suchen von Schisf zu Schiff vegnugen. Fur die ðetse
wverden bereits Vorbereitungen getrogen
— guteue ai ιιO OL—-Vreußischer
Landtaa.
Abgeordnetenhaus.
Die Beratung des Kultusetats wird beit dem
dapitel „Medizinalwesen“ fortgesetzt. Das Kapitel „Me—
»izinalwesen“ wird bewilligt. Es folgen die einmali—
gen und außerordentlichen Ausgaben und die Beratung
des Kapitels „Universitaͤten““ wobei der Abg. Fried
erg(natl.) eine längere Rede über die Rechtslage der
Professpren halt
Herrenhaus.
Das Herrenhaus erledigte zunächst das Mantelge
ssentz und die auf Antrag aus dem Hause wieder her⸗
gestellte Wohnungsgeldzulage. Sodann wurde nach kur—
zer Beratung der zurückgestlellte Paragraph des Lehrer⸗
besoldungsgesetzes dieses Gesetz in der Gesamtabstimmung
nach den Beichlüssen der Kommisston angenommen.
Aus der Finanzkommission.
Die Wertzuwachssteuer.
Berbin, 30. April. Nachdem die Finanzkommuis—
siion des Reichstages heute Nachmittag die Debalte über
die vorliegenden Antraͤge fortgesetzt hatte, wurde gegen
ß Uhr die Verhandlung auf morgen vertagt, ohne daß
z8 zur Abstimmung gekommen ist.
Berlin, 1. Mai.
der konservative Autrag abgelehnt.
Die Finanzkommission des Reichsstags ist nunmehr
zur Abstimmung gekommen, und das Ergebnis ist, daß
der Antrag der Wirtschaftlichen Vereinigung auf Ausar—
beitung einer Wertzuwachssteuer auf Immobiien einstim—
mig und der Antrag derselben Partei, wonach die Re—
zierung die Ausarbeitung einer Wertzuwachssteuer auf
dewegliches Kapitalvermögen erwägen soll, mit großer
Mehrheit angenommen wurde. Alle übrigen Auträge
vurden abgelehnt. Der konservative Antrag, der eine
Wertzuwachssteuer auf Immobilien und Wertpapiere for—
dert, wurde gegen die Stimmen des Zentrums, der Kon—
tervativen und der Polen mit Stimmengleichheit (14 zu
14) abgelehnt, da die Sozialdemokraten sich nicht der
Stimme enthielten, sondern ebensalls dagegen stimmten.
Der freisinnige Antrag Wiemer, der eine Besteuerung der
Erbansälle an Teszendenten und Ehegatten verlangt, ist
mit 14 gegen 14 Stimmen abzelehnt worden, der zweite
Teil, der eine progressive Vermögenssteuer verlangt, mit
16 gegen 12 Stimmen, der nationalliberale Antrag, der
eine Erbanfallsteuer für Deszendenten und Ehegatten, so—
wie für den Fall, daß dadurch 100 Miillionen nicht ein—
loömmen, für den Rest eine Wertzuwachssteuer auf Immo—
bilien verlangt, wurde ebenfalls abgelehnt, und ebenso
der sozialdemokratische Antraa gegen die Stimmen der
Antragsteller.
Bevor es zur Abstimmung kam, ergab sich noch eine
mehrstündige Debatte über die Möglichkeit und Ertrags—
fähigkeit der Wertzuwachssteuer, und zwischendurch gingen
parteipolemische Auseinandersetzungen der Rechten und
des Zentrums gegen die Linke. Der Abg. Herold (83.)
brachte den alten Kompromißantrag des Zentrums in
Erinnerung und sagte voraus, daß das Zentrum bei ei—
ner Auflösung des Reichsstags zehn Mandate gewinnen
verde. Der konservative Freiherr von Richthofen erklärte,
daß seine Partei bereits am 4. Februar erklärt habe, daß
die Konservativen für eine Ausdehnung der Erbschafes—
teuer auf Kinder und Ehegatten niemals zu haben fein
werden. Andererseits wollen die Konservativen nicht über
die indirekten Steuerr abstimmen, bevor nicht die Ent—
würfe für andere Besitzsteuern vorliegen, daher ihr An—
trag. Ein Pole erklaärte, daß seine Fraktion für den
onservativen Antrag stimme und die Erbanfallsteuer, bei
der die Regierung jedem Leichenwagen nachlaufen müsse,
ablehne. — An die Abstimmung schloß sich eine längere
Geschaftsordnungsdebatte darüber, ob der zweite Teil
Antrags der Wirtschaftlichen Vereinigung, der die Form
einer Resolution hat, in das Plenum gebracht werden
müsse. Die Nauonalliberalen, Freisinnigen und Sozial—
demokraten verlangten es, während Konservative und Zen⸗
teum widersprachen. Es wurde beschlossen, diese Resolu—
tion nicht in das Plenum zu bringen.
Die Abgg. Weber (natl.) und Wiemer (reis.) erkär—
en dann, vor der weiteren Beratung die Stetlung ihrer
Fraltion zu der völlig veränderten politischen Stellung
seststellen zu müssen. Ein sozialdemokratifscher Antrag
nunnmehr sofort in die zweite Lesung der Erbschaftssteuer—
gesetze einzutreten, wurde gegen die Stimmen der Natic—
nalliberalen, der Freisinnigen und Sozialdemokraten al—
gelehnt. Hierauf vertagte sich die Kommission bis näch—
sten Dienstag, wo das Branntweinsteuergesetz weiter be—⸗
raten werden soll. Die Kommission will den Senioren
konvent ersuchen, daß ihr die ganze nächste Woche zur Be—
ratuna freigegebes werde.
— eine plötzliche Erleuchtung, ein Uares
Verstehen, kam uͤber das nge Mädchen, das blassen Ant—
litzes neben ihm kniete. Sie wußte, daß er versuchte, sie
zu täuschen, — das die Gefahr größer war, als er gesagt
hatte; daß seine Ausrede die selbstlose Sorge um sein
Kind verriet. Aber mit unglaublicher Kraft drückte sie
diese Empfindungen und die Angst nieder, die ihr Herz
zxfüllte. Seine Worte: „Rege mich nicht auf, oder es kang
wiederkommen“, klangen noch in ihren Ohren.
Sie wußte nie, woher sie die Kraft zu dieser Selbst⸗
beherrschung genommen hatte; wie sie es fertig brachte,
nach einer Pause von einigen Sekunden, die ihr endlos
borlamen, mit ruhiger Stimime zu sagen: Ja, ich ver—
se es jetzt. Aber Du hättest es mir eher sagen sollen,
ann hätte ich Dich nicht ersi mit meinen törichten Sa—
chen beunruhigt. Wir wollen es einrichten, daß wir so—
fort reisen kͤnnen, nicht wahr? Hoffentlich wird die See—
reise Dir recht gut tun und ich werde dafür sorgen, daß
Dich nichts mehr aufregt und beunruhiat!
D.
Daß Irma sogleich nach Norberts Liebeserklärung die
Wahrheit über den Zustand ihres Vaters erfahren haätte,
war für ersteren sehr ungünstig. Ihr ganzes Interesse hatte
sie jetzt dem Vater zugewandt und ließ sie alles andere
vergessen. Unter gewöhnlichen Umständen wäre es natür—
lich gewesen, daß sie über die ersten Liebesworte, die sie
bernommen, den ersten Blick, den sie in eine andere Seele
getan, nachgedacht hätte und wer weiß, was dann aus
diesem Grübeln entstanden wäre? Die Liebe verschafft sich
zuf die verschiedenste Art Eingang in das menschliche Herz;
ie nimmt es nicht immer mit Slurm, sondern schleicht sich
auch oft unter den mannigfaltigsten Gestalten ein und tri—
umphiert dann plötzlich als Herrin desselben. So hätte
es auch in diesem Falle sein können; denn vieles sprach
zu ihren Gunsten, hätte das Schicksal nicht eingegriffen
und das junge Mädchen in derselben Stunde, wo die Liebe
an sein Herz herantrat, erfahren, daß der Vater dem
Tode versallen sei. Jetzt wurde über dem lehten Freig⸗
nisse alles andere vergessen; denn die Liebe zwischen Va—
ler und Tochter war von seltener Macht uend Inmigkeit, ja
don leidenichaftlicher Anhänglichkeit. Seit dem Tode der
Uitttexr warren sfie cinandar les asvesen. Seder inre*
Das freudige Ereignis in Holland.
Haag, 4. Mai.
Das neugeborene Mädchen ist blond mit bvlauen
Augen. Die Königin ruht in einem einfachen, stillen
ind geräumigen Zimmer des Palastes Sie verlangt des
fteren nach ihrem Kinde. Ihr Befinden ist fortdauernd
zJut Aus die onigin-Mutter, die mit einer Pflegerin ge—
neinsam persönsich das Kind versorgt, vor 12 Uhr auf
urze Zeit den Palast verließ, brachte ihr die Menge eine
Lsche, lanzcudauernde Ovation dar. Wie angeruͤndigt.
ogen Herolde und Posaunenbläser in altholländischer
Tracht umher, was das Publikum zu siets wiederhoiten
zubelrnfen veranlaßte. Die Straßen füllen sich mit Wen—
chen, und vor dem Palast stehen Tausende, die der An—
sahrt der glückwünschenden Peisönlichkeiten zuschauen. Aus
ahen Städten des Landes komnen Meldungen über Be—
geisterungsäußerungen, wie sie Holrland seit Errichaung des
königreiches nicht geschen hat, uͤnd die selbst den Enthu—
iasmus während der Krönungstage der Königin Wilhel—
nina bei weitem übertreffen. In Amsterdam gerieten die
zesucher der Börse in die ausgelassenste Stimmung, die
elbst die alten, sonst so außerordentlich reservierten und
teifen holländischen Handelsherren in ihren Strudel zog.
MNan holte Musikanten in die Borsenhalle und begann zu
unzen, Feuerwerkstörper mitten im Saale abzubrennen,
u jubeln und zu singen und die tollsien Allotria zu trei—
»en. Niemals hat man auf der wohigesitieten Amfierda
ner Börse etwas Derartiges erlebt
Haag, 1. Mai. ((Amtliches Bulletin.) Das
Befinden der Königin und der Prinzessin ist vollkommen
efriedigend. Die Nacht ist sehr ruhig verlaufen. gez.
Brofessor Dr. Kouwer, Oi. Roessingen
Haag, 2. Mai. Die Taufe der Prinzessin findet am
O. Mai im Haag siatt, — In Holland herrscht heute ein
eftiges Schneetreiben
* Deutschlands Glückwunsch aus Anlaß der frohen
dunde aus Ho bhlaud ist sehr warm gehalten Es heißt
rin: „Dieses glückliche Ereignis erweckt auch gerade in
deutschland lebhaften und freudigen Anteil. Unser kai—
erliches und königliches Haus, mit den Oraniern seit
zhrhunderten blutsverwandt, und die deutsche Nation
egrüßen in der Geburt der Thronerbin die verheißungs⸗
nlle Aussicht auf ausdauerndes Weiterblühen eines der
uhmreichsien Geschlechter in der Geschichte Europas.“
Amsterdam, 1. Mai. Das Blati „Telegraaf“ ver—
ffentlicht ein Intervre wemit dem franzoösishen Mi—
iister des Aeußern, Pichon, welcher erklärte, daß die
Nochricht von der Geburi einer hollaändischen Priuzessin
n keinem Lande so sympathisch aufgenommen worden
ei, wie in Frankreich. Frankreich freue sich aufrichtig
iber die Sicherung der holländischen Thronfolge, welche
die Unabhängigkeit des Landes gewährleiste. Der Cha—
ralter der Koönigin Wilhelmine sei ein Unterpfand dafür,
aß auch die junge Prinzessin dereinst die Prinzipien des
dauses Oranien aufrecht erhalten werde. Pichon sprack
»en Wunsch aus, die Königin möge Gelegenheit nehmen,
Paris zu besuchen, wo ihr ein begeisterter Empfang z4u
eil würde.
Die Ereignisse in der Türkei.
Das Selamlik.
Ein Khalif der Gläubigen, der im vollen Besitz al—
'er Eigenschaften sein will, welche die Bedingungen sei—
ier Stellung ausmachen, muß am Freitag dem Mittags⸗
gebet in einer Moschee beiwohnen, die dem Volk zugaͤng—
ich ist. Und bei dem Gebet muß sein Name als Khalij
senonnt werden. Von jeher ist diese Vorschrift auf das
zeinlichste befolgt worden, Sultane, die schon im Sterben
agen, haben sich noch in die Moschee bringen lafssen und
iner ist auf dem Rückweg im Sattel gestorben. Erscheint
»er Khalif nicht, so bedeutet das für das Volk, daß er
ödlich erkrankt oder gefangen sei, sich alfo nicht mehr
neinem Zustond befinde, der die Ausübung der Reglie—
ungstätigkeit erlaubt. Sultan Abdul Hamid, der in
einenm wachsenden Mißtrauen sich immer schärfer von der
lußenwelt abschloß und nur einmal im Jahre bei der
Lerehrung des Mantels des Propheten im Alien Serai
n Stambul die Haupistadt betrat, hat unmittelbar vor
en Ringmauern vom Jildispalast eine schöne weiße Mo—
chee erbauen lassen, wo des Freitags das Gebet abge—
salten wird. Mit großem Truppenaufgebot vollzieht sich
zies Selamlik, und dann bleibt der Sutltan wieder eine
Röoche innerhalb des Palastes. Abd ül Hamid 2. ist nie⸗
nals von den Vorschriften des geistlichen Rechts für das
zelamlit abgewichen, auch in den Tagen der armenischen
luruhen erschien er in der Moschee, und als 1905 bei
ent Freitagsgebet das Bombenattentat jenacht wurde,
vurde doch nach acht Tagen die Auffahrt abgehalten. Seit
em vorigen Jahre war allerdings der Zulaß des Bol—
es von den früheren Beschränkungen und Vorsichtsmaßre—
zeln besfreit worden. Mit größter Spannung hat nman
im letzten Freitag in Konstantinopel auf den Verlauf des
Selamliks gewartet.
inpern die nedste Gesellschaft und oogui oer vater sich
ou die heftigsten Vorwürfe gemacht hatte, daß er Irma
zeständig bei sich hielt, so hälte er es doch me übers Herz
zebracht, sich von ihr zu trennen. Einmal allerdings habe
er den Vorstellungen seines alten Freundes, des Abbe
sarour nachgegeben und sie in ein Kloster geschictt Aber
ie Trennung dauerte nicht lange. Er hätte es vielleich
ertig gebracht, seinem eigenen Wunsche zu widerstehen,
ätte er sein Kind glücklich und zufrieden gewußt. Abei
Irma war unglücklich, krank vor Heimweh nach ihm und
lehte und bat so inständig, fie nicht länger zu trennen
daß er sie nach Hause holte.
Seit der Zeit war Irmas Erziehung eine sehr lücken⸗
Jafte; ihr Charakter und ihre Natur jedoch waren derart,
daß das Resultat derselben dennoch ein günstiges war. Si,
iahm allerdings täglich Stunden in einer vorzüglichen
Schule; aber die Stunden, die sie in ihres Vaters Ate—
ier zubrachte — er arbeitete und sie las ihm die großen
talienischen, französischen und englischen Klassiker vor
nd lauschte mit Entzüchen seinen Belehrungen —
varen es so recht, die am meisten ihre Erziehung för—
erten. Auch die Zusammenkünste mit den Freunden ihres
Vaters, die mit den herrlichsten Gaben ausgesiattet, sprü—⸗
senden Scharfsinn mit der Klarheit und Gelehrsamkeit der
roßen intellektuellen und künstlerischen Welt verbanden,
varen von günstigstem Einfluß auf Geist- und Charakter—
ildung Irmas. Und so war es kein Wunder, daß in
ieser Atmosphäre Irma, im Fühlen noch ganz Kind, an
berstand und Wissen den meisten Mädchen ihres Alters
norauseilte. Vielleicht hatte grade der Umstand, daß sie
venig Verkehr mit gleichalterigen Mädchen hatte, dieses
ewirkt. Denn die gewöhnlichen Plaudereien junger Mäd—
hen über Toilette, Mode, Liebeleien und dergl. blieben
hr sremd; sie kannte diese Dinge nur dem Namen nach.
In einer solchen Welt nun war Irma herangewachsen, be—
ütet von der zärtlichsten Sorgfalt ihres Vaters, der die
falwen, die dieselre in sich barg, wohl kannte. Vor⸗
dnig hatte er von seiner Bekanntschaft cder wenigstens
On dem inkimen Verkehr in feinem Hause jeden ausge—
„nn rer ihm deseselben jnig erushien OSjos.
Das erste Selamlik Mohameds 5.
Am vorletzten Freitag war das letzte Sekamlik Ab—
d'ul Hamids gewesen. Letzten Freitag fand das erste
Sclamlik Mohaueds 5. in der Sofienmoschee statt. Bei
Abdul Hamid war alles gelassen, würdig geordnet und
inposant; bei Mohamed gemütlich bürgerlich, ohne Pomp
und ohne Ordnung. Der Sultan trug mazedonische In—
fanterie Unisorm mit rotem Kragen auf Khakistoff, ohne
sedes Schnucksstüch, Orden oder dergleichen. Er lächelte
freundlich teilnahmlos, kaum war der Eingang von Osten
In die Sofienmoschee freigehalten. Von Truppen waren,
oweit erlennbar, nur die Saloniker vertreten, weder Ma—
trosen noch Lanzenreiter der alten Garnifon waren sicht—
bar. Die Kriegsschüler, Saloniker Nisams und Reiter
wurden lebhaft vom Publilum begrüßt, der Sultan mif
dent üblichen Ruf. Alles, was an Abdul Hamid erin
nerte, war beseitigt, der Hamidiehmarsch und die Orden
Alle Adjutanten erschienen ohne Achselschnüre, die den
Namenszug Abdul Hamids enthielten. Enwer Bei und
Niasi Bei, die mit dem Kriegsautomobil eintrafen, wur—
den lebhaft begrüßt. Der Sultan war mit dem Dampfer
von Dolmabagdsche nach dem alten Serai gekommen und
von dort durch die Bab i Humajun, das Kaisertor, nach
der Sosienmoschee, vorbei an dem bekannten Brunnen,
den Kaiser Wilhelm geschenkt hat. Der Zutritt zur Mo—
schee war Christen untersagt. Mit dem Sultan im Wa—
gen saß Marschall Ghasi Muchtar Pascha, dagegen wai
Tewfik Pascha unsichtbar, woraus Schlüsse auf einen Wech
fel im Großwesirrat gezogen werden. Auch Rifaad Pa
scha, der Minister des Aeußern, soll amtsmüde sein. Das
Gebet des Sultans dauerte eine Stunde, darauf fuhr er
durch das alte Serai, wie er gelommen war. Das Pu
blikum war nicht sehr zahlreich, fremde Besucher wareßn
in bemerkvarer Zahl zugegen. Der Sultan wurde auf
der Hin⸗ und Rückssahrt stürmisch bearüßt. Zwischenfälle
amen nicht Woe
1
Konstantinopel, 1. Mai. Hier und in vx
Umgebung herrscht volle Ruhe und Ordnung. Der Ge
chäftsverkehr ist ungehindert. Der Sultan empfing ge—
tern und heute den Großwesir, sowie die Piaeen des
Senates und der Kammer, zahlreiche andere hohe Wür⸗
denträger, kleinere Beamte. sowie viele frühere Bekannie,
Vermischtes
Die Toilettenverhältnisse auf dem Zeppelinschen
euftschiff. Tie Mitglieder des Staͤmmissches in Försters
dotel in Hamburg-Altona waren über die Toilcitenver
hälenisse an Bord des Zeppelinschen Lufschiffes in Mei—
nungsverschiedenheiten geralen und wandten sich daher
iurz entschlossen brieflich mit der Bitte um Auskunft hier⸗
iber au den Grafen von Zeppelin nach Friedrichshafen.
dierauf ist vom Bevollmächtigien des Graäsen, Herrn E.
Uhland, die folgende launige Autwort eingetrofsen: „Un—
ter Bezugnahme auf die an Seine Erzellenz Herrn Gra—
fen von Zeppelin gerichtete Anfrage betreffs der Toilet
tenverhältnisse an Bord des Luftschiffes teile ich Ihnen,
ohne natürlich auf eine eingehende Beschreibunz der Toi—
settenverhältnisse der Toilettenanstalt eingehen zu können,
nit, daß für die speziellen Verhältnisse besondere Ein
cichtungen und Maßregeln getroffen worden sind, so daf
die Herren des Stammtisches getrost ihre Spaziergänge
ortsetzen können, ohne mit Regenschirm oder anderen
Mitteln zum Schutze gegen Sendungen von oben audae.
rüstet sein zu mussen.“
Indianische Mutterliebe. Eine „absolut wahr
Beschichte“ von der elementaren Starke indianischer Mut
erliebe wird aus Port Arthur, Ontario, am Superior-Zee,
gemeldet. Ueber 200 Meilen nördlich von diesem
dofen entdeckte ein Trapper eine Indianerin in voll ftãn⸗
dig erschöpftem Zustande. Sie hatte eine Anzahl ihrer
Kinder mit sich und erzählte dem Trapper, daß sie und
ihre Kinder fast Hungers gestorben seien. Als sie dann
das Gewimmer der Kinder, ihren Schrei nach Nahrung,
nicht mehr länager mit anbören konnte schniit sich die un,
glückliche Mutter Fleisch aus ihrem eigenen Körper, schlu
ein Loch in das Eis des dortliegenden kleinen Sees un
benutzte ihr Fleisch als Köder an ihrer Angelschnur, und
ts gelang der Indianerin so viele Fische zu fangen, dal
deren roh genossenes Fleisch so lange hinreichte, die Kin—
der und sich selbst vor dem Hungeriode zu bewahren. In
diesem Zustande sand sie der Trapper, der sie und die
Kinder mit passender Nahrung versorgte und nach der
nächsten Ansiedlung bhrachte, wo sich die Familie, nameni—
lich die so ausopserungsfahige Mutter, mun lanasam wie⸗
der erbost
Wachsamteit hatte sich dei Norbert in gewisser Weise de
mildert, da derselbe Empfehlungen eines alten Freumdes
dus Amerika mitbrachte. Er hatte ihn liebgewonnen unh
duf ihn vertraut; ein solches tete-a⸗tete mit Irma würde
er ihm aber doch nie erlaubt haben. Und doch schlich
sich jetzt, wo er etwas ruhiger geworden, und er über di.
Enttäuschung und den Schmerz des jungen „Bären“ nach
dachte, etwas wie Mitleid in sein Herz, während Irmo⸗
Erinnerung daran immer mehr verschwand. Was tam
merte sie jetzt Norberts Leid gegenüber der Sorge sin
ihren Vater, einer Sorge, so überwöltigend und nieder
drückend, daß sie sich nicht vorstellen konnte, wie sie weiten
leben sollte. wenn das Furchtbare einträie Sie wvußn
vohl, daß alle Menschen sterblich seien; aber daß ihr Vo
er sterben könnte — er, der all ihr Sein ausfüllte, —
das wollte sie nicht fassen, das schien ihr ganz undenkbar
Nach einer schlaslosen Nacht, die ihr junges Leben ni
zuvor gekannt, erhob sie sich am andern Morgen mit den
Entschluß, es nicht zu glauben. Wohl war ihr Vater
rank, daran konnte sie nicht zweifeln, wenn sie sich setn
oleiches, schmerzentstelltes Antlitz ins Gedächtnis zurüd
cief! Aber wie viele Leute waren krant, ohne gleich zu
sterben! Sie wollte doch nicht so töricht sein und gleick
das Schlimmste annehmen. Sie wollte ja, vielmehr au
Bottes Güte vertrauen; er wußte ja, daß ihr Voter i
Ein und Alles auf der Welt war. SEie wollte um sein
senesung beten und ihn aufopfernd pflegen. Er sellte sich
nicht mehr ermüden oder aufregen; sie wollten nach An—
itfa fahren, ja, um die ganze Welt fahren, wenn es nöti—
väre. Ganz gewiß könnte durch Pflege und genaue Be—
obachtung der ärztlichen Vorschriften, das Leiden aufge
hallen werden. Mit Gewalt unterdrüdte sie die bangen
Zweifel; sie wollte start und mutig sein und sich nich
elbst mit Schwarzseherei quälen. Mit diesen Vorsätzen
war sie nach dem Frühstück, zu dem ihr Vater nie erschien
mit Margherita wie gewöhnlich ausgegangen, um in de
alten Pfarrkirche von Passy der hl. Messe beizuwohnen
sachden sie dort lange heiß und inbrünstig gebetet hatte
ühlte sie sich neu gestärlt und überzeugt, daß das Be
ürchtete geraädezu unmöglich sei. Der barmherzige uim—
iebevolle Gott würde ihr gewiß den Vater noch recht lang
Jahre erhalten. Mit erleichtertem Herzen verließ sie di
irche und meinte dann draußen zu ihrer Begleiterin Maro
crita: „Ich habe Mademoöiselle Camilla versprochen, sie
heute friih zu besuchen. Aber du brauchst mich wirklick
nicht dorthin zu begleiten; ich habe ja nur eine klein—
Strecke zu gehen. Du kannst in der Zeit schen de'ne Ein
re hesprgen und dan nunach Squisfo gohoöon