Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

Nummer

—3*

Tel.oq, 250, 268 un 1261. Donnerstog, den 29. April 1909. Zeitunge liste xo⸗

⸗Jahrgang.

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Mit Veilagen: „Velletristishe Wochenschrifte“ und
„Iustige Blätter“.

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Aligemeiner Anzeiger für den Rürgermeistereiß⸗i
Dud vαν

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monatlich 70 Pig. racht; be.b
hestellt M. 2 25 ortolτι—

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0 Pfs. bdie spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
entsprechender Rabatt.
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Redaktion, Druck und Verlag von J. Unterkeller
in Dudweiler.

Die „Dudweiler Zeirung“ erscheint täglich no Ausnahme der Sonn—
und Feierton⸗
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Wochen⸗RNundschan.
Das soll nun ein Fruͤhlingswetter sein! Ueberall
zört man Klagen über Katarrh und dergleichen Krank⸗
heiten, die auf die Unbeständigkeit des Wetters zurückzu⸗
ühren sind. Bei dieser ungesunden Witterung ist dop—
elte Vorsicht am Platze, denn wer sowieso nicht meht
Jganz sattelfest ist, dent kann es leicht passieren, daß er
ich Schlimmeres zuzieht. So unbeständig das Wetter, so
bestaändig ist es auch im politischen Leben.
In Deutschland tobt der Kampf um die Reichsinanzreform
 hefliger denn je, weil man nun endlich „ernst“
nachen will. Aber das „Ernstmachen“ ist nicht so ein—
ach, denn noch steht das Parteigezänk wegen einzelner
Zreuervorschläge durch die Regierung in voller Blüte.
Nan weiß nicht recht, was aus den Regierungsvorlagen
vwerden wird. Nur das eine steht fest, daß der“ Bloch
urch seine Uneinigkeit das Sydowsche Steuerbukett recht
mwirsch zerzaust hat. Ein einziges Chaos bleibt von der
zjanzen Vorlage, deren Zusammenstellung dem neuen
Zchaͤtzsekretär doch so viel Arbeit und Kopfzerbrechen ge—
psiet hat. Zu allem kommt jettt noch der Streit zZwi—
chen den Konservativen und des Reiches Kanzlers. Fürst
Zülow hat sich zwar bemüht, die konservative Erregung
durch einen Beschwichtigungsartikel in der Norddeutschen
Allgemeinen zu besäustigen, aber die Konservativen schei—
nen aus der für den Kanzler peinlichen Situation Kon—
zessionen herausschlachten zu wollen und lommen vor—
äufig aus ihrem Schmollwinkel nicht zum Vorschein. In—
dessen ergeht sich die übrige Blockpresse in Hatzartikeln ge—
gen die Konservativen, um diese mürbe zu machen. Was
dun aus dem ganzen Reformwerke wird, ist unbestimm—
ter denn je. Wenn der Block versagt, werden wohl die
Bolksboten nach Hause geschickt werden, oder aber die Re—
zierung wird sich einer anderen Mehrheit bedienen, was
atürlich gleichbedeutend mit denr Ende der Blockherrlich—
keit sein würde.
Oas Kaiserpaar weilt auf Korsu, abgeschlossen von
dem Weltgetriebe. Das griechische Königspaar hat im
Achilleion einen Besuch abgestattet, und man sagte, daß
auch König Eduard kommen werde, was sich jedoch spü—
er, wie vorauszusehen war als eine Zeitunasente der—
iusitellte.
Die innere Krisis in Oesterreich-Ungarn und
peziell die ungarische Banksrage hat das Kabinett We—
erle zum Rücktritt gezwungen. Vorläufig wird das Wi—
ustserium die Arbeiten noch erledigen, bis ein neues Ka—
zinett gebildet ist, was unter den verzwickten ungarischen
Verhälimissen wohl nicht so einfach sein wird. Die öster—
reichische Regierung scheint in der Bankfrage trotz alledem
leine Konzessionen machen zu wollen und so wird auch
dem neu zu vildenden Ministerium keine lange Lebens—
dauer beschieden sein.
Das tragischste Ereignis der Woche ist der Sturz
Abdul Hamid, des „kranlen Mannes“ am goldenen
dorn. Die Jungtürtken haben nach ihrem Siege, um das
deft nicht noch einmal aus der Hand zu verlieren, Ab—
zul Hamid, den 34. Sultan der Osmanen, gestürzt und
den Prinzen Reschad, seinen Bruder, zum Sultan pro—
lamiert, der unter dem Namen Mohnmed 5. den Thron
bestiegen hat. Mit dem Sturz Abdul Hamids, dieses lei—
denschastlichen Mannes, der noch heute selbst seiner näch—
stten Umgebung ein Rätsel ist, geht auf der Weltenbühne
der letzte Abschnitt eines Königsdramas zu Ende, das er—
üllt ist von Shakespearischer Tragkik und Größe. Von un—
rsäitlichem ruchlosem Ehrgeiz erfüllt, riß er einst, über
berbrechen und Leichenhügel hinweg, den Turban des
badischah und den grünen Mantel des Kalifen an sich.
Ind er vergoß in seinem sturmbewegten Leben in ang“

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gepeischter VBespotie, nulttost und vedroht durch die ge—
ährlichen Schwierigkeiten von außen und innen, zur
Zicherung seiner Sultansgewalt und seiner Erdentage
nehr Blut als kaum ein Herrscher des Altertums. Und
etzt im Greisenalter, gebrochen an Leib und Seele, ver—
iert der gekrönte Mörder, wie ihn Salisbury mi
nspielung auf die Armeniergemetzel nannte, nach drei—
inddreißigjähriger Herrschaft mit einem Schlage, was sein
zanzes Sinnen und Trachten ausmachte, und findet viel—
eicht selbst bald ein blutiges Ende. So wie ihm jetzt,
nag es einst Nero ums Herz gewesen sein, als sich der
5hristenverfolger, der sich in seinem Wahne der Gottähn—
chkeit vermaß, verlassen von allen von Rom aus zur
etzten Flucht anschickte. Ein Schichsal, das in seinem groß—
irtigen Aus- und Niedergang menschlich wie nicht so bald
ins zur Einbildungskraft spricht.
Ein ähnliches Schicksal scheint sich in Asien für den
Zchah von Persien vorzubereiten. Dieser despotische Herr—
scher hat eine großde Achnlichkeit mit dem gestürzten Ab—
dul Hamid. Auch er ist einer der grausamsten Herrscher,
wie sie das Altertum aufwies. Seine Hände sind auch
über und über mit Blut beflecdkt und auch in seinem Reiche
geht eine allgemeine Vollsempörung vor sich. Wie lange
noch und auch dieser Despot wird vom Schichsal erreicht
ind fällt seinen rachedürstigen Untertanen in die Hände.
Auch in Persien wird es wohl über kurz oder lang ein
ragisches Ereignis geben, vielleicht noch tragischer als das
m Osmauenreiche. — Nach langem Zögern und gespann—
en Verhandlungen zwischen Petersburg und London hat
Rußland einen Trupp Soldaten nach Täbris ge—
andt, angeblich unr die von den Truppen des Schahs
ingeschlossenen Freniden vor der drohenden Hungersnot
u retien. England hat ähnliche Maßregeln getrof—
en. Es scheint, daß es sich hier lediglich um ein Mittel
um Zweck handelt und es wird in Europa wohl kaum
iberraschen, wenn der Draht eines schönen Tages über
»ine Annexion des Perserreiches berichtet.

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* Im Reichsrate veurteilt man die 1unere xage al—
wesentlich gebessert. Tie äußeren Vorgänge
während der Vertagung haben die oppositionellen Par—
teieir fast vollständig gelähmt. Die Regterung hat die
Hoffnung, ihr ziemlich weitgehendes VProaramm unae
ört durchführen zu könner

Rußland.
*Die russische Politik in Persien läust, wie
aus Petersburg verlautet, darauf hinaus, die Provinz
Aserbeidschan zu otlupieren, um dort unabhängig von dem
übrigen Persien russische Reformen durchzuführen und dies
Gebiet dem russischen Einfluß zugänglich au machen
Bulgarien.
* Der Ministerrat berät über eine an den deutschen
ind ösierreichischen Vertreter abzugebende Erklärung be—
treffend die endgültige Regelung der Orientbahnfrage.
Unmittelbar im Anschluß daran werden die Gesanden
der Dreibundmächte gemeinschafilich die Anerlennung des
FJönigreiches ausdrücken

Reichsstagsauflösung?
Als eine Aufsorderung an den Fürsten Bülow den
Reichsstag aufzulösen, darf man wohl den Artikel der
„Nationalzeitung“: „Das konservative Ultimatum“, anse—
hen, in dem es am Schlusse heißt: „Die Regierung wird
richt lanze zögern dürfen, ihrerseits zu den Erklärungen
der Konservativen Stellung zu nehmen. Am besten würde
sie die Forderung durch ein anderes Ultimatum an die
Führer der konservativen Partei überstürzen. Die Mög—
sichkeit und die Mittel stehen ihr zu Gebote. Es kommt
nur auf den Willen an, die Souveränetät des Reiches als
Rocher de Bronce zu stabilisieren.“ Die „Kreuzzig.“ will
sich mit der Drohung einer Reichstagsauflösung nicht
schrecken lassen. Es erscheint uns auch sehr fraglich, otz
die Regierung den Mut zu einem solchen „leßßzten Schrita“
finden würde. Dem Liberalismus gewiß wäre es eine
zöchst angenehme Aussicht, mit amtlichem Hochdruck eine
Mehrheit im Reichsstage zu erlangen. Aber ob dieses
virklich das Resultat einer Neuwahl wäre, möchten wir
doch noch bezweifeln

53 122 *
Volitische Nundschau.
Deutsches Reich.
»Die amtliche „Straßburger Korrespondenz“ tritt in
tner Erklärung der Auffassung reichsländischer Blatter
ntgegen, daß die aus Lehrer- und Lehrerinnenkreisen
oemmenden Aeußerunzen über die Sprachenfrage, d. h.
iber die Einsführung des französischen Unterrichts in den
ßolksschulen, aus eine von der Regierung anaesettelte
Nache aurückzuführen seien
m Der „Reichsanzeiger“ veröffentlicht das Gesetz zur
lusfuͤhruig des Abkommens über den Zivilprozeß vom
7 Juli 1905. DTas Gesetz trirt gleichzeitig mit dem
bkommen über den Zivilprozeß in Kraft.
* Der Rat zu Dresden hat beschlossen, fämtliche sächsi⸗
che Elb⸗ und Industriestädte zu einer Petition an Bun—
erat und Reichstag gegen die Einführung von
„chiffahrtsabgaben aufzufordern. Es ist fesigestellt, daß
Zachfen eine Verteuerung der Elbfrachten bis in die ent⸗
Tacnsten Industriebezirke spüren würde.
Oesterreich⸗ Ungarn.
* Im Abgeordnetenhause erklärte der Handelsminister
n der Beamwortung einer Juterpellation, die Regierung
jerhaͤrre auf dem der preußischen Regierung bekannlgege⸗
enen Standpunkte, daß Oesterreich mit Rücksicht auf die
zurch die geplante Einführung der Schiffahrtsabgaben
o überaus gefährdeten Interessen der österreichischen Elbe
chiffahrt gezwungen sei, an den durch das Uebereinkom⸗
Jen vom 22. Zum 1870 zugeiicherten Rechten jestzuhalten.

—AAWAß——
Deutscher Reichstag.
Präsident Graf Stolberg erössnet die Sitzung um 24
Uhr. Am Bundesratstisch ist der Staatssekretär v. Nie—
berding erschienen.
Die zweite Beratung der Gerichtsverfsassungsnovell—
wird fortgesetzt.
Abg. Kirsch (Ztr.) beantragt, daß der Zeuge den
Eid dahin zu leisten habe, daß er nach bestem Wissen die
reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen habe.
Staatssekretär Nieberdina bittet, dem Antraa
zuzustintmen.
Hierauf wird der Antrag Kirsch angenommen. Ein
Antrag Ablaß verlangt, daß in der Eidesformel die
Worte: „bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden“
und „so wahr mit Gott helfe“ in Wegsfall komme.
Abg. Ablaß (sfrs. Vgg.) begründet diesen Antrag,
Die Vorschrift widerspreche den fundamentalsten Grund—
sätzen der Sittlichkeit und dem Zweck des Eides selbst,
der nur die volle Wahrheit verlange, aber für den Frei—
denker mit einer bewußten Lüge beginne. Seiner Em—
pfindung entspreche es, daß an die Stelle des religiösen
LFides cine reine staatlich geltende Beteuerung trete. Das
Zentrum müsse nach seiner Stellungnahme bei der Berat—
ung des Toleranzantrages diesem Antrag gegenüber üich
wohlwofllend verbalten

Irma

„Gewißz nicht, Vu Evastochter“, entgegnete er, „wenn
man es nur in edler, selbstloser Weise gebraucht. Aber
das ist schwer, sehr schwer; Du kennst doch die Geschichte
on dem Kamel und dem Nadelöhr.“
„Aber Papa, damit ist doch nicht gemeint, daß über—
haupt kein Reicher in das Himmelreich eingehen kann?“
„Nein, das nicht! Nicht unmöglich, sondern schwer,
ehr schwer ist es für einen Reichen, so daß ein reicher
HUann sich dieser Gefahr nicht aussetzen sollte.“
„Und doch hängen die Leute so am Gelde!“
Gilbert Darracote nickte.
„Ja, so sehr, daß sie selbst ihre besten Freunde be—
rügen, ihre Ehre beslecken und ihre Seelen verkaufen, nur
im Geld zu gewinnen.“
„Wenn Dir nun viel Geld angeboten würde, Papa
— wenn 3. B. dieser reiche Veiter, der von einer Schuld
pricht, die er bezahlen will, Dir Geld vermachen würde,
burdest Du Dich weigern, es zu nehmen?“
„Jener reiche Veiter ist nur ein oder zwei Jahre äl—
er als ich.“
„Aber er spricht von einem ernsten Leiden in diesem
Briefe. Z3war vermeidet er ängstlich das Wort „Tod“
Aber ich glaube gerade deshalb, weil er sein Ende heran—
iahen fühlt, bemüht er sich so, etwas von Dir au bören
»der Dich zu sehen.“
„Nun alfo, wenn er wirklich sterben sollte, was ich
richt hofse — der Tod ist fur jeden Menschen bitter —
ind wenn er aus Dankbarkeit für meines Vaters Güte
jegen ihn mir etwas Geld hinterließe, so würde ich das—
elbe nicht zurückwerren, Deinetwegen nicht, liebes Rind.
doch nichis liegt ihm ferner als das. Baue deshalb keine
Zuflsalssser, sondern geh' jetzt hinauf und ziehe Dein
sriechshhes Gewand an. Ich kann doch nicht ohne Sit
ung fertig werden“

Harier Dufresne, ein Maler in mittleren Jahren, be
rühmt als Führer einer modernen Schule der Kunst, zog
seine Augenbraunen in die Höhe und starrte, in den Stuh
zurückgelehnt, seinen Freund sprachlos an, während Ralph,
Rorbert, ein junger Amerikaner, ganz verwundert miit
dem Drehen einer ZSigarette innehieslt und Irina fragend
ansah. Auch diese war ganz bestürzt; dann eilte sie auf
hren Vater zu und ihn vorwurfsvoll anblickend, rief sie:
„Aber Papa, ist es möglich, daß Du solch eine Gelegen—
heit, solch ein Anerbieten, zurückweisen willst?“
Lächelnd blickte Darracote in das erregte Gesicht sei
nes Töchterleins; aber dieses Lächeln hatte eiwas mog
bar Trauriges, das den schari beobehtenden RNugen Duf—
resnes nicht entging.
„Glaube mir, liebes NKind“, erwiderte er, ich hal
m Leben gar vieles erfahren und oft genug gesehen das
das, was der Wensch Jahre lang erhozit and ꝛcseunt bat
chliehßlich, wenn es überhaupt noch onunt, zu spat fommt
das ist auch jetzt bei mir der Fall. Wire znir dies An.
Tbieten früher gemacht, ich hätte es mir Freuden will
kommen geheißen; jehnt ist es 4u ät. Es nust mi—
aichts mehr!“
„Aber warum nicht, warum nicht?“ riefen Irma um
die beiden Künstler eindringlich.
Unte darum“, fuhr er ruhig und ernst vort, als se
ihm plotzlich eine Eingebung geworden, „will ich di
Aufforderung, die jener Brief nthält und die ich deoch
vohl nicht unbeachtet lassen darf, annehmen und mi
Dir nach Amerika gehen.“
„Papa!“ rief Irma schmoslend, „wie kaunst Du
mich jetzt mit solchen Scherzen beruhigen wollen?“
„Ich scherze nicht, Kind!“ erwiderte er,
„Aber wie ist es denn pur möglich“, rief das funge
Mädchen ungläubig, daß Du in Ernt daran denken
'annst, ein solch' großes künstlerisches Anerbieten abzu—
cehnen, wegen einer Einladung, die uns nichts bieitel als
Geld, wenn sie uns überhaupt etwas dietet. Du fannsi
nicht verlangen, daß ich Dir das glaube!“
Darracote blickte auf seinen Freund, den ältern Ma—
ler, der ihn mit scharfen Augen beobachtet hatte und ver—
suchte zu lächeln.
„Nicht wahr, eine schlimme Sache, wenn man als
tandhaft bekannt iit! Handelt man dann einmal inkonit

„Erzähle mir, bitte, etwas von ihm. Weshalh haf
du ihn früher nie erwähnt?“
„Wahrscheinlich, weil ich nicht mehr an ihn dachte
Wie gesagt, wir waren uns nie sympathisch. Er spottete üben
neine Einbildungen, und ich verachtete ihn deshalb. Er
sat es weit gebracht im Leben — d. h. er hat ein gro—
zes Vermögen gesammelt, während ich, in dieser Be—
iehung nicht viel Ecfolg gehabt habe. Und doch möchte
ch jetzt ebenso wenig mit ihm tauschen wie in unserer
dindheit, als ich über seinen schmuz'gen, zemeinen Ehr—
jeiz schalt. Er hat seine ehrgeizigen Plaͤne erreicht, weil
r mit großer Ausdauer hier Erden gearveitet hat.
zu den Sternen emporzusteigen tist eben u anderes
n doch gibt es Naturen die quuhb dies au erreichen
offen.“
Seine Tochter war an den Ton, im dem er diese
Worte sprach, gewöhnt; trübe und puilosophisch, war er
edoch ohne irgend eine Spur von Bitterkeit. An seiner
Aufrichtigkeit konnte niemand zweifeln. Gilbert Darra—
dote war in der Tat einer von denen, die versucht hat—
ken, zu den Sternen empor zu klimmen, einer, der nie
eine Ideale verloren hatte, der nie der öffentlichen Mei⸗
iung geschmeichelt hatte. Und so war er mit seinem gro—
zen Genie unbekannt und unbeachtet geblieben, während
indere minder Begabte sich im vollen Glanz ihres Ruh—
nes und Glückes sonnten.
Er spricht hier von einer alten Schuld, die er gern
dezahlen mächte“, sagte Irma, wieder in den Brief se—⸗
hend. „Was kann er damit meinen?“
„Er meint eine Schuld, die er nicht mir, sondern ei—
nem' Toten schuldet', antwortete Darracote. „Nie würde
ich ihn an dieselbe erinnert haben; denn es ist eine Schuld.
die durch Gelde nicht abgetragen werden kann — und er
dentt an Geld. Freilich wird es ihm undenkbar erschei—
daß es Menschen gibt, die das Geld aufrichtig ver⸗
ichten.“
Und doch ist Geld eigentlich keine so üble Sache“.
harf' Irma ein, und vor ihren Auagen stiegen glühende
osen empor. F
2Mͥ— 3 v

2.
„Es tut mir leid“', sagte Darracote, „aber ich kanp
das Anerbieten unmöglich annehmen.“
Diejenigen, an welche diese Worte gerichtet waren,
rauten ihren Ohren nicht, so überraschend kam ihnen diese
Futgeanund
            
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