Tage anlern. Die Manvbver, die von den VLondoner Blät⸗
ern als ungewöhnlich „wichtige Operationen“ bezeichnet
verden, stehen unter dem Kommando des Admirals Sir
Villiam May, während die Unterkommandos sich dreizehn
Admirale teilen. Der Besuch der Flotte in London wird
egreiflicherweise Anlaß zu vatriotischen und politischen
Zundagebungen bieten
Serbiruc.
*Eine serbische Grenzwache hielt in der Nähe von
Turschumlija einen größeren Transport Gewehre, Revol—
oer und Munition auf, welche eine bewaffnete alUbane—
ische Bande über die Grenze nach der Türkei zu
schmuggeln versuchte. Nach einigen Schüssen von beiden
Seiten flüchteten sich die Albanesen und ließen den gan—
zen Transport im Stich
——
Hof und Gesellschaft.
* Das Befinden des Kardinal-Fürstbischoss Kopyp
var am Freitag Morgen leicht gebessert. Die Tempera—
ur ist noch leicht fieberhaft. Die Herztäütigkeit gibt noch
mmmer zu Besorgnissen Anlaß.
7 — 9—
Vreußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
In der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses stan—
den kleinere Vorlagen zur Beratung. Das Eisenbahnan—
leihegesetz wurde in dritter Lesung angenommen. Dabei
brachten verschiedene Abgeordneten spezielle Wünsche ihrer
Wahltreise vor. Der Antrag Bartling Watl), die
Staatsregierung zu ersuchen, zur Hebung der jüngsten
Hochwasserschäden so weit sie nach der wirt⸗
ichaftlichen Lage der betreffenden von diesen nicht getra—
gen werden können, Staatsmittel durch Gewährung nicht
rückzahlbarer Unterstützungen oder zinsfreie Darlehen be—
reitzustellen, wird ebenfalls angenommen. Dem Gesetzent
vurf betr. die Erhöhung von Beiträgen für
die gewerblichen und kausmännischen Fortbildungsschulen,
wvird in erster und zweiter Lesung zugestimmt. Dann folgt
die Beratung des Antrages Hammer (lcons.) betr. die
Bildung vnn Handelsausschüfsen bei den Han—
delskammern. In dem Antrage wird die Regierung er—
ucht, baldmöglichst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch
den eine ausreichende Vertretung des kleinen Kaufmanns—
tandes bei den Handelskammern ermöglicht wird. Der
Antrag wird genehmigt, weiter ohne Debatte ein
Antrag Dr. Belzer (Zentr.) betr. die Staatsbeihülfe
für Grenzarmenverbände gemäß dem Antrage der Kom—
mission. Nach kurzer weiterer Debatte vertagt nch das
haus bis 22. Juni—
Ein Fall von Waffenmißbrauch.
Ueber einen Zusammenstoß zwischen m Fuhr—
nann und einem Infanterieleurnant als
Zefehlshaber einer Abteilung des Karlsruher Telegraphen—
ataillons macht der sozialdemokratische, Volksfreund“ Mit—
eilungen, die, wenn sie auch nur zum großen Teil den
Tatsachen entsprechen, nach bürgerlichen Rechtsbegriffen
iinen durchaus zu verurteilenden Waffenmißbrauch
»es Offiziers darstellen. Nach der Schilderung des ge—
tannten Blattes sand der Fuhrmann eines Abfuhrwagens
urs dem Privatweg des Abfuhrgrundstückes der Firma
Lipp und Morlock im Walde, in der Nähe des Schützenjauses,
die Passage durch einen Wagen einer übenden
Telegraphenbatatllons-⸗Abteilung versperrt und sagte des—
jalb zu dem befehlenden Offizier in höflichem Ton: „Bitte
herr Leutnanx, lassen Sie einen Schritt links fahren, dann
angt mirs.“ Als der Kutscher des Militärwagens dar—
ruf Miene machte, links zu fahren, erklärte der Leutnant:
Sie bleiben stehen, es wird nicht weggesahren! Der
Nann soll oben (an einer anderen Stelle des Grund—
tücks) hereinfahren!“ Das ging aber aus technischen
Bründen nicht, und als der Fuhrmann nun so vorbeizu—
ommen versuchte, streifte er den Militärwagen unbedeu—⸗
end. Darauf verlangte der Leutnant den Namen des
zuhrmanns. Als diefer die Nennung verweigerte, da der
Afizier kleine Polizei sei, befahl der Offizier den Solda—
en, die Pserde anzur ν merie zum Fuyrmans
gewendet: „Reisst ihn runae eche iha nieder, den Hund!“
In der Szene, die nun it, hieb der Fuhrmann au
eine Pferde ein, der Leutcitt zog den Säbel und durck
inen Schlag auf die rechte Hand des Fuhrmanns wurd;
zer Mittelfinger bis auf den Knochen durchgeschlagen, so
vie ein anderer Finger leicht verletzt. Der Fuhrmann sei
iatürlich mit seiner Peitsche zur Abwehr geschritten und
jabe dabei vielleicht den Leutnant getrofsen, der darau
ommandierte: „Säbel raus!“ Einige Soldalen hätten die
Zäbel gezogen, sie aber sogleich wieder eingesteckt. Die
Angelegenheit hätte ein schlimmes Ende nehmen können,
ind man werde erwarten müssen, daß volle öffentliche
dlarstellung erfolgt. Von der Militärbehörde war bis
etzt keine Auskunft über die Angelegenheit, insbesondere
richt über den Namen des Offiziers zu erhalten. Der
Fuhrmann wird als ein älterer, ruhiger Mann geschil⸗
zert, der nicht den Eindruck machte, als neige er zu Ge—⸗—
valttätiakeiten.
— ——— — — —
Die holländische Prinzessin.
Zum ersten Male gelangen Bilder von der kleinen
ßrinzessin Juliane und dem glücklichen Elternpaare in die
Deffentlichkeit. Sie erhalten noch dadurch besondern Wert,
»aß die Aufnahme von der Königin bezw. dem Prinzge—
nahl t Iht hergostelst morden iisft IAn2esamt sind
—
odieonigin detiduana en re ir
drei Aufnahmen angefertigt worden, die eine sitellt die
unge Königin, die fich in der letzten Zeit in ihrem Aus.
ehen sehr verändert hat, dar mit dem kleinen Prinzeß.
hen im Arme, die zweite den Prinzgemahl mit dem Toöch
erchen und die dricze die Königin⸗-Mutter mit dem En—
elchen.
Eulenburg in Gastein.
Eine kurze, unscheinbare Notiz geht durch die Zeit⸗
ungen. Sie lautet: „Fürft Philipp zu Eulenburg, gegen
den bekanntlich noch immer das Verfahren wegen Me
*Zza schwebt, ist zur Kur nach Gastein gereift. In se—
7c Begleinmng besindet sich die Gaitin und der Hausarzi.
der Fuͤrst halte vor Antritt der Reise die Genehmigung
Königlichen Staatsanwaltschaft Berlin nachgesucht und
So musßte es kommen. Das baben aͤlle die
enigen, die das Spiel dieses Mannes Szene fur Szent
erfolgt haben, längst vorauszesehen. Schritt vor Schrit
at er sich den Bewegungsraum zu erweitern gewußt; von
er Untersuchungshaft in die Krankenpflege, von der Cha—
itee ins Schloß seiner Väter, vom Ahnensitz in die weite
Welt hinaus. Dieser Mann, der eines Meineides schwer
derdächtig ist, den glaubwürdige Zeugen unter ernster
Zchädigung ihrer Existenz grober Unsittlichkeiten geziehen
Jaben, über den selbst der Staatsanwalt, der ihn ersi
erherrlicht hatte, betrübten Herzens den Stab brechen
nußte, dieser Mann begibt sich jetzt in ein internationa—
es Bad, wo die Bewohner der fuͤnf Erdteile sein Er
cheinen als ein trauriges Kuriosum deutscher Zustände
mstaunen werden. Immer wieder muß die Frage aufge
vorfen werden, was wohl Herrn Müller oder Schulze
n der gleichen Situation geschehen wäre. Wie das Ver—
ahren gegen den Fürsten Eulenburg vor einer wahrzas!
taatserhaltienden Gesinnung gerechtfertiat werden soll. das
entzieht sich unserer Einsicht.
In einigen Blättern ist seinerzeit angesichts der Stell—
ing, die dem Fürsten in dem Verfahren gegen ihn ein
zeräumt wurde, die Weise gesungen worden, man dürfe
ich über die humane Behandlung, die dem durchlauchti—
jen Angeklagten zuteil werde, nicht entrüsten; vielleicht
reche hier eine neue Morgenröte der Menschlichkeit an, de—⸗
ten sanstes Licht auch gewöhnliche Sterbliche erwärmen
verde. Diese Deutung war sehr bequem und von jener
Vesensqualität eingegeben, die der bessere Teil der Tap—
erkeit ist. Nur ist sie nichts als eine anmutige Flostel.
inter vier Auzen zucken alle — welches Beruses und
ztandes sie seien — die Achseln und fügen, indem sie die
3mme vorsichtig senken, allerhand Konjekturen über die
Notive hinzu, die dem Schloßherrn von Liebenberg die—
es gestrichene Maß von Nachsicht sichern, von der Herr
Beseler sagt, daß alles erfolgt sei streng nach den For—
nen des Gesetzes; aber der einfache Lalenverstand wird's
mit dem Geist des Gesetzes schwer in Einklang bringen.
Man hätte, des langen Haders müde, über alles jetzt
chweigen können, wenn der Mann in Liebenberg scin
dasein wenigstens in der Stille beschlossen hätte. Daß er
aber die Dreistigkeit besitzt, nun noch Reiseurlaub zu er
bitten; daß die Behörden die Bewilligung erteilen, statt,
vie erwartet werden mußte, den nun doch gewiß Trans:
portfähigen sofort in die Zelle zu stecken, in die er ge—
hört, das kann nicht einfach schweigend verzeichnet wer
den. Noch vor kurzem hieß es, jede Orfisveränder—
ing könne für ihn den Tod herbeiführen, und der Fürse
verde sicher niemals wieder vernehmungsfähig werden;
etzt, wo der Prozeß Moltke-Harden vorläufig erledigt ist,
rholt er sich in rapidem Tempo. Justitia sundamentum
ꝛegnorum. Man saze nicht, besonderes Pathos sei hier
ibel angebracht; was komme denn ichließlich darauf an,
»b der Geächtete hier oder da sein otium sine dignitate
blebe? Hier steht ganz anderes auf dem Spiele als das
zchicksal dieses Mannes. Und wie die Fraze, die wir
nicht nochmals zu formulieren brauchen, beanwortet wird,
daran sind wir alle, soweit die deutsche Zunge klingt, wie
an einem ganz perjönlichen Erlebnis interesssiert. S. &C
Zu der Abreise des Fürsten Philipp Eu—
lenburg nach Gastein schreibt aus zuverlässiger
Quelle eine Berliner Korrespondenz: Die Staatsanwalt⸗
chast wurde erst am Tage der Abreise des Fürsten und
war erst nach Antritt der Reise, durch den
LBerteidiger Eulenburgs über die erfolgte Abreise, deren
Zziel, Zweck und voraussichtliche Dauer (etwa vier bis fünf
Wochen) unter Beifügung eines ärztlichen Attestes, das
zie Notwendigkeit der Kur glaubhaft macht, benach
ichtigt. Die Staatsanwaltschaft hat der zuständigen Straf—
ammer des königlichen Landgerichts Berlin 1, die seiner⸗
eit die Haftentlassung beschlossen hatte, die Anzeige des
Verteidigers Eulenburgs zur Kenntnisnahme mitgeteilt.
Velche weiteren Maßnahmen seitens des Gerichts oder der
Ztaatsanwaltschaft erfolgen werden, steht gegenwärtig noch
nicht sest. Dieselbe Korrespondenz weist weiter daraufhin,
daß ein gegen Sicherheitsleistung aus der Untersuchungs—
jaft Entlassener, wie Eulenburg nach der Strafsprozeßordrung
eine staatsanwaltliche Genehmigung zu einer Bade—
zeise ins Ausland nicht nachzusuchen brauche, und daß ihm
»er zeitweilige Aufenthalt im Auslande nicht verwehrt
verden könnie. Es liegt ihm nur ob, eine im Bezirke
zes zuständigen Gerichtes wohnhafte Person zur Empfang—
iahme von Zustellungen zu bevollmächtigen. Nur wenn
rwiesen wäre, daß Eulenburg Anstalten zur Flucht wifft,
vürde er trotz der Sicherheitsleistung verhaftet werden müs—
en, und dann würde auch sein im Deutschen Reiche be—
indliches Vermögen beschlaanahmt werden.
Luftschiffbau in Mannheim.
In Mannheim wird in allernächster Zeit der Bau
eines großen Luftschiffes begonnen werden. Die Groß—
ndustriellenfamilie Heinrich Lanz hat sich entschlossen, dem
rofessor Schütte von der Königl. Techn. Hochschule in
danzig, dem bekannten Konstrukteur eines neuen Luft—
hifftyps, die weitestgehenden Unterstützungen angedeihen
u lassen. Die Familie Lanz wird ein Luftschiff nebst
zalle nach den Plänen Prof. Schüttes auf dem neuen
Fabrikgelände der Lanzschen Fabrik auf der Rheinau
rbauen. — Das lenkbare Luftschiff des Professors Schütte
gehört zum Typ des starren Systems. Es wird über
190 000 Kubilmeter Wasserstoffgas fassen und über eine
notorische Kraft von 500 bis 600 PS. verfügen, dem
semäß auch große Geschwindigkeiten entwickeiln. DVa das
ruftschiff auf einem Holzgerippe erbaut wird, sei ermög
icht worden, es auch in den Dienst der Funkentelegraphi
u siellen. Die Ballonhalle wird eine Laͤnge von 36 Me
ern und eine Breite von 60 Metern erhalten. Mit den
zundamentierungsarbeiten wird bereits in den nächsten
cagen begonnen werden. Man hofft, das Luftschiff noch
n diesem Herbst zu Probeahrten fertigzustellen.
— ——
Vermischtes.
Der heilige Bureaukratius hat sich wieder ein
länzendes Stücklein geleistet. Die Stadtgemeinde Hof hät
m April d. J. einem in Nürnbera bebeimateten Mrboitor
me einmalige Reiseunterstützung von 20 Pf. (zwauz
Pfennigen) gewährt. Mit Bries vom 10. April ersuchn
die Stadtgemeinde Hof die Armenpflege Nürnberg um
Ktückerstattung dieser 20 Pfg. Diesem ersten Brief ist nren
nehr, da er fruchtlos blieb, ein zweites Schreiben gefelta
Diese Dringlichkeit, für deren Bekundung die Stabt
zemeinde Hof 20 Pf. Porto aufwendete, hat den Armen
ꝛflegschaftsrat Nurnberg zu dem Beschlufse veremlatt
»em Stadtmagistrat Hof die schuldigen 20 Pf. mittele
Bostanweisung einzusenden. Die Energie des Hofer Ma—
zistrats ist bewundernswert und hringt, wie erfsichttich
teiche Früchte!
Die vier „Hörner“ in Bern. Der Berner Humor
nacht bei der Namengebung vor den höchsten Instanzen
ticht Halt. Man weiß, daß im Volk das Observatorium
un Bern nur Wetterhorn genannt wird, die Frauenklinif
»as Schreckhorn, und nun hat der Volksmund der Uni—
zersität den Namen Alma Mater-Horn (1) gegeben. Der
Hönsten Namen trägt das Verwaltungsgebäude der
zichweizerischen Bundesbahnen: Man nennt es Faulhorn
—
— —
Lokales.
Verbrechen. Verhaftet und in Unterfuchungshaft nach
Saarbrücken abgeführt wurde der 34 Jahre alte Bergmann
R., wohnhaft in Hungerpfuhl. Der Mann hat sich an
seiner 17jährigen Stieftochter vergangen.
Eingefandt. An ersten Pfipngstfeiertage nachmittags
4 Uhr spielt die 1. Mannschaft des Fußballklubs Dudwe ler
1907 gegen die 1. Mannschaft des Fußballklubs „Borussia
Elversberg“ in Dudweiler auf den Kitten. Das Spiel ver—
spricht ein interessantes zu werden, da beide Mannschaften
sich bereits voriges Jahr gegenüberstarden und Dudweiler
mit 2:6 fiegte.
Das geheimnisvolle Innere des Metitlacher
Tunnelberges. Der Mettlacher Tunnel, der von seinem
kinsturz glücklich wieder genesen ist, ist und bleibt doch noch
füt eine längere Zeit ein arges Sorgenkind, das der Bau—
oerwaltung viel Arbeit und Kosten verursacht. Wiae dekannt,
ist der große Hohlraum im Berge oberhalb des Tunnels, der
im November 1907 den letzten großen Einsturz hervorgerufen
zatte, im verflossenen Winter nach langem Suchen endlich
aufgefunden worden. Dieser Hohlraum hat aber auch schon
wieder seine Geschichte. Wie s. 8. kurz gemeldet, sind in
diesem Hohlraum, der eine mächtige Ausdehnung hat, im
März große Erdmassen herabgeftürzt; glücklicherweise zur
Nachtzeit, sonst hätte es noch eine Reihe von Menschenleben
zekostet. Aber was damals geschah, kann auch jetzt noch
mmer wieder eintreten, wenn auch die Gefahr bei fortschrei⸗
ender Arbeit täglich abnimmt. Bettachten wir einmal den
Hohltaum etwas naͤher. Er hat eine Ausdehnung nach
allen Richtungen, über die jeder sich wundern wird und die
chweren Folgen des Tunnel-Einsturzes begreiflich erscheinen
lassen. Die Länge des Hohlraumes beträgt nämlich 31
Melter, seine Höhe 8,60 Meter und seine Breite 9.50 Meter;
er stellt also eine ganze respektable unterirdische Halle dar,
die unter anden Umständen und an anderer Stelle eine
Zehenswürdigkeit sein würde. Jetzt ist sie nut ein Gegen—⸗
tand des Schreckens. Außerdem hat die er große Raum
rinen kleineren „wurmförmigen“ Ansatz, einen sozenannten
Schlauch, der eine Länge von 42 Metern had, 1,90 breit
uind eiwa 2 Meter hoch ist. Dieser große Raum muß voll⸗
tändig mit Steinmaterial ausgefüllt und „ausgepackt“
verden. Zu diesem Zwecke mußte er aber in seiner ganzen
Ausdehnung und nach allen Seiten durch Holzbalken zuvor
ibgeftützt werden, zanz nach bergmännischer Weise. Diese
Arbeit war im März vollendet, als die erwähnte Katastrophe
tachts eintrat. Außer kleinerem Erd reich lösten sich damals
orei große Erdballen, davon einer 16 Kubikmeter, der andere
und der diitte 7 Kubikmeler Masse enthaltend, und ftürz⸗
ten hinab, die angebrachten Holzabstützungen wie Zündhölzer
bruchbrechend. Jetzt galt es zunächst, den großen Schaden
an dem Abstützungswerke wieder zu beseitigen. Mit Angst
und Schrecken ging man an die Arbeit, niemand war ja
teines Lebens sicher, denn jeden Angenblick konnte ein neuer,
dielleicht noch größerer Absturz erfolgen, denn durch den
Luftzutritt hatte die hängende Erdmasse eine größere Weich⸗
Jeit erhalten, sie begann schneller abzubröckeln, das „Damokles⸗
chwert“ schwebte also ftändig über dem Hauple der Arbeiter
Die Arbeiten wurden und werden dann weiter erschwert
durch das Wasser, welches stets von oben herabtröpfelt, so
daß die Arbeiter sich immer im „Regen“ aufhalten müssen.
Auch heute iß bie Gefahr, das weitere Erdteile sich lösen
und herabstürzen, noch nicht beseitigt. Dennoch nehmen die
Arbeiten jetzt eineu gufen Fortgang. Es ist aber ein schweres
Werk, welches am besten dadurch veranschaulicht wird, daß
chon seit Ende Januar 42 Mann daran arbeiten und daß
die weitere Arbeit noch mindestens ine Dauer von 3 bis 4
Monaten erfordert, bevor der ganze Hohlraum nach allen
Seiten mit Steinen ausgepackt ist, sodaß jeder Einsturz un⸗
möglich wird. Hoffentlich ist damit für alle Zukunft jeder
Ueberraschung vorgebeugt. Eine Garantie kann natürlich
aiemand dafür übernehmen, ob sich in dem bösen Tunnel⸗
derge nicht noch weitere Hohlräume befinden; jedoch darf
man wohl annehmen, daß diese, falls sie noch vor—⸗
Janden sein sollten, dem Tunnel an sich keinen Schadeu
mehr bringen kö nen, da der übrige Teil des Tunnels durch
sestes Gestein gehl, welches einen Einsturz nach menschlichem
Ermessen nicht befürchten läßt. Damit wäre aber vorläusig
der geheimnisvolle Schleier zelüftet, der üuber dem Innern
des Tunnelberges lagerte, aus dem seit Jahren schon so
hiel Unheil über dem Tunnel sich ergoß.
Lehr⸗und Versuchsanstalt sür Photographie,
Chemigraphie, Lichtdruck und Gravuüre zu München.
Diese Anstalt tritt am 11. September d. J. in ihr neues
10.] Unterrichtsjaht ein; sie bildet in einem 2jaährigen Lehr⸗
zang zum kunstlerisch geschulten Photograhren, zum Licht⸗
zrucker oder Heliogravtretechniker aus; seit 1906 werden
ruch Damen zugelassen. Es eignen sich vornehmlich junge
Leute mit zeichnerischer und künstlerischer Befähigung. Die
Austalt halt neben ihrem Tagesunterricht noch Meisterkurse
ind Hochschulkurse für Studierende der K. Techn. Hochschule
zu Munchen; im Laufe des 10. Schuljahres wird sie ihr
reues großes Anstaltgebaude beziehen. Die Zahl der Auf—⸗
ichmenden ist eine beschränkte. Interessenten erhalten kosten⸗
os das Anstatisstatut, das über alles Wssenswerte unter⸗
richtet, von der Kanzlei der Anstalt München, Rennbahnstr. 11.
Briefkasten. Zur Bequemlichkeit des Publikums ift
im Burgermeisteramt Dudweilrr ein Briefkasten angebracht.
alle schriftlichen Eingaben an das Bürgermeisteramt, die
Bemeindekasse, Polizelamt, Gas⸗ und Wasserwerk, Bauamt
usw. können diesem Briefkasten anvertꝛaut werden und ge⸗
angen an ihren richtigen Bestimmungeort.
Fernsprech Centrale Dudweiler. Neue Teilnehmer⸗
Verzeichnifse sind erschienen. Im Laufe der nächsten Woche
werden wir die Verzeichnisse den Kebenanschlüssen zustellen.
Maurerftreik. Der Arbeitgeberverband füt das Bau⸗
gewerbe Saat hat in seiner Versammlung vom 28. ds. Mts.
solgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige
seht stark besuchte Versammlung der Bauarbeitgeberschaft
'n Sabrbrücken, Voͤlllingen und St. Ingbert beschließt nach
ringeherder Verhandluug: „In Anbetracht der heute durch
die Gewerkschaften uber die Verbandefirmen Fink, Geor.
seller, Berger, Pitz und Burgemeisten sowie Wiitemann in
St. Ingbert verhängten Maurer⸗ und Bauhilfsarbeitersperre
verden am Samstag den 29. Mai abends die Bauneschäfts⸗
zetciebe zunächst in Saarbrücken zäuzlich stillgelegt und nicht
her wieder eröffnet, bit die Arbeitgeberschaft dies besonders
beschließt und Garantien dafür vorhanden sind, daß 1806
derartige Sperren nicht möglich sind.
Ersorderlichen Falles soll eine Aussperrung der Bauar⸗
reiterschafi im ganzen Verbandsgebiet vorgenommen werden.