Full text : Dudweiler Zeitung

av, in welicher über die Einberusung etner Barteiron—
ferenz behufs Annahme des ZJusthschen Entwirrungs⸗
programms „Kabinett der Unabhängigkeitspartei, allge⸗
meines, gleiches, geheimes Wahlrecht ohne Pluralität und
jelbständige Bank“ beraten und beschlossen wurde, jeder
anderen Entwirrung auch der Wekerles und Andrassys,
energischsten Widerstand entgegenzuseßen. Unter solchen
Umständen ist, falls nicht von Wien aus ein entschei den—⸗
der Schritt unternommen wird. das Ende der Krife un—
Wiehbhn

Nußland.
* Insolge der En veckung einer Reihe Aufsehen erre
gender Unregelmäßigkeiten ist dr Generalgou—
Rerneuxr von Polen zum Zaren befohlen
worden. Es heißt, daß die Pläne der Befestigung von
Warschau und wichtige Dokuniente verschwunden und
Amerika.
* Der Senat lehnte die Abänderungsanträge, die eine
Ermäßigung des vorgeschlagenen Zolles auf Rasiermesser
oorsehen, ab In der Debatte erclärte Senator Hale,
daß das Vordringen Deutsscchlands auf dem ame!
rikanischen Markte soweit fortschreite, daß die amerikani—
sche Rañermesserindustrie sich nicht mehr erholen könne

Ein Beamtenstreik in Deutschland.
Die Moͤglichkeiten eines Verkehrs-Beamtenstreskes in
Deutschland werden in einem Aussatze in der „Sozialen
Praxis“ geprüft. Der Verfasser gelangt zu der Ansicht,
daß, um dieser Möglichkeit zu begegnen, die Regierung
oen Beamten das freie Koalitionsrecht zugestehen müsse,
ohne den Hintergedanken, die Beamtenschaft hätte es mil
ihrer Forderung auf die Erlangung des Streikrechts ab—
gesehen. Der Artikel schließt:
„Wenn die Regierung eine straffe freiheitliche Orga—
nisierung der Beamtenschaft noch sehr lange Zeit hindert,
lönnte die Gesahr des Verkehrsbeamtenstreils schon des—
jalb an Boden gewinnen, weil der sich ansammelnden
Anzufriedenheit der natürliche Abfluß verwehrt würde.
Die Regierung ist im Interesse der Allgemeinheit nicht
nur verpflichtet, das freie Koalitionsrecht zu gewähren,
sondern auch es zu fördern — Hinderniffe aus dem Wege
zu räumen, die den einzelnen, wie die Gesamtheit in der
Entfaltung der ihnen eigenen Kraft aufhalten — die Brücke
bauen zu helfen, die von den Regierenden zu den Regier⸗
ten führt. Und es gibt keinen anderen Weg, der von
hüben nach drüben sührt, als den der Organisation. Dar—
um muß sich auch die Regierung mit dem Gedanken ab—
finden, daß Beamtenausschüsse nur daun Wert haben
können, wenn sie ihre Bafis in den Beamtenorganisatio—
nen haben. Zahlreiche Beispiele ließen sich anführen, daß
wir in Deutschland noch weitab von diesen Zielen mar—
schieren. Dieser Zustand findet in mancherlei seine Be—
Jründung, zuerst in dem Umstande, daß die Mafssen der
eutschen Beamtenschaft eben erst anfangen, sich den Schlaj
zus den Augen zu treiben. Weiter kommt in Betracht das
Festhalten der Regierung an dem allzu sitarren Herren—
tandpunkt — hier unnahbares Vorgesetztentum, dort nur
zehorchende Beamtenschaft. Darum — alle Klagen über
»erlorene Zeit, über verpaßte Gelegenheiten und über
erlorene Schlachten sind zwecklos — Organisanonsarbeil
ut der Beamtenschaft not. Wenn Regierung und Oef—
entlichkeit ihre verfügbaren Kräfte zur Unterftützung die—
er Arbeit verleihen, werden sie sie nicht auf die Abwehr
der Gesahren eines Verkehrsbeamtenstreiks zu verwenden
brauchen. Nicht die unbeugsame Autorität muß immer
unbedingt die Disziplin zur Folge haben, freie Organi⸗
sierung ist die unversiegliche Quelle für die nalturliche
Autorative Disziplin.
Zur rechten Würdigung dieser Ausführunzen sei be—
merkt, daß ihr Verfasser der Schriftleiter der „Deutschen
—Ax ist, des Verbandsorgans der mittleren Reichs—
ost⸗ und Telegraphen-Beamten.
Die Finanzkommifsion des Reichstags.
Die Finanzkommission des Reichstages wählte, nach⸗
dem der Abg. Paassche eine Wiederwahl abgelehnt hat
e, den Abg. Frhrn. v. Richthofen (ktons.) zum Vor—
ätzenden und beendete die erste Lesung der Tabak—
steuervorlage durch Annahme des Artikels 4 des
Ent vurfes der Subkommissson. Dann wurde länger«
Zeit über die Denkschrist betr. die Fahrkartensteuer ver
handelt und diese Densschrist schließlich zur Kennlnis ge⸗
nommen, ohne daß es zu einem Beschluß gekommen wäre.
Die Kommission beschließt, am Mittwoch eine Sitzung
Wzuhalten mit der Tagesordnung: Besitzsteuerkompromiß,
Erbschaftssieuer und ein inzwischen eingebrachter konser⸗
vativer Antrag betreffend die Einführung einer Werwwa—
zier,, Wertzuwachs- und Umsaßzsteunes

o 2* * 3222
Der Kaiser und Fürst Bülow.
Wies baden, 18. Mai. Der Reichstanzler Fürst
Bülow ist heute früh 8 Uhr 7 Min. in Wiesbaden ein—
getroffen und hat sich sogleich nach dem Schloß begeben.
Er wurde im Laufe des Vormittaas vom Kaiser zum
Vortrag empfangen

WXBVch hätte nicht gedacht, daß Sie so viel Kenntnis des
weiblichen Eigensinnes hätten,“ sagte Hastings belustigt.
„Für Ihre Rücksichtnahme auf mein Interesse bin ich Ih—
nen übrigens sehr verbunden. Aber Sie scheinen meine
Absichten mit Miß Darracote als selbstversiändlich anzu—
nehmen.“
Wie konnte es anders möglich sein, nachdem ich Miß
Darracote gesehen?“ entgegnete Mr. Kirby. „Ich bin ein
alter Mann, aber ich habe nie zuvor ein schöneres, reizenderes
 Mädchen gesehen.“
ie haben recht,“ sagte Hastings offen. „Es ist un—
möglich, Miß Darracote zu sehen und sich nicht zu sagen,
daß ihr Vermögen zu den geringsten ihrer Vorzüge gehört.
Ich gab Mr. Darracote damals kein Versprechen, da ich,
wie ich gestehen muß, wenig geneigt war, seinen Wunsch
zu erfüllen .— bis ich Miß Darracote kennen lernte. Sei
diesem Augenblick jedoch fühle ich, daß ich ein glücklicher
Mann wäre, wenn ich seinem Wunsche nachkommen könnie.
Aber das ist noch sehr zweifelhaft. Wie die Sachen jetzt
stehen, möchte ich sie nicht durch Mr. Wilkens Drohungen
beunruhigt wissen. Jetzt habe ich noch kein Recht, sie zu
beeinflussen cder ihr zu raten, bezweifle ich doch keinen
Augenblick, daß sie mit der übertriebensten Großmut ver⸗
ahren wird, wenn ihr die betreffende Sache zu Ohren
'ommt. Erlangen wir aber einen Aufschub, so habe
ch unterdessen vielleicht größere Rechte erworben und der
indgültige Entschluß liegt dann in meiner Hand. Sie
verden mir beistimmen müssen, daß es sich lohnt, einen
Mann nach Australien zu schicken.“
Mr. Kirby nicte.
„Ich bin ganz Ihrer Ansicht,“ sagte er nachdrüclich.
Geschäftsangelegenheiten sollten nie in Frauenhänden sein;
sie gehen immer von einem Ectrem ins andere — entwe—
der zu großmütig oder zu kleinlich. Wir muüssen uns da⸗
her bemühen, Miß Darracotes Vermögen zu retten für sie
und wenn nötig, gegen ihren Willen. Sie können sich da—

Wies baden, 19. Mai. Die Unterredung,
zie der Kaiser hier im Schloß mit dem Reichskanzler
rzürsten Büsllow hatte, dauerte fast zwei Stunden, von
urz nach 10 bis 12 Uhr. Das Ergebnis ist nauürlich
ioch nicht bekaunt, wird sich auch kaum ohne weiteres iñg
Aner kurzen Formel mitteilen lassen. Eine Entscheidung
n der inneren Politik von heute auf morgen ist ja über
saupt nicht zu erwarten. Die Schwierigkeilsen der Lage
erlangen fortdauernd eine sorgfältige Behand:ung. Fürsi
ßülow befindet sich gegenwüärtig bei bester Gesundheit.
luch der Kaiser hat von seinem Aufenthalt in Korfu, der
ich der schönsten Sonnentage erfreute, eine sichtliche Er—
rischung seines Gesundheitszustandes heimgebracht. Heute
Nacht kam Unterstaatssetretär von Löbell hier an, der
»em Reichskanzler einzelne Berliner Informationen über
den Gana der inneren Pyolitik überhrachte.

Vrenßzischer Landtag.
Adartenhaus.
Das Abgeordnctenhaus beriet in zweiter Lesang der
ßesetzentwur, über den Bergwerksbetrieb ausländischer du
istischer Personen und den Geichäftsbetrieb außerpteuti
her Gewerkschasten. Die Kommission hat nur an der
lebergangsbestinmungen unter Zustimmung der Regier
ing kleine Aenderunzen vorgenommen. Die Vorlage wirr
mgenommen. — Es solgt die zwelte Beracung der Herg
resetznovelle. In Verbindung damit werden voer
sandelt der Antrag des Abg. Dr. Szuman (Pole) betr
ie geheime Wahl der Knappschaftsältesten, die. Einfür
ing von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und die
ẽinführung des Achtstundentages in den Bergwerken; der
Untrag des Abg. Aronsohn (Freis. Vp.) betreffend di:
inführunz von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und
zie reichsgesetzliche Regelung des Bergrechts; der Antrta
»es Abg. Imbusch (Zentr.) betreffend die Mitwirkung de
ZzZergarbeiter bei der Grubenkontrotle und die reichsgese
iche Regelung des Bergreckts; der Antrag des Abzg. Fre'
errn v. Zedeitz (freik. und des Abg. Krause-Waldenbun
freik.) betrefsend die Verantwortlichkeit der Bergwerks
rebsbeamten und Werkbesitzer und die Mitwirkung d
Arbeiterausschüsse bei der Grubenkontrolle. Die Kommi
ion bittet, diese Anträge durch die Vorlage für erled
unerklären. Nach einer allgemeinen Besprechung, an der
ich die Mehrzahl der Warteien unter Aufrechterhaltung
hrer prinzipiellen Auffassung für die Kommissions-Be—
chlüsse betehate wurde die Weiterberatung vertasat

Das neue NRegime in der Türkei.
Es verlautet, daß es gelungen ist, den Ex—
ultan zu bewegen, sein in auswärtigen Banken de—
»oniertes Bermögen dem Staate zu übberlassen.
Ddiesbezügliche Verhandlungen der Regierung mit den be—
reffenden Banken, sowie die Beratungen im Justiz-Mi—
nisterium über die Wege zur Erlangung des Vermögens
vurden bereits eingesteilt.
Der Leibarzt des Sultans Abdul Hamid,
Professor Dr. Biser, hat auf das in Berlin hinterlegte
Lermögen des Sultans Beschlag legen lassen. Seine
Forderungen betragen 150 000 Mark.
Aus aller Welt.
* Konkurs eines Vorschußvereins. Von einer sehn
chweren sinanziellen Katastrophe ist die Stadt Köpenich
etroffen worden. Ueber den Vorschußverein ist der Kon—
urs verhängt worden. Es heißt, daß 4 Millionen M
yon armen Sparern verloren sind.
* Hinrichtung. Auf dem Hofe des Landzerichtes in
sordhausen wurde der Knecht Josef Heimnrodt aus Ren
jelrode, der zwei Kinder seines Dienstherrn in best ali⸗
cher Weise ermordet hat, vom Scharfrichter Reindel aus
Nagdeburg hingerichtet.
* Pulverexplosion. In Gries bei Bozen explodierte
eim Festschießen der dortigen Schützengesellschaft in ei—
ier Zielerhütte eine Kiste mit 40 Kilo Pulver. Zwei Zie—
er, zwanzigjährige Burschen aus Gries, wurden in Suücke
errissen, drei entferntere Zieler leicht veriett. Die Ex⸗
»losion ist wahrscheinlich durch brennende Zigaretten em—
tanden.
* Hotelbrand. Aus London wird berichtet: Sonntag
nacht brannte das größte Hotel in Cornwaäll vollstandig
nueder. Die Fremden wurden vom Feuer im tiefsten
Schlafe überrascht und viele von ihnen schwer verlebt.

Erdbeben.
Darmstadt, 18. Mai. Nachdem der Monat Mai
his jetzt ohne Erdbeben verlaufen ist, wurde die Periode
»er Ruhe auf unserer Erde durch ein Fernbeben aus 9000
em. Entfernung unterbrochen. Der Einsatz war vormit
ags 9 Uhr 15 Min. 53 Sek., die langen Oberflächenwel
en setzten d Uhr 55 Min. ein, das Ende war gegen 113
Uhr Anfoloe äüärtlicher Bodenuee und ftür7758

rauf verlanen, daß, wenn ich mit Willens gesprochen habe,
r nie mehr Miß Darracote in den Weg treten wird. Zu⸗
dem liegt Australien in weiter Ferne.“
9.
„Ich möchte gern wissen,“ sagte Irma, „ob alle Leute
o oft Fehler machen wie ich.“
Ihr Ton war so klagend und naͤchdenklich, daß Mrs.
dawton hell auflachte. Wie vorherzusehen war, hatten si—
ind Irma sich eng aneinandergeschlossen. Sie saßen zu—
ammen in der Bibliothek vor dem Kaminfeuer.
Ich habe bis jetzt nur sehr wenig Leute in meinem
deben kennen gelernt, die nicht ab und zu einen Fehler
aachen,“ erwiderte Clare. Die Ausnahmen — jene be—
underungswürdigen Leute, die nach ihrer eigenen Mei⸗
ung nie einen Fehler machen — habe ich immer am lieb⸗
ten aus der Entfernung bewundert.“
Irma lachte ebenfalls, aber ihr Gesichtsausdruck blieb
mverändert. „Ich weiß,“ meinte sie, „daß die menschliche
datur nicht unfehlbar ist, aber ich kann doch kaum glau⸗
en, daß andere Menschen se häufig Fehler machen, wie
ich. Die daraus entspringende Demut ist gewiß sehr heil⸗
am, abet nichts weniger wie angenehm.“
„Die Demut ist eine sehr schöne Tugend,“ sagte Nrs.
dawton. „Aber ein Uebermaß nimmt nach meiner An—
icht das Selbstwertrauen und die Folge ist Schüchternheit.
Nan muß sich da eben vor Uebertreibungen hüten. Ich
ezweifle nämlich sehr, daß Sie mehr Fehler machen, wie
indere Leute. Welchen Fehler bereuen Sie denn zum Bei—
viel jetzt?“
„Nein vermessenes Urteil! Als ich hierher kam,
laubte ich nämlich, daß ich nie jemanden finden würde,
nit dem ich mich befreunden könne. Ich bildete mir ein,
aß jedermann in dieser neuen Welt so wäre, wie jene,
ie ich bis jetzt kennen gelernt hatte. Aber dieser eine
Nonat hat mich schon mein Unrecht einsehen lassen. Ich
var in meinem Urteil zu allgemein. Meine Meinung über
ie Welt überhaupt umzuändern, dazu finde ich mich al⸗
»rdings nicht veranlaßt. Ich vergaß nur. daß es auch
susnahmen aibt

Wetters sind nicht alle Pyasen des Bevens deutlich auf—
gezeichnet. Das Beben war von mittlerer Slaͤrke.
Heidelberg, 18. Mai. Der Seismograph des
Astro⸗Physikalischen Instituts auf dem Königstuhl verzeich
nete ein starkes Fernbeben. Der Vorläufer seßte 9 Uhr
15 Min., das Hauptbeben 9 Uhr 26 Min. ein.
New-York, 18. Mai. In Veru wurde eine Reihe
tarker Erdstöße verspürt.

Sprachecke.
Vom Siegeszuge des Deutschen. In den letzten
Jahrzehnten ist das Ansehen unserer Sprache im Aus—
ande sehr gestiegen. Jeder Deugche muß seine helle
Freude an folgenden Tatsachen haben. In Mittel⸗Chile
ibt es weite Gebiete, in denen ungeachtet der geringen
Zahl der dortizen Deutschen unsere Sprache die zweite
Landessprache geworden ist, sodaß sogar chilenische Dienst⸗
»oten deutsch lernen. Dem Vorstande des deutschen Turn—
»ereins in Valdivia, der soviel Nauonalitolz hate, daß
er den chilenischen Präsidenten in der Turnhalle deutsch
ꝛegrüßte, antwortete dieser auf deutsch. In dem aufftre⸗
enden Argentinien ist jetzt Teutsch die einzige lebende
Fremdsprache in den oberen Klassen der höheren Schu⸗
ien. In Japans Haupistadt Totio sind 50 Professoren
und 400 Studenten dem an der Waseda-Universität ge—
gründeten deutschen Sprachverein beigetreten. Als man
'm April v. J. in Tokio die Büsten zweier deutscher
Professoren enthüllte, pries ein japanischer Universitäts⸗
professor die Verdienste unserer Landsleute in de utscher
Sprache. An der neuerrichteten Medizinischen Hochschuͤle
in Konstantinopel ist Deutsch als Universitätsspraͤche ein—
geführt worden. Auf dem lesbten Orientaistentage in
Kopenhagen sprachen Gelehrte aus Rußland, Ungarn, Dä—
nemark, Amerika, Griechenland, Holland und Schweden
Deutsch. Ja, sogar die nationalstolzen Englänger wer—
den durch die Verhältnisse immer mehr gezwungen, Deutsch
zu lernen, wie man aus den Mahnrufen führender Zeit
ungen Englands und aus den Lehrplänen der dorügen
höheren Schulen und Universitäten ersehen kann. — Ha
ben wir Deutsche da nicht die Pflicht, unsere Mutier—
sprache, der andere Völker so sehr huldigen, besonders
in Ehren zu halten?

Vermischtes.
Ruhe ist vornehm! Der Antlätmverein versendet
tetzt Karten mit der Aufschrift: „Ruhe ist vornehm!“ Sie
ollen, wie wir in dem Wiaiheft der Zeitschrift „Recht —X
Stille“ lesen, der Allgemeinheit vor Augen gehalten wer
den, und zwar durch Anheften in öffent!ichen Lokalen, Ho—
els, Badeanstalten u. dergl. Seinen Friseur, so rät das
Organ des Antilärmbereins, verpflichte man, die Karte an
den Spiegel seines Geschäftes zu stecken. Aber auch in
speziellen Fällen werden die Karten dienlich sein. Schlägt
z. Boein Hausgenosse in seiner Etage trotz VBeschwerde
die Türen zu, so stecke man ihm eine Zeitlang täglich
eine solche Karte in den Briefkasten. Vollführt die Dame
am Büfett den üblichen Höllenlärm, so schicke man ihr
durch den Kellner eine solche Karte

Carmen Sylvas Geschenk. Die schönste, poetisch—
te und sinnigste Gabe erhielt König Carol von Rumä—
uüen zu seinem 70jährigen Geburtssest aus den Händen
»er Dichterin-Königin Carmen Sylva. Es ist ein Kelch
uis Bergkristall in künstlerischer Ausführung, bedeckt mit
einem von der Königin mit kostbaren Perlen reich ge—
tickten Tuch. Das originelle Geschenk ist ein Symbol des
eidenskelches, den der König während seiner Regierung
ift zu verkosten hatte, die Perlen bedeuten die verklärten
dränen des Schmerzes. Mit einem Gedicht, das ddiese
lese Symbolik besingt, überreichte Carmen Sylva ihrte
habe, die der greise König tief ergriffen entgegennahm
Radium in mineralischen Abfällen. Sirt William
Ramsay, der berühmte Chemitker, hat jetzt offiziell bestä⸗
ligt, daß sich in Cornwall Radium vorfindet, und zwar
n verhältnismäßig ansehnlichen Quantitäten. Ramsay
yat, wie den Baseler Nachrichten aus London mitgeteilt
wird, eine Anzahl von Pechblendestücken analysiert, und
‚war hauptsächlich aus der Trenwith-Grube, die sich zu—
neist aus mineralischen Abfällen zusammensetzt. Jede
donne des dort gefundenen Erzes dürfte nach der Ansich
amsays ein Viertelgramm Radium liefern, d. h. bei
zem jetzigen Preisstand Radium im Werte von etwa
9000 Mark. Schon in naher Zurbunst sei ein jährlicher
kẽrtrag von zwei Drittel Unzen zu erwarten, was bei den
etzigen Preisen einem Werte von fast 24 Millionen M.
zleichkonmt. Der Gelehrte beabsichtigt, den Direltoren der
„British Radium-Corporation“ nahezulegen, sofort Vor—
ehrungen zu treffen, um den wertvollen Stoff aus den
krzen von Cornwall auszubeuten.

4 — RA————. — ·, — — · — ——·;·, , , —...—0— —
Mrs. Lawton lächelte. Ich interessierte mich schon für
Sie, bevor ich Sie sah, so daß ich mit Freuden bereit
war, Ihre Freundin zu werden, wenn Sie es erlaubten.
Ich sagte dies auch Mr. Hastings.“
‚Achl“ rief Irma aus. Deshalb sagte er damals
zuch, es warteten meiner schon Freunde, mich zu be—
zrüßen und ich — gab ihm eine solch unliebenswürdige
Antwott.“
Das kann ich kaum glauben.“ —D —
Doch, es ist sol Ich erwiderte ihm, es wären viel—
eicht Bekannte, die mich sehen wollten, aber Freunde
alaubte ich auf keinen Fall. War das nicht ungezogen?
„Es war freilich nicht sehr ermutigend für Me. Ha⸗
tings, das gebe ich zu. Aber da Sie damals noch nichts
von meiner Existenz wußten, so können Sie mich damit
mch nicht beleidigt haben, und deshalb vergesse ich das
gern*

„Es war ungezogen, grob und sehr anmaßend,“ be—⸗
arrte Irma mit einem Gesicht, als ob sie ein Verbre⸗
hen begangen hätte. Mr. Hastings war noch so gut,
nir seine eigene Freundschaft nach dieser Bemerkuma umn—
zubieten.“
Das war wirklich sehr nett von ihm,“ entgegnete Mrs.
dawton, belustigt lächelnd. „Wie ich, hatte auch er be—
chlossen, Ihr Freund zu werden und er ließ sich deshalb
urch nichts davon zurücdschrecken. Ich kann aber wirklich
iicht begreifen, weshalb Sie sich so fest vorgenommen hat—
ten, keine Freundschaft zu schließen.“
„Sie können das auch nicht begreifen,“ entgegnete Ir⸗
na sinnend und ein wenig zögernd, als wenn fie vor ei⸗
ier unangenehmen Erimerung zurüdschredte, „und darum
vill ich es Ihnen denn sagen. damit Sie mich nicht für
leinlich und albern halten“
„Dafür werde ich Sie nie halten, liebes Kind, was
Sie auch schon sagen werden.“
            
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