zur, ijt unn etner Wceelbdung aus Wuen fur die Zeit vom
7. bis 21. Juli in Aussicht genommen.
** dönig Otto von Bayern beging seinen 61.
veburtstag. Das geislige Befinden des Königs ist fort—
vährend gleich elend;: dagegen in er leiblich durchaus
esund.
—errrr —
Deutscher vreichstag.
Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 2
Ahr 15 Min. Auf der Tagesordnung sieht zunächst die
‚weite Lesung des Gesetzes über die Sicherung der Bau—
orderungen.
Dr. Mayr-Kaushcuren (Zt.): Selen hat ein Ge—
etzesentwurf soviel Aenderungen in der Kommission er—
ahren, wie der zur Beratung stehende. Sie hat lediglich
die Sicherung der Vauforderungen verschärft und weltere
aAlgemeine Sicherungsmaßregeln zugefügt.
Abg. Paul i-Potsdam (ts.) gibt der Hofsnung Aus—
druck, daß das Gesetz dem Lande zum Segen gereichen
werde.
Abg. Linnch (natt.) spricht sich in gleichem Sinne
aus. Die Befürchtüng, daß das Gesetz den Uebergang der
Bautätigkeit auf das Großkapital zur Folge haben werde,
ei unzutreffend.
Abg. Dove UErs. Vp.): Nachdem die Kritik seiner
Porteifreunde an der Regierungsvortage im wesentlichen
berücksichtigt worden ist, werden dieie der Vorlage zu—
timmen.
Abg. Bömelvburg Goz,): Das Gesetz werde
vohl mehr den Unternehmern als den Arbeitern zu gute
cnmen.
Abg. Mugdan Ers. Vp.) macht sich keine große
zaffnungen vom Gegetz, will aber zustimmen.
Die Abgg. Woyda (Pole) und W ieland (üdd.
Ep.) erklären ihre Zustimmung.
Die Vorlage wird darauf in zweiter Lesung ange—
nommen.
Man geht über zur Beratung der Vorlage betr. das
Verbot der zollwidrigen Verwendung von Gerste.
Abg. Speck (Zir.) ist für Kommissionsberatung.
Abg. Graf Kanitz (Eons.) spricht für die Vor—
age.
— Abg. Neumann (natl.): Die Vorlage füllt eine
dücke aus.
Staatssekretär Sy dow hält die Vorlage für drin—
gend noötig.
Abg. Hilpert (W. Vgg.) stimmt ebenfalls zu.
Zierauf geht die Vorlage an die Kommission.
Nächste Tagesordnung: Sozialdemokratische Inter—
vellation betr. Wohlsahrtseinrichtungen.
Vreußisches Abgeordnetenhaus
Das Abgeordetenhaus beendete die allgemeine Tebatle
liber den Kultuscetat und erledigte mehrere Napitel
in der Spezialberatung ohne eingehende Diskussion. Die
von der Budgetlommission beschlossene Schafsung rines
Titels für eine Stelle zur Unterdaltung der Naturdenmäler
wurde mit Zustimmung der Regierung angenom—
men und von der Regierung noch für diese Session ein
Gesetz zum Schitze der vrähistorischen Ausgrabungen an—
gekündigt.
J Serrenhaus.
»Das Herrenhaus beriet das LRehrerbesold⸗—
ungsgesetz und nahm nach längerer Debatte 8 1
des Besetzes an. — Morgen: Weiterberatung.
Die Ereignisse in der Türkei.
ztonstantinopel, 29. April. Der gestrige und
heutige Tag ist ohne Zwischenfälle verlaufen,
Die Stadt ist reich beflaggt. Am Abend waren die Bot—
schaften und die öffentlichen Gebäude, sowie viele Pri—
bäathänser und die hasenliegenden Schifse illuminiert. Trotz
des Belagerungszustandes waren große Menschenmengen
in den Straßen. Die Ordnung wurde nirgends gestöri.
Das Freudenschießen hat aufgehört. Ahmed Riza äußerte
den Wunsch, Kammerpräsident zu bleiben.
—Die Abfahrt des gestürzten Sultans erfolgte
nicht auf der Jacht „Ertrogul“, sondern in einem Son—
derzuge der Orientbahnen um 1 Uhr nachts. Der Zug
war aus füns Salonwagen zusammengesetzt. In der er—
ten und letzten Abteilung befanden sich Saloniker Gen—
darmen als Eskorte. Der Sultan erschien im Gehröck,
er zeigte eine gute Haltung und grüßte leutselig die we—
nigen Anwesenden, unter denen sich General Husni Pascha
und der Oberst Ghalib befauden. Mit dem Sultan rei—
ten seine zwei jüngsten Söhne, acht Haremsdamen und
ein kleineres Gefolge. Abdul Hamid half galant jeder
der Damen beim Einsleigen und bestieg als letzter den
Zug. In Salonik wird ihm die dem reichen Spaniolen
Alatini gehörende Viila augewiesen. Ferner ist ihm eine
monatliche Apanage von 59 000 Franks ausgeworien
vorden.
Konstantinopel, 29. April. Der frühere Groß—
wesir Kiamil Naicha, der seine Verhaftung befürch—
Atelter schritten.
*Doch als sie die Tuͤr öffnetc, schien der große Raum
im Gegensatz zu dem ounklen Flur mit einem Meer von
Licht erfüllt und von den Strahlen der untergehenden
Sonne bestrahlt, stand die Statue vor ihnen. Norbert blieb
inwillkürlich stehen und hielt den Atem an. Er fand keine
Worte, um die Bewunderung auszudrücken, die dieses sehr
jerrliche und großartige Werk ihm einslößte.
„Es ist, als ob sie, kaum auf Erden weilend, sich
vteder vor unsern Augen zum Himmel emvorschwingen
wollte!“ rief er endlich.
„Nicht wahr, es ist wunderbar, wie mächtig gerade die—
er Eindruck ist', sagte Irma. „Je länger man die -Fi—
zur ansieht, um so mehr wundert man sich, daß sie mit
hrem Emporschweben zögert. Ich glaube kaum, daß es
selbst bei den Griechen eine vollendetere Verkörperung der
Psyche gab. Und ich selbst habe etwas dazu beigetragen,
dem sich als Modell diente“, fügte sie lächelnd hinzu.
„Und zwar nicht wenig!“ meinte Norbert. „Denn es
ist eine ebenso vollkommene Darstellung Ihrer selbst, als
es die Verkörperung der Psyche ist.“
„Unsinn!“ lachte sie. „Gewiß, weil ich meinem Vater
Us Modell diente, ist selbstverständlich Aehnlichkeit vor—
handen. Was uns aber in Erstaunen setzt, das ist die
Schöpfung der göttlichen sich im Gente offenbarenden
draft, die an dle schaffende Kraft des Allerhöchsten er—
nnert“
„Freilich!“ gab der junge Mann zu. „Aber wenn Sie
deshalb denken, dies wäre nicht Ihr Ebenbild, so braucht
man sie nur anzusehen und der Vergleich wird die Wahr—
zeit meiner Worte beweisen.“
Er verwirklichte diese Worte, indem er sich umwandte
und sie betrachtete, wie sie in dem sinkenden Sonnenlicht
neben der Statue stand, in der der flüchtige Reiz ihrer
Jugend und Schönheit durch Meisterhand festgebannt war.
Seine Künstlerseele wie sein Künstlerauge erkannten jedoch
auch, daß iwie das emporgewandte freudige Antlitz der
ANymphe alles ausdrückte, was die menschliche Seele er—
üllt, bevor sie ihren Meister gefunden — Psyche bevor sie
geliebt und gelitten — in der Seele des lebenden jungen
»nas ein zartes Emporstreben war, noch unberührt
—Alson VCeidenschoffen
tete, hat gieich jeinem Sohyne Saiod Pascha die Xlucht
rgriffen. Kiamil soll sich bereits in Aegypten in Sicher—
seit bLesinden. — Andere Meldungen besagen, daß Kiamil
zereits verhaftet sei.
Konstantincpel, 29. April. Nach Aussagen
zesfangener Meuterer wurde ihnen Geld indirekt von dem
Zultan gegeben. Ein Feldwebel, der das vierte Jö—
zerhataillon verführte, erhielt 15 000 Pfund gleich 280 000
Merk, sowie das Patent als Obersi.
Konstantinopel, 29. April. Die Krönung
und Umgürtung des neuen Sustans mit dem Schwen
wird in der Moschee Eiüb nach Ablauf von vierzig Ta—
gen erfolgen
General von der Golz über Mohamed Schefket.
Von dem Generalissimus Mohamed Schesflet, welchem
hie glänzenden Anordnungen bei der Otsupation von Kon—
tantinopel zu verdanken sind, entwirst Generaloberst Frei—
serr von der Goltz in einem vom Tage der Uebernahme
des Oberkommandos der Armee von Tschataldscha datier—
en, an den deutschen Miilärattachee Major von Strem—
nel in Konstantinopel gerichteten Schreiben nachfolgende
Tharakteristikt „Großes Verttauen slößt mir der Umstand
ein, daß Mahomed Schefket an die Spitze der Okkupa—
ihnscrmee getreten ist. Er ist einer der bedeutendsten
MNänner der jüngeren Türkei, auf die wir Deutschen so
zroße Hofsnungen setzen und ein Charakter von Gold. Er
ereinigt mit großer Intelligenz die nötige Ruhe und
debenserfahrung. Er ist Araber von Abstammung und
esitzt die ganze Vornehmheit und Selositbeherrschung der
zesten Familien seiner Rasse. Wir sind seit 25 Jahren
efreundet und ich weiß daher, daß man sich auf diesen
refflichen Mann durchaus verlassen kann
Die Auffassung im Ausland
5Paris, 29. April. Präsident Fallieres sprach
zem neuen Sultan Mohamed 55 telegraphisch seine
lisckwünsche aus. — Auch m den Abendblättern finder
bdul Hamid höchstens eine Anerlennung seiner hervor—
agenden persönlichen Eigenschasten, aber kein Wort des
zedauerns. Der „Temps“ räumt ihm wenigstens das Ver—
ienst ein, der Türlei eine starke Armee und ein ansehn
iches Eisenbahnnetz verschafft zu haben. „Der Regier
igswechsel“, schreibt das Blatt weiter, „hat sich vor den
chweigenden Europa vollzogen. Die Mächte haben be
griffen, daß die Gefahren einer Intervention größer als
sie eventuellen Vorteile gewesen wären. Trotz seines
bemühens, die europaischen Einflüsse stets im Gleichge—
vicht zu halten neiae Adul Hamid in den sleßten 00n
——
Jahren dennoch deutlich zu Deutschland hin. Deutschland
jat seinerseits nichts vornachlässigt, um ihm Vertrauen
einzuflößen, und die Meisterschaft der deutschen Politik
erklärt genugsam die Ersolge, die sie erlangt hat. Wel—
hes werden die Neigungen Mohameds 5. und seiner Rat
zgeber scin? Niemand weiß es. Sicher ist nur, daß mor—
gen wie gestern der Vorteil in dem fricedlichen diplomati
chen Wettkampf in Konstantinopel dem Unternehmenden
ind Andauernden, dem Starlen gehören wird. Die Pflich
Frankreichs ist durch diese Hinweise deutlich gekennzeichnet.“
Ddie „Debats“ schreiben: „Der Fehler Abdul Hamids war,
den Fortschritt nicht bezriffen zu haben, auf einem unge
vöhnlichen Regierungssystem bestanden und es in der letz
en Zeit noch bis zur Unertaäglichkeit verschlimmert 31
aben. Er läßt die Türkei in einer schweren Krise zurück
London, 29. April. Die Revolution der Macht
aktyren in Konstantinopel wird namentlich von dem
Zeile der Presse, der die auswärtigen Vorgänge nach ih
em Nutzen für England zu beurteilen pflegt, mit wenig
erhülltem Mißtrauen aufgenommen. Die „Times“ fin—
»et, daß der schließliche Sieg der Reformpartei das ein—
„ige Mittel zur Erhaltung der Türkei sei, daß aber sehr
hervorragende Eigenschaften und Glück dazu gehören wer
den, dieses Ziel zu erreichen. — Dem „Daily Telegraph—
erursachen die verbindlichen Redensarten über Deutsch
sand, die der neue Sultan und Mahmud Schefket gegen—
iber dem Korrespondenten eines Berliner Blattes gemacht
jaben, starkes Unbehagen. Man könne sich nicht darüber
üuschen, daß neuerdings Deutschland einen großen Tei
ciner früheren Stellung in der Türkei wiedergewonnen
zabe, und daß England aus Gründen, die außerhalb der
Küntrolle des Foreign Ofsice stünden, den zu Anfang der
Revolution eingenommenen Vorrang nicht mehr unbe—
tritten behaupte. doch mögen sich die Jungtürken daran
»rinnern, daß die englische Flotte noch immer der wirk—
samste Faltor für die bedingungslose Erhaltuna des Ste
tus quo in Europa sei.
Washington, 29. April. Prästdent Taft hat
dem neuen Sutbtan Mohamed 5. seine eigenen
Wünsiche ausgedrückt und ihm namens des Volkes Glüc
und Wohlergehen gewünscht
„IFeh weirß nicht, ob Ihr Water es so woilte oder
nicht“, fuhr er fort; „aber die ideale Psyche ist ihm nur
deshalb so gut gelungen, weil er eben Sie dargestellt hat.“
Irma erinnerte sich, daß ihr Vater dasselbe gesagt
jatte, aber Norbert gegenüber wollte sie es doch nicht zu—
eben.
„Meines Vaters Genie hat solche Hilfe nicht nötig“,
sagte sie, „und wenn es wirklich so wäre, was habe ich
nit der idealen Psyche gemein?“
„Alles!“ antwortete der junge VBeann tühn. „Denn
ver ist Psyche? Doch die menschliche Seele — auser⸗
vählt, entzückend; aber noch nicht durch die Liebe zu vol⸗
er Macht erwedct worden!“
Das junge Mädchen richtete sich hastig auf.
„Wenn Psyche klug wäre, würde sie nie wünschen, zu
ieser Erkenntnis zu erwachen“, sagte sie kalt; „denn das
edeutet Knechtschaft.“
„Nein!“ rief Norbert, „es bedeutet Wachstum, Ent—
»ickelung. Was würde Psfyche sein, wenn sie nie diese
ztufe überschritt!“ Und er zeigte auf die Statue.
„Frei und glücklichl“ erwiderte Irma ohne zu zögern
Wie man sie hier sieht, ist sie die verkörperte Freude
ind Sie wissen doch, wie die Griechen sie darstellten,
achdem sie Eros getrofsen hatte!“
„Liebe ist unser aller WMeister, wenn sie einmal
»mmit“, sagte Norbert, „und wenn sie Leid und Knecht—
haft bringt — nun, so sind es Leid und KNnechtschaft, die
ian nicht entbehren möchte.“
Irma zuckte die Schultern.
„Jeder nach seinem Geschmack“, sagte sie; „aber es
cheint mir, daß Leid und Nnechtschaft Dinge sind, die
nan sehr gut entbehren kann.“
„Es ist unmöglich!“ rief Norbert. „Sie können nicht
o abgestunipft und ungerecht gegen die Schönste im
nenschltichen Leben sein. Wollen Sie wirklich die Tiefen
zhrer Natur nicht kennen lernen. — nie Liebe geben und
liebe empfangen?“
Er hielt erschrocken inne; denn Irma wandte sich
nit einem Ausdruͤck zu ihm, den er nie zuvor auf ihrem
Sesichte gefehen hatte, — es war ein do vorwurfsvoller,
rotziger und verächtlicher Blick, daß ihm die Worte auf
venn LAiprpen ersftarbe
Harden gibt sich nicht zufrieden.
Wie bekannt, hat Herr Harden gegen seine Verur—
cisung zu 600 Mart Geidstrase die Reviston beim Reschs—⸗
zericht angemeldet. Zur Begründung seiner Absicht hat
eht der Schrifefieller einer hannöverschen Zcitung ein
Zarstellung gezeben, der wir folgende Stellen entnehmen:
„In einer Erörterung des Prozesses Moltte wiei—
der Harden wurde in Ihrer Zeitung gesagt, nun
müsse der Streit, in dem nur ich der Gewinner sei, auf—
hören. Diesen Wunsch kann ich leider nicht erfüllen, Un—
ter Opfern aller Art habe ich mich vemüht, die Sache
still zu bestatten und dem Deutschen Reich neues Aerger—
nis zu ersparen. Ein Gewebe von Lug und Trug hat
mich gehindert, an dieses Ziel zu konmen. In einem
gesetzwidrigen Verfahren bin ich, unter völlig unmotivier—
em Ausschluß ber Oeffentlichkeit, auf ein einziges Zeug—
nis hin, auf das Zeugnis eines Mannes, der, wenn er
anders aus gesagt hätte, wegen Meineids vom Fleck weg
ierbaztet worden wäre, verurteilt worden. Verurteist als
iner, der grundlos die Ehre eines Menschen angetastel
at. TDieses Urteil darf nicht bestehen dieiben. Ich habe
8s init dem Rechtsmittel der Revision angesochten. In
der Hauptverhandlung habe ich mir zum zwenen Male
ine Reserve auferlegt, die den Nebenkläger Grafen Kuno
Roölttke veranlaäßt hat, nach dem Schluß des Prozesses
rir „für die Ritterlichkecit meiner Haltung“ seinen auftrich
gen Dank abstauen zu lassen. Die Fortisehung diezer
Taktik ist mir durch illoyales Verhalten unmöglich ge
uacht worden. — Die Revision ist nur eine der Waffen,
nit denen ich gegen das Urteil vom 20. April 1909 fech—
en werde. Von den Ertlärungen, die ich auf Wunseckt
des Grafen Kuno Moltle unterzeichnet und in Gemein
chaft mit ihm der Röniglichen Staatsanwaältschaft vor—
gelegt hatte, habe ich am 21. April meine Unterschrift zu
rickgezogen. Und ich werde nicht rasten, bis auch das
zene Urteil vernichtet ist und alle, die an Lug und Trug
nitgewirkt und die Interessen von Kaiser und Reich mus
FJüßen getreten haben, peer ver deutsichen Nation an
Pranger stehen“
— — æçæ
Aus der Finanzkommission.
Berltin, 29. Avris
Die Werizuwachssteuer.
Die Mitglieder der Finanzkommission fanden einen
notibnalliberalen Antrag Dr. Weber vor, an Stelle des
konservativen Anttags die rich (Zuwachssseuer auf Im—
möobilien und Wertpapiere) die Regierung zur Ausarbeit—
tug einer Vorlage aufzusorern, in der vbas bestehende
rbschafissteuergesetz erweitert wird und gleichzeitig die
Deszendenten- Und Ehzegatien in unbeerbter Ehe zur Erb—
schastssseuer mit möglichster Vermeidung lästigen Eindrin
gens in die Familienverhältnisse herangezo en werden
ind, sowert darch diese Vorlaßge uscht mindestens 100
Vitlionen aufsgebracht werden, einen weileren Ent
vurf eines Geseßzes zur Beslenerung des Wertzuwachses
auf Immobilien im Deutschen Reiche vorzulegen.
Abg. v OonGamp GRpy) gab zu Beginn der Be—
ratungen eine Erktärung ab. die sit rif dau ftenpennt
ven Antrag auf Einfuhrung einer Wertzuwachssteuer fur
Grundflücke und Wertpapiere besaßt. Der Beschluß sei in
einigen Zeitungen unrichtig wiedergegeben worden. Er
hahe diese Steuer nicht als Ersatz für die Erbschaftssteuer
hindgestellt, das gehe schon daraus horvor, daß die von
bieser Steuer zu erwartenden Einnahmen nur sehr ge—
ring seien. —
2* Dann nahm ein Mitglied der konservativen Partei
das Wort. Die Finanzkommission habe nicht nur mit
großer Mehrheit die Nachlaßsteuer abgelehnt, sondern
dauch die Angängigkeit der Deszendenten-Erbanfallsteuer
bereits eingehend erörtert. Es scheint nicht mehr geboten,
die Gründe Für und Wider ausführlich darzulegen. Je—
der habe seine feste Ansicht. Die Frage sei zur Abstim—
mung reif. Ihre Erörterung könne nur beliebt werden,
um nach außen zu wirken. Die lonservative Partei habe
ich seit langen Jahren im Reichsstag und auch auf Par
eitagen dagegen erklärt, und zwar, bevor der Bund der
Ldandwirte in seinen Versammlungen sich damit beschäf
igte. Sie halte an dieser Ansicht fest, und müsse dies aus
Bründen der Selbsterhalung tun. Sollte die Majorität
sich gegen den jetzt gemachten Vorschlag ablehnend ver—
halten, so müßten neue Erwägungen angestellt werden
Für jetzt befürworte er die Annahme des gestellten An—
trages. Der Abg. Wiemer erklärte den konservativen
Antrag sür völlig unannehmbar. Seine Verbesserung sei
kaum möglich; er müsse glatt abgelehnt werden von je
dem, der die Finanzreform fördern wolle. Ueber die
Zuwachssteuer auf Immobilien lasse sich reden. Zu be
rücksichtigen sei aber, daß diese in erster Linie Sache der
Bemeinden sei. Der Antrag störe die Verhandlungen.
Völlig undiskutabel sei der zweite Teil des Antrages
zetreffend die Wertpapiere. Die Freisinnigen stellen die
5rbanfallsteuer erneut in den Vordergrund: ohne Erhan
llsteuer keine Fiunanzreform
„Warum wagen Sie es, eine so persönliche Anwen⸗
dung von dem zu machen, was wir saglen?“ fragte sie.
„Wir sprachen nicht davon, was ich möchte oder nicht
fühlen möchte —“
„Doch, wir sprachen hiervor!“ unterbrach er sie. Sie
wingen das so gut wie ich. Und Sie sollten auch noch
etwas anderes wissen, — daß die Liebe hier weilt, dich
neben Ihnen und Sie anfleht, ihr Ihr Herz zu offnen.
Sie verspricht Ihnen, stets Ihr Sklape, Ihr Diener zu
sein —“
„Um zuletzt doch mein Herr zu werden!“ rief sie un
mutig. „Nein, nein! Ich werde ihr nie mein Herz ösf
nen.“ Lassen Sie sich das für immer gesagt sein und
sprechen Sie nie wieder in dieser Weise zu mir.“
Einen Augenblick herrschte Schweigen zwischen ihnen.
Dann kam neuer Mut über Norbert. Er trat einen klei—
ien Schritt vor und ihre sich sträubenden Hände ergrei—
iend, bat er: „Sie wissen, ja Sie müssen es wissen, daf
ch Sie liebe, mit einer Liebe, deren Größe ich niemand
azuszudrücken emsgp O, verschließen Sie doch nicht län—
ger dieser Liebe Ihr Herz!“
Obgleich nicht beabsichtigt, lag dennoch ein solch' fle—
jentlicher Ton in seinen Worten, daß dem jungen Mäd—
hen plötzlich zum Bewußtsein kam, wie viel von ihrer
Antwort abhing, wie ängstlich und gespannt er derselben
zarrte.
Erschreckt hierüber vergaß sie ihren Zorn, und in dem
ßemühen, alles Kränkende zu vermeiden, versuchte sie
was Frauen in solchen Fällen stets versuchen, auszuwei—
hen. ....
„Wie können Sie nur so reden?“ sagte sie. „Sie ha—
hen kein Recht, mich so etwas zu fragen!“
„Ich habe das dRiecht, Sie zu lieben!“ erwiderte er,
ihre Hände pressend. „Wissen Sie, was das heißt? Kön—
sen Sie mich denn aar nicht verstehen?“
Wenn sie hätte aufrichtig sein wollen, so hätte sie
agen müssen: „Nein! Und ich will Sie auch nicht ver—
tehen, will es nicht wissen.“ Aber noch stärker als das
Bestreben, ihrer Ungeduld Ausdrud zu geben, war de
Wunsch, ihn nicht zu kränken