Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

dem Prinzen wiax von Baden nevst Gemayhun empfan—
gen. Der Kaiser sah vortrefflich aus und grüßte das sehr
zahlreich erschienene Publikum aufs freundlichste. Im
Schioß erfolgte der Empfang durch die Großherzogin-Wit
we und die Königin von Schweden.
** Nach dem „OObserver“ ist es wahrscheinlich, daß Ke—
nig Eduard zur Sommerkur diesmal nicht nach
Darienband, sondern nach einem Pyrenäenori
dder Evian agehen werde.

— α X
Heer und Flotte.
— * Der Lloyddampfer „Prinz Ludwig“ brachte
die abgelöste Besatzung des ostasiatischen Kreuzergeschwa—
ders nach Bremerhaven.
— —
Deutscher vieichstag.
Am Bundesratstische: Staatssekretär von Bethmann—
hboliweg und Minister von Arnim:
Die Beratung des Viehseuchengesetzes wird
in zweiter Lesung fortgeseht.
Abg. Wehl (natlh.) mäacht verschiedene Ausstellungen
in dem Entwurf, erklärt aber am Schluß, datz er trot
dieser Mängel im Interesse der Landwirtschaft und de
Allgemeinheit für das Gesetz stimmen werde.
Abg. Stolle (Soz.): Der 8 7 der neuen Fassung
hildet eine wejentliche Verschlechterung des gegenwärtigen
Zustaudes.
Nach einige weiteren Bemerkungen der Abgeordne
en Dirksen (Rp.), Wachhorst (natl.), Siebenbürger ck
ind Vogt (wirisch. Bgg., wurde einem Schlußantrag
ugestimmt. Die Poragraphen 1825 wurden in der Kom
nissionsfassung angenonimen. Bei 8 2 war nach kurze
zrörterung ein Antrag der Freisinnigen Vereinigung, wo
zach die von den Landesregierungen angeordnelen Seu
henbekämpfungsmaßregeln dem Reichstag zur Kenntnis
ahme vorgelegt werden sollen. abgelehnt worden.
Eine Reihe Anträge der Freisinnigen und Sozialde
nokraten werden abgesehnt. Bei 8 67a und b bezweifel—
zer Abgeordnete Singer die Beschlußfähigkeit des Haufses
Nachdem sich auch der größere Teil der anderen Ab
jeordneten dieser Ansicht anschließt, vertagt sich das
daus. — Tagesordnung: Der Reit des Viehseuchengesetzes
uind unlauterer Wettbewerb—

Berlin, 17. Mai.
Präsident Graf Stolhberg eröffnet die Sitzung und
rklärt: Meine Herren, soeben ist ein Telegramm des Gra—
en Zeppelin hier eingelaufen. Es lautet: Da ick
vährend der bevorstehenden Pfingstferien über ein Lust
chiff verfüge, erlaube ich mir, das Plenum und die Mit—
lieder des Reichstages zur Besichtigung evtl. teilweisen
Nitfahrt für den 5. Juni 11 Uhr vormittags am Dampf
oothafen Friedrichshafen einzuladen. (Bravo!-Rufe vor
illen Seitsen des Hauses und Heiterkeit.) Ich birte, mi—
zie ungefähre Teilnehmerzahl mitzuteilen.
Auf der Tagesordnung stedt zunächst die Fortsetzung
der zweiten Lesung der Novesle zum Viehseuchen
Jesetz. Die Beratung beginnt mit der Abstimmung über
den 8 67d, wobei die Freisinnigen und Sozialdemokra—
len die Laienkommission wieder ins Gesetz eingefügt wis—
sen wollen. Die beiden Anträge werden abgelehnt und
der Rest des Gesetzes unverändert nach den Beschlüssen
der Kommission angenommen; ebenso auch einige Resolu—
cionen des Reichsstages, in denen die Regierung um Vor—
legung der einze staat'ichen Ausführungsbestemmungen, um
Verbreitung einer volkstümlich gehaltenen Zusammenfass—
ung der Vorschriften des Gesetzes und um Verbreitung
von Merkblättern zur Bekämpfunag der Viehseuchen ersucht
wird

Preußisches Abgeordnetenhaus.
Bei der Schlußberatung der dritten Lesung des Kul—
uUsetats entspann sich nochmals eine lebhafe Debatte
iber den Essener Fall. Der Abg. Hoffmann Goz.)
zielt unter großer Heiterkeit des Hauses eine lange Rede,
n der er mit allen abrechnete, die ihn wegen seiner Spra—
henschnitzer ausgelacht haben. Die Redner der national—
iberalen und freisinnigen Parteien grffen den Abz. Hef
in, weil er den Essener Fall nicht sachlich behandelt
zabe. Abg. Dr. Maurer (ntlh.) sagte unter stürmi—
chem Widerspruch aus allen Seiten des Hauses, daß man
ruch heute noch nicht berechtigt sei, auf den Direktor des
Essener Gymnasiums einen Stein zu werfen. Abg. Dr.
Raufmann (Str.) tritt den Angriffen auf den Abg
dr. Heß entgegen. Der Kultusetat wird darauf bewil
igt. Ohne Erörterung wird hierauf das Etatsgesetz an
Jenommen. Der Etat wird darauf im ganzen gegen die
Ztimmen der Sozialdemokraten in dritter Lesung ange
iommen. Nach kurzer Debatte gelangt dann die Köh“
zrandvorlage in zweiter Lesung zur Annahme. Nächste
dagesordnung: Zweite Lesung der Berggesetznovelle

———— n
—DDD
Nach seiner Aussage hat er kein Mittel unversucht gelas⸗
sen, neue Beweise ihrer Herkunft zu erlangen. Er war
wwar nicht imstande, einen Agenten nach Australien zu
enden, aber er schrieb sehr oft dorthin, uUnd wenn er ir—
gend eine Nachricht erhielt, die ihm als Beweis erschien,
'o überbrachte er sie Mr. Darracote. Doch keiner der bis⸗
zer erbrachten Beweise galt diesem als genügend und zu—
letzt verbat Mr. Darracote, überhaupt noch von dieser Sa—
che zu reden. So standen die Sachen lange Zeit,, bis
Wilkens endlich ein Schreiben von einer Frau erhielt, das
er als untrüglichen Beweis von des Kindes Herkunft an⸗
sah. Als das Schreiben ankam, lag Mr. Darracote im
Sterben. Atemlos stürzte Peter Wilkens nach Argyle und
Sie, der Sie ihn in dieser Nacht sahen, werden sich seiner
flehentlichen Bitte, den sterbenden Mann seben zu dürfen.,
erinnern.“
GGewiß,; seine Erregung machte einen solch tiefen Ein—
druck auf mich, daß ich selbst Mr. Darracote die Bot—
schaft überbrachte, der auch einwilligte, ihn zu sehen“, sagte
Hastings. „Aber Mr. Darracote scheint den Beweis doch
wohl nicht als genügend angesehen zu haben, da die Un⸗
terredung keinen Erfolg hatte.“
3„Eie vergessen, daß in aller Eile nach mir geschickt
wurde; aber als ich Argyle erreichte, war Mr. Darracote
schon tot.
ꝓ„und weil nach Ihnen geschickt wurde, nehmen Sie
also an, daß er den Beweis an rtanne?“
Mein. Dazu war er ein zu versiandiger Mann, um
ihn sofert anzuerkennen. Aber ich glaube, daß ihm viel—
leicht der Gedanke gekommen ist, dieses Kind könne doch
wohl seine Enkelin sein. Er hat daher jedenfalls in sei—
nem Gerechtigkeitsgefühl seinem Testamente eine Nach—
schrift hinzufügen wollen, auf daß, im Falle die nötigen
Beweise gefunden würden, für die Zukunft des Kindes
gesorgt wäre. Peter Wilkens scheint dies auch erwartet
qu haben.“
*„Es ist eine merkwürdige Geschichte!“ sagte Hastings
in unverändertem gleichgültigem Tone, indes seine Züge
Ueberraschung und die verschiedensten Empfindungen wie—
derspiegelfen

Das neue RNegime in der Türkei.
Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen.
Sofia, 17. Mai. Die Regelung der Orientbahn
rage durch ein Schiedsgericht ist in Koͤnstantinopel fallen
elassen worden. Minister Ljaptschew soll' sich mi
er Hoffnung tragen, daß die direkten Kommissions-Ver—
andlungen noch in dieser Woche zum Abschluß gelangen
Dagegen stoßen die Verhandlungen über die beiderseitige
sSrrichtung von Gesandtschaften in Sofia und Konstanti⸗
iopel auf Hindernisse, da das türkische Kabinett aus Rück—
icht auf die Stimmunz der Abgeordnetenkreise zögert, den
kitel „Zar der Bulgaren“ anzuerkennen. Die Piotte scheim
n dieser Frage einen teilweisen Rückhalt an Deutscheand
ind England gefunden zu haben, weil von allen Groß—
nächten nur diese beiden es bisher unterlassen haben, den
ieuen Titel in ihren diplomatischen Verkehr mit Bulra
ien einzuführen.
In 'olge der letzten Drohungen der Albane fen
ind ihrer Forderunzen, Abdul Hamids Leben' 31
chonen, ihm mehr Freiheiten zu gestatten und in würdi
jer Weise seinen Hofstaat führen zu lassen, ist es wahr
chenlich, daß Abdul Hamid wieder nach Konstantinope
jeschafft und dort im Tscheraganpalast untergebracht wird,
gjegebenensalls auf einer türlischen Insel. Die vierte legi
ime Frau des Ersultans samt ibrer Dienerschaft wird ir
Zalonik erwartet.

Aus aller Welt.
* Ein schweres Brandunglück ereignete sich in Ber—
in in der Pücklerstraße. Das fünf,ährige Töchterchen des
ztraßenreinigers Swinka stieß eine über dem Herde ste
‚ende Petroleumkanne um. Es erfolgte eine hestige Exr—
»losion. Das Kind und die hinzustürzenden Eltern wur—
en von dem Brand ersaßt und erlitten so schwere Brand
vunden, daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten.
*)An den Rechten geraten. Im Zentrum Berlins
st um 4 Uhr morgens der 50ährige Kellner Kobler ohne
ede Veranlassung von mehreren Rowdies übersfallen wor—
»en. Nobler seuerte in der Notwehr vier Revolverschüsse
ib, wodurch der Gelegenheitsarbeiter Boll schwer ver—
vundet wurde. Die übrigen Angreifer entflohen.
* Automobilunglück. Ein leeres, einem der kaiser
ichen Prinzen gehöriges Automobil fuhr in Berlin gege
inen Baum und wurde zertrümmert. Der schwerverlen!
Thauffeur wurde von einem Privatautomobil nach Pote—
»am gebracht. Das verunglückte Automobil gehörte den
ßrinzen Eitel Friedrich. Der Chauffeur hat einen —
elbruch erlitten.
* Eine geschickte Falschmünzerin wurde in Halle a—
). S. in der Person der Maurersehefrau Stöpel verhaf—
et. Die Frau hat nicht nur in den letzten Wochen hier
rhebliche Mengen falscher Einmarkstücke vertrieben, son—
»ern d'ie Falsifikate auch selbst in einer eigens von ihr
zefertigten Gipsform gegossen. Sie ist eine Meisterin ih—
er verbrecherischen Kunst, denn die Falschstücke itellen
iußerst täuschende Nachahmungen dar.
* Blutige Eifersuchtsszene. Am Sonntag abend ha
ich in Breslau auf dem um diese Zeit sehr belebten
zchweidnitzer Stadtgraben eine blutige Eifersuchtsszene ab
espielt. Vor einem Cafe schoß ein Kaufmann, Mitinha—
ser eines großen Putz- und Modewarengeschäfts, auf eir
unges Mädchen, das früher in seinem Geschäft bedeen
var und das mit einem Reisenden das Lokal betreten
vollte. Die Kugel ging einem gerade vorübergehenden
Nann durch den Rocktragen und verletzte das Mädchen
iur leicht. Der rabiate Kausmann drang sodann mit ei—
iem Messer auf das Mädchen ein, wurde aber von d
steisenden zurückgeworfen. Hierauf zog der Kaufmann ei—
ten zweiten Revolver, mit dem er sich einen Schuß bei—
rachte. Schwer versekt murde er ins Frankenhaus ge—
racht.
* Der Mörder des Steinheils. Die Pariser Poli—
ei verhaftete in Versailles einen Einbrecher, der erklärte
iuf Rechnung seines Kameraden namens Dardiver gear
»eitet zu haben. Dieser sei auch der Mörder des Malers
Zteinheil. Dardiver soll den Mord mit Hilfe zweier
zreunde und einer Frauensperson begangen haben. Der
erhaftete Einbrecher machte so detai lierte Angaben, daß
»er Untersuchungsrichter beschloß. diese auf ihre Richti«
eit hin zu prüfen.
* Ueberfall eines Klosters. Eine Räuberbande über—
iel ein Kloster im Gouvernement Jekaterinoslaw (Ruß—
and). Die Mönche leisteten großen Widerstand. Der Prior
ind vier Mönche wurden getötet. Von gegnerischer Seite
fiel der Räuberhauptmann, die übrigen entflohen.
v*Der tolle Mullah. Aus Aden wird geme'ldet: Die
Borbereitungen zu einem neuen Zuge gegen den tollen
Mullah sind so weit getroffen, daß in allernächster Zei
»er Zug beginnt. Die Engländer hoffen diesmal, en
tollen Mullah zu fangen und seine Anbänger zu zer
treuen

„Seyr unangeneym“', entgegnete Wer. Kirby. —
„Als Wilkens zu mir kam, ermutigte ich ihn natür—
ich keineswegs. Aber er braucht nur zu einem anderen
dechtsanwalt zu gehen und man wird ihm sagen, daß die
Zache vor Gericht jedenfalls zu seinem Gunsten ausfallen
vürde. Wilkens zögert noch, diesen Schritt zu tun; er
vill sich erst mit seiner Bitte an Miß Darracote wenden.“
„Mir fällt ein Plan ein“, sagte Hastings plötzlich.
Teilen Sie Peter Wilkens mit, daß Sie einen Agenten
iach Australien senden wollten, um den Beweis über des
dindes Herkunft zu prüfen, jedoch unter der Bedingung,
aß er in dieser Zeit Miß Darracote in keiner Weise be⸗
ästigen und beunruhigen wollte.“
Mr. Kirby sah den Sprecher scharf an.
„Eine sehr gute Idee“, meinte er dann. Aber Sie
ergessen, daß eine solche Reise nach Australien große
veldmittel erfordert.“
„Was diese anbelangt, sce verfügen Sie nur ganz
iber mich“, war die ruhige Entgegnung. „Es wird ein,
leine Genugtuung für Mr. Darracotes Freigevbigkeit ge—
jen mich sein, wenn ich dazu beitragen darf, diese Sache
u regeln, da dieselbe doch unmöglich in ihrem ietzigen
zustand bleiben darf.“
„Es ist das einzig Richtige und hätte schon längst von
Mr. Darracote selbst getan werden müssen“, sagte der Rechts⸗
mwalt. Er hielt tnne und trommelte mit seinen Fingern
zuf das Pult. „Aber Sie müssen darauf gefaßt sein, daß
ie nötigen Beweise für des Kindes Herkunft gefunden
verden könnten“. fügte er vlötzlich in warnendem Tone
inzu.
Hastings lächelte, als sich ihre Augen begegneten.
„Ich versiehe,“ sagte er. „Aber wenn wirklich Beweise
existieren, würden sie früher oder später doch ans Licht
kommen. Deshalb ist es besser, jetzt sofort die Wahrheit
zu erfahren. Wenn wir sie haben, können Sie dieselben
Miß Darracote vorlegen und ihr raten, wie Sie zu han—
heln hat. Sie wird unter diesen Umständen sicher auf ih—
en Rat hören. Wenn aber erst Wilkens ihr die Sache
orlegt und ihre Sympathie erweckt, so wird es unmögich
 sein, sie ven ihren großmütigen Ideen zurückzuhalten.
z433 —Ars 53 Noermßoen ahtrofe—

*Metz, 17. Mat (DentmalsEnthällung.
In Gegenwart des Prinzen Auguft Wilhelm von Preu⸗
zen fand die Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals
statt. Das in Bronze ausgeführte Denkmal stellt den Kai—
ser in der Uniform seiner Pasewalker Kürassiere auf ei—
nem schreitendem Pferde dar. Auf dem Festplatz waren
u. a. anwesend: Statthalter Graf von Wedel und Ge—
mahlin, Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach, der
deutsche Botichaster in Paris, Fürst Radolin mit Gemah
lin, die Generalität, sowie die Spitzen der Ziovilbehörden
In nächster Nähe des Denkmals hatten Krieger- und an
dere Vereine, darunter mehrere franzöfische] Nufitelsung
genommen.
* Fraukfurt, 17. Mai. (Kaubanfallim Eil—
zug) Die näheren Ermittelungen über den Raubanfall
im Amsterdam-Frankfurter Eilzug in der Nacht zum'8
Mai haben ergeben, daß sich der UNeberfall in der Nähe
der Station Hochheim a. M. abgespelt hat. Die Finger—
aAbdrücke an den Kupeetüren und an der Schnapsflasche
sind photographisch festgelegt worden. Wie es heißt, ist
die Wiesbadener Staatsonwmaltichaft dem Täter auf der
zpu
* Frankfurt, 17. Mai. (SGiebesdrama.) Gestern
früh 7 Uhr wurde im Stadtwalde ein junges Paar er—
schossen aufgefunden. Der 21jährige Techniker Karl Bin—
—B sich
dann selbst eine Kugel durch den Kopf gejagt. Der junge
Mann war bei der Auffindung bereits eine Lesche; das
unge Mädchen ist schwer verletzt.
* Heirat mit dem Chauffeur. Fraäulein Berdohl aus
Philadelphia, die Tochter des früheten reichen Brauerei
besitzers, ist mit ihrem Chauffeur Albert Fall, einem
Deutschen, heimlich durchgegangen und hat sich mit ihm
trauen lassen. Sie erhielt von ihrem Vater zwei Millio
nen Dotlar ausbezahlt. Ihr Gatte muß sich dafür an dem
æBtziaen Aufenthaltsorte niederlassen.

54J —
Vermischtes.
Wahres Geschichtchen. Man erzählt der „Tägl.
Rundschau“: Zwei alte Leute wohnten einsam in cinem
—AV
Bergen heruntergeromuiet unn iijorgerefsenn apgestumpf:
n ihrem ganzen Fühlen und Denten. Beide sind alt und
chwach. Eines Nachts ruft die Frau ihren Mann: „Voate
tieh ock uff, un mach Licht. Ich starb.“ Da kratscht der
ailte Mann eine Weile in der finsteren Stube herum und
spricht endlich: „Muatta, ich sind die oalen Streichhbölzel
nie, starb ock im Finstern'“
Unnütze Zeitvergeudung. In dem Vorraume ei—
ner Leichenhalle in Paris, die in letzter Zeit mehrsoe«
ↄon Dieben heimgesucht worden ist, kann man jetzt einen
Anschlag mit folgendem köstlichem Inhalt lesen: „Die un—
erzeichiete Verwaltung benachrichtigt hierdurch Diebe und
rinodrecher, daß in diesem Raume über Nacht weder Geld
och Wertgegenstände aufbewahrt werden. Es hat dahert
bsolut keinen Zweck, daß man sich hierher begibt und
nnützerweise Zeit vergeudet, die man an anderen Orren
esser und gewinnbringender anwenden könnte. Gleichzei—
ig bittet die unterzeichnete Verwaltung die Diebe und
zinbrecher, die gesamte Diebeskorporation von dent In—
alte dieser unserer Bekanntmachung in Kenntnis zu setzen.*
NRan muß wirklich sagen, daß niemand zuvorlommender
zegen Diebe und niemand mehr bemüht sein kann, ihnen
hertlüssige „Arbeit“ zu ersparen.
Killt sie mir oder killt sie dir? Einen lustigen
dommentar zu demt Thema von der „schweren“ denischen
Sprache liefert die neueste Nummer der in New VYork er—
cheitenden Monatsschrist „Der deutsche Vorkümpfer“n. Ta
ann man fotgendes Geschchichen lesen: In einer Schule
Visconsins war die Lehrerin stolz darauf, daß die Schü—
er die deutschen Vollsliedez mit Lust und Liebe sangen.
Bei dem Besuch einer Kollegin wurde „Der gute KKame—
cad“ vorgetragen, und aus hellen Kinderkehlen exschallten
die Worte:
„Eine Kugel kam geflogen,
Killt sie mir oder kibbt sie dir? ..“
Was sollte eine Kugel auch anderes vorhaben. als
to kill'“, d. h. zu töten?
Straußenveredelung. Bis zu welcher Höhe die
Zrraußenzucht in den englischen Kolonien gediehen ist,
zeigt ein Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats in
dapstadt, wonach kurzlich im der Kapkolonie ein zwei—
iähriger Stranß sjur doboO Mart, ein Pärchen jsogar für
20 000 Mark verkauft worden isi. Bedenlt man, daß
Stranbe gewöhnucher Art jederzeit fuür einige 30 bis 60
Heark käuflich sind, jo zeigen die genannten Preise, welche
Untersehiede in der Quolität der Vögel und ihres Gesie
ders sich hexausgebildet haben. Gleichen die Preise sol—
her Tiere schon denen recht edler Rassepferde, so ist man
gegenwärtig auch bestrebt, die Bildung und Pflege reiner
und edler Straußrassen durch Anlegung eines Zuchtbuches
zu fördern. Die Zahl der gehegten Strauße beläuft sich
zeFenwärtig auf rund 760 000, das Doppelte dessen, was
1904 vorhäanden war

m;
„Ich glaube, Sie tauschen sich da,“ sagte Mr. Kirby.
„Bis jetzt habe ich noch nichts an der jungen Dam
hemerkt, daß mir Veranlassung gäbe, sie für so — offen
gesagt — verrückt zu halten. Aber, abgesehen von allem,
wird es jedenfalls gut sein, sie vor jeder Belästigung die—
ser Art zu bewahren. Deshalb will ich Wilkens holen las⸗
sen und ihm aufs strengste anempfehlen, Miß Daxracote
icht zu beunruhigen.“
„Schicken Sie sofort zu ihm,“ sagte Hastings mit Nach
ruck. „Er ist imstande, jeden Augenblick nach Argyle
zu gehen. Und wem er sie spricht. wird alle Vorsicht zu
pät sein.“
„Ich werde keine Zeit verlieren,“ erwiderte Mr. Kirby
Dann hielt er inne und sah zweifelnd auf Hastings, de
ich zum Fortgehen anschidte. Ich hofse, Mr. Hastings,
neinte er dann, „‚daß ein alter Freund Mr. Darracotes
der mit dessen Wünschen wohl vertraut ist, Ihnen sagen
darf, wie sehr er sich freut, aus dem Interesse, das Sie
in Miß Darracote nehmen, die baldige Verwirklichung
dieser Wünsche emporblühen zu sehen.“
Hastings blickte mit leicht gerunzelten Brauen auf.
„Ich wußte nicht,“ sagte er, „daß Mr. Darracote sein,
Wünsche und Hoffnungen außer mir noch andern mitgeteil'
qat.“
„Mr. Darraccte beauftragte mich in jener Nacht, einen
Brief an seinen Vetter Mr. Gilbert Darracote zu schrei—
hden, in dem er ihm offen und klar seine Wünsche in die—
em Punkte mitteilte. Es kostete mir sehr viel Kopfzer⸗
oͤrechen, was ich mit diesem Briefe anfangen sellte, als
ich den plötzlichen Tod des Mannes, an den er gerichtet
war, erfuhr.“
„Und was fingen Sie mit ihm an?“ fragte Hastings.
Der Rechtsanwalt deutete auf einen Kasten mit der
Aufschrift „Darracote“.
„Hier ist er,“ sagte er. Streng genommen, war ich
zielleicht verpflichtet, ihn Mr. Darracctes Tochter zu über—
zeben. Aber da ich seinen Inhalt kannte, konnte ich mich
nicht dazu entschließen. Auch tat ich es — offen gesagt —
n Ihrem Interesse nicht. Sie sollten freie Bahn haben.
Zudem befürchtete ich, daß, da die Dame anders ist, wie
ie meisten ihres Geschlechts, dieser Brief gerade das Ge—
J M N⏑ —— d * —44
            
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