Full text : Dudweiler Zeitung

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ummer 108. Zel.oq, 259, 269 un 1261. Dteenstag, den 11 Maĩ 1000. — Beinn- e

25. Jahrgang.

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Mit Veilagen: „Belsetristische Wochenscäürifte‘ und
„Lustige Blätter“.

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Allgemeiner Anzeiger für den Bürgermeistereibezẽ
Pudweiler.

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monatlich 70 Pfg. frei ins Haus gebracht; bei der Post
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Nedaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller
in Dudweiler.

Die „Dudweiler Zeirung“ erscheint täglich mit Ausnabme der Sonn—
und Feiertage.

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Abdul Aziz und Muley Hafid.
Fortdauernd unsichere Lage in Marokko.
Oie Nachrichten, welche von Muley Hasid einlaufen,
tellen sich als die genaue Wiederholung dar, die vor
inem Jahre über Abdul Aziz eintrafen: In Fez einge—
chlossen, wo er sein Prestige hauptsächlich in der Aus—
ressung der Juden ausübt, schickt der Sustan dann und
vann eine maängelhaft ausgestattete Mahalla aus, um
eine Lande zu erobern. Von Tag zu Tag verändert sich
ie geographische Karte seines Besivssandes, die unicheren
kantonisten seines Heeres werden nicht nur geschlägen,
ondern gehen auch zu dem siegreichen Feinde uͤher. Die
zroßen Kaids handein nicht anders: sie schlagen sich auf
sie Seite dessen der momentan das Uebergewicht verloren
zat und verraten ihn, wenn das Blatt sich gewendet.
Man weiß nicht recht, warum Muley Hafid kein Sul—
an mehr fsein soll, man weiß aber auch nicht, warum ge—
ade der oder jener Thronprätendent nach der Herrschat
trebt. Es ist jetzt schon ziemlich klar, daß der ersold—
eichste Thronbewerber nicht imstande ist, ganz Marokko
uuf jeine Seite zu bringen. Zwei, drei Stämme hängen
edem der Prätendenten an; wenn er mit seiner Mahalla
um Nachbarstamme kommt, schließt sich auch dieser an.
daum ist der siegreiche „Sultan“ weiter gezogen, so fäclt
illes von ihm ab. Und nur der bleibt momentan popu—
är, der ganz ausgeschaltet ist; weil er nuümlich teine
Stenern und Abgaben erhebt. Das ist des Pudels Kern.
58 ist deshalb nicht unwährscheinlich, daß Audul Aziz,
»er von Muley Hasid verdräugt worden ist, gegenwärtig
ei den Marokkauern wieder hoch in der Guͤnst stehi.
zm Vergleich mit dem regierenden Sultan, der dee
zteuerschraube anzieht, und den Militärdienst auserlest,
st er freilich das Ideal. . Die Unzufriedenen wenden suatz
hmäzu. Sie fragen nichts nach Logik und haben uit
en augenbiicklichen ptattischen Zweck — möglichst weng
ahlen zu müssen. Sobald einem Sultau in Marotto
twas gezahlt werden muß, fängt er an, unpopulär 31u
verden. Sofort wagen sich wieder die Prätendenten her
sor. Und der Thronbewerber, der dann auf den Thron
jelangt, ninß bald die Richtigkeit Des Satzes am eizenen
Leide verspüren. So bei Wiuley Hafid.
Dite Marokkaner, die heute einem Sultan zu ubelit,
vissen ganz genau, daß er in die Lage konmmt, ihnen La—
ten aufzueriegen, und daß sie ihn dann wieder preisge
sen. Sie tun das zu dem ausgesprochenen Zivecke, Zeit
u gewinnen und dann wieder den alten Sultan hervor—
zuholen. Das ist die marotkanische Politik, die, wenn
nan sie genaun betrachtet, nur zu vernünftig ist.
Die Frage ist nun, was den europäischen Interessen
viderfährt, wenn diese Politik sich ununterbrochen fort—
etzt. Man findet es begreiilich, wenn die sranzösische
Presse darauf verweist, daß die großen Hoffnungen, die
esonders von Deutschland aus auf die starke Hand Mu—
ey Hafids gesetzt wurden, sich nicht realisiert haben. Die
Sicherheit der Europäer ist geradeso bedroht wie zuvor.
die Schulden des Maghzen werden immer größer; die
otwendigkeit, die Verpflichtungen durch erhöhte Besteue—
ung der Bewohner erfüllen zu können, inimer dringen—
zer. Und mit der Erhöhung der Steuerlast wächst die
Antipathie gegen Muley Hasid.
Frankreich wird natürlich zum Schutz seiner Interes—
en militärisch eingreiien. Die Marotko-Expeditionen
verden zu einer ständigen Einrichtung, die das fran—
ösische Budget schwer belasten. Wäre es nicht besser,
venn Deutschland, dem seine wirtschaftlichen Rechte ga—
rautiert werden, Frankreich ermächtialte. in Marotkko ein—

mal eine autuennjche, seste, militärisch gestutzte egieruug
nzurichten? Die Kosten eines einzigen großen Expedi
ionsfeldzunes waren nicht so erheblich wie die der vie
en Sitrafexrpedinonen und monatelangen Okttupativnen
Den Marokkanern muß tatsfächtich einmaäl gezeigt werden,
aß sie Steuern und Abgaben zahlen müssen, und daß
ie einen Sultan nicht preisgeben können, venn er sie
leregelt erhebt. Frankreich, das alle Ursache hat, ein ge—
Tonetes Nachbarland zu wunschen, würde eine deuische
zusage zu einem gründlichen administrativen und finan⸗
iellen Resormwerk, durch Frauzosen ausgefuührt, als
ine wirkliche deutschsranzosuche Annäherung betrachten
die Dinge liegen heute so, daß die Annäherung sich voll—
itehen kann, und es wäre Europa nur gedient, wenn sie
ommen wüurde, was die Lage in Marotko und was die
ternationale Sttuetion anlanat

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schluß gesaßt wwerden wird, die Krönungsseiter vis zum
Herbst zu verschieben.
—rree —
Hof und Gesellschaft.
** Die Operation des russischen Ministers I 3—
wolsti in der Chirurgischen Klinik durch Professor Dr.
von Angerer in München ist gut verlaufen. Er wird Mün—
chen an Mittwoch wieder verlassen.
** Die alarmierenden Gerüchte uber das Befinden
des Großherzogas von Luremburg sind unm
begründet. Das Vesinden des Vatienten ift unver—
indert

Geheimrat von Holstein PF.
Samstag Nachmittag ist in Verlin im Alter von 72
Fahren nach langerem Leiden an einer Herzkrankeit der
wwirkliche Geheime Rat Fritz von Holsiein gestorben, der
n den lettten Jahren seit der Marotko-Politik häufig in
der Oefsfentlichteit genannte, vorher aber dieser Oeffemlich—
eit und selbst berufsmaßigen Politikern sehr wenig be—
annte Mann, der jadrzehntelaug schon als hervorrägen—
der Mitarbeiter Bismarcke, dann aber ganz besonders
nach dessen Entlassung eine einflußreiche Tätegkeit — man
kann wohl sagen die einflußreichste im unserem Auswärti—
gen Amte — ausgeübt hat. Er hat die Oefsenttichkeit nie
zeliebt, man kann sagen: er hac sie gescheut. Diese fafl
cankhaste Abneigung Holsteins gegen jedes Herrortreten
n der Oessentlichlkeit verband sich mit einer sehr großen
Sleichgültigkeit gegen äußere Auszeichnungen, Reng und
Sitel. Dem ungewöhulich klugen, viel erfihrenen und
charfsinnigen Raunne war Arbeit und Einfluß alles. Er
hätte nach seiner Bedeuuung und mit der Stellung, die er
atsächlich in Auswärtigen Amt einnahm, schon nach Bis—⸗
uurcks Entiassung und dann nach jedem Wechiel wieder
ils Sigatssfetertr an die Spitze des Auswaärigen Amtee
reten können und müssen, um auch die formelle und die
antsrechtliche Verantwortuna zu übernehmen für das,
was tatsaächtich ouf seinen Rat und seinen Einfluß hin in
der auswartigen Politik geschah. Aber er ist eder sol—
chen Beförderung ausgewichen. Nicht einmal Minifterial—
direktor ist er geworden oder Unterstgatssekretär. Er war
'ormell bis zu seiner Entassung, die im April 1906 nach
dem Abschluß der Marokkopolitik durch die Konferenz in
Algeciras und in ursächlichem Zusammenhange mit die
er von ihm tatsachlich eingeleitelten und zum größten
Teil von ihm geleiteten Politik erfolgte, nichts anderes,
als der erste Vortragende Rat der poutischen Abteilung
des Auswärtigen Amtes mit dem dürch die Ancienninm
gegebenen Rauge eines Wirklichen Geheimen Rats un
einer Exzellenz. In Wirklichkeit war er seit Bismarcks
Rücktritt der Leiter unserer auswärtigen Politit unter dep
vechselnden Staatssekretären und Reichskanzlern. Er, der
geschätzte Mitarheiter Vismarcls, war, wie mancher an
dere, dem bitteren Groll eder man kann wohl sagen Haß
des großen Nannes verfallen, weil dieser ihn vielleich
ür nicht Janz unbeteiligt an seinem Sturze hielt, unt
reil er derlesige war, der mit seinen umfassenden Kennt
nssen des gesamten auswärtigen Dienstes von dem krifi—
chen Augenbück an, wo Bismarck und sein Sohn Her—
bert, der damalige Staatlssekretär, das Amt verliesen, die
Stütze und man kann wohl sagen der Lehrer der auf dem
Gebhiete der auswärisgen Polink doch noch fremden Nach
olger, des Freikerrn von Marschalt und Caprivis wurde.
Nach dem Abschsuß der Marxokko politik im Jahre 1906
wurde sein Abschedegesuch vom Kaiser genehmigat. Da—
mals lag Fürst Vnisw gerade schwei erkrankt darnieder
und man sagt, daß es nur diesem Umstaände zuzuichrei.
ben fei, dast diesent vielicitigenn Dtrsomoten »er Abschies
rewährt wurd«
— ——— 3 ⸗
Retchtum vereinigte, war vas Ende wohl vorauszusehen.
„Reden Sie nur offen und frei einer alten Freundin
gegenüber“, meinte sie, zu Hastings gewandt. „Der Plan
ist wirklich nicht übel und alles paßt aufs beste.“
„Sie müssen aber bedenken“, entgegnete er, „daß ein
blasierter Weltmann, wie Sie auch «“schreiben. ung
der ich auch bin — schwerlich einer jungen Erbin gefallen
vird, die die Welt zu ihren Füßen und den Kopf voller
Ideale hat.“ J
„Aber sie ist so lächerlich, so inglaublich unwissend,
daß sie nicht einmal weiß, daß sie die Welt zu ihren
Füßen hat“, erwiderte Mrs. Treherne. „Wenn Sie klug
ind, gebrauchen Sie ihren Einfluß, ehe sie dies gewahr
vird. Und was ihre Ideale anbelangt, so wird sie die—
elben wahrscheinlich um Sie weben. Das ist so Frauen—
art — bis man seine Torheit einfieht.“
Etwas in ihrem Tone, ein plötzlicher Ernst, der durch
ihre Worte klang, machte Hastings, der ihr bis jetzt mit
zine Art Belustigung zugehört, plötzlich stutzig. Wußte
er doch, daß, wenn irgend etwas ihr den Verlust des Dar—
racot'schen Vermögens noch bitterer machen konnte, dies
die Möglichkeit war, daß dasselbe in seinen Besitz über—
nehen könne. Trotzdem schien es ihm, Zaß sie es ernst mit
hrem Rat, sich die Erbin zu erobern, meinte, denn sich
zu ihr wendend, erstaunte er über die Aufrichtigkeit, die
er in ihren Augen las.
„Sie zweifeln wohl an meiner Aufrichtigkeit?“ fragt—
sie, seinen Blick beantwortend. „Wie schrecllich, wenn man
ein solch' böses Gewissen hat, daß man selbst seinen besten
Freunden mißtraut! Ob Sie es nun glauben oder nicht,
ich habe mir in Gedanten schon alles zurecht gelegt, fo—
dald ich Irma in Paris sah. Ich sorgte, daß Sie offene
Bahn fanden und habe jeden aus dem Wege gehalten, da—
mit Sie ihren Vorteil daraus ziehen konnten, wenn Ihnen
daran lag. Aber gerade das — ob Ihnen daran lag oder
nicht — war schwer herauszufinden. Sie sind so launen—
jaft. so schwer zu Lehandeln, so gleichgültig gegen Vor—
eile, für die andere alles hingeben würden. Aber diesen
scachmittag —“ sie hielt inne, etwas ihm unverstöndliche

Volitische Rundichan.
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*Wie der „Lokal-Anzeiger“ auf Grund zuverlässiger
Mitteilung erfährt, sind nur noch dvie drei fächsischen kon
ervativen Abgeordneten bereiß die Ausdehnung der Erb—
chaftssteuer auf Ehegatten umud Kinder unter gewissen
zedingungen gut zu heißen. Die Mehrheit von 58 kon—
ervativen Abgeordneten wird eine solche Erbanfallsteuer
mter allen Umständen ablehnen. Diese Stellungnahme ist
ndgültig. Keine Rüchksicht auf Personen oder auf
iuchteilige poliüsche Folgen, auch nicht auf eine Reichs,
aasauflösung wird daran noch etwas ändern. Die Frak—
ion ist bereit, alle aus dieser Stellungnahnie sich ergeben—
»en Konsequenzen auf sich zu nehmen.
*Eine zahlreich besuchte Versammlung des freikonser—
gtiven Breslauecr Neuen Wahlvereins Uüvbermittelte dem
deichstanzher nach einem Vortrag des National—
konomen Prosessor Wolf eine Resolution, worin es heißt:
Lan bedauere den langsamen Fortgang der wichrigen
deichssfinanzreform, hinter der alle Parteifragen zu⸗
ücktreten müßten, und erwarte, daß die konservative Par—
ei ihren Widerstand gegen die Erbanfallstenen
usgeben möge, wenn die Linke die indirekten Steuern
ewitllige.
* Bürgermeister a. D, Lothar Schücking hat sich, wie
ie „Neumärk. Zeitung“ mitteilt auf eine Ausrage des
uberalen Vereins in Landsoerg a. Wenicht abgeneig
rllärt, eine Reichstaaskandidatur für“ dn
ahekreis Lanudsberg⸗Soldin anzunehmen. Da er zurzeif
in Vronchiallatarrh leidet und seine Stimme schonen
nuß, würde für den Fall, daß sehr bald eine Wahl stati—
ufinden hätte und umsaungreiche Agitation nötig wäre,
ein Bruder, der Marburger Wafessor Schücktna für ihn
intreen

Rußland.
* Das, „Berliner Tageblatt“ meldet aus Petersburg, der
zar habe den Ctat des Marineministeriums unterzeich
iet und Siplypin in Audienz euipfangen. Die
inisterkrise wird als überstanden betrach
t. Die altrussische Adeliskorporation beantragte, Stolypin
egen systeniatischer Verleßung des Grundgesebes vor Ge—
icht 2u sflellen

Bulgarien.
*Wie der „Polikischen Korrespondenz“ aus Sofia ge—
neidet wird, foll man an den maßgebenden Stellen zu
er Erkenntnis gelangt sein, daß die Beendtgung aller
Vorherciungen suür die Krönumng des Zaren Ferdi—
nand bis zu dem in Aussicht genrommenen Zeitpunkte
Anfang Inni) zu große Schwilerigleiten bereiten würde.
Nan hetrachte es daher als soenn

Irma
Hastings las in thren Augen, was in ihr vorging, ehe
ie dieselben niederschlug, um weitere Entdeckurgen zu
ermeiden.
„Ich weiß nicht, was Ihnen einfällt“, sagte sie im
Weitergehen, „mir mit eine Miene, als ob Sie eine Pi⸗
tole an meine Stirn hielten, eine Ertlärung jfür meine
leinen Scherze abzuverlangen. Soll ich denn geradezu
Ihrer Eitelkeit schmeicheln und erwidern, daß Miß Dar—
racote Ihnen unmöglich hätte widerstehen können. Nun,
ind was Sie betrifft, da weiß man doch, daß alles Neue,
Frische Sie anzieht, und unsere Erbin besitzt ja beide
Figenschaften. Als Sie vorhin fragten, wie sie mir ge—
nele, wollte ich Sie nur ein wenig ärgern, indem ich
nich weigerte, zu antworten. Um die Wahrheit zu ge—
tehen, finde ich sie ebenso reizend wie eigenartig. Das
var ja auch zu erwarten.“
„Erlauben Sie die Fraage: Weshalb war das au er—
harten ?*
„Mun, ihre ganze Lebensweise ließ ja darauf schlie—
zen. Sie hat ja gar keine Erziehung gencssen — im ge—
böhnlichen Sinne, meine ich — und ist noch nie in Ge—
sellschaft gewesen. Sie ist in dieser Beziehung wirklich
so unwissend wie eine Wilde, obgleich sie sonst nichts von
ꝛiner solchen hat.“
„Jedenfalls nichts bemerkbares“, stimmte Hastings spöt⸗
isch bei.
„Sie weiß von den einfachsten Dingen nichts,“ fuhr
Mrs. Treherne fort. „Und was ihre Ideen im allgemei—
ien anbelangt, so fühle ich mich beinahe versucht zu sagen,
daß es die einer Närrin sind, und doch ist sie keine
tärrin.“
„Sie scheinen Ihre Meinung aber Miß Darracote sehr
chwer erllären zu können“, sagte Hastings. „Ich ent—⸗
nehme daraus, daß sie einen sehr verwidelten Charakter
Jat.“ —
„Nein, nein, sie ist die Aufrichtigkeit selbst'“, unter—
arach Mies. Treherne ihn schnell. „Sie ist eben das Kind

ines Idealiten und einer Ztalienerin, die, was Charatter
uind Bildung anbelangt, natürlich so verschieden wie dent—
dar von dem Kreise waren, in dem wir leben. Ihr Ver—
ehr waren freie, ungebundene Künstler, und das Resul—
at ist ein Wesen, originell, anziehend, natürlich, aber voll—
ändig unpraktisch und jeden Augenblick imstande, etwas
örichtes und außergewöhnliches zu tun. Ihr Vater, der
ie unterrichtet hat., muk halb Heilider halb Sozialist ge—
ocsen sein.“
„Ich sehe jetzt', bemerkte Hastings, „daß ich nicht un—
echt hatte, als ich sagte, Sie müßten mir Ausfklärung über
Niß Darracotes Charakter geben können. Ihre Beschrei—
uung war sehr interessant. Und Sie glauben, ihr Vater
ei halb Heiliger, halb Sozialist gewesen?“
„Und außerdem volländig unpraktisch“, fuhr Mes.
dreherne fert. „Man könnte wirklich wünschen, daß er
ioch am Leben wäre, um zu sehen, wie Onkel Darraco—
es mühsam erworbene Millionen in Hände geraten wä—
en, die sie nicht achteten und zusammenhielten. Es wäre
ine Strafe des Himmels für ihn gewesen.“
„Eine Strafe dafür, daß er seine Millionen nicht uns
interlassen hat, wollen Sie sagen, nicht wahr? Ich be—
weifle jedoch, daß der Gebrauch, den wir davon gemacht
aben würden, ihm besser gepaßt häte'e Uebrigens habep
Zie auch gar keinen Grund, sich zu beklagen.“
„Und Sie ebensowenig“, versetzte Mrs Treherne. „Er
interließ Ihnen nicht nur ein hübsches Vermögen, sondern
nachte Ihnen auch den Rest noch erreichbar.“
„Wer weiß, ob letzteres je in meinen Besitz gelangt“,
agte Hastings nachdenklich
Die Frau neben ihm sah ihn mit gezwungenem Lä—
heln an. Sie erriet seine Gedanken mit dem feinen In—
tinkt früherer Liebe, die sich in Haß und Mißtrauen ver—
vandelt hatte. Natürlich würde er die goldene Gelegen—
eit ergreifen, die sich ihm bot, das hatte sie sich gleich ge—
agt, als sie Irma sah und ihren seltenen Reiz erkannte.
Wäre sie häßlich oder auch nur mittelmäßig hübsch, ihr
roher Reichtum würde Gerard Hasitings nicht gelockt ha—
»en. Aber da sich nun die idealste Schönheit mi arußem
            
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