelft

— —
Spiel und Sport.
y) Prinz Heinrich-Fahrt. Nach verschiedenen Abän—
derungen steht jetzt die Streckenführung für die am
0. Juni beginnende Prinz Heinrich-Fahrt definitiv fest,
danach sind am ersten Tage von Berlin über Königswu—
erhausen, Guben, Neufalz, Lübben bis Breslau 345
ilometer zurückzulegen. Die zweite Etappe am 11. Jum
ihrt von Breslau über Ohlau, Oppeln, Gleiwitz, Wade⸗
nicee, den Chabowka-Paß, Neumarkt und Bela nach Tatre
nn ier rosn Jatee Füred, das nach 409 Kilometer er—
Lergnugen, den Leuren zu veweisen, daß ich noch be—
echnender bin als sie. Ich denke nur an das Resultat,
ind es wäre mir viel lieber, wenn wir andere Mittel ge—
»rauchen koönnten, um zun, Ziel zu gelangen. Unsere Mit—
el erscheinen mir verräterisch Aber da uns nichts an—
eres zur Verfügung steht, wil ich alles tun was ver—⸗
angt wird. Das ist alles, wos ich üher das Thema zu
agen habe.“
Er legte seine Palette nieder, als et sprach, und Ca—
nilla, die dies als Zeichen der Entlassung verstand, er⸗
sob sich mit etwas beleidigtem Gesicht.
Ich sehe ein, daß Sie nicht voerhaben, ernstlich an
neinem Portrait zu arbeiten,“ sagte sie, „deshalb ist es
m besten, ich gehe. Ich hoffe, daß Sie nach einiger Zeit
vieder imstande sein werden, Ihre Gefühle — und Ihr
zenehmen etwas besser zu beherrschen. Wann gedenken Sie
ach Idlesse zurückzukehren?“
„Ich weiß nieht,“ entgegnete er widerwillig. Ich muß
in Mr. Hastings schreiben. Morgen, vielleicht“

——————

8.
Was Mes. Treherne anbelangte, so hatte Camilla sich
icht geirrt. Dieselbe war tatsächlich wahrhaft erfreut über
zrmas Verlobung. Schon weniger kluge Menschen als Miß
Lincent würden das gemerkt haben; denn Mres. Treherne
rug ihre Freude se offen zur Schau, daß auch Irma
ufs höchste überrascht war, die — sie wußte eigentlich
varum — gerade das Gegenteil erwartet hatte. Neben
ieser Ueberraschung empfand sie beinahe ein Gefühl der
dankbarkeit; denn nach der Szene mit Norbert und der
eftigen Auseinandersetzung mit Camilla war sie dankbar
ür jeden Beifall, selbst wenn es nur Mrs. Treherne war,
die ihn zollte. Letztere war auch noch so freundlich, Ir—⸗
na zu erklären, warum ihre Wünsche so herzlich waren.
IIch bin entzückt,“ sagte sie, „nicht nur, weil dies wie
ch bessimmt glaube, Onkel Darracotes größter Wunsch
var, sondern weil ich wirklich glaube, daß Sie eine aus⸗
gezeichnete Wahl getroffen haben. Viele Leute denken viel⸗
eicht nicht so: denn ohne Zweifel sind Sie beide sehr ver—⸗

relcht wird. Am 12. Zuni geht es von dort uver Pop—
rad, Iglo, Rokuyo, Losows und Retsag nach Budapest.
Auf diese 312,3 Kilometer lange Etappe sogt ein Ruhe—
tag, an dem ein Ausflug nach der Margäteteninsel, ein
Bankett im Stadtwäldchen und ein Empfang im Varktlub
Jeplant sirnd Am 14. Juni errcichen die Teilnehmer über
Vörösvar, Gyor, die Grenzstation Rozsonh und Heimburg
icich 263 Kilometer Wien, wo sie am folgenden Ruhetage
im Oesterreichischen Automobiltlub empfangen werden. Die
rorletzte ECtappe führt am 16. Juni über St. Pölten, Am—
tatten, Linz und Völtlabruch nach Salzburg; diese 306,5
ilometer lange Strecke ist bereits schon früher einmal
don den Teilnehmern an den Herkomer-Konkurrenz befah—
fen worden. Am 17. Juni wird ühber Traunstein und
tosenhain München berührt. Die Wagen machen jedoch
dort nicht sosort Halt, sondern beschreiben über Grünwald
Lercha, Oberdile noch einen Bogen, um erst dann über
die Rennstrecke im Forstenriederpark nach 202,6 Klometer
das Endziel der Konkurrenz zu errcien. In Muünchen
olgt daun am 18. Juni das Schtußodantett mit Preisver
eilung im Hotel Vier Jahreszeiten

Vermisßeadites.
Die Telsephondame in Gefahr! Man schreibt ver
„F. Z3.“ aus Körnm: Es soll Menschen mit so schiechter
Aharact ranlage geben, daß sie, wenn sie dreimal von den—
Lelcphonraulein falsch verbunden worden sind, um danr
zu hören, daß die ersehnte Leitung besetzt ist, nervös wer
den und dem Fräutein Titulaturen geben, die später vor
dem weisen Richter in Geld abgeschätzt werden. Solche
»bse Menschen werden mit Freuden vernehmen, daß die
Tage der Telephondamen gezählt sind, wenn man auch
Rorläusig für diese Zählung noch ein paar Tage nötig
haben wird. Das Problem der automauchen Vermittel—
Angsänter ist ja schon 1893 in Amerita „gelöst“ worden
und spater auch in Deutschland, aber die Sache haite doch
noch manche Halen, deren größter die große Kompliziern
)cit der Apparate war. Kürzlich ist nun in Köln der
Ingenieur Paul Hirdebrand aus München zum erstenmal
nit einem neuen, von ihm ersundenen antomatischen Te—
ephonschaltungsapparat hervorgetreten, der die Unzu—
aͤnglichkeiten der bisherigen Apparate vermeidet. Das
merikanische System Strowger schaltet, wenn zwei Teil—
chmer sprechen, ganze Gruppen anderer Teilnehmer ab,
odaß nur etwa 20 Prozent der Gesamtteilnebmer gleich—
zeitig mit einander verkehren können. Das System Hil—
debrand besorgt dagegen volkommen die manuellen Schal—
tungen der viel angefeindeten Telephondamen: Jeder Teil—
nehmer kann mit jedem andern Teitnehmer, der seinerseits
nicht gerade spricht, in Verbindung treten! Während die
automatische Schaltung des Linienwählersystems nur für
eine Betriebe in Frage kommen kann, gestattet das Sy—
tem Hiidebrand das Sprechen mit einer unbegrenzten
Zahl von Teilnehmern. Nur muß jeder von ihnen aui
der Zentrale eine Scheibe halten, die so viel Zeitungen
aufnimmt, wie Teilnetuner angeschlossen sind. Man siellt
zu Hause an seinem Apparat einen Hebel auf die Num—
mer, die man anrufen will, bezw. man setzt diese Num—
mer, wenn sie drei- bis siebenstellig ist, aus zwei und ein—
telligen Ziffern zusammen, wie man jetzt zum Telephon—
amt ruft. Dann schellt es bei dem betrefsenden Teilneh—
mer so lange, bis er den Hörer aushängt. Ist die Num—
ner aber besetzt, so erscheint eine rote Scheibe, die uns
»on dem Apparat fortscheucht. Wer aber einmal sich ge—
neldet hat, braucht nicht zum zweitenmal zu wecken, denn
in dem Augenblick, in dem das anderweite Gespräch se—
aes Freundes beendet ist, zeigt ihm dies ein Klingelzei—
hen an und ruft ihn an den Apparat. Natürlich mächt
in Zukunft der Nacht- und Tagesdienst keinen Unterschied
nehr und die Reichspost- und Telegraphenverwaltung kann
den Gesetzentwurf über die Verteuerung des telephonischen
Lerkehrs einsargen. Hildebrand schreckt auch vor den selbst—
ätigen Verbindungen im Fernverkehr nicht zurück, doch
reten hier die Kontrollapparate für die Bezahlung der
vespräche noch hinzu. Dabei sind die Apparate von ei—
ier verblüffenden Cinfachheit. Er wollte sie auch im Köl—
ier Technischen Verein, wo er seinen Vortrag hielt, vor—
ühren, aber wie die Erfinder, die die schönsten Apparate
erdenken, in einsachen praktischen Dingen meist unpraktisch
ind, hatte er sich nicht informiert, daß die gute Stadi
döln nur Wechselstrom liesert, während seine Apparate
iur Gleichstrom vertragen. Der Teilnehmer hat übrigens
tur Schwachstrom und löst mit diesen den Gleichstrom
»on 35 bis 50 Volt auf der Zentrale nur aus. So mußte
nan sich mit der „manuellen“ Vorführung der Apparaäte
»egnügen, die übrigens die Anerkennung der Faächleute
anden. Hildebrand ist beauftragt, mehrere Apparate von
erschiedenem Umfang nach Berlin zu liefern, die vorge—
ührten sind in Köln gebaut worden, weshalb hier die
xste Norfijhrung sintttans

ichieden. Aber ich glaube, daß eine gewisse Wortton von
Vertchiedenheit eine gute Basis für die Ehe ist. Es ist wie
bei den Gegensätzen; jeder hat etwas, was dem anderen
fehlt, und so ergänzen sie sich gegenseitig. Sie ind ganz
Geist, voll von Idealen und Thecrien, die Sie oft falsch
leiten würden, während er, vielleicht ein wenig zu sehr
ein Weltmann, ohne Illusionen, materiell —“
Hier hatte sie Irma unterbrochen, leicht errötend.
„Ich glaube, Sie tuun Mr. Hastings Unrecht,“ sagte
sie. „Er rerdient es nickt, materiell genannt zu werden.“
Mrs. Treherne lächelte, und selbst Irma bemerkte, daß
s ein Lächeln des Mitleids war, für das Mädchen, das
ich einbildete, Mr. Hastings besser. als sie selbst. Mrs.
Treherne, zu kennen.
Meine Liebe,“ sagte sie. „Ich kenne Mr. Hastings seit
langer Zeit, und ich glaube, ich kenne ihn sehr gut. Was
ich von ihm sagte, ist wahr, aber ich glaube nicht, daß
sein Materialismus Sie je beunruhigen wird. Wie ich
schon einmal bemerkte, glaube ich, daß Sie sich gegens'i⸗
tig beeinflussen und ergänzen werden; denn ich bin absolut
nicht der Meinung, wie Ihrc Freunde, die denken, daß
Sie einen Idealisten, wie Sie selbst oder einen Künstler
aus Bohemia heiraten sollten. Alles, was Ihre Verlobung
mit Mr. Hastings anbelangt, paßt sehr gut, und ich bin
froh, daß es so gekommen ist.“
Mit derselben Freundlichkeit wünschte Mrs. Treherne
etwas später Hastings Glück, und auch er bemerkte mit
Erstaunen, daß sie es aufrichtig meinte. Es war wirklich
zu verwundern, gerade das Gegenteil von dem zu finden,
vas er erwartet; aber ihre Freude oder ihre Enttäuschung
waren ihm beide so aleichaültig, daß er nicht weiter da—
rüber nachdachte.
Dieser Gleichgültigkeit war es auch zuzuschreiben, daß
er gar nicht merkte, wie Mrs. Treherne in den folgenden
Tagen nochmals versuchte, ihn allein zu sprechen, aber
stets vergebens, Einmal, als sie seine Stimme im Flur
hörte, und da sie wußte, daß Irma aus war, hatte sie
ihn in das kleine elegante Zimmer gerufen, das allmäh—⸗
lich ihr Privatzimmer geworden war. „Es ist wie in al⸗
ten Zeiten,“ hatte sie erklärt, als sie ihn einlud, Platz
zu nehmen; „ich habe Ihnen nämlich etwas Wichtiges zu
agen.“Hastings, als höflicher Mann, folgte dem Wunsche.
Aber bevor etwas Weiteres geredet wurde, erschien ploͤtz⸗
tich Camilla, um Mrs. Treherne zu bitten, mit ihr in
die Stadt zu fahren, um Besorgungen zu machen. Sie
ichten sehr guter Laune, sehr eilig zu sein und sehr er⸗
            
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