Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 109. Tel.o9, 289, 269 uk 1261. Miĩtiwosch, den 12. Mai 1909. 3 eitungeliste 501 25. Jahrgang.

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Mit Veilagen: „Relletristische Wochenschrift““ und
„Cuslige Blätter“.

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Allgemeiner Kuzeiger sür den Rürgermeistereit
DVuhdmoisor.

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monatlich

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Die „Dudweiler Zeirung“ erscheint täglich mit Ausnahme der So
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Galgen und Disziplit.
Wieviele Menschen in den letzten Tagen in Konstan—
inopel gehängt sind, darüber wird man wohl nicht so
zald, vielleicht sogar niemals genaue Kenntnis erhalten.
die Hinrichtungen geschehen stets in frühester Morgen—
tunde und der Hinrichtungsplatz ist oft bis gegen Mtit—
ag militärisch abgesperrt. Dann darf ihn das Publikum
reilich „des abschreckenden Beispiels wegen“ besuchen, aber
rniemand weiß, einen wie großen oder geringen Teil das
Ddutzend von Leichen, welches nun noch an den Galgen
zänet, von den Opfern der letzten Nacht darsiellt.
Soweit private briefliche Meldungen darüber schon
Auslunft geben können — der Depeschenverkehr unterliegt
a der strengsien Zensur, und auch Briefe können nur
zurch die Expedition auf Umwegen vor dem „schwarzen
dabinett“ bewahrt bleiben — wird jsedenfalls massenweise
ustifiziert, und es ist ein wahres Schreckensregiment, das
zie Inngtürlen jetzt in Konstantinopel eingeführt haben,
eweit ihre Widersacher inbetracht kaͤmmen. Sie hoffen
iber auch offenbar, durch diese drakonische Strenge zu
iützen, denn Niazi Bey, einer der angesehendsten und
haraktervoIstien Jungtürkenführer, erklärte jüngst, als er
iber die Massenerelucionen interpelliert wurde, folgendes:
„Sie werden helfend Und ich darf hinzufü—
jsen: tapfer siund die Soldaten, welche dem Urteil versie—
en, gesiorben. Im vellen Bewußtsein ihrer Schuld, wis—
end, daß ich, der sie alle gut kannte, für ihren Tod ge—
tinumt, haben sie mir noch vor dem Galgen die Hand
geküßt und mich um Verzeihung gebeten. Ihre letzten
Wörte waren Bitten für ihre Hinterbliebenen, Wünsche
ind Hoffuungen, der Herrgott möge ihre Verführer be—
trafen, und ein Segenswunsch sürs Vaterland. Einige
zaten, ihre Frauen und Kinder nicht verhungern zu las—
en. andere, ihre Schwestern aut zu verheiraten, und ich
abe es ihnen ehrlich versprochen. Dann starben sie ruhig.
lud ich, wenn ich mich jetzt als Richter angesichts der
koten frage, ob ich recht gehandelt, ich bin ruhigen Ge—
nissens, es mußte sein, auch in der schimpflichsten und
chärfsten Form, durch den Strang, uim die erschütterte
disziplin wieder herzustellen. Sie wissen, daß unter Ab—
ul Hamid, der nur heimlich mordete, dreißig Jahre lang
ein Todesurteil vollstreckt wurde. Darum muß die öf—
entliche Hinrichtung dem Volke wieder laut predigen, daß
ucht mehr die Willkür herrscht, sondern Recht und Gesetz,
Die armen Opfer der Verführung, die so tapfer waren,
»aß sie das Ablegen der Waffen als Schimpf betrachte—
en, bedeuert niemand mehr als wir.“
Diese Aeußerungen Niazi Beys sind in der Tat äu—
zerst charalteristisch für die Auffassung der Jungtürken.
die gestehen zu, daß sie die Todesurteile großenteils an
kersührten vollstreclen, und zwar nur um durch den Schrek
en die Disziplin wieder herzustellen. Dem wird man
ber doch entsegenhalten dürfen und müssen, daß diese
‚Verführten“ ihre jetzt als todeswürdig befundenen Ta—
ien gerade auf Befehl ihrer Vorgesetßten begingen, und
aß. wie wenigstens die Jungtürken behaupten, die Vor—
jesetzten in letzter Linie von Abdul Hamid angestiftet sein
ollen. Nun war jedoch Abdul Hamid zurzell der Ereig,

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uisse, welche jetzt geracht werden, noch Kalif und Padi⸗
chah, also oberster Kriegsbherr der türlischen Armee und
rster Vertreter des Islam. Heißt es da wirklich, die
Asziplin retien, wenn man, nicht etwa hohe Offiziere,
velche die ganze Sachlage überfehen konuten, sondern
Verführte“ mit dem Strick dafür büßen läßt, daß sie
en Vefehlen, die ihnen zugingen, gehorch en, weil diese
Zefehle mit der Konstätutson, von der doch vdie meisien
ürlischen Soldaten nur eine sehr bescheidene Kenntnis ha—
»en dürften, in Widerspruch ftaänden? Sie konnten sich
iberdies darauf berufen, daß ihnen der Padischah her—
ioch, als er noch Herrscher war, unbedingte Amnestie für
illes, was geschehen war, habe zusichern lassen, aber auch
das haälf ihnen nicht vom schimpflichen Tode.
Die „Verführten“ wurden jetzt also doch in Wirklich⸗
cit nicht gehängt, weil sie sich gegen die Disziplin ver—
zingen, sondern weil sie sich auf diejenige Seste geschla—
jen hatten, der schließlich der Erfolg versagt blieb, und
us die oberste Regel der Disziplin, welche damit in der
dürkei proklannert wird, muß von nun an gelten. daß
»ersenege der bravste Soldat ist, welcher rechtzeitia die
Partei des Siegers ergreift, daß dagegen der, welcher
das nicht tut. den Galgen verdient hat.
—— ——
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Wie der „Schwäb'ische Merkur“ erfährt, hat der ver—
torbene fruhere Minisietpräsident Mittnacht politi—
sche „Rückbliscke“ veifaßt und dem Cottaschen Ver—
age zur Veröffentlichung nach seinem Tode in Verwahr—⸗
ing gegeben. Die Schrist, die noch in diesent Monat er—
cheimen soil, zerfallt in folgende Abschnitte: 1. Zwei Mi—
nisterwechsei in Württemberg, am 27. April 1867 und am
23. Maͤrz 1870, und Heinkich von Syoel über die eiben;
2. Württembergisches aus den Julitagen des Jahres 1870
und vom casus föderis. 3. Die Enthebung des Mini—
ters Freiherrn von Varnbühler vom Amte; 4. Die Be—
prechungen in München vom 22. bis 26. September 1870
und 5. Die Unterhandlungen in Veriglies mit dem Ab—
schuuß in Berlin.
*Aus dem Umistande, daß in der Diskussion über die
neuen Steuern das Projsekt der Erbrechtsresorm vielfach
etwas in den Fintergrund getreicn ist, hat man den
Schluß gezogen, daß die Regierung geneigt sei, diesen
ßesetzentwurf sallen zu lassen. Die Ansicht ist, wie ver—
ichert wird, iurig. Die Regicrung hält an dem Plane
er Erbrechtsresorm um so nachdrucklicher fest, als gerade
ieser Vorschlag, den Kreis der „lachenden Erben? im
Reichsinteresse enger zu begrenzen, in der Finanzkommis-⸗
lͤon bereits zur Annaähme gelangt ist
* Den Berliner Beamtentag, der von der Regierung
ꝛbenso heftig zurücgewiesen worden ist, wie die Parteien
hn von ihren Rocschößen abgeschüttelt haben, ist jetzt eine
ieue Kundgebung der Beamten gefolgt. In Berlin hat
eine Versammlung der Beamten stattgesunden, in der
gegen die Beschlüsse des Herrenhauses uüber die Besold⸗
tugsvorlage Stellung genommen wurde. Ein Lehrer
Kauntich nom liheralen VLenrerverbande hielt eine tArfe

Rede gegen die Mitglieder des Herrenhauses. Welchen
Wert ein paar Hundert Mark für eine kleine Veamtenfa—
nilie haben, das könne nicht wissen, „wer hinter eineun
Wust von Titeln auf seinen Schlössern sitzt,, so führte
Pantsch aus. „Der gesamte Feudalismus blicke hochmütig
guf die „armen Schumeister“ herab.“ „Vielleicht gibt diese
Haltiung des Herrenhauses einen Anstoß 3ur Revision der
yreußischen Verfassung.“ Man wählte schließlich einen Aus—
schuß. der für den bevorstehenden Berliner Landtags-—
wahlkampf die Stimmen der Beamten sammeln und in
die Waaschale werfen soll.
Desterreich-Uugarn.
* Die letzten Audienzen scheinen im letzten Momeni
Aussicht auf eine raschere Vösung der Krise zu
eröffnen, was den Menarchen veranlaßte, seine blbreise
nach Wien erst Mittwoch Nachmittag anzutreten. Es ist
nicht ausgeschlossen, daß der Monarch schon in den näch—
sten Tagen einen führenden Staatsmann der Noalitiun,
voraussichtlich den Grafen Andrassy, mit der Ausgabe be—
raut, die Entwirrungsaktion auf der Basis ber von der
Regierung vorgeschlagenen neuen einheitlichen Majoritäits«
bildung aus der gegenwärtigen Hönalition in Angritßz zu
nehmen.

Aus dem Vatikan.
*Der Papst empfing die Mitglieder des Kongresses
her italienischen katholischen Universitäten, hielt eine An—
prache gegen die Modernisten und ermahnie dis
Zuhörer, treu zur Kirche zu stehen, die die sogenannte
vissenichaftliche Kritik nicht zu scheuen hrauch⸗
Frankreich.
* Die Vorbereitungen der Regicerung für den Gesamt—
zusstand der Post und Eisenbahn lassen darauf
schließen, wie wenig Hoffnung besteht, daß der großé
Dladderadatsch vermieden werden kann. Was am mei—«
sten beunruhigt, ist die Tatsache, daß man nur weiß: die
„postiers“ werden streiken, daß man aber nicht weiß: wann
der Streik beginnen wird. Der gemeinsame Ausschuß der
Postober⸗- und -Unterbeamten hat Vollmacht, den Aus—
stand von einem Augenblick zum andern zu beschließen.
Er wartet augenscheinlich den Ausfall des Referendims
der Eisenbahner ab, deren Abgeordnetentag im Vrinzip
den Aussiand beshloß.
England.
*Wie von den englischen Flottenfanatikern versucht
wird, dem Vegrisse des Zweimächtestandard eine mög—
lichst weite Ausdehnung zu geben, geht aus einem län—
geren Artikel hervor, den der „Taily Graphie“ in seiner
Sonntagsnummer aus der Feder eines Flottenoffiziers
veröffentlichte. Der Kern dieser langen Ausführung fin—
det sich in folgendem Satze: „Der Zweimächtestandacde ist
so aufzufassen, daß die englische Flotte um zehn Prozent
tärker sein muß, als die Flotten der beiden nächststarken
europöischen Mächte, wobel Deutschland und Oesterreich
als eine Einheit zu betrachten sind.“ Nach dieser For—
mel ließe sich natürlich der Begriff des Zweimächtestandard
auf eine beliebige Anzahl von Flotten ausdebnen.
Amerika.
* Auf die vorwöchige Rotiz des Staatsdepartements
vaß die Ründiaura sämtlicher Bandelsa;

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