Full text : Dudweiler Zeitung

ie Haupistadt ganz eingekreist ist. Tie 17er Saloniki-Jä—
zer haben sich der Patronen- und der Pulverfabrik be—
mächtizt. Ein Augriff der Hauptstadt soll aber nicht
dher unternommen werden, bis 40 000 Mann Truppen
zitsammengezogen sind, was in drei Tagen zu erwarten
ist. Als ein Adjutant des Sultans im Lager der Trup—
ven erschien, um sie im Auftrage des Sultans nach ih—
cen Wunschen zu befragen, wurde ihm zur Antwort ge—
geben; Er soltlerst mit dem Kopfedes Sul—
tans kommen! Es sind auch zahlreiche Banden im
Auzuge auf Konstantinopel. Diefse werden auf 16000
Mann geschätzt. Es haben sich auch 5000 Kausleute aus
Salonili dem dritten Korps angeschlossen.
Aus Konstantinopel wird berichtet: Die Vorhut be—
setzte Makri-Koel. Alle Forts vom Marmara⸗-Meere bis
zum schwarzen Meere sind in den Händen den jungtürki—
schen Truppen, die konzentrisch auf die Hauptstadt vor—
rüclen. Es ist noch ungewiß. wann der Haupischlag er—
folgen wird

DBer Sultansolhabdanken.
Der Sultan hat die Botschafter von Eug—
and und Frankreich gebeten, seine Abdankung zu ver—
zsindern. Da die Botschafter aber bedauerten, ihm keine
hilje leisten zu können, darf die Abdankung sehr bald zu
rwarten sein. Es liegt auch der Anschein vor, als ob
der Sultan einen Fluchlwersuch zu unternehmen veabsich
igt, ehe die Truppen in die Stadt eindringen. Auch die
Truppen haben dem Sultan ein Ultimatum aejandt, in
dem sie ihn auffordern, abzudanken
Serbien und die tärkischen Ereignisse.
Die türkischen Ereizuisse werden in Serbien mit der
größten Aufmerksamkeit und auch mit Besorgnis verfolgt.
Cin zweistündiger Ministerrat wurde abgehalten, dem der
König beiwohnte und in dem die Vorgänge in der Tür—
kei besprochen und darüber beraten wurde, welche Maß—
regeln Serbien zur Sicherung seiner Südgrtenze unter—
nehmen soll. Der Kriegsminister ist zur Juspelüon der
südlich gelegenen Garnisonen abgegangen. Nach Nach—
richtenꝛ aus Altserbien und Mazedonien herrscht dort sehr
große Begeisterung für die Jungtürken. Es melden sich
viele Freiwitlige, auch Christen, die sofort eingelleider
und ausgerüstet werden
DerbevorstehendeSieg der Jungtürken
Sie vorrückenden Saloniker und Adrianopeler Truppen
paben den strengen Befehl erhalten, die Vevölkerung, be—
nders die Christen und die Fremden gut zu behandeln.
Sie zeigen tatsächlich gute Manneszucht. Die ZSivilisten,
die mit der Vorhut der Truppen zusammenkanien, wur—
den gebeien, die Bevöllerung Konstantinopels dahin zit
beruhigen, daß sie absolut nichts zu befürchten habe. Der
Einmarsch der Adrianopter Truppen soll, um die Mio—
hammedaner nicht zu erregen, und um Zusammenstöße zu
vermeiden. nicht über Stambul erfolgen.
—
Bermischtes.
— KRontrollversammluugen und Ersparnisse. Wie—
derholt ijt im Reichstage angeregt worden, die Mitität
verwaltung zu ersuchen, nur einmal im Jahre, anstatt
vie jetzt zweimal, Kontrollversammlungen abhältent z3u
assen. Auch diesmal ist eine dementsprechende Resalntien
gefaßt worden, Kontrollversammlungen bedenten für In—
zustriearbeiter jeder Art den Verlust eines Verdienstes von
durchschnittlich einem halben Arbeitstag. Für die länd
liche Bevölkerung sind die Frühjahrskontrollversannibau—
zen, weil sie in den Aussaatmonat April sallen, störend
Die Versammlungen, die an einem hierzu bestimmten,
nöglichst zentralgelegenen Orte abgehalten werden, habe
den Zweck, das richtige Vorhandensein der Leute des
Beurlaubtenstandes festzuftellen, ihre Militärpapiere 31
zrüfen, diejenigen Leute namhaft zu machen, welche i
Laͤufe des Jahres aus der Reserve zur Landwehr über
getreten sind und schließlich wichtige militärische Bestim
mungen bekannt zu geben. Der genannte Zweck würde
durch eine sich jährlich wiederholende Versammlung ge—
nau in der gleichen Weise erreicht werden, wie jetzt durch
die zweimaligen Versammlungen. Im übrigen wird auch
jetzt schon die Ersatzreserve nur einmal im Jahre zu den
Kontrollversammlungen herangezogen, ohne daß sich ein
größeres Bedürfnis herausgestellt hat. Durch die einma—
ligen Versammlungen im Jahre würde den Arbeitern der
Ausfall ihres Verdienstes erspart, dem Staat hingegen
eine erhebliche Menge Reisekosten. Mit der Verringerung
der jährlichen Anzahl der Versammlungen könnte danm
sehr wohl eine Vermehrung der Kontrollorte Hand in
Hand gehen und zwar in der Weise, daß jede Ortschast
mit mehr als 50 Kontrollpflichtigen selbständiger Kontroll-—
ort wird, damit der Arbeiter möglichst geringe Zeit se—
nem bürgerlichen Berufe entzogen wird.
— Tödliche Mißhandlung eines Geisteskranken.
Die schwere Mißhandlung eines Geisteskranken durch drei
Wärter der Landesirrenanstalt Steinhof (Oesterreich) hat
dort greße Aufregung hervorgerufen. Der in der An—
ktalt internierte Buchbinder Feigel wurde von dem
revidierenden Arzte mordens tot aufgefunden. Die bis

pn

— —— —, —— — — —

„Du lieber Himmel! Wie kommen Sie nur zu dieser
Frage?“ fuhr Mr. Hastings auf, mehr erschreckt, als er sich
selbst zugestehen wollte.
„Ich konnte mir auch kaum denlken, daß Du solch' ein
Narr seiest,“ erwiderte Mr. Darracote. „Aber dies war
keine Antwort auf meine Frage. Ich frage Dich nicht ohne
Grund, und verlange deshalb, daß Du mir offen ant—
wortest.“
Mr. Hastings befand sich in einer satalen Lage. Wollte
er aufrichtig sein, hätte er antwerten müssen: „Ich werde
Sie heiraten, wenn Sie ihr Vermögen hinterlassen; an—
dernfalls werde ich es nicht tun.“ Er hütete sich jedoch
vohl, seine wahre Gesinnung zu verraten. Aber was sollte—
er nur antworten? Zeit zum Ueberlegen gab es hier nicht;
ühlte er doch, daß sein Zögern Mr. Darracotes Argwohn
erregen würde.
„Ich habe keinerlei derartige Absichten,“ sagte er daher
aufs Geradewohl. „Mrs. Treherne ist nicht die Frau, die
ich mir zum Weibe wünschen würde.“
„Sie ist eine Frau die das Leben eines jeden Man—
ies, der sie heiratet, zerstören würde,“ sagte Mr. Darracote
jeftig. Nach einer Pause fügte er schwach hinzu: „Ich
jabe Dir noch Verschiedenes zu sagen; aber ich kann jetzt
nicht mehr sprechen. Wann wird Dr. Warnet wieder hier
ein?“

Um acht Uhr!“
„Dann schickt einen Boten zu Mr. Kirby und bestelle
ihn um 49 Uhr hierher. Mögen die Aerzte sagen was
ie wollen, ich weiß, daß ich nicht länger zögern darf
und ich habe Kirby noch verschiedene Anweisungen zu
Jgeben.“
Er deutete nach der Tür, als er sprach und Hastings
herließ das Zimmer erregter als er es betreten hatte. Hatte
er sich nun geschadet oder genützt? Er wußte es nicht; es
var unmöglich, es auch nur zu vermuten. Nur eins war
zewißz — Kirby war Mr. Darracotes Rechtsanwalt und die
Nitteilungen, die er ihm zu machen hatte, betrafen chne
zweifel sein Testament. „Wer wird der Erde sein?“ dach

erigẽ Untersuchung hat Ur Warter schwer velastet und
ulgendes ergeben: Feigel wurde nach dem Besuche von
Berwandten sehr aufgeregt und störte die Nachtruhe der
inderen Kranken. Ein Wärter wollte ihn beruhigen, und
da ihm dies nicht gelang, versuchte er den Kranken, ge—
gen die Vorschrift, in ein Bettlaken einzuhüllen. Infsolge
des Lärms, den der Kranke dabei verursachte, eilte ein
weiter Wärter herbei. Dieser wand ein Halstuch zu—
ammen, warf es dem Kranken als Schlinge über den
dals und zerrte ihn durch den Saal. Noch ein zweiter
Wärter beteiligte sich an den Mißhandlungen. Als Fei—
gel bewußtlos geworden war, wurde er auf ein Bett
jelegt. Am folgenden Morgen war er tot. Bei der Un—
ersuchung der Leiche wurden an ihr zahlreiche Verletz—
ingen vorgefunden. Am Halse wurden Strangulierungs—
narken konstatiert, die Kehlknopfknorpel waren eingedrückt,
Arme und Beine blutunterlaufen, eine Rippe gebrochen
iswp. Die drei Wärter erklärten bei ihrer Vernehmung
‚aß sie dem Kranken, der wild um sich schlug, die Ver—
eßungen in der Notwehr beigebracht hätten. Sie wur—
»en sofort in Untersuchungshaft genommen. Kurz vor
cinem Tode erhielt Feigel noch den Besuch seiner Frau,
er das baldige Ableben ihres Mannes telegraphisch mit—
zeteilt worden war, und zeigte ihr die blutunterlaufenen
ktellen an seinem Körper. Die Erregung über den Fall
st hier umso größer, als die österreichischen Irrenanstal—
en bisher in dem Ruse sianden, die besteingerichteten und
im hnmansten der ganzen Welt zu sein.
N. B. Sanitätszüge. Um bei etwaigen Eisenbahnun—
allen die schnellmöglichste Hilfeleistung zu erreichen, ste—
jen seit einiger Zeit auf allen größeren Bahnhöfen voll—
tändig ausgerüstete sogenannte Hifszüge ständig zur
Abfahrt bereit. Jeder Hilsszug hat einen bestimmten
Bezirk zugeteilt und besteht außer der Maschine aus drei
Lagen und zwar dem mit dem bekannten roten Kreuze
ezeichneten Sanitätswagen, dem Personen-, sowie dem
herätewagen. Der Sanitätswagen enthält außer einer
zroßen Anzahl bereiter Betten alle zur ersten Hilfeleist—
ing bei Unglücksfällen, sowie zu etwaigen Operationen
tforderlichen Instrumente und Arzneien. Der Geraͤte
vagen enthält, seiner Bezeichnung entsprechend, alle er
orderlichen Gegenstände zur Instandsetzung, während der
Personenwagen in zwei Abteilen, ein solches für Aerzte«
uind höhere Beamte, sowie ein solches für die Arbeiter
ersällt. Bestimmungsgemäß hat der Hilfszug beim Ein—
resfen von Unfallmeldungen innerhalt einer halben Stun—
e nach der Unglückssteile abzudampfen und zwar ist jeder
mich der kleinsten Eisenbahnsiation vorgeschrieben, an
vetche Hauptstation sie sich im Bedarfsfalle zur Erlang—
ina“eines Hilsszuges ein iür alle Mal zu wenden hat.

Vom Eucharistischen Kongreßz in Köln.
dardinal Fischer veröfsentlicht in der neuesten Num—
ner des Kirchlichen Anzeigers für die Erzdiözese Köln
ine längere Einladung aun die Katholiken der Stadt Köln
ind der rheinischen Kirchenprovinz, den Kongreß, welcher
zom 4. bis 8. August in Köoln siattsindet, so ein
rucksvoll und feierlich wie möglich zu gestalten. Die eu—
har slische Tagung sinde in diesem Jahre auf altem deut—
hen Boden tatt; deshalb wende er sich auch an alle
brigen deutschen katholischen Mitbrüder im Dertschen Rei.
he, in Deutsch⸗Oesterreich, in der deutschen Schweiz, in
uxemburg, „soweit die deutsche Zunge klingt und Got!
mmHimniel Lieder singt.“ Seien diese Kongresse auch
aternat:onal, so liege es doch in der Natur der Dinge
egrundet, daß sie, je nach den Gegenden, auch ein mehr
der weniger nationales Gepräge an sich tragen. Die
zinladung weist darauf hin, daß diese eucharizuschen don
resse den Zwechk verfolgen, die Verehrung des Altar—
ramentes, der Eucharistie, unter den Gläubigern zu
zrdern, teils durch sachgemäße Verhandlungen in engern
dommissionen, teils durch Vorträge in größern Versamn—
ungen, teils durch feierliche Gottesdiensise, woran sich am
zchlusse der Tagung eine große sakramentale Prozessior
nzuschließen pflegt. Sie haben nicht, wie die Katholiken
ersanimluͤngen, einen nationalen, zunächst für ein einzel—
res Volk berechneten, sondern einen internationalen, all—
zemeinen Charakter. Das Fronleichnamsfest, mit dem sie
iufs engste verwandt sind, wurde zuerst in Lüttich im
Jahre 1246 gefeiert; die eucharistischen Kongresse dagegen
sesteben erst seit ungefähr zwanzig Jahren

Jus Verbrechen gehetzßt.
Ein außerordentlich trübes Bild hat eine Verhand—
ung enthüllt, die am 16. März vor dem Schwvurgerich.
n Gothä stattsand. Angellagt war der Braugehilfe A.
zudwig aus Meiningen wegen Mordversuches, weil er
zmi 3. Dezember 1908 in der Arnoldischen Brauerei
n Golha seinen früheren Arbeitsgenossen Kühn durch
inen Schuß aus einem Tags zuvor gekauften Revolver
erletzt hatte. Trotz des belastenden Tatbestandes befand
ich jedoch das Gericht mit Einschluß des Staatsanwal
es mit seinen Gefühlen durchaus bei dem Angeklagten
der von seinem verletzten Arbeitsgenossen Kühn in Ver—

————

Blicke auf dem weiten großartigen Besitztum ruhen ließz.
Vielleicht hat keiner von uns recht mit seinen Vermutun—
sen. Wenn Mr. Dartacote nun, gleich andern Leuten in
benlicher Lage, ein Kolleg oder Hospital gründete? Aber was
sollte dann seine Frage, ob ich Mrs. Treherne heirajsen
volle.“ Immer und immer wieder kam ihm diese —
in den Sinn: aber eine Antwort darauf konnte er nicht
inden.
Zwei Stunden später saß er mit Mres. Treherne im
Zohnzimmer, während die beiden Aerzte cben im Kran—
nz*eumer weilten. Wahrscheinlich, weil er sie eben sozu—
agen verleugnet hatte, schien sie ihm an diesem Abende
eizender denn je. Ja, sie war schön! Aber sie wußte dies
nuch und erfand allerlei Mittel, ihre Schönheit noch zu
rhöhen und noch mehr hervorzuheben. Die nur mühsam
nterdrückte Aufregung ließ ihre Augen wie funkelnde Edel
eine erstrahlen, während auf ihre Wangen dunkle Roser
lühten. Tadellos gekleidet, bot sie ein reizendes Bild,
ls sie so im Sessel am offenen Fenster lehnte. Dämmer—
icht herrschte in dem prächtigen Gemach und durch die vom
Vindhauch leicht bewegten kosibaren Vorhänge grüßten schon
reundlich einige Sterne. -Berauschender Blumenduft drang
serein und das leise Rauschen eines Springbrunnens er
öhte die Behaglichkeit, Lurus und Schönheit umgaben sie
vie etwas ihr Zukoemmendes und als Hastings sie so an—
chaute, fragte er sich, ob er wohl je eine Frau, so nach
einem Geschmack finden würde wie sie. Sonderbar, di—
zrau, die am wenigsten seinem Stolze schmeichelte, war
uch zugleich diejenige, die ihn am meisten anzog und wenn
imdiesem Augenblick Mr. Darracote an ihn diefelbe Frage
estellt hätte wie vorhin, seine Antwort würde anders ge—
rutet haben. Welche Sotge ihm doch diese Antwort nod
mmer machte! Doch, welche Folgen dieselbe auch fin
Nrs. Treherne haben konnte, er wiegte sich in der ange
ehmen Sicherheit, daß sie keinen Einfluß auf seine eige
en Hoffnungen haben werde. Und wenn, was allerdingẽ
aum glaubhaft war, der sterbende Mann sein Vermögen ihr
och hinterlassen sollte, was schadete es schließlich? Ha—

Andung mit anderen sett Jahren in gehässigster Weil
verjolzt worden ist. Der Grund dafür war der, daß Lud
wig einen Fleiß und eine Teilnahme für das Geschäf
bekundet hat, die Kühn sowohl wie ein auderer Arbeits
genosse des Angeklagten, Motzbauer, als unkollegialisch
und gegen die Anschauungen des neuzeitlichen Arbeiter«
veritoßend betrachteten
Die Meinungsverschiedenheiten führten nicht nur zu
kränkenden und veleidigenden Redensarten, sondern au
zu mancherlei Plackereien im Geschäst und zu Hetzeereien
unerhalb der Gewerkschaft, der Ludwig seit 1907, und
;zwar im weiteren Verlause als Vertrauensmann, Dete
gierter und Vorsitzender der Zahlstelle, angehörte. 4
der Brauerei hetzte Kühn die anderen Mitarbeiter der
art gegen Ludwig auf, daß diese erklärten, nicht nme
nutit ihm zusammen arbeiten zu wollen; er mußte da—
her aus der Brauerei entlassen werden und wurde auch
aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Der Haß der Ge—
verkschast ist ihm jedoch treu geblieben, weo mmer er
sich um eine Stelle bemühte. Trotzdem er in einer spä—
teren Stellung auch wieder der Gewerkschaft beigerreten
war, wurde er überall durch seine Mitarbeiter verdrängt
datrch Anstifiung von Schlaägereien und Böswelligkeiten
atler Art. Auf diesen seinen Irrfahrten nach Arbeit war
er ouch wieder einmal nach Gotha gekommen und wurde
ei dieser Gelegenheit von Kühn getroffen, Streibrocher
genannt und mit „Lump“ und anderen Musdrücken be—
ichimpft.
Da Ludwig jede Möglichkeit, Arbeit zu bekommen
genommen war, faßte er am 2. Dezember den Enischluß.
dühn und sich zu erschießen, und kaufte sich zu diesemn
Zwecke einen Revolver. Bei einem nochnaligen Versuche,
n der Brauerei anzukommen, wurde er von Kühn belei
digt, worauf er in der Erregung auf ihn schoß und ihn
derletzte. Ein zweites Mal schoß er nicht, sondern mel
dete sich bei der Polizei, dte ihn verhaftete. In der Ver
zandlung stellten ihm Arbeitgeber und Mitarbeiter das
deste Zeugnis aus. Auch Kühn konnte nichts gegen ihn
»orbringen, während er selbst als Programmarbeiter und
inverträglich bezeichnet wurde. Die Zeugenaussage er
zab, daß unter dem Emfluß des Gewerkschaftsverban—
des die verschiedensten Enttassungen ersolgten. Dieser Ein—
luß war so groß, daß ein Arbeitgeber aus Furcht vor
—cchüdigung erklärte, nur unter Ausschluß der Oefsen:
ichteit Aussagen machen zu wollen, und daß eine gegen
botzbauer und Kühn von der Brauerei verfügte Entlas—
ung wieder zurückgenommen werden mußte. Nach dem
Tatbestande mußten die Geschworenen die Schuldsrage
»ejahen. Der Gerichtshof erlannte dementsprechend aus
de von der Staatsanwaltschaft beantragte Gefängnisstrafe
von 9 Monaten, rechnete aber davon 3 Monate der Unter
suchungshait ab.
Diese Verhandlung würde nicht auf so weitgehende
Ausmerksamkeit Anspruch haben, wenn sie nicht bezeichnend
väre für den Terrorismus der Gewerlsschaften ihren ei—
zenen Mitgliedern gegenüber, sosern diese sich nicht völ—
ig der von manchen Hetzern gefsorderten heiml'chen
Aufiässigleit gegenüber dem Arbeitgeber fügen, so schreibt
die „Kyfshäuser“. Die Verhandlung hat klipp und klar
ergeben, daß es sich bei diesem traurigen Fall nicht um
ine persönliche Feindschaft zwischen zwei Arbeitern ge—
andelt hat, sondern daß Kühn nur das Werkzeug der
ewerlschaft gewesen ist, die den Mißliebigen, trotzdem
rxeihr noch dazu als Vertrauensmann und im Ehren—
utte angehörte, audauernd verfolat und zur Verzweiflung
efrieben hot

Gerichtszeitung.
8 Das Billard als Brennholz. Aus Hann.Münden
wird berichtet: „Wenn kein Holz mehr da ist, schlage doch
das Billtard entzwei!“ Diese geflügelten Worte rief ei—
ies Tages der Juhaber eines hiesigen Hotels seinem
Zhausknecht zu. Dieser tat als treuer Fridolin nach des
Zerrn Worten, ging hin und schlug das Billard kaput.
Nachlräglich kann dem Hotelier aber die Reue, als er
vor den Trümmern seines Billard siand und der Haus
necht mußte die umgekehrte Rolle seines berühmten Kol—
legen aus Nubierland spielen: er flog vor die Tür. Ol
s ebenso, wie im Restaurant „Zum schwarzen Walfisch
von Askalon“ un 44 Uhr gewesen ist, darüber wird
nichts berichtet. Außerdem ging der Hotelier hin und
verklagte den Billardschänder wegen Sachbeschädigung. Sc
'am es, daß diese schöne Geschichte das hiesige Schöffen—
ericht beschäftigte. Der Beklagte hatte inzwischen ein
Stellung in Hannover angenommen und war vom per
zönlichen Erscheinen entbunden worden. Dagegen bekun—
deten Mitangestellte des Beklagten aus dem Hotel, daß
der Hotelier schon strüher einmal die Aeußerung getan
zabe, wenn nichts zu tun sei, möge der Hausknecht das
Billard entzwei schsagen. Der Hotelbesitzer gab in der
Verhandlung zu, eine Aeußerunzg getan zu haben, die
der Beklagte als Aufforderung für seine Tat auffassen
kounte. Obwoh! bei dem Zerstörungswerk auch die Mar—
nmorplatte des Billards in Trümmern gegangen war, sah
das Gericht unter diesen Umständen eine böswillige Sach—
beschadigung nicht für voriegend an und erkannte daher
antf Freiiprechung.
—

V» féeoo——————o—oooo ——,,,,,
sahß, zu gur. zronnte er sie nicht ausnützen? Wenn aber
andernfalls — und dies hielt er für wahrscheinlicher —
Mr. Darracote ihm alles hinterlassen sollte, was hindert⸗
ihn dann, Eleanor Treherne zu fragen, ob sie das Vermö—
mögen mit ihm teilen weolle. Die Möglichkeit eines ande—
ren Falles beunruhigte ihn nicht. Mr. Darracote hatte nie
irgend welchenn Heng gezeiet. sich mit menschenfreundlichen
Grillen abzuplagen. Wer sollle also der Erbe werden, wenn
nicht Mrs. Treherne oder selbst! Zu wem aber würde
sich die jetzt noch hin und her schwanlende Wagschale end⸗
lich herabneigen?
„Die Aerzte bleiben lange oben,“ satgte Vers. Treherne,
zie Stille unterbrechend. „Armer Onkel Darracotel Wie
chwer muß es sein, dieses reizende Besitztum zu verlassen
ind wer weiß welchem Schicksale entgegen zu gehen!l“
„Nun, ich denke, das ist doch klar »enug in unserer heu—
tigen Zeit bewiesen, daß mit dem Tode alles ein Ende
hzat!“ antwortete Hastings nachlässig. „Aber deshalb wirt
es einem nicht leichter, alles Schöne zu verlassen. Sagte
ich Ihnen übrigens, daß Mr. Darracote nach seinem Rechtsanwalt
 geschickt hat?“
Sie sah ihn scharf an, ohne jedoch nur im mindesten
ihre Stellung zu verändern. Auch die graziöse Bewegung
des Fächers, die ihr dazu verhalf, eine Hand von seltsa
mer Schönheit aufs vorteilhafteste zu zeigen, erlitt keine Un—
terbrechung. „Nein,“ sagte sie, „Sie haben mir nichts do—
ven gesagt. Wann tat er es?“
„Als ich ihm Dr. Warnets Meinung über seinen Zu—
stand mitgeteilt hatte. Er glaubt selbst, daß sein Ende nahe
ist und ließ deshalb sofort Mr. Kirby um 49 Uhr hier—
hin bestellen.“
„Ich glaube, es ist zwecklos zu fragen, ob er Ihnen
etwas von seinen Absichten mitteilte?“
„Ja, es ist zwecklos und zwar aus dem einfachen
Brunde, weil er mir garnichts darüber sagte. Ich weif
uicht mehr von Mr. Darracotes Absichten als Sie und
jabe auch nie den agerinasten Versuch gemacht, etwas da—

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