nen 3Weifel darsebder velchsen. Er vorief sich auf dse Au—
orität des Wionarchen, der eine Verwirklichung der un—
gurischen Banspfine derzeit ohne sedwede Einschränimg
as ganz unnsglich erftärte. Diese Erllaäxung war so deut—
ich, daß sich ein Herumdenteln an dersellen von' aclle m
Ansang an als aussichtslods erwies. Die Unabhüngigkeitse
»Srtei hat denn auch die jedensalls unersreuliche Witteil—
g mit großer Ruhe und Fassung aufgenonmen und
bisher ist auch aus dem Lager der inteanigentesten Bank—
türnier kein weiterer Schlachtruf laut geworden. Průsi⸗
dent Justh und Abgeordneter Hollo, d'e biser slausesten
Unfer un Bantlitreit sind vorlümfig ruhig und versuchen
rus der Botschaft Kossuths, daß der WBeonarch die ver—
nssuangsmäsßige Berechtigemg Ungarnz zur Errichtängci—
ter Notenhank anuersannte, neue Lebens raft zu schöpfen.
Run Zeit duürsen sie ja hierzu genüüzend baben. Tie Un—
tbhängigteitspartei, die unter den gegebenen Verzältnis—
en sich sheinbar in das gonvernementale Mäntelchen hülft
und sich ins Umnvpermeidliche fügt, hat Welerle und Kos—
suth Dank für ihre Bemühungen ausgesprochen und auch
gleichzeitig den bisherigen treuen Adlatus Wekerles dem
nenen Bankgouverneur Dr. Popowiisch in die Galerie
er „Landesverräter“ cingereiht, weil er in seiner An—
trittsrede die gemeinsame Bank als eine den wirtschaft—
ichen Interessen Ungarns vorteilhafte Institution bezeich—
iete. Wenn auch die Unabhängigkteitspartei bisher nichts
Aergeres getan, so wäre es Tauschung, behaupten zu
vollen, daß die Krise nun glatt verlaufen werde. Die
Zchwierigkeiten der Bankfrage beginnen eigentlich erst
etzt. Visher waren die Mitglieder des Noalitionskabi—
netts bezüglich der Kartellbank solidarisch. Nun hat diese
Solidarität aufsgehört und es treten die Sonderbestrebun—
gen in den Vordergrund. Kossuth und Apponyi empfeh—
en ihren Anhängern Ausdauer und Ruhtze, die Minister
Wekerle und Andrassiy verschreiben dasselbe Rezept. Beide
Parteien glauben an den Sieg der von ihnen vertretenen
Idee. Beide Lager werden nach wie vor vom Bank—
problem beherrscht, welches solcher Art für die politische und
wirtschaftliche Konstellation der nächssien Zukunst aus—
schlaggebend sein wird und auf irgend eine Weise gelöst
werden muß. Die bevorstehenden Berufungen zum Mo—
narchen, die Verhandlungen der Minister untereinander
und mit den Parteien werden bald Miarheit darnber er—
ouͤrrngen, ob diese Lesung — Ausschaluung der Fotderung
nach einer seloständigen Bank — mit dieser Rezierung
und dlesem Hanse oder mit einer anderen Reglerung und
einem neuen Abageordnetenhause geschehen wirt
— —
Politische Rundschan—
deutsches Reich.
»Der Bundesrat erteilte in seiner letzten Sitzung der
Vorlage betr. die Rräguna von 25ia-Stücken
jseine Zustimmung.
ꝛw* Die Aeltesten der Berliner Kaufmann—
schaft nahnmen Stellung zu dem Gefetzentwurfe betref—
fend die Erhebung von Schiffahrtsabgabeun. Nach ein—
gehender Erörterung über die prinzipielle Seite der Frage
und über die einzelnen Bestimmungen des Gesetzentwurfes
beschloß das Kollegium, an seiner bisherigen Stellung
gegen die Einführung dieser Abgaben auf den natüc—
lichen Wasserstraßen festzuhalten und sich in einer Ein—
zave an die geseßgebenden Körperschasten auf das ent—
schiedenste gegen die geplante Verteuerung des Werkehrs—
lebens auszusprechen.
*Die Londoner „Times“ veröffentlichen den Inhalt
der Depesche, in der Kaiser Wilhelm dem Kö—
nig Ferdinand von Bulgarien die Anerkennung
der bulgarischen Unabhängigkeit seitens der deuischen
Regierung mitteilt. Die Anerkennung ist erfolgt „in der
Bewisßheit, daß Deine Regierung in loyaler Weise für die
Sicherstellung der deutschen materiellen Interessen an der
Neuregelung der OrientbahnmFrage einsteht.“ Gleichzeitig
spricht der Kaiser dem König seine persönlichen Glück—
wünsche aus und begrüßt ihn als König von Bulgarien.
Oesterreich-Ungarn.
* Die Auszahlung der Entschädigung Oesterreich-Un—
guruns an die Turkei wird am 10. Mai in Konstantino—
»el unter Heranziehung der Ottomanbank erfolgen.
Frankreich
*Der Marineminister hat angeordnet, daß im Hafen
»un Toulon zwei neue Bassins angelegt werden
ollen, in denen große Panzerschiffe repariert werden
önnen. Die Arbeiten seien unverzüalich in Angriif zu
rehmen.
Rußzland.
Das Zarenpaar trict am 20. Mai seine Ozean- und
Mittelmeerreise an. Es wird u. a. auch Deutschland be—
ucht
NAus dem Vaäatifan.
* Der Papsft hielt im Vatikan in Anwesenheit sümt—
icher in Rom weitender Kardinäle ein geheimes Konsi—
storiunt ab zwecks Heiligsprechung des seligen Hofbauer
und des seligen Oriot. Der Papsft ernannte hierauf eine
Anzahl Bischoöfe. Vor dem Konsistorium leisteten die neucn
n Rom anwesenden Bischöte den Eid in der ürtinischen
davpelle
Buigarien
*Gelegentlich der Unterzeichnung des Petersburger
Prototolls über die Finanzfragen, ist auch ein russisch—
ulgarisches Uebereinsommen politischer Natur abzeschlo
en worden. Bulgarien vervilichtete sich sich mit Serbien
u Verfändiogen
Marokko.
*Der „Temps“ meldet aus Tanger, daß El Gebbas
wom Sultan Muley Hafid den Auftrag erhalten habe,
den deutschen Unternehmern der Tangerer Hafenbauten
eine Bezahlung in Monatsrate vorzuschlagen, wel—
hes Anerbieten angenommen werden dürfte
J — 6 J o 8e
RAa der Finanzkommission.
Die Wertzuwachssteuer.
Berlin, 30. April. Die Finanzkommission des
Reichstags ist in ihrer Vormittagssitzung noch nicht zu ei—
ner Abstimmung gekommen. Der Abg. Raab (W. V.)
erklärte ausdrücklich, daß auf die Erbanfallsteuer nicht
verzichtet werden könne. Raab zog den gestrigen Antrag
der Wirtschaftlichen Vereinigung zurück und brachte einen
neuen Antrag ein. DTanach soll für den Fall der Ab—
sehnung des konservativen Antrags die Regierung auf—
gefordert werden, ohne Verzug eine Vorlage auszuarbei—
sen, die eine Besteuerung des Wertzuwachses von Im—
mobilien vorsieht, und in Erwägunzen darüber einzu—
reten, wie zum Ausgleich der den Grundbesitz belastenden
Wertzuwachssteuer eine entiprechende Besteuerung des Zu
vachses an beweglichem Kapitalvermögen erfolgen werde.
Schatzsekretär Sey d o wepräzisierte dann die Stellung der
Regierung zu den einzelnen Anträgen. Der nationallibe—
rale Antrag Erweilterung der Erbschaftssteuer und scho—
nende Behandlung der Familienverhöltnisse) sei annehm—
bar. Auch sei er vereit, soweit dadurch nicht 100 Millio—
aen aufgebracht werden, eine Wertzuwachsstener für Im—
mobltien auszuarbeiten. Die freisinnige Forderung der
Vermögensstener lehne die Regierung ab, ebenso den so—
zialdemokratischen Antrag, der alle indirekten durch direkte
Stenern ersetzen will. Auch der Antrag der Reichspartei?
in dem konservanven Autrad die Beteichunung sols (GGrfsonß—
teuer fur die Erbansallsteuer zu streichen, set annehmen
benso der erste Teil des neuen Antrags der Witt chaft.i
hen Vereini zung. Dagegen müßien Erwägungen übe
ine Wertzuwachssteuer aus Mobillen als undurch üihrbar
ibgelehnt werden. Der Abg. Spahnn fragie den Echatz
elretär ob er auch die Summen des Vundesrats schon
nn der Tasche habe, sonst hätte er mit seiner Erklaͤrung
wohl besser gewartet. Die Erbansanleuer müsse man ves
neiden, solange es andere Steuerquellen gebe, die von
»en Emzelstgaten noch nicht in Anfpruch genommen seien
und, da empfehle sich als eine Ergünzung der Wertzu—
vochssteuer auf Immobilien ohne weiteres die auf Mo—
atlien. Dann bekämpfte der freisinnige Abg. Momm;-en
den koniservativen Antraa in längeren Ausführungen
Die Tabaksteuer.
Berhlin, 80. April. Der Antrag Weber-Mommsen
st von der Subkommission des Reichstages abgelehnt wor—
den. Die Kommission hält an dem Gedanken der Ein—
ührung eines Wertzollzuschlages fest; die Mehreinnalme
zus dem Tabak soll etwa 50 Millionen Mark betragen,
Tiee rendige Erreneees in Hoband.
Die Königin der Niederlande ist Freitag
früh 6.55 Uhr von einer Prinzessin glücklich
entbunden worden. Mutter und Kind befinden
sich wohl.
ARAun endlich haben auch die biederen Holländer ih—
en sehnlichsten Wunsch ersfüllt: ihre Königin hat ihnen
ine Thronerbin veschert. Nach sangen Jahren der Eitt—
üufchung haben die Soilländer jetzt wenigsiens die Hu:
tung, daß der Thron der Oranier mit dem Ablehen der
etigen Königin nicht verwaist. Wenn es auch kein Prin;
st, das biedere Volk got sich aum schon so zuirteden, Ue—
er dem ganzen Lande ergießt iich ein einziger Freu—
enström. Nidnuuer, Frauen und Rinder haben sich u3.
zrangesarbige Bündchen geschmückt und der Hacg wird
on der jubelnden Bevölkerung umzingelt. Ueberall wer
zen seierliche Hochs auf die kieine VPrinzessin qusgebrache
53 ist dem schwergeprüsten yoliändischen Könrigspaar von
Derzen zu wünschen, daß die keine Srinzessin in volier
Besundheit heranwachsen möge. Vielleicht wird die us6
ündesche Berölkerung noch einmal mit der Geburt eines
Prinzen überraicht. Dann würde wohl der Ribel set
Inde nehmen.
NAus dem Haag wird über die Entbindung der Kö—
nigin gemeldet. Die offizielle Mitteilung lautet, daß die
Rönigin um 6.255 Uhr von einer Tochter ent—
hunden wurde, und daß der Zustand der Königin cin
iter sei. Ueber das Befinden des Kindes wurbe beoe
etzt noch nichts mitgeteilt. Schon um 8 Uhr war der
zanze Haag beflaggt. Tausende von Menschen ziehen men
»em Nalievelde, um dem Abschießen der Kanonen beizu—
vohnen. Auf der Straße tragen Erwachsene wie Kin—
»er Oranzgeabzeichen und die Sucht, alles mit Orange—
arben zu schmücken. geht soweit, daß selbst die Milch
annen, die srühmorgens durch die Straßen gefsahren wur—
den, orangefarbige Bänder trugen. In Amsterdam, der
dandelsmetropote, sind ebensalls die Häuser in al ser Eile
eflaggt worden. Aber man geht ruhig feinen Geschästen
iach und der große Begcisterunassturm ist erst sur den
Abend zu erwärten.
Soeben gibt der Bürgermeister, der erst um 9 Ußr
den amtlichen Bericht erhalten hatte, den Besehl, die öf—
entlichen Gebäude zu flaggen und die Glocken zu läuten.
Im Hafen begimen die Schiffe mit ihren Dampfpfeifen
in vhrenzerreißendes Geheule. Zwei dort stationierte
driegsschiffe schießen. Es sind 36 Mann engagiert, um
ruf den zahlreichen Glockenspielen der Stadt patriotische
zieder spielen zu lassen. Die Leute sind schon auf ihren
Posten und bald wird ein unbeschreibliches musitalüches
durcheinander die Lust durchzittern.
Haag, 30 April. Das kleine Prinzeßchen ist ein
zesundes und krästiges Kind. Die Königin-Mutter und
der Prinz-Gemahl wachten die ganze Nacht. Die Köni—
zin-Mutter ließ ihre Tochter keinen Augenblick allein. Als
der Prinz-Gemahl gerade sich kurz nach 6 Uhr morgens
ingekleidet auf ein Feldbett zur Ruhe gelegt hatte, wurde
er gerusfen, da die Geburt unmittelbar bevorstand. Der
Prinz teilte direkt nach der Geburt dem Hof den glück
üchen Ablauf mit. Die im Palais befindlichen Militärs
tellten sich zuerst zur Gratulation ein. Die erste Nachrich
on der Geburt der Thronfolgerin sandte der Prinz ar
cine Mutter. die Herzo in von Mecklenburg
** * *
Eine Monarchenzusammenkunft.
Baja, 30. April. Die englische Königsjacht „Vicio
sia and Albert“ ist, gesolgt von zwei Kreuzern und ei—
nigen Torpedobooten, in Baja eingetroffen. „Re Umber—⸗
o“, mit dem italicnischen Königspaar au Bord, hißte die
nglische Königssiandarte, der Kreuzer „Coatit“ feuert—
Zalut, die Musit spielte die englische HHymne, die Mann
chaften riesen Hurra. Die englischen Schifse hißten nun
hrerseits die italienssche Königsstandarte und erwiderte
den Salut. Sobald die „Victoria and Albert“ vor Anker
gegangen war, begaben sich der König und die Königin
zon Italien, sotwote der Herzog und die Herzogin von
Austa, die ebenfolls in Baig eingetrofsen sind, an Bord
der Köngsjacht und wurden am Fuß der Schisffstreppe
zon König Eduard, der grobde Admiralsuniform trug,
wipfangen. Königßin Aicxandra und die Kaiserin-Witwe
von Rußland erwarteten die italientschen Herrschaften oben
in der Treppe. Die Begegnung war sehr herzlich. Dann
ehrten die itglienischen Herrschaäasften an Bord des „Re
Imberto“ zurnck. Eine Stunde spüäüter erwiderten der Kö—
tig und die Königin von England sowie die Kaiserin—
Vitwe den Besuch auf dem „Re Umberto“, wo sie von
en italienischen Herrschaften in derjelben Weise empfan—
ten wurden.
An Bord der englischen Königsjacht wurde ein Di—
ier abgehalten, an dem die Majestäten und auch Ministen
dittoni teilnahmen. Die römischen Blätter bemühen sich
»er Monarcheubegegnung jede politische Bedeusung abzu
prechen und darzutun, daß der gegenwärtige Zustand un
erändert bleibe.
Baja, 30. April. Nach dem Diner verabschiedeten
ich der König und die Königin von Italien von dem
englischen Königspaare und der Kaiserin-Witwe von Ruß
and und begaben sich mittels Automobil nach Neapel.
on wo die Weiterreise nach Rom ersolgte.
Neapel, 30. April. Die Jacht „Viltoria and Al—
bert“ mit dem Königspaar von England und der Kaise
tin-Wiiwe von Rußland an Bord ist heute früh, beglei
et von den Panzerkreuzern „Bacchante“ und „Lancaster“
owie dem Torpedoboot „Defberate“ von Baja kommend.
tier eindgetrofien
Wien, 30. April. Der Zusammenkunft des Königs
son Jtalien mit König Eduard wird hier beson—
dere Wichtigleit beigemessen, die schon die Begleitung Vik—
or Emanuelis durch Tittoni beweist. Italien bilde
as Bindeglied zwischen dem Treibund und der Tripel—
entente und seine Rolle sei in allen Fragen, die die Ein—
nütigkeit Europas erfordern, wichtig. Die orientalischen
Angelegenheiten werden angesichts der Nonsliantinopeler
ßorgänge zweiselles eingehend besprochen und alle alten
zürgschaften sür die Erhaltung des Besitzstandes im Mit—
AAmeer dürften für alle Evenaialitäten erneuert und ver—
Arkft orden
Teutschereichssstag.
Wräsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um?
Uhr 15 Min. Am Bundesraitstisch ist Staatsselretär von
Bethmann-Hollweg erschienen. Auf der Tagesordnung
teht die sozialdemolkratische Interpellation betr. die ge—
etzliche Regelunig der Rechtsverhältnisse der von den Ar—
deitgebern für die Arbeiter ihrer Betriebe errichteten Ven—
sions-⸗, Witwen- und Waisentassen.
Staatsselretär v. Bethmann-Hollwenq erklär—
sich zur Beantwortung ver Interpellation bereit.
Abg. Severinug (Soz.) begründet die Interpella
tion. Turch die reichsgesetzliche Regelung der Rechtsver
hältnisse dicser Einrichtungen müsse den zulaße getretenen
Mißstaänden entgegengetreten werden, insbesondere um die
Amurüche der aus den Betrieben cusscheidenden Arbeiten
zu wahren durch die Berechtigung auf eine freiwillige
Weiternersicherung oder die Verpflichtuna der Kassen au
irückzabslung der Beiträge.
Atagissetretar ». Bethmann-Hollweg weis
darauf hin, daß die Pensionskassen srüher anders geleger
lörren als heute, weil die Arbeiter diese Kassen heute mi
Nißtrauen anfehen, obsoohl die Satzungen dieselben ge
blieben seien. Dies rühre hauptsächlich daher, daß der
Unternehmer nur denjenigen Arbeitern die Wensionskasse
zuszute kommen lassen wollen, die zu seinenr Betriebe ae
hören.
Abg. Ossann (natlh,) sagt, daß seine Partei stets
eine geseßliche Regelung der Materie gewünscht habe.
Abg. Gicsverts (Sentr.): Die christlichen Ar—
beiter wollen keine Beseitigung der Pensionskassen, son
dern nuur eine Reform zur Beseitigung der Miißstände, die
tatsächlich bestehen. Die Klagen über diese Mißstande sint
auch so alt, wie die RPensionskassen selbst, nur sind sie
frützer nicht do bervorgetreten. Tie Arbeiigeber haben sick
icherlich Vom besten Willen leiten lassen, aber man kam
dech nicht leuanen, daß die Einrichmung dem sorzialen Ge
danken nicht in jcder Wetse Rechnung trägt. So wie die
Werkskassen jeßt sind, wo sie teilweise zum Druck gegen
ie Arbeiter verwandt werden, nicht zu streiken, stoßen sie
allerdinags bei den Arbeitern aufs größte Mißtrauen.
Abg. CuUno (sreis. Vp.) nieint, es mußte wenig—
stens der Versuch gemacht werden. die ganze Materie ge—
setzlich zu regeln.
Ein Vertagungsantrag wird angenommen. In einer
persönlichen Bemerkung verwahrt sich Abg. Huse Goz.)
dagegen, daß er die Abschaffung der Pensionstassen ver
langt habe. Er habe nur gesagt, daß sie ohne Reforn
für die Arbeiter keinen Wert hätten.
Dienstag 2 Uhr: Fortsetzung der Debaltie,
Schlsuß 6 Uhr
VBreußisches Abgeordnetenhaus.
Vas Abgeordnetenhaus setzte die Beratung des Kul
kusetats sort und gelanate bis zum Kapvitel Wedizinal—.
wesen“
Herrenhaus.
Das Herrenhaus beendete die Beratung des Lehrer
vesoldungsgesetzes und nahm dasselbe im Wesentücher
nach den Beschlüssen der Komnüssion an, sodaß das Ge—
setz an das Abgeordnetenhaus zurück muß. Die Movelle
zuni Ergänzungssteuergesez wurde ebenfalls in der Fafn
ung der Kommission angenoumen
—
Vermischtes.
Eine interessante Statistik. Ein Mann von 56
Jahren hat rund 18300 Tage das Licht der Sonne ge—
sehen. Unsere Statistik zeigt unseren Lesern, wie er seine
Zeit benutzt hat. Den dritten Teil seines Lebens hat er
verschlafen, wobei angenommen ist, daß er jeden Abend
unt 10 Uhr in seine Hängematte kriecht und um 6 Uh—
früh aufsteht. Wir sehen schon hieraus, daß unser Nor
malmensch sehr solid veranlagt ist und den Hausschlüsse,
prinzipiell niemals verlangt. Sonst würde er ja nauch
nicht 6500 Tage arbeiten können, d. h. die 808 stündige
Arbeitszeit am Tage vrompt einhalten. Jede Mehrarbes
4
8
d
8
V
4
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4
F
—
4
—
ist also anormal und verwerflich. Den Rest seiner Zei
widmet der Normalmensch seiner Erholung und der Kör
perpflege, nämlich 7,15 Stunden täglich. Auf das Essen
allein muß er jast zwei Stunden rechnen, auf Körperbe—
vegung 14 Stunden und 44 Stunden täaͤglich bringt er
»ei seinen Lieblingsbeschäftigungen zu, d. h. er sitzt be
Weib und Kind, beim Glase Bier, bei der Tasse Kaffee
bei einem Buche, im Theater, auf dem Sportplatz uscv
und bedauert bei dieser Beschäftigung nur, daß der Tat
nicht wenigstens 25 Stunden hat, um noch ein Stündchef
mehr für leine Liebhabereien über zu haben.
Paifeien
Hamburg, 1. Mai. Der Regierungspraͤsident vo
Schleswig hat ofsenodar aufij Anordnung des Menisteriums
des Innern für atte Städre seines Bezirks ensgegen der
vorher erteilten polizeilichen Genehmigung d'ie Erlaubu«
zur Veranstaltung eines Viatsestzuges verweigert.
RMom, 1. Viai. Die Poltzei hat die Abyalting
Siraßenumzügen sur den 4. Mai untersagt.
*zLoudon, 1. NRai. Tie Piagiseier wird hier durs
Straßenumzüge und PMassenversammiungen begangen wer
den. Im HydeWark sindet eine Massenversammlung statt
dei der auch zum ersten Male die angarchistsche Grupn
rtreften sein wird