Nummer 103.
Tel.oo, 259, 269 un 1261.
Mittwoch, den 5. Mai 1909. Z euungeliste 501
2 Jahrgang.
2
Mit Reilagen: „Belletristische Wochenschrift“ und
„FEuslsige Rlätfer“
⸗
aAllgemetner KAnzeiger für den Rürgermeistereibezit
PDudweiler.
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Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterteller
in Duͤdweiler
Hie „Dudweiler Zenung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn⸗
und Feiertage
Amrrw
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Eine falsche Ansicht.
Freiwilliger Eintritt in die Armee oder Marine.
LDas Ersatzgeschäft ist beendet, und mancher von den
ukünstigen Retruten wird mit der ihm gewordenen Eunt—
coeidung nicht zufrieden sein, weil sie seinen innern Wün—
chen nicht entipricht. Es ist nicht eben seiten, sondern
ommt öfter vor, als man glaubt, daß tauglich befundene
Leute nun mit der Bitte hervortreten, nicht nur zu einer
destimmten Wafie, sondern auch für ein bestimmies Regi—
nent angesetzt zu werden; sie gehen eben von der irrigen
ind vielsach verbreiteten Ansicht aus, daß sie bei der Mu—
terung oder Aushebung besondere Wünsche gettend ma—
hen können, aber das ist ein großer Irrtum, denn d'e
Diufterungs- und Aushebungskommissionen haben keines—
vegs freie Hand, sondern sind vielmehr an ganz bestimmte
Vorschrisften gebunden. Sie heben keineswegs für di—e
zjanze Arnice aus, sondern nur für einen kleinen Teil und
eAbst bei diesem nur eine festgesetzte Zahl, die nicht über—
chrittein werden darf; also selbst wenn der Militärvor—
ihende noch so gern der Bitte eines Ausgehobenen Ge—
jör schenken wollte, er kann es nur in den seltensten
Fällen, weil er entweder für die betrefsende Wasse oder
»as betressende Regiment überhaupt nicht Ersatz zu ge—
icllen hat, oder weil die Zahl bereits erreicht ist
Dorum ist es wohl manchem erwünseht, wenn das
inmal ausgesprochen wird, und zwar gleichzeilig unter
ent Hinweis, daß jeder junge Rann vom 17. Lebens—
ahr an bis zum 31. März desjenigen Jabres, in wel—
em er das 20. Lebensjahr — also das militärpflichtige
dliter — erreicht, das diecht hat, freiwitlig cinzutreten und
ihh daun de Wafsengckiung und das Regiment wählen
u dürsen. Wer freiwillig zu zwei-, drei- oder vierjäh—
igßem aktiven Dienst in das Heer oder in die Marine
der auch zu fünf- oder sechsjährigem aktiven Dienst in
blere einrreten will, hat die Erlaubnis zur Meldung bei
em Zivilvorstzenden der Ersablkommission seines Aufent—
aillsortes, das ist bei Landkreisen der Landrat, bei den
ztadttreisen der Bürgermeister oder der Polizeipräsident,
iach:nsuchen. Dießem Antrag müssen folgende Bescheinigingen
angefügt werden: 1., die Einwilligung des Vaters
»der des Vormundes, 2., ein obrigleitsiches Attest, daß
zer sich zum freiwilligen Dienst Meldende durch Zivil—
zerhälrnisse nicht aebunden ist und sich untadellott ge—
ührt har.
Anuf Grund dieser Papiere erhält dann der Bittsteller
inen Meldeschein, der aber immer nur bis zum 1. April
vültigleit hat, also gegebenenfalls der Erneuerung be—
arf. Dabei ist aber zu beachten, daß alle die, die schon
m militärpflichtigen Alter stehen, bis zur Veendigung des
lushebunzsgeschaftes, und, fails sie überzählig bleiben,
is zunr 1. Februar des nächsten Jahres zur Verfügung
»er Ober-Ersatzkommission stehen, es sei denn, daß diese
muf Antrag eines Truppenteils die Genehmigung zur Er—
eilung eines Meldescheins gibt. Der Genehmigung der
Aber⸗Ersatzkommission bedarf es serner, wenn ein Trup—
en⸗ oder Marineteil in der Zeit vom 1. Febrnar bis
um 31. März eines Jahres einen Miilitärpflichtigen an—
ehnten will. der im Besitß eines aqültigen Meldescheinee
ich verindet, aber in der angegevenen Zeit desselben
Jahres als tauglich vorgemustert ist. Die Militärpflichti—
zen, die sich im Wusterungstermin freiwiltig melden, ha—
yen nicht das Nnecht. sich den Truppen- oder Marineteil,
ioch die Waffengattung zu wähllen, sie verzichten nur auf
die Vorteile der Rrsnuimmer und werden in erster Lini—
eingestelt.
Vielfach haben die Söhne den Wunsch, bvei demsel—
hen Regiment zu dienen, in dem der Valer seiner staats—
hürgerlichen Ehreupflicht genngt hat, oft sieht es auch der
etztere gern, daß der Sohn dieselbe Unisorm trägt, die
hn einst schmückte, oder ein Bruder möchte dem älteren
solgen; allen denen sei es gesagt, daß sie nur dann mit
iniger Sicherheit auf Erfüllung ihres Wunsches rechnen
önnen, wenn die Weldung zum freiwilligen Tienst vor
Heginn des Militärdienstpflichtalters erfolgt
— — —
DTieser unfug fuhrr nim dazu, daß statt ernster Jon.
nalisten, die sich ihrer geselischafttich'in und politische:
Verantwortlichkeit bewußt sind, fast nur die blutigsten Re
porter und Rechercheure hinausgesandt werden, wenn ir
gendwo weltbewegende Ereian'sse sich abspielen, und ein«
weitere Folge davon isn, daß man Juterviews zu lesen
bekommt, die vom ersten vis zum letzten Wort erfunden
und gefälscht sind. Leider hat die von den Skandalblä—
tern gezüchtete Sensatiouslust solche Fälschungen auch bei
uns in Deutschland schon eingesührt. Ter draußen arbei
sende Reporter ist weniger schuld daran, als die Redak—
ihnen, die ihn antreiben, durch Sendung von Interviews
ꝛiwas für die Blätter zu „leisten“. Ter Mann gerät ir
Verzweiflung. er weiß sich schließlich nicht anders zu hel
sen und — nmacht Interviews, die wemals stattgesunden
zaben. So hat z. B ein Berlhiner Blatt vor einigen Wo—
hen ein Interview mit dem Kronprinzen Georg von Ser—
bien veröffentlicht. Das Jnterview wär gefaͤlscht. Es wan
yon einem rumänischen Journalisten ersunden imd von
ihm an verschiedene Mitarbeiter auswärtiger Blätter (da—
runter auch an einen Eugländer) gegen bares Geld ver
kauft worden. Ein anderes Blatt brachte ein Interview
mit dem Sultan Mohamnied 5., worauf ein Konstamind—
peler Mitarbeiter eines Konkurrenzblattes sich von hohen
türkischen Würdenträgern zu der Erklaärung ermächtigen
läßt, daß auch dieses Interview „absolut erfunden“
jei. So ergäbe sich die beichämende Tatsache, daß der
Jute NRame der deutschen Journalistik durch solche Art des
Arbeitens einz starke Beeinträchtigung erleidet
— —W 5*. *
Volitische Rundschan.
Deutsches Reich.
wDer wieder zusammengetretene Seniorenkon—
Rent des eichsstages will dem Plenum vorschlagen, im
Lause dieser Woche keine Sitzuug mehr abzuhalten, um
»ie Finanzkommission in ihrenn Wunsche zu unterstüben
hre Arbeiten möglichst abzuschließen.
*Ein Gesetzentwurf betr. die Gebühren der Medi
zinalbeamten ist dem vreußischen Abgeordneten
ciuse zugegangen.
*WIn einer in Karlsruhe abgehaltenen gemeinsa
nen Versammlung der Demolraten, Freisinnigen und Ra—
tionalsozialen behandelte Korel'l Ddie Finanzreform
ind die politische Lage unter sehr starkem Beifall. Er
etente, trotz seiner Erlebnisse im hessischen Wahlkampfe,
nit den Nationalliberalen würden, wenn es von deren
Seite möglich sei, die Linksliberalen selbstverständlich in
taltischer Gemeinschaft bleiben, und warnte die badischen
Nationalliberalen unter Bezug auf eine kürzliche Aeußer
ung Oblirchers davor, den Bund der Landwirte für un
gefährlich zu halten, zumal die Gemeinschaft mit dem
Bund die Naltionalliberalen unzweifelhaft auch in die
Arme des Zentrums führe, wie die hessischen Erfahrun—
gen gezeigt hätten. Bedauerlich sei, daß Bassermann die
Mitteilung des sozialdemolratischen Abgeordneten Frant
bisher nicht dementierte, wonach Bassermann schon vor
den letzten Reichstagswahlen ein allgemeines Bündnis
der Nationalliberalen mit dew Zentrum durch das ganz—
Reich vorgeschlagen habe,
X * *
Interview-Unfug.
Ten Interview-Unsug deutscher Blätter geißelt die
‚Vossische Zeitung“ wie folgt:
„Ein Journalist, der denkt, braucht keine Interviews.
Sin Interview ist in den weitaus meisten Fällen nichts
inderes, als die Verlegung des Schwerpunktes der jour—
ialistischen Arbeit vom Kopfe bis in die Beine. Eine
Persönlichkeit des öfsentlichen Lebens, die ein ernstes und
lores Ziel verfolgt, braucht keine Interviews zu gewäh⸗
en. Die Taten und Werke sollten für sie sprechen Wenn
in Dichter, MRaler, Musiler einen Kommentär zu seinen
Leissungen zu geben sich bemüht, ist die Sache schon ver
»ächtig. Aehnlich stethzt es mit dem Politiker und Diplo—
maten. Zumeist spricht aber die liebe Eitelkeit mit, von
der, wie es heißt, auch Politliker und Diplomaten nicht
rei sein sollen.
Ausnahmefälle wird jedermann gelten lassen. Es kann
ich ereignen, daß ein leitender Staatsmann aus gewich
igen Gründen die Form des Interviews wählt, um —
venn gerade kein anderes Wittel vorhanden ist — seine
Auffassung oder seine Absicht in einer bestimmten Frage
nit möalichiteen Schnelligkeit belannt zu geben. Tie Welt
»elkommit dann nicht ein „gemachtes“, sondern ein „be⸗
telltes“ Interview. Auch ist selbswerständlich gegen in—
ormative Unterredungen —8 onznwenden, sofern sie
nicht zu marktschreierischen Zutervien s ausgenützt werden.
Erst in allerjüngster Zeun ist das Juterview auch bei
ins in Deutschland zu Blüte gelangt Sensationsblaätter,
die einander im Konde kampf zu erdieten trachten,
zahen seine Pflege Ube nmen Mitarbeiter wird
zusgeschicht, nicht eiwa, »u den Lehern ein zutreffendes
ßild von den Erecignissen zu geben, sondern zu dein aus
efsprochenen Zwecke, moglichsi viel Personen von Rang
nit Fragen zu belästigen, damit das Biatt die Gespräche
röfsentlichen könne. Der ausgesandte Journalist wird
on der Redaltion aus mit Telegtaninien bombardiert, er
aAle unter atlen Umsänden darnaiz dachten, diese oder
ene Personlichteit zu einem Anterview heranzuziehen.
welche Nittel und Wege en waählt, um zu diesem Ziel
ungricangen, bleibt ihm Üüberlafsen, ja vietfach wird ker
on seinen Auftrangebern um so mehr geschäht, je iükru—
elteser die Bettel sind. déren er sict 6cdient
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