Full text : Dudweiler Zeitung

Amaßluich des Ablebens des früheren WMinisterprasi—
»enten Frhr. von Mittnacht hat der König von Wuͤrt—
emberg dem „Schwäb. Merkur“ zufolge folgendes Tele—
zramm an den Sohn des Verstorbenen, Generalmaor
Freiherr von Mittnacht, gerichtet: „Tieferschütert spreche
ich Ihnen und den Ihrigen meine waäruiste, herzlichste
Teilnahme aus. Was Ihr dadingeschiedener Herr Valer
mir in laugen Jahren gemeinsamer Arbeit gewesen ist,
teht bei mir in tiesdankbarem Herzen verzeichnet! Nicht
ninder wird das Vaterland jie vergessen. was er in sehr

freih. von Mittfnach⸗
treuer Hingabe und aufopfernder Tätigkeit für dasselbe
geleistet hat. Nie wird ber mir sein Andenken ertöschen
als das eines Pannes, der Unendliches für mein Land,
mein Haus und mich geleistet 4at. (gez.) Wilhelm.“
Bei der Witwe des versiorbenen früheren Minister—
präsidenten Freiherrn von Mittnacht ist, dem „Schwävb.
Merkur“ zufolge, folgendes Telegramu des Kaifers
eingelaufen: Tie Nachricht von dem Hinscheiden Ihres
Hatten hat mich mit herzlicher Teilnahme erfüllt, und ich
preche Ihnen und den Ihrigen zu dem schweren Ver—
uste mein wärmstes Beileid aus. Der großen Verdienste
des Entschlafenen um das deutsche Vaterland werde ich
tets gern und danlbar gedenken. (gez.) Wilhelm, J. R
Oesterreich⸗ Uugarn.
*In Agram wurde der Journalist August Schlie—
gel verhaftet, angeblich, weil er an Professor Masaryk
in Prag ein Telegramm schickte, in dem die Vehauptung
ufgestellt war, die im Agramer Hochverrats-Prozeß ge—
ladenen Zeugen seien von der Regierung gedungen.
*Anlaßlich der Anlunft des Monarchen in Buda—
pest planen die Sozialisten eine Kundgebung für
das allgemeine, aleiche und geheime Wahlrecht.
Serbien.
»König Peter hat dem Minisierium Mitteilung ge—
nacht, daß der ehemalige Kronprinz Georg sich
seweigert habe, die angekündigte Reise nach Engländ an—
utreten. und babe enerdisch verlanat. das Minifterium
noge das von Patschisch gegebene Versprechen eintge
und ihm sofort, um seine Schulden bezahlen zu koͤnnen
die eine Million Franks einhändigen. Wenn er die Mil
ion nicht unverzüglich erhalte, werde er sich nach Nisch
»egeben. Die Ofsiziere der dortigen Garnison hätlen ihn
wiederholt aufgesordert. einen Staausstreisch zu in—
zenieren.
*Die Skupschtina nahm die serbischmorwegische
handelsdeklaranon in zweiter Lesung an Nach Erledig—
ang der Tagesordnung wurde die Sossiceu der Skupsch⸗
ina hierauf durch einen Ukas des Köntas qrichlosseiu.

Die Reichsfinanzreforin.
Der Gesamtvorstand des Wahlverein: der Liberalen
(Freisinnigen Vereinigung), verstärkt durch die Abgeord—
neten der Partei im Reichstage und Preußischen Land—
tage, hielt im Reichsstagsgebäude eine aus allen Teilen
des Resches besuchte Sitzung ab, in der zur gegenwärti—
jen politischen Lage Stellung genommen wurde. Die
Konserenz brachte die Stellungnahme der Partei in der
sRteichs finanzfrage und in der Beurteilung der gesamien
politischen Situation zum Ausdruck. Nach lebhaften und
eingehenden Besprechungen wurde einstimmung die fol—
gjende Resfohution Gothein⸗-Pachnicke ange—
nonimen:
„Der Vorstand des Wahlvereins der Liberalen hält
n Uebereinstimmung mit der parlamentarischen Vertretung
her Partei das Zuslandekommen einer gründlichen Reichs
inanzreform im nationalen Interesse für notwendig. Eine
Mitarbeit des Freisinns ist indes nur möglich, wenn eine
ausreichende Besseuerung der Erbschaften erfolzt. Lehn
die konservative Partei diese allgemeine Belastung des
Besitzes ab, daunn trifft sie die Schuld am Scheitern der
Reform. Eine Wertzuwachssteuer auf Immobilien kaun
als Ersatz für in Wegfall kommende indirekte Steuern
dienen, nicht aber als Ersatz für die Erbschaftssteuer. —
Eine endgultige und dauernde Regelung der Finanzver—
hälinisse des Reiches ist nur durch eine Ablehr von draca

Irma
„Ix zlbeisie nicht im geringsten an deinem Ersolge,“
—R
ich im Atelier Dante weiterlese. Und ich bin ganz entzückt,
daß du endlich den Lohn für dein fleißiges Studisum und
dein langes Warten erhalten sollst. Aber ich wünschte
wirklich, du dächtest nicht so viel an die geschäftliche Seite
don allem — an Geld, und an das, was du durch Geld
erlangen kannst.“
„Woran sollte ich denn denken?“ fragte Camilla halb
nitleidig. Sie warf sich in den kleinen Stuhl, der am
Fenster stand. „Ich bin keine Träumerin, — das weißt
du. Wenn ich an deiner Stelle wäre, qua fui! würde ich
den Schleter nehmen und sofort in ein Kloster gehen. Aber
in der Welt zu leben und sich nicht alles Schoͤne in der
Welt zu wünschen, — ich frage dich, wie ist das moͤglichẽ
„Es mag vielleicht unmöglich scheinen“, entgegnete Ir—
ma. „Aber es gibt ein höheres und ein niederes Ziel:
wvir können dazwischen wählen. Und das herrliche Talent
die Macht eines Künstlers blos zum Verdienen zu gebrau—
hen, das ist entschieden ein sehr niedriges KRiel. Mein
Vater sagt —“
„O ich kenne seine Ansichten darüber“, unterbrach sie
Tamilla; „ich weiß zur Genüge, waser davon denkt. Man
oll stets das Beste tun, und wenn der Lohn dann kommt,
ann istt es sehr schön und gut, und wenn er nicht kommt,
dann ist es auch sehr gut. Das mag für ihn passen; denn
enigegen den meisten Leuten, die andern predigen wollen,
ibt er auch selbst das, was er predigt. Aber folches ven
allen Menschen verlangen, ist eben zu viel verlangt und be—
sonders von mir. In mir ist nun einmal nichts Ideales;
ch bin praktisch bis in die Fingerspiten. Ich weiß aus
Erfahrung, daß die Welt sich beugt, um das Geld anzu⸗
heten. Nun, ich habe hier etwas — sie deutet auf ihre
dehle — das sie zwingen kann. ihr Geld mir zu Züßen

igrarisch-yochschutzzöllnertschen Wertschaflsportut und ditr
ẽinführung quotisierbarer direkter Reichssteuern zu er
eichen. Bei dem Ernst der politischen Lage ist mit der
Nöglichkeit einer Reichssstagsauflösung zu rechnen. Unsere
Irganisationen werden deshalb aufgefordert, in die Vor—
ereitungen zum Wahlkanmmwiü ichleuntgft einzutretoöm“

*— * 9 ⸗ *
Hof und Gefsellschaft.
*Die Abfahrt des Kaiserpaares von Korsu
nach Malta ist auf den 9. Mai vormittags sestgesetzi. Tie
Ankunst in Walia erfolgt am 10. Mai inorgens9 Uhr.
»ie Abfahrt von Matta nach Brindist am 11. Mai. —
Wie aus Brindisi gemeldet wird, soil der Kaiser nach der
Entrevue in Brindisi auch nach Bari gehen und von dor
das Schloß Casieldemonte boesuchen.
** Die Ankunst König Eduards in Paris wird
nüchsten Mittwoch erwartei. Der König wird sehr waht
scheinlich bis Sonnahend in Paris verbleiben
— —
Erzbischof von Stein P.
Muünchen, 4. Mai. Erzbischof von Stein
st heute Vormittag 10. 418 Uhr verschieden. Am Sterbe—
ett war das ganze Domkapitel mit dem Abt von St
zonifaz versammert.
Dr. Franz Joseph von Stein, geboren am 4. April
832 in Auorbach, Untersranslen, einpsing 1855 die Wei—
yen und wurde 1865 zum außerordentlichen und 1871 zuui
ordentlichen Prosessor für Moraltheologie an der Univer—
sität Würzburg ernannt. 1878 ersolgie seine Ernennung
zum Bischof von Würzburg und 1897 folgte er Antoniusẽ
»on whoma auf dem erzbischöslichen Stuhle von Mün
hen⸗Freising. Seit dem 16. September 1887 war Dr. v.
Stein Reichsrüut der Krone Bayerns. Seine Milde und
zurücktza ning besonders in politischen Angelegenheiten ge—
nannen ihnn die Sympathien der Bepätlkerung

Die Ereignisie in der Türkei.
zonstantinopel, 4. Mai. Die türlische Krisis
scheint noch nicht beendet zu sein; es werden neue Um
välzungen erwartet. Man halt eine gerichtliche Abur—
cilung Abdul Hamids für unvermeidlich, weil ihn
tark belastende Schriftstücke gefunden worden sind. Es
vird befürchtet, daß sich die Albanesen für den früheren
Zultan erllären werden. In den unterirdischen Gängen
»es Jildiz ist ein geheimes Wajffenlager entdeckt worden.
Konstantinopel, 4. Mai. Alle Mitglieder der
nohammedanischen Union werden versolgt. Die Regier—
ing besahl den Provinzbehörden, nach etwa 1000 Hod—
chas, die nach dem Thronwechsel nach Kleinasien gefüch—
et sind, zu sahnden, zu verhasten und wegen der Urhe—
»erichaft der Revolte vor das Kriegsgericht zu verweisen.
Konstanttnopel, 4. Mai. Die Kammer über—
vies die Vorlaze betrefsend einer 6prozentigen Anleihe in
döhe von 300 000 Pfund der Finanzkommission und trat
odann in die allgemeine Vorbesprechung über die Ver—
gssungsänderung ein. Von Seiten der Bulgaren und
Hriechen wurde gegen den Artikel 1 der Verfassung pro—
estiert, welcher als Staatsreligion des ottomanischen Rei—
hes den Islam angibt. Der, Bulgare Taltschew wandte
ich gegen die Institution des Senats, der in seiner jebzi—
zen Form den Rest eines absolutistischen Staates dar—
telle, und verlangte die Abschaffung des Senars oder die
Wahl seiner Mitglieder durch die Bevöllerung.
Konstantinopel, 4. Mai. In der türkischen
dammer teilte der Prasident mit, es sei ein Telegramm
»es persischen Botschafters in Konstantinopel eingegangen,
n welchem mitgeteilt wird, der Botschafter habe selbet
zie telegraphische Nachricht vom Schah empfangen, daß
»er Schath die Einberufung des Parkamen—
es anbefohlen habe. Die Verlesung des Telegramnis
var von großem Beifall begleitet; von mehreren Seiten
vurde gerufen: „Das hat unser Beispiel bewirkt!“
Uesküb, 4. Mai. Ganz Albanien mißbilligt das
Lerfahren mit dem Exfultan, dessen Würde durch das
zewaltjame Ueberführen nach seinem Saloniker Wohnorte
als verletzt zu betrachten sei. Ter gewesene Kalif müsse
einen Palast in der Haptssadt oder auf einer naden
Insel erhalten. Gegen seine Absetzung besteht kein Wi—
»erstand, doch wird die gegen ihn angewandte Behand—
ungsweise benützt, gegen die Jesormattion Opposition zu
nachen und die Aosobung des Divisionärs Djavid Pascha
zu fordern. Maßgebende Kreise befürchten Aufstände in
AUlbanien, wenn nicht rasch entsprechende Aenderungen
urchgeführt werder

Die Verfassungsändernug.
zonstantinopel, 4. Mai. Tie gestern in der
dammer zur Veratung gelangte Verfassungsrevision um—
aßt in ihren Haupppunlten folgende Bestimmungen: Der
zultan leistet unmitieibar nach der Thronbesteigung vor
em Parlament den Eid auf die Verfassung und das
SZcherigt. Er ernennt nur den Großwesir und den Scheitk
RAsSßlam Dor EGrokfßrinotix ni!dot das Kabinert, das 311

zu legen. Sol ich denn nun nicht anneymen, was man
mir gibt und meine Macht nicht gebrauchen?“
„Wenn du dich bemühst, es für höhere Zwede anzu—
venden — jal“*
„Was sind höhere Zwede? Ich fürchte, darüber gehen
insere Ansichten sehr duseinander. Ich möchte dich einmal
nit einem Vermögen sehen, um zu sehen, wie du es an—⸗
henden würdest.“
„Das wirst du nie sehen,“ sagte Irma einfach, „und
ch bin froh deshalb. Die beste Anwendung dafür wird
chwer zu finden sein und ich könnte vielleicht auch an—
angen, das Geld seiner selbst wegen zu lieben. Aber laß
ins nicht mehr davon reden, sonst könntest du denen, ich
ähme keinen Anteil an deinem Erfolge. Im Gegenteil,
ch würde alles tun, Um dir zu helfen, wenn du es nötig
ättest. J weiß, Signor Marchekli glaubt, daß die Impre—
arios sich um dich streiten werden, sobald sie deine Stim—
ie gehört haben. Wo denkt er, daß du dein Debut machen
ollst?“
„Entweder hier oder in Mailand. Sollte es in Mai—⸗
and sein, mußt du selbstveritandrich hintommen.“
Irma schrak zusammen; igre trüben Gedanken, die
e eine Weile vergessen hatte, tauchten wieder auf.
„Ach!“ erwiderte sie tief aufseufzend, „das wird nicht
nöglich sein; ich habe auch Neuigkeiten für dich, nonn auch
icht so gute. Papa und ich gehen nach Amerika.“
Camilla sprang empor, aufs hochste Uberrascht.
„Was? Ihr geht nach Amerikal Ich möine. dein
zater haßt dieses Land?“
„Das tut er auch“, antwortete Irma, ‚er geht aber
auch nicht zum Vergnügen hin. Er fühit sich nicht wohl
ind die Aerzte haben gesagt, eine Seereise würde ihm gut
un. Zudem hat ein Vetter, mit dem er früher sehr in—
im war, geschrieben, er solle ihn besuchen und so hat er
enn beschlossen, zu reisen.“
„Wann?“
Sehr bald, denke ich — so bald, wie es geht!“
„Mon Dieul“ Camillasstarrte sie an. „Ich meine die
Woest müsse einstürzen! Ach! MWas soll ich 5he din

rückireten muß, wenn die Kammer ihm ihr Wißtrauen
ausspricht. Wird die Kammer aufgelöst, so haben inner
halb drei Monate die RNeuwäahlen stattzufinden. Die Praͤ—
ꝛentiuzensur wird aufgehoben. Gegen die Verfassung oder
die Einheit des Staates gerichtete Vereinigungen sind
intersagt. Wenn die Kaummer eine Regierungsvorlage
weimal ablehnt, wird sie aufgelöst; wenn jedoch die neue
Kammer die Regierungsvorlage abermals ablehnt, so ist
dcren Eatscheicung bindend. Tie Session dauert'6 Mo—
aate. Ter Senat besteht aus 45 Matgliedern, von denen
»in Drittel vom Sultan ernannt, die übrigen von der
kammer gewahlt werden und zwar sämtlich für neun
Fahre. Die Senatssitzungen sind öfsentlich. Das Recht
des Sultans, staatsgefährliche Versonen in die Verbanm
ing a4zu ichicken. wird Anfgeheben

Vermischtes.
Giftige Primeln. Man schreibt mit Vezug auf ei—
nen Artikel, in dem vor den VPrimeln gewarnt wurde,
den „M. N. M.“ solgendes: Vielleicht ist es von weite
rem Juteresse, wenn ich aus eigener Erfahrung bestätige,
wie gefährlich die Pflege dieser so beliebten und schönen
Blume sein kann. Im Herbst des vorvorigen Jahres
erkrankten meine Hände und mein Gesicht samt den Au—
den: sie waren mit aroßen und kleinen wasisergefüllsten
Klasen bedeckt, die wohr heilten, aber nur für höchsten?
weil Tage, dann wieder schnett entstanden und mir ser
zroße Pein bereiteten. Die zu Rat gezogenen Aerzte wuß—
en zur mit Salhen usw. nicht zu helfen; ich war schon
zanz verzweifelt und litt an Appetitlosigkeit und Schlaf
asißgleit, denn in der Bettiwärme wurde das Brennen unß
Jucken sast unerträglich. Nach vier Mongten wechselte ich
abermals den Arzt und dieser erklärte sofort, es müßte
etwas Giftiges in meinen Zimmern sein; er suchte nach
und fand die befonders üppig gediehene Chinesische Bri
mel mit ihren lila Blüten, in der er den Krankheitser—
eger vermutete. Zur Probe mußte ich die eine gerade
geheilte Hand niit der Pflanze in Berührung bringen,
und nach zwei Stunden war sie wieder mit den Ausichlä—
zen bedeckt.
Die Schnelligkeit der Schwalben. Ein Antwer—
»cner Bürger hat kürzürch ein interessantes Erperintent ge—
nacht, durch das die ganz außerordentliche Schnelligteit
»er Schwalben erwiesen wurde. Es gelang ihm, eine
Zchwalbe zu fangen, die ier Nest unter dem Vach seines
dauses hatte; er machte sie durch einen roten Farbenfleck
aanntlich und sandte sie dann mit einem Schnellzug nach
Sympiegne, der 250 Brieftauben mitnahm. Am nächsten
Moöorgen wurde die Schwalbe um 7 Uhr 15 Rimmuen zu
zleich mit den Tauben aufgelassen, und schnell wie der
Blitz nahm sie die Richtung nach Norden, während die
Tauben erst längere Zeit kreisend die Richtung nach ihrer
Heimstätte suchten Um 8 Uhr 22 Minuten erreichte der
Frühtingsbote wieder sein Nest in Antwerpen. Die ersten
Tauben kamen drei Stunden später an. Die Schwaälbe
hatte 235 Kilometer in 41 Stunde 7 Minuten, also 207
Kilometer in der Stunde zurückgelegt, während die Tau—
hen es kaum 57 Kilometer in der Sinnde brachten

Kunst und Wissenscehaft.
(1) Sehstörnngen durch übermäßigen Kaffeegennuß
Von den Giften, die auf die Sehnerven eine schäd eiche
Wirkung ausüben, sind der Alkohol und der Tabak die
wichtigsien. Aber auch der Kaffee kann solche Schädigun—
gen hervorrusen. Professor Widmark in Stockholm har
einige hierher gehörige, recht merkwürdige Fälle beob—
achtet. Eine 32jährige Frau litt seit einem halben Jahre
an abnehmbarer Sehkraft. Sie gab an, viel Kaffee ge—
trunken, ja hauptsächlich von Kaffee gelebt zu khaben.
Das Séhvermögen besserte sich, als sie den Kaffeegenuß
bis auf zwei Tassen täglich einschränkte. Auch ein ame—
rikanischer Arzt hat ähnliche Beobachtungen gemacht. Bei
einer Schneiderin, deren Sehvermögen in den letzten drei
Monaten abgenommen haͤtte, die an Appetitlosigkett und
Nervenerregbarkeit litt, wurde festgestellt, daß sie täglich
10-12 Tassen Kaffee trank. Als sie sich jeglichen Kaffee
genusses enthielt, besserte sich ihr Sehvermögen rasch.
kine andere Dame pflagte starken Kaffee in sehr großer
Menge zu trinken. Der Kaffeekessel sitand den ganzen Tag
auf dem Feuer und sie mußite oft Kaffee trinken, um sich
aufrecht zu halten. Auch hier war das Sehvermögen be
beutond herabgesetzt. Kaffeetrinker in Ländern, wo Kaffsee
in kolossaler Menge getrunken wird, sollen nicht sebhter
infolge von Sehnervenschwund vollftändig blind werden
Auch Sehstörungen nach übermäßigem Teegenuß sind ve—
obachtet worden, so bei einem Manne, der täglich 12
Tassen Tee trank. Als ihm Tee verboten. Tabak und
Bier dagegen erlaubt wurde, trat eine bedeutende Besser—
ung ein und die Sehschärfe, die vorher nur ein Zwan—
zigstel der normalen betragen hatte, stieg bald auf zwe
Drittel; es kann sich in allen diesen Fäͤllen demnach nur
um funkäonelle Störungen der Sehnerven gehandelt haben

deinen lieben Bater ansangene Und wenn du sort vist,
wer wird denn Zeuge von meinem Erfolge sein und sich
über meine Triumphe freuen?“
„Tout le monde“, sagte Irma lächelnd, „und beson
ders der Maestrol“
„Als ob tout le monde und der Maestro zusammen—
gencemmen mich über die Abwesenheit des einzigen Wesens
das ich liebe und das mich liebt, trösten tönnten! Wann
wirst du zurückkommen?“
„Ich weiß es nicht; das hängt ganz von Papas Ge—
sundheit ab.“ Trotz ihrer Vorsätze erfüllte wieder eine
ploͤtzliche Angst Irmas Seele, eine Angst, die sie ver—
zebens zu bannen suchte.
„Aber ich wundere mich, daß dein Vater krant sein
soll. Ich hielt ihn immer für ganz gesund.“
„Das tat ich auch — bis gestern abend. Da hatte
er plötzlich, während wir uns unterhielten, einen Anfall
— o Camilla, ich dachte, er würde mir unter den Händen
sterben! Als er sich wieder erhelt hatte, sagte er mir, daß
er einen Arzt beftagt habe, und daß er sehr krant sei, auch
uus diesem Grunde die Seereise unternehmen wolle, da di,
Aerzte ihm dieselbe als sehr heilsam empfohlen hätten. Mein
Hderz stand fast still als ich dies hörte und wie ein Blitz
urchzukte mich der Gedanke, daß Gott ihn mir gewiß bald
nehmen würde. Doch ich will meine Angst bekämpfen und
das Beste ven guter Pflege hoffen. Aber die ganze Zeit
über ist es, als ob ein Wurm an meiner Seele fräße; ich
weiß es, daß es die Angst ist — die Anagit veor dem
Schlimmsten —“
„Nein, nein!“ rief Camilla aufspringend aus und
schlang ihre Arme um Irmas Hals, „du darsfst dich nich:
dieser Angst hingeben — du mußt Hoffnung und Mu
haben. O, es kann nicht gefährlich seinl Gott kann ihn
nicht zu sich rufen, da er doch dein ein und alles auf der
Welt ist!“
Alles das, was Irma kurze Zeit vorher sich selbst ge
sagt hatte, vernahm sie jetzt von den Lippen einer Ande—
ren; aber es schien ihr die traurige Wahrheit zu, daß kein—
            
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