BGrey und Hroune einerseits und Vloyd Ge—
orge und Churchill andererseits entbrannt. Letz⸗
lere Vartei betrachtet sich als Sieger.
Serbien.
* Nachträglich ersahren wir, daß der Konflikt zwi—
schen dem Prinzen Georg und dem Major Okano—
wiist sch, der sich schon vor einigen Tagen abspielte, sehr
ernster Natur war. Prinz Georg erklärte, zu bedauern,
daß er den Major nicht fordern könne, worauf dieser er—
lärt haben sotl, ihm ftets zur Verfügung zu siehen. Zu—
gleich erklärte der Prinz im Verlauf des Wortwechsels,
Serbien keinesfalls verlassen zu wollen. Selbst das „Mali
Journal“, das dem Prinzen bisher stets freundlich ge—
sinnt war, rügt in scharfer Weise sein Verhalten, das ihm
auch den Rest von Sympathien die er noch genieße, ab—
vendia machen dürfte.
Australien.
*In der australischen Bundespolitik ist durch eine
Fusion der konservativen und liberalen Partei unter Dea—
Ins Führung und durch die Niederlage des Arbeitermi—
nisteriums Fisher große Verwirrung eingetreten. Als Zweck
der Fusion gibt Deakin an, daß er die Vertretung Au—
traliens bei der bevorstehenden Reichs-Verteidigungs-Kon—
erenz in London nicht der Arbeiterpartei überlassen wolle.
Der eigentliche Grund dürfte aber Dealins Wunsch sein,
die bevorstehenden Bundeswadlen selbst als Premier zu
überwachen. Fisher hat jedoch noch nicht resigniert, son
dern denkt anscheinend an Auflösung des Parlaments. Die
Entwickelung der australischen Politik dürfte durch das
onservativ-liberale Bündnis, bei welchem beide Varteien
hre Grundsätze zurückstellen, in Stockung geraten. Dea—
in selbst hat vorläufig auf die Durchführung seines neuen
protektioniftischen Programms, auf die Einfhrung der
Wehrpflicht und auf die Regelung des Verhältnisses zwi—
schen Bundes- und Staatsschulden verzichtet.
Vergeltung!
Das französische Finanzministerium hat es abgelehnt,
»en hohen Zothl, den deutsche Luftschiffer
ei ihrem unfreiwilligen Niedergang auf französi—
schem Boden haben erstatten müssen, wieder heraus—
ugeben. Der schöne und so harmlose Sport des Frei—
zallonfahrens hat schon gegen so viele Feinde zu kämp—
sen, daß ihm diese neue Gegnerschaft hätte erspart blei—
zen können. Die tiefere Ursache dieser Belästigung der
Luftschiffer liegt wohl in der abergläubischen Furcht, die
alle unsere Nachbarn ringsum ergriffen zu haben scheint.
Man ist versucht, diese verletzende Behandlung mit glei—
her Münze heimzuzahlen, und französischen
Sportleuten, die der Wind nach Osten verschlägt,
diefelben Schwierigkeiten zu bereiten; wir raten aber drin—
gend davon ab. Ganz unserer Ansicht ist die „Köln. Ztg.“,
venn sie schreibt: „Man stehe ihnen vielmehr hilfreich zur
Seite, helfe ihnen auch beim Verpacken der Hülle und
enthasse sie ungeschröpft mit Segens—
wümnschen; das kann man um so leichter tun, als es
iich bei den Ausübenden des Ballonsports meistens um
ganz unpolitische Leute, zum Teil um Damen
handelt, und das wird auch auf die Dauer seinen Ein—
druck nicht verfehlen“
Koloniales.
Ansiedler und Regierung in Südwest.
In Windhut wurde unter reger Beteiligung und
n Gegenwart des Gouverneurs der erste deutsch-südwest—
afrikanische Farmertag eröffnet. Der Bundesvorsit—
sende Erdmann begrüßte unter lebhaftem Beifall das Er—
cheinen des Gouverneurs als Beweis für das gute
Verhältnis zwischen ihm und der Farmerschaft. Die in
Deutschland verbreitete Ansicht, daß ein tiefes Zerwürfnis
‚wischen dem Gouvernement und der Bevölkerung bestehe,
ei erfreulicherweise durchaus unzutreffend. Zwar strebe
die Bevölkerung in einigen Punkten eine Aenderung der
Selbstverwaltungsorganisaton an, da aber die Wünsche
wegen eines weitergehenden Beschlußfassungsrechtes zu—
cückgeste ld worden seien, könne man mit Sicherheit cine
Finigung über Me verbleibenden Wünsche, die sich ledig—
lich auf Organisationsfragen bezögen, die allerdings auf
recht erhasten bleiben müßren, erhoffen
Gerichtsferien.
Alljährlich, wenn der Sommer naht, hat er eine
Erscheinung zur Folge, die auf unter modernes Verkehrs⸗
leben längst im hohen Grade befremdlich wirkt. Es kKill
nämlich eine Art von Gerichtsstillstand ein, wie er sonst
ttur ganz qusnahmsweise zu verzeichnen ist, wenn etwa
der Feind das Land besucht und die Staatsmaschine zum
Stillftand gebracht hat, oder wenn elementare Ereignisse,
denen Menschenkraft nicht gewachsen ist, sich hindernd in
den Weg legen, den die geregelte Tätigkeit des öffentli—
chen Lebens sonst einhält. Daß im Hochsommer jeder be—
müht ist, Geschäfte, die einen Aufschub vertragen können,
beiseite zu legen, liegt in der menschlichen Natur begrün⸗
det, und da auch die Richter nur Menschen nd. so wird
Einen Moment herrschte Schweigen. Eine plötzliche
Empfindung sagte Irma, daß das Gespräch hier einen
zefährlichen Punkt berührte. Sie war froh, daß sie durch
das Füllen der Teetassen etwas Zeit gewann.
„Das erscheint mir als ein höchst selbstsüchtiges Ge—
ühl,“ sagte sie, als sie ihm die Tasse reichte, „und des⸗
halb bedauere ich auch nicht, daß ich das nicht weiß. Aber
assen Sie uns von eiwas anderem reden. Was haben Sie
heute getan? Studien von Mr. Hastinas und seinem
Hunde gemacht?“
„Sehr richtig; blos die Studien habe ich in anderer
Weise gemacht. Hunde sind edle Geschöpfe, und ich male
ie gerne; aber der Mensch ist ein sehr schlaues Geschöpf.
Um nur meinen Ruf als Charaktermaler zu bewahren,
jabe ich verfucht, Studien an ihm zu machen, und ich
jabe viel gefunden, das sich schwer ausdrüden läßt.“
Irma sah interessiert auf.
„Mr. Hastings ist nicht das, was man einen einfa—
hen Charakter nennt, und doch scheint er mir nicht sehr
oerwidkelt zu sein,“ bemerkte sie.
„Das ist gerade das, was ich finde,“ sagte Norbert
zestimmt. „Er hat nicht nur einen sehr verwidelten Cha⸗
alter, sondern auch einen, der aus so vielen verschiede—⸗
ien Eigenschaften zusammengesetzt ist, daß sie in gleicher
Weise anziehen und abstoßen.“
Er hielt einen Augenblid inne, aber Irma sagte
nichts. Deshalb fuhr er fort:
„Wie anziehend sind z. B. Großmut und Freigebig—
eit, und wie abstoßend ist sein Cynismus und seine Ma—
erialismus.“
„Vielleicht kennen Sie Mr. Hastings nicht sehr gut,“
agte Irma, plötzlich errötend. „Ich habe ihn sehr genau
ennen gelernt seitdem ich hier bin und habe nie Zeichen
)cn Cynismus und Materialismus an ihm bemerkt.“
„Haben Sie denn wirklich danach geforscht?“ frug Nor⸗
bert bedeutsam. „Glauben Sie mir, man kann sie leicht
serausfinden, obgleich Mt. Hastings sich in Acht nehmen
wird, sie Ihnen zu zeigen?“
Und weshasclb hei mir besonderz32“ frodtie sie in fwo
nan aynen das Verlangen nach einer gewissen Unkerbrech—
ing sicherlich nicht verübeln können. Eiwas anderes aber
st, wenn der Staat als solcher erklärt, daß er sich seinen
lufgaben während eines gewissen Teiles des Jahres nur
inter erheblichen Einschränkungen widmen werde, daß er
»or allen Dingen eine seiner wichtigsten und heiligsten
lufgaben, die Rechtspflege, für zwei Monate im Jahre
twas leichter zu nehmen gedentt, daß er also seinen
dechtsschutz während dieser Zeit nur ausnahmsweise zu
ewähren beabsichtige. Gesetze, die eine solche Auffassung
um Ausdruck bringen, besagen eigentlich nichts anderes,
ils daß das große Gemeinwesen, das sich Deutsches Reich
iennt, für die Dauer von zwei Monaten im Jahre auf
ört, ein Rechtsstaat im vollen Sinne des Wortes zu sein.
zur Entschuldigung hak man siets vorgebracht und bring!
etzt noch vor, daß auch der Richter der Erholung be—
ürfe, allein dieser Einwand läßt sich ohne jegliche Müde
chon durch den Hinweis darauf entkräften, daß nichts im
Wege steht, einen beurlaubten Richter durch seinen im
Ame verbleibenden Berufsgenossen vertreten zu lassen
aß andererseits dem Er)olungsbedürfnisse dadurchge—
rügt werden kann, daß die Beurlaubungen über das
gzanze Jahr verteilt werden. Gewiß macht das Reisen im
Zommer sehr viel mehr Spaß als im Winter, allein zwei
elsohne kann man sich auch während eines Monats, den
nan im Winter noch frei veroringt, seht gut erholen,
ind schließlich ist der Verzicht, den derjenige Teil der
ichterlichen Beamten, der nicht im Sommer beurlaubi
verden tann, erleidet, keineswegs auch nur annähernd
o schwerwiegend, wie die empfindlichen Störungen und
Schädigungen, die das Erwerbsleben und der Geschäfts
erkehr im weitesten Sinne durch die Gerichtsferien er
eiden. Mit demselben Rechte könnten die Angehörigen
iller anderen Bernfsarten, deren Wirken das öffentliche
Leben ebenfalls berührt, Ferien für ihren Stand verlau—
en mit der Wirkung, daß das Publikum während dieser
zeit nur vermindere Anforderungen an sie siellen dürfte,
o die Apotheker, die Hebammen und dergl. m. Wer ihr
Dienste in Anspruch nehmen will, müsse es so einrichten,
zaß er ihrer während der Ferien nicht bedürfe.
Ob und wann an den maßgebenden Siellen dem
berlangen nach Beseitigung der Gerichtsserien Gehör ge—
chenkt werden wird, muß dahingestellt bleiben, und soll
edenfalls hier nicht untersucht werden, wo es darauf an—
ommt, zu zeigen, worin sich die Gerichtsferien äußern.
Ddas Gerichtsversassungsgesetz bestimmt in 8 202 folgendes:
Während der Ferien werden nur in Feriensachen Ter—
nine abgehalten und Entscheidungen erlassen.
Feriensachen sind:
1. Strafsachen;
2. Arrestsachen und die eine einstweilige Verfügund
betreffenden Sachen;
Z3. Meß- und Marktsachen;
14. Streitigkeiten zwischen dem Vermieter und dem
Mieter oder Untermieter von Wohnräumen oder
anderen Räumen, oder zwischen dem Mieier und
dem Untermieter solcher Räume wegen Ueber—
lassung, Benutzung oder Räumung, sowie we—
gen Zurückhaltung der von dem Mieter oder dem
Untermieter in die Mietsräume eingebrachten Ge—
genstände;
Strettigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Ge—
sinde, zwischen Arbeitgebern und Arbetern hin⸗
sichtlich des Dienst- oder Arbeitsverhältnisses, so
wie die im 8 3 Abs. 1 Nr. 1,2 des Gesetes,
betr. die Gewerbegerichte vom 29. Juli 1896
bezeichneten Streitigkeiten;
5. Wechselsachen;
Bausachen, wenn über Fortsetzung eines ange
fangenen Baues gestritten wird;
Das Gericht kann auf Antrag auch andere Sachen, so—
veit sie besonderer Beschleunigung bedürsen, als Ferien—
achen bezeichnen. Die gleiche Befugnis hat vorbehaltlich
der Entscheidung des Gerichts der Vorsitzende.
Es ruhen mithin während dieser Ferien, die am 15.
Juli begennen und am 15. September enden, alle dieje⸗
nigen Prozesse, die unter keine der soeben aufgeführten
kategorien gehören, und die auch troß entsprechenden Ge—
uches vom Gericht nicht für schleunig angefehen worden
28
ApppXXXĶhð ¶ãh2ääÄÄAI-ÔSSAIÄXæääôXãääää
Vermischtes.
Die dankbare Polizei. Wie die deutsche Wochen—
zeitung für die Niederlande meldet, hat das Haager
Lolizeikorps dieser Tage in den dortigen Blättern dem
publikum verbindlichsten Dank gesagt für sein vorbildli—
hes Benehmen während der Festfeiern zu Esren der neu—
geborenen Prinzessin Juliana. Einschreiten der Polizei
var nur selten nötig, und wo es geschah endete es stets
nit einem, beide Parteien befriedigenden Resultat. Die
Polizei knüpfte an ihrer Danksagung den Wunsch: „O,
nöcht es doch immer so bleiben....!“
Ein Vorschlag zur Güte. Die neue Eisenbahn war
in Betrieb genommen, und ein Bauer hatte das Unglück,
ein wertvolles Füllen dadurch zu verlieren, daß es über
das Geleise lief und vom Ecpreßzuge erfaßkßt wurde. Di—
herausforderndem Tone.
Ihre Augen begegneten äch. Der Augenblick der Of⸗
fenheit war gekeinmen. Für Norbert wenigstens war Zu⸗
ückhaltung länger unmöglich. Der Ausdruck in ihren Au—
jen, wie er ihn nie zuvor gesehen hatte, sagte ihm, daß
3 jetzt Zeit zu Leden sei, wenn er es je tun wollte.“
„Sie stellten diese Frage doch wohl nicht im Ernst?“
agte er. „Sie müssen wissen, was jeder andere Mensch
weiß, nämlich daß Mr. Hastings die Erbin des Darra—
rote⸗Vermögens heiraten möchte, und sich deshalb in Acht
nehmen wird, die unangenehmen Seiten in seinem Charak—
ter zu zeigen, die ihm vielleicht in scinem Bestreben scha—
den könnten.“
Irma fühlte einen beinahe phÿsischen Schmerz, als ob
sie von einer befreundeten Hand einen Schlag erhalten
ätte. Der Zorn übermannte sie und für einen Augenblid
var sie unfähig zu sprechen. Sie preßte ihre Hand an die
tehle, als sie Norbert anblickte
„Ich hätte nie gedacht, daß Sie solcher Worte fähig
vären!“ sagte sie endlich. „Es gt schändlich, solche An—
chuldigungen auszusprechen, solche Beweggründe unterzu⸗
chieben. Was wissen Sie von Mr. Hastings? Und wenn
Zie mehr von ihm wissen, wie können Sie wagen, ein
'olches Urteil über seinen Charakter zu fällen? Es ist
chändlich!“ wiederholte sie leidenschaftlich.
„Es ist nie schändlich die Wahrheit zu sagen,“ ant—
wortete Norbert, durch ihren Ton und Blid gereizt; „und
was ich Ihnen gesagt habe, ist Wohrheit! Dieser Mann
reit um Sie, weil Sie ein reiches Mädchen sind. Er
vürde nicht um Sie freien, wenn Sie wieder — ich
vünschte bei Gott, daß das moglich wäre — die Irma
darracote wären, die ich in Paris kannte und liebte.
Wenn Sie das nicht glauben, so ist es nur, weil Sie
ebenso blind gegen seinen Charakter, wie gegen seine Be⸗
weggründe sind. Und was diesen Charakter anbelangt —,
venn Sie nur wüßten, wie tief er in Cynismus, in Ma—
erialismus, in vollständigen Mangel an Treue gegen
Nenschen oder Gott getaucht ist —
Etsenbahngesellschaft wolite gern im Guten mit dem Wiann
auseinanderkommen und schickte einen Vertreter zu ihm.
Es tut uns natürlich sehr leid“, sagte derselbe zu dem
Bauern, „daß die Sache paffiert ist, ich hofse aber, vor
Bericht brauchen wir doch wohl nicht.“ Der Alte sah ihn
mißtrauisch an, sagte aber nichts. „Sie dürfen nicht ver
gessen“, fuhr der Abgesandte fort, „daß Ihr Füllen sick
widerre oetiich auf unserem Grund und Boden befand, als
das Unglück pafsierte. Aber wir wollen kenen Prozeß
und möchten, wenn irgend möglich, uns gütlich verglei—
hen.“ „Na“, sagte der Bauer, „dann hören Sie, was ich
Ihnen vorschlagen werde. Es iut mir jehr leid, daß das
Füllen auf Ihr Geleise gelaufen ist; aber ich bin nur
ein armer Mann und will Ihnen zehn Mark bezahlen!“
Ein 839klopenauge bei einem Kinde. Wie baye⸗
rische Bätter berichten, ist in einem Torfe bei Deggen⸗
dorf ein seltener Geburtsfall vorgekommen. Eine Baue—
rin schenkte einem Kinde das Leben, das ein ZByklopen⸗
auge hatte. Die beiden Augenhöhlen waren mit einer
Haut verwachsen, während sich mitten auf der Stirn ein
aöllig ausgebildetes menschliches Auge befand. Das kleine
Wesen, das gleich nach der Geburt starb, wurde an die
matomischen Sammlungen nach München geschit.
Der Ritt auf der Lokomotive. Ein Matrose der
amerikanischen Marine hat einen abenteuerlichen Riit auf
iner Lokomotive unternommen. Er befand sich in New—
Brunswick bei New-York auf Urlaub und wollte seine
Braut in Trenton, einer eiwa 50 Kilometer entfernt de—
legenen Stadt, besuchen, hatte aber, wie das bei Solda—
sen zuweilen vorkommt, kein Geld. Als der Schnellzug
in der Station hielt, kam der kühne Marssohn auf den
Bedanken, sich auf den Rücken der Lokomotive zu schwin—
gen, wo er rittlings Platz nahm. Der Lokonmoivführer
erblidte den sonderbaren Gast erst, als der Zug in voller
Beschwindigkeit dahinraste. Als der Lokomolivfihrer sich
anschickte, die Bremse zu ziehen, um den Zug zum Stes
hen zu bringen, rief ihm der Matrose zu, er werde sich
bor die Räder der Maschine werfen, wenn der Zug halte.
Da der Lotomotivführer nicht wollte, daß sich der arme
Teufel ums Leben bringe suhr er weiter, während der
Matrose auf seinem gefaͤhrlichen Sitz lustige Lieder sang
und die Mütze schwenkte. Der Seemann kam zwar nach
Treuton, aber nicht zu feiner Braut, denn beim Einlau
sen des Zuges in Tren!on wurde er von der Vyolizei ah
Jefakt und eingesperrt
Die erste deutsche Vuftschifflinie.
Die Zeppesin-Gesellschaft hat die Vorarbeiten für die
geplante Luftschifflinie Luzern-Stuttgart-Düssedorf zum
Abschluß gebracht und mit den genannten drei Städten
Berträge über die Anlage von Luftschiffhallen abgeschlos—
en. Der regelmäßige Luistschiffbetrieb wird Mitte des
Fahres 1910 eröffnet werden. Die Sache ist allerdings
amnschst sehr kostspielig und nicht jeder wird in der Lage
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Aßeldoct gνεν 9—αεισα ôαι2 7 ———
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sein, 500 Mark für die Reise von Luzern nach Düfsel—
dorf auszugeben. Die Eisenbahn kann also vor dieser
donlurrenz zunächst noch beruhigt fsein. Trotzdem wird
die neue Verlkehrslinie auf einen regen Zuspruch rechnen
önnen. Denn es wird bald zum guten Ton gehören,
eine Luftschiffreise mitzumachen. Unfere Kartenstizze gibi
zie geplante Fahrroute an. Zunächst sollen nur die ge—
lanren drc onicn uen in Betrieb genommen werden.
„Und wo haben Sie diese Treue gelernt, daß Sie ek⸗
nen andern wegen Mangel an derselben anklagen können?“
fragte sie.
„Ich habe diese Treue nicht gelernt,“ sagte er, „ich
habe nur durch Sie die Kenntnis erhalten, was Treue ei—
dentlich sein sellte. Aber dieser Mensch besitzt selbst das
nicht — er glaubt nicht einmal an Selbstlosigkeit bei ei—
nem Menschen, noch an die Existenz eines Gottes.“
„Und das,“ sagte sie mit vor Zorn bebender Stimme,
,ist der Dank für seine Freundlichkeit. seine Großmütig
leit gegen Sie!“
Der Künstler richtete sich schnell und stolz empor.
„Ich brauche Mr. Hastings nicht,“ antwortete er; „und
was seine Freundlichkeit und seinen Großmut anbelangt,
dlauben Sie, ich wüßte nicht, daß das nur Mittel sind,
um in Ihrer Gunst zu steigen? Er wußte, daß es Jhnen
zefallen würde, wenn er sich meiner annahm, und deshalb
tat er es. Und ich nahm es an, soll ich Ihnen sagen,
weshalb? Aus dem einfachen Grunde, um ihn zu beob⸗
achten, ihn kennen zu lernen, um zu erfahren, was für ein
Mensch er ist. Denn“ — seine Sümme wurde weicher —
es kann noch nicht zu spät sein, es kann nicht sein, daß
Sie ihm Ihr Herz schon geschenkt habenl“
„Was bekümmert Sie das?“ fragte Irma. Sie warf
den Kopf verächtlich zurück, wie er es nie vorher an ihr
zesehen hatte; ihre Augen blitzten, ihr ganzer Körper zit⸗
erte. Sie nehmen sich eine große Freihelt heraus,“ fuͤhr
ãe fort. „Sie haben kein Recht, in dieser Weise zu mir
mu reden.“
Recht! — nein, ich habe kein Recht,“ entgeanel- er