Uummer 123
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Mit Veilagen: „Vessetrisfische Wochenschrifte“‘ und
Kusige Blaͤtter“.
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Algemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereiße
Dudweiler.
Abonnementspreis
monatlich 70 Pfs. frei ins Haus gebracht; bei der Po
bestellt M. 2, 25 vierteljährlich.
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Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
Erstes Blatt.
Dochen⸗Nundschau
Pfingsten, das Vermählungsfest des Frühlings mi
dem Sommer steht vor der Tür. Zvei willlommene Feier
age zum „Ausftiegen“ in Gottes weiter Natur. Die Fa
nilienntiitgliceder aus nah und fern strömen herbei, un
im Kreise der ihren die Festtage zuzubringen. Noch we
riige Wochen und wer *aben den wenig verdaulichen Hoch
ommer. Die Sat Sem Feste hat auch auf das po
itische Leben übergegrihtn. Die Reichstagsmiiglieder sind
»aheim und laässen für einige Wochen Volitik, Polinik sein
ur die Reichsfinanzkommission arbeitet noch, um ar
jem vernachlässigten Werk bis Pfingsten noch möglichf
iel fertig zu bekommen. Der Block ist nach Annahme
ner konservativen Wertzuwachssteuer außer Funktion ge
reten. Freisinnige und Natsonalliberale haben das Hef
us der Hand gegeben, um einer anderen Mehrheit Plat
‚u machen. Man würde fehlgehen, nun den Block fü
ot zu erllären. Nein, ein schwaches Lebenslicht flimmer
ioch, und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich dieses Lich,
sei den Beratungen im Plenum wieder erholt. Wer weiß
wie es kommen mag, Bülow hofft ja noch, denn sonß
wvürde er wohl längst demissioniert haben. Hinter der
dulissen wird jedenfalls immer noch gearbeitet und wenr
tzülow es anscheinend auch nicht mehr selbst tut, so ha
r doch seine Leute dafür, die in der Ueberredekunst eben
o große Meister sind. Man hat auch wieder von eine
berstimmung zwischen Kaiser und Kanzler gesprochen. Or
twas Wahres daran ist, läßt sich nicht kontrollieren. Un⸗
cheint, daß es sich wieder um leere Gerüchte handelt, die
ndieser „Sauregurkenzeit“ mit Vorliebe auftauchen. Bü
ow ist vorläufig noch Kanzler und mit dieser Tatsach‘
nuß gerechnet werden. Ein großer Meisler der Intrigue—
»olitik, wird er sich, wenn es ihm an den Kragen geher
ollte, schon noch mit Händen und Füßen zu wehrer
vissen. So ohne weiteres wird es sich wohl nicht erge—
en. Seine frühere Politik, bei eintretenden Schwierigfei—
en dem Kaiser sein Portefeuille ohne weiteres zur Ver—
ügung zu stellen, scheint der Kanzler aufgegeben zu ha—
en, vielleicht ist es ihm in diesem Augenblick auch
efa rvoll.
Einen sentationellen Fall hat diese Woche zu —r—
zeichnen: der totkranke Eulenburg ist mit Kind und NMe—
jel nach Bad Gastein abgeschoben. Die Staatsanwaltschaf
‚at es ihm erlaubt. Vor einigen Wochen hieß es noch,
aß der des Meineids verdächtige Fürst mit dem Todé
ingend in Liebenberg liege, und daß er wohl niemals
nehr vernehmungssfähig werden würde. Seltsam! Warum
sat man ihn, als er bei der Staatsanwaltschaft darübern
inkam, nach Gastein fahren zu dürfen, nicht einfach hin—
er Schloß und Riegel gesteckt, wo er doch eigenilich hin—
iehört. Wird es denn noch immer nicht klar, daß der
Anzeigen
kosten 10 Pfg. die spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterteller
in Dudweiler.
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yntrgant von Wien und Aumnchen ein gefährlicher Siiu—
aint ist? Leuchtet's noch immer nicht ein, daß der schlaue
rulenburg die gerichtliche Aerztekommission über seinen
dahren Gesundheits zuscand hinvegzutänschen wußte? Was
»erden die Leute in Gastein sagen, wenn sie das deut—
he Sensationsstück zu Gesicht bekommen? Der Fall Eu—
burg bildet für die deutiche Instiz kein Ruhmesblatt,
tan wird ihn nie vergessen und hei ñhnlichen Anlässen.
ch sciner erinnern.
Die ungarische Krise zeigt noch immer dasselbe
zild. Ministerprasdent Welerle war einige Tage in Wien
ind hatte mit Fatsser Franz Zosef und Aehrenthal Un—
rredungen. Wekerle ist inzwischen wieder in Budapeft
ingetrosfen, um eine Lösung der Krise herbeizusühren.
b'es ihm gelingen wird, steht jetzt mehr denn je in
rage, weil die Anhänger ciner selbjtändigen ungarischen
zankt immer mehr an Boden gewonnen haben und in
Lien in dieser Berietuung keinerlei Konzessionen aemacht
erdent wollen.
In Frankreich ist man über die friedliche Beilegung
es Cafablanca-Zwischenfalles, der seiner—
eit beinahe kriegerische Verwickelungen zwischen Deutsch—
ind und Frankreich heraufbeschworen hätte, höchst er—
eut. Das Haager Schiedsgericht hat sich bemüht, es
eiden recht zu machen. Um des lieben Friedens willen,
t es ersfreulich, daß der leidige Fall mit dem gegensei—
gen Ausdruck des Bedauerns seinen Abschluß gesunden
at, aber es ist nicht zu verkennen, daß der Haager Spruch
ir Deutschland erniedrigend ist. Die menternden Deut
chen der Fremdenlegion bleiben der französischen Regier—
ag überlassen und werden dort wohl zu harten Strafen,
»enn nicht zum Tode verurteilt werden. Der Konsulats—
hutz bleibt den Legionären also fürderhin versagt und sie
ud der französischen Regieruna mit Haut und Saar
erkauft.
Jenseits des Kanals, in England, befürchtet man
ur Abwechselung wieder 'mal eine de utsche In va—
don per Luijtschiff! Jetzt hat man sogar schon deutsche
Lruftschiffe auf englischem Voden landen sehen. Nach nä—
erer Untersuchung des aufregenden Falles stellte es sich
seraus, daß es sich um einen zu Retlamezwecken aufge—
assenen — Papierballon handelte. Ob unsere britischen
Lettern sich nun nicht bald eines besseren belehren lassen
ind sich ob ihrer verrückten Invasionsfurcht ein klein we
ig schämen? — Der erste Seelord John Fisher hat dem
roͤnig seinen Abschied eingereicht und ihn erhalten. Ein
dachfolger ist bisher nicht ernannt.
dem Erkrantten ein Blumen-⸗-Arrangement mir
den besten Wünschen für seine Genesung überbringen.
* Vom geschäftsfiihrenden Ausschuß des preußischen
Lehrervereins ist Berliner Blättermeldungen zusolge
den Staatsministern Dr. Holle und Freiherrn v. Rhein—
haben, sowie dem Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff
der Dank der preußischen Lehrerschafst für das glück—
liche Zustandekommen des Besoldungsge'eßes telegraphiich
übermittelt worden.
* Das Reichspostamt hat der „Voss. Ztg.“ zufolge die
Oberpostdirektionen ermächtigt, über die Beurlaubung von
Unterbeamten zu Kuren in Trinkerheilanstalten
»is zu einem Jahr unter Belassung des Einkommens und
Uebernahme der Stellvertretungskcosten auf die Vostkaise
elbständig zu enticheiden. Bei vorhandener Bedürftigles.
cönnen solchen Unterbeamten als Zuschuß zu den Kur—
und Verpflegungskosten Unterstützungen bis zu 4wei Drit—
teln der Gefamtkosten bewilligt werden.
* Die Finanzkommission des Reichstages er—
ledigte ami Freitag zunächst den Abschnitt Durchschnitts—
brände der Brauntweinsteuervorlage, ohne
daß sich die Linke an der Debatte beteiligte. Bei der
Abftimmung wurden die von der Regierung befürworte—
en niedrigen Sätze für Branntwein und Liköre geaen
Zentrum und Polen angenommen.
*Der Schiffahrtsabgabenentwurf soll,
wie eine Berliner Korrespondenz meldet, im Bundes—
rat auf Schwierigkeiten stoßen. Die dem Ent—
wurf ablehnend gegenüberstehenden Staaten sollen es
durchgesetzt haben, daß der Entwurf zu nächst nich;
beraten wird, da sie Erwägungen anstellen wollen,
ob es staatsrechtlich zulassig ist, den Abgabentarif durch
den Bundesrat festiehen zu lassen, wenn die Anlieger—
taaten sich nicht einigen können, und einen Staat dazu
zu zwingen, einenti Stromverband beizutreten, ehe diest
Fragen nicht gelöst sind, wird in eine materielle Berat
aung nicht eingetreten werden können.
* Die Dresdener Handelstammer beschloß die Regier—
ungen zu ersuchen, auf ihrem ablehnenden Stand—
hunkt gegenüber ven Schiffahrtsabgaben zu beharren
Oesterreich Ungarn.
* In politischen Kreisen glaubt man, die endgültige
SEutwirrung der Krise werde bis zum Herbsst ver
schoben und das gegenwärtige Kabinett unter Neube—
etzung von ein oder zwei Ressorts schon demnächst vom
Monarchen mit der Durchfiühruna der Entwirrungsaktion
zetraut werden
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Auf die Benachrichtigung von der schweren Exr—
rankung des Kardinals Kovp ließ der Kaiser
Englaud.
* Nach Beendigung der diesjährigen Flottenmanöver
in der Nordsee, zu welchen ein ungewöhnlich starkes
Aufgebot von Kriegsschifsen herangezogen werden wird,
sollen diese Schiffe anstatt wie früher nach Spithead, die
Thent'e auiwärts nach London sahren und dort mehxer.
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