Full text : Dudweiler Zeitung

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Tel.oo, 259, 269 uxb 129.

Donnerstag, den 22. April 1909.

Zeitungs liste —X

25. Jahrgang.
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RAllgemeiner Anzeiger sür den BRürgermeistereiße
Hudweiler.

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*
Nit Leisagen: „Ressetristiscse Wochenscörift“ und
„unstige Blutter“.
Anzeigen
20 Pfg. dite spaltige Zeile; bei mehrmaligen Inserationen
erntsprechender Rabatt.
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Redaktion, Druck und Verlag von J. Untertkeller
in Dudweiler

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Rbßsnvementspreis
monatlich 70 Pfg. frei ins Haus gebracht; ber de—
beftellt N. 2,25 vierteljährlich,
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Die „Dudweiler Zenung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn
und Feiertage.
Wochen-⸗Ruudschan
Früher gab es gülrähtlich eine Zeit, die sowohl vom
Zeitungsredaktteur a's auch vom eifrigen Leser arz ver—
vünscht wurde. Die Zeit, in der die Weltuhr stillzuste—
sen schien; in der dem Redaklteur weder die Telegra—
hie noch das Telephon, viel weniger noch der Postbote
achrichten und „Stoff“ bringen wollte, wo die Zeit—
ingsspalten eine gähnende Inhaltleere aufwiesen. Es war
alt nirgend in der Welt „etwas los“! Was blieb de
em geplagten Zeitungsmann, der doch dem Leser ein
vohlge ülltes Blatt vorlegen mußte, anderes übrig, als
sier und da eine felte Zeitungsente aufflattern zu lassen!
zn manchen Jahren begann diese träge Zeit schon zu
RNern und zog sich hin bis zu ihrem Höhepunkt, der
seißsummerlichen Sauregurkenperiode. Heutzutage hat sich
as geändert. Zu allen vier Jahreszeiten gibt es einen
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enkt, — merst sogar mehrere „Fälle“ — wahre Fundgru—
en für den wenig beneidenswerten, depeschenhungrigen
stedaltionsstubenhöcker. An allen Ecken und Enden der
Welt rumort es, eine Krisis lost die audere ab. Das Ne—
aklionstelephen arbeitet wie eine in Permanenz tätige
Veckeruhr. Auch jetzt ist es wieder so. Zwar weniger
ꝛei uns in Deutschland, als in anderen Erdgegenden.
zei uns zu Hause geht es noch verhältnismäßig ruhit
u, im Gegensatz zum Osten Guropas, wo eben wieden
die Völker aufeinanderschtagen“ woslen, und wenu es
los die Völker der Tuͤrkei „entre nous“ machen! Doct
avon später Unser Kaiserpaar weiltein Korfu,
vo es sich schnell populär gemacht hat. Der neue Be
itzer des herrlichen Erbes der hochsinnigen Katserir
xlisabeth unglücklichen Angedenkens, hat sich auf dem
lchilleion schneil eingeleßht. Die Bewohner des schönen
Fleckchens Erde sind stolz auf ihren neuen Nachbar und
assen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihrer südlän
ischen Begeisterung und Freude die Zugel schießen. —
die Reichsfinanzreform wird nun wohl auch mit etwas
hneltlerem Tempo vorwärts kommen, nachdem jetzt der
deichstag seine Tätigkeit wieder ausgenommen hat und
uuch Furst Bülow von seiner Italienfahrt in die Wil
zelnistraße zurückgekehrt ist. Die vielen unzweideutiger
kundgebungen, die seitens der Wählerschaft während der
Dslersertenzeit allenthalben im Reich für die Beschleunig—
ing der Reform staitfanden, werden den Abgeordneter
ind auch den Regierenden ein Wink sein, den alten
zchlendrian an den Nagel zu hängen. Wir wollen Ord
ung in der Wirtschaft haben und das je eher je lie—
er. Auch Fürst Bülow hat in dieser Hinsicht anläßlick
es Besuchs einer Deputation einslußreicher Männer gus
aden, Sachsen, Württemberg, Thüringen ꝛc. seiner
Vunschzettel verlautbart. Der Reichskanzler hat natür—
ich an einer Beschleunigung der Reform das größte
viteresse, Und darum glauben wir es ihm, wenn er ir
iner Ansprache versicherte: „Mit Recht drängen Sie,
neine Herren, auf eine rasche und gründliche Erledigun
er Reichsfnanzreform. Es ist der einmütige Wille der
erhündeten Regierungen, die Lösung der Frage noch
n dieser Session des Parlaments herbeizuführen. De:
teichsstag wird nicht auseinandergehen, bevor er endgül—
ig zur Finanzreforn Stellung genommen hat.“ Sehr
rfreulich zu hören! Hofsentlich folgt den Worten auch
ie Tat. — Der Prozeß MoltkeHarden hat in die
er Woche wieder einmal stattgefunden. Die Sensations
üsteren, die eine Neuaufwühlung all' des in den erster
luflagen der Prozeßserie Eulenburg-Mo t!e-Harden ans
ageslicht gelommenen Schmutzes wiiterten, kamen glück
icherweise nicht aus ihre Rechnung. Die Parteien hat—
en sich schon vorher geeinigt und wären am liebsten da
seim geblieben. Aber das duldete Sankt Bureaukrätismu
icht. Jer Forrm mirßee genügat werden. Der Sie—
Irma.

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anmalt, der den Prozeß seinerzeu entschieden zu unrecht
om Zivilverfahren durch scizen Eingriff wähtend der
Lerhandlungen zum Strafversahren gestempelt hatte, ließ
icht locker. Der Gerichtshof schloß sich ihm an. Der
Krozeß wurde durchgesüuhrt und Harden mußte daran
auben. Es wurde uunter Ausschluß der Oesfentlichkeit
erhandelt und nur Moltle als Zeuge vernommen. Re—
ultat: 600 Mark Geidsirafe und die Kosten für Harden!
darden iß ein Efsekthascher. Wohl harten seine Enthüllun—
sen manche segensreiche Operation am morschen Körper
»er „Erstklassigen“ (man verzeihe das häßliche Wort!) zur
Folge. Aber er hat ein gar zu großes Kauwerkzeug und
s kann nicht schaden, wenn ihm einmal empfindlich nahe—
zelegt wurde, daß er diesen Apparat nicht allzuweit auf—
eißen darf. Alles hat seine Grenzen und an die Beru—
enheit Hardens zum Gesellschafts⸗ und Sittenreformer
ermögen wir nach seiner „interessanten“ Vergangenheit
ächt recht zu Clauben. Will er absolut seine unbestrittenen
zroßen Fähigkeiten in den Dienst der sittlichen Gesunduß
indecer stellen, soll es uns lieb sein. Er möge dann
ber in der Stille wirken. Das deuische Voltk bedanlt
sich schötistens dafür, daß in seinem Woschtessel noch ein
mal solch' schmutzige Wäsche vor den schadenfrohen Anm
gen der ganzen Welt gewaschen werde. In unserer Nach
aarjchast Hollaud ahmt „ons Wilhelmintje“ das Beispiel
»es Bertiner Oberbürgermeisters Kirschner nach, der sei—
ierzeit das geflügelte Wort prägte: „Ich kann warten.“
Tuch Holland und seine Königin können oder viel—
nehr müssen warten. Hossentlich trifft es auch hier
u, daß es, was lange währt, endlich gut wird. In der
kürkei wird die Situation immer komplizierter. Die
zJungtürklen wollen sich nicht so schnöde den Stuhl vor
ie Tür setzen lassen und zeigen dem Sullan und der
deaktion die Zähne. Mehrere Armeekorps, die zu den
Fungtürken hallen, stehen vor Konstantinopel oder in des
en Nhe, bereit, dem Regiment des Putsches der Reakt—
ion ein Ende zu machen. Ob es ein Bruderkrieg wer
»en wird? Eben, als wir diese Zeilen schreiben, lauten
ie neuesten Meldungen ja um einen Grad versöhnender.,
oer, wer weiß, was der große Allah mit seinen ge
reuen Muselmanen sowohl forischrittlicher wie rückschritt
icher Observanz, vorhat. Möglich, daß es dem ebenso
chlauen wie skrupellosen Einsiedler im Jildiskiosk dies
mal an den Kragen geht. Man hat seinen Kopf ver
angt. Doch, wir glauben, man wird es auch im Fall
ines unbedingten Sieges der Jungtürken noch elwas
illiger uum und dem „Beherrscher aller Gläubigen“ sein
ntrigantes Leben, vielleicht sogar den wackligen Thror
ussen Die nächsien Tage werden ja zeigen, welchen
2auf die Dinge am Bosporus nehmen werden.
Bulgarien hat der Turlci nach langem Harren end
ich das Einverständnis mit der Unabhängigkeitsertlärung ab—
ezwackt Tie achte haben auch nichts dagegen. Erge
st nun de facto die Wet um eine Majestät reicher. Ob
agen wir besser „Majestatchen‘. Wenn der neugebaäcken.
dsmig mit dem imposanten Gesichtserker seine neue Würde
um Anlaß nimmt, seine immenhen nicht zu unterschäben—
e Energie und Tattraft zur Kultivierung seines Vol—
es recht ausgiebig in dee Wagschale zu wer'en, damit
er, wie es wohl sein Wunsch sein mag, über ein ac
unggebletendes, wenn auch Aeines, Volt herrsche, dan
vollen wir ihn zu seinem neuen Titel, zu dem er —
nach beruhmten Mustern — sicher bald auch ver—
nehrte Mitttel von seinen „Untertaͤnen“ verlangen wird,
infrichtig beglückwünschen. Er ist deutschen Geblüts un—
»as ist draußen bewährt und gut angeschrieben. So au
n Rumänien, wo König Karol, der Prinz aus
»em Hause Hohenzollern, seit a3 Jahren das Szepi
rägt und in dieser Woche seinen 70. Geburtstag be
ina Der Gemahl der in ihrem Nebenberuf als v

F
terin in der ganzen ruülturwelt hochgechahten „arm:
Silva“, der Königin von Rumänien, hat die Ductionen,
»ie ihm sein anhängliches Volk darbrachte, red—
ichh verdient. Vor 43 Jahren, als der junge deutsche
zzrinz während des Krieges mit Oesterreich in stärkster
Bernunmmung durch die Dongaumonarchie nach Rumänen
am, um seine neue Stetlung als Throninhaber des
rischgebaclenen Köntgtums angtttreten, war Rumänien noch
benso oder gar noch mehr unfkultiviert wie heute Ser—
ien und Montenegro. Heute ist Rumänien gin wohlba—
endes Land, seine Bewohner sind ein gesittetes, arbeit—
ames Volk. Heer- und Schulwesen weiteifsern mit den
brigen europfischen Einrichtungen gleicher Art. Unzwei—
elhaft verdankt das Land diese Errungenschaften zum
rößten Teil seinem Könige. Es mag den Konig mit
tolz erfuüllen, sen Werk von 43 Jahren rüclshauend zu
etrachten. Unser Kronprinz überbrachte dem rumänischen
vͤnige den Marschallstah, eine Ehrung, die den Herr⸗
her, der auch heute noch als deutscher Offizier iu den
isten geführt wird, ganz besonders freute. — Man—
euegrs wil auch Königreich werden. Warum nicht gauch!
Vurum soll denn der Beherrscher der Hammeldiebe nanz
Alein simpter „Fürst“ bleiben! Durch diese Massenfabri—
atien neuer Moajestäten wird zwar der Titel der Aller—
zjächsten Herrschassen wesentlich im Kurs herabgedrückt —
zber dem Volkeist es auch so recht. Wir möchten ader
mtertänigst bezweiseln, daß den Herrschaten selbst die
uen Kollegen vom Fach sehr wi llommen sind. — In
Zersten hat man sich jetzt ausgetobt. Die feindlichen Brü—
ner, die Schahpartei und die Partei der Versassungserteidiger,
 schlosen cinen Wassenstiltstand. Der Fritde
oll uachsosgen. Ter Schah will in Zukunft auch die
Lersassung achtet und bochhalten. Wer's glaubt, mäoe
ichß mefden!

— üö
Der bedingte Strafaufschub.
Dem Reichsstag ist, wie allzährlich, eine Zusam—
nenstellung der statistischen Ermittelungen über die An—
vendung des bedingten Strasausschubs zugegangen. Der
edingte Strafaufschub hat in Deütschland vom Jabre
895 an Eingang gefunden. Die Vergünstigung beschränkt
ich auf Freiheitsstrafen mit Einschluß derjenigen, welche
an die Stelle einer nicht beitzutreibenden Geldstrafe treten,
und wird überwiegend nur Jugendlichen zuteil. Die Ge—
amtzahl der Fälle, in denen bedingter Strafauschub be—
v lligt worden ist, betrug bis zum 31. Dezember 1908
165 680. Fur die Zeit bis zum 31. Dezember 1898
atten sich durchschnitt.ich im Jahr 6041 Fälle ergeben.
eitdem hat die Zahl mit jedem Jahr zugenommen 1908
tfie auf 28 804 gestiegen. Die Zunahme betrug 1908
1 Vrozent gegenüber dem Vorsahr. Fast die Häifte der
zunalzmne des letzten Jahres entfällt auf Vayern, wo de
im 66 Prozent gegen das Vor ahr gestiegen ist. Auf e
100 wegen Verbrechen oder Vergehen gegen Reichésge
ete im Jahre 1906 verurteilte Jugendliche kommen ii
Zayern 64 Fälle, in denen 1908 der bedingte Strafaufchub
 bewtlligt wurde, in Preußen 31, auf je hundert
ẽrwachsene in Bahern 5,3, in Preußen nur 1,4. Von
en 165 680 Fällen des bedingten Strafaufschubes wa—
en am 1. Zamar 1909 59 828 Fälle oder 36 Prozent
toch nicht erledigt.
Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre haben mehr
ils vier Fünftel der Fälle einen günstigen Ausfall ge—
jabt. Im lesten Jahr ist das Verhälimis mit 82,3 Pro⸗
jent endgültiger Begnadigungen so günstig gewesen, wie
rie zuvor. Durch Vergleiche mit der Kriminalstatistik kann
estgestellt werden, daß der Prozentsatz der Rückfälle ge—
einger ist als die Verhältniszahl der ungünstig verlaufe—
ien Faͤlle bei der bedingten Begnadigung. Vaß die be—
inate Beanadiauna zur Verminderunqa der Rückfälle

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warnet wendend. „Ist keine Hoffnuna mehr?“ „Keinel Es
ut mir leid, es sagen zu müssen,“ aAntwortete dieser. „DTie
rnften Anzeichen lassen befürchten, datz der Tod nahe ist.
zein Bewußtsein ist aber trotzdem kar, auch ist er augen—
licklich chne besondere Schmerzen. Seshalb rate ich Ih—
ien, ihn so schnell wie möglich zu esuchen.“
„Teilen Sie Mr. Darraccte mit daß Mr. Kirby hier
st,“ sagte Mrs. Treherne zum Dien⸗i, der wartend an der
Tür stand. Noch einmal tauschten die Aerzte kurz thre
nsichten, denen Mr. Kirby ernst zuberte;, der erschien auch
hon der Diener wieder und melden, daß Mr. Varracote
men Anwalt sofort zu sehen wünsne. Die Aerzte verab—
chiedeten sich — Dr. Warnet mit dem Versprechen. bald
hiederzukommen.
Mrs. Treherne und Hastings mnelen wieder in Still—
chweigen, jeder scheute, dasselbe zu brechen. Die letzten
Ninuten hatten ihre Spannung aufe öchste gesteigert. Der
lusspruch der Aerzte, die Anwesenan des Rechtsanwaltes
ehßen das Ende Mr. Darracotes sehr nahe erscheinen. Sein
Jod aber bedeutete für Mrs. Treberne das Ende einer
hützenden Behaglichkeit, das Cu ihrer Stellung als
errin eines so herrlichen Besitztuns. Für Hastings war
das Ende von Ungewißheit und vielleicht auch vor
offnungen. Bisher hatte er sich nie 'o recht eingestanden
as er eigentlich alles erhoffte, bis sich jetzt darauf er
ppte, wie er die möglichen Enttäuschungen erwog. Zu—
ickgelehnt in einen Sessel starrte er in die wundervolle
ommernacht hinaus. Die Moͤglichteit einer Enttäuschung
eunruhigte ihn jetzt mehr, als er sich selbst einge—
ehen wollte. Da traf Mrs. Trehernes Stimme sein
hr, eine Stimme, die, obgleich flangvoll und weich,
och für ein empfindsames Ohr einen Ton von Falsch—
eit hatte.
„Es ist eigentlich sehr merkwürdig.“ unterbrach sie die
rückende Stille, daß wir so wenig ürer Onkel Darracotes
erwandte wissen; er muß doch welde haben. Kein Mensch
t ganz ohne Verwandte.“
„Besonders kein reicher Mensch.“ setzte Hastings hinzu,
rme Leute sind schon eher in solch zlücklicher Lage.“
Wie cynisch Sie wieder sind!“ Dgte sie vorwurfsvoll
—9 to 232443 **

tament eröffnet wird, werden wir ganz bestimmt eiwas vo
hnen zu hören bekommen. Vettern im 10. Grade tauche
»et solchen Gelegenheiten plötzlich auf.“
„Wem immer auch Mr. Darracote sein Vermögen hin
erläßt, so denke ich, können wir uns auf ihn, der imme!
er schlaueste Geschäftsmann war, und auch auf Mr. Kir
»y, den fähigsten von allen Rechtsanwälten, verlassen. Si
verden sich gegen jede Möglichkeit, das Testament umzu⸗
toßen, geschützt haben,“ antwortete Hasting.
„Aber sagen Sie mht zuviel, wenn Sie Mr. Darracot!
kinderlos nennen?“
Sie sah ihn erstaunt an. ‚Wie meinen Sie das? Ich
enke, darüber besteht doch kein Zweifel?“
„Im Gegenteil! Es steigt da gerade eine halb vergesene
 Erinnerung ver mir auf. Mein Vater erzäßlte mir
inst, daß Mr. Darracote, der sein intimster 55 d war,
or seiner Vermählung mit Ihrer Tante schon ver⸗
rählt war. Bei dieser Gelegenheit wurde auch och⸗
er erwähnt, die mit einem Schauspieler durchging nd der
r deshalb nie vergeben habe.“
„Du lieber Himmel! Dann khat er vielleicht eine ganze
Unzahl direkter Erben! Und Sie haben das all die Zeit
ewußt und nichts davon erwähnt?“
„Weshalb sollte ich es erwähnen? Klatscherei liegt nicht
n meiner Natur, und diesSache geht auch niemanden et—⸗
vas an als Mr. Darracote selbst.“
„Es geht uns sehr piel an, wem er sein Vermögen
zinterläßt.“
„Vielleichtt! Aber wie ich schen bemerkt habe, können
vir uns darauf verlassen, daß er jeden gerichtlichen Schutz
ür sein Testament gebrauchen wird. Außerdem erinnere ich
nich, gehört zu haben, daß die in Frage kommende Toch⸗—
er tot ist.“
„Und sie hinterließ keine Kinder?“
„Davon weiß ich nichts, halte es jedoch für höchst un—
vahrscheinlich. Mr. Darracote ist ein viel zu gerechter
Nann, als daß er seiner Tochter Ungehorsam auch an ih—
en Kindern ahnden würde, insofern er sich weigerte, die—
bven anzuertennen und für sie zu sorgen“
ind doch ist es möglich —*
215

„Das ist sehr leicht möglich,“ entgegnete Hastings ru
ig. „Er ist ein überspannter Mann und Ueberspannthei
eigt sich gar oft am grellsten in Testamenten. Doch, de
nd die Aerzte wieder!“ rief er plötzlich, den ernst und fel—
rlich eintretenden Aerzten entgegengehend. Diese hatten
e ihr Beruf es ja mit sich brachte, schon gar oft Anzei—
sen des Todes festgestellt. Hier handelte es sich nun da—
m, dieselben bei Mr. Darracote festzustellen und das ver—
eh ihren Worten besonderen Nachdruck, so einfach diesel—
en an und für sich waren. Sie würden alles tun, was in
—D
ern; ob aber der Tod schon bald eintreten werde, ließe
ch nicht Bestimmthoeit sagen. Eine Genesung sei aller—
ings vollständig ausgoeschlossen. Vielleicht könne er noch
in oder zwei Tage leben. vielleicht aber nur weniage Stun—
en mehr.
„Weiß Mr. Darracote, wie es mit ihm steht?“ fragte
‚astings. Dr. Warnets Antwort lautete besahend. Mr.
arracotes Bewußtsein war nie klarer wie jetzt,“ sagte er.
Er wünschte die genaue Wahrheit zu wissen und überein—
immend mit Dr. Lacys Meinung, sah ich keinen Grund,
hm dieselbe zu verschweigen. Ich sagte ihm daher dassel⸗
»e, was ich Ihnen gesagt habe, worauf er mich fragte, ob
ein Rechtsanwalt schon da sei.“
Hastings sah auf die Uhr. Es war kurz vor 49
hr.
„Er wird bald hier sein,“ antwortete er und während
r noch sprach, kam auch schon der Diener und meldete:
Mr. Kirhol“

3.
Der Rechtsanwalt der dem Diener auf dem Fuße
olgte, war ein streng blickende m in den mittleren
Jahren, der einen auffallend ern indruck machte, nicht
ur, weil die Umstände jetzt eine. cchen Ernst erforder⸗
n, sondern weil er es aufrichtig nerte, einen alten
reund und Klienten zu verlieren
Ich bedauere unendlich, daß wu Darraecote so krank
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