Full text : Dudweiler Zeitung (22.1909)

UIIVILIDV.
Aberst Müller, Inpektor der maroktanischen Polizei,
erklärt die Viitteilung französischer Blätter, er habe ei—
ten deutschen Deserteur aus der Fremdenlegion zu per⸗
õnlichen Dienstleistungen angestellt, als eine Erfindung.
Bekämpfung des unlauteren Wett⸗
bewerbs
HOer dem Reichstage jetzt zugegangene Gesetzentwurj
zur Bekämpfungedes unlauteren Wertbe
werbs enthaͤli gegenüber dem vorläufigen, im Dezem—⸗
ber 1907 veröffentlichten Entwurf einige Aenderungen.
In 8 1 des jetzt gelienden Gesetzes ist bestimme, daß,
ver in öffentlichen Bekanntmachungen oder M itteil—
dngen über die Beschaffenheii, Herstellungsart, Preis—
emessungsart von Waren unrichtuge Angaben
nacht, auf Unterlassung der unrichtigen Angaben in An—
pruch genommen werden kann— In dem jetzigen Para—
zraphen ist zu den unrichtigen Angaben auch noch die üͤber
den Ursprung der Waren hinzugefügt, es soll dadurch,
wie es in der Begründung heißt, ein Schutz der Tier—
und Pflanzenzüchter gegen mißbräuchliche Bezeichnung ol⸗
ver Waren sicher gestellt werden, welche nicht der r—
prünglichen Züchtung entstammen, sondern Abarten oder
inderen Ursprunas uͤnd.

2 lautet: Werden die im 81 Absatz 1 bezeichne⸗
en unrichtigen Angaben in einem geschästlichen Betriebe
»on einem Angestellten oder Beaustragten gemacht,
e ist der Unterlassungsanspruch auch gegen den Inhaber
tese? Betriebs begründet.
Neu sind weiter die Paragraphen 5 bis 9; sie lau⸗
en: s 5. Oeffentliche Bektannimachungen oder
Hitteilungen, die für einen größeren Kreis von Perso⸗
a bestimmt sind, über den Verkaus von Waren, die
aus einer Konkursmasse herrühren, müssen klar
»Rennen lassen, ob die zum Verkauf gestellten Waren
ioch zum Bestande der Konkursnmiasse gehoören oder sich
ereits in anderer Hand befinden. Wer vorsätzlich in der
nkündigung den Anschein hervorruft, daß Waren, die
zicht für Rechnung der Konkursmasse verkauft werden,
och zum Bestande der Konkursmasse gehören, wird mit
8ée1dstrafe bis zu 5000 Mark oder mit Gefängm«
»is zu einem Jahre bestraft.
86. Wer in öffentlichen Bekanntmachungen oder in
Titteilungen, die für einen größeren Kreis don Perso⸗
nen bestimmt sind, den Verkauf von Waren unter der Be⸗
zeichnung eines Ausverkaufs ankündigt, ist gehal—
—— anzugeben, der
zu dem Ausverkauf Anlaß gegeben hat. Durch die, hö—
zere Verwaltungsbehörde kann für die Ankündigung be—
timmter Arten pon Ausverkäufen angegeben werden, daß
zuvor bei der von ihr zu bezeichnenden Stelle An“
zeige über den Grund des Ausverkaufs und den Zeit—
»unkt seines Beginns zu erstatten, sowie ein Verzeich—
wirs der auszuverkaufenden Waren einzureichen ist.
*7. Mit Geldstrafe bies zu 5000 Mart oder
nit Gefängnis bis zu einem Jahre wird beftraft,
ver imn Falle der Ankündigung eines Ausverkaufs Wa—
en zum Wertaufe stellt, die nur fäetr den Zwededes Aus
erkaufs herbeigeschafzt worden sind, oder fur deren
Lerkauf der bei der Ankündegung augegebene Grund des
Ausverkaufs nicht zutrifft.
*58. Mit Gel dstrafe bis zu 150 Mark oder mit
haft wird besteaft: 1. wer der Vorschrist des 8 6 Ab—
atz 1 zuwider es unterläßt, in der Aukündigung eines
Ausversaufs den Grund anzugeben, der zu dem Ausper—
auf Amaß gegeben hat. 2. Wer den auf Grund des 8
Abs. 2 erlassenen Anordnungen zuwider handelt oder
ei Befolauna dieser Anordunnaen unrichtige Nnaaben
Unctt

9. Der Ankündigung eines Ausverlaufs im Sinne
»es 86 Abs. 2, des 8 7 und des *8Vr. 2 sieht jede
onstige Ankündigung gleich, welche den Verkauf von Wa—
den wegen Beendigung des Geschästsbetriebes. Aufgabe
ꝛiner einzelnen Warengattung oder Räumung eines be—
timmten Warenvorrats aus dem vorhandenen Bestande
etrifftt. Auf Saison und InventurAusver—
äusfe, die in der Ankündiguung als solche bezechnet
verden und im ordentlichen Geschäftsverkehr üblich sind—
inden die Vorschriften der Paragraphen 6 bis 8 keine
Anwendunz. Durch die höhere Verwaltungsbehörde kann
zeit und Dauer der üblichen Saison⸗ und Inventuraus
zerkäufe bestimmt werdan 8

—2— 2 — ⏑⏑ ⏑ Wart oder mit Ge—
angnis bis zu einem Jahre wird bestraft, wer die ihm
wecks Ausführung gewerblichen Aufträge anvertrauten
Zorlagen insbesondere Zeichnungen, Modelle, Schab
onen, Schuitte zu Zwecken des Weitbewerbs unbe
ugt verwertetoder an andere mitieilt.
Diese Bestimmung ist getroffen worden, weil aus den
retsen der Stickerei- und Spitzenindustrie über den Miß—
rauch Klage geführt wurde, der von Unternehmern mit
den ihnen von den Fabrikanten zur Ausführung von
Austrägen übergebenen Schablonen getrieben wird. Aehn—
liche Mißbräuche kommen auch auf anderen Industriege—
zieten vor

Die Krise auf dem Balkan
Die Befriedigung uver das Gelingen der Gerstän—
Ricung mit der Türtkei ist allgemein. In Wiener
ziplomatischen Kreisen hofsft man sogar, daß bald das
ilte freundschaftliche Verhaͤltnis zwischen Oesterreich und
»er Türktei hergestellt sein werde, wozu man in Wien
nit Freuden die Hand bictet. Offen bleibt nun nur noch
zie serbische Frage. Oesterreich ist bereit, trotz aller sfer⸗
ischen Provokatsonen auch hier Entgegenkommen zu zei—
nuen, durch einen günstigen Handelsvertrag und durch
ine Eisenbahnverbindung, aber auf österreichischem Ge—
iet. Diese Zugeständnisse wären wirtschaftlich von hohem
Vert für Serbien, das gut tun wird, darauf einzugehen.
zin⸗ vergebliche Hoffnung wäre es, wenn man in Ser—
nen meinte, irgendwelche Gebietsabtretung von Oester—
eich zu erhalten oder durch einen unbesonnenen Streich
rzwingen zu können.
Nach den Erklärungen, die der Großwesir Kiamil
Boscha dem österreichisch- ungarifchen Botschasten gab, er—
ennt die Türtei die Annexion Bosniens an. Oesterreich
ahlt dagegen 25 Millionen Pfund für die Domänen
n den annektierten Provinzen uͤnd ist mit der eventuel—
en Zollerhöhung und der Abänderung der Kapitulatio—
ien einverstanden. Oesterreich dürfte zunächst dort auf
eine eigenen Postämter verzichten.
Die Zahlung der österreichischen Entschädigung soll
in Raten im Laufe eines Jahres erfolgen. Die erste
AnzahlungAoll 20 Prozent vetragen.
Der österreichische Lloyd macht bei der Pforte wegen
es Schadens, den er durch den Boykott seitens der Tür—
lei erlitten hat. einen Entichädigungsanspruch von 1
Veillionen Kronen.
Wie die „Zeit“ von autoritativer Seite erfährt, ist die
Acubewaffnete österreichssche Feldartillerie mit einer voll⸗
tändigen, kriegsmäßigen Munition versehen, nachdem seit
Monaten alle staatlichen Fabriken Tag und Nacht daran
zearbeitet haben, damit die Kriegsbereitschaft Oester—
reich-Ungarns voltständig ist. Der Generxalremontierungs
inspektor Generalmajor Bacsak begibt sich aum Ankaͤuf
»on Pferden nach England.
Nach einer Konslantinopeler Meldung der „Times“
rtlärte der russische Botschafler dem Großwesir in einer
nterredung, daß Bulgarien nicht mehr als sechs
Nillionen Pfund Entschädigung an die Türkei
ezohlen könne. Die Vertteter der Mächte drückten dem
ßroßwesir die Hoffnung aus, daß auh eine Verständig⸗
ung zwischen Buigarien und der Tüni baldigsi erfol⸗—
jen werde.
Der Großwesir und der Mirister des Aeu—
zern haben sich allen Botschaftern gegenüber, welche
uuf der Pforte vorsprachen, befriedigt über das öster⸗
eichischungarische Angebot von 24 Millionen Pfund,
nd lobend über die Haltung und das Entgegenkommen
ResterreichUngarns, sowie über die Wirksamkeit und den
xrfolg des Botschafters Pallavicint ausgesprochen.
Die türkische Regierung erfuhr aus sicherer Quelle
on einer Konzentrierung bulgarischer Truppen an der
zrenze. Die Militär-Behörden haben Maßnahmen gegen
twaige Ueberraschungen eingeleitet. Die Babnlinie sieht
uter verstärkter Bewachung.
„Daily Telegraph“ meldet aus Belgrad: Das Mi—
isterium trat unter dem Vorsitz des Königs zusammen,
m über die durch die ösierreichisch-türkische Verständigung
eschaffene Lage zu beraten. Die Regierung beschloß,
orläufig abzuwarten, bis weitere Einzelheiten bekanni
vürden und drückte die Hossnung aus, daß die Interes
en Serbiens nicht gefährdet würden.
Oberst WBankowitich ist aus Rußland zurückgekehrt, w
er 1000 Pferde für die Axuüllerie gekauft hat.

Gerichtszettung
FEin Rauhbein. Von der Frankfurter Strafkammer
vird berichtet: Hermann Bausewein hat dem Gericht schon
iel zu schaffen gemacht. Wenn man ihn erwischt hat,
nachte er Selbstmordversuche oder bricht aus. Einmal
erletzte er sich an einer Glasscheibe der Strafkammerzelle
die Pulsader, ein andermal verschluckte er Holzsplilter.
Als er ins Krankenhaus kam, eutfloh er von dort am 27
Sertember 1908. Am 23. November wurde er wieder
jerhastet. Gegenwärtig hat er eine Zuchthausstrase von
18 Jahren zu verbüßen, die ihm von Frankfurt und
Tarmstadt zuerkannt worden sind. Die jetzt zur Abur—
eilung kommenden Fälle gesteht Brausewein im großen
ind ganzen zu. Er entschuldigt sich mit seiner großen
Nutlage und dem Umstand, daß er durch eine Handver⸗
etung seinem Gewerbe nicht nachgehen kann. Das Ur—
eil lautete wegen eines einfachen und eines fortgesetzten
Hhweren Diebstabls auf 214 Jahre Gefängnis. Eine Ge.
om titrafe konnte vorläufig noch nicht vollzogen werden.

Vermischtes
Die Wahrheit über Krügers Millionen. Die Le—
nende von den ins Meer versenklen Millionen Krügers
beruht, wie sich getzt herausstellt, nur was das versentte
Bold anlangt, auf Wahrrheil. Binnen kurzem erscheinen,
wic „Daily Mail“ aus Pietermarttzburg berichtet, die
Tagebuch-Aufzeichnungen des Hauptmanns Clarke, aus
denen hervorgeht, was es eigentlich mit Krügers Gold
auf sich hat. Gold ist tatsüchtich ins Meer versentt wor—
den oder vielmehr ins Meer versunken, aber nicht Krü—
gers Geld. Es bestand vor dem Burenkrieg eine ge—
heime Gesellschaft, die systematisch Goldminen Traus—
boaals plünderte und das Gold aus Afrita herausschmug—
gelte. Eine Goldladung, deren Wert auf 20 Millionen
Peark angegeben wird, 'ist vor gerade zehn Jahren an
Bord der Bark „Dorothea“ gebracht und, ohne daß Ka—
oitäön oder Mannschaft darum wußten, unter dem Bal—
last versteckt worden. Das Fahrzeug erlitt auf der Höhe
on Cap Vidal in der Saint Luzia⸗Bucht Schiffbruch.
und ein anderes Schiff konnte nur die WMannschaft auf—
nehmen, nicht aber das sinkende Fahrzeug retten. Von
den Trümmern der „Dorothea“, die man auflaufen ließ,
ist ein Teil 15 Meilen weit weggetrieben. Bisher sind
zwei Expeditionen vergeblich auf die Suche nach dem ver—
unkenen Gelde geschickt worden. Haupemann Glarke selbst
zat sich an der Suche beteiligt, bisher aber ohne Erfolg.
In jüngster Zeit hat sich in Johannisburg eine Gesell⸗
caft gebildet, die von der Regierung das Recht erwor—
ben hat, die versunkenen Schätze zu heben.
Kinder⸗sTheater. Der Kunst im Leben des Kindes
doird eine neue Hilfe zuteil. Die Vorstellungen, welche
die Kleinen im Theater genießen, genügen den Parisern
nicht mehr, sie sind ihnen nicht künstlerisch genug, und so
hat man beschlossen, ein Theater für Kinder zu bauen,
das all den Anforderungen entspricht, die ein kunstver⸗
töndiger Geist an Aussiattung und Darstellungskunst stellt.
Ix diesem Theater sollen (worin man in der padagogi⸗
chen Lehrhaftigkeit doch wohl zu weit geht) nur Stücke
noralischen und belehrenden Inhaltes und zwar aus,
chließlich an Nachmittagen gespielt werden, gänzlich aus
geschaltet sind alle aufregenden und die Phantasie der
dieinen erhitzenden Darstellungen. Die Kulissen werden
von ersten Künstlern gemalt, die Kostüme von den größ—
— irgend moͤglich
ollen Gegenstände, Tiere und Pflanzen im natürlichen
zustande auf die Bühne gebracht werden. Ehe aber der
Vrundstein zu diesem neuen Unternehmen gelegt wird,
will das Komitee im Besitz einiger entsprechenden Dra—
nen sein. Zu diesem Zwece sind an alle bekannten Ju—⸗
zendschriftsteller und —Schriftstellerinnen Frankreichs Auf.
urderungen ergangen, für elnen hohen Vreis ein ein
vrechendes Drama zu verfassen.

X
(Wegen Telephon-Störung mit Berlinu mutzte der
Reichstagsbericht heute ausfallen.)

— — ——
Sαα

Schicksuꝛ des Bebens.
f*ine Erzählung aus der Prärie

Deshalb
vollten sie mich am Rande der ersten besten Schlucht lie—
sen lassen, wo die Wölfe bald die Erkennung meiner Lei—
he unmöglich gemacht hätten. Ich ward scharf bewächt
ind konnte nicht entkommen; und so machten wir einige
Tagreisen. Das Wetter war wieder klar und nicht kant.
* tiefe Schnee aber machte die Roeise sanasam und müh—
e110

„Fines abends hatten wir uns eben gelagert, als in
er Nähe lautes Hurrageschrei ertönte und sich alsbald
in halbes Dutzend weißer Männer zeigte. Ich eilte ihnen
ofort entgegen, Die Indianer wagten nicht, sich einzu⸗
nischen, so drohend und unheilverkündend hre Mie—
en auch sein mochten. Ich erzählte den Ankömmlingen
geine Lage und erhielt die Zusicherung ihres Beistandes.
die Männer, die so zur rechten Stunde erschienen, weren
us Jowa und hatten sich aufgemocht mit der kühnen Ab—
ich, die Prärie zu durchkreuzen und einen beftimmten
blatz zu suchen, der goldhaltig sein und im Wimer äu—
ꝛerst mildes Klima haben sollte. Sie drangen in mich, sie
begleiten, und sagten mir, daß sie genügende Mund—
zorräle bis zum Frühjahr hen und verhießen mir
lück in den Goldgruben. Ich schloß mich ihnen an, weil
) ohne Führer war und oͤhne Lebensmittel überdie
hneebedeckte Prärie doch nicht hätte heimkehren können.
Nein einziger Kummer war der Gedantke an die Trauer,
ie mein Verschwinden zu Hause verursachen mußte. Ich
eschloß, durch die erste uns begegnende Person uüber mein
zerbleiben Kunde zu geben, schrieb auch zweimal wah—
end des Winters; die Briefe aber scheinen nicht an ihre
ldresse gelangt zu Im Frühling strömten aus allen
estlichen Staaten Leute in die Gegend, in der wir uns
ꝛifhielten; Alle wollten Gold graben. Da erfuhr ich von
inigen, daß meine Eltern tot und meine Geschwister fort⸗
ezogen wären. Nun schrieb ich nicht wieder, d da⸗
egen sie aufzusuchen, sobald ich eine ansehnliche enge
sßoldes gefunden haben würde. Aber ich war nicht glück⸗
ich und mein Besitz mehrte sich kaum merklich. Mein Er—⸗
taunen jedoch war unbeschreiblich, als eines Tages mein
bruder bei den Goldgruben anlangte; noch größer aber
var mein Schmerz über seinen Geisteszustand. Er war
neist ruhig und ernst, erzählte mir, was zu Hause sich zu—
jetragen, wie er beraubt und fast erschlagen worden, und
voffe nun den Täter in den Minen zu snden. Dabei be—
auptete er stets, daß Bertha gestorben sei. Seltsamer
Veise war er der gluͤcklichste Graͤber; es war, als ent—
üllte ihm irgend ein geheimer Sinn die Stellen, wo sich
vold fand. Wir häuften emsig Schaͤtze zusanmen, hielten
mnseren Boesitz iedoch so pier As dglith geheim. Nor

ꝛinigen Wochen erschienen Philipp Durns und NYanke⸗
Paul in den Minen und erzählten von dem Aboenteuer,
das während eines Präriebrandes bei Nacht und Sturm
ein junges Mädchen in ihr Zelt brachte. Sie teilten alle
Einzelnheiten mit und nannten sie Miß Dover, so daß
ich folgerichtig schloß, es sei meine Schwester und ihr Tod
ei nur ein Gebilde von Rolfs irrer Phantasie. Ich näherte
nich den Männern, ließ sie das Aeußere ihres Schützlings
eschreiben und befchloß, sofort mich hierher zu begeben.
Das Wetter war noch schön, Yanee-Paul wollte heim—
ren und unser Gespann sollte uns vereint weit über die
Prärie bringen, bevor die Stürme den Uebergang gefähr—
ich machten. Mein Freund Niles begleitete uns und so
'amen wir glücklich hier an, wo wir so unvermutet die
ang vermißte Schwester trafen.“
Ein trüber Schatten flog über Berthas Antlitz. Sie
rinnerte sich plötzlich, warum sie hier sei, und fraͤgte sich,
»b man sie wohl rufen werde, die Trauuug zu beendigen.
Wieder herrschte tiefes Schweigen. Allen dachte, welch
chreckliche Eröffnung der Schwester noch zu machen sei,
uind fürchtete deren Wirkung auf ihr ohnehin angegriffe
aes Nervensystem.
„Allen, Bertha, wie kommen wir hierher?“ rief plötzlich
 Ue Stinme
Die Geschwister und der Arzt eilten an das Bett: Ralf
var erwacht. Der düstere, teilweise Wahnsinn war dem
Jellen Strahl der Vernunft gewichen: und der Arzt drudte
die GSände der Geschwister in stummer Beqlückwuͤnschung.

14.
In einem anderen Zimmer des Hotels, nahe der
SZtelle, wo er, ein Bild männlicher Krast, wenige Stun—
en vorher gestanden und die Hand der Braut gehalten
satte, lag nun Harry Chapmans Leiche. Ein halbes Dut⸗
end junge Leute, die gekommen, sich beim Taͤng zu be⸗
ustigen, waren allein übrig geblieben von der zahlreichen
vesellschaft: sie hielten Wache bei dem stillen Toten.
Perte wußte nichts davon. Sorgfältig hatte man
hr den Tod ihres Bräutigams verheimlicht; und sie war
o, tief erschüttert durch das unerwartete Wiedersehen ihrer
ot geglaubten Brüder und durch die plotzliche Unler—
rechung der Trauung, daß ihr die Abwesenheit Harry
Thapmans kaum auffiel. Als der Arzt sie dringend er—
nahnte, zu Bette zu gehen, folgie sie seinem Rate, wandte
ich aber unter der Türe noch Linmal zu ihren Brüdern
im und sagte: „Ich fürchte mich beinahe, Euch aus dem
Auge zu verlieren, Ihr könniet morgen wieder verschnn
en sein.“
„Ich mache mich für Ihre Brüder verantwortlich,“ er⸗
viderte lächelnd der Arzt; gehen Sie ohne Sorge und
zrholten Sie sich von des Tages Austegung.“
Bertha wünschte gute Nacht und krat in den Korri—
dor, der nur vom fahlen Mondlicht erleuchtet war. Si—
var noch nicht weit gekommen. so stieß sie an den Leit

eines Menschen, der im Schatten der Treppe auf dem Bo—
den lag. Sie erschrak erst heftig, erkannte aber sofort
Nubbin, der bitterlich weinte.
8 tust Du hier, Nubbin? Hat man Dir kein Bett
gegeben?“
„O, ich brauche kein Bett,“ schluchzte er, „ich bin doch
nicht so kalt wie erxr.“
„Was fehlt Dir? Bist Du krank?“
„O, wenn ich nur nichts gesagt hätte, wenn ich nur
geschwiegen hättel“
„Was meinst Du denn eigentlich, Nubbin? Ich ver—
stehe Dich nicht.“
„Ich hatte ihn immer so lieb,“ seufzte der kieine Ne
ger, der böse Dämon aber hetzte mich und es machte
nir Spaß, ihn mit Anspielungen zu quälen.
Unfähig, den Jungen zu verstehen, wollte Bertha eben
veiter gehen, als er sie am Kleide packtte und ängstlich flü—
terte: Haben Sie ihn gesehen, Miß Bertha?“
„Ihn? — Wen?“
— Massa Harry mit der großen Wunde im Kopf.
aus der Blut träufelt.“
Rubbin, was meinst Vu?“ keuchte Bertha. In deesem
Augenblicke ösfnete sich eine Türe und Allen erschien mi—
dem Arzte.
Bertha stand wie erstarrt, Rubbin hatte sich wieder aut
den Boden geworfen und —*8 laut.
„Der Junge hat es ihr gesagt,“ murmelte der Arzt.
„Wo ist Harry? Ich will ihn sehen, sprach Bertha
onlos, als die —8 ihr naͤherten.
„Warte bis morgen, liebe Schwester, es wurde Tich
zu sehr aufregen.“
„O nein, er war sehr gütig gegen mich während meiner
drantheit— vielleicht kann ich ihm auch irgendwie behilslich
sein.“ 3 —
Schweigend blickte Allen auf den Arzt, der einen Mo—
pent S und dann erst seine Hand auf Bertha's
rm leggttte
„Ste können nichts mehr für ihn kun, Miß; er leidei
nicht mehr, er ist toi.“ t ——
Tot? Sie glaubte es nicht. Hatte sie ihn nicht vo
venigen Stunden gesehen in voller Lebenskraft, an ihrer
Seite, in Lust und Freude?
ee, Der Arzt hielt es für gut, sie die Wucht des Ereig—
nissez auf einmal ertragen zu lassen, reichte ihr schweigend
den Arm und führte sie hinauf in das Zimmer, wo Harry'8
iag. Leise schlich Rubbin nach und bald standen sie vor
der aus rohen Bänken ertichteten Bahre, worauf des jun⸗
gen Mannes irdische Hülle ruhig.
Bertha brach bei diesen:. Anklid nicht zusammen: abe—
Antlitzes in ihrer Phantasie erbleichte

Fortsetzung solot
            
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