Aummer 15
Tel. 69, 269, 200 nd 12o3. Samstag, den 16. Januar 1909. veitungeliste 501
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25. Jahrgang ˖
4 6* — 4 —* G — S — 5 4
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Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezirkß
Dudweiler.
nementspreis
aus gebracht; bei der“
vierteljährlich.
Die „Dudweiler Zeitung“ ersHeint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
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Zweites Blatt.
Hle Eleltrizitäts⸗ und Gassteuer
zon Dipueher Karl Rittzert, beratender Ingenieur,
adt.
Hurch die Anfrage, die der Avgeordnete Pa—⸗
Rstecher und Genossen bezüglich der Eletktrizitäts⸗ und
α in der heffischen zweiten Ständekammer an die
Froßherzogliche Regierung richtete, ist erneut das Inter⸗
Fe auf diesen Teil der Reichsfinanzreform gelenltt wor⸗
Hen. Inleressant war es dabei zu hören, daß der Herr
Ztaatsminister die im Bundesrat zu dieser Steuer gege⸗
sene Zuftimmung damit rechtfertigte, daß durch diese
Zteuer, im Gegensatz zu der Weinsteuer, besondere hes⸗
ische Interessen nicht geführdet seien, und daß anderer⸗
eils, bei der geringen Möglichkeit, neue Steuerquellen zu
Ischließen, die Einwände, die gegen eine Besteuerung der
ßrodultionsmittel überhaupt, und die im Interesse der
Immunalen Gas- und Elektrizitätswerke speziell gegen
jen vorliegenden Sieuexplan erboben werden, nicht zu
zxicksichtigen waren.
Eine Besprechung der Anfrage fand bedauerlicher
Weise nicht statt, sonst hätte man wohl Gelegenheit ge⸗
winmen, die Wirtung der Steuer auf die industriellen
ind im besonderen auch auf die gewerblichen und land⸗
virtschaftlichen Betriebe näher zu beleuchten. Als dann
dare man doch wohl zu der Ansicht gekommen, daß, wenn
ine Besteuerung der Produktionsmittel schon an und für
ich außerordentliche Bedenken hervorrufen muß, die vor⸗
jegende Form einer solchen Steuer als denkbar ungün—
ug und von Grund auf versehlt zu bezeichnen ist.
Wie kam man denn eigentlich zu diesem Steuervor⸗
ichtag? Antwort auf diese Frage gibt die Begründung,
welche die Reichsregierung dem Entwurf mit auf den
Weg gab. Da heißt es: „Hier (in der Elektrotechnik. D.
B. Y herrscht seit einer Reihe von Jahren ein Zustand des
elhaftesten Fortschritts und Aufschwunges. Auf der einen
Zeite ist die Erzeugung und Bereitstellung von Elektrizi⸗—
ät zu einem umfangreichen und lohnenden Gewerbe ge—
verden. Auf der anderen Seite bedienen sich zahlreiche
vroß— und Kleinidustrien dieses Hilssmittels zur Erhöh—
ing ihrer Wirtschaftlichkeit und zur Steigerung ihrer Er—
räcnisse. Nach beiden Seiten hin ist ein stetes Wachfen
unfestritten“ Und weiter: „Das rapide Anwachfen der
klektrizitätswerke und Einzelanlagen ist in den vielseiti—
jen vorteilhasten Eigenschaften des elektrischen Stromes
egründet. Sie üchern die unaufhaltsame Ausbreitung sei⸗—
ner Verwendung. Neben der elektrischen Beleuchtung, die
uich die jüngsten Verbesserungen der Glüh- und Bo—
genlampen einen neuen Impuls erhalten hat, tritt der
elettrische Antrieb aller Arten von Maschinen und Be—
förderungsmittel immer mehr und mehr in den Vorder—⸗
3— Alsdann: „Unschätzbar sind die Vorteile, die
em Vleingewerbe durch den Elektromotor zu gute kom⸗—
nen, der sich jeder Bewegungsart anpaßt und die Kraft
Rn eder Größenabstufung zu beliebigen, wenn auch noch
o lurz dauernden Verwendungszeiten und ohne weitere
Korbereitung zur Verfügung siellt“ 2e. Man erwartei also
jůr die Elektrotechnit, auf Grund der enormen Vorzüge,
welche der Elektrizität in ihrer mannigfaltigen Verwend—
ung gegenüber anderen Energieformen zuge“ ochen wer—
en müssen, eine sehr aussichtsreiche Zukunst und begrün—
et damit die Berechtigung, eine Elektrizttätssteuer zu er⸗
zeben, obgleich man doch eigeutlich gerade das Gegenteil
vsgern solste, und besonders im Interesse der Land—
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Mit Veilagen: „RVelletristische Wochenschrifte* und
„Xustige Blätter“.
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tzzeigen
eile; bei mehrmaligen Inserationen
render Rabatt.
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BRerlag von J. Unterkeller
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Redaktion, Dr—
virtschaft und des Kleingewerbes alles tun müßte, die
finführung eines so außerordentlich vorteilhaften Pro—
uklüonsmittels zu erleichtern. Die Besteuerung des Ga—
es erfolgt dann in der Hauptsache, um die Konkurrenz⸗
usglichkeiten nicht einseitig zu beeinflussen. Die Begründ—
ing sagt hierzu: Soll nun eine Störung in der bisheri—
jen erfreulichen Entwickelung der deutschen Elektrotechnik
ꝛermieden und namentlich eine einseitige Belastung dieses
Industriezweiges ausgeschlossen werden, so erscheint es
zeboten, die Besteuerung auch auf denjenigen Energie—
räger auszudehnen, der mit dem elektrischen Strome in
auerndem Wettkampfe sieht, nämlich auf das Gas.“ Als—
ann wird ausgeführt, daß auch die Entwickelung der
Zas technik außerordentlich lebhaft sei, und daß sie darob
ine Besteuerung zu tragen sehr wohl in der Lage wäre:
Bedauerlicherweise hat man dabei vergessen, daß Gas
ind Elektrizität doch eigentlich nur auf dem Gebiet des
Beleuchtungswesens Hauptkonkurrenten sind, und daß
uuf dem für die Elektrotechnik mindestens ebenso wich—
igen Gebiet der Kraftübertragung und Verteilung die
Verhältnisse ganz wesentlich zu Gunsten der Dampfmaschine
tesß. der Motore mit flüfsigen Brennstoffen verschoben
verden. In sinngemäßer Anwendung der vorstehenden
Ausführungen hätte die Reichsssregierung zu einer Besteue—
rung aller Energieträger greisen müssenk
Was nun die wirtschaftlichen Vorteile der elektrischen
Zraftbeschaffung anbelangt, kann soweit Landwirtschaft
ind Gewerbe, in deren Betrieben zumeist nur geriuge
draflimengen benötigt werden, in Betracht kommen, den
Aus führungen der Begründung vollkommen zugestimmt
verden. Nicht so aber bei den in der Großindustrie und
un Bergbau oft benötigten ganz gewaltigen Energiemen⸗
jen. Es ist eben ein verhängnisvoller Irrtum, anzuneh⸗
nen, daß mit dem Uebergang von irgend einer anderen
Betriebsart zur Elektrizität auch hier. stets wirtschaftltche
borteile verbunden sind. Vielmehr sind recht oft Gesichts⸗
unkte maßgebend, wie die Erhöhung der Betriebs⸗ und
zeuersicherhelt ꝛe, die in der Hauptsache sozialer Natut
iud. Man halte sich vor Augen, wie oft man darüber
lagen hört, daß das Unternehmertum nicht immer mit
er nötigen Bereitwilligkeit auf die Erhöhung der Be—
riebssicherheit bedacht sei und nun will man gar ein
knergieform besteuern, die wie keine andere besaͤhigt ist
die Gefahren unserer industriellen und gewerblichen Be—
riebe herabzusetzen. Heißt das nicht den gesunden Foxt
chritt mit Strafe belegen? Die gewaltigen Aufgaben, die
er Elektrotechnik allein in bezug auf die Erhöhung de
getriebssicherheit auf dem Gebiet des Kohlenbergbaues
ufallen, müßten bereits genügen, das Steuergesetz
nöglich zu machen. Könnte man doch sonst leicht den ge—
etzgebenden Faktoren vorwersen, daß sie selbst es waren,
zie die Erhöhung der Sicherheit in den Bergwerken hinß
angehalten haben, und für daraus resultierende Katastro—
vhen verantwortlich sind.
Und nun zum Kleingewerbe, in bezug auf das in
der Begründung die Vorteile des Elektromotorenbetrie—
ves in so überzeugender MRann hervorgehoben wurden.
—X würden unsere Gewerhreibenden durch die neue
Steuer belastet? — Der Vater des Entwurfes, Herr Ge—
imrat Or. Weber, gab in einer Versammlung des Eletk—
retechnischen Vereins in Berlin hierzu folgende Steuer
betrage: Für einen Metzger mit einen Motor von 2 PS.
M 2.65 im Jagr, für eine Buchdruckerei mit einem Ro
or von 2 PS. M. 1.74, bei Schlossereien min s .
PRark 3. uh ονοοι ι νανν— MAa —R
PS. M. 26 pro Jahr. Diese VSablen aden fur ei—
ien Steuersatz von 0,4 Pf. pro Kilowatistunde ede
Ist dieser Betrag für unsere Kleingewerbetreibenden nan
aber wahricheinlich? Herr Geheimeat Dr Web 44
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elbst die Antwort verzu, mdem er spaäterhin ausführte?
Es ist dadurch die Moͤglichteit geschaffen, daß auch dae
Zteuern in verschiedener Weise, ganz so, wie es sich durch
ie Kondarrenz, durch die praktischen Bedürfnisse regelt,
»on den Werken auf die einzelnen Abnehmer abgewalzt
verden.“ Dies wird auch in weitgehendem Maße ge—
ichehen. Vor allem werden die Konsumenten die Steuer—
eträge mitbezahlen müssen, die dem Elektrizitätswerk aus
em eigenen Verbrauch erwachsen, und dann werden die
leinen finanziell schwachen Konsumenten die Steuer
der großen an das Werk angeschlossenen Betriebe mit auf⸗
ingen müssen. Daß dies latsächlich der Fall fsein wird,
ergiht sfich aus folgender Ueberlegung. Die Großkonsu⸗
nenten werden den Werken wohl die Bedingung sielten
ünnen, den Preis wie seither zu belassen, widrigenfalls
ie sich irgend wie sonst Ersatz für den elektrischen Strom
zerschafsen müßten, die kleinen Gewerbebetriebe aber kon
ien nicht in der gleichen Weise vorgehen, sie werden nach
vie vor sroh sein, von dem Werk Strom beziehen zu kön⸗
ien und müssen sehen, wie sie in den zumeisi ohnedies
chweren Daseinsbedingungen über diese neue Belastung
Aie also ganz wesentlich höher sein wird. als vorstehem
crechnet, hinauskommen.
So wie das Kleingewerbe, wird aber auch die Land⸗
virtschaft von der geplaͤnten Steuer betroffen und dies
u einer Zeit, da man hoffen konnte, durch Ausbau der
ẽlektrizitätswerke zu Ueberlandzentralen auch in kleineren
Landgemeinden die Eleltrizität bereitzustellen und dami
Landwirtschait und Gewerbe über die dort herrschende
Leutenot und die Schwierigkeiten der Kraftbeschaffung
hinauszubringen. Also auch darin wirkt die geplante
Steuer unsßozial. Sie erhöht die Schwierigkeiten, die die
en beiden an und für sich in gedrückter Lage befindli—
hen Wirtschaftsgruppen zur Genüge bestehen, und muß
nan sich über den Steuervorschlag umsomehr wundern,
ils von Seiten der verschiedenen Regierungen feither stets
detäent wurde, daß sie gerade in der Förderung und Er—
haltung des Mittelstandes eine der wichtigsten Aufgaben
der Gesetzgebung erblicken müßten.
Auf die vielen technischen Schwierigkeiten des Steuer—
vorschlages einzugehen, ist hier nicht der Ort. Erwähnt
ll aber werden, daß die Steuer ein Ueberwachungssy⸗
ten aller Gas- und Elektrizitätserzeugungsstellen bedingt
WVas das heißt, werden diejenigen Betriebe, die, wie
Brauereien, Brennereien ꝛc. 3. Zt. schon unter solcher
Steueraufsicht stehen, am besten beurteilen können.
Und nun zum Schluß noch wenige Worte über den
Ertrag der geplanten Steuer. Die Reichsregierung schaät
ihn auf 50 Milltonen Mark, die sich mii 27,5 Millione
aus der Elektrizitätsftener und mit 22,5 Millionen
der Gassteuer ergeben sorlen. Wie wenig aber diese Zaß
len einer objeltiven Kritik standhalten können, zeigt das
iolgende Beispiel, das einer Veröffentlichung des Steuer
are schusses der Deutschen Elektrizitäts- und Gasinteressen—
e entnommen ist:
„Bei der Ertragsberechnung der Steuer wird behaup
tet, daß in Deutschland jährlich 30 Millionen Glühle
den verbraucht werden, die eine Steuereinnahme von6
Beillionen Mark liefern würden. Durch Erhebungen,
wohl bei den Elektrizitätswerken als auch bei den Glüh⸗
lampenfabrikanten hätte aber leicht festgestellt werden kön—
nen, daß die deuische Produktion von Glühlampen aller
Art wohl etwa 34 Millionen beträgt, daß aber hiervon
etwa 14 Millionen exportiert werden, sodaß ein inlän—
discher Konsum von rund 20 Millionen übrig bleibt. Noch
unt erständlicher ist die Angabe der Reichsregierung, daß
der jihrliche Verbrauch von Glühstrümpfen 100 Millionen
betrage, während auf Grund genauer Ermittelungen der
Deremigung der Glühstrumpffabrikanten die Tatsache be⸗
tannt ist, aß wohl 100 Millionen Glühstrümpfe bei uns
Dergehen oder Wahnsinn?
Kriminal⸗Erzählung von Geinrich Riff.
korffeßunci Machoruck verbren
„Nein, neinl“ rief ein Gutsbesitzer. „Ich gebe ja zu,
daß sein Glück auffallend ist, allein er ist ein rechtschaffener
uind ehrenwertey Mann, gegen dessen Charakter sich nicht das
Beringste einwenden läßt. Und weshalb sollte er falsch spie—
len? Bei seinem bedeulenden Vermögen kann es ihm wahr
lich nicht auf den Gewinn ankommen, er hat sich ohnedies
nie von einer habsüchtigen oder geizigen Seite gezeigt.“
Der Advolat zuckte zweifelnd mit der Achsel.
„Dies alles beweist die Unmöglichkeit meiner Behaup⸗
ung noch nicht,“ warf er ein. „Ich will Sie nur darauf
nufmertsam machen, daß es Spitzbuben gibt, welche ganz
ortreffliche und liebenswürdige Menschen sein würden. wenn
ie den einen Fehler nicht haͤtten.“
„In welcher Weise sollte er falsch spielen?“ bemerktie der
Buis besitzer. „Mip ifn an seinem Spiele nie etwas aufge—
allen.“
„Ed besitzt unstreitig eine große Gewandtheit im Mischen
aind Geben⸗, fuhr Demmer forn. „Dies allein würde natür—
ich in keiner Weise gegen ihn sprechen, ich habe ihn sehr
naufmerksam beobachtei und glaube bemerkt zu haben, daß er
ie Karten gezeichnet hat. Die Art und Weise, wie er die
darten scheinbar spielend und doch dabei tastend durch die
Finger gleiten läßt, hat mich auf diesen Verdacht gebracht
„Dies ist kaum möglich, denn wir spielen jedesmal min
teuen Karten. Sie werden sich erinnern, daß dieselben stets
noch in dem umhüllenden Papiere aui dem Tische liegen,
venn das Spiel beginnt.“
„Kann er sie nicht vorher gezeichnet haben?“ warf der
Advokat ein. „Ist Ihnen entgangen, daß er regelmäßig ge—
vinnt, wenn bei ihm oder im Klub gespielt wird! Bei ihm
vird natürlich nur mit seinen Karten gespielt.“
„Und im Klub?“ warf der Gutsbesitzer ein.
„Sollte es für kinen geschickten Mann so schwer sein,
in Spiel Karten mit einem anderen zu vertauschen? Die
Zeichen, welche er daran gemacht., werden sehr fein und nur
iür ihn erkennbar sein“.
„Sie gehen zu weit! Leiningens Charakter, seine Ver—
Hälmisse, alles spricht dagegen, daß er zu einem solchen Mit—
el greifen sollte! Dies mögen Leute tun, die mit dem Ver—
rrechen bereits voritraufs sind und weder Namen noch Gßshpe
einzusetzen haben, er steht geachtet, glücklich und von vieler
beneidet da; sollte er eines füd ihn so geringen Gewinnes
wegen so unendlich viel auf das Spiel setzenn Ein Wahw
sinniger würde dies kaum tun!“
Demmers Verdacht wapr nicht zu erschüttern.
„Sie finden dies unbegreiflich, meine langjiährige Er
fahrung spricht dagegen, daß das Glück Jemand so getrer
und so fest an bestimmte Oertlichkeiten gebunden zuv Seit
steht,“ erwiderte er.
„Leiningen hat nie gewünscht, daß wir höher spielen⸗
würde er dies nicht getan haben, wenn ihm an dem Gewinn
so viel gelegen wäre?“
„Ich halte ihn für zu klug dazu. Ihm liegt indessen an
dem Gewinne. Sie werden vielleicht einwerfen, daß er stets
heitey ist, auch wenn er zuweilen einmal verliert, ja, e⸗
lacht und scherzt auch dann, aber seine Heiterkeit ist ein⸗
erzwungene und nervös erregte. Achten Sie auf den sick
steigernden Glanz seiner Augen, der verkündet, mit welcher
Freude er spielt, er versteht es nur, dieselbe zu beherrschen
Ich habe mich offen gegen Sie ausgesprochen, weil ich weiß,
daß Sie schweigen werden. Mein Bestreben ist darauf ge⸗
richtet, Beweise sürd Leiningens Betrug zu entdecken, und ick
hoffe, daß es mid gelingen wird; ich bitte Sie nur umn
das Eine, zeigen Sie gegen ihn nicht die gerinaste Be
angenheit.“
Die Herren versprachen es.
Am Abende des nächsten Sonntages begab sich Demme
früher als gewöhnlich in den Klub; es waren erst wenige
derren anwesend. Kurze Zeit nach ihm kam Leiningen und
begrüßte ihn wie immer in der freundlichsten Weife. Ir
einem jeden würden, wenn er in das offene Auge des Guts
besitzers geblickt hätte, Zweifel aufgestiegen sein, nur ir
Demmer nicht; mit Zähigkeit hielt er an dem einmal ge
faßten Verdachte fest. Obschon er dies nicht gestand, kränkt
es ihn doch, daß, seitdem er mit Leiningen spielte, er nich
mehr so viel gewann wie früher, denn in seinem Chara
er war der Egoismus in schörfster Weise ausgeprägt, und e—
kannte kein Verzeihen und Vergessen für densenigen. dur—
en er einen Beriust ersitten Houe
Zu den Herren, mit denen or bekannt geworden war
d häufig spielte, gehörte der Advokat Demmer. Demmer
var ein vorzüglicher, aber auch leidenschaftlicher Spieler, der
ederzein bereit war, die Arbeit beiseite zu werfen, wenn
ich ihm Gelegenheit zu einer Parlie darbot. Er vernach⸗
assigte sogar seinnen Beruf nicht unwesentlich deshalb; den
berlust, den er dadurch erlitt, glich er freilich durch das
Spiel aus, da er durch sein ausgezeichnetes Gedächrnis und
Ae Schärse seines Verstandes den anderen Spielern überle,
ren war.
Evr spielte des Sonntags abends regelmäßig mit Lei⸗
vngen und wurde öfters zu ihm zu einer Partie auf sein
Lut eingeladen. Trotz seines vorzüglichen Spiels gewann
e nicht mehr, da das Spiel den Gutsbesitzer nuw allein be⸗
nünstigte. Mißtrauen gegen Leiningen ftieg in ihm auf.
AInfangs äußerte ey gegen niemand ein Wort darüber, be⸗
Vachtete jedoch den Gutsbesiner aufs Scharfste, ohne das
veringste wahrzunehmen. wodurch Fein Verdacht beitänicn
vorden wäre.
Run sprach er mit einigen Freunden darüber, welche
seichfalls öfters mit Leiningen spielten und denen das Glück
Sielben auch schon aufgefallen wav.
„Ich piele zu viel und zu lang, als daß ich nicht
vissen sollte, wie weit das Glück oder der glückliche Zufall
RXchr, sprach er. „Wohl begünstigt dasselbe einen einzelnen
zsters in auffallender Weise, aber nicht so andauernd und
nit solcher Zähigkeit.“
Leiningen ist ein guter Spieler,“ warf ein anderer ein.
er einen Verdacht nicht offen auszusprechen wagte.
„Das gebe ich gern zu,“ fuhr Demmer fort. „Ohne in⸗
essen mich zu überschätzen, weiß ich, daß ich mindeftens
bensogut und gewiß noch aufmerksamer spiele. Ich finde
Ar eine einzige Erklärung: Leiningen spielt falsch, en be—
rünqt ums«
Forisetßung fosa