Tokales und Bermischtes
Dudweiler, den 23. April 1909.
8 Sehkraft und erbliche Belasturg. Die Untersuchung
es Sehvermögens der Schulk inder liefert schätzbares Matetial
ur Beurteilnng der Zusammenhäuge zwischen Sehvermögen
ind Erblichkeit. Der Voistand des nach dem berühmten
Anthropologen benannten Francis Galton-Laboratoriums in
rondon, Professor Pearfen, hat in Gemeinschaft mit Miß
Barrington das bisher Bekannte zur Klätung dieser wichtigen
Frage veratbeitet. Die wichtigsten Arbeiten auf diesem Ge⸗—
ete rühren von Dr. Adolf Steiger in Zürich, der sich mit
»em Studium der Krümmung der Hornhaut befaßte und von
»er Edinbargh Charity Organisation Sockech her, deren Be—
icht den Besund an 170 Schulektndern umsoßt. Minder
zutes Malterial haben die Elementarschul-Statiftilen in Lon—
son und in Glasgow gelitfert. Aus den vorhandenen Fest⸗
tellungen ergibt sich zunächst, daß eine wirtschaftlich ungünstige
rage ebenso wie körperlich oder moralisch mi'nderwertige Vor—
ahten ganz zweifellds im Sehvermögen der Rachkommen⸗
chaft nachteilig zum Ausdruck konimen. Veele Besonder⸗
eiten des Auges lassen sich deutlich als erbliche Eigenschaften
ekennen. Andererseita hebt sich die Beeinfl. durch das Milieu
chatf von der durch die Vererbung ab. Gut intellektuelle
Zeranlagung, soweit sie auf Grund der Urtele der Lehrer
mzunehmen in, zeigen keinen natürlichen Zusammenhang
nil dem Sehvtrmögen. Jedenflls ist aber die Gestallung
»es Auges, wie sie aaf Gin-d der Erblichkeitsverhäl:nisse
‚otliegt, das allerwesentlichste. Ein gutes Auge konn wohl
zurch das Milieu geschädigi werden. Umg kehrt aver wenn
as Auge von vornherein schwach und minderwertiz organisiert
st, vermögein Emnflasse det Umgebung und Erzi-hung nicht
nehr viel zu besseen. Prof. Prarson faßt diese Taisache in
ie otzeichn.den Worte zusammen: „Nötig ist erstens gute
Anlage, zweitens gute Anlage und zdrittens gute Aalage ...“
HDie Statistik gibt dieser Uaterstreichung volllommen recht.
Z Frauen in Mannerberusfer. Wenn man von Parie
ommend auf dem kleiuen Bahnhof des Dorfes Froissy aus—
teigt, so erlebt man die Ueberraschunz, eine Frau felbstständig
)en Dienst des Stationsvorstehers auefüühren zu sehen. Aber
ie ist nichj die einzige, dee in Frorssy sich mit Erfolg einem
männlichen Berase zugewandt hat; auch der Gepäckträger, so
nzählen die „Lectures pour Tous“, ist in Froissy eine Frau.
jer, Dorfbarbier ist eine Dame, und sogar die Würtden des
Amtsdieners, der mit der Trommel durch die Straßen zieht,
ind Bekaantmachungen verliest, sind in diesem Dorado der
Frauenemanzipation einer Dame anvertzaut, die ihren Beruf
nit Eifer und Geschick versieht. Der Gatte der Stations⸗
rorsteherin ift nur Zugfuhrer und untersteht dienstlich den
lnordnungen seiner Frau. Aber Froissy ist nicht die einzide
zemeinde, wo Frauen Berufe eigreifen, die früher ausschlicß
ich Männern zugänglich waren und die durch ihre Eigenart
sie Tätigkeil der Frau lange Zit überhaupt auszuschließen
chienen. Daß auf vielen Eisenbahastrecken die Bahawärter⸗
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interessant bleibt immerhin die Talsache, daß diese weiblichen
Baynbeamten ihren Dierst mit einer seltenen Zuverlässtgkeit
aussüllen und fast nie Anlaß zu einem Vorwurf gegeben
jaben. In England gibt es Hunderte von weiblichen Haad⸗
ungsreisenden, die nicht nur Wäsche und Modewaren ver⸗
aufen, sondern auch als Vertreterinnen großer Getreidehäuser
»der Vogeldüngerfiemen auft zuchen. Geößeren körperlichen
Anstrengungen unterziehen sich die „Feuerwehrfrauen“ von
Addleston, die wöchentlich unter der Aussicht einer Ftau Haupt⸗
nann ihte großen Uebungen vornehmen und dabei eine er—
taunliche Widerstandsfähigteit zeigen. Sogar der schwietrige
zeruf des Tauchers hat in England seine weiblichen Ver—
reterinnen gefunden. Miß Ward Soppandiere taucht in
»oller Ausxuftung mit dem Kupferhelm in die Meerestiefe
ind wetteifert dort an Ausdauer und Kraft mit ihren männ—
ichen Kollegen. In Newyoik hat die Newyork-Zentralbahn
or kurzem Miß Henrcette Sryder as Lolowotivführerin
mgagiert unb in Lorain in Ohio besteht ein ganzes weibliches
dolizeikorps, das ift aus 24 Damen rekruliert. Jetzt hat auch
ztockholm dies Beispiel kufgeguffen und weibliche Polizften
ingestellt. Die Newyorker Geheimpolizei beschäfügt eine
rotze Anzahl von Damen als Detektios, und eine difiadet
ich sogar im Tienfte des Marinemin'steriums, mit der be—
onderen Aufgabe, entwichent Deserteure auefindig zu machen
ind festzunehmen. Und sie erfüllt ihr schwieriges Amt mit
nößter Energie und mil größtem Erfolge.
Saarbrücken, 22 April. Eia trauriger Unzlücks—
all hat sich gestern abend gegen 6 Uhr an dem neuen Schal⸗
„ause am Wilhelmsplatze in Burbach ereignet. Dort ist am
drenzelsberge eine Absstlußmauer aufgeführt worden, die gegen
Ugr in sich zusammenstürzte. Unglücklicherweise spielten
zur Zeit des Vorganges zwei Kinder auf der Mauer. Das eine
dind wurde unter den Mauerteilen begraben und getötet, das
indere Kind blieb im Sande sticken und konnte gleich gerettet
werden. Die Burbachter Feuerwehr war sogleich zur Stelle;
ie stellte sofo Nachgrabungen an, da das Gecucht ging,
)aß zutzeit des Unfalles noch mehrere Kinder da gespielt
atten. Die Bemulhungen der Polizeiwaren aber eifolglos.
8 Saarbrücken. 23. April. In der gestrigin Schwur—
crichtssitzung hatten sich die Tagelöhner Peter König und
Nathias Schäser in Außen wegen Straßentaubs zu verantvorten.
König ist in Deutschland 17 mal, in Luxemburg
2 mal wegen aller wözlichen, meistens jedoch Sigentums—
Lergehen, mit Gesanguss vorbestraft. Schaäfer ist erst kürzlich
aus dem Zuchthaus entlassen worden, woselbst er wegen Er—⸗
chttßens seines Schwageis eine Strafe von vier Jahren
derbüßte. Beide Ang klagten siad beschuldigt, auf der Stiaße
weschen Außen und Ritieredorf abends gegen halb v Uhr
den Bergmann Roetter überfallen und ihm seinen Ueb rzieher,
Schirm, 1 Uhr, 1 Uhrkette, Misser, sowie ein Portemonaie
nit 2 Mark 80 Pfo. geraubt zu haben. Die Angeklagten
eugnen hartnäckeg jede Schuld, vecwickeln sich dabet jedoch
in Widersprüche. Durch die Zeugenaussagen geht die
Sdiuld der Angeklaaten zur Eoidenz hervor. Die Geschwo—
enen bejahen auch bei den beiden die Schuldftage, vereinen
edoch die Frage nach mildernden Umständen. Ver Gerichts
of beschließt analog dem Antrage der Staatsanwaltschaft.
dönig wird zu einer Zuchth ausstrafe von 6 Jahren 1 Monat
Schäfer zu kiner Zuchtshausstrafe von 3 Jahren, je 5
Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Poli⸗
eiaulsicht verurteilt.
— 8 Saarbrücken, 21. Apiil. Von der hiesigen
Staalsanwaltschaft we den der 24jährige 3vtlar wärier Paul
glein und der 2jahiige Fristur Alb. Wilhelm, beide ous
dulzbach, wigen Diebstahls und Unterschlagung von insgesamt
3000 M. bezw. wegen Belhilfe dazu steckdrieflich versolzt.
luf die Etgreäfung des Klein und die Wiedererlangung de—
zeldes ist ne Baoh. ung bis za 1000 M. ausgesetzt.
8SAltenwalbd, 22. Anril. Eingebrochtn wurde hier—
birin der Nachkt von dienstag auf Millwoch in das G.sdäit
des Hetrn Rau. Den Dieben fiel ein Barbetrag von 100
Nark in die Hände. Vor ihrem Abschied stärkten sie sich
ioch aun Speise und Trank in der Küche.
() Elberseld, 22. April. (Keichenfsund.) In der
Ruthenbeck wurde eine Frau als Leiche aus dem Kanale
der Wupper gezogen.
() Elbverfeid, 22. April. FJugendliche Die—
hesbander) Die Polizei hat hier wieder eine Die—
yesbande festgenommen, die aus elj⸗- bis dreizehnjährrgen
Inngen vesteht. Seit Mai vorigen Jahres begingen die
Bürschchen fortgesetzt Diebstähle; sie siahlen, was zu er—
eichen war, cm haufigsten fuhrlen sie Taschen und La—
endiebjtähle aus. Erstere sind in 28, letztere in 50 Fäl—
en sestgestellt. Es fielen ihnen zum Teil höhere Beträge
nudie Hände. Das Vormundschaftsgericht hat die Unter—
»ringung der Kuaben in Fuürsorgeerziehung beschlossen.
(2) Krefeld, 22. April) Ein neues Luftschiff.)
Fin neues Lustschijf hat der Krefelder Kaufmann Theo—
dor Zorn erfunden. Die Neuheit liegt nach hiesigen Blät—
ern hauptsachlich darin, daß das Lujftschiff, welches in
der Gesamtheit eine längliche Form, nach Art der ge—
möhnlichen Schiffskörper besitzt, nicht aus einem, sondern
rus drei Teilen besteht, welche unter sich durch geeigneie
Zwischenteile verbunden sind. Die drei Teile bilden jeder
für sich einen abgeschlossenen, mit Gas gefüllten und in
sich starren Körper, während die Zwischenstücke, die als
Lerbindungsglieder gelten, beweglich sind. Diese Bewej—
ich“eit soll eine besonders gute Steuerung und Manöv
riersähigkeit des Lusftschiffes bedingen, das als Gasschiß
mit Motor und 6 Propellerschrauben gedacht ist! Is
nach der Größe, die zwischen 30 und 150 Meter Länge,
1bis 20 Meter Durchmesser vorgesehen ist, wird die
Zeistungsfähigkeit an Tragkraft sein. Ferner sind für
trategtiche Zwecke besondere Einrichtungen vorgesehen.
zur mealisierung des Systems ist eine Gesellschaft un—
er dem Namen: „Rheinische Patent-Luftschifffahrts-Ge—
ellichaft Zorn u. Hense“ gegründet worden, die ein zur
Frankfurter Luftschiffahrtsaussteluung angemeldetes Mo—
zell sertiggestellt hat; es ist die Aufstellunz dieses Mo
dells im hiesigen Museum gesltattet worden.
5) Münster, 22. April. (CKandtagswahl.) Zum
andtagsabgeordneten im Wahllreise Sieinfurt-Ahaus ist
xabrikbesitzer Cohaus⸗Stadtlohn gewählt worden.
(5) Kamen, 22. April. (Selbstmord.) Der Gärt—
ier Herzog aus der Südenfeldmark hat sich vergiftet. Ein
yrund zu der Tat ist bis jetzt nicht bekannt.
() Wiesdorf, 22. April. (Ein Frevel.) Durch
ine unsinnige Wette kam hier ein Menschenleben zu
Tdode. Ein Kostgänger wettete mit seinen beiden Schlaf—
ollegen um einen Liter Schnaps, daß er quer durch
den dihein schwimmen werde. Gesagt, getan! Nachdem
nan sich noch den nötigen Mut angetrunlken hatte, ging
nanu zum Rhein, wo der Wettende sich auszog und sich
Urzerhand in die Fluten siürzte, um auch nicht wieder
zum Vorschein zu kommen. Die Leiche des Ertrunke—
ien war bis tags darauf noch nicht geborgen.
() Coblenz, 22. Apris. Ersatz für verlorene
AVVV
vissen Faͤllen geleistet. Um die Ersatzleistung zu be
chleunigen, den Geschäftsverleht zu vereinfachen und das
zchreibwerk zu vermindern, hat das Reichspostamt soeben
eiine Reihe von Aenderungen angeordnet, die am 1. Mos
n Krast treten. Die Ersatzleistung für verlorene und be
chädigte Vakete ohne Wertangabe, die im Reichspostge,
ziet aufgeliefert und nach Orten des Reichspostgeviets
estimmt sind, erfolgt selbsiändig durch die Aufgabepost—
intler, soweit der Ersatzbetrag ohne Porto und Ver
auscerlös nicht über 6 Mark hinausgeht. Für Send
ingen, die bei Posiagenturen aufgeliesert worden sind
rfolgt der Ersatz durch die Abrechnungspostanstalt. Tit
enticheidung ist möglichst zu beschleunigen. Dann ist un
jesäuut entweder Zahlung zu leisten oder der Antrag
teller mit Angabe der Grüuünde schriftlich zu bescheiden.
Verden mehr als 6 Mark Ersatz gefsordert, so hat die
Rberpostdirektion wie bisher die Enischeidung zu ireffen
Lenn der Ersatzanspruch aber nur deswegen zu vbean
tanden ist, weil nach Maßgabe des Gewichts eine Ent
chädigung über 6 Mark hinaus gesetzlich unzulaͤssig ist
o sind die Postämter für die Ablehnung selbst zuftän
dig. Bei der Oberpostdirektion werden die Ausgabenach
veisungen für Ersatzleistungen auf ihre Richtigführung nu
ioweit gepruft, ols die Prufung nicht jchon durch die
Jezirksaufsichtsbeamten bei den Revisionen siattgefunden
at. Die Bestimmungen finden auf das Ersatzverfahren
ir Reisegepaäck ohne Wertangabe sinngeniöß Anwendung.
u'er Umständen soll später die Zuständigkeit der Post—
uiter noch erwettert werden. Die Oberpostdirektibnen sind
ngemiesen, Anfang Oktober 1910 über ihre Erfahrunzen
ind Ansichten zu berichten.
(6) Metz, 22. April. (Vergiftungen.) In Mols—
eim erkraͤnkten unter Vergiftungserscheinungen vierzig
zersonen. Man führt die Vergiftung auf den Genuß
oun Torte zurück
— ——
Aus aller Welt.
v Opfer der Stierkämpfe. Bei einem in Sev'illa statt
ehabten Stierlampf trat der bisher noch nicht dagewesent
Fall ein, daß alle drei Matadoren von Stieren schwer
serwundet wurden, so daß das blutige Schauspiel nich
zu Ende geführt werden konnte. Auch mehrere Zuschauer,
ie sich in die Arena wagten, wurden von den Stieren
zuf die Hörner gespießt und tödhch verletzt.
* wölf Tage ohne Nahrung. Ein Volksschullehrer
n Wien, der wegen Mißhandlung von Knaben stellungs
os war, geriet in Not und legte sich im Prater nie—
»er, um den Hungertod zu erwarten. Nachdem er 12
Tage und Nächte in seinem Versteck gelegen hatte, ist er
son einem Wachmanne völlig entträfiet aufgefsunden und
ns Spital geschafst worden.
* Ein Feind der Weinberge. Aus Nimes wird ge—
neidet, daß zahlreiche Massen von schwarzen, behaarten
staupen, die die jungen Knospen der Weinstöcke vertilgen,
in den Weinbergen von Beouvoisin aufgetreten sind und
daselbst arge Verwüstungen angerichtet haben.“
Gerichtszeitung.
zEin geriebener Gauner. Der kürzlich in Aachen
erhastete Schwindler in Ofsiziersuniform hatte sich vor
der Strafkammer in Aaschen zu verantworten. Es hau—
delt sich um den 24jährigen früheren Klempnergesellen W
Büls aus Neuwied, der sich in den letzten Jahren
von Diebstählen und Beirugereien ernährt hat und die
erhalb schon oft bestraft worden ist, auch schon in Für
urgecrzicrhung war. Güls verlegte sich hauptsächlich au
Zechpreltereien und Schwindeletien. Nach seiner Verhatt
ung in Aachen ist Güls bereits in Köln wegen Schwn
deleien und Zechprellerei zu zwei Wochen Gefängnis ver
urteil; worden und von Frautfurt a. M. wird er noch
zu einer Aburteilung verlangt. In Aachen hatte er sich
wegen Betrügereien, Diebstählen ꝛec. in Neuwied, Bom
Deut, Koln, Tüsseldortf, Königswinter, Siegburg, Tü
en und Acchen zu verantworten, im ganzen wegen ei—
iiger zuanzig Falle. In Bonn war er zu den Osii
iersunisornmitucken gekommen, die einem Reserveleutnanu
sehörten. Seitdem trat er als Artillerie-Offizier auf. De.
tugeklaate war geständig. Er wurde wegen Betruges in
5. Faͤuen und schweren Tiebstähls in zwei Fällen zu ei—
ter Gejamtzuchthausstrase von fünf Jahren und zu ein
Reldsftrafe von 4000 Mark verurteili. Auch wurde Zu—
issuna von Bolizoiauflsicht ausgesprochen
2000 Störche uber Jerusalem. Vor wenigen Ta—
gen zeg ein Schwarm, Srorche über Jeru'alem nach Nor
den hin, der auf mehr als 2000 Stuück geichäßt wurde
Sinige ließen sich zun Trinken beim Mamilla-Teich nie—
der, wo fünf Stück gefangen wurden. Einer derselben
trug einen Alummiumring mit der Aufschrift Ornith,
Központ, Budapest, Hungaria 293. Es haudelt sich also
unt einen weißen Storch, der im Spätsommer in Un—
garn mit einenm Ninge versehen wurde und bei seiner
Rückkehyr in die Heimat scinen Weg über Jeru—
tialein nahm. Das betreffende Exemplar wurde dem
Nuseum des Lehrerseminars in St Paulus-Hospiz in
Jerusalem verehri
Humoristische Ecke.
*Juristische Frage. Eine Dame trägt ihrer
Dammerzofe auf, vom Buchhändler eine bestimmte Faust—
rusgabe zu holen. Die Zofe bringt zwei Ausgaben, da
runter aber nicht die gewünschte. Erzürnt schlägt ihr die
Dame beide Bücher um die Ohren. — Kann die Zofe
aun ihre Herrin verklagen, mit der Behauptung, daß die—
selbe sie mit „Fäusten“ geschlagen habe?
*Pech! Dichterling: „Das ist doch gemein! Nun laufe
sich siundenlang heraus ins Freie, um durch den frischen
—ßrdgeruch Anregung zu einem stimmunzsvollen Gedicht
zu belommen . . . und nun will mir absolut der famose
Würstelduft, den ich beim letzten Wirsshaus gerochen
habe, nicht aus der Nase:“
*Zusehrengagiert. Richter: „Sie müssen doch
wissen, ob Ihnen der Angeklagte wirklich einen wuchti—
gen Schlag versetzt hat?“ — Zeuge: „Herr Präsident, das
kann ich nicht beschwören, denn ich prügelte gerade ei—
nen andern durch!“
*Leicht abgeholfen. Verwalter: „Wissen Sie
es schon, Herr Braumeister, der Hopfen ist um hundert
Prozent im Preis gestiegen.“ — Braumeister: „Das macht
nichts, dann brauen wir ohne Hopfen!“
*—Kaltblütig. „.. .. Einen sechsmonatlichen Au—
kenthalt an der Riviera hat dir der Arzt verordnet? Ja,
zann muß ich Pleste machen!“ — Sie: .Und wann könnt⸗
ch dann abfahren?“
*Er kennt es! Hauseigentümer: „Wie können Sie
agen, daß sich die Gegend für Ihr Geschäft nicht eig—
iet? Es gehen doch da so viele Menschen vorbeil!“ —
Wirt: „Das ist es ja eben, sie gehen — vorbei!“
Unterschied. Moritz: „Papa, sag' mer, was is
sor ä Unterschied zwischen einer Schenkung und einem
Darlehen?“ — Papa: „Nu ... wenn d'r jemand 'was
sichentt ... brauchst De ihm nix zurückzugeben, keinen Pfen—
nig ... wenn De nimmst ä Darlehen, da sollst es zu—
rückacben!“
Ueneßte Nachyrichten und Telegramme
Depeschen Bureau Herold.
*Trutr, 22. Aril. Durch die Wellen eins Dampfschif—
es wurde bei Trier die Leiche eines unbekannten älteren
Mannes ans Ufer gespuürtt. Schwere Koplsverletzungen
machen ein Verbrechen wahrsche n'ch.
* Metz, 23. April. Auf dem Rangierbahnhof Deuisch
Dth fuht eine Lokomonve in eine Rotte von 8 Arbeitern.
nur zwei Rottenarbeiter konnten sich noch rechtzeikig in Sicher—
heit bringen. Von den 6 übrtgen waren zwei sofort tot, die
andere 4 sind schwer verletzt
* Düssedorf, 28. April, Wegen Unterschlagung von
12000 Mark fiemden Gelder wurden hier die Inhaber des
J. kasso-Güschäfts Kroft und Her s verhastet.
* Hannover, 23. April Der „Hannoversche Kurier“
zlaukt mitteilen zu können, doaß bei Reubesttzung des Kaltus—
ninisteriums nach dem Abgang Dr. Holles eine Teilung des
Ministeriums außer Frage siehe, das Ressort Kultus- und
Medizinalangelegenheisen wird Ministeraldireltor Dr. Schwartz
kopf erhalten, wahrend die Schulangelegenheiten deu bekaunn⸗
ten Oberbürget Adkes übertragen werden wird
*Gmunden, 23. April. Kurz vor der Ankunft des
deutschen Kronprinzen in Wien reiste die Famite Cum
berland, die bisher in ihrem Wiener Palais weilte, ab.
*Paris, 23. April. Präsident Fallieres sandte au den
Fönig von Bulgakien ein Glückwunschtelegramm, das
die Adresse trug: An Seine Majesiät König Ferdinand 1.
von Bulgarien. Damit erkennt Frankreich die Unabhäm
zigleit Bulgariens von der Türkei an.
e e cr
icenums auf der Sce aus astbarteit des Privan
* Paris, 22. April. Aus Nimes wird gemeldet, daß
g'oße Massen ron schwarzen behaarten Raupen, die die jun—
gen Krospen der Weinstöcke vertilgen, in den Weinbergen von
Btauvoisin aufgetreten seien und daselbst arge Verwüftungep
angerichtet haben.
* Petterslurg, 23. April. Das Auswärtige Amt hat
an das Keiegsministetrium een dringendes Schreiben gerichtet,
unverzüglich dasür Sorge trazen zu wollen, daß eine genü—
gende Zahl von Truppen an der persischen Grenze donzen—
triert werde, zur Unterstützung der diplomatischen Aktion
Rußlands und Englands. Man eiwartet dnech das Eintreten
der beiden Mächte eine schnelle Wiederheistellung friedlicher
VLerhältnisse in Peisien.
* Täbris 21. April. Seit Tagesanbrucht wütet zwi—
schen den Nationalisten vnlter Sardar Khan und der Truppen
des Schahs bei dem Vorort Schang zan ein heftiger Kawmpf
bei dem die Nationalisten 60 Tote und hundert Ver vunde⸗
te halten, wähcend die Verluste der Schahtruppen unbekannt
sind. Die Russen haben sich aus Fuccht mit ihtem Eigen—
tum in das russische Konfulat geflüchtet. Der russische und
der englische Konsu. teilien den Enischumen am Nachmittag
die Nachricht von der Bewilligung des sechstäfüigen Waffen-—
tillstands seitens des Schahs mit. Der Waffenstillstand isi
am Montag Nachmittag obgelaufen, erweckt abet keine gro—
hen Hoffrungen, d. bei dem Fehlen von Tra spoctmiitela
die Herarziehung von Prov ant auf aroßke Schwiertaleiten
stößt.
* Rem, 23. April. Aus den Trümmern des duich Erd
beben zerftötten Messina sind bis jetzt 25 000 Leichen har—
ausgegraben worder. Nach der Liste der Verm ßien müssen
neoch 46 000 Tote geborgen werden. Wann diese Arbeit be—
endet iß, läßt sich nicht sagen.
* Konstantinspel, 22. April. Die Liste der von den
Junktürken zu bestrafenden Pessonen enthält 543 Namen.
Die Lste befiadet sich in den Handen dis Generals Huesznie
Pascha, der jitzt im Hanptquartler von altali steht. Unter
den 543 Leuten befinden sich 11 Palagbeamte, 22 Vubl zistin
davon 15 Redakteure von Zeiturgen. Der „ef sind Milt—
—VVV
ver Bahr und zu Fuß Konstan'inopel, oor der Operatione—
Armee flüteud.
EHierbei eine Beilage des Sueioerendanlis Gebr
Fischel St. Johann Bahnhofstr. 1539.