Nummer *18
Tel.oo. 259, 268 un 1261.
Montag, den 21. Mai 19089. Zeuuungeliste 8001
— Zahrgang.
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Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezirk WMit Veilagen: „Velletristische Wochenscoͤrifte‘ und
Dudweiler. „ICustige Blätter“.
45
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monatlich 720 Pfs. frei ins Haus gebracht; bei der Post
bestellt M. 2,25 vierteljahrlich.
Die „Dudweiler Zeitung“ erscheint taglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
— E —
Tüntige Riüncer — richtige Weänner.
Welch vol!gerüttelt Maß Lon konvent. oneiler Unwahr—
zeit mitunter aufgetischt wird, ist geradezu verblüffend.
datte da lebthen iin preußischen Abgeordnetenhause ein
seg erungsver reter die unangenehme Aufgabe, den mehr—
ach erörteriten Essener Eymnasialsall von Rechts- und
Ztaatswegen zu vrrurteilen. Diese Essener Geschichte von
em Gymnasialdirektor, der die Schüler in den Parallel—
lassen nach Rang, Stand und Geldbeutel der Eltern so
berteilte, daß ja nicht reich und arm etwa dieselbe Klas—
enluft atme, hätte selbstverständlich gar nicht vorkommen
sönnen, wenn die löbliche Schulbehörde, die es anging,
zeizeiten pflichtgemäß gegen den Unfug eingeschritten
wäre. Kurzum, sie mußte sich, als die Wahrheit der vom
Abgeordneten Heß aufgedeckten Mißstände in Essen vor
Aler Welt nicht mehr zu legnen war, zur Verurteilung
der hier geübten unterschiedlichen Behandlung von Schü—
ern bequemen. Wenn schon, denn schon, sagte sich nun
»ie Regierung. Und ihr Vercreter mußte recht wacker ge—
gen die soziäle Scheidung der Schüler donnern. Dabei
ieß er etliche große Worte vernehmen, die von so star—
em sozialen Geiste durchdrungen waren, daß man sie der
kegierung selber zur dauernden Erinneruna ins Stamm⸗—
zuch schreiben sollte.
Aufgabe der Schule sei es — so wurde vom Regier—
mastische aus erklärt —, unter den Schülern Kamerad—
chaft und Gemeinsinn zu pflegen und ihnen klar zu ma—
hen, daß sie nur nach ihrer Tüchtigkeit be—
vertet werden. Ist man wirklich und ernstlich in der
stegierung zu der Erkenntnis gelangt, daß hinfort die
»ornehme Herkunft, das schwerere Portemonnaie, die gu—
en Beziehungen nicht mehr ausschlaggebend sein sollen
zei der dienstlichen Karriere? Soll fürderhin tatsächlich
zie Tüchtigkeit allein der Schlüssel sein, der alle Pforten
zjffnet, die zur höheren Lausbahn im Staats- und Hee—
esdienst führen?
Wenn diese Aeußerungen nicht bloß politischer „Thea—
erdonner“, wenn sie vielmehr einer inneren Ueberzeugung
mntspringen, ein Bekenntnis und eine Verheißung wären,
»ann winkte uns ja nichts geringeres als eine völlige Um—
välzung in Preußen und damit ja auch im Reich; dann
tänden wir vor einer neuen Aeral! ...
Wie steht es denn bisher mit der Laufbahn im Hee—
es⸗ und Staatsdienst: Eine Klage, die immer wieder—
ehrt, immer vergeblich erhoben wird, wendet sich gegen
zie Bevorzugung der ehemaligen Korpsstudenten bei der
besetzung der Posten im höheren Verwaltungsdienst. An
mwiderleglichen statistischen Nachrichten für diese eigenar—
ig preußische Erscheinung fehlt es ja nicht. Es hätte de—
en aber gar nicht bedurft. Es liegt auf der Hand, daß
zie „Alten Herren“, die es zu hohen Aemtern und Wür—
zen im Verwaltungsdienst gebracht, dem jüngeren Korps—
oruder den Vorzug vor Bewerbern geben, die sich „ledig—
ich“ durch ihre bestandenen Examina zu empfehlen im—
tande sind. Nicht anders steht es, wie oft und lebhaft
zenug beklagt worden ist, mit der diplomatischen Karriere,
hie sast ausschließlich als adelige Domäne zu betrach—
en ist.
Und nun gar ersi die Offizierlaufbahn! Im Heere,
u dessen obersten Sittengesetzen die Pflege des kamerad—
chaftlichen Geistes gehören soll, feiert die „reinliche Schei—
ung“ nach der Herkunkt ihren vollständigsten Triumph.
Scheidet doch das Wesen der Garde, der nur etlheche ganz
estimmte Regimenter an Vornehmheit nahekommen, an
ich schon das Offizierkorps in zwei scharf unterschiedene
xklassen. Aber selbst das einfache Linien⸗Regiment pocht
uf die hergebrachte Exklusivität des Offizierstandes und
erschließt sich mit hochmütiger Strenge einem Nachwuchs
ms schlichterem bürgerlichen Herkommen; Und sogar zum
steserve⸗ Leummant kann. wie männialich weiß. mir derie
teα — t
Irma 7
Lamilla hatte den Ruym gerostet, und dieser RANuym war
hr mehr als alles, was sie ihr bieten konnte. Während
ie Camilla zu ihrem Glüce brauchte, war sie selbst Ca⸗
nisla nicht dazu notwendig, weder ihr Reichtum ucch ihre
ʒreundschaft. Die Sängerin imersten Rausche ihrer
Triumphe, mit der Welt zu ihren Füßen, wußte nichts
on der Einsamkeit und Leere, die das Leben der reichen
Erbin trübte. ·
Dann will ich Dich auch nicht weiter drum bitten,“
agte Irma traurig. „Ich hatte keine, Ahnung, daß ich
in Opfer ven Dir herlangte.“ 7
„O, das glaube ich gern“ unterbrach sie Camilla, Du
veißt ja nicht wie eintlerin empfindet. Deine
Broßmut, der Wunsch, Deinen märchenhaftein Reichtum
nit mir zu teilen, brachte Dich auf den Gedanken. Ich
jebe zu,“ fuhr sie nach einer Weile mit großer Offenheit
ort, — „wenn sich alles ein Jahr früher ereignet häite,
vürde ich Dir gewiß eine andere Antwort gegeben haben;
»enn damals war ich noch in Ungewißheit über meine
Jutunft. Ich hatte noch nicht mein Debuͤt gemacht. Vieleicht
hätte ich da meinen Ehrgeiz einer gesicherten gesell⸗
chaftlichen Stellamg geopfert. Aber jetzt — Du wirst mich
ielleicht verstehen, wenn Du bedenksi, was alles vor mir
iegt — wöre das ein schlechter Tausch für mich“
Dann will ich es naturlich nicht verlangen,“ wieder⸗
solte Irma, während der Ausdruck ihres Gelichtes nach
rautiger wurde. —— ⸗
Meine Geldgier und Selbstsücht betrübt Dich wohl,“
neinte Camilla. Abex bitte, bedente doch. daß ich mich
ne anders gegeben hube, gle ich bin.. Ich sagte Dir a
orhin · schon/ wie ich bin; doch Du wolltest es nicht glau⸗
en. Jehzt hast Du den Beweis dafür. Du bietest nuͤr
ðreiheit, Quxua, Geld und Deine Gefeilschaft an und ich
age Dir, daß ich Bewunderung, Ruhm, das Bewutztsein
neiner Macht und das Geld, das ich mir durch Triumphe
vrinqgen werde voraiebe...
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Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller
in Dudweiler.
——
den Zeitpunt ver nachsten Sitzung. Gegen die vintke ist
oveschlossen worden. die nächste Sitzung am Dienstag ab—
zuhalten.
* Petit Republique“ glaubt mitteilen zu können, daß
der Schiedsspruch in der Casablanca⸗-Angelegenheit kei—
ner der Parteien Recht geben wird. Bezuüͤglich der inter—
nationalen Rechtslage werde der Schiedsspruch weder die
onsularen Befugnisse, noch die,enigen des Chefs eines
Srpeditionskorvs in fremden Ländern absolut anerkennen
Frankreich.
* Der Zentralverband der Arbeitervereinigungen ließ ein
Manisest anuschlagen, in dem der Mißerfolg des
Appells an die Postbeamten, sich vor Wiederauf—
nahme der Arbeit der eingegangenen Verpflichtungen zu
zrinnern, festgestellt, aber versichert wird, daß dieses ab—
veisende Verhalten nicht lange dauern werde. Da die
Postbeamten indes an das Proletariat die Aufforderung
gerichtet hätten, von unnützen Opfern Abstand zu neh
men, sei der Arbeiterverband zu dem Schlusse gekommen,
daß es unangebracht wäre, den Protest zu ihren Gun
ten fortzusetzen; er werde ihnen aber von neuem bei—
pringen, sobald sie Revanche nehmen würden. — In ei—
ner von 300 Postbeamten besuchten Verfammlung rieten
alle Redner zur Wiederaufnahme der Arbeit. Es wurde
ein Antrag angenommen, der den Arbeitern, die aus So—
lidarität in den Streik getreten sind, den Dank der Post
beamten ausspricht. Dieser Beschluß der Postbeamten be
deutet das Ende des Streiles.
Rumänien.
* In Budapest erhält sich das Gerücht von einem en
geren Anschluß Rumäniens an den Dreibund. Das
po itische Ercignis soll durch den deutschen Kronprinzen
angebahnt worden sein und soll nun durch den Erzher—
—VVV
an das rumänische Hoflager begibt, vollendet werden.
Auch in ernsten diplomatischen Kreisen wird von einer
Ausgestaltung der bisher bestandenen Militär-Konvention
zu einem polit schen Bündnis gesprochen.
— AÆEEEIEIZEEEICCCA *
nige avancieren, der mindestens dreisach gesiebt ist: nach
dersunft, Vermögen und Steliung.
Heer, Verwaltung, Diplomatie sind aber nicht die
zinzigen Felder, auf denen der Kastengeist üppig blüht
und gedeiht. Eine Unmenge von Beispielen ließe sich
ür viele Fälle aufzählen, in denen das bestandene Exa—
nen allein, also der gesetzliche Wertmesser für die Tüch—
igkeit des Bewerbers, nicht zu dem erstrebten Ziele führt.
Nach den Worten der Regierung soll die Schule ja
iber der heranwachsenden Jugend gerade den Grundsatz
inprägen, daß nur die Tüchtigkeit ihr Vorwärtskommen
sewährleiste. Will die Regierung diesem seit jeher ersehn—
en Prinzip nun endlich auf allen Gebieten des öffent
ichen Lebens Geltung verschaffen, oder hat der Regier—
ingsvertreter diesen lobenswerten Grundsatz etwa nur
ür die Schulbank aufstellen wollen? Dann freilich hätte
»er hochtönende Ausspruch den gewichtigsten Lehrsatz al—
er Erziehung: „Nicht für die Schule, sondern für das
zeben lernen wir“ in sein krassestes Gegenteil verkehrt.
dann würde die Jugend, in das Leben eintretend, rasch
zergessen müssen, was sie in der Schule über den Wert
»er Tüchtigkeit gelernt hat. Dann wären die beherzigens—
verten Worte die im Namen der Regierung gesprochen
vurden, aber auch nichss weiter als eitel Phrase und
onventionelle Unwahrheit.
Nicht nur die Schüler also haben hier nach dem
lusspruche des Regierungsvertreters im Abgeordneten⸗
ause zu lernen; die Regierung selber müßte hier zur
zchule gehen und sich den einzig richtigen Grundsatz zu
igen machen: Dem Tüchtigsten das Vertrauen! Wird sich
zie Regierung zu diesem Grundsatz emporschwingen? —
die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
*æDen vorjährigen Besuch englischer Bürgermeister in
Deutschland werden Ende dieses Monais 32 Mitglieder
»er Berliner Städtischen Kollegien in England erwi—
dern. Der Aufenthalt der Berliner Herren in England
vird acht Tage dauern. Sie haben die Reise nach Sout—⸗
rampton am 22. Mai als Gäste des Norddeutschen Lloyd
in Bord des Lloyddampfers „Prinz Friedrich Wilhelm“
on Bremen aus angetreten. Ein Teil von ihnen kehrt
im 31. Mai über Plymouth und Cherbourg mit dem
zchnelldampfer „Kaiser Wilhelm 2.“ des Norddeutschen
2Aond nach Bremen aurück.
* Die Koblenzer Handelskammer hat zur
Frage der Schiffahrtsabgaben eine Resolution gefaßt,
n der es heiß!: Die Handelstkammer will sich gegen
—chiffahrtsabgaben nicht mehr grundsätzlich ablehnend vez—
alten, verlangt jedoch genügend Sicherheiten dafür, daß
ie Schiffahrt durch solche Abgaben nicht unbillig belastet
vird, und ferner dafüt, daß die Abgaben nicht zu ver—
ehrsfeindlichen Zwecken verwendet werden. Solche Si—
herheiten enthält der Entwurf der Reichsssreaieruna ger
iicht.
* Die Finanzkommission des Reichsstages begann am
zamstag die Beratung des Erbschaftssteuergee—
e tzes. Eine Diskussion fand nicht statt. Bei der Ab⸗
immung über die Paragraphen 1 und 2 stimmten die Kon—
ervativen, Zentrum und wirtischaftliche Vereinigung da—
jogen. Der Abg. Paasche erklärte, daß seine Freunde
in der weiteren Beratung der indirekten Steuern zwat
nitarbeiten würden, ihre Stellung zur ganzen Finanz—
eform aber von der endgültigen Gestaltung der Besitz—
teuer im Plenum abhängig machen würden. Eine ähn—
iche Erklaͤrung gab Wiemer namens der Freisinnigen
„ Dann aab es eine Geschäftsordnungsdebatte üher
Tüuürkei.
* Dem „Tauin“ zufolge haben die Recherchen im
Jildiz ergeben, daß Abdul Hamid 1 100 000 Pfund (un—
gefähr 20 Millionen Marh) in den Banken deponiert ha—
be. Das Blatt „Sabah“ will aus authentischer Quelle
aus Salonikli erfahren haben, daß Abdul Hamid bereits
uUs erste Anzahlung an den Staat einen Scheck über eine
Million Pfund auf eine fremde Bank gegeben habe.
Venezuela.
* Auf Ersuchen des Kriminalanwaltes, der auf den
ürzlich erfolgten Am nestieerhaß hinwies, sprach
das Kriminalgericht den ehemaligen Präsidenten Castro
von der Anklage der Teilnahme an einem Komplotte zur
Ermordung des Präsidenten Gomez frei.
Chile.
* Der Admiralstab schlug der Regierung die Er—
neuerung der Flotte vor. Der Anfang soll mit
dem unverzüglichen Ankaus eines großen Kreuzers ge—
macht werden
Zollpolitik gegen Deutschland.
Es läßt sich heute noch nicht absehen, welche Gestalt
der neue französische Zolltarif erhalten wird. Gar spär—
lich gelangen Mitteilungen darüber in die Presse. Die Zoll⸗
ommission der Deputiertenkammer hat ihren ersten Tarifentwurf,
der geradezu höchstschutzzöllnerische Extravagan⸗
en aufwies, abgeändert, denn die Regierung erklärte,
auf der Rücksichtnahme auf England, Belgien und der
Schweiz bestehen zu müssen. Von Deutschland scheint in
ziesem Sinne bisher auch bei der Regierung nicht die
UVPEEEEECXVEEEZC
„Wer. Norbert verdient diesen Vorwurf nicht,“ sagte
Tamilla. „Ich bin überzeugt, er hält Dich persönlich nicht
für verändert, aber als Mann von Welt sieht er ein, daß
Deine Stellung ganz anders geworden ist, während er ge—
blieben, was er war. Und einen armen Maler mit Pinsel
und Palette als einziges Besiztum, wird niemand eine
passende Partie für eine Erbin nennen.“ F
„Was man für passend hält oder nicht, ist für mich
von keinem Belang,“ entgegnete Irma stelz. „Ebenso we⸗
uig die Tatsache, daß er nichts besitzt, als Pinsel, und Pasn
lette. — wenn ich das für ihn fühlen könnte, Mas er
verlangt.“ ii, l
„Niemand, der Dich kennt, pird daran zweifeln,“ sagts
Camilla. „Aber er meinte, daß, da Du Dir früher nichts
aus ihm machtest, er unter so veränderten Verhältnissen erst
recht keine Hoffnung haben dürfte. Er zweifelte sogar, ob
er wagen dürste, Dich aufzusuchen, aber ich redete ihm zu,
es zu tun.“
„Es scheint,“ sagte Irma verletzt, „daß das Geld
wvirklich die Macht besitzen muß, die Menschen zu ändern,
da selbst meine besten Freunde sich einbilden, auch mit mir
müsse eine Veränderung vorgegangen sein. Ich begreife
wirklich nicht, wie man von etwas Geld so viel Aufhebens
machen kann.“
Es ist nicht etwas Geld,“ bemerkte Camilla praktisch.
„Uebrigens genügt ein Wert von Dir, Mr. Norbert nur
zu gerne hierher zu bringen.“
„Aber weshalb sollte ich einem Menschen ein gutes
Wori geben, der fähng ist, mir sclches Unrecht zu tun?“
fragte Irma, sich gleich darauf zu dem Diener wendenb,
der in diesem Moment das Zimmer bettat. „Was giht
es Ellis?“
Der Diener überreichte eine Karte.
Der Herr fragt, ob Miß Dartacote zu Hause ist und
ihn empfangen kann,“ sagte er.
F Irma blickte auf die Karte.
Führen Sie ihn herein,“ erwiderte sie; und sah dann,
als Ellis das Zimmer verlassen hatte, Camilla mit heite⸗
em Lächeln an. Mr. Norbert hat trotz allem den Mut
efunden, au kommen.“ sagte sie.
RIch dente, das ist natürlich, sagte Irma. Ich bin
wmur deshalb so enttäuscht und traurig, weil ich schon so
iele Pläne für unser gemeinsames Leben gemacht hatte.
zudem bringt mir alles das, was Du sagst, deppelt
chmerzlich zu Bewußtsein, wie allein ich in der Welt stehe
uemanden zum Nutzen und niemanden zur Freude.“
„Unsinn!“ rief Camilla. „Du bist für alle notwendig,
die Dich lieben und wirst vielen von Nutzen sein. Und
vas das Alleinsein anbelangt, o. Irma, Du bist kein Kind
nehr! Du' weißt, daß Du mit Deinen Vorzügen Freier
n. Fülle haben wirst; Du wirst Dir einen von ihnen aus⸗
oählen und Du wirst nie mehr über Einscankeit in Deinem
deben klagen. Psyche wird erwachen, und dann — wirst
du so glücklich werden, wie Du verdienst!“ —W8
„Du sprichst, was Du nicht verstehst.“ entgegnete Ir⸗
na, sich abwendend. —
„Warum sollte ich das nicht verstehen?“ widersprach Ca⸗
nilla. „Die Freier werden besttmmt-keceten, und Du
annst doch nicht gegen alle so steinern sein, wie damals
n Paris gegen den armen Mr. Norbert. Habe ich Dir
ibrigens schon gesagt, daß er mit demselben Schiff her⸗
iber tam, wie ich? Und den ganzen Weg sprach er nur
iüber einen gewissen Gegenstand?“
„Ist er hier — in Amerika, meine ich?“ fragte Irma
n etwas erschrokenem Tone.
Nicht nur in Amerika, sondern in dieser Stadt, an
deiner Tür,“ entgegnete Camilla. „Er sagte mir, daß ei⸗
rige von seinen Gemälden hier in der Ausstellung wären
aid sehr hoch verkauft seien. Er selhst ist dadurch in ge⸗
dissein Maße berühmt geworden und scheint zu hoffen,
denn er ganz berühmt sein wird, doch noch sich dieser erha⸗
—D—
Wie tannit. Du nur solchen Unsinn reden?“ sagte
Jema ärgerlich. ‚Wer etwa denlt, daß ich durch meine
krbschaft verändert wäre, besonders gegen meine alten
Fteunde, der scheint nie viel von. mir gehalten zu
aben.“
F