Lokales.
Schutz der Geldbriefträger. Die „Deutsche Tages—
eitung“ macht den nachfolgenden, allerdings in erster Li
ne für Berlin berechneten Vorschlag; wir geben ihn wie—
er, weil er auch für kleinere Orte Beachtung verdient
das Berliner Blatt schreibt: Die sich wiederholenden Ue—
zerfälle auf Geldbriefträger haben schon vor vielen Jah—
en den Gedanken nahegelegt, diese Beamten mit Schuß
vaffen auszurüsten. Dagegen hat man aber stets einge—
vendet, daß diese Art Schutz in der Mehrzahl der Fäilt
zersagen werde. Diesen Grund könnte man mit Rechi
nich gegen den Revolver der Sicherheitsbeamten, ja gegen
»en Schutzmanns äbel geltend machen, denn es ist tatsäch
ich schon vorgesommen, daß ein Schutzmann am Gebrauch
der Wasfe verhindert worden ist. Man sucht dader nach
euen Mitteln, die Geldbriesrräger zu schützen. Von den
ierzu gemachten Vorschlägen verdient vielleicht der fol—
sende Beachtung: Man gestatte den Geldbriefträgern, sich
zunde zu halten, die sie auf ihren Beftellgängen beglei—
en. Die Sache ist nicht so kostspielig, wie fie ausfieht.
Für die zirka 300 Beamten auf den rund 120 Poftämterrn
vären etwa „300 Posthunde“ oder noch weniger erfor
erlich, die ihre „HHerren“ während der Dienststunden be—
Jeiten und bewachen. Die Unterhaltungskosten wird man
her Geldbriefträger selbst übernehmen, andernfalls wird
nan die Tiere irgendwo im Posthof unterbringen können.
Zelbstverständlich sind die „Posthunde“ steuerfrei. Map
vird über diesen Vorschlag lachen, — aber hat man an
ängl'ch nicht auch über die „Polizeihunde“ gelachte So—
iel steht fest, daß die bis jetzt vorgekommenen Rauban—
älle auf Geldbriefträger unmöglich oder doch sehr er
schwert gewesen wären, wenn die Ueberfallenen fich im
Zchutze eines „treuen Begleiters“ befunden hätten. Mar
ttelle sich nur den letzten Fall wie folgt vor: Der Räu—
zer in der Körnerstraße hatte Frau Reschle niedergestreck
und den Geldbriefträger eingelassen — wie würde sich wohl
der „Posthund“ dem blutbespritzten Morbbuben gegenüben
herhalten haben? Und im Falle Eulenburg hatte der
zund den Täter mindestens verfolgt und gestellt! Also
nan prüfe den Vorschlag erustlich.
Grubenunglück Am Samstag morgen verunglückte auf
ßrube Dudweiler der Bergmann Zimmer von Herrensohr.
zimmer war als Schechtläuftr in einem sogenanntea blinden
Schacht angestellt. Er fiel aus einer Höhe von etwa 13
Metern in den Schacht, wobei er sich außer einem Bruch
jer Wirbelsäule noch schwere innere Verletzungen zuzogn. Er
vpurde in das Lazarett nach Sulzbach verbracht. Zimmer
st verheiratet und Vater von 2 Kindern.
Ordensverleihung. Auf hiesiger Grube erhlelten der
Rohrschlossermeister Sauer, der lanojährige Zimmermeister
khode und der Fahrhauer Johann Kiämer 20. das Allge—
neine Ehrenzeichen. Die feterliche Ueberreichung durch Herrn
Borgrat Neff fand gestern statt.
Verschönerungsverein. Mit Aufstellung neuer Bänke
421134 t Reparatur der alten Bänke.
Des weiteren ist gestern der Bau einer Schutzhütte am
„Brennenden Berg“ in Angriff genommen worden. Es
vird dies ein recht hübscher Bau mit Bänken und Tischen.
Wir empfehlen diese Anlagen schon ietzt dem Schutze des
Bublikums.
Zusatzkarten. Eine Neuerunz ist von der preuß. Eisen—
pahnverwoctung eingeführt worden, daß die Zu-führer der
D⸗Züge nunmehr auch mit Zusatzkarten ausgerüstet sind,
eren Lösung den Reisenden zum Uebergang in eine höhere
Wagenklasse berechtigt. Derartige Zusatzkarlen sollen in der
segel an den Fahrkartenschaltern gelöst werden. Die Ein—
rich ung ist wamentlich für die Reisenden eingeführt, die ohne
nie Sperre zu passteren, von einem Zuge auf hen apdern
beraehen.
Sparen! In letzter Zeit war gar viel vom Sparen die
Rede, und es ist wahr: Wenn etwas heutzutage angebracht
ist und einen „goldenen Boden“ hat, so ist es das vielfach
in Vergesscenheit geratene Sparen. In manchen Familien
teilich kommt die Mutte“ vor lauter Sorgen, vor lauter
Rechnen und Sparen gar nicht dazu, mit ihren Kindern
wirklich froh zu werden. Jedes kleine Vergaulgen, jedes
Fest, die Freube über ein neues Kleid usw. wird ja durch
das ewige Rechnen und Sorgen vergäll‘. Und die Kinder
verden durch die beständigen Etmahnungen und Bedrohungen
Das ist zu teuer für uns, — das ist zu teuer für Leute
m unseren Verhälinissen“ erst recht auf das aufmerksam, was
ie entbehren müssen. Denn das ist das Schlimme dabei,
aß die Bedürfnielosizkeit solchen Müttern, dann auch den
dindern, niemals als das natürlichste, Seibstverständliche, er⸗
cheint, sondern als etwas Trauriges, eine bitlere Notwendig⸗
ett. Da liegt auch der große Fehler. Man kann sehr ein—
ach erziehen und doch fröhlich und glücklich sein. Aber wo
indet man das heutzutage? Fast nirgends. Was gespart
wird, da geschleht es mit Se fzen und Stöhnen und mit
Bedauern, um das was man so ealbehren muß. Und feht
jelten v.rstehen die Mütter, die so auf die Zukunft sparen
and sorgen, ihren Kindern die Freude an kofle nosen Dingen
anzuerziehen, ihre Herzen zu öffnen für so vieles, was auch
den Aermsten das Leben veischönt. Neia, die Kinder haben
nur einen wahren Heitzhunger nach dem, was ihnen versagt
st, und so kommt es denn ganj natürlich, daß sie spater,
wenn sie in den Besitz dessen kommen, was die Ellern für
ie erspart und ersorgt haben, entweder das fauer Etworbene
uutzlos vergenden, um im wahllosen Genusse des ihnen so
ange Versagten zu schwelgen, oder, wenp sie vielleicht schon
ilter geworden sind, stumpf und dumpf mit dem Geld und
Zut nichts anzufangen wissen und ein trauriges Leben
ühren. Das ist auch der Gruad, warum auf den Sparer
immer der Verschwender folgt, oder warum es so vielt
Nenschen gilt, die nichts anders wissen oder kennen, als aui
hrem Geldsack zu sitzen.
Und doch ist so leicht, seine Kinder zu bedürfnislosen und
und doch so glücklichen Nenschen zu erglehen, micht indem
vir ihnen vorrechnen, daß es taufende Dinge gibt, die ihnen
merreichbat sein und bleiben müssen, sondern im Gegenreil
ndem wir sie lehren diese Dinge als gering, klein, neben⸗
ächlich zu betrachten, indem wit ihnen Freude an der Natur
inflöößen, ihre kleinen Liebhabereien unterstützen, heiter mit
hnen sind, thnen ein fröhliches Heim zu bereiten. Wenn
wir un ere kleinen Töchter einfach kleiden ünd niemals in
hrer Gegenwart den eleganten Sachen anderer Kinder bei—
egen, dann weiden aus ihnen keine anspruchsvollen Mode—
Uppchen erwachsen, die unglücklich sind, wenn eine Freund in
leganter gekleidet ist als sie, und später unbesriedigte Frauen
verden, wenn ihre Männer nicht viele hundert Mark fur
hre Toiletten auegeben können. Freilich dursen wir ihnen
licht seufzend erkläden, daß solche schönen Kleidchen und Hui—
hen zu teuec für sie sind, wie das genug ndernünstige
Mütter tun, denn dann wecken wir im Kinde nur das Ver—
angen danach und erziehen jene armen neidischen Geschöpse
vie „mie scheelem Blick“ auf ihrc Gee'plelin schauen
Es würde wohl zu weit führen, wollte ich alles sagen,
vas sich darüber sagen läßt. Nur das eine möchte ich noch
emerken, vielleicht ist es mancher Mutter ein Fingerzeig.
Vo gespart werden muß oder soll, da gibt es ein sicherts
zeichen, ob dies in der richtigen Weise geschieht, wenn aäm—
ich ein inniges, heiteres Famillenlebes herrscht, die Kinder
ufrieden und vergnügt sind und keine Neigung zu Vergleichen
u ander Kinder zeigen, wenn nicht der Grioschen oder die
Mark, die gespari werden soll und muß, beständig im Mund
zesührt wird. Und wenn die Mutter nicht aufgehetzt, ver—
part und veisorgt ihre Pflichten erfüllt, sondern mit heiterer
kuhe und mit der aleichen liebevollen Fürsorge für Mann
ind Kinder
Aus Nah und FJern.
* Sulzbach, 15. Mai. Der Maurer Hassee in Hühner—⸗
eld erstach gestern den 21jährigen Biergmann Nitkolaus
Kektenwald aus Bildstock nach vorausgegangenem Streit. Der
ẽrstochene hatte mit einer Tochter des Hassel verkehrt, die
ich in Schwangerschaft befindet. Der Mörder ist geflüchtet.
* Saarburg i. L., 16. Mai. Einem Rekruten des In⸗
anterie⸗ Regiments Nr. 97 fielen, wie den „Str. N. N.“ ge⸗
chrieben wird, als Erbschaft eines in Amerisa verstorbeneu
erwandten 25 Millionen M. zu. Der Tote soll 70 Milli—
men hinterlassen haben.
* Köln, 17. Mai. (GGisenbahnunfall) Gestern
rachmittag gegen 5 Uhr 40 Min. fuhr der von Basel
ommende D-Zug 109 auf eine in demselben Gleise ste—
jende Maschine. Ressende und Personal wurde nicht ver
etzt. Der Matertasschaden ist ganz unbedeutend. Betriebs
törungen sind nicht entstanden.
* Duisburg, 17. Mai. (WBom Zuge überfah—
renes Automobil.) Gestern nacht gegen 12 Uhr
uhr ein mit zwei Personen besetztes Automobil von Ober—
sausen kommend durch die geschlossene, mit Gasglühlicht
hleuchtete Wegeschranke des Postens 17 der Strecke Sterk
ade⸗Osterfeld-Suüd in dem Augenblicke, als ein von Sterk—
ade kommender Güterzug nur noch 20 Meter vom Ue—
hergang entfernt war. Der Güterzug überfuhr das Auto—
nobil. Der Chauffeur konnte noch aus dem Wagen sprin—
zen, vährend der Mitreisende an einem Arm und einem
Bein schwer verletzt wurde. Die Schuld trägt der Chauf—
eur, der dies auch eingestanden hat.
* Efsen, 17. Mai. (Feuer im Leihhaus.) In
inem hiesigen Leihhause zerstörte ein Brand das um—
angreiche Gebäude vollständig. Nur die in fseuersesten
behältern befindlichen Wertsachen und die Geschäftsbücher
zlieben erhalten.
* Dortmund, 17. Mai. Rennbahnunfall.) Bei
»em gestrigen Radrennen auf der Rennbahn im Kaiser
Vilhelm-Tal stürzte der Dauerfahrer Zeißler und sein
zchrittmacher Ulrich. Beide wurden verletzt. Der Motor
ertrümmerte die Barriere., wodurch zwei Zuschauer leicht
oderletzt wurden.
* Trier, 17. Mai. (Selbstmord eines Häft
ien gs.) Der Weinzroßhändler Freimuth im Moselwein—
zxte Ellenz hatte bei seiner jüngsten Verurteilung wegen
Weinfälschung einen Zeugen zum Meineid verleitet, wes—
zalb er verhaftet wurde. Unterwegs versetzte er dem
Bolizisten, der ihn festgenommen hatte, einen Stoß und
prang in die Mosel, wo er ertrank.
* Vom Hunsrück, 17. Mai. (Gin unerwarte—
es Wiedersehen.) Ein kurioser Kuhhandel kam
ieser Tage in Kastellaun zustande. Ein Bauer verkaufte
iuf dem Marktte in Kastellaun eine Kuh. Am folgenden
“dag ging er auf den Markt nach Kirchberg, um sich eine
indere Kuh zu kaufen. Bald war ein passendes Tier ge
unden und gekauft und munter ging er wieder nach
dause. Ein Nachbar sah die Kuh und meinte, die komme
hm so bekannt vor, das sei dieselbe, die der Kuhkäufe—
rst verkaust habe. Darob große Entrüstung. Der Nach
ar aber blieb bei seiner Behauptung und meinte, de—
däufer solle die Kuh loslassen, ob sie nicht ihr Heim
uche. Um die Grundlosigkeit der Behauptung zu bewei
en, ließ der Gekränlte die Kuh los und siehe, schnur
tracks trabte sie ihrem früheren Stalle zu. Ohne den
Zpott, wofür er nicht zu sorgen brauchte, hatte der Han
»el dem Bauern auch noch den Geldbeutel um ein paar
dutzend Taler leichter gemacht, da die gekaufte Kuh um
o viel teurer war als er sie verlauft haͤtte.
* Darmstadt, 17. Mai. (Selbstmord und Un—
11üdsfall.) Der Mauerstraße 832 wohnende Priva—
ier Küchler stürzte sich in selbstmörderischer Absicht aus
inem Fenfter des zweiten Stocks seiner Kammer und fiel
iuf einen davorstehenden Baum. Er erlitt derartige Ver—
etzungen, daß er zwei Stunden später starb. Der Mann
oll an Schwermut gelitten haben. — Der badische Oden—
valdverein Mannheim unternahm einen Ausflug in die
zergstraße. Beim Herumklettern in den Ruiinen des Auer
acher Schlosses stürzte eine Frau ab und erlitt einen Un
erschenkelbruch. Dieselbe wurde alsbald mit der Bahn
iach Mannheim zurückgebracht.
* Colmar, 17. Mai. (Fum Herlisheimer Ei—
enbahnunglück.) Daß die Ursache des Herlis⸗
seimer Unglücks jemals vollständig aufgeklärt werde, er—
cheint fraglich, da ja die Hauptzeugen bereits tot sind.
Fedenfalls steht fest, daß das Unglück mit seinem großen
1msange auf eine außerordentlich seltene Verkettung von
Zufälligkeiten zurückzuführen ist. An und für sich ifl eine
esselerplosion auf freiem Felde schon eine Seltenheit. Hier
aber kam vor allem unglückseligerweise hinzu, daß im
selben Augenblick der Schnellzug dahersauste und durch
»as Auffahren des Zuges auf d'e Güterzugslokomotive
zeide Züge in Brand gerieten. Allgemein wird jetzt an
zenommen, daß Wassermangel in dem Kessel des Güter
zuges die Ursache der Explosion gewesen sei. Rechts und
inks vom Bahnkörper siegen Frümmerhoufen vie die
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usne.
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— VV — —
erinzen Ueberreste der derbrannten Zůf darstellen. Di
zerwirrung wurde noch dadurch vergesaert, daß ein gan
x Ehenbahnwagen mit Irrsinnigen, die nach Rufach b
jrdert werden sollten. auf der Stalion Herlisheim
—RR
ind diese Irren durch Automobile und Wagen weiterge—
racht werden mußten. In dem Bericht eines der im
d-Zug gewesenen Reisenden, den wir in der „Straßbur—
ser Post“ veröffentlicht finden, ift u. a. gesagt, das Zug—
zersonal habe die Reisenden durch die Rufe: Im Zuge
leiben, es ist keine Gefahr! nur Ruhe!“ genötigt, in il
er gefährlichen Lage zu verweilen, anstatt sich schleunigst
zu retten. Dieser Darstellung wird von einem Augen—
zeugen, der einen Armbruch erlitten hat und im Hotel
Terminus darniederliegt, widersprochen. Nach seiner An—
gabe hat das Personal im Gegenteil gerufen: „Rette sick
ver kann höchste Gefabr“
Telegramme.
* Neubreisah, 17. Mii, Auf dem Verbandstag der
eisaß lot ringischen Gewerbevereine erklärte Unte flaatssekecrär
Mandel in seiner Ansptage, eine Besserung der gegenwärti—
Jen Keise ia Gewerbe, Großinduttte uu) Handel werde
nicht eintreten, ehe nicht in Berlin die Finanzreform zustande
zebracht sei. Gewerbe und Handel sollten endlich wissen, wie
sie daran sindd, um Ruhe zu haben. Diese ewige Uatuhe se
viel schlimmer als die Ungewißheit der Sieuerlasten, denn sie
lähme die Initialive und die Unterneh nungslast. Deshalb
seiskeiin Stück- und Fach werk, sondern ganze Arbeit unser
Zurücksetzung der Patteistreitigketten zum Wohl des Ganzen
notwendie. Die Ansprache wurde mit minutenlangem Bei—
fall susgenommen.
Berlin, 14. Mai. Der neue Eatwurf einer Fahrkartendeuer,
den das Reichsschatzamt aufgestellt hat, besteht in einem
le nbalb prozentigen Zuschlag für alle Klassen, auch für die
Aeite. Fahrkarten zum Preise unter einer Mark bleiben von
der Sieuer befseit.
Berlin, 18. Mai. Ueber die Besprechungen, die am
Samsltag zwischen den Führern der Nationalliberalen. Frei—
ientgen und Reichspartei stattgefuaden haben, wird jetzt
offiziell mitgeteilt, daß diese Konferenzen der Fragen galten
ob diese Parteien noch weiterh'n bei der Reichsfinanzreform
gemeinsam vorgehen sollen und insbesondere, welche Stellung
sie bei der Ecebanfallfteuer in der 2. Lesung in der Kom—
nission einnehmen sollen. — Gestern abend um 10 Ugr ist
der Reichek inzler Fürst Bulow von hier nach Wiesbaden ab⸗
zefahren, um dem Kaiser einen Vortrag über die inner?
Lage zu halten. Noch einmal im Zaufe des gestrigen Nach—
nittags lud Fürst Bülow die Führer der Freisinnigen zu
ꝛiner Besprechung ein. Diese wurde im Reichskanzlerpalais
abgehalten zwischen Bülow und den Abgeordneten Or. Müller—
Meiningen, Dr. Wiemecr uund Pachnicke. Später fuhr der
Fuührer der Nationallibtralen Bassermaun zum Reichskanzler
und konferierte mit ihm längere Zeit. Näheres über diese
Verhandlungen ist nicht bekannt gegeben worden. Die Abge⸗
zrdneten eiklären nur, daß Fürst Büllow seiner feften Zaver⸗
icht Ausdruck gegebden habe, daß er bis zum Wiederzusammenritt
des Reichs azes nach den Pfingstferien, am 15. Juni
die Lösung der Finanzreformftage als sicher betrachte.
* Wiesbaden, 17. Wiat. Vas Fatserpaar taf
um 1 Uhr hier ein und begab sich sofort in das Schloß.
Prinzessin Viltoria Luise ist bereiis heute früh hier ein—
getroffen. — Die Pol'zei hat umfassende Siche rheits maß⸗
cegein getroffen. Aus Frankfurt sind 70, aus Köln 30
Schutzleute angekommen. Seit dem frühen Morgen in
es untersagt, das Trottoir am Schloß zu passieren.
*Bamberg, 18. Mai. Erzbischof Dr. v. Abert be—
Jibt sich auf Anraten der von ihm auf der Rückreise zu
Rate gezogenen Aerzte gleich nach Pfingsten zu mehrmo—
nat'gem Aufenthalt nach Bad Kreuth, da sein Befinden
immer noch sehr zu wünschen laͤßt.
*Eisenach, 18. Mai. In Anwesenheit von 160 Dele—
gierten, hat Abg. Sachse den Verbandstag der Bergar⸗
beiter Deutschlands eröffnet. Der Verband zählt 112 000
Mitglieder. Sachse polemisierte scharf gegen die christli⸗
hen Gewerkschaften, dagegen sei das Verhältnis zu den
Hirschdunckerschen erträglich.
* Posen, 18. Mai. Der für Pfingstmontag geplante
Allgemeine ostmärkische deutsche Ansiedler⸗ und Baͤuern
tag ist vorläufig verschoben worden, da den Ansiedlern
die großen Säle und Hallen rundweg abgeschlagen wor.
den sind. Am Sonntag tagte in Posen eine vertrauliche
Konferenz der Ansiedlerführer.
Dresden, 17. Mai. An einer kriegsmäßigen Ballon—
verfolgung, veranstaltet vom sächsischen Automobilklub und
ächsischen Verein für Luftschiffahrt, nahmen 7 Mitglieder
und etwa 15 Automobile teis. Der vom Hauptmant ge—
führte Ballon siegte, da innerhalb der vorgeschriebenen Frist
kein Automobil an der Landungsstelle, der Torgauer Haide,
ihn erreichte. Zehn Minuten nach Ablauf der Frist erschien
als erstes Automobil das des Architekten Voigt.
Wilhelmshaven, 17. Mai. Ein Unglücksfall, dem zwei
Menschen zum Opfer gefallen sind, treignete sich heute auf
dem Flotten Flaggschiff Deutschland in der Nähe von Bor—⸗
kum. Ein Mattose war über Bord gefallen und ein Inge⸗
nieur-⸗Asptram setzte ihm nach, um ihn den Wellea zu ent—⸗
reißen. Der Rettungsversuch schlug sehl und Beide ertranken.
London, 17. Mai. Gestern Pacht brannte das Polurrian
Hotel in Cornwall ab. Das Feuer überraschte die Gäste
im tiefsten Schlaf. Viele konnten sich nnur mit knaͤpper Not
'n ihren Nacht hemden retten. Viele Personen erlitten durch
—A
Brandwunden davon.
* Konstantinopen, 17. Maf. Heute srüh wurden vor
dem Parlaments-Gebäude 6 Reaktionärte gehenkt, die Leichen
aber bereits um 10 Uhr wieder abgenomme und begrabep.
Die hingerichtecen waren ein Äürtillerie-Hauptmann und ein
Leutnant aus der Selimi⸗Kasterne in Stutari, sowie 3 Poli—
ei⸗Kommiß are.
Hals und Lungenleidende
machen wir darauf aufmerksam, daß bereits mehe als 8000 zum
Teil notariell beglaubigte Dank⸗ und Anerkennungsschreiben über
die ausgezeichnete Wirkung unseres giftfreien Pfilanzenheilmittels
oorliegen, welches aus den schon vor huudert Jakren weltberühmten
sogen. Lieber'schen Kräutern hergestelt und bei Hals- und Lungen⸗
krankheiten (besonders aber bei frischen und vernachlässigten Ka—
tarrhen, altem Husten, chronischer Heiserkeit, Verschleimung,
Asthma, Bronchitis, Lungentuberkulose usw.) mit dem denkbar
besten Erfolge angewandt wurde. Jeder der für das Mittel Inte—
resse hat — und jeder Hals- und Lungenkranke sollte dieses In—
teresse besitzen — desselben von
sich eine kostenfreie Probe 5— kommen.
Wir versenden dieselbe bereitwilligst portofrei ohne jede Kaufper—
pflichtung und legen ihr eine ausführliche, aus der Feder eines
praktischen Arztes stammende Broschüre ebenfalls kostenfrei beiĩ, die
vieles Wissenswerte (Behandlungs- und Diätvorschriften für die
meisten Hals- und Lungenerkrankungen) enthält. Der Besitz der
Probe nebst der Broschüre kostet nur eine Postkarte an uns, wird
aber in vielen Fällen von unberechenbarem Nutzen sein.
Dr. med. JI. Saffner & Co., Berlin⸗
Srunewald.