Vreußischer Landtaa.
Abgeordnetenhauod.
Die zweite Lesung des Kultusetais wird fort—
zesetzt bei Kapitel „Höheres Mädchenschulwesen“. Abg. Dr.
Rackenberg (utl.)y: Die ganze Maädchenschuneform
st ein großes Werk, das viel Arbeit erfordern wird, aber
vir hessen, daß das Werk zun Segen unserer Frauen⸗
velt gelingen wird. (Lebhafter Bceifall.) Abg. Cafsel
Freis. Vp.): Das Hauptziel der ganzen Reform muß die
Förderung der Mädchenschule an dsich sein, damit
die Frauen ihre Pflicht als Hausfrauen und die Erzieh⸗
ung ihrer Kinder sorgfältig ersüllen können. Wir begrü⸗
ßen diese Reform, die im großen und ganzen den rich—
tigen Weg zeigt. Abg. He'ß Gentr.) begrüßt die Ein—
cichting der Frauenschulen und Studienanstalten. Meiner
Partei erfcheint die Mädchenschulresorm geeignet, der deut⸗
—D zu gewähren, wenn
auch einzelne Bestimmungen noch Bedenken erregen. Wir
wünschen, daß unsere Frauen eine gute wissenschaftliche
Bildung erhalten, aber auf keinen Fall darf der Rel
zionsunterricht vernachlaässigt werden, denn eine deutfche
Frau ohne ein warmes herzliches Gemüt ist ein Wider—
pruch in sich selbst. (Beifall im Zentrun.) Ministerialdi—
reltor Dr. Schwartzzkopff dvauct fur die wohlwol—
lende Kritik Abg. Kaufmann (Zentr.) tritt für grö—
ßere Verücksichtigung der Religion in den höheren Mäd—
chenanstalten ein. Nach kurzer weiterer Tebaue wird ein
Antrag auf Schluß der Debatte gegen die Stimmen der
Linken angenommen. Nachsse Tagesordmuna, Lesung
des Haushaltsetatẽ
Die Ereigunisse in der ZTürkei.
otfonstantinopel, 10. Mai. Der in Mersina
befindliche englische Admiral richtete direkt an den Gou—
derneur von Adanga eine Mitteilung wegen der Metzeleien
in der Provinz Adana, worüber sich der Gouverneuͤr bei
der Pforte beschwerte. Die Pforte wandte sich an die
englische Botschast mit dem Hinweis, wie sehr eine der—
artige direkte Intervention des Admirals gegen den dip⸗
omatischen Gebrauch versioße. Die englische Boischaft ak—
zeptierte den Standpunkt der Pforte und ersuchte den Ad—
miral, seine Beschwerden oder Gesuche über die Votschaft
zu letiten.
Wisen, 10. Mai. Einer Belgrader Meldung zu—
fo'ge beabsichtigt der Sohn des Exsultans Birhan Eddin
einen Aufstand in Albanien zu organisieren und
in der Spitze der Albanesen gegen Saloniki zu mar—
schieren, um seinen Vater zu befreien.
Paris, 10. Mai. Nach einer Meldung des „Echo
de Paris“ aus Konstantisnopel glaube man“ dort
an eine Auflssung der Kammer und an eine Ausschreib—
ung von Neuwahlen auf den 14. Juli.
London, 10. Mai. Aus Koͤnslantinopel wird ge⸗
meldet: Zwischen dem jungtürkischen Komitee und der
Zesrerungsarmee ist ein schlimmer Zwischenfallsent—
sauden. Die Armeefüthrer sind erbost über die geheime
diktatur des Komitees, die dem parlamentarischen Wesen
widerspreche. Ahmed Rizza Pascha dürfte bald
urücktreten. Man besfürchtet neue Konflikte. *
Satoniti, 10. Mai. Auf Veranlassung des stell—
ertreienden Kommandanten des dritten Korps ist eine
chärfere Ueberwachung des in der Villa Al—
atini untergebrachte Abdul Famid unter Verwend—
uing zuhlreicher Offiziere angeoronet.
Konstantinopel, 10. Mai. Unkontrollierbare,
vahrscheinlich überriebene Grrüchte wollen von einer Miß—
timmung zwischen dem Sultan und dem jungtürkischen
omttee wissen. Ter Generalissimus Scheftet Pa⸗
ch a haben wegen dieser Mißstimmung intervenieren müs⸗
sen, da der Sultan gewisse Eventnualitcten angedrodt habe.
Jufolgedessen soli auch Scheftet Pascha die früher gemel
dete Kundgebung, nach welcher die Armee alle Beziehun—
gen zum jungtürkischen Komitee gelöst hatte, veröffenilicht
haben
DTie Feier der Schwertumgürtung.
Konstauntinopel, 10. Mai. Anläßlich der heu⸗
tigen Feier der Schwertumgürtung ist die Stadt festlich
jeschmuckt. Die staatiichen Bureaus, die Banken und viele—
Privatinssinute sind geschlossen. Vor der Hagia Sophia
und vor dem Kriegsministerium sind Ehrenpforten errich—
et. Truppen und Schulen bilden Spalier. In den Fest⸗
traßen sammelten sich große Menschenmengen an. Die
Elatter verofsentlichen Fessartikel, in denen der heutige Tag
als der Beßginmn einer neuen Epoche der türkischen Ge—
schichte gesesert wrd
Vermischtes.
Der Bürgermeister wider Willen. Taß sich jemand
an einem Gegner rächt, indem er ihm zu Titel und Wür—
den verhilft, wird wohl nicht zu ost vorlommen. Dieser
Abnorme Fall hat sich aber züugst in emem Tiroler Städti—
hen ereignet und er macht den Regierungsbehörden viel
opfzerbrechen. Wie in der Vosnichen Zeitung steht. ist
olitzte in ihren Augen auf — „ave ich gemertt, daß die
leine Komödie, die ich mir in Gedanken zurecht gedichtet,
in derselben Weise, wie ich sie mir erdacht, gespielt wer—
»en wird. Sagen Sie nur, ist es nicht seẽ Seien Sie
aufrichtig und schenken Sie mir um der alten Zeiten willen
Ihr Vertrauen!“
Als sie bet den letzten Worten lächelnd zu ihm auf—
schaute, durchfuhr ihn der Gedanke, daß nur wenige Män⸗
ner selchem Lächeln widerstehen würden. War doch ihre
Schönheit nie berückender gewesen als jetzt in ihrer vollen
Reise. Inmitten der winterlichen Landschaft mit dem
mattgelb gefärbten Himmel im Hintergrunde bot ihre
herrliche, elegante Erscheinung einen überaus anmutigen
Anblick, der jeden Mann entzückt haben würde.
„Wie kemmen Sie zu dem Gedanken, ich glaube
Ihnen nicht und wäre Ihnen nicht aufrichtig dankbar für
das Interesse, das Sie meinem Glüd zollen?“ fragte er.
„Aber wenn Sie von Komödien sprechen, die gespielt wer⸗
den sellen und mein Vertrauen wünschen, so kann ich
Ihnen nur sagen, daß ich Ihnen dasselbe gern schenken
vürde, wenn ich euvas anzuvertrauen hätte. Aber bis
zetzt habe ich nichts; Sie haben gewiß vergessen, daß ich
iach einer einzigen Unterhaltung mit einer jungen Dame
nich nicht sofort zu ihren feurigen Verehrer aufwerfen wür⸗
»e. Gewiß, kein Mensch vermag in die Zukunft zu bli⸗
ken; ader gegenwärtig liegt mir der Plan, Miß Darracot,
ind ihr Geld zu erringen, noch ganz fern.“
Wers. Treherne sentte ihre Augen.
„So, Sie wollen also nicht aufrichtig sein“, sagte sie,
uind mir vertrauen! Nun wohl, das, was ich gesagt,
vird trotzdem das Ende vom Lied sein. Ich weiß das,
venn Sie es auch nicht wissen. Sie werden die Gelegen⸗
jeit ergreifen, die sich Ihnen bietet; dem Schidsal unter⸗
iegt jeder Mann. Pah'“ rief sie verächtlich, ich las es
g heute Nachmittag in Ihren Augen und hoöͤrte es Ihrer
St mme an. Sie können eine Frau nicht betrügen, die
Sie sc lange kennt, wie ich, Gerard Hastings!“
„Weshalb sollte ich Sie betrügen wollen?“ fragte er.
Gerade weil Sie mich seit langer Zeit kennen, w. SEi
a ein biederer Trisinjase zuun Turtgeruttisser geuu
»orden. Ein Amt, um das sich zuist hißige Kämsfe en
oinnen, weil der Bewerber meyhr als genug find. Dage
hah das Unglaubleiche, daß der Ganßnite bei der Ve
irlshauptuaunschaäft gegen jseine S . —
ierte, mit der Rchoiterung, man hätte ijn an
eindse izer Gesinnung“ gewahlt Es sei nämlich in wei
esten Kreisen nicht unbekannt, daß er weder lesen noch
chhreiben koͤnne, zuei Tinge, deren Kenutnis das Geses
ei jedem Bürgermester vorausfeizt. Rit seiner Wahl
ollte ex also dem össentlichen Spotte pteisgegeben wer—
»en. Ter Vürgermeister wider Willen wird vielleich
ogar gegen seine Wähler eine Ehtrenbeleidigungsklage an
lirengen, denn er glaubi die Urheber dieses krmischen
tachtaltes zu kennen. Ter heittge Bureautratismus sieht
sie Sache weniger von der heiteren Seite an, denn er
teht da vor einem Fall, wie er sich noch nie ereignete
daß einer nicht Bürgermeister sein wiet — so etwas hat
ich in Tirol bisher noch nicht ereignet. So geht nun der
on fremder Hand geschriebene und mit einem eigenhän
zgen Kreuzsein unterzeichnete Prozest des neuen Bürger—
neisters an die Statthalterei nach Junsbruck. die sich mi
em „Racheaft“ zu befäassen hat.
Tie Diebin an der Angelschnur. Auf vriginelle
Veife warde eine russche Taschendiebin entlarvt, die län
jere Zeit den Wo hennaurtt in Stegittz dei Berlin unsiche
nachte. In Oktober und Robeintber iesen bei der Steg—
itzer Polizei fortgesett Anzeigen bin, daß Hausfrauen,
die den Wochenmärkt in Strealis besucht hatten, bestehlen
vorden waren. Um die Diebin zu enttarven, bediente sich
der Kriminalbeamte, der mit der Entdeckung der Dieblu
»eauftragt worden war, eines originellen Tricks Er ver
inlaßte die Wilwe eines esemaligen Polizeibeamten, an
hrem Geldtäschchen bine dunne Schnur zu befestigen und
diese durch, die Malitasche und das Jacdeet hindurchzuzie—
jen und an ihren Korper zu besestigen. Mit diesem prä
arierten Geldraschchen begab sich die Frau auf den Wo—
henmarlt und es dauerte nicht lauge, so ereignete sich
in hoͤchst trufisches Insermezzo. Tie Frau war kaum
inige Schritte gegangen, als sie mit einem plötzlichen
tuck sltehen blieb. Die Umsehenden entdeckten zu —ihrer
Berwundernng eine dunne Schnur, die von der Markt
asche der einen Frau ausging und in der Tasche der
diehin landete. Sie wurde verhaflet und i nun zu 4
Jahren Zuchthaus vernrtieilt worden.
Man muß sich zu helsen wissen. Das Abrufen
der Zuge ist in Vahern durch Verordnung des Verkehrs⸗
ministers auf allen muilcren und kleineren Stationen ein—
Iestellt worden. Seiuem Werdrusse darüber hat ein Fahr—
zast auf einer unzersräntischen Siasion dadurch Ausdruck
zegeben, daß er auf der Tuchplate im Wartesgale in
»octischer Form dem lieblichen Wunsche Ausdruck gab, die
Arheber dieser Versrdnung möchten ebensalls bald vom
Schicksal abgerusen werden. Der „Augsb. Abendztg.“ wird
zun mitgetsilt. daß auf etner Station der Illertalbahn
er dortige Pfortner der minsserielten Verordnung so—
vohl, als auch den Wunschen des verehrlichen Publikums
in der Weise nachlommt, daß er im Wariesaal' erscheint
und ruit: „Aba'ruise werd iein netn G'iei jahrt's Züale
tein!“
Zehn Gebote sür Reduer. Wiillst Du ein Redner
verden, so beherzige nachstehende zehn Gebote, die Mr.
8. T. Stead im „Windsor Wagazine“ zu LAutz und From—
nen aller, die die Redaertribüne besteigen wollen, bekannt
zjibt. Sie lauten: 1) Rede nur, wenn Du etwas Ver—
nünstiges zu sagen weißt; 2) sebe Dich sofort nieder,
venn Du Deine Weisheit verzapft haft; 3) sei Dir be—
vußt, daß es keinen Zweck hat, zu sprechen, wenn man
dir nicht zuhört; 4) Deine Gedanken seien präzije, Deine
zprache klar, Deine Haltung natürlich; 5) spricht nicht
asch; 7) danke für alle Beifallsbezeugungen mit einer
zraziösen Verbeugung; 7) verliere niemals zwei Dinge:
ven Kopf und den Redefaden; 8) lies nie ab, sondern
ede nach kurzen Aufzeichnungen, 99 wenn man dDich
nuspfeift, so dasse Dich nicht verblüffen; 10) vergiß nie
„as Wort des Kardinals Manning: „Sei vor allem selbst
iberzeugt von dem, was Du sagsi!“
Sprachliches über die Lustschiffahrt. Die „Mit—
eilungen des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins“ be—
assen sich in ihrer letzten Nummer u. a. mit den ver—
chiedenen Ausdrüclen, mit denen die Deutschen das Luft—
chiff im Lause der Zeiten bezeichnet haben. Als 1783
»er Luftballon in Frankreich erfunden worden war, sträub—
en sich manche Schriftsteller wider diesen Fremdling. Der
reußische Ingenieur Hayne gebraucht 1784 dafür das
Vort Lufrmaschine, und in demselben Jahre redet der
Ibt Uebelacker von der Luftlugel. 1823 verfaßte der Ma—
hematiker Zachariä eine Geschichte der Luftschwimmkunst
ind ersetzt da das Wort Lustballon durch Luftkugel und
Baslugel, je nachdem es sich um eine mit Luft oder um
ine mit Gas gefüllte Kugel handetlt. Auch das Wori
ruftball verbreitete sich; es halie aber schließlich weniger
zlück als das entsprechende Wori „luchtbal“ in Hotland.
)as Wort „Luftballon“ drang schließlich in Deutschland
urch. 1884 wurde in Berlin sogar eine „Versuchsstation
ür ballons captifs“ gebildet, aber schon zwei Jahre spü—
ar eriekte das preutßisirhe Frieasminierirtin diesee Freme
agten, müßtten Sie um so velser wissen, daß es nicht meine
Art tst, Unwährheiten zu sagen.“
„In Worten — nein“, antwortete sie, „das läßt Ihre
khre nicht zu. Ein Gentleman lügt nicht. Aber ein
Hentleman darf betrügen — durch Ausflüchte, durch Aus—
yeichen ,—4
Er unterbrach sie lachend:
„Sie sind äußerst schmeichelhaft! Weshalb sellte ich
Ihnen denn ausweichen wollen?“
Sie blickte schnell zu ihm auf, und ihren Blick auf—
angend, schien es Hastings, als ob in demselben eine
derausforderung und Drohung zugleich läge.
„Gut, wir wollen das Thema fallen lassen“, sagte sie
lsdann nachlässig. „Vielleicht haben Sie einst Gelegen—
eit, sich an das zu erinnern, was ich Ihnen gesagt habe
Ich meinerseits werde mit dem größten Vergnügen be—
bachten, wie die Sache sich entwiceln wird. — Nun le—
en Sie wohll! Sie brauchen mich nicht zurüdvbegleiten.
Ohne Zweifel werden wir uns balb wiedersehen, da Sie
och die alten Freundschaftsbeziehungen mit Arayle er.—
ieuert haben.“
Sie nidte ihm lächelnd zu, wandte sich um und schritt
en Gartenweg zurück, Hastings schaute ihr nach, sich fra—
jend, was sie wohl mit diesen Anspielungen meinen könne
ind weshalb wohl in ihrem letzten Blick etwas veinahe
Böses gelegen habe.
Unterdessen weilee Irnia, von den andern in Mr—
darracotes Zimmer zurüdgelassen, regungslos in dew
roßen Stuhl am Feuer und starrte, in Gedanken verfim
en, in die Flammen.
„Er ist nicht unangenehm“, dachte sie. „Er ist nicht
ingebildet und geziert — noch — wenigstens äußerlick
aicht — unaufrichtia. Er wago weltlich und berechnet fein
vort durch Fesselbalion. Las artche ventae t in der
kZuftjschiffahrt ijst Lustschifi, das schon 1682 velegt ist.
Neuestens hat Graf Zevpelin den Ausdruck Flugschiff ein—
geführt.
Wie man in Prenßen Minister werden kann,
zrzäblt Herr von Tiredcyhtann, der Czef der dieichskanzle,
unter Bismarck, in seinen Remoiren, Es war im Jahre
1878, da suchte Bismörck einen Finauzuinister und hatté
einen geeigneiten Maon. Da nannte Tiedermann in spä—
ter Abendstunde den damaligen Oberbürgermeister Hob—
cecht und nun schildert er das weitere wie folgt: „Es war
nach 1 Uhr nachts, als ich an Hobrechts Wohnung klin—
zelte. Der Diener, der mich kannle, teilte mir auf mein
Befragen iit, daß der Herr Oberbürgermeister sich noch
in einer Abendgesellschaft befinde, arer jeden Augenblis
zurückkehren könne, und führte mich dann in Hobrechts
Arbeitzzummer. Nach Verlauf einer kleinen hatden Stunde
erschien Hobrecht im Frack und weißer Binde, den Hun
im Nacken, im leicht geröteten Gesicht einen ungewöhnlick
ustigen Ausdrick. Haltung und Sprache ließen zweisel—
los erleunen, daß er aus einer sehr fröhlichen Gesellichaf!
am. Er war natürlich hochstt ersiaunt über meine Anwe—
euheit zu so jpater Nachtstunde, und jsein Ersiaunen wich
nicht, als ich ihm möalichit unbefangen sagte, ich sei ge—
oninten, um bei ihm noch eine 3garre zu rauchen und
ine Flaͤsche Selterswälser zu trintken. Veides wurde her—
— —0—
uges und sette sich mir daun vehaglich und neugierig
zgegenuber, mehr und mehr zu der Ueberzeugung kom—
nend, daß ich ihm noch etwas Besonderes mitzuteilen
sabe. Ais er endlich mit einer diretten Frage heraus—
ückte, antwortete ich: „Ja, ich wollie Sie auch beiläufig
ragen, cb Sie nicht Lust haben, Finan;minister zu wer—
zen“ Hobrecht sah mich starr an. Er hiclt das ganze
ür einen Scherz und wußte offenbar nicht recht, wie er
hunaufnehmen sollte. Als ich udessen meine Frage kalt—
lüt'g wiederholte und dabei hinzufugte, der Kanzler habe
nich ausdrücheich beanftragt, noch in dieser Nacht mit ihm
u verhandeln, sprang er errtegt auf, lies im Zimmer hin
ind her, und rief hochgausatmend: „Tiese Sache könnte
Nnen ja mit einem Male nüchtern machen“ Nach einern
Weile sragte mich Hobrecht, wann er mich morgen vor
mittag sorechen könnte. Ich antwortele, daß ich bis 15
Uhr zu Hause sein werde. „Nun“, sagte Hobrecht, „ich
werde mir die Sache beschlasen, wenn ich aber morger
im Kater noch so denke, wie heute in der Besofsenheit, so
sage ich: Ja! Also auf Wiedersehen morgen,“ Am ande
ren Tage in der Kateritimmung wurde Hobrecht Finanz—
minister. Er verstand zwar herzlich wenig vom Finanz—
wesen, aber das macht bei einem preußischen Finanzmi
nister nichts aus. Hobrecht hat später selbst erzaͤhlt, Bis
marck hade auf seine Einwendung, daß er von den Finanu—
zen eigentlich gar nichts verstehe, geantworet: „Um so
inbefüangener werden Sie an die Geschafte heranreten.“
Freirich hat die Ministerherrlichleit auch bidtt lange ge—
danert: nur cinge Mondie »nan obrecht dun Amte.
*vVaghalsiges Unterneymen. Der Bostoner Meteo—
loge Professot Clayon bereitet eine Lustreise über den
Ozean vor Er erwartet in großen Höhen eine günstige
Lustitröniung. Zunächst plant er eine Versuchssohrt vbop
San Franzisko nach New-NYork.
O-Arbeiterbeweguug.
— Streik der französischen Schiffaͤhrtsangestellten
Den Telegraphenangestellten kommen jetzt auch die Schiff
ahrtsangestellten zu Hilse. Ein großer Teil der Ange.
tellten der französischen Schiffahrislinten ist seit Monta—
früh in den Aussiand getreien
— — öob DSSHXXX »ONI
Humoristische Ecke.
*“Kindermund Lehrer: „Also angenommen, Dein
Bater hat drei Fasser Wein in seinem Keher. Jedes Faß
enthält dreißig Flaschen, und er trinkt alle Tage eine
Flasche; wie lange würden die drei Fässer wohl reichen?“
— Learlchen: „Ungßesähr eine Woche.“ — vVeyrer: „Aber
Karlchen, Bu kaunst ja gar nicht rechnen“ — Rollchen
„Na, ich werde doch meinen Valer lennen!“
*Ein Schwerenöter. Erste Köchin: „Wie, Du
trägst jett einen Verlobungsring, wer ist denn Dein Bra
tigam?“ — Zweite Köchin: „Musketier Plieste von der 7
Koönmipanie.“ — Erste Körchin: „Laß Tir nur von dem ni hl⸗
vormachen, der hat bei mir auch jur emen Verlebungs
xing ein halbes Jahr gegessen!“
*]Erschopfende Austunft. „Gu'n Tag, Pe—
ter!“ — „Ei, gu'n Tag' Michel! Schun lang nimmet gze
sehen. Wie gehl'st“ — „Hanna, wie soll's gehn?“ — „Das
is awer rechtt Adze!“ — „Adie, Riichel!“—
*Die Hauptsache. Der kleine WMichele wird von
Mutter geweckt mit den Worten: „Wächele, stand uf, ⸗
Schnlhaus brennt.“ — Michele reibt sich die Augen und
fragt: „Ischt der Schulmoischter schau iichon) verbrenne?“
*)Konphliment. „Nein .. wirklich! ... Gnädigsie
haben sich absolut nicht verändert; Sie sind noch imm
ganz die Allte!“
—E αια
wie Mrs. Treherne sagt: aber er hat auch etwas Anziehen
des — etwas, das einen veranlaßt, mit ihm zu reden,
wie man nicht mit allen reden würde. Nicht wahr, Rex“,
sagte sie zu dem Hunde, der sich erheben und seinen Kopf
in ihren Schoß gelegt hatte. „Du hast ihn gerne und ick
glaube, dein Instinkt ist richtiger als der gewisser Leute
Wie gut von ihm, so ven deinem verstorbenen Herrn zu
sprechen, — wie gut, ein freundliches, ehrliches Wort über
ihn zu hören. Du konntest nicht sprechen, lieber Rer, und
ich kannte ihn nicht, aber ich habe immer gefühlt, daß er
nicht so unausstehlich war, wie Mrs. Treherne ihn be—
jichrieb. Und da sie den einen so falsch beurteilt, wes—
jalb nicht auch der andere? Es gibt Leute, die nur die
chlechte Seite eines Chatakters sehen — seine Schwächen
ind solche Fehler, die wir alle besitzen. Ich glaube, Mrs.
Treherne gehört zu diesen. So will ich denn alles ver—
zessen, was sie mir über Mr. Hastings gesagt hat und
hn selbst zu beurteilen suchen. Er ist wirklich der erste
Mensch in meinem neuen Leben, mit dem ich Freundschaft
chließen köͤnnte. In meinem früheren Leben hatte ich so
viele so sehr viele Freunde, Rer“, — ihre Lippen zitterten
zei diesen Worten — „daß es mir ganz unglaublich vor
tommt, jetzt gat keinen zu haben außer der lieben alten
Margherita und dir. Doch komm! Wir wollen jetzt zu
ihr gehen und sie ein wenig aufheitern!“
Der Hund verstand den Ton ihrer Stimme, sprang
auf, rannte vor ihr her durch die Halle, die Treppe hin
auf und blieb dann, mit dem Schwanze wedelnd, vor
einer Tür stehen, bis seine Herrin kam und dieselbe öff⸗
rete.
Ein großes freundliches Zimmer bot sich ihm dem
Blicke dar, an dessen Kamin eine Frau mit traurigem Ge⸗
achtsausdruck hodtte, trotz der schen herrschenden Dämme⸗
rung noch damit beschäftigt, Strümpfe auszubessern. Sie—
chrak zusammen und stieß einen leichten Schrei aus, als
sie plötzlich den Kopf des Hundes an ihrer Vand fühlte.
„Bleib' sitzen, Margherita“, sagte Irma sanft, sich der
italienischen Sprache bedienend, und lege die Arbeit fort
Willst du dich denn blind machen, daß ich dann nieman?
nebr habe. der nach mir schauftꝰ“