Ag, Wiau 1. Vp.): Wir stehen auf dem Stand—
»unkt, daß die städtischen Oktrois verschwinden müssen.
Im Juteresse der bayerischen Gemeinden bitte ich Sie
iber, die Frist bis zum Dezember 1914 zu verlängern.
Abg. Bassermann (naill.) bittet, über die Pe—
itien zur Tagesordnung überzugejen. Man dürfe an dem
JZolltarif nicht rütteln.
Vayerischer Ministerialrkat Strösssenreuther
»ittet ebenfalls um Verlängerung der Frist, in der die
Oltreis weiter erhoben werden können.
Sächsischer Bundesrass-Bevollmächtigter Fischer
ritt eben alls für die Petition ein.
Aba. Dr. Heinze Matlib.) bittet als Vertreter
Dresdens ebenfalls um Verlängeruͤng der Frist, in der
zie Oktrois weiter erhoben werden können.
Abg. Gothein (Irs. Vag) lehnt die Petition ab,
nährend der Abg. Werner Gicsormp.y) den Antrag
Wölzl besürwortet.
Vizepräsident Paasche teilt mit, daß ein Antrag
ruf nameniliche Abstimmung eingegangen isi.
Abg. Spechk Gir.) erklärt, daß auch er prinzipiell
ür die Aufsebung der Oktrois fei, aber aus Rücksicht auf
zie besonderen prekären Verhältinisse der beteiligten Ge—
neinden für den Antrag Wölzl eintrete. Nach unwesent—
icher weiterer Debatte, an der sich der preußische Ge—
ceintrat Struttz und die Abgg. Pauli (consy). H i l⸗
ebranud (Soz.), Lender (Z3t), Gothein frs.
Lag.), Stolle ESoz.), sowie der bayerische Ministe⸗
ialrat Sträußenwenther beteiligen, wird die
Diskussion geschlossen. Nächste Tagesordnung: Beratung
ꝛer Petition über die Identitätsnachweise, sowie des Am
rages der Polen über die Freiheit des Grundeigentums—⸗
7WMerbeẽ
Cokales undo Bermischtes.
Dudweiler, den 22. April 1909.
F Polizei⸗Bericht. Angezeigt wurde eine Frau aus Herren⸗
ohr wegen Hetzens eines Hundes auf Menschen und eine
Bergmann wegen Bedrohung. — Festgenommen und dem
stöniglichen Amtsgericht vorgeführt wurde ein Mann wegen
Bettelei und Wiedirstandsleistune.
s Nach Mitteilung des Westfälischen Dragener-Reziments
ser. 7 in Saarbrücken ist die unter den Pferden des ge—
rannten Regiments auszebro hene Brustseuche erloschen.
gʒ Freiwillig der Polizti gestellt hat sich gestern der
Nörder Puhl, der vor enigen Tagen im Stadtbezirk Ali⸗
Zaarbrücken seinen Stiefvater ecschossen hat. Gegen 11 Uhr
and er sich auf dem 3. Polizeirevier ein. Mangel an Mittel
jat ihn wahrscheinlich zu dem Schritte veranlaß‘. (Sbr. Vztg.)
8 Der erst vor kuczem zum Priester geweihete Herr Jal.
Seibert. Sohn des langjährigen Lebrers Peter Seibert zu
zerrenrsohr, ist als Kaplan nach Losheim, Kreis Merzia er—⸗
zannt worden.
8 Beachtenswerte Aeußerungen üder die Zukunft der
kriegs marinen hat der amerikanische Schiffbauingenleur Nixon
jer jetzt nach einer Studienreise aus Deutschland und Ruß—
land zurückgelehrt ist, in Newyork einem Interviewer gegen—
iber geian, die im Munde des erfahrenen Fachmannes be—⸗
onderes Gewicht haben. „Ich glaube, daß die Kriegsschiffe,
zie nach einem Jahrzeh t, donstruiert werden,“ so äußerte sich
sNiron, „sowohl in ihcen Größen elt auch in ihren Knften
ailies üb rtreffen werde, was heute schwimmt oder ge lant
vird. Es gibt keinen Grund, warum nicht Scheffe von 40⸗
der 50 000 Tonnen gebaut werden sollen, vor ausgesetzt, daß
nicht besondere Eifindungen eine Umwälzung des Seekri gs⸗
pesens hervortusen.“ Auf die Feage, ob er an die Möglich—
eit einer derartigen Umwälzung des Seekriegswesens glaube,
rwiderte er, daß die Möglichkeit nicht allzu klein wäre. Als
gie amerikanische Flotte ihre Welireise ausführte, kam eines
Tages die Meldung, daß ein Matrose verletzt worden sei
purch den elektrischen Strom, der zwischen zwei drahtlosen Te⸗
efonapparaten ausgetauscht wurd⸗. Nur wenige Leute lasen
dicse kleire Notiz, die rach meiner Ansicht außerordentlich
vichtig is.“ Denn Mixon hält es nicht für unmöglich, daß
ünfstige Entdeckungen es eimöglichen werden Schiffe zu bauen,
ie imstande sind, gewaltige Elektrizitässkräfte ausjustoßen, die
et einem vielleicht acht oder zehn Kilometer entfernten Schiffe
me lebenden Wesen an Vord vernichten können. „Marconi
jzat entdeckt, wie man ohne Drabt Euklrizität aussenden
ann; für das elektische Kriegsschiff wäre es nun nötig, ein
Htittel zu erfinden, um dem ausgesandten Strom eine be—⸗
timmte Richtung gegen zu können. Und ich glaube, daß
ries in nicht allzu ferner Zeit gefunden werden wird.
8Saarberücken, 22. April. In ker gestrigen
Zchwurgerichtssitzung hatten sich der Postassistent Peter Jung
ind Julins Errst Rech, beide aus Idar, wegen Unterschla⸗
gzung zu verantworten. J. warde zu ein Jahr Gefängnis nach
Wrechnung der Untersuchunzshast, Rech zu 60 Mark Geld—
lrafe und in die Kossen des Versahrens verurtetlt. — Hier⸗
auf richtete sich die Verhandlung gegen Gregor Dahm früher
Postbote in Louisenthal, ebenfalls wegen Unterschlagung amt⸗
icher Gelder. Dahm erhielt eine Gefängnisstrafe von 5
Monaten und hat ebenfalls die Kosten zu tragen.
8SSaarbrücken, 21. April. Dienstag nachmittag
zen 3 Uhr ereignete sich in der Franzstraße ein bedauerns⸗
verter Unfall. Ein etwa 9ähriges Mädchen schlttete in Ab⸗
nwesenheit der Eltern Petroleum in den Ofen, um das Feuer
mwzufachtn. Die Petroleumkanne explodierte unter hefligem
nall, wobei die Fensterscheiben zersprangen und auf die
Straßze herabklirrten. Im Nu brannten die Kleider lichterloh.
üngfterfüllt ffürzte das brenuende Mädchen auf die Straße
ind rannte in ein Nachbarhaus. Hier gelang es bald, die
Flammen zu ersticken. Das arme Maͤdchen
jat so schwere Brandwunden erlitien, daß es bis zur Un—
enntlichkeit enrstellt if. Es mußte sofort in das Kranken
jaus verbracht werden. wo es gesteen abend seinen Ver—⸗
eturngen erlegen ist. Ein ebensalls im Zimmer gewesenes
leineres Kind ist bei dem Unfall völlig unverletzt gebl'eben.
Sbr Zig.
SNeunkirchen, 20. Ap il. Sämitliche Bamte, dlie
ʒei dem letzten Göttelbvner Durchstechereiprojetß zu Gefäng
aisstrafen verurteilt wurden, haben Roision eingelegt.
8St. Ingbert, 19, April. Von allzemeinem
Interesse dürste eine Eutscheidung sein die am 7. April vor
ꝛem hiesigen Schöffengericht gefällt wurd.. Btekanntlich ar⸗
eiten auf den rahen Saargrnben viele Beigleute aus dem
Westeich, die die ganze Woche uber in dem] Schlafheus aus
der Grube logieren und nar Samstags noch Hause gehen.
Die im Gau wohnenden Bergleute nehmen dader ihren Weg
über Robrbach, von wo sie um halb 1 Udr bis Würzbach
writer fahren und dann voch einen 228 flündigen Marsch
eis zu ihrem Wehnort zuräckzulegen haben. In Roh bach
ommt die Mittagsschicht ungefähr gegen 11 Uhr an und
sihrt dort in dem Bahrhos naxsigelegenen Wurtschaft ein,
im ein Glas Bier zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen.
Weil die Bergleute dabei gewöhnlich bis zur Abfahrt des
zugcs (halb J Um) sitzen bleiben und dabdei die Polizei—
Uude 6hbherschritten wird, erbielt der betreffude Mirt
Stra'mandat. Er legte dogegen Berusung em und erzielte
ime Freisprechung. Das Gerickt ging von der Ansicht aus
aß es sibb im vorliegenden Falle un Durchtessende handle
Auch müfsse berücksichtigt werder, daß diest Bergleute eist
geden 324 Uhr nech Hause kommn und es daher begreif⸗
ich sei, wenn sie ilwas unterwegs zu sich nehmen wollen.
8 Brefeld, 20. April. Vom l. Mai d. J. ab sind
die Hereen Steiger Obettmann und P. Jochum nach dem
Steinkohlenbergwerk Göttelborn vesseutz!.
*Diedenhofen. 20. Aprii. Heuit morgen erhängte
iich det in Nilbingen wobnende Berginvalide Flesch. Vor
twa 12 Jahren nahm sich ein Sohn deeselben das Leden.
zu aleicher Zeit wurde eine Tochter entführt und von einem
Büstling ermordet. Als Fl, vor etwa einem Jahr auch sein?
Frau verlor, fiel ex in Tiessinn. Nahrungssorgen mögen
nuch schon das ihrige getan baben, den F. hatte eine mehr
is Zojährige Dienstzeit als Bergmann bdinter sich, obhne nur
»inen Vfenng Kraappichaftsrente zu erhalten.
) Aachen, 21. April. Wersuchsfahrt.) Pro—
essor Reißner hat bei seiner beutigen Probefahrt mit
einem zweiflächigen Aeroplan in 5 Meter Höhe etwa 40
Netecr zurückgelegt. Infolge frühzeitiger Motorabstellung
mickten beim Landen ein Stadhlrohr und mehrere Stan—⸗
jen ein, die Reparatur ist aber unwesentlich
(6) Eupen GEisel), 21. April. Moderne Bett—
er.) Das Bettlerium modernisiert sich. In den be—
achbarten Grenzorten konnte man in jüngster Zeit ei—
en Radfahrer sehen, der seine Maschine in einer Her⸗
erge unterbrachte, dann „feinem Beruf“ nachging nd
bends mit wohlgesfülltem Säckel heimwärts gen Mastrich
adelte.
() Olpe, 21. April. (Schweres Ungl üsck.) In
ein Steinbruche bei Schreibershof ereignete sich ein ent
utsetzliches Unglück. Mehrere Arbeiter waren mit dem
schnüren eines Schusses beschäftigt, als plötzlich 20 Pfd
zulver sich entzündeten, wodurch“ drei Arbeiter schwer
erletzt wurden. Der Arbeiter Menne, der durch Braud⸗
vunden bis zur Unkenntlichkeit schwer verletzt war, starb
ereits. Mit Hilfe anderer Arbeiter wurden den Ver—
inglückten die brennenden Kleider vom Leibe gerissen
der Arbeiter Rath erlitt ebenfalls schwere Verletzungen
»er Arbeiter Lüttiche weniger schwere.
() Essen, 21. April. (Eisen warenm esse.) Der
berband Deutscher Eisenwarenhändler veransialtet ini Ma
»s. Is. hier eine Fachausstellung bezw. Eisenwarenmesse
(RWiesbaden, 21. April. (Ausstellung.) Die
Fröffnung der Ausftellung wird bestimmt am 1. Mai
nittags erfolgen. Das Programm für die Eröffnungs⸗
eier wird noch demnächst öffentlich bekanntgegeben. Da—
mit der Absatß der Dauerlarten floit von statten geht,
ist die Kartenausgabestelle am Eingang zur Ausftellung
»on morgens 8 Uhr bis abends 6 Uhr ununterbrochen
eöffnet.
E) Somburg, 21. April. (Inhalatorium.) Im
daiser Wildelmsbad wird Ingenieur Goebel aus Em—
in pneumatischeo z5nhatatornum jar 15 000 Wiark erbauen,
u dessen Einrichtunz Prof. Spieß in Frankfurt die
direktive gibt.
() München, 21. April. (Fe uer.) In Preißenberg
ind die Fabrik und der Lagerraum des Zementwerke
riedergebrannt. Nur das Maschinenhaus und die Wohn—
zebäude konnten gerettet werden. Das Feuer soll durch
die Unvorsichtigkeit einer Arbeiterin enistanden fein
*Yaubaufau. Ver 20NMhrige Kausmannsgehilfe Kuh—
lemann aus der Sollmsstraße in Berlin wurde verhaftet
als er einen raffiniert ausgedachten Raubanfall an einen
Lehrling ausfuühren wollte. Man nimmt an, daß auch e.
den Raubüberfall an dem Geldbriefträger begangen hat
* Flüchtiger Spion. Das Journal“ meldet, daß der
Mitschuldige des wegen Spionage verhafteten chinesischer
Parineelevens FJen Korhau nach Berlin geflüchtet sei.
*Maifeier in Frankreich. „Paris Journal“ meldet,
»aß die Allgemeine Vereinigung der Post- und Tele.
zraphenangestellten beschlossen habe, eine Abordnung zum
—DV
u ersuchen, daß der 1. Mai, von diesem Jahre ange
angen, als ein Feiertag anzusehen sei. Es Fei jedoch
zweiferhaft, ob die Possangesiellten im Falle einer Wei—
gernng am 1. Mai sitreiken. — Das Komitee des Allge—
neinen Arbeiter-Verbandes beschäftigte sich in geheimer
Zitzung mit der Maifeier. Angenommen wurde ein vom
veueralsekretär NRiel unterbreiteter Aufruf, der in ganz
Frankreich durch Mauerauschlag verbreitet werden soll.
In diesem Aufruf wird auf das Beispiel der Postbe—
imten hingewiesen, diese allen Arbeitern als Vorbild
ingestellt und die Maifeier empsohlen.
*RPlüudernde Bäckermeister. Aus Tünkirchen wird
erichtet, daß 30 Bäclermeister in Chas Les Bains der
raden eines Bäckers plünderten, der sich geweigert hatte,
ntsprechend einem Beschluß des Syndikats den Brot
reis zu erhöhen.
* Verunglückter Offizier. Aus Toulon wird gemel—
»et, daß der Artillerieleutnant Lamarzelle, ein Sohn des
elaunten royalistischen Senators, welcher eine Schie ßüb—
ing auf einer Leiter stehend überwachte, so unglücklich
türzte, daß 15mm ein Baumast den Brustkorb durchstieß.
An seinem Ausstommen wird gezweifelt.
*Vulkan-Ausbruch. In Merxiko fand ein heftiger
lusbruch des Vullans Pöle de Colime statt. Weite Flä—
jen sind mit Asche und Lava bedeckt.
*Acht Menschen ertrunken. In der Rähe des Ha—
ens von Lemmer (Holland) ging die hölzerne Tjalk de
daop unter. Die Insassen, acht Personen, ertranken.
* TDoppelies Unglück. Die junge Gattin eines eng—
ischen Fabrikanten und Millionärs wurde in dem Vor—
zxrte Choish durch die Unvorsichtigleit ihres Chausffeurs
mis dem Automobil geworfen, von einem Trambahnwa
den überfahren und getötet
Prozeß Moltke-Harden.
Im Prozeß Moltke-Harden wurde die Oeffent
bich keit ausgeschlossen. Vorher hatten die Poarteien
v(ch auf eine Erklärung geeinizt und beim Staatsanwalt
ie Einflellung des Verfahrens beantragt. Dieser trat
edoch dem entgegen und der Gerichtshof schloß sich sei—
ier Ansicht au, daß die Einstellung nicht mehr zuläfsig
ei, nachdem das Verfahren aus einer Zivilklage zu ei—
cent Strafsverfahren geworden sei. Der Gerichtshof be—
chloß daher, das Versahren nicht einzustellen.
Das Gericht beschloß serner, die Beweisauf—
vahme auf die Vernehmung des Nebenklägers Grafen
Zuno von Moltke zu beschränken. Wenere Zeugen
ollen nicht vernommen werden.
Das alte Speliakelstück drohte wieder ausfzuleben. Wäh—
end alle Welt dabon genug hat und die Prozeßbeteilig
en selbst sich friedlich geeinigt haben, ist es im höchsten
ßrade unverständlich und bedauerlich, daß man aus
ureautratischen Grunden dennoch in die Verhandlung ein—
ietreten ist. Der Angeklagte und der Beklagte wollten
ie Einsselung des Versahrens, das Gericht hat sich
nifj, den Siandpunkt gestelt, daß aus gesetzlichen
vründen dennoch verhandelt werden müsse. Erfreuüch isi
s, daß das neue Trama diesmal sich wenigstens hinter
iersch'ossenen Türen abspiette, und der furze Bericht, der
iber den äußeren Verlauf der Sitzung Auskiunft gibt, 3*
—A A — —
Es wurde namuch, abgeseyen von einer Frage an den
Hrafen Mottke, von jeder Beweisaufnahme Abstand ge—
ronimen.
Graf M,olht!e erklärte auf seinen Eid, daß er nicht
homoseruell veranlagt sei. Die Beweisaufnahme ist da—
nit geschlossen. Oberstaatsanwalt TDr. Preunß beantragte
nach längerem Plaidoyer 600 Mark Geldstrafe für Har—⸗
den. Der Vertreter des Nebenklägers, Justizrat Sel⸗
ho, stellte die Strasbemessung dem Gerichtshofe anheim.
Verteidiger Justizrat Bernstein beantraaie Frei
prechun«é
Das Urteil.
Die Beratung des Gerichtshofes dauerte 14 Stun—
den und war um 84 Uhr beendet. Das Urteil ging
dahin: Der Angeklagte wird wegen übler Nachrede zu
5360 Mark Geldstrafe, eventuell 40 Tagen Ge—
ängnis verurteilt. Alle Eremplare der Zukunft“, in de—
nen die inkriminierten Artikel enthalten sind, werden in—
soweit unbrauchbar gemacht, als die strafbaren Stellen
ausgemerzt werden. Die Kosten des Verfahrens mit
Sinschluß der dem Nebeulläger entsiandenen notwendigen
Auslagen werden dem Angeklagten auferlegt. Dem Ne—
benkläger wird die Befugnis zugesprochen, das Urleil
vier Wochen nach eingetreiener Rechtskraft auf RKosten
des Angeklagten in der „Zukunft“, der „Vossischen Ztge
und der „Kreuzzeitung“ z2u pub ürieren
Aarximilian Harden hat Revi sion eingelegt
Er sagte, ich bedauere den Ausgang für das Reich um
omehr, als alle meine Bemühungen, die Sache ohne Auf—
ehen zu erledigen, gescheitert sind. Was nunmehr ge—
chehen wird, das lann ich erst später sagen, nachdem id
mich mit nmeinem Verteidiger besprochen habe
Uenente Nacprrchten und Celegramme.
Depeschen Bureau Herold.
* Berlin, 21. Aptil. Reichstag. Die Beratung der
Petition von Kommunen betr. Abänderung bezw. Aufhebung
des 5 13 des Zolltatifgesetzs (Aufhören der Okiroi au
Nahrungsmittel) wird fortgesetzt.
* Berlin, 21. April. Der Bundesrat wird sich morgen
nit der Frage der Ersatzneuern beschästiger. Die Ecträge
aus der erweitersen Erbschastssteuer rechnet man nur auf 60
Misllionen. Die 40 Millisnen soll die Reichswertzuwachs—
teuer aufbringen.
* erlin, 21. April. Im Abgeordnetenhause begann
ztute die Beratung des Etais der Ansiedelungs Kommuͤsion
Wesspreußen und Voser. Morgen Foris.tzung und Initlauiv—
anträge.
*Metz, 22 April. In Molsheim und Umgegend sind
ꝛine Anzahl Personen an Vergiftungserscheinungen erkrankt,
die man zurücksührt auf den Genuß von Torte.
— 8 Muünchen, 21. April. Auf dem Exerzierplatz in der
Troettmaninger-Haide sürzten beim Ueberfahren eines Gra—
jens drei Kanoniete von einem Geschütz Ein Rud ging
inem der Gestürzten über den Köper. Der Verleste fiarß
auf dem Weg ins Krankenhaus.
* Enkbarest, 22. Aprii. Gestern besuchte der diruische
Frorprirz die beiübmten Petroleun quellen von Prahova
als der Kronprinz hierher zurückkehrte bereitete ihm die Be—
pölkerung einen sympathischen Ewmpfang. Am Abend erschien
der Kronprinz uad sein Gefolge bei einem Festmahl, das
hm zu Ehren des deutschen Gesandte von Kiderlen Waechten
zab.
*Belgrad, 21. April. Aus Ueskueb trifft die beglau—
zigte Nachricht ein, die öfte reicher Regitrunz habe dem
ungtürkischen Komitee in Saloniti versichert, Ocsterteich werde
ofort in Serbien und Bulgarien einmarschieren falla man
»ort die tunkischen Wirren benutzen würde, um in türki'che
Territorium eirzufallen.
»Belgrad, 21. April. Wie aus sicherer Quelle verlautet
hat der Zar den früheren Kronprinzen Georg eingeladen
ain seinen Hof zu kommen. Es soll dadurch wohl der
chlechte Eindruck verwischt werden, den die Haltung Raͤßlands
im österreichisch-serbischen Konilekt in Serbien bervorgerufen
hat.
* Konstaninopel, 22. April Da das jungiurkischt
komitee befohlen hat, daß das Parlament in St. Stefano
agen soll, treffen bereits die Abgeordnete ein. Die meisten
'amen gestern mit der Bahn von Salonik'‘. Das Komitee
zat nun eine neue Regierung gebildet mit Hilmi Pascha als
BZroßvesir. Ueber Stambul worde sodann gestern der Ve—
agerungezustand verhängt. Heute erwartet man das Eir—
ücken der ernen Staffel dir jungfürkischen Armee. Im ganzen
tehen zum Einmarsch berei: 36 Bataillon, 15 Schwadronen
und 72 Geschutze. Die Forderungen der Jungtärken sind
durchaus maßvoll, da sich j tzt unter ihnen eine Strömung
zeltend macht, dea alien Sultan schonend zu behandiln.
Gefordert wird in erster Linie, daß der Sultan roch einmal
bie Korstitution feierlich garantiere. Weiter soll sich die
Uniersuchung über den Pussch vom 13. April auch erftrecken
uuf die Feststellung, wie weit der Sullan die reaktlonären
Bewegung unterstützt hat. Als letzter Punkt der Forderung
zilt die strenge Bestrafung aller Schuldigen, um eine Wie
derholung des Vorfalls urmögzlich zu machtn. In St.
-Ztefando traf gestern rachmittag Achmed Riza ein, der dort
als Kammerpraͤsident fungieren soll. Es wurde mit großer
Begeisterung er pfangen. Gegen Abend erschien eine Depu⸗
ation von 40 Matroser, die von einigen Offizieren geleitet
vrrdein. Die Matrosen waren als Delegirte von der Mam⸗
chaft ciniger Kriegsschiffe geyählt, um dem junglunkischen
vdomitee die Virsicherung der Treue zu übermittelr.
*Landon, 22. April. Die „Exanche Telegraph. Comp.
oxröffenrlicht folgendes Telegramm ause der Hauptstadt
Maroklos: Die Armee Mulcy Hafids hat in einem Kampfe
mit mehierer seit laͤngerer Zeit aufftäändigen Berberstämmen
eine schwere Niederlage erlitter. Es kam zu einem Zusammen⸗
doße zwei Tagerelse von Fez. Die Sultanstruppe zählte
3000 Mann, von denen nach einem heftigen Kampfe sich
aur wenige retten konnten und nach der Haupistadt zurück—⸗
zelangten. De melsten wurden gefangen. Die eisten in
Fez ankommenden Flüchtlinge waren vollständig erschöpft.
Der Sultan ließ sofort die Thore schließen, weil er fürchtete
daß die Feinde in unmittelbarer Nähe der Stadt seir
müßten.
mir gradeliere Dir all uff Dei Geburdsdaa