Full text : Dudweiler Zeitung

Rokules.
Eingesandi Der Bäckergehilfen-Verein im Saarge—
iet beadsichtigt, am Pangst-Sonntag einen geschlossenen Ball
bzuhalten und weist darauf hin, daß nur Diejeaigen, weiche
Wsige einer Einladung sind, Zutritt haden. Ingeressenten
ollen sih an den 2. Vorsitzenden Herrn Feitz Eaderlein,
Saarbrucken 1 Hohenzollernstraße 32 wenden.
Gewitter. Aus der ganzen Vorderpfalz, sowle aus
ainseder hanzen Umgebung treffen Berichte ein, die von aleich
heftigen Gewitiern am Diensiag melden, wie wir solches zu
derzaͤchnen hatten. Uesberall wurde großer Schaden ange—
cichtet.
Einweihung. Wie aus dem Anzeigenteil ersidilich,
jadel mocgzen, Freitag, die Einweihung der Schutzdütte beim
Brennenden Berg.“ statt. Der Verschönerungeverein Dud⸗
aͤler bat damit wieder ein schönes Zeien setner Tätigkeit
geschaffen. auf das er stolz sein kann. Bei der Einweihung
Hird auch Bier ausgeschenkt.
Knappschaftliches. Von Seiten des Saarbrücker
znappschaitsvereins wurden im Monat März 1909 an
rankengeld verausgabt: an die Steinkohlenbergwerke:
Kronprinz 3103,83 Mk.,
Gehrhard 10698,24 Mk,
hon der Heydt 4618,17 Mk.,
dudweiler 11099,89 Mk.,
Sulzbach 10483,76Mt.
Reden 6842,69 Mk.,
deinitz 17902,93 Mk.,
onig 1061281 Mk.
Friedrichs thal 3086,96 Mk.,
vöttelborn 6459,09 Mk.,
rcamphausen 442459 Mk.,
zürstenhausen 1340,20 Mt,
faktorei und Hafenamt 43585 Mk.,
usammen iTTA79, 0 Mk
Vogelschutz. Im Hinblick auf die während der eingetre—
enen Belliezeit der Vözel immer mehr umsichgreifende Un—
ille des Vogelfanges wird hiermit in Erinnerung gebracht,
—E —
Mai 1882 sowie des Vogelschatz gesetzes vom 30. Mai 1908
das Zerstören und Ausnehmen von Nestern oder Eiern, das
AMusnehmen und Tölen von Jungen verbolen ist. Zuwider⸗
jandlungen werdea mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder
nit Haft bestraf.. Der gleichen Strafe unterliegt, wer es
mterlätz, Kinder oder andere Personen, welche seiner Auf—
icht untergeben sind und zu seiner Hausgenossenschast ge⸗
Jören, von det Ueberttetung des Verbots abzuhalten.
Soldatenscherze. Man schreibt uns: Als die deut⸗
chen Soldaten iin Jahre 1870 nach Fcankreich zeführt wur—
)en, verzierten sie die Türen der Eilenbahnwagen mit aller—
jand Witzworten und Reimspielen, wie:
„Jetzt kommen die Ulmer Zuaven“,
„Rapoleon der Erzkujon,
Den stoßen wir von seinem Thron.“
die „Deutsche Zeitung“ aus Dux in Nardböhmen sammelie
ihnliche Jaskristen nach der Ruckkehr des deuisch⸗böhmischen
Jufanterceregiments Ne. 72 von der serbischen Grenze. Da
tand au den Bahnwagen:
Wird Serblen vom Friedensschlaf
Zum Kriege nochmals munter, —
Dann, Kronprinz Schurl. freue dich,
Wir kommen wieder n'unter.“
oder: „Gedenket unserer im serbischen Kriege
gefallenen Bierleichen“.
ferner: „Wenn Serb en rüstet wieder,
Dann legen wir die Waffen nieder
And schicken dann statt Militär
Die Egerländer Feuerwehr“.
Der Arbeitsmarkt zeigte im April ken ein heitliches
Bild. Für einige Großindustrien ist nach dem amtlicheu
Reichs Arbeitsblatt“ eine Verbesserung gegenüber dem Vor⸗
monate noch nicht oder dech nur in gerinzem Umfang eiage—
reten. So belebt sich zwar der Geschäsftsgaag auf dem Rahr⸗
ohlenmarkt etwas, jedoch wird das zum Teil darauf zurück⸗
zeführt, daß mit dem Jakrafttreten der Sommerpreise eine
keihe von Lieferungen erfolg'en, die im Vormonat in Er⸗
wartung der niedrigeren Preise nicht mehr aufgegeben waren.
Auf der anderen Seite brachte die mildere Witterung einen
Rückgang des Absatzes in Hausdrandkohle und Buriketts.
Die Maschinenindustrie war im allgemeinen besser als im
VGormonate beschaͤftigt, allerdings nicht allenthalben: So war
die Lage in der oberschlesischen Schwerindustrie nach wie vor
ungünftig. In der elektrischen Industcie trat teil veise ein
stückgang ein, der vor allem die Herstellung von Akkumula⸗
oren und Dynamouaschinen betraf. Besser beschäftigt waren
zie Kabelwerke. Die Texk'lindustrie hatte für einzelne
zweige eine vermehrte Beschäftigung aufzuweisen; die Spin⸗
nereien waren aber noch nichl unzureichend beschäftigt. Wie
iblich, wurde das Gesamtbild des Arbeitsmarktes im April
zurch die Belegung der Taätigkeit in einigen Saisongewerben
beeinflußt. Zu ihnen gehört zunächst das Baugewetbe, das
edoch noch immer nicht zur vollen Entfaltung gelangt ist,
dann die Bekleidungsindustrie mit ihren vielen Zweigen.
Der Geschäftsgang der Brauerei wurde durch die wärmeren
Tage günstig beeinflußt. Im Buchdruckgewerbe dagegen be—
jann die stille Zeit berelts einzusetzen.
Die Ausgabe des neuen 25 Pfs.Stüds. Belannt⸗
ich hat der Bundesrat die Vorlage des Reichsschatamtes
perabschledet, die sich auf die neue Gestaltung und Aus—
ägung des zukünftigen 26 PfeStücks bezieht. Ueber die
Inkurssetzung der Muͤaze wird der „Inf.“ von unterrichteter
Seite mitgeteilt, daß voraussichtlich nicht vor Juli die ersten
Zeldstücke in den Verlehr gelangen werden. Die Herstellung
der Stempel und andere technische Maßnahmen erfordern so
viel Zeit, daß an eine frühere Ausgabe nicht gedacht werden
ann.

Aus VNaß und Fern.
Saarbrücken, 26. Mai. Gestern vormittag wurde in
St. Arnual hinter der Kirche ein Italiener aus der Saar
xländet, der erst kurze Zeit im Wasser gelegen haben kann.
Die Leiche wies auch einen Schuß in den Hals auf. Es
ind eifrig Recherchen im Gange, um den Talbestand festzu⸗
lellen und aufzuklären. — Heute früh bemerkten Schiffer
duf der Saar eine Leiche treibend. Sie benachrichtigten so⸗
Meich den Schleusenmeister, worauf die Leiche ans Land ge—
chafft wurde. Es war eine ältere Frau, die anscheinend den
Tod selbst gesucht hat. Wer die Tote ift, konnte noch nicht
estgestellt werden. Die Leiche war nur mit einer samtnen
Jacke, rotbraun gestreiftem Unterrock undschwarzen Strumpfen
zekleidet. Sbr. Zig.

Roin, 26. Wat. (Ehe drama. EGin Chepaar
jeriet in Streit, in dessen Verlausf die Frau, welche häu—
g Mißhandlungen ihres Mannes zu erdulden und al—
ein für den Unterhalt der zahlreichen Familie zu sorgen
atte, ein Brotmesser ergriff und ihren Mann niederstack
dieser wurde sterbend ins Hospital geschafft. Die Fra
vurde verhaftet.
* Aachen, 26. Mai. (Waldbrand.) In den Dist⸗
ikten Donnerderg, Dussenter und Birkengang des Esch—
veiler Gemeindewaldes entstand ein Waldbrand, der bis
um späten Abend wütete und große Kiesernbestände ver—
nichtete.
* Duisburg, 26 Mai. GGerurteilter Wech—
elfälscher) Der Pierdehärbler Scharpegge aus
Mütheim a. d. Ruyr wurde wegen Wechsel älichungen in
döhe von 30 000 Wiark zu 5 Jahren Zuchthaus verur—
eilt.
* Bieleseld, 26. MNat. (Unerschlagung.) Der
dauscnann Schulte, Rendant der Spar- und Dariehnskasse
n Westearthausen (Rreis Hatle in Westf.), wurde ver
zastet. Durch Urkunden- und Wech'elfüschungen hat«
zie Hasse um üßer 60 600 Nart betrogen.
* Tortinund, 26. Mai. (Keine fahrlässige
Ddötunge; Der Geschäastsführer Withelm Osterberg ver—
ibreichte in der Hossmannschen Drogerie der Ehefrau Kacz—
narek Klementee als Schlasmitel für ein krankes Kind.
dieser Tee besteht aus einem Gemisch von Huflattig und
ohnsamen, roll nur in Apotheken verkäuflich sein und
zacf bei Kindern keine Anwendung finden. Als die Frau
hrem inn November geborenen Kinde von dem Tee ein—
ößte, zeigten sich bald Vergiftungserscheinungen. Das
dind starb kurz nach der Einlieferung in das Kranken—
aus. Osterberg hatte sich wegen fahrlässiger Tötung
sor der Straflkammer zu verantworten. Nach den Fest—
elungen des Gerichtschemikers Dr. Look enthielt der
e 30 Mrozent unreisen Mohnsamen, eine Menge, die in—
oAge des starken Opiumgehaltes reichlich genügt, den Tod
ines Kindes herdeizuführen. Der Angeklagte wurde in—
essen nur wegen Verkauf von Tee, der nur in Apothe—
en feilgehalten werden darf, zu 100 Mark Geldstrafe ver—
irteitt. Die fahrlässige Tötung wurde nicht für festge—
teilt erachtet Dieserhalb wurde auf Freisprechung erkannt.
* Dortmund, 26. Mai. (Der Wert der Poli—
zeihunde.) Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft
n Muünster wurde zur Aufklärung des Mordes einer
Frau in Legessen der Polizeihund „Pan“ zur Verfügung
zestellt. Dieser nahm in Begleitung seines Besitzers, ei—
ies hiesigen Polizetsergeanten, am Tatort die ihm ange—
sebene Spur auf und versolgte sie bis zu einem Puntte,
vo ihm mehrere der Tat verdächtige Personen vorgeführt
»urden. Die beiden ersten ließ er vollständig unbeachtet,
dährend er einer dritten sofort laut bellend vor die
zrust sprang, Dieser gab nach einigem Leugnen zu, daß
r den Mord begangen habe und legte ein umfassendes
veständnis ab.
* Dülmen, 26. Mai. (Ein Unhold.) Eine schreck
iche Bluttat hat am Sonntag die Gemüter in unserer
ßegend in Aufregung gebracht. Eine alte Frau, welche
in dem Wege von Dülmen nach Lüdinghausen wohnte,
var während des Hochamtes allein zu Hause und wurde
ibersallen und ihr 21 Mark geraubt. Als ihr Mann ge—
zen 2 Uhr aus der Stadt heimkam, fand er seine Ehe—
rau im Blute liegend vor. Mit einem Peitschenstocke war
ie erschlagen worden. Der Polizei gelang es nun, den
Täter in der Person eines 174 jährigen Burschen aus—
indig zu machen. Mit Hilfe von Polizeihunden war man
uf seine Fährte gekommen. Bei der Arbeit im benach—
arten Haltern wurde er festgenommen. Nach langem
Leugnen gestand er die Tat. Das Geld will er aber nich
zgeraubt haben. Man vermutet, daß er Helfer gehabt hat.
* Bonn, 40. Wdi. Grennender Wald.) Ein
Waldbrand hat dieser Tage über 2000 Morgen Tannen—
ind Fichtenbestand des Herrn von Boeselager hier ver—
uchtet. Sehr viele Rehe und Fasanen sind in den Flam—
nen umgekommen. Die Feuerwehren hat en große Mühe,
des Feuers Herr zu werden, um ein Hebergreifen auf
den angrenzenden Staatswald Kottenforst zu verhüten.
* Caub a. Rh., 26. Mai. (Meue Landungs—
drücke.) Hier ist die neue Landebrücke der Köln-Düssel—
sorfer Dampfboote dem Verkehr überzgeben worden.
—* Frankfurt, 26. Mai. (GGroßfeuer.) Durch Ex—
olosion einer Lampe entstand heute nacht im Hause Ber—
gerftraße 85 Großfeuer, wobei die 57 Jahre alte Luise
Zaller derart schwere Brandwunden davontrug, daß sie
noch in der Nacht verstarb.
* Straßburg, 26. Mai. GGekentertes Schiff.)
Bestern Abend kenterte auf dem Rhein oberhalb Gambs—
heim ein für die Rheinregulierungsarbeiten tätiges klei—
nes Schiff. Von den neun Insassen, Arbeitern aus
dem badischen Dorfe Gambsheim, ertranken fünf,
zie vier anderen wurden mit großer Mühe gerettet. Als
Arsache des Unglücks wird ein vorüberfahrendes Dampf
schiff angesehen, das großen Wellenschlag verursachte.
* Heilbronn, 26. Mai. (Schwarze Pocken.) Eine
Ldumpensortiererin einer hiesigen Papierfabrik, die mit
aus Rußland eingeführten Hadern beschäftigt war, ist an
den schwarzen Pocken erkrankt. Auch bei ihrer Tochter
zeigten sich Symptome der Krankheit. Es sind sofort um—
assende Maßnahmen getroffen worden, eine Weiterver⸗
breitung der Krankheit zu verhüten.
* Friedrichshafen, 26. Mai. (Zeppelin 2.) Das
Luftschiff „Zeppelin 2“ wurde heute früh 4 Uhr gefüllt
und alle Vorbereitungen zur Probesahrt sind beendet. So—
bald das Wetter sich etwas aufhellt, wird der erste Probe—
Aufftieg stattfinden. Graf Zeppelin beabsichtigt, sich am
Freitag nach Berlin zu begeben.

Aus aller Welt.
* Einbrecher wandten bei einem Geldschranke in der
BZahnkasse in Berka (Thüringen) ein Schmelzverfahren an
ind erbeuteten etwa 1000 WMark.
* Feuersbrunst. Von einem furchtbaren Brandunglück
vurde das hannoversche Dorf Urbach bei Nordhausen be—
roffen. Innerhalb drei Stunden waren 18 Gehöfte ein—
zeäschert. Auch die Dorfkirche fing Feuer, konnte aber
zehalten werden. Viel Vieh, das gesamte Mobiliar, Ak—
ergerät und landwirtschaftliche Maschinen sind mit ver—
»rannt. Die Bewohner haben nur das nackte Leben ge—
lettet. Der Schaden wird auf annähernd eine halbe Mil—
äon geschätzt.
* Selbstmord während des Unterrichts. Aus Cler—
nont Ferrant wird gemeldet daß drei Schüler des dor—
igen Lyceums beschlofsen hatten, sich während des Unter—
reichts zu erschießen. Sie hatten durch das vVos entschie—
zen, wer den Anfang zu machen habe. Der 15 Jahre
ilte Sohn des Volklsschullehrers Neni jagte sich denn auch
sofort eine Revolverkugel in die Schläfe. Die Professoren
und Schüler verhinderten die beiden anderen, den geplan—
en Selbstmord auszuführen.
* Eine unaufgeklärte Schmuggelgeschichte. Die
Tribuna“ berichtet eine unaufgellärte Geschichte von ei—
zem Zwischenfall zwischen den Zollbehörden und einem
eutfschen Dampfer, der aus Genua in Neapel angekom—
nen war und von einem anderen Schiffe 72 Kolli Tabak
ind andere Waren an Bord genommen und kurz vor der
UüÜbjahrt wieder heimlich gelandet und in die Stadt de—

—*—2 All UVeIi..
rose or Sc. zrarl Lohmeyer gestorben, den man wegen
eines körperlichen Gebrechens wohl als ein Unikum im
»eutschen Universitätsleben bezeichnen kann. Lohneyer war
»hne Arme zur Welt gekommen und hat dennoch seinen
atadem'chen Tienst getreulich, genau und korrekt verse⸗
hen. Schon mit 30 Jahren war er Professor, und durch
eine nefgehenden archivalischen Forschungen ist es ihm
gelungen, sich in der Geschichtswissenschaft einen Namen
zu machen. Lohmeyer ließ sich bei seinen Güngen, au
der Straße, in der Unwersität und in den Bibliotheken
»on einem Boy begleiten, der die Geldangelegenheiten
inter der Kontrolle des Gelehrten zu besorgen hatte, ihm
die Türen öffnete und schloß, und ihm beim An— und
Auskleiden behilsilich war. Dagegen besorate der alte
derr das Umwenden der Blätter bei der Buch- und Zeit
ingsleltüre selbst — mit dem Munde. Auch das Schrei
'en hatte er zu einer bewunderungswürdigen Spezialisä—
rusgebisdet, indem er — z. B. beim An- und Abte neren
der Kollegbücher — die Feder mit den Zähnen ersaßté
uind seine Zeichen fest und deutlich auf das Papier setzte.
Zu Haufse soll Lohmeyer auch mit den Füßen geschrieber
haben.

chmuggelt haven soll. Ver Kapitän des deutschen Schis—
es sei von der Zollbehörde gewarnt und wegen Zollde—
raudation in eine Strafe von 72000 Lire genommen
vorden.
* Sturm und seine Opfer. Aus San Sebastian wird
gemeldet: Ein heftiger Sturm wütete an der nordspani—
chen Küste. Zahlreiche Fischerbarken sind gesunken, zwölj
Personen umgekommen.
* Auffäfsige Truppen. Die Lage in Syrien ist fehr
»edenklich. Die in Damaskus stehenden Truppen weigern
ich. den Sultan anzuerkennen.
Cilegramme.
Straßburg, 26. Peai. Gestern abend kenterte auf
hem Rhein oberhalb Gamsheim in fiur die Rheinregulie—
ungéarbeiten tätiges kleines Schiff. Von den 9 Jgsassen,
Arbeitern aus dem badischen Dorfe Gamsheim, ertranken 5,
»ie 4 andern wurden mit großer Mühe gereitet˖ Als Ursache
»cs Unglücks wird ein vorüberfahrendes Dampfschiff ange⸗
ehen, das großen Wellenschlag verursachte.
Stuttgart, 26 Mai. Dem „Schw. Merkur“ zufolge
hat Graf Zeppelin außer den Mitgliedern des Reichstages
nuch den Bundesral zu seinem Aufstieg am 5. Juni ein⸗
geladen.
Friedrichshafen, 26. Mai. Soeben 3.45 Uhr wurde
der neue Z2 aus der schwimmenden Halle in Manzell ge⸗
ogen und unternahm seine eiste Fahrt. Langsam hebt das
Luftschiff sfich uberm See bis etwa 100 Meter Höhe. So—
weit bis jetzt beobachtet werden konpte, gehorcht das Schiff,
noch mehr als seine Vorgänger, vorzüglich der Steuerung,
ramentlich der Seitensteuerung. Auch ist das Geräu'sch der
ßropellet wesentlich geringer als bei den Dieiflüge!
schrauben. Die heutige erste Versuchsfahrt die zur Zeit
n geringer Höhe und in der Nähe der Manzeller
dalle vor sich geht, wird von Giaf Zeppelin und
einer bewährten Mannschaft geführt. Um 4 Uhr 33 Min.
Inkte sich der Lustkreuzer in einer Entfernuug von etwa
500 Meter von der Reichsballonrhalle, das Motorboot Wellen
nahm ihn insSchlepptau und brechte ihn in die Halle zurück.
Leipzig, 26. Mai. Die Revision des wegen Mordes
zum Tode verurtellten Maagh in Triecr ist heute vom Reichs⸗
gericht verworfen worden.
Berlin, 26. Mai. Das preußische Staatsministerium
 hat sich in seiner letzten Sitzung mit
den Ausführungen betreffend das Beamtenbe—
soldungsgesetz beschäftigt und Rücksprache über
die Neubesetzung des Kultusministeriums gepflo—
zen. Die Auszahlung der höheren Gehälter so—
wvie die Nachzahlung der Wohnungsgeldzuschüsse
für 6 Quartale wird im Laufe des Juni erfolgen,
spätestens am 1. Juli bei der Gehaltsauszahlung
*Berlin, 27. Mai. Wie nach der „Peuen Gesellschaft
lichen Korrespondenz“ verlautet, soll bei der bevorstehen⸗
den Frühjahrsparade der kommandierende General des
Gardekorps, General v. Kessel, Nachfolger des Gene—
ral von Hahnle als Gouverneur von Berlin
werden. Den Oberbefehl über das Gardetorps sotll der
jetzige kommandierende General des 10. Armeekorps, Ge—
neral der Infanterie und Generaladjutant v. Löwen;
eld erhalten, und in Hannover durch den Generalleut⸗
nant v. Böhn, zurzeit Kommandeur der 18. Division
ersetzt werden. Herr v. Böhn ist der zweitälteste Gene—
salleutnant. Vor ihm steht nur noch der Generalleutnant
ẽmmich, Kommandeur der 10. Division in Posen, dessen
Batent um zwei Jahre ölter ist.
* Berlin, 27. Mai. Die Finanzkommission des Reichs—
ages setzte den Wertzollzuschlag für Ta bak auf 40 Pro-—
ent (statt 30 Prozent der ersten Lesung) fest und erhöhte
dementsprechend die Gewichtsteuer auf 57 Mark. Der Zoll
ür Zigarren im Reiseverkehr wurde yon 800 auf
1000 Mark pro Doppelzentner erhöht.
* Paris, 27. Mai. Die Staatsanwaltschaft hat die bei
der Seinepräfektur hinterlegten Statuten des Poste und
Telegraphenbedienstetensyndikates für durchaus gesetzwid—
tig erklärt; das Syndikat wird infolgedessen Aufgelöff
verden. Die degierung dürfte jedoch keine weiteren Ver—
solgungen eintreten lassen, da sie im Hinblick auf das
eingebrachte Beamtenstatut der Ansicht ist, daß die Auf—
ösung des Syndikats eine ausreichende Maßnahme be—
zeute. — Der Hauptausschuß zur Verteidigung der Syn—
dikatsrechte der Staatsbediensteten beschloß, beim
Parlament behu's baldiger Wiedereinstellung der anläß—
ich des lehten Streils entlassenen Postbeamten Schritte zu
unternehmen.
* Paris, 27. Mai. Der deutsche Botschafter Fürst Ra—
do lin ist von seiner Erholungsreise zurückgekehrt und
hat die Leinuung der Geschäfte wieder übernommen,
* Paris, 27. Mai. Aus Tanger wird mehreren
Blättern gemeldet, daß der Pascha von El Ksar, sowie
die Kaids der Probinzen häufig Wi lkürlichleiten und Gee—
walttätigkeiten gegen europäische Schützlinge be—
zehen. Ferner hätten die Beamten von Muley Hafid sehr
viel Herden von europäischen Schützlingen beschlagnahmt,
darunter auch solche, die der französischen Compagnie Ma—
rocaine gehören.
* Sofia, 27. Mai. Wegen der sortdauernden türkischen
Grenzverletzungen in der Orientbahn-Angelegenheit wurde
die Entlassung der zur Waffenübung einberufenen Reser—
viften sistiert.
Rom, 26. Mai. Während einem in Sansari ftattge⸗
Fundenen Korso wurde eine Bombe geschleudert, durch deren
krplosion ein Mann und ein Kind getötet wurden. Einer
rau wurden beide Beine weggerissen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.