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Samutctag, et 1c. Mai 1908. Z atanaliste 501 23. Jahrgang.
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Cit Reilagen: „Velsetristisccke Wochensczrifte“ und
FSustieoe Br ναα
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zgemerner Anzeiger für den Bürgermeilterei“
Dudweiler.
Rbonnementspreis
monatlich 720 Pfg. frei ins Haus gebracht; bei der v.
bestellt M. 2,25 vierteljahrlich.
Die „Dudweiler Zeuung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage.
vehrmaligen Inserationen
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Zweites Blaͤtt. —
Italien ssatt. Rur wentige Stunden weilten die Mo—
archen zusammen, aber die kurze Unterredung soll doch
ie Gewißheit ergeben haben, daß Italien im Dreibundé
leibt, weil man ihn auch in Ztalien ais den besten Hort
es Friedens auzuschen geliernt hat. Kurze Zeit vorher
jate Viltor Emannel eine Begeamieng mit Konig Ednard,
zem commis vouageur der Tipse-Entente. Gerade diese
zciden, zeitltich einander so nahe gerütiten Begegnungen
varen für manche italicnische Beobachter das treffliche
ßild der Lage Zialiens, das ihnen immer noch in der
Vahl zwischen den durch den König von England ver—
ratenen Entente-Mächten und dem durch Wi heim 2. re⸗
erc sentienrten Dreibuns zu sahen scheint. Die Erfolge
Zesterreich-Angarns in der bossnischen Frage haben auf
ie italienische Bevölkerung einigen Eindenck nicht ver—
ehlt, aber nian sawantt troßalledem zwischen dem alten
ind neuen Dreibund. Formell bleitt Italien im
ilten Treibund, aber es bleitt auch fürderhin der un—
ichere Kantonist. mit dem inr en Grnüeals niett viel zu
edntori int
In LDeonerreich-Lagarn herrseht inniße Freude über
den Besuch des deutschen Kanserpaates. Mit vrrehrungs⸗
olleit Empfindungen sicht die Bevöllerung Wiens den
derrscher des deutschen Reiches, den trefflichen Sekundan—
en in den Mauern der alten Kalserstadt. Die „Wiener
lbendpost“ schreibt in cinem Begrüßungsartikel u. a.: Die
zürgerschast erblickt in dem Besuche des deutschen Kaiser⸗
aures eine erneute, höchst eindrucksvolle Kundgebung je—
ier treuen innigen Freund'chaft, die die beiden Herrscher—
äuser und verbündeteten Reiche vercint. Waͤrmer denn
e sind die Empfindungen, die heute den hochverehrten
aiserlichen Gästen hier und im ganzen Reiche enigegen
chlagen, nachdem in der letzten bewegten Epoche der in—
ernatisnalen Politik das Blabnis mit dem Deutschen
teiche sich als kostbare Friedensbürgschaft bewährt hat.
Der Vostbeamten⸗Ausstand in Drankreich kann als
ollständig gescheitert betrachtet meben. Die Regierung
at einen vollständigen Sieg gegenüber den Ausstaͤndischen
»avongetragen. Erhebliche Störungen kanten überhaupt
iicht vor. Tie vernunstigeren Elemen,e, die von den mil
— übernommenen
flichten des einzelnen eine gesündecre Vorstellung haben,
ils ihre radikaleren Geneisen, haben ihren Posten trotz
der Streilreden und AQtufen wmeiter ausgesüllt, und so kam
8, daß der ganze Ausstennd, von dem vian vorher sodiel
Aufhebens gemacht hatte, günzlich Schifforuch erleiden
ucht vor. Tie vernuünftigeren Elemente, die von den nui
zührer gesolgt sind, werden jett voraussichtlich um ihr
smt lommen. Ob der Streik gerechtfertigt war oder nicht,
arüber wollen wir nicht rechten, jedenfalls war er in
diesent Augenblicke recht unklag. Der französischen Regie—
rung wird man den Vorwurf nicht erfparen können, daß
ie die von den Beamten mit Recht bellagten vielen Miß
räuchen nicht abzustellen sich bemühte. Solange das mi—
eschrꝛeyt, tst an eine durchgreifende Besserung nicht zu
cuken. Wie der Herr, so das Gescherr!
Ir Marukko gährt's wieder! Es ist in der Tat
in gefährliches Wespennest, von dem man ruhig die Fin⸗
jer davon lassen sollte. Jetzt haben die Mauren Muley
dafid auch schon wieder satt, und wotlen den eben ver—
agten Abdul Aziz wieder die Sultanskrone aufsetzen, weil
htuiey Hafid — SEteuern erhebt! Ob Muley Hasfid starf
zenug ist, seinen mühsam errungenen Thron au verteidi—
len, muß die nächste Zeit lehren
Ju Bersten zunert der Schah in Schah. Er steht
noch unter dem tragischen Ereigusse in der Türkei und
chon beginnt sein eigener Thron zu wanken. Schleunigst
jat er dem Volle die schen so osft gebrochene Verfassung
tewährt und die Varlamentswabent ansehen lassen. Die
r —
Natinnalisten scheinen sich aber wenige Augenblicke vor
dem schließlichen Ersolge nicht zufrieden zu geben und
nerlaugen harinackig die Absetzung des Schahs. Und im
Lande jelbst sitzen russische Kosalen zum „Schutze der
Fremden“ und marten mit Ungeduld auf das Signal von
VPetersburg, um die lang vorbereitete Annexion Nord—
bersiens zu verwirkuchen. Die Widerstandsfähigkeit Per—
iens ist durch die endlosen inneren Käunpfe geschwächt,
und so würde Rußland gegebenenalls bald Herr der
Zintation werden.
BVolitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Die Regierung scheint in der Tat nut den Konserva—
tiven über neue Wege zu verhandeln. Ein Berliner Blau
will von einem gewissen Entgegenkommen der Konserva⸗
tiven wissen: Zur Zeit verhandelt, nach der „Tägl. R.“
die Regierung mit den Konservativen und der Reichspar
tei über eine Besitzste uer unter Ausschluße der
bürgerlhichen Liünken. Die Nationalliberalen sol—
en zu diesen Beratungen deshalb nicht zugezogen wer—
den, weil ihr Jührer Bassermann von Berlin abwesend
sei. Eegen die Freisinnigen wird der Vorwurf erhoben
daß sie durch ihre bisherige Tätigkeit in dem Finanz
usschuß das Zustandekommen des Werkes gestört hätten
Zunächst ist eine Bankumsatz ste uer ins Auge ge—
aßt. Daneben soll aver auch für die Besteuerung des un—
deweglichen Vesitzes, etioa nach dem bekannten Vorschlage
der Abgeordneten ven Dewitz und Freiherr von Gamj
Zorge getragen werden. Erst wenn sich herausstellen soll
te, daß es nicht möglich sei, zu dem gewünschten Ziele
zu gelangen, will man von lonservativer Seite an eine
Erweiterung der Besteueruna auf Kinder und Ebegatten
herantreten
*In den Kreisen der nationalliberalen Fraktien be—
trachtet man mit den Sturmszenen in der Finanzkom
mifssion den Vruch innerhaib der Blocparteien fün
endailtig. Die nationalliberale Partei wird ihren
Zentralvorstand schon nächsten Donnerstag nach Berlir
inberitfen, um zu der neuen Wendung der Lage Stelt
ing zu nehmen Das Reichsschahamt hat, wie in parla—
nentarischen Kreisen verlautet, eine neue verbe ssertée
Fahrkartenstener ausgearbeitet, die gieichzeitis
nit den Ersabsteuern an den Reichstag gelangen soll.
*D'e Morgenblätter gehen in der Veurteilung der
Tragweite des Vorganges in der Finanzkommission aus
einander. Tas „Verl Tagebl.“ spricht von ecinem Krieg
in der Kommisston. Tie „Deutsche Tagesztg.“ schreibt
zielleicht wollen die Herren von Basserniann bis Bebel
ine Haupt- und Staatsaktien herbeiführen. Der „Berl
LokAnz.“ mahnt. dile Sache nicht zu tragisch zu nehb—
en—
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Wochen⸗Rundschau.
Der Wounnenend wil dieses Jahr nicht recht. Di
Votterberichte lauien Tag fur Tag trübe und veränder
lich und für unsere innere Politik gilt dieselbe Prognose.
die Maientage konnen auch dort nicht mit voller Bruft
sennssen werden; unseren Vollsboten und der Regierung
pricht der Angstschweiß aus den Poren: Peingsten stehs
yor der Tür, und noch immer ist alle Mühe und Arbeit
dergebens gewesen, an dem Sydowschen Steuerbukent weikt
eine Blüte nach der anderen dehin. Der Ruf nach Ver—
agung des Reichstages, erst nur ein leises Raunen, wird
miner deutlicher vernehmbar, SLad die letzten Tage haben
iberall die Ueberzeugung reisen lassen, daß das „große
Werk“ udoch immer nur gedacht und nicht einmal zu ei—
iem kleinen Teite verwicklicht ist. Fürst Bülow sieht sich
yorläufig nach einem Sündenbocke im. Er hat sich in
en letzten Tagen der angehäusten Schwierigkeiten im ver—
chwlegenen Hintergrund gehalten, nachdem er vorher so
leißig alle eimunternden Zustimmungstelegramme der
Blocktreise össenttich Jossnungsvpoll beanlwortet hatte. Jetz
zeißt es, daß Sydow gehen, daß die Refsorm, die große
nanionale Norwendigleit, allen mabnenden Sümmen zum
Troutz vertagt werder Tieses Vorgehen wird dem Reichs—
anzler keineswegs eine Emlasiung von aller Schuld ge⸗
vähren. Er war der Vieister, Sydow der Geselle. In
»esenders feierlicher Weise hat Fürst Bulow am 20. April
eimm Einpfang der Abordnung inbezug auf die Reichs—
inanzreform gesagt: „Jeder Tag bedemet eine Vermehr—
ing der Schulden, ein Verlust an Cinnahmen, emne Er—
jölhung der Schwierigkeiten und eine Einbuße an Repu⸗
ation.“ Herr Sydow ijt freilich noch etwas weiter ge—
zaugen. Er hat einige Tage spater erhobenen Tones hin—
ugesügt, daß ohne Erceiterung einer Erbschafessicuer die
Neichssinanzresforn ‚niht gemacht werden würde und nicht
gemacht werden kenne“, während der Kanzler sich daraujf
eichrnkt hatte, die Notwendig!eit der Erbschafessteuer
nuch deren Geguern ver Augen zu führen. Uns dünkt,
Fürst Bilow hat lich sachlich in diesen Dingen genau so
est gelezt wie sein Reichsschabselretuͤr. Diekfer aber soll
gehen und er will bleiben. — Am Tonnerstag tamees
nci der Beratung der Tabaklleuer in der Finanz—
ommiusslon zu Sturmstenen, die bei der herrschenden
Nervosttat auch ja micht weiter aussallen. Jedenfalls sind
ie aber cin bedeutsantes Symptom dafur, welche Stimm⸗
ung bei den Viockartelen berricht, die nach so langer
Arbeit einsehen missen, daß ihre Ridhe für nichts
gewesen ist. Jeßzt pflegt man auch in Blockkreisen nach
enem „starken Mann“ zu rufen. Ob er kommen wird? Am
23. Mai kommt der Kaiser wieder nach Verlin. Dann
voll die Entscheidung sallen, wie es in den führenden
Blärtern heißzn. Tas heißt bine Enischeidung nach irgend
iner Seite. Vieileicht erblickt man in der Vertagung des
Reichstages auch eine Entscheidung. Wir meinen, cinmal
mmt der greße Krach ja doch, ünd da sollte man ihn
nicht erst auf die lange Bank schieben. Oder ob Fürst
Bülow doch noch Hosfnung bat, die widerstreitenden kour
ervativen Elemente gesücig zu machen? Wer weiß, an
iochmaligen Versuchen wird der aalalatte Kanzler es ia
vohl nicht fehlen lassen.
Kaiser Wilhelm hat Korsu wieder verlassen; er wird
ort angesichts der Spannung in der inneren Politik wohl
venig Ruhe und Erholumg gefunden haben. Auf der
steise nach Wien sand in Brindisi eine Vearanung mit
dent a Vi for Ginautes
Italien.
* Zwischen dem Minisserpräsidenten und dem Schatz
minister ist wegen des Schiffsbauprogramms ein volt
ständiges Einvernehmen erzielt worden Für Schiffsbau—
zwecke soll für die kommenden Jahre ein außerordentlicher
Zuschuß von 156 Millionen Lire gewährt werden.
Aus dem Watikan.
* Im Vatikan wurde in Gegenwart von 22 Karding—
len, Awa 100 Erzbischosen und Bischöfen durch den Papsft
die Heiligsprechnug des Sefigen Oriol und des Seli—
gen Hofbauer vollzogen
Portugal.
*Die Lage ist äußersi er n st. Die Aufregung ist un—
beschreiblich. Truͤppen sind in Lissabon zusammengezogen.
Der Belagerungszustand soll in der letzten Nacht protla—
miert worden sein. Zahlreiche Republikaner sind verhaf—
ter worden
—b—3
Irma
„Niemand“, antwortete er. „Aber es gibt verschiedene—
Brade von Unklugheit und Torbeit. Wofür halten Sie
mich?“
„Wenn es sich lohnte, Ihnen einen Rat zu geben —
io würde ich Ihnen raten, das Zusammensein mit einer
Latur zu vermeiden, die so verschieden von Ihrer eigenen
jt, daß Sympathie zwischen ihnen unmöglich ist und der
Zzie nur Enttäuschung und Schmerz bereilen können.“
„Eine solch' niedere Meinung haben Sie von mir?
MNein! Als Weltmann habe ich Sie gerne und halt«
ie für besser als die meisten Ihrer Art. Aber der Untes—
chied zwischen einem Weltmann und jener — sie deutete
vteder auf die Psyche — ist so groß uͤnd uüberwindlich,
aß bei dem Versuche, zwei se ungleiche Wesen zu ver⸗
rinigen, nichts and eres herauskommen kann, als das waa
ch vorhin fagte.“
Wieder begegneten sich ihre Augen. In Haslicgs
Ricen lag diefesmal etwas wie Trohtz.
IIch glaube“', sagte er, „es bleibt uns nichts anderea
bbrig, als Psyche selbst die Entscheidung über diesen Puuch
u überlafsen.“
arn Smith's Appen kräuselten sich.
‚Als ob von Anbeginn der Zeiten au Pfyche ia die⸗
enn Punkt je anders entschieden hättel“ autwortete Ke.
acn gelegt, eine solche Tiefe des Gemütes und folch' od⸗
m Sinn zu entdecken. Und als Irma sich endlich verab⸗
chiedete, fiand der greise Priester noch lange in der Haus⸗
ur und schaute ihr gedankenvoll nach.
„Was wird sie mit all den herrlichen Gottesgaben tun,
ie ihr zu teil geworden?“ fragte er sich, — „mit ihrem
eichiure, ihrer Schönheit und ihren vielen getstigen Vor—
ügen? Es ist schwer, solches auch nur zu vermuten, un—
nöglich jedoch, es vorherzusehen. Doech eins ist sicher!
Lenn sie an den Felsen, die sich um sie türmen, nicht
u Grunde geht, so geschieht es nur durch Gottes große
»rmherzigkeit uUnd mächtige Siffor“
eochen waren sen senem Cage dahingegangen. Ir—
nas Bekanntenkreis hatte inzwischen sich erweitert, und
ie begann sich in ihrer Umgebung heimischer zu sächhlen.
fines nachmittags schritt sie wieder der kleinen Kirche zu.
Gon der Freiheit der übrigen amerikanischen Damen Ge—
rauch machend, hatte sie Margherita nicht aufgesordert,
ie zu begleiten, sondern sich mit Rex begnüugt. Es war
in hetrlicher Tag, und Irma sowohl wie Rex erfreuten
ich an dem lieblichen Wege, der durch Wielen und Felder
zur Kirche führte.
Dort argelangt, fand Irma die Tür offen. Es war
er Vorabend eines Festes. Rex an der Schwelle zurüd—
assend, we er sich gehorsam niederlegte, betrat Irma das
auliche Gotteshaus und verharrte dort geraume Zeit im
zebete. Als sie dann die Kirche wieder verließ, bot sich
hren Blicken eine überraschende Szene dar.
Auf einer der Bänke zu Seiten der Kirchentür saßen
in alter Mann und ein Kind; vor ihnen, sich mit der
rößten Zufriedenheit ven ihnen streichelnd lassend, lag
der. Und doch war Rex kein Hund, der anderen mü
zutrauen entgegenkam.
„Rex!“ rief Irma im Tone höchsten Erstaunens. Und
is Rex sich umwandte und auf sie zusprang, erhob sich
uch der alte Mann, anscheinend in großer Aufregung.
„Habe ich — ist dies — sind Sie Piiß Darracote?
xachte ee stotternd hervor.
Irma blickte ihn an und war überrascht von seinem
geren Aeußern und dem tiefersten Blic seiner Augen.
zie zweifelte keinen Augenblick, was er von ihr wollte.
chon zu oft hatten sich ihr Bittsteller genaht und mis
en hellen flehenden Angen angeblickt.
Ja“, antwortete sie, „ich bin Miß Darracote. Ich
he, mein Hund hat schon Freundschaft mit Ihnen ge—
hlcssen.“
„Wir sind schon lange Freunde“, engegnete der alte
dann. „Er kam oft mit seinem Herrn in das Geschäfts—
rus, und dort haben wir Freundichaft geschlessen“
— — — — —ñ —ñ— — — ———— — —— —
„Ste kannten meinen Ontel, wir. Varracotes Sie wa⸗
ren einer von seinen Angestellten?“ fragte Irma mit In⸗
teresse.
„Ja, ich war in seinem Diensie, dreißig Jahre lang“,
war die Antwort, „und verließ denselben erst nach seinem
Tode, als alles abgeschlossen wurde.“
„Wie treu müssen Sie gewesen sein“, sagte das junge
Mädchen schnell und aufrichtig. „Und jetzt — suchen Sie
dielleicht wieder eine Stelle?“
Wilkens schüttelte den Kopf. J
„Ich vermisse zwar die Arbeit“, sagte er, „aber ich
verde alt, und da tut es gut, sich ausruhen zu können,
Außerdem habe ich eine Aufgabe —“
Er hielt inne und blidte auf das Kind, das auf der
Bank sitzen geblieben war. Irmas Auge folgte seinem
Blicke und blieb an einem Mädchen von neun bis zehn
Jahren haften, mit einem schmalen, blassen Gesichtchen und
einer Fülle hellblonden Haares. Etwas in des Kindes
Erscheinung — eine Art unkindlichen Ernstes in den
Augen — fesselte ihre Aufmerksamkeit und erwecktte ihre
Sympathie. Viebevoll strich sie über die zarte, blasse
Wange.
„Ihr Enkelkind gewiß?“ fragte sie freundlich uns
fügte, ohne eine Antwort abzuwarten, hinzu
„Hat sie keine Mutter mehr?“
„Nein“, entgegnete er, „sie hat keine Mutter mehr,
Zie hat niemanden mehr als mich.“
„Armes Stind!“ sagte Irma freundlich und mitleidig
das blasse Gesichtchen mit den ernsten blauen Augen be—
trachtend. „Aber da sis keine Mutter mehr hat, ist sie
zjewiß glücklich, Sie zu haben“, meinte sie, sich mit gro—
zer Freundlichkett wieder zu dem alten Manne wendend,
der ste unausgesetzt beobachtet hatte.
Er holte tief Atem; es klang sast wie ein Seufzer.
„Gott weiß“, sagte er, ich war nicht imstande, viel
für sie zu tun; aber ich versuchte —“
„O, Sie können viel tun, sehr viel!“ entgegnete Irma
chnell. „Sie wissen nicht, was ein Mann alles sür ein
ninterlases Kind fun und was ⸗er ihr alles ssißg tann