Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

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entu Modenwelt.
Aalen Anforderungen gerecht zu wer
en, die der Gesellschaftsmonat Januar
in die Garderobe stellt, ist in diesem
Jahre wirklich nicht leicht. Denn es
blieb nichts vom vergangenen Jahre,
das man noch einmal „zwischendurch?
mittragen könnte; zu sehr hat sich die
Mode seither in ihren ganzen Umrissen
oerändert. Von der Schulter bis zum
Rocksaum foll das Kleid in ungebro—
henen Linien niederfallen, die feinen
Umrisse von Achsel und Hüfte ungetrübt
zur Geltung kommen lassend. Kein
veiter Armel, keine blusigen Taillen
mehr; nur in ganz leichter Faltenge—
zung darf der Kleiderstoff den Ober⸗
körper umspielen — beileibe nicht wei⸗
ter, wie zur Erzielung des Eindrucks
von Ungezwungenheit gerade notwendig
ist. Aber genau so entfernt wie von
den blusigen Taillen des vorigen und
vorvorigen Jahres sind wir aucf
von den glatten Panzern einer noct
früheren Mode. Die armen Schnei—
derinnen sind wirklich zu bedauern, für
sie bedeutet die diesjährige Mode ein
vollständiges Umlernen, ein Umstürzen
aller durch jahrelange Überlieferung ge—
Jeiligten Schneiderweisheit. Heute muß
ede Berufsschneiderin und jede selbsi—
schneidernde Dame das leisten, was
man früher für teures Geld von Ate—
Fig. 1. Ballkleid mit Blumen⸗ liers für künstlerisch-individuelle Klei—
girlanden. »ung verlangte. Aber darum nicht
nutlos werden!! Mit einem großen Spiegel, sehr viel Stecknadeln, Gedul
ind ein wenig Geschicklichkeit läßt sich recht viel erreichen, und das ist wi
er das Gute an heutigen Gesellschaftskleidern, daß sie nur geschicktes Dra
ieren, kein sorgfältiges Ausarbeiten verlangen. Eine gutsitzende Futtertail
ev. mit Rock) bildet den unerläßlichen Grundstein, dann aber wird der o
ehr dünne Oberstoff willkürlich um die Trägerin gewickelt, hier ein went
traffer gezogen, dort loser herabgezupft, dann wieder gefaltet oder eingeknot
— bis wirklich Kleid und Trägerin nur füreinander geschaffen scheinen.
Es geht ein nivellierender Zug durch die ganze Mode, Älter und Jugen
rägt ohne Unterschied der Jahre die gleichen Stoffe, die gleichen Schuhe au
arbiger Ottomanseide, läßt sich die Toiletten in der gleichen eingewickelte
Nachart fertigen. Wo sind das Tanzkleid der Jugend, wo die ein bißche
teife Würde aushauchende Repräsentationstoilette der Ballmutter geblieben'
zier beginnt die Tyrannei der Mode unleidlich zu werden — wir wolle
och nicht alle gleich eingekleidet, wie in Uniform gehen! Gar manche
Kompromiß wir
wohl geschlosse;
werden müssen un
manche tüchtig
hausfrau, die an
deres zu tun ha
als den Offenba
rungen launische
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auschen, wird r
signiert darau,
verzichten, als
„modern“ angezo
zgen zu gelten
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wäre das? Ge—
schickte Hände ver
mögen ja manche:
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alle steifen Stäb
herausgetrennt,
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oie Taille gesetz
ind die fehlen?
Länge durch eine
ohen Samme
aum oder eine
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tieg. 2 u. 3. Rokokodame und Sterne
Rör Maskenfeste.
Sseidenstreifen ergänzt. Dieser schwere Randbesatz
ehört zum modernen Kleid, er zieht die Falten in
er gewünschten Weise nach unten, damit sie keines⸗
alls etwa bauschend abstehen.
Die Abendmäntel sind phantastisch weit und
altenreich, wie es die römische Toga war, und wer⸗—
en auch wie eine solche mit einem Zipfel über die
zchulter geschlagen. Andere wieder zeigen die stren—
en Formen eines Abbérockes, glatt, eng, kaum
daum zum richtigen Schreiten bietend.
Immer knapper und schlichter werden auch die
jesuchstoiletten, die „Fourreaus“. Bei ihrer An⸗
ertigung ist just das Gegenteil der Fall, als bei den
Wickelkleidern“; das Fourreau verlangt einen tadel⸗
osen, recht sorgsam ausprobierten Schnitt, es erfor⸗
dert ferner die
peinlichst ge⸗
aaueste Ausarbei⸗
ung und schnei⸗
dermäßiges Aus⸗
plätten, wenn es
das prüfende Auge
der Kritik nicht
scheuen will. Hier
hilft keine geniale — und oft so bequeme!
— Falte mitleidig über schneidertecknische
Mängel fort.
Für Jacken zum Besuchsanzug ist , Louhre“
 die Losung, wie denn überhaupt alle
Arten von Pelzjacken und Mänteln ganz
außerordentlich beliebt sind. Man hat
jetzt eine neue Art, die einzelnen Tierfell⸗
chen hierfür zu verarbeiten, sie werden in
Kreisen oder Halbbogen montiert, oft ge
nau am Rand der abgerundeten Jacker
entlang führend, so daß die Jacken in sich
selbst gemustert erscheinen. Die jungen
eben erst in die Gesellschaft eingeführten
Damen wählen auch gern das so sehr
kleidsame Sammetjackett. Der Kopf ver
schwindet fast in der großen Pelzstola,
die sich bis dicht an die gewaltige Toque
aus Rauchwerk oder Schwanenpelz schieb?
— ein reizvoller Rahmen für manch ni⸗
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